Freitag, 31.10.2014

Moderne Varianten des Mittelstürmers

Ein weiterer Artikel im Zuge unserer “Woche der Falschen Neun” – diesmal geht es um die verschiedenen Varianten dieses Spielertyps.

Wie bereits im Artikel über die Verwendung und Entstehung des Begriffes „falsche Neun“ angemerkt, beengt diese Definition nicht nur die passende Beschreibung aktueller und historischer Spielertypen , sondern auch die Entstehung unterschiedlicher Ausprägungen des Mittelstürmers abseits der Begrenzung allein auf den Raum um ihre Grundposition herum.

In diesem Artikel zeigen wir die unterschiedlichen Varianten der “falschen” Neun, ihren Verwendungszweck und einen Ausblick in die Zukunft. Unter anderem auch die Spielweise Karim Benzemas, welcher sich im 4-3-3 der Franzosen zwar “fluid”, aber doch anders als beispielsweise ein Lionel Messi, Johan Cruijff, Rajko Mitic oder Nandor Hidegkuti zeigte.

Wieso überhaupt die falsche / spielmachende Neun?

Die Nutzung der „spielmachenden Neun“ (die klassische „falsche Neun“) hat mehrere Gründe: neben dem Verwaisen der Stürmerposition zum Herstellen von Überzahl im Mittelfeld kann sie auch allgemein zum Ausnutzen der gegnerischen positions- oder mannorientierten Raumdeckung genutzt werden. Bei einer raumorientierten Raumdeckung oder einer klassischen Manndeckung würde die falsche Neun beispielsweise weniger Effekt haben, die generelle Spielweise wäre jedoch schwerer auszuführen und generell anfälliger.

Barcelona im Wandel der Zeiten; mit Kubala und Cruijff hatten sie schon vor Messi eine “falsche Neun”

Im Normalfall wird diese Spielweise aufbauend genutzt. Sie soll Kreativität im Angriffsvortrag und Stabilität im Spielaufbau bringen. Ein weiterer positiver Aspekt ist das Chaos in den gegnerischen Abwehrreihen, das durch die Freirolle entsteht; insbesondere historisch bei Cruijff und Hidegkuti hatte dies fatale Auswirkungen. Ideal zeigte sich dies beim 6:3-Erfolg der goldenen Ungarn auswärts gegen England im Wembley-Stadion.

Bei der modernen Version, allen voran Messi, aber auch früher Totti, sieht man oft, wie die falsche Neun bei hohem gegnerischem Druck (zumeist in Form von Mittelfeldpressing) dabei hilft, zentral Dreiecke zu bilden oder bei einer Manndeckung im Mittelfeld die frei gewordenen Räume zu nutzen, um die Rolle des Spielgestalters zu übernehmen. Dadurch nutzt sie die Starrheit der gegnerischen Viererketten, um Überzahl ab dem zweiten Spielfelddrittel zu schaffen. Selbst bei mannorientierter Raumdeckung traut sich kein Spieler aus der Viererkette, die falsche Neun bis weit in die gegnerische Hälfte zu verfolgen. Im ersten Drittel wäre das Zurückfallen der falschen Neun übrigens kontraproduktiv, da es zu kraftraubend wäre, der Raum noch enger ist und ein moderner Torhüter diese Aufgabe in der Tiefe übernehmen kann.

Allerdings sollte hier unterschieden werden zwischen einer tiefen und einer hohen spielmachenden Neun. Letzteres entspricht eher Totti oder auch Zlatan Ibrahimovic an bewegungsfreudigeren Tagen. Wie bereits im vorherigen Artikel erklärt profitiert Messi enorm von der Spielweise seiner Mannschaft, weswegen er sich auch so tief orientieren kann. Ibrahimovic oder auch andere spielmachende Mittelstürmer können dies nicht, verrichten aber ähnliche Offensivaufgaben im letzten Drittel statt im zweiten. Die „spielmachende tiefe Neun“ wird vorrangig bei längerem Ballbesitz und nicht bei Kontern genutzt, teilweise wird sie sogar erst durch die eigene Sicherheit und daraus resultierende zeitliche Dauer im Aufbauspiel möglich. Mannschaften mit weniger Ballbesitz haben – wenn sie denn mit einem potentiellen Spielgestalter im Sturmzentrum spielen – eine „spielmachende hohe Neun“, wie sie beispielsweise der erwähnte Ibrahimovic darstellt. Umgangssprachlich wird er jedoch kaum als „falsche Neun“ bezeichnet, was daran liegt, dass er sich deutlich näher in und um seine Grundposition in der Formation herum bewegt. Dies ist aber mehr Ausdruck der Spielweise seiner Mannschaft, als seiner individuellen Aufgaben.

Weitere Varianten der Neun

Allerdings muss die moderne Variante der beweglichen Neun nicht zwingend aufbauend und stabilisierend genutzt werden. Sie kann auch zur Verstärkung der Defensive genutzt werden – also ein Mittelstürmer, der seine Position im Defensivspiel verwaisen lässt und seine Abwehrarbeit jenseits des üblichen Rückwärtspressingrahmens ableistet. Ein Thomas Müller in Topform könnte beispielsweise eine solche Position herausragend ausführen, da er die nötige Ausdauer und Spielintelligenz mitbringt, um sich im Defensivspiel effektiv zu beteiligen.

Santos in der Saison 1962-63 – auch Pelé könnte als eine spielmachende Neun gesehen werden, während in der Nationalmannschaft Vavá ansatzweise eine ausweichende und/oder eine defensive Neun verkörperte

Eine solche „defensive Neun“ wird aber kaum genutzt. Die Gründe liegen auf der Hand: es fehlt bei Befreiungsschlägen oder schnellem Umschalten eine Anspielstation in der Tiefe und klassische Mittelstürmer disqualifizieren sich oftmals wegen ihrer technischen Mängel in Ballsicherung und Passspiel deswegen. In früheren Systemen mit mehreren Stürmern vorne gab es allerdings die Möglichkeit mit einer defensiven Neun zu agieren; Alfredo Di Stefano war ein solcher Spieler, auch John Charles und Georgi Asparuhov an besten Tagen zeigten Ansätze davon.

Der Waliser Charles war nicht nur als Mittelstürmer Weltklasse, sondern galt als einer der besten Innenverteidiger seiner Zeit und wurde zum besten ausländischen Spieler der Serie A im vergangenen Jahrhundert gewählt, noch vor Platini, Maradona und Co. Er brachte die nötigen defensiven Fähigkeiten mit, um diese Rolle effektiv auszuführen. Außerdem hatte er mit Boniperti und Sivori zwei sehr ballstarke und torgefährliche Halbstürmer im 3-2-2-3 hinter sich, die auch unter Druck Pässe behaupten (Sivori) sowie selbst nach vorne gehen konnten (Boniperti). Ähnliches gab es bei Di Stefano mit Francisco Gento auf links als diagonalem Außenstürmer, Ferenc Puskas im Sturmzentrum, Hector Rial (und später Luis De Sol) neben ihm und noch einigen mehr.

Die dritte große Variante des Nicht-Mittelstürmers ist jene der „umschaltenden Neun“. Mit Erhöhung der Athletik, der Wichtigkeit des Umschaltspiels und des Zusperren des Ballungsraumes offensives Zentrum, was für das Sterben der klassischen Zehn ursächlich war, könnte die Zeit für diesen dritten Ableger der falschen Neun kommen. Der bereits erwähnte Karim Benzema ist ein solcher Stürmer. Er lässt sich weder bei eigenem noch bei gegnerischem Ballbesitz fallen, sondern im Umschaltmoment, also dem Wechsel des Ballbesitzes. Nicht nur, dass er sich am Gegen- und Angriffspressing beteiligt, was ohnehin zum Standard für einen Mittelstürmer wird, auch im offensiven Umschaltspiel spielt er eine Schlüsselrolle.

Real im Umschaltmoment mit Benzema auf Raumsuche und aufrückenden Flügeln

Durch seine Spielintelligenz und hervorragende Technik kann er sich in die richtigen Räume fallen lassen und sich dadurch anspielbar machen. Er bietet seinen Mitspielern in der Defensive somit eine weitere Anspielstation in der Mitte. Zumeist entstehen durch die Begrenzung des Abseits auf die Mittellinie gewisser Löcher zwischen den Linien bei hohem gegnerischem Aufrücken. Es war exakt jener Raum, welchen Özil bei der WM 2010 entlang der gesamten Horizontale beackerte – eine ähnliche Rolle übernimmt Benzema auf allerhöchstem Niveau. Durch sein dynamisches Anbieten in freien Räumen zieht er entweder einen Verteidiger mit und öffnet eine Lücke oder er besitzt ausreichend Zeit, um sich zu drehen und angriffseinleitend tätig zu werden.

Eine weitere Möglichkeit, meist im Verbund mit der umschaltenden Neun ist das Ausweichen auf die Flügelpositionen. Dies liegt zumeist daran, dass durch die geöffnete Lücke in der eigenen wie der gegnerischen Formation und das schnelle Konterspiel sich die Flügelstürmer diagonal Richtung Sturmzentrum orientieren. In weiterer Folge übernimmt der nominelle Mittelstürmer die Position eines der eingerückten Mittelstürmer und spielt als „ausweichende Neun“. Agiert die Mannschaft mit viel Ballbesitz weit vorne im Feld und der Mittelstürmer passt sich den Bewegungen seiner Außenstürmer an, öffnet Räume durch horizontale Bewegungen oder das Kollektiv spielt offensiv-fluid, dann entstehen solche Ausweichbewegungen isoliert vom Zurückfallen im Umschaltspiel.

Zukunftsaussichten

Im Zeitalter der taktischen Neuerungen und der exorbitanten Dynamik verändern sich viele Aufgabengebiete. Die Mannschaften suchen nach Möglichkeiten bislang isolierte Spieler verstärkt miteinzubeziehen – das begann beim Stopper, ging über den Torwart bis zum Mittelstürmer. Doch auch die Möglichkeiten solcher Anpassungen verändern sich stetig. Immer wichtiger wird das Pressing und die Idee der defensiven Neun hat ihre Möglichkeit vor einigen Jahren verpasst, könnte aber als „pressende Neun“ in einigen Jahren Erfolge feiern.

Inwiefern die falsche Neun, wie sie beispielsweise Messi darstellt, einen Siegeszug feiern wird, bleibt abzuwarten. Zu hoch scheint ihre Abhängigkeit von längeren Ballbesitzphasen und somit einer individuell starken Mannschaft. Allerdings könnte sich durch die bessere Technikschulung von klein auf, die verbesserten Spielweisen im Aufbauspiel und den hohen Professionalismus, der sich auf die Eingespieltheit auswirkt, durchaus ein Trend zum Ballbesitzfußball entwickeln. Dann würde die tiefe spielmachende Neun ihren Siegeszug erst beginnen und sich an den Erfolgen aus der fußballerischen Urzeit orientieren können. Welche beweglichen Neuner sich letztendlich durchsetzen werden, wird also das Resultat einer der kollektiven Entwicklungen im Weltfußball. Voraussichtlich wird es einmal mehr auf eine Mischung herauslaufen, wie es auch TR in seinem Artikel erläutert.

Die starre / feste / klassische Neun wird also höchstwahrscheinlich die positiven und verwirklichbaren Aspekte der beweglichen / fluiden / falschen Neun und ihrer Untervarianten aufnehmen, wodurch sich unterschiedliche Stürmertypen mit Möglichkeit zur Anpassung an den Gegner entwickeln werden.

PAD 14. Oktober 2012 um 17:59

Den folgenden Text hab ich ungefähr dreimal neu geschrieben, da mir jedes Mal die Technik dazwischengegrätscht ist. Entschuldigt also, wenn dieser daher nicht mehr so ganz auf das Thema eingeht :P
„Das Ende der Entwicklung wird sicher nicht in einem Extrem liegen. Das Ideal wäre doch zweifelsohne eine Mannschaft, die Beides je nach Erfordernis abrufen kann.“
Ich bin auch der Meinung, dass die Evolution des Fußballs immer die Mannschaften dauerhaft erfolgreich sein lässt, die es schaffen, beide Extreme in ihr System einfließen zu lassen und individuell auf das Spielermaterial der Mannschaften anzuwenden. Auch bei Barcelona, die ja in den letzten drei Jahren Ballbesitzfußball gespielt wird. Vielmehr werden teilweise stark vertikal agierende Akteure in ein Ballbesitzsystem integriert(Dani Alves, Jordi Alba, David Villa zum Beispiel).
Bei Betrachtung der spielenden Elf wird die gegnerische Mannschaft immer mit den Gefahren dieser vertikal agierenden Akteure konfrontiert, was diese automatisch dazu zwingt, defensiv sicher zu stehen, oder diese Gefahren anders zu neutralisieren. In der Regel stellt man sich aber eher defensiver gegen Mannschaften mit enormem Spielerpotenzial, weswegen sich auch die hohe Stellung der Viererkette der Katalanen ergibt. Durch diese werden zum einen die Abstande zwischen den einzelnen Spielern in der Vertikale geringer und man ist bei Ballverlusten, die zwangsläufig durch ein ballbesitzorientiertes Spiel entstehen besser abgesichert gegen Überraschungsmomente, wie Distanzschüsse durch schussstarke Mittelfeldspieler(Arango gegen Frankfurt).
Ein weiteres Mittel um die Ballverlustphase( vgl. Modell van Gaals) zu verlängern ist das Gegenpressing. Durch das direkte Umschalten entsteht ein psychischer Druck, der zum einen lähmend wirken kann und zum anderen den Ball wieder in die eigenen Reihen bringt. Barcas Vorteil sind zusätzlich die ballsicheren und wendigen Spieler in der Zentrale, die die Ballverlustphase verlängern können und ein besseres Stellen zum Ball ermöglichen. Vergleichbare Spieler in Physis und Ballfertigkeit finden sich zum Beispiel in Wales bei Swansea mit Joe Allen(jetzt Liverpool) und Leon Britton.
Im eigenen Spielaufbau haben die vertikal agierenden Spieler dann wichtige Funktionen, in dem sie grundsätzlich eine ständige Gefahr darstellen und außerdem Überladungssituationen oder Ausweichlaufwege von Messi und co ausnutzen.
Was ich eigentlich sagen will, ist, dass gerade Barcelona nicht als brutales durchgedrücktes Ballbesitzmonsterteam aufgefasst werden darf. Das horizontale Spiel ist zwar eine tragende Säule, doch dient diese eher zur Minimierung der Gegentore, als zur Maximierung der Tormöglichkeiten. Die besondere Qualität und die Geduld der Taktgeber ermöglichen es Barcelona sogar sich qualitativ hochwertigste Möglichkeiten herauszuspielen, da viele Spieler dabei sind, die eine hohe Pass- bzw. Laufwegqualität mitbringen, was den vertikal denkenden Spielern zu Gute kommt .
Man sieht ja auch bei anderen ballbesitzorientierten Mannschaften, dass diese mindestens mal zwei oder drei stark vertikal denkende Spieler drin haben. Beim HSV ist aktuell am besten zu sehen, was die Anwesenheit von Ballschlepper Jiracek und Kreativkopf Van der Vaart bewirken können. Die Entwicklung dort ist nämlich noch lange nicht abgeschlossen und so langsam fügt sich da ein Puzzle zusammen, in dem auch andere Spieler neben den „Etablierten“ glänzen können, da eben die Konzentration auf VdV liegt und so vor allem auch die AV’s noch mehr an Bedeutung gewinnen werden.

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Tank 12. Oktober 2012 um 17:01

“Allerdings könnte sich durch die bessere Technikschulung von klein auf, die verbesserten Spielweisen im Aufbauspiel und den hohen Professionalismus, der sich auf die Eingespieltheit auswirkt, durchaus ein Trend zum Ballbesitzfußball entwickeln.”

Ich wage mal die Gegenthese: Der FC Barcelona ist mindestens für die halbwegs absehbare Zukunft der Endpunkt in Sachen Ballbesitzfußball und auch in der Breite wird es keinen Trend in diese Richtung geben. Zu schnell hat sich die hohe Kunst des Pressings verbreitet, als dass Mannschaften da dauerhaft mit Ballbesitz gegenhalten werden können. Die Kunst des Ball-abjagens und schnellen Umschaltens entwickelt sich schneller und breiter als die des Ballhaltens. Vielleicht weil sie ein bisschen einfacher ist. Außerdem verlangt ein Ballbesitzfußball, der Tore schießen möchte, eine hohe Abwehrkette, was wiederum gegen gut umschaltende Teams für die meisten Mannschaften zu riskant ist.

Will man sich die Zukunft des Fußballs angucken, dann schaue man sich Real Madrid an, nicht Barcelona.

(Leider.)

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Strafraumautist 12. Oktober 2012 um 17:11

Das man Real nicht mag kann ich ja verstehen, inwiefern aber der Fussball den Madrid unter Jose Mourinho spielt weniger attraktiv ist, als der Fussball Barcelonas kann ich nicht sehen.

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Tank 12. Oktober 2012 um 18:28

Ist mit ziemlicher Sicherheit ne nicht objektiv entscheidbare Ansichtssache. Fakt ist, dass Real anders spielt als Barcelona. Das eröffnet die Möglichkeit das Spiel der einen Mannschaft lieber zu mögen, als das der anderen. Und mehr wollte ich gar nicht gesagt haben.

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MR 12. Oktober 2012 um 17:24

Hmm, kein leichtes Thema denke ich. Allerdings würd ich mal das Argument einwerfen, dass die athletischen Fähigkeiten der Spieler so Langsam am limit sein dürften. Ich denk nicht dass wir mal in der Breite 15km pro Spieler erleben werden oder sowas.

Die technischen Fähigkeiten sind bisher höchstens in Barcelona ausgeschöpft, wenn die Ausbildungsansätze aus Katalonien so langsam in die restliche Welt schwappen wird sich dieses Niveau vielleicht auch andernortes langsam einstellen. Und damit steigt es auch noch mal in der Spitze noch mal.

Außerdem: Swansea. :-)

Allgemein glaube ich, dass der Trend weiterhin – auch bei Pressingteams – zu Polyvalenz und raumdenkenden Spielern gehen wird. Die klassischen Zweikämpfer werden zurückgehen, die stärksten Pressingteams werden eher Leute wie Modric oder Kagawa brauchen und auch eher einen Khedira als einen Frings.

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Tank 12. Oktober 2012 um 18:45

Nachvollziehbares Gegenargument.

Hier mein Versuch zu kontern:

Ich kaufe mal die These, dass die technischen Möglichkeiten bisher nur bei Barcelona voll ausgeschöpft sind. (Im Wissen, dass eh klar ist, dass es sowas wie “perfekte Technik” nicht gibt.)

Dann füge ich aber an, dass es sich bei den aktuellen Spielern des FC Barcelona nichtsdestotrotz um Ausnahmespieler handelt.

Dazu kommt dann die Beobachtung, dass selbst diese Spieler inzwischen regelmäßig große Probleme gegen gut und früh pressende und dann gut umschaltende Mittelklassemannschaften in La Liga haben. Nicht weil Barca schlechter geworden ist, sondern weil Ansätze gefunden wurden, um das Barca-Spiel zumindest ca. 70 Minuten lang zu stören.

Mein Punkt: Wenn selbst die beste Ballbesitzmannschaft aller Zeiten (oder zumindest eine Mannschaft, die man ernsthaft als solche erwägen könnte) regelmäßig Probleme gegen deutlich schwächere, aber taktisch gut eingestellte Pressing+Umschalt-Teams hat, wie können dann deutlich schwächer besetzte Mannschaften, auch mit besserer technischer Ausbildung, längerfristig gegen gut pressende und umschaltende Mannschaften bestehen?

Aus meiner persönlichen Sicht ist eine gute, offensiv eingestellte Ballbesitzmannschaft das Beste, was ich mir auf einem Fußballfeld vorstellen kann. Das Maß an Kontrolle UND Torgefahr, dass erreicht werden KANN, erscheint mir schwer zu toppen. Aber dafür, dass das wirklich funktioniert, braucht es eine Kombination aus den richtigen Spielern, dem richtigen Trainer etc., wie sie nur ganz ganz selten zu finden ist. Zu einem breiten Trend des Ballbesitzfußballs wird es daher nicht kommen.

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MR 12. Oktober 2012 um 20:27

“Dann füge ich aber an, dass es sich bei den aktuellen Spielern des FC Barcelona nichtsdestotrotz um Ausnahmespieler handelt. ”

-> Ausnahmespieler aus EINER Fußballschule doch aber nur. Messi, Iniesta, Xavi, Busquets – das hat EINE Fußballschule in einer Generation hervorgebracht. Wenn jetzt 50 Vereine die gleiche Ausbildung bieten könnten, wie sehr wären sie dann noch die Ausnahme?

Und ja Barca bekommt öfter Probleme, aber sie gewinnen doch trotzdem fast immer. :)

Und es ist ja nicht so, dass Madrid keine Probleme bekäme in ihren Spielen. Bei allen Schwierigkeiten muss ja erst mal einer kommen, der weniger hat.

Ist ein bisschen wie mit Arsenal. Das große Argument ist immer, dass sie keine Titel holen. Aber andere Teams mit dem gleichen Budget kommen nicht mal in eine Position, in der Titel diskutiert werden.

Die Beurteilung von Ballbesitzfußball wird etwas stark davon verzerrt, dass es noch immens wenig Teams gibt, die diesen Ansatz überhaupt fahren. Aktuelle Beispiele schwanken zwischen extrem gut (Frankfurt, Swansea) bis extrem schlecht (Liverpool, Köln – wobei es dort immer noch sehr neue Projekte sind).

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Tank 13. Oktober 2012 um 00:40

Ich sehe Xavi, Iniesta und natürlich Messi auch clubübergreifend als absolute Ausnahmetalente. Dass drei solcher Spieler dann auch noch über Jahre sich aufeinander einspielen können und aus einer Ausbildung kommen, die eine so klar formulierte Idee des Fußballs propagiert, halte ich für einen sehr seltenen Umstand. Nun kann es zwar sein, dass sich andere Fußballschulen, was Taktik- und Techniktraining angeht, an La Masia annähern werden und das auch andere Vereine eine einheitliche Spielphilosophie entwickeln werden, aber ehrlich gesagt kann ich mir nicht vorstellen, dass viele andere Vereine den Mut und die Ausdauer haben werden mehrere Jahrzehnte zu warten, bis so etwas Früchte trägt.

Das ist ja eines der großen Wunder am Erfolg des FC Barcelona in den letzten Jahren: Dass ein Verein mit so vielen konträren Interessen, politischen Ambitionen und Intrigen en masse den Mut hatte 20 Jahre lang den gleichen Fußball zu lehren, allen Trends des internationalen Spitzenfußballs zum Trotz. Sicherlich werden andere Vereine Ideen aus La Masia aufnehmen, aber dass andere Vereine wirklich in größerer Zahl sich so dem Ballbesitzfußball verschreiben werden, dass sie ihre gesamte Jugendarbeit darauf einstellen und daran, auch über längere Zeit festhalten, glaube ich nicht.

Zum zweiten Punkt: Ja, auch Mannschaften, die tiefer stehen, sich mehr auf Konter verlassen oder, ganz allgemein gesagt, nicht so Ballbesitz-lastig wie Barca spielen, haben ihre Probleme. Dennoch denke ich, dass ein offensiv ausgerichteter Ballbesitzfußball a la Barcelona im Vergleich zu vielen anderen Spielweisen stärker dem sprichwörtlichen Tanz auf der Rasierklinge gleicht. Wenn man es in diesem Tanz zur Meisterschaft gebracht hat, ist alles okay. Dann kann man enorm guten Fußball spielen. Ist man jedoch nicht so stark, dann ergeben sich sofort enorme Probleme. Bei einer Mannschaft die z.B. eher auf Konter aus ist, ist es hingegen leichter gute Ergebnisse zu erzielen, auch wenn man nicht so gut spielt.

Beispielhaft hierfür die Stellung der Abwehr. Im offensiven Ballbesitzfußball steht sie sehr hoch, teilweise auf Höhe der Mittellinie. Funktionieren die Abläufe im Team, so hat das viele Vorteile. Das Team steht kompakt, ein riesiger Raum ist für den Gegner Abseits, die Verteidiger können produktiv am Passspiel teilnehmen. Passen die Abläufe im Team aber nicht so, dann hat man ein verdammt großes Problem. Der große Raum hinter der Viererkette wird plötzlich zum Problem. Ein doofer Fehlpass und eine Überzahl an Gegnern hat nen halben Fußballplatz um sich zum Tor zu kombinieren.

Bei einer Mannschaft, die eher auf Konter aus ist (wie Madrid) und deshalb tief steht, gibt es diesen großen Raum auch, nur befindet er sich dieses Mal vor dem Großteil des eigenen Teams und nicht dahinter. Selbst wenn die Abläufe im Team nicht so klappen, steht man immer noch ziemlich tief und macht dem Gegner so das Leben schwer. Und auch wenn das Umschalten nicht so klappt, kann vorne immer noch mal irgendwie ein Tor fallen.

Zusammenfassend ist für eine Ballbesitzmannschaft der große freie Raum auf dem Spielfeld also die Quelle steter Gefahr, während für tiefer stehende Teams der große freie Raum eine Möglichkeit zu gefährlichen Angriffen ist. Ballbesitzmannschaften können dieses Problem überwinden (und sogar positiv ummünzen), aber wirklich nur wenn sie sehr sehr gut sind. Eine Mannschaft wie Real Madrid kann den großen freien Raum vor ihnen an guten Tagen sehr gut für ihre Zwecke nutzen, an schlechteren stehen sie aber immerhin sicher.

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MR 13. Oktober 2012 um 05:17

Alles richtig analysiert, aber wieso setzten sich in den letzten Jahren denn hochstehende Teams wie Barca und der BVB durch? Wo sind denn die mauernden Erfolgsteams? (Dass Chelsea da nicht zum Beispiel taugt, sollte ja klar sein.) Wieso hat Barca ausgerechnet dann die meisten Probleme, wenn ein Gegner sie dazu bringt, tiefer zu stehen? Und wieso sollte sich das alles in den kommenden Jahren ändern?

@Ausnahmefußballer: Natürlich clubübergreifend Ausnahmetalente – und doch alle aus einer Talentschmiede. Soll das reiner Zufall sein, oder zeigt das nicht eher wie viel Potential in anderen Jugendakademien offensichtlich auf der Strecke bleibt?

Wir sollten mal darüber podcasten, so niedergeschrieben ist mir das gerade zu mühsam. ;)

Aber noch mal zwei abschließende These:

Ich glaube du hängst etwas zu sehr an Barcas Perfektion – auch das “Vertikalteam” Real Madrid konnte nur deshalb Meister werden, weil sie ihr Spiel ähnlich stark (oder gar noch stärker?) perfektioniert haben und dazu noch wichtige Elemente des Ballbesitzfußballes eingebaut. (Ich denke, Real hatte in genügend Spielen über 70% Ballbesitz und generierte die Stabilität über das starke Gegenpressing.) Ich denke nicht, dass diese Perfektion so ein zentral wichtiges Element des Ballbesitzfußballes ist, vor allem da man den ja mit unterschiedlichen Risikostufen betreiben kann – Stichwort spanische Nationalmannschaft, höchst konstant und abgesichert.

Ich bin mir nicht sicher, ob man solche Passmonster wie Xavi braucht, um das Ballbesitzspiel auf so einem Level zu führen, und bin sogar der Meinung, dass eine breiter gestreute, also “flacherere” Verteilung der Passfähigkeiten im Team sogar ein noch besseres Spiel ermöglichen könnte und eine generelle technische Limitiertheit möglicherweise gar besser ist, solange die geistigen Fähigkeiten auf ähnlichem Niveau sind. Ich glaube, es ist besser, drei Modrics zu haben, als drei Xavis zu haben, sag ich mal. (Und wohl auch besser als drei Iniestas.) Aber das führt ein bisschen zu weit.

Und zu allerletzt muss ich noch mal Swansea aufgreifen: Die Konstanz, die du anmahnst ist nicht notwendig, wenn man nicht in der Spitze mitspielen muss. Gerade im Mittelmaß der Ligen seh ich eine Ballbesitzwelle aufkommen. Swansea war ein monumentaler Startschuss dieser Entwicklung, Frankfurt untermauert dieses Potential. Und Ballbesitzfußball muss ja auch nicht so gnadenlos wie bei Barca sein.

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Rasengrün 13. Oktober 2012 um 02:28

Eine neue Permutation der alten Frage, was nun besser ist, aktiver oder reaktiver Fußball. Oder nicht?

Das Ende der Entwicklung wird sicher nicht in einem Extrem liegen. Das Ideal wäre doch zweifelsohne eine Mannschaft, die Beides je nach Erfordernis abrufen kann.

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Tank 14. Oktober 2012 um 23:19

Ach, ihr bei Spielverlagerung seid hoffnungslose Modric-Fanboys! :P (…ist ja auch ein Guter…)

Nein, ernsthaft, ich will auch gar nicht behaupten, dass niemand mehr mit Ballbesitz erfolgreich sein wird oder sowas. Auch glaube ich nicht an eine Rückkehr des Catenaccio. Die passende Bezeichnung für die Art Fußball, von der ich glaube, dass sie die nähere und mittlere Zukunft des Fußballs prägen wird, ist wohl eher Umschaltfußball. Und damit sind natürlich nicht nur Teams, die sich hinten vermauern und dann einmal über den ganzen Platz kontern gemeint. Auch Dortmunds Spielweise nenne ich Umschaltfußball. Barcelonas (und Spaniens, über Bayern kann man reden, über Deutschland vielleicht auch) Spielweise hingegen nicht. Diese Teams schalten zwar von Ballbesitz auf Ball zurück gewinnen ähnlich um, wie alle anderen auch, unterlassen aber vertikale Umschaltspiel nach Ballgewinn meistens, um lieber mehr Ballbesitz zu haben. Um aus diesem Ballbesitz aber zu einer ausreichenden Menge qualitativ ordentlicher Chancen zu kommen, muss man Dinge tun, die, wie bereits erläutert, für die meisten Teams einfach zu riskant sind.

Wie gesagt, ich will gar nicht bestreiten, dass es erfolgreiche Ballbesitzmannschaften auch in der Zukunft geben wird, aber ich denke doch, dass dem Ballbesitzfußball Risiken immanent sind, die verhindern, dass er mal zu einem wirklich breiten Trend wird.

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Eher Modeerscheinung als große Revolution 12. Oktober 2012 um 13:57

Ich finde die älteren Beispiele zwar ganz nett aber was Taktik betrifft waren die doch eher Kreisklasse.Cruyff,Pele waren absolute Top Stars und früher war es doch so, wenn jemand gut war konnte er eigentlich machen was er wollte.
Ohne den jetzt irgendwelche taktischen Vorgaben absprechen zu wollen, aber ich glaube vieles von dem war nicht geplant.

Aktuell zur falschen Neun sehe ich es wie PAD eher Modeerscheinung als große Fussballrevolution.Wenn du mit Messi Xavi und Iniesta 3 Spieler im Kader hast du locker in die Elf des Jahrhunderts passen, kannst du wahrscheinlich sämtliche Systeme Spielen und wirst trotzdem erfolgreich sein.Wieviel davon jetzt falsche Neun ist, ist natürlich nur hypothetisch, aber ich denke es ist nur ein geringer Anteil!!

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Strafraumautist 12. Oktober 2012 um 17:13

Nee, sehe ich nicht so. Was diese Mannschaft so groß macht, ist die Einheit von Talent und Taktik. Sie hätten die Liga und Europa niemals so dominiert, wenn sie sich nur auf das Talent verlassen hätten.

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Felix 12. Oktober 2012 um 17:25

Möglich, dass früher diese taktischen Mittel weniger bewusst umgesetzt wurden, bzw weniger nach Vorgabe, als nach dem eigenen Verständnis der jeweiligen Spieler. Letztlich muss ein Spieler ja auch schauen, in welcher Situation es Sinn macht eine Vorgabe umzusetzen und wann er selber entscheiden, wie er agiert.

Eine Überlegung die ich gemacht hatte war, ob es nicht möglich wäre, dass der Mittelstürmer auch bei gegn. Ballbesitz teilweise eine hohe Position behält und sich weniger am Pressing beteiligt. Als Absicherung müssten dabei wohl beide gegn. IVs ebenfalls weiter zurückgezogen bleiben, um den MS abzusichern. Positioniert er sich immer auf der Abseitslinie oder sogar im Abseits, kann er sich zur eigenen Spielhälfte umdrehen und bei einem Konter den eigenen Spielern entgegen kommen, den ersten Pass bekommen und diesen weiter verteilen, bzw sich mit dem Ball drehen und selber den Weg zum Tor suchen. In dem Szenario wäre das Spielfeld lang gezogen, 2 sprintstarke Spieler könnten praktisch im Vollsprint auf das gegn. Tor zu gehen und mit Pässen gefüttert werden, da die beiden IVs diese Situation nur schwer verteidigen können: Bekommt der MS den Ball und ein IV presst ihn sofort, kann er den Ball für den Spieler ablegen, der auf ihn zu kommt und dieser überrennt mit Leichtigkeit den IV. Wird der MS nicht gepresst, hat er die Zeit sich zu drehen und er kann selber Fahrt aufnehmen, vllt sogar mit einer Körpertäuschung den 1. IV schon aus dem Spiel nehmen.
Lässt sich der MS von seiner hohen Position fallen, würden die IVs wohl folgen, was mit einem Pass in die immernoch bestehende Tiefe bestraft werden könnte.
Ich weiß nicht, ob verständlich ist, was ich versuche zu erklären. Letztlich würde der MS lediglich als Durchlaufstation fungieren, wobei er eben dem Ball entgegen geht und damit auch die gegn. IVs in diese Bewegung hineinziehen würde.

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PAD 12. Oktober 2012 um 03:02

Irgendwie hab ich ein Problem mit dieser ganzen falschen Neun, Messi-Geschichte. Versteht mich nicht falsch, aber ich habe irgendwie das Gefühl, dass dieses ganze Barcelona-Gebashe(vor allem durch die Medien und Taktikblogs) so eine Suche nach etwas absolut außergewöhnlichem hervorruft, die das Spiel von Barcelona zusätzlich hervorheben soll. In meinen Augen gibt es verschiedene Arten, als Stürmer zu spielen und nur weil die Spielweise von Barcelona alles aus den Angeln hebt und die besten Resultate über die letzten drei Jahre hervorbringt, soll die Position von Messi auf einmal überbesonders sein und nur bei den erfolgreichsten der Erfolgreichen auftreten?

In meinen Augen lassen sich Stürmer in verschiedene taktische Eigenschaftenkategorien einordnen:

Vertikale Stellung bei eig. Ballbesitz
Hohe Position um Spielfeld lang zu machen oder tiefe Stellung um für Überzahl in MF zu sorgen?

Vertikale Stellung bei gegn. Ballbesitz
hohe Position um ggf. vertikales Umschaltspiel zu ermöglichen oder tiefe Stellung um Überzahl in MF zu provozieren

Horizontale Stellung bei eig. Ballbesitz
Außen um Seiten zu überladen oder innen um aussichtsreichere Postionen für einen Abschluss zu haben

Horizontale Stellung bei gegn. Ballbesitz
Außen um ggf. in geöffnete Halbräume der AV’s bereit zu stehen oder innen für gefährlichere Position beim Umschalten

Vertikale Bewegungen bei eig. Ballbesitz
In die Spitze für Schnittstellenpässe oder vom geg. Tor weg um Räume in der Spitze zu öffnen

Vertikale Bewegungen bei gegn. Ballbesitz
In die Spitze um Konter zu ermöglichen oder vom Tor weg zwecks Rückwärtspressing

Horizontale Bewegungen bei eig. Ballbesitz
Von außen nach innen um geöffnete Räume zu nutzen oder von innen nach außen um ebensolche zu öffnen

Horizontale Bewegungen bei gegn. Ballbesitz
Von außen nach innen um Zentrum zu sichern oder von innen nach außen um Halbräume hinter AV’s zu nutzen

Vielleicht ist da einiges doppelt gemoppelt, aber ich denke mit der Kombination der verschiedenen Punkte, kann man so ziemlich jeden Stürmer(Spieler) taktisch klar erfassen. Klar muss dabei nur sein, dass bei den Beschreibungen nur Extreme aufgelistet sind und jeder Spieler in jeder Kategorie sich sehr individuell verhält. Ein klassischer Torjäger wird sich zum Beispiel kaum horizontal bewegen und vertikal den Weg in die Spitze suchen, während ein Wandspieler vertikal aus einer hohen Position den Weg zurück sucht und so Räume für einlaufende Außenspieler öffnet. In der Bundesliga denke ich dabei zum Beispiel an Huntelaar bzw. Mike Hanke. Die Kunst besteht zum einen beim Trainer, den Stürmer entsprechend seiner Bedeutung für das Team einzustellen, aber auch beim Stürmer selbst, da er letzten Endes im Spiel seine eigenen Entscheidungen treffen muss.

Was Messi und andere “falsche Neuner” so gefährlich macht ist zum einen ihre hohe Spielintelligenz aber auch eine hohe Dominanz, die durch großes Fußballertalent oder eine außergewöhnliche Physis begründet ist. Durch eine hohe Zielstrebigkeit schaffen sie es durch ihre Aktionen, egal, wie diese auch aussehen Gefahr zu kreieren. Das klappt aber u.a. bei den Raumöffnungen nur, wenn das Team ebenfalls eine hohe und breite Qualität besitzt. So können es diese Teams schaffen, verschiedenste Fehler des Gegners zu bestrafen. Spieler wie Messi sind dabei dann die Initiatoren, die mit ihren Bewegungen dann die Aktionen einleiten, welche den Gegner knacken sollen.

Was ich mit alledem sagen möchte ist, dass man die Position der falschen neun nicht höher hängen sollte, als die Spieler, die diese Rolle im Team ausführen, egal von welcher Position aus. Außerdem braucht ein solcher Spieler ein Team, dass auf die verschiedenen Bewegungen reagieren kann.

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Padh1j0 11. Oktober 2012 um 15:57

schöner Artikel wieder!
Was mich bei dem ganzen interessiert, ist, wo man Lewandowski unter diesen Varianten einordnen kann. Ist er doch ein Stürmer, der gut seinen Körper einsetzen kann (z.B. zum Abschirmen des Balles), aber auch sonst sehe ich ihn technisch unter den besten Stürmern.

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Häschber 11. Oktober 2012 um 20:57

.. von den besseren!

Ich würde ihn unter der Klasse, die mit Benzema personifziert ist, einordnen. Er weicht vorallem bei gegnerischem Ballbesitz bzw im Umschaltmoment auf die Flügel oder die Halbpositionen aus, um dort lange Bälle zu erhalten.

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Padh1j0 12. Oktober 2012 um 21:17

ich stimme dir voll und ganz zu!
Für mich war nur überraschend, dass er überhaupt keine Erwähnung hier fand, wo doch sehr “BL-nah” hier (häufig) geschrieben wird.

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GregTheMac 11. Oktober 2012 um 13:59

Ein wirklich gelungener Artikel, vielen Dank!
Was ich noch bei Euren fussballphilosophischen Abhandlungen zur Taktiktheorie ganz nett faende, waeren jeweils am Ende des Artikels Angaben zu den Quellen, die Ihr zur Informationsgenerierung vewendet habt. Im vorangegangenem Artikel habe ich z.B. viel aus “Inverting the Pyramid” entdecken koennen. Das waere sehr hilfreich fuer jene, die sich noch weiter in die Themen vertiefen moechten.

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DJ Doena 11. Oktober 2012 um 13:24

Ich freue mich schon auf die Artikel zu Defensive und Abwehr. Ich hoffe, ihr bezieht dann auch aktuelle deutsche Nationalspieler wie Hummels oder Badstuber mit ein, ob sie diesem Stil entsprechen oder nicht.

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Loenz 10. Oktober 2012 um 20:48

Interessant wäre jetzt eine Artikelreihe, wie man darauf Defensiv reagiert hat und wie man wieder vermehrt darauf defensiv reagieren könnte? Wiedereinführung eines freien Mannes in der Abwehr? Sehen wir demnächst wieder die Beckenbauers und Baresis?

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MR 10. Oktober 2012 um 21:01

Coming soon. ;)

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Loenz 10. Oktober 2012 um 21:04

Hätte ich es doch wissen können, das ihr euch da natürlich schon drüber Gedanken gemacht habt.

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GregTheMac 10. Oktober 2012 um 22:27

Jonathan Wilson und Michael Cox haben sich mal interessante Gedanken zur defensiven Antwort und der Rueckkehr des Liberos gemacht.
http://www.guardian.co.uk/football/blog/2009/sep/22/football-tactics-trends
http://www.zonalmarking.net/2010/04/22/is-the-sweeper-set-for-a-return-to-prominence/

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daniel 10. Oktober 2012 um 20:45

vielen Dank für den Artikel und die Serie!
Ich habe jedoch eine Anmerkung zu der Barça-in-den-Fünfzigern Grafik: Es wäre wünschenswert auf die frankistische Variante des Logos zu verzichten. Diese wurde zwar damals verwendet, aber eben nur unter Zwang der Diktatur.

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Niko 10. Oktober 2012 um 20:35

wo ist die spieleranalyse von messi ?

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MR 10. Oktober 2012 um 20:40

Haben wir im Rest der Woche versteckt.

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Taktikfuchs 10. Oktober 2012 um 19:20

starke und komplette Spieleranalyse, vielen Dank! Über seine mentale Stärke und die Evolution vom Winger zur “False Nine” könnte man vielleicht noch einige Absätze hinzufügen.

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