Borussia M’Gladbach – Borussia Dortmund 1:1 | in-depth-Analyse

Das Duell der beiden Borussias – wer hätte vor der Saison gedacht, dass dies ein Spitzenspiel werden würde? Doch die Gladbacher präsentierten sich in dieser Saison im Stile einer Topmannschaft, man besiegte die Münchner Bayern und stellte jede einzelne Mannschaft vor große Probleme, viele 1:0-Siege und der ein oder andere Kantersieg zeigen, dass mit dem vermeintlichen Abstiegskandidaten in dieser Meisterschaft im Rennen um die oberen Plätze zu rechnen ist. Der Gegner hingegen, die schwarz-gelbe Borussia aus Dortmund,  hatte zu Beginn einen eher schwachen Start, doch knüpfte in den letzten Wochen an die Meisterform der letzten Kampagne an, auch sie konnten den Branchenprimus aus München besiegen und wollten nun gegen Gladbach die Tabellenführung auf einen direkten Konkurrenten ausbauen – das klassische Sechs-Punkte-Spiel, wie so mancher TV-Experte sagen würde.

Wechselwirkung der jeweiligen Formationen

Grundformationen zu Beginn

Taktiktheoretisch hätten die Gladbacher in diesem Spiel starke Nachteile haben müssen. Mit ihrem eigentlichen 4-4-2  mit flacher Vier im Mittelfeld und ohne Marco Reus gab es durchaus die ein oder andere Stimme, welche das Spiel bereits im Vorhinein den Gästen zugesprochen hätte, doch dies wäre ein großer Fehler gewesen, denn Lucien Favre packte eine Überraschung aus. Da auch de Camargo ausfiel, kam Raul Bobadilla neben Mike Hanke im Angriff zum Einsatz und überraschenderweise veränderten sich ebenfalls auf einigen anderen Positionen die Verantwortungsbereiche. Mit Herrmann auf der rechten Seite war man bereits wie im letzten Spiel dermaßen stark offensiv orientiert, dass sich das System fast als eine Art verkapptes 4-3-3 hätte beschreiben sollen, diese Asymmetrie wurde unter anderem durch Arango und Nordtveit zum Funktionieren gebracht.

Arango, welcher auf seiner Stammposition im linken offensiven Mittelfeld zum Einsatz kam, dosierte seine Vorstöße ins letzte Spielfelddrittel sehr intelligent und nahm oftmals eine Art Spielmacherrolle an sich, zeigte mit schnellen Umschaltspiel und guter Technik abermals seine Stärke. Nordtveit hingegen rückte von seiner halbrechten Position im defensiven Mittelfeld, neben Roman Neustädter auf der Doppelsechs, öfter hinter Herrmann ab und sicherte den Raum, auch weil Rechtsaußenverteidiger Jantschke sich vermehrt ins Offensivspiel miteinschaltete. Dies war einem weiteren Grund geschuldet: die Gladbacher kehrten etwas von ihrem Abwehrpressing ab und attackierten höher, diese Tendenz hatte man bereits in den letzten Wochen erkennen können, doch gegen die Dortmunder wurde es um eine weitere Stufe gesteigert. Herrmann und die beiden Mittelstürmer kümmerten sich sogar oftmals darum, dass in der Innenverteidigung auf Hummels und im defensiven Mittelfeld gepresst wurde, während sich der Gladbacher Defensivverbund auf das Versperren von Passwegen konzentrierte – ein ähnliches Mittel hatten die Dortmunder gegen den FC Bayern genutzt und waren siegreich gewesen. Dieser Effekt wurde durch die kopfballschwachen Kagawa und Götze noch verschärft, welche unter Bedrängnis hoch heraus geschlagene Bälle nicht problemlos verarbeiten konnten und sich einige wenige Male sogar seltene Stockfehler leisteten.

Neustädters hervorragende Laufarbeit und Daems‘ defensive Rolle, der sich auf der gegenüberliegenden Seite von Jantschke nicht so offensiv wie letzterer zeigte, sorgten ebenfalls sehr effektiv dafür, dass das System funktionierte. Die Ursache, wieso Jantschke der offensivere war, liegt auf der Hand: da Herrrmann sich im letzten Drittel präsenter zeigte, durfte man keine großen Löcher in der Vertikale hinterlassen, also rückte Jantschke auch ohne Ball mit auf und Nordtveit bewegte sich wie bereits erwähnt stärker auf den rechten Flügel. In der Innenverteidigung kamen mit Dante und Stranzl wieder die zwei aktuellen Stammverteidiger zum Einsatz und insbesondere der Brasilianer zeigte eine hervorragende Partie. Einige Male kam er noch in letzter Sekunde rechtzeitig und neben dem Aufbau- und Kopfballspiel zeigte er sich sowohl im Zweikampf als auch im mentalen Bereich sehr fähig: das ein oder andere Mal rückte er aus der Viererkette hinaus und attackierte seinen Gegenspieler oder öffnete die Raumdeckung etwas, um seine Mitspieler gegen Götze, Kagawa und Co. effektiv absichern zu können.

Die Dortmunder traten ebenfalls wie ihre Gegner mit dem erwarteten System an. Im 4-2-3-1/4-4-1-1-Hybridsystem hätte man auf dem Papier Vorteile gehabt, da sie das Zentrum des Gegners eingenommen und die Wege zum Sturm abgesperrt hätten, doch da sich Hanke und auch Bobadilla oftmals fallen ließen, hatte man im defensiven Mittelfeld mehr Zweikämpfe gegen verschiedene Spieler zu bestreiten, als es noch gegen die Bayern der Fall war.

Auffällig war auch, dass sich Schmelzer und Piszczek auf den Außenverteidigerpositionen offensiver orientierten, da sie nun nicht mehr primär defensivorientiert waren und man gegen die Gladbacher mit einem höheren Pressing agieren wollte, was großteils glückte. Desweiteren gab es eine weitere Änderung, die mit der höheren schematischen Grundposition einherging, es war die Positionierung Hummels‘ wie auch Santanas, beide zeigten sich deutlich höher und antizipativer, als es noch im Spiel gegen die Bayern der Fall war. Insbesondere Hummels, welcher beim letzten Spitzenspiel sich noch hauptsächlich als eine Art Manndecker mit Gomez beschäftigte, tauchte nun öfter weiter weg von seinem klassischen Aktionsradius auf, dieses höhere Spiel sorgte ebenfalls dafür, dass man Weidenfeller vermehrt ins Aufbauspiel einband und dieser sich fast schon ungewohnt präsent am Ball zeigte, wenngleich er natürlich dennoch nicht als moderner Torhüter bezeichnet werden kann.

Vor dieser Viererkette traten Kehl und Gündogan in der Doppelsechs an, hier waren die Rollen nominell klar verteilt, aber nichtsdestotrotz konnte man gut beobachten, wie sich auch Kehl stark auf das Aufbauspiel und Umschalten konzentrierte und wie Gündogan sich in der Defensivarbeit beteiligte. Die offensive Dreierreihe war wie beim letzten Mal mit Großkreutz links, Götze rechts und Kagawa im Zentrum besetzt, doch alle drei Spieler zeigten eine leichte Veränderung, Götze bspw. orientierte sich öfters stärker auf seinen Flügel, während Großkreutz deutlich höher agierte. Allerdings war die Veränderung Kagawas dennoch am besten zu erkennen, zwar waren seine Rotationen mit Lewandowski weiterhin vorhanden, aber sie waren seltener und meist ohne Ball im zweiten Drittel, normalerweise orientierte sich Kagawa mit Lewandowski am gegnerischen Tor und spielte in den Halbpositionen um ihn herum, während Lewandowski ein Tor erzielte und defensiv gut mitarbeitete, aber nicht so herausragend wie im Spiel gegen die Münchner war.

Alles in allem war die Aufstellung der Dortmunder sehr ähnlich wie gegen die Bayern, doch bei genauerem Blick konnte man bei den einzelnen Ausrichtungen und mikrotaktischen Aspekten deutlich Unterschiede erkennen, auch weil die Gladbacher defensiv sehr stark spielten und trotz ihrer nominellen Unterlegenheit den Ballbesitz für sich beanspruchten – ohne so eintönig und exzessiv zu wirken, wie es der Rekordmeister gegen die Schwarz-Gelben tat.

Dortmunds proaktive Verteidigung als Antwort auf Gladbachs moderne Stürmer?

Einer der Gründe, wieso Hummels und Santana nun freier und antizipativer agierten, war sicherlich der veränderte Gegner. Mit Bobadilla und Hanke besitzt man zwar zwei gelernte Mittelstürmer, doch beide lassen sich tief fallen und Hanke rochiert sogar deutlich auf den Flügel oder ins Mittelfeld, besticht hierbei durch seine Athletik und es war einer von vielen Schlüssel der Gladbacher Erfolge in dieser Saison, dass die gegnerischen Innenverteidiger sich auf einen oder sogar keinen der Mittelstürmer konzentrieren konnten und dann über schnelle Kombinationen von außen nach innen einen Geschwindigkeitsnachteil in direkten Duellen hatten – dies war unter anderem einer der Gründe, wieso Reus als falsche Neun so dermaßen effektiv war.

Um dies zu unterbinden, gingen Humels und Santana ihren Gegenspielern bis zu einer gewissen Höhe nach, verließen die Viererkette teilweise und konnten dadurch einige Male Bälle früher als üblich erobern. Besonders wichtig war dies, weil man ohne Bender im Mittelfeld den stärksten Balleroberer der gesamten Liga missen musste und dadurch etwas offener für gegnerische Angriffe übers Zentrum war, aber durch eine Verdichtung der Mitte von hinten diesen Nachteil manchmal etwas auszugleichen versuchte. Fraglich ist allerdings, ob diese Art zu verteidigen, generell eine Alternative sein könnte, da der Gegner sich darauf schnell einstellen kann (und es getan hätte, wenn die Dortmunder es exzessiv gemacht hätten) und viele Löcher geöffnet werden. Wenn die beiden Innenverteidiger aufrücken, die Außenverteidiger aber es nicht im richtigen Moment ebenfalls tun, dann öffnen sich im Herzen der Abwehrreihe große Schnittstellen, welche insbesondere gegen Teams im 4-5-1 sehr gefährlich sein können, da der offensivste Mittelfeldspieler in dieses Loch hineinstoßen kann, falls der Mittelstürmer hinaus verfolgt würde. Ein weiterer Aspekt ist Hummels´ technische Stärke, denn bei Aufrücken und erfolgreicher Balleroberung kann er das Spiel nicht ruhig von hinten aufbauen, vielmehr findet er sich unter Bedrängnis im Zentrum des Spiels wieder, was ihm nicht so liegt, wie seine tiefe Rolle als Spielgestalter von hinten heraus, welche durch das Gladbacher Pressing aber ohnehin etwas eingeschränkt war.

Pressingvergleich – beide Teams stellen um

Der taktisch interessanteste Aspekt in diesem Spiel war, dass beide Mannschaften sich kompakt und im Mittelfeldpressing zeigten. Besonders erstaunlich ist dies, weil die Gladbacher eigentlich mit einem 10-Mann-Defensivverbund und Abwehrpressing spielen, wo sie die Abwehr hoch und die Sturmreihe tief positionieren und sich dann als Block langsam nach hinten bewegen, um auf Fehler des Gegners zu warten. Geschieht dieser Fehler, dann spielen sie entweder schnellstmöglich in die Löcher und den geöffneten Raum oder sie reagieren mit einer sicheren Kurzpassstafette in der eigenen Abwehrreihe – dies geschieht insbesondere bei Gegnern, die extrem schnell umschalten oder falls das Spiel sehr rasant ablief und man deshalb etwas Tempo herausnehmen möchte. Ganz anders präsentieren sich die Dortmunder im Normalfall, sie spielen schnell und ballsicher auf das gegnerische Tor und nach Ballverlust nutzen sie oft das taktische Mittel des Gegenpressings, sie orientieren sich sofort Richtung Ball und bedrängen den ballführenden Gegner, das Gegenpressing ist in diesem Fall also normalerweise mit Angriffspressing gleichzusetzen, doch ebenso wie gegen die Bayern trat man auf dem Bökelberg mit einer interessanten und kompakten Variante des Mittelfeldpressings an. Sie formierten sich vom 4-2-3-1 oft zum 4-4-2 und machten die Räume sehr dicht, oftmals gaben sie die Seiten auf, um weiter vorne attackieren zu können, auch deshalb rückten Piszczek und Schmelzer in die Offensive auf.

Eine Parallele besteht hierbei also zu Gladbach, welche ebenfalls die Räume auf der Seite teilweise verwaisen ließen, doch hier war der Grund nicht die schnelle Balleroberung, sondern das Sichern des Zentrums und das Provozierens von Pässen auf die Außenbahn, was dafür sorgen sollte, dass Götze und Co. sich stärker Richtung Außen orientieren und dadurch an Gefährlichkeit einbüßen sollten. Die Konsequenz dieser beiden Spielweisen war, dass beide Teams zwar oft zum Abschluss, aber nur nach individuellen Fehlern, und generell sehr selten zu Großchanen kamen, was letztlich in einem gerechten Unentschieden mit relativ wenig Toren mündete. Das Aufrücken beider Abwehrreihen und die flache Vier im Mittelfeld machten allerdings beide Teams bei langen Bällen vulnerativ, wie bereits die erste Aktion im Spiel, jene Chance von Götze, als Paradebeispiel zeigte.  Dennoch war es schwer, dieses Mittel zu nutzen, einerseits sind die Gladbacher Verteidiger luftkampfstärker als ihre jeweiligen Gegenspieler, andererseits ließen sich Hanke und Bobadilla so tief hängen, dass Bälle in den Lauf schwer zu spielen waren, wobei ein langer Ball auf den höher postierten Bobadilla ebenfalls in den Anfangsminuten beinahe für ein Lupfertor des Mittelstürmers gesorgt hätte. Weiterhin dürfte dieses Art zu spielen der Philosophie beider Trainer widersprechen, insbesondere jener von Lucien Favre, welcher nachdem Spiel seine Mannschaft dafür lobte, dass sie dermaßen oft auf hohe Bälle verzichtet und flache Pässe vorgezogen hatte, was seiner Meinung nach (und absolut berechtigt) schnelleres und attraktiveres Spiel propagiert. Es ist löblich, dass beide Trainer und eben besonders Favre sich nicht zu einem Kick&Rush hatten hinreißen lassen, da es keineswegs sicher Erfolg gebracht hätte, aber es bestimmt das gut anzusehende Fußballspiel zweier großer Mannschaften mit viel Potenzial zerstört hätte.

Aufrückende Außenverteidiger – nicht nur offensiv wichtig?

Beide Mannschaften hatten eine veränderte Aufteilung ihrer Außenverteidiger in diesem Spiel gezeigt, beide jedoch nicht aus den gängigen Motiven, sondern vielmehr der defensiven Kompaktheit wegen. Da Großkreutz und die gesamte Mannschaft höher agierte, durften Schmelzer und Piszczek sich ebenfalls weiter vorne positionieren und sich in die Offensive miteinschalten. Besonders wichtig war dies für das Gegenpressing, denn wären die beiden auf einer Höhe der eigentlichen Viererkette gewesen, könnte das Angriffspressing nicht funktionieren, da es weder zu einer effektiven Dreiecksbildung gekommen wäre und die Gladbacher viel Raum zum Freispielen auf den Flügeln gehabt hätten. Bei den Gladbachern war allerdings ebenfalls ein verstärktes Aufrücken der Außenverteidiger zu sehen, doch es war stark asymmetrisch, was mit der unterschiedlichen Positionsauslegung von Arango und Herrmann zusammenhing. Da Herrmann sich zentraler im letzten Drittel orientierte und breiter im zweiten, während Arango lange Zeit fast schon umgekehrt agierte, musste oftmals Jantschke allein aus defensiven Gründen aufrücken und dieses Loch füllen, weil man sonst Großkreutz viel Raum für Vorstöße überlassen hätte. Jantschke rückte also auf und bedeckte diese Seite, doch einige Male hinterlief er auch Herrmann und war im letzten Drittel des Spielfelds zu finden, was dafür sorgte, dass sich Arango etwas fallen ließ, im Rücken der gegnerischen Abwehr agierte und eine quer verzogene Dreierkette nach schräg hinten bildete, welche über Neustädter bis Nordtveit ging und von jenem beendet wurde – somit deckte dieser die Seite ab und Arango konnte sowohl defensiv auf seinen Raum achten, als auch offensiv in Nähe des Spielgeschehens bleiben.

Bei den Dortmundern war die Pärchenbildung nicht zur Gefahrenbewältigung bei gegnerischem Umschalten existent, sondern  um zusammen den gegnerischen Ballführenden unter Druck setzen zu können. Götze respektive Großkreutz würden den Gegner attackieren und von Lewandowski oder Kagawa unterstützt werden, während der aufgerückte Außenverteidiger versuchte, den Pass- oder den Laufweg des nähesten Gegenspielers zuzusperren oder sich nach hinten zu begeben, falls der Pass ins Zentrum gespielt wurde. Hierbei ist aber auffällig, dass die Gladbacher mit Daems in der Defensive eine Art Dreierkette, etwas zur Seite verschoben, bilden konnten, während die Dortmunder Innenverteidiger auf das schnelle Umschalten ihrer Außenverteidiger und das Stellungsspiel des defensiven Mittelfelds angewiesen waren. Hier war insbesondere Kehl wichtig, da Gündogan zwar keineswegs ein defensivschwacher Spieler ist, aber ihm die primären Aufgaben in der Offensive wichtiger waren, Kehl agierte im gesamten Spiel in konzentrischen Kreisen vor der Abwehr herum, während Gündogan sich stärker ins Offensivspiel im letzten Drittel einschaltete. Dennoch ist es wichtig, dass man Kehl nicht nur auf seine defensiven Aufgaben reduziert, unter anderem hat er Großkreutz mit einem hervorragenden Pass fast alleine vors Tor gebracht und sich mit einer guten Leistung im Passspiel präsentiert. Allgemein lässt sich konstatieren, dass bei beiden Mannschaften die Außenverteidiger offensive wie defensive Aufgaben durch ihr Aufrücken übernahmen und sich dieser Punkt von beiden Trainern bewusst im Vergleich zum letzten Spiel veränderte – und dadurch die Rolle des zentralen Mittelfelds und folglich des gesamten Teams.

Gleiche Philosophie, unterschiedliche Ausrichtung

Als abschließenden Punkt möchte ich die Ähnlichkeit der grundlegenden Spielweisen beider Teams darlegen. Beide Borussen-Mannschaften agieren mit einer sicheren Defensive und schnellem Spiel in die Spitze sowie sicherem Aufbauspiel, wobei die Dortmunder den Ball im Normalfall viel schneller zu erobern versuchen, sich in dieser Disziplin aber im Laufe des Spiels an die veränderte Ausrichtung der Gladbacher auszurichten versuchen.

Für Klopp wie auch Favre ist das schnelle Spiel in die Spitze mit möglichst wenig Berührungen und Verzögerungen elementarisch für ein offensiv erfolgreiches Fußballspiel, aber bei beiden Mannschaften darf der defensive Aspekt nicht vergessen werden und obwohl er in verschiedenen Zonen stattfindet, so ist er doch grundsätzlich auf dieselben Stärken ausgelegt. Die Gäste waren bei ihrem Titelgewinn jene Mannschaft mit den wenigsten Gegentoren gewesen, aktuell liegen sie gleichauf mit den Gladbachern nur ein Tor hinter Tabellenführer Bayern München. Prinzipiell kann man das Defensivspiel auf drei Punkte eingrenzen: unter Druck setzen des ballführenden Gegenspielers durch Einkreisen, Provozieren von Fehlern und Absichern durch einen Teamkameraden nach dem Dreiecksprinzip. Neben den unterschiedlichen Zonen, in welchen dies stattfindet, dürfte der Unterschied sein, dass die Gladbacher das Provozieren von Fehlern durch Versperren der Passwege entstehen lassen, während die Dortmunder ähnlich wie Barcelona in den Mann gehen und teilweise durch eine robuste Zweikampfführung Bälle verstärkt im Bereich des direkten Zweikampfes erobern, als dass sie schlampige Pässe abfangen. Das Versperren der Passwege erfolgt in diesem Fall dann durch jene Spieler, die absichern oder den Gegner einkesseln, während bei Gladbach dies vom gesamten Kollektiv gemacht wird.

Dies wirkt sich allerdings dann ebenfalls auf das Angriffsspiel aus, bei den Dortmundern kann durch die hohe Balleroberung sofort zum Gegenschlag ausgeübt werden, der Weg zum Tor ist sehr kurz und man hat mit den vier offensiven Spielern sofort ausreichend Spieler in einem gefährlichen Umkreis zum gegnerischen Strafraum. Bei den Gladbachern ist es hingegen so, dass man durch die sehr kompakte Spielweise den Ball nach vorne kombinieren muss und keine langen Lochpässe spielen kann, wie es unter anderem Nuri Sahin hervorragend in der Meistermannschaft des BVB tat. Dies dürfte wohl mit der Hauptgrund sein, wieso sich Marco Reus langsam als vorderster Stürmer postiert, durch seine Dynamik und herausragende Technik kann Favre es mit sich selbst vereinbaren, ihn teilweise und zeitlich eingeschränkt von Defensivaufgaben zu entbinden, aber deshalb durch eine schnellere und effektivere Kontertaktik zum Erfolg zu kommen. Als Reus noch auf dem Flügel agierte, wurde er schnell angespielt und nahm über den Flügel den Alleingang Richtung Sechzehnereck auf, in dessen Nähe er sich dann mit den beiden Mittelstürmern frei kombinierte. Nun übernimmt diese Aufgabe Herrmann, welcher aber nicht als primärer Torjäger Reus ebenso wie den zweiten Mittelstürmer besser einsetzen kann, aber von den beiden und Arango auf der linken Seite selbst sehr profitiert. Die Spieler befruchten einander und es entstehen Symbiosen und Synergien, welche für ein harmonisches Kollektiv sorgen – und ebenso dafür, dass man Ausfälle wie jenen von Reus‘ verkraften kann.

Allerdings wird es schwer zu sagen, wie es bei Dortmund und Gladbach bei eventuellen Verkäufen ihrer beiden Jungstars oder auch Spielern wie Herrmann und Kagawa läuft, da diese wie bspw. Messi bei Barcelona ungeheuer wichtig für die Effektivität dieses schön anzusehenden Spielsystems sind. Beide Teams werden oftmals auf ihre Konter reduziert (die Gladbacher natürlich noch viel mehr), doch de facto spielen sie offensiv attraktiven und dennoch defensivstarken Fußball, was wohl mit das größte Lob im Weltfußball sein dürfte. Man kann darauf hoffen, dass auch bei Abgängen der beiden (Jung-)Stars, welche aber keineswegs in naher Zukunft sein müssen, die sehr guten Trainer beider Teams darauf eine Lösung finden werden – es wäre eine große Freude für den deutschen Fußball, wenn sich diese beiden Teams in den nächsten Jahren so konstant präsentieren und mit den Bayern ein modernes und attraktiv spielendes Triumvirat an der Spitze der Bundesliga etablieren.

Fazit

Es entwickelte sich ein dynamisches und gutes Fußballspiel, mit Chancen auf beiden Seiten. Die Gladbacher hatten viel vom Ball und einige Chancen, doch auch die Dortmunder hätten noch das ein oder andere Tor erzielen können, insbesondere bei anderen Abseitsentscheidungen. Dennoch geht dieses Unentschieden in Ordnung und zeigt einmal mehr, dass mit den starken Gladbachern in dieser Saison zu rechnen ist, sogar ohne Jungstar Marco Reus. Das rassige Spiel war taktisch absolut stark zu sehen, auch wenn beide Teams bereits in der Anfangsphase nach langen tödlichen Pässen Glück hatten, nicht in Rückstand zu geraten.

getuerkt 7. Dezember 2011 um 00:48

Von dieser Seite und den Analysen kann man als Fussballfan einfach nicht genug bekommen!
Obwohl ich dieses Spiel leider verpasst habe, glaube ich dennoch einen guten Eindruck vom Verlauf bekommen zu haben. Super Arbeit!
Ich persönlich finde die längeren Analysen ebenfalls besser bzw. würde sie bevorzugen, da sie doch mehr Erläuterungen binhalten und einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der Gesamttaktik beitragen. Ebenfalls können in den längeren Analysen die Feinheit besser Hervorgehoben werden. Zu dem Gebrauch von Fremdwörtern möchte ich mich einem Vorredner anschließen und dir empfehlen deiner ganz eigenen Linie zu folgen. Wenn es eher deinem Schreibstil entspricht, dann verwende sie auch, anstatt umständliche Umschreibungen zu nutzen.
Wenn ich diese Analyse mit der vom Bayern-Dortmund Spiel vergleiche, so muss ich sagen, dass ich die letztere besser fand (soll nicht heißen, dass diese schlecht sei, ganz im Gegenteil, die ist ebenfalls hervorragend), da eben in der längeren Analyse auch mehr darauf eingegangen wurde, warum beispielsweise das Spiel des Gegners nicht funktioniert hat.
Macht weiter so!

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AlanS 6. Dezember 2011 um 18:52

Ich melde mich nochmals zu Wort. Die taktische Analyse, wie sie hier vorzufinden ist, finde ich einfach nur fantastisch. Es wurde ja schon mehrfach hier von verschiedenen Lesern betont, dass sie wahrhaft augenöffnend und bewusstseinserweiternd sind und sich qualitativ von den altbekannten „Fachzeitschriften“ enorm abheben. Gegen deren Berichte ist das hier Championsleague.
Ich sprach schon oben mein großes Interesse an den Leistungen der einzelnen Spieler an. In dieser Analyse glaube ich den Versuch erkannt zu haben, die Bewertung der Leistung der Einzelspieler mit der Erklärung deren taktischen Funktion zu tätigen. Die Idee finde ich sehr gut. Trotzdem haben mir noch klar bewertende Aussagen gefehlt.
Ein anderer Leser sprach es schon an: Man möchte ja wissen, warum dieser Spieler den Vorzug vor jenem erhält oder ein anderer nicht eingewechselt wird. Dieses Thema war vor dem Dortmundspiel bei Gladbach ja sehr aktuell, weil Favre bei sehr klaren Spielständen nicht die Gelegenheit nutzte, Backups an die Stammelf heranzuführen. Jantschke hatte in meinen Augen in dieser Saison (bis vor etwa einem Monat) riesige Probleme mit seinem Stellungsspiel, wurde aber nie ausgewechselt oder ersetzt. Daher interessieren mich die Beurteilungen der Spieler mit dem Hintergrund der taktischen Aufgabe innerhalb der Mannschaft besonders.
Das jetzt bitte nicht als Kritik verstehen, sondern als Anregung. Wenn alles so bleibt, wie es ist, seid ihr eh schon unschlagbar gut mit den Analysen. In diesem Sinne freue ich mich schon auf die nächste!

AlanS

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judoudo 6. Dezember 2011 um 00:29

Zuerst zum wiederholten Male:

– ich find die Seite hier super!

– ich hab hier super viel gelernt, obwohl ich schon jahrelang ins Stadion gehe und mich vorher für jemand mit Ahnung gehalten habe – weit gefehlt! 😉

Und nun zu J.S.:

Im Stadion sehe ich das Spiel immer „nur zum Teil“, denn hier lese ich immer Sachen, von denen ich dann denke: stimmt ja!

Mir kam im Spiel (im Stadion) das Dortmunder Team auch besser vor, meinem Gefühl nach haben sie die Gladbacher öfter hinten rein gedrängt und verdient geführt. Und sahen optisch überlegen aus.

ABER: Man lernt hier ja einiges und nach den Analysen tendiere ich zu einer Zweiteilung des Stärkengefälles.

Also: Die Jungs bei Sport1 etc. haben vielleicht zu viel Wert auf das „optische“ gelegt, für das man sich aber schlußendlich nicht viel kaufen kann.

Ich glaube manchmal ist die Beurteilung halt eine Frage der Philosophie und der Grundeistellung, die man zumSpiel und zu den Teams hat. Wenn man pro Dortmund ist bzw die für das bessere team hält, kann man das vielleicht aus em Spiel „lesen“….

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J. S. 5. Dezember 2011 um 19:21

Ich finde diese Analysen hier richtig interessant. Und wie lang die nun werden, sollte der Autor so nach Gefühl einschätzen. Wie schon einer schrieb, wenn es ein so genanntes Topspiel ist, dann kann es ruhig etwas länger sein.

Wenn ich nun diese Analyse lese, dann frage ich mich, was die „Experten“ auf Sport1 für ein Spiel gesehen haben. Der Kommentator von Liga Total meinte ja, dass Dortmund überlegen gespielt hat und Gladbach eigentlich Glück mit dem Unentschieden hatte und generell schwach gewesen sei.
Auf diese Expertenmeinung kann ich echt verzichten. Da lese ich lieber hier, weil es hier die wahre Kompetenz gibt.
Ich bin mal gespannt, wie das Spiel in der Liga Total Spieltaganalyse abschneidet. Ob sie es ähnlich sehen wie hier (natürlich verkürzt dargestellt)?.

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HW 5. Dezember 2011 um 22:47

Ich gestehe hier mal, dass ich die Spieltaganalyse o.ä. im Normalfall nicht schaue. Was dann aber seltsam ist, dass wieder die Abseits- und Elfmeterentscheidungen gezeigt werden. Die hab ich eh schon 5 Mal gesehen.
Auch über eindeutige Platzverweise braucht man bei ner Spieltaganalyse nicht mehr reden (außer er hat taktische Auswirkungen).

Am auffälligsten fand ich wie in der Sportschau am Wochenende bei einem Spiel zwei Abseits-Fehlentscheidungen groß und breit gezeigt werden (was noch zur Berichterstattung gehört) und dann der Schiri-Assi 4 oder 5 Mal eingeblendet wurde. Erst, „oh das war schon die zweite Fehlentscheidung“, und dann, zum Ausgleich, „diesmal lag er richtig“. Und der gute Mann wurde wieder in den Mittelpunkt gestellt. Fand ich echt überflüssig, einmal einblenden reicht auch.

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Henk 5. Dezember 2011 um 15:51

Ich freue mich wie Bolle über die tollen und spannenden Analysen hier und sauge jedes Wort begeistert auf. Demenstrechend können es für meinen Geschmack gerne immer noch längere Texte sein. Der Gebrauch von Fremdwörtern ist mir völlig wurscht; eigentlich ist alles verständlich, und mich nerven Fremdwörter nur dann, wenn man damit Eindruck schinden oder Profanes aufblähen möchte, aber das Gefühl habe ich hier noch nie gehabt.

Eine generelle Anregung habe ich noch, nachdem ich endlich auch die großartigen Erläuterungen im Taktiklexikon gefunden habe (waren die schon immer da? War ich nur zu blind?) : Im aktuellen Sportstudio war neulich aus aktuellem Anlass die Rede davon, dass es in der Bundesliga ca. 5 bis 6 verschiedene Freistoßvarianten gibt. Ehrlich gesagt, sind mir so viele gar nicht präsent. Wenn irgendjemand von euch einmal Spaß daran haben sollte, die verschiedenen Varianten zu erklären, hätte er einen aufmerksamen und dankbaren Leser gewiss 😉

Insgesamt auf jeden Fall herzlichen Dank für eure tolle Arbeit, die mich den Fußball noch viel mehr genießen lässt!
Henk

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IngoMG 5. Dezember 2011 um 15:49

„….doch ebenso wie gegen die Bayern trat man auf dem Bökelberg mit einer interessanten und kompakten Variante…“

Ach ja … der gute alte Berg…. ;o)

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FohleninGips 5. Dezember 2011 um 11:29

Seit einigen Wochen lese ich nun regelmässig Eure Artikel/Analysen zu den jeweiligen Spielen. Ihr macht großartige Arbeit – ohne Zweifel.

Ich selber bin Gladbacher und auch Fan 🙂 Seitdem ich nun die Analysen lese, ertappe ich mich immer wieder, dass ich im Spiel mehr auf die Positionierungen der Spieler und andere taktische Komponenten achte.

Hm.. ich hätte ebenfalls nichts gegen 7000 Wörter, aber kann auch super mit 3000 Wörtern leben 🙂

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Anfaenger 5. Dezember 2011 um 08:41

Erneut sehr guter Artikel.
Als Gladbachfan lese ich immer gerne viel über „mein“ Team, bin von daher für die längere Variante.

Kleine Korrektur zu diesem Artikel: Die Zeiten des Bökelbergs waren super schön und langsam kommt die Hoffnung zurück, dass wir uns wieder in diese Richtung bewegen können. Aber wir spielen jetzt im Borussiapark 😉 .

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Claude 5. Dezember 2011 um 08:18

Ich finde die Seite klasse. Nachdem ich lange nur englischsprachige Seiten gelesen habe, war ich sehr erfreut, als ich eure Seite gefunden habe. Die Analysen sind ausführlich und gut.

Der Schreibstil ist meiner Meinung nach noch ausbaufähig. Ich schließe mich der Meinung von wan an, der Einsatz der Fremdwörter ist doch sehr wild. Es wirkt unnatürlich. Ich bin halt kein großer Fan von Fremdwörtern, wenn es äquivalente deutsche Wörter gibt. (Jetzt mach ich es gerade selber.) Das ist aber eine Sache die wahrscheinlich von jedem unterschiedlich gesehen wird.

Was mir viel auffällt, sind diese Satzungetüme. Manchmal besteht ein ganzer Absatz aus einem einzigen Satz. Zur besseren Verständlichkeit wäre ein einfachere Strukturierung hilfreich. Ich muss regelmäßig Sätze mehrfach lesen, um die Botschaft zu verstehen. Das ist eine generelle Beobachtung zur Seite. Nicht jeder Satz muss kurz sein, aber gelegentlich, finde ich, kann man hinterfragen, ob dieser lange Satz überhaupt notwendig ist.

Nichtsdestotrotz ich lese lieber lange Sätze als gar keine und freue mich, dass ihr das überhaupt macht und eure Ansichten und euer Wissen teilt. Vielen Dank und weiter so!

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Geni 8. Dezember 2011 um 12:58

@claudes Kommentar kann ich vollumfänglich zustimmen. „Spielverlagerung“ ist einfach grossartig.
Die Artikel dürften wirklich in verständlicheren Sätzen daher kommen.
Die Verständlichkeit von Sätzen wird folgendermassen abgestuft:

Sätze bis 13 Worte – sehr gut verständlich.
Sätze bis 18 Worte – leicht verständlich
Sätze bis 25 Worte – verständlich
Sätze bis 30 Worte – schwer verständlich
Sätze über 30 Worte – sehr schwer verständlich

Am wichtigsten ist aber doch der Inhalt und da verdient ihr grosses Lob!

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Rasengrün 5. Dezember 2011 um 05:40

Schöner Artikel zu einem schönen Spiel. Was Fremdwörter und Länge angeht: Bloß nicht zu sehr dem Publikumsgeschmack folgen, das schleift nur die wohltuende Differenz zum sportournalistischem Einheitsbrei ab. Hier tummeln sich doch eh nur die (positiv) Bekloppten, da ist mehr immer besser. Wenn es viel zu sagen gibt, dann soll man das auch tun. Also ruhig auch mehr als 7000 Wörter, solange die Gliederung dabei klar bleibt. Noch mehr Zwischenüberschriften und vielleicht auch eine Verlinkung zu Anfang würden es dann jedem Leser selbst überlassen die für ihn weniger interessanten Abschnitte halt einfach zu überspringen. Die Krone der Usability wäre dann dies auch noch direkt im Artikel einzubauen, bspw durch ein verlinktes Pfeil-Paar hinter den Zwischenüberschriften.

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junichi 5. Dezember 2011 um 04:43

Vielleicht sollte man die Länge abhängig von der Bedeutung des Spiels machen. Bei den 3, 4 Spitzenspielen einer Halbserie ruhig länger, sonst eher beschränken. Ich verbrauche eh schon zu viel Zeit in der Nachbereitung der Spieltage. 😉

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wan 5. Dezember 2011 um 01:10

Ich fand die Analyse heute viel interessanter als die längere Variante, was aber vor vor allem daran liegt, dass du das Funktionieren der Taktiken sehr genau beschreibst. Sehr interessanter Vergleich und Erläuterung der grundsätzlichen Spielsysteme der Teams und der Änderungen und deren Auswirkungen für dieses Spiel. Ich brauch das Klein Klein des langen Artikels nicht unbedingt, hätte diesen hier aber gern noch länger gehabt.

Zur Sprache: Manchmal fallen mir auch Wörter auf, die befremdlich wirken, einfach weil sie falsch benutzt werden. Elementarisch soll wohl einfach elementar bedeuten, und vulnerativ vulnerabel. Das wirkt dann so, als wolle man auf ein Fremdwort noch was höheres draufsetzen. Da hab ich’s dann doch lieber einfach.Ich lass mir aber gern erklären, was elementar für die Spielweisen aller Bundesligamannschaften ist und welche Taktik vulnerabel oder einfach nur anfällig für bestimmte Gegenmassnahmen macht.

Vielen Dank für den Artikel. Einer der besten bisher, für meinen Geschmack. Vielleicht auch, weil ich diese beiden Teams besonders mag..

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senfdazu 5. Dezember 2011 um 13:44

Wobei gerade die Benutzung von „vulnerativ“ für mich so wirkte, als hätte der Autor einfach das englischsprachige Wort im Kopf gehabt.

Antworten

Che 4. Dezember 2011 um 21:14

Stark. Wiederinmal Danke.
7000 Woerter reichen mir.

Als Fussballtaktiklaie, aber eine kurze Frage.

Wie funktioniert das immer wieder im Bericht genannte Dreicksprinzip?

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vastel 4. Dezember 2011 um 22:13

http://spielverlagerung.de/dreiecksspiel/

😉

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Daniel K 4. Dezember 2011 um 20:23

Ich finde diese Seite einfach genial. Das einzige was ich beim Spiel selbst erkannt habe, war, dass Arango sich fallen liess. Ok, und natürlich allgemein bekannte Dinge, die langsam jeder Gladbach Fan sieht, wie dass Hanke etwas tiefer spielt, die beiden Viererketten nahe beieinander stehen, das Ausgucken der gegnerischen Passwege, der risikolose Aufbau mit Einbezug von ter Stegen, Vertikaleröffnungen von Dante, flach vorgetragene vertikal Einkontakt-Kurzpass-Spiel mit Abtropfen in den Zwischenräumen, usw.

Ich weiss noch, als ich den FC Zürich (dominanter als Gladbach weil 2. bester Kader in der Schweiz) unter Favre habe spielen. Die spielten schneller als ich denken konnte. Normalerweise hat man ja noch Zeit um als Zuschauer zu ‚dirigieren‘ (ohne Einfluss natürlich). Aber Zürich spielte so schnell, immer flach, vertikal, viel Einkontakt und alles wirkte so als ob die Spieler telepathieren könnten.

Diese Schnelligkeit ist ja nur möglich wenn jeder Spieler genau weiss was der andere macht, in jeder Situation, und wenn natürlich technisch sauber und viel flach gespielt wird. Und genau das sind die ausbildnerischen Stärken von Favre, er kann wunderbaren Kollektiv-Offensivfussball vermitteln/einstudieren bis es intuitiv drin ist, und individuell die Technik verbessern (Gladbach ist noch nicht am Ende der Entwicklung). Und natürlich den Gegner ausgucken und taktische Lösungen finden.

Das Favre-System ist so gut, dass Gladbach mit verhältnismässig schlechteren Spielern als Schalke, Leverkusen und Stuttgart, nicht nur weniger Tore kassiert, sondern auch mehr Torschüsse produziert (4. meisten hinten Bayern, Dortmund und Bremen). Defensive Stärke ist ja das eine, aber man muss ja auch Tore schiessen. Und Favres Offensiv-System ist so schnell und koordiniert, dass die defensiv ausgerichteten 6er und AV kaum Risiko gehen müssen, und man mit den 4 Offensiven eigentlich genug Betrieb machen kann. So ist man stets stabil. Eine gute Balance zwischen Defensive und Offensive.

Ich bin ein grosser Fan von Favre. Lese hier immer gerne Analysen von Gladbach-Spielen. Lerne einiges dazu und sehe mich bestätigt, dass Favre wirklich ein sehr guter Trainer ist. Zum Glück ist Gladbach finanziell gesund, nicht so wie Hertha.

Selbst wenn Reus geht, kassiert Gladbach ja zwischen 18 und 20 Millionen (wenn Nationalspieler und/oder Gladbach in den Europacup kommt). Reus hat zudem auf die Frage nach der Ausstiegsklausel gesagt, dass es eine gibt, aber erst 2013. Und Eberl hat auch gesagt, dass die Medien da falsch liegen und nicht alles wissen. Dass heisst wohl, dass man im Sommer 2012 unfassbar viel Geld bieten muss, damit Gladbach schwach wird und Reus in der nächsten Saison nicht bei Gladbach spielt…

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Balle 4. Dezember 2011 um 20:14

Mal wieder ganz starke Analyse. Finde es auch in dieser „Kürze“ gut.
Ein Triumvirat halte ich aber für gewagt 🙂 spannend ist natürlich wie erfolgreich Favre bleibt. Bei der Hertha gings ja dann stark bergab-zwar erst in der neuen saison, aber eben dem geschuldet, dass die besten Spieler verloren gingen (voronin). Also könnte es da zur ein oder anderen parallele kommen. Wie gesagt: spannend wie Favre damit umgehen wird und was er daraus gelernt hat.

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S.Müller 4. Dezember 2011 um 19:57

Ich kann auch nur sagen das ich schwer begeistert bin auch von der kurzen Fassung. Gefällt mir sehr gut und es aber auch noch deutlich auschweifender sein dürfen. Sehr verständlich geschrieben und auch für einen taktischen Laien gut zu verstehen. Der Verzicht auf Fremdwörter ist da bestimmt positiv zu bewerten, weil man sich so mehr auf das Inhaltliche konzentrieren kann.

Ich glaube ich werde Fußballspiele absofort anderes sehen einige Dinge sind mir selber auch aufgefallen in dem Spiel „meiner“ VFL aber du hast mir die akribie die da hinter steht wikrlich näher gebracht. Danke

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Sunny 4. Dezember 2011 um 19:34

Vielen Dank für die tolle Analyse!

Mich würde auch eine Langversion interessieren, da mir nicht immer klar ist, warum der eine oder andere Spieler nicht wie gewohnt zum Zug gekommen ist. Die Bewertung der einzelnen Leistungen äußert sich da ja in der Regel in dubiosen Zeitungsnoten oder „boah, war der schlecht heute“ (der Ruhrpott lässt grüßen).

LG

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M. Ramon 4. Dezember 2011 um 19:03

Hallo,
am Anfang ein Lob: Super Seite.
Zur Frage, als Leseratte bevorzuge ich die ausführliche Version :-).
Weiter so.
Sonnige Grüße

M.

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RM 4. Dezember 2011 um 18:38

Dieses Mal habe ich großteils bewusst auf Fremdwörter verzichtet und die in-depth-Analyse deutlich gekürzt. Persönlich würde mich nun das Feedback interessieren, wie es euch besser gefällt – über 7000 Wörter oder knapp mehr als 3000? Kurz und knackig und Orientierung auf das grobe und rein taktische oder doch Kurzanalysen jedes einzelnen Spielers?

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proxi 4. Dezember 2011 um 19:25

Hallo RM,

erstmal vielen Dank für die taktisch sehr interessante Zusammenfassung. Vorab ein kleiner Kritikpunkt, der Bökelberg ist nicht mehr ganz so aktuell, aber das ist nur ein ganz kleiner Faupax in einem sonst sehr leserlichen und stringenten Bericht.

Mit Fremdwörtern habe ich persönlich kein Problem, zur Not muss man eben mal google benutzen, wenn es deinem Schreibstil eher entspricht, dann nutze diese bitte auch. Wobei man die Fremdwörter nicht der Nutzung wegen vorziehen sollte, aber einer gewissen Frequenz wird es dann auch schwer lesbar, aber ab und an ist ein Fremdwort einfach prägnanter als eine Umschreibung.

Da ich sehr gerne ausführlichere Berichte lese, bevorzuge ich die 7000 Wörter-Variante. Hier hast du zum Beispiel den Spielverlauf als eigenen Punkt heraus gelassen. Mich hätte interessiert, worin du die stärkere zweite Halbzeit von Gladbach taktisch begründet siehst, da Dortmund in der ersten Hälfte doch dominanter war, falls mich meine Wahrnehmung nicht täuscht.

Ich fand die in-depth Analyse von Bayern gegen Dortmund noch eine Ecke besser, eben weil die Einzelspieler und Paarungen stärker im Fokus standen.

Eine bescheidende Frage am Rande: Ich habe fest damit gerechnet, dass Klopp den schnellen und technisch starken Götze auf links stellt und somit den vermeidlichen Schwachpunkt – Jantschke – stärker unter Druck setzt, wo man doch weiß, dass mit Daems und Arango ein starkes Devensivtandem auf der anderen Seite am Werk ist. Wie siehst bzw. bewertest du diese Variante?

Vielen Dank für deine Mühe und dein geteiltes Fachwissen,
proxi

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firedo 5. Dezember 2011 um 20:36

Mir persöhnlich sind kürzere, prägnat zusammengeafsste Artikel wie dieser hier lieber als die langen Megamonster.

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AlanS 6. Dezember 2011 um 00:20

Hallo RM, eine geniale Analyse! Mir können es nicht zu viele Worte sein, also ganz klar pro 7000. Mir gefällt auch dein dir eigener Schreibstil (mit Fremdwörtern), wenn das aber der Mehrheit hier nicht gefällt, sollte man darauf Rücksicht nehmen. Mir persönlich gefällt es, wenn eine Spielanalyse im Fußball Niveau hat. Tut der Sportart gut! Fremdwörter helfen halt manchmal, Sachverhalte präzise, aber relativ wortsparend wiedergeben zu können.
Bei dieser Analyse hat mir sehr gut gefallen, dass du namentlich auf die einzelnen Spieler eingegangen bist und du somit deren Funktion im Kollektiv erklärt hast. Das macht die Darstellung und damit auch die eigene Vorstellung räumlicher und leichter verständlich – und interessanter. Mir persönlich würde auch eine Beurteilung der Spielerleistungen in dem von dir gut verständlich gemachten taktischen Zusammenhang gefallen.
So mancher Spieler gerät bei mir durch deine Schilderungen in ein anderes Licht. Da würden mich auch deine Bewertungen interessieren, wie gut die Spieler ihre Aufgabe erfüllt haben.
So erwähnst du beispielsweise Neustädters laufintensives Spiel – was ja so für sich betrachtet noch rein gar nichts über den Nutzen für die Mannschaft aussagt. Die AVs von Gladbach schalteten sich mehr in die Offensive ein – effektiv? Gut? Sinnvoll? Flanken? Defensivleistung? Jantschke war oft alleine gegen zwei Dortmunder – wer war daran schuld, wie hat er das gemeistert … ? Usw ….
Aber auch so schon eine absolute Top-Analyse. Bitte mehr davon!

Die besten Grüße,
AlanS

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