Thomas Tuchel – alles andere als bequem

Er wird als das wohl größte Trainertalent Deutschlands gehandelt und gilt als prominentester Vertreter der „Generation Nachwuchsleistungszentrum“. Innerhalb von zwei Jahren etablierte er sich im Profigeschäft. In diesen zwei Jahren verschaffte er sich in der Branche einen enormen Respekt, eckte aber mit seiner direkten und emotionalen Art immer wieder bei Fans, Medien und Kollegen an, was dafür sorgte, dass er sich schon viele Vorwürfe gefallen lassen musste.

Mangelnde Aufopferung für den Job wird er jedoch niemals zu hören bekommen, denn Thomas Tuchel ist ein akribischer Arbeiter, obwohl er nach einem verletzungsbedingten frühen Ende der Spielerkarriere erst davon überzeugt werden musste, überhaupt im Fußballgeschäft weiterzuarbeiten.

Doch wie hat er es geschafft, mit Mitte Dreißig Trainer eines ambitionierten und entwicklungsfähigen Bundesligisten zu werden, zahlreiche Achtungserfolge zu feiern und seinen Namen auf die Wunschzettel der deutschen Topvereine zu bekommen? Wie wurde er das, was er jetzt ist, nämlich das deutsche Trainertalent schlechthin?

Tuchels Weg zum Profitrainer

Am 29. August 1973 in Krumbach (Bayern) geboren, ging Tuchel als Juniorenspieler zunächst den ganz gewöhnlichen Weg eines talentierten Spielers: Mit vierzehn Jahren wechselte er von seinem Heimatverein, dem TSV Krumbach, zum nicht allzu weit entfernten FC Augsburg. Dort spielte er insgesamt vier Saisons bis zum Ende seiner Jugendzeit. Im Anschluss wechselte er zu den gerade aus der 1. Bundesliga abgestiegenen Stuttgarter Kickers, wo er allerdings in zwei Saisons nur acht Spiele bestritt, sodass er im Sommer 1994 dem Ruf des Jungtainers Ralf Rangnick, damals Trainer beim Regionalligisten SSV Ulm, folgte.

Unter Rangnick absolvierte Tuchel, der sich selbst als „unbequemen“ Spieler beschreibt, insgesamt 69 Spiele (3 Tore), jedoch über einen Zeitraum von insgesamt vier Saisons. Endgültig vorbei mit der Spielerkarriere war es für den schon damals auffällig am Trainerdasein interessierten Tuchel schon im Alter von 24 Jahren, als ihn eine Knieverletzung zur Aufgabe der Karriere zwang.

Im Anschluss zeigte Tuchel zunächst keinerlei Ambitionen, weiter im Fußballgeschäft tätig zu sein. Stattdessen absolvierte er ein BWL-Studium und kellnerte nebenbei in einer Kneipe. Über diese Zeit sagt er im Rückblick: „Am Anfang war es aber nicht einfach, weil ich über meinen eigenen Schatten springen musste. Zuvor war ich es als Fußballer gewohnt, in der Öffentlichkeit zu stehen. Nach einigen Wochen wurde mir jedoch bewusst, dass der Kellner-Job das Beste war, was mir passieren konnte. Ich habe die Zeit sehr genossen und Anerkennung von Leuten gefunden, die gar nicht wussten, dass ich irgendwann einmal ganz gut Fußball gespielt habe.“

Tuchel gewann zunehmend Abstand vom Fußball. Dennoch konnte ihn sein inzwischen beim VfB Stuttgart tätiger Ex-Trainer Rangnick überzeugen parallel zum Studium als Trainer beim VfB zu hospitieren, was dann schließlich zur Trainertätigkeit Tuchels in der U14 der Schwaben führte. Nach insgesamt vier Jahren in U14 und U15 rückte Tuchel als Co-Trainer in die U19 auf, mit der er in der Saison 2004/05 Deutscher A-Jugendmeister wurde. Als seinen größten Mentor zur VfB-Zeit nennt Tuchel nicht wie man vermuten könnte Ralf Rangnick, sondern Hermann Badstuber, den inzwischen verstorbene Vater von Bayern-Profi Holger. Tuchel beschreibt den langjährigen Trainer Badstuber wie folgt: „Ich kenne bis heute kaum einen Trainer, der so viel Fachwissen in sich vereint, gleichzeitig aber so viel Querdenken zulässt, sich ständig hinterfragt, fleißig arbeitet und dabei bescheiden geblieben ist. Er hat mich fachlich und menschlich sehr, sehr geprägt.“

Nach dem Gewinn des Meistertitels wechselte Tuchel zum ersten Mal als Trainer den Verein, um bei seinem Ex-Klub FC Augsburg als U19-Trainer sowie Sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums zu fungieren. Während dieser Zeit absolviert Tuchel die Ausbildung des DFB zum Fußball-Lehrer, welche er letzten Endes mit einer Durchschnittsnote von 1,4 abschließt, womit er zu den Jahrgangsbesten gehört. 2007 übernahm Tuchel die Augsburger U23 in der Landesliga, was jedoch nicht wirklich seinen Ansprüchen entsprochen haben dürfte und so wechselte Tuchel 2008 erneut den Verein und wurde beim 1. FSV Mainz 05  Trainer in der U19. Gleich in seiner ersten Saison hinterließ Tuchels Mannschaft mit dem völlig überraschenden Gewinn der Deutschen Meisterschaft einen imposanten Eindruck.

Dieser Erfolg machte wiederum andere Vereine auf Tuchel aufmerksam und er wäre wohl nur allzu gerne in den Trainerstab Rangnicks in Hoffenheim gewechselt, um den letzten Schritt in seiner eigenen Entwicklung zu gehen. Doch Manager Heidel überredete ihn zum Bleiben, mit dem Hinweis, dass sie seine hervorragende Arbeit sehr wohl registriert hätten und er in Mainz keine schlechten Zukunftsperspektiven habe. So blieb Tuchel in Mainz und sein ganz großer Auftritt kam wesentlich früher als geplant: Noch vor dem ersten Spieltag der Saison 2009/10 feuerten die Verantwortlichen aufgrund schwerwiegender interner Unstimmigkeiten Aufstiegstrainer Jörn Andersen und beförderten Tuchel vier Tage vor dem Bundesligastart zum Erstligatrainer.

In seiner ersten Saison übertraf Tuchel, der mit einem von Heidel und Andersen zusammengestellten Kader arbeiten musste, sämtliche Erwartungen. Er erreichte einen, mit dem mit einem sehr kleinen Budget ausgestatteten Aufsteiger, sensationellen 9. Tabellenplatz. Dieser Erfolg wurde vor allem durch eine eindrucksvolle Heimstärke erreicht.

Den absoluten Höhepunkt der Saison erlebten die Fans dabei bereits am 3. Spieltag, als der Branchenprimus aus München von einem überraschend aggressivem Gastgeber mit 2:1 geschlagen wurde. Es folgten weitere Siege gegen stärker eingeschätzte Gegner, aber auch schlechtere Phasen, die jedoch für einen unerfahrenen Aufsteiger nicht ungewöhnlich sind.

Doch noch wichtiger als die Ergebnisse war den Verantwortlichen das im Vergleich zu Andersen völlig veränderte Auftreten der Mannschaft: Tuchel führte das von Vor-Vorgänger Klopp eingeführte aggressive Pressing wieder ein, forcierte das schnelle Spiel in die Spitze und den schnellen Torabschluss, legte aber zunächst besonders Wert auf eine geordnete Defensive. Schon nach den ersten Spielen rieben sich viele Experten verwundert die Augen, mit wie viel Mut und Kreativität Tuchels Mannen agierten und so für einige Überraschungen sorgten.

Nicht nur, dass Mainz für einen Aufsteiger unerhört mutig spielte, auch außerhalb des Platzes trat allen voran Jungtrainer Tuchel sehr selbstbewusst auf und prägte Begriffe wie „Matchplan“ oder „Gegenpressing“. Er gab mehrere sehr interessante Interviews, in denen er seine Vorstellungen vom Fußball erklärte und so auch unter den Experten zunehmend Anerkennung fand. Dennoch drängte er sich zu keinem Zeitpunkt bewusst in die Öffentlichkeit. So lehnte er beispielsweise nach dem Sieg gegen den FC Bayern eine Einladung ins Sportstudio ab und schickte stattdessen seinen Torhüter Heinz Müller vor.

Spiel- und Trainingsphilosophie

Spricht Thomas Tuchel über seine Spielauffassung, spricht er immer auch vom FC Barcelona. Jedoch schwärmt er nicht wie so viele von einem Messi, Xavi oder Iniesta, sondern vielmehr von der Demut und Bescheidenheit dieser Stars. Zum Beispiel sagte er kurz nach Amtsantritt über den CL-Sieger von 2009: „Ich bin der Meinung, dass es die herausragende Leistung von Barcelona in der vergangenen Saison war, mit welcher Hingabe und Leidenschaft nach einem Ballverlust in der gegnerischen Hälfte die komplette Mannschaft sofort versucht hat, den Ball zurückzuerobern.“ Dieses Zitat verrät eine Menge über die eigene Spielauffassung. Merkmal jeder Mannschaft unter Tuchels Leitung ist das aggressive Gegenpressing nach Ballverlust, bevorzugt schon in der gegnerischen Hälfte.

In seiner ersten Saison bei den Profis ließ Tuchel nach Ballgewinn schnell in die Spitze spielen, Schlüsselspieler war in der Hinserie Andreas Ivanschitz, der immer wieder Vorbereiter und Vollstrecker der Mainzer Hochgeschwindigkeitsangriffe war.

Anders als viele andere Trainer benötigt Tuchel anscheinend keine lange Zeit für die Vermittlung seiner Prinzipien. Stattdessen zeichnete Tuchel in seiner ersten Saison als Profitrainer vielmehr die Fähigkeit aus, einer führungslosen Aufstiegsmannschaft neues Leben einzuhauchen und bei nur vier Tagen Vorbereitung dem Favoriten aus Leverkusen einen Punkt abzunehmen.

Auch wenn Tuchels Trainingsphilosophie die eines Konzepttrainers ist, wäre es unfair, Tuchel gänzlich als solchen zu charakterisieren. Thomas Tuchel vereint ganz verschiedene besondere Fähigkeiten in sich, neben dem ganz eindeutig vom Jugendfußball geprägten Ausbildungsgedanken zeichnen ihn seine Motivationsreden sowie sein besonderer Umgang mit den Spielern aus. Von den Mainzer Verantwortlichen wird seit etwa einem Jahr kommuniziert, dass man sich zu dem primären Ausbildungsverein in Deutschland entwickeln wolle. Inzwischen wird der Begriff „Ausbildungsverein“ sogar mit Stolz getragen, da doch damit die hohe Ausbildungsqualität insgesamt und die guten Chancen für junge Spieler, sich bei den Profis durchzusetzen, suggeriert wird.

Nichtsdestotrotz wäre es vorschnell, Tuchel als Trainer nur für diese Altersstufe abzustempeln. Wie er gerade die Älteren im Mainzer Kader, und das waren in den letzten beiden Saisons mehr als allgemein wahrgenommen, kontinuierlich verbesserte und vor allem taktisch weiterentwickelte, geht häufig unter. Jedoch kann sich Tuchel aufgrund seiner Vergangenheit im Jugendfußball verständlicherweise sehr gut mit dem von Mainz-Manager Heidel verkündeten Ziel, „die Topadresse für Talente von 18 bis 23 zu werden“, identifizieren.

2010/11: Es geht noch höher

Zur Saison 2010/11 wurde der Kader durch Heidel und Tuchel grundlegend verändert. Wie schon in den Jahren zuvor schaffte es Heidel einige hochkarätige Neuzugänge zu präsentieren, auch wenn die meisten nur per Leihvertrag verpflichtet werden konnten. Die Mannschaft wurde vor der Saison als talentiert eingestuft, jedoch sahen die meisten Mainz nach dem guten ersten Jahr eher im Abstiegskampf. Dennoch wurde durchaus registriert, dass Mainz eine leistungsstarke Mannschaft zusammengestellt hatte und so traute etwa der „Kicker“ den 05ern „zeitweise Überraschungen“ zu.

Der Verlauf der vergangenen Spielzeit dürfte bekannt sein: Mainz startete mit einer sensationellen Serie von sieben Siegen in Folge, was die Einstellung des Bundesliga-Startrekordes bedeutete. Plötzlich stand Mainz im Fokus, hierbei wurde vor allem die Arbeit Tuchels genau unter die Lupe genommen und analysiert. Auch im weiteren Verlauf der Saison stand der FSV stärker als gewöhnlich im Blickpunkt, letztlich zogen aber Jürgen Klopps Dortmunder im weiteren Saisonverlauf die größte Beachtung auf sich, sodass Tuchel trotz eines fünften Platzes einigermaßen ruhig weiterarbeiten konnte.

Wie schon im Vorjahr präsentierten sich die Mainzer äußerst flexibel. Zu Beginn der Saison wechselte Tuchel immer wieder – abhängig vom Gegner – die Formation und Ausrichtung, sodass sich der Gegner kaum auf die 05er einstellen konnte. Einzige Gemeinsamkeit in allen Spielen war das aggressive Spiel ohne Ball. Selbst in München attackierten die Mainzer den Gegner extrem weit vorne und verunsicherten so die auf einen tiefstehenden Gegner eingestellten Bayern.

Nach der Anfangsphase, in der Tuchel verschiedene Systeme ausprobierte, legte er sich mehr oder weniger auf ein recht unübliches 4-3-1-2-System fest. Die größte Schwäche dieses Systems ist gleichzeitig seine größte Stärke: Vier zentrale Mittelfeldspieler können zur Spielkontrolle sowie für Überzahl in Ballnähe extrem hilfreich sein, doch diese Konzentration auf die Zentrale bedingt eine chronische Unterzahl gegen Viererketten auf dem Flügel, da normalerweise kaum Druck auf die Außenverteidiger ausgeübt werden kann.

Die Mainzer Mittelfeldspieler schafften es jedoch, neben der Mitte auch den Flügel zu bearbeiten und zwar indem der jeweilige defensive Mittelfeldspieler im Sprint den gegnerischen Außenverteidiger im Ballbesitz attackierte, sodass dieser den zur Verfügung stehenden Raum nicht nutzen konnte. Der offensive Mittelfeldspieler, häufig Lewis Holtby, hatte die Aufgabe, die beiden gegnerischen Sechser anzulaufen und ihnen keine Sekunde Ruhe zu gönnen, was nur mit einer enormen Laufleistung zu schaffen war. In der abgebildeten Grafik des oben erwähnten Spiels gegen Bayern München sind die genannten Punkte noch einmal abgebildet.

Die Formationen beim Mainzer Sieg in München

Darin liegt wohl eine weitere große Stärke Tuchels: durch personelle und taktische Änderungen auf die Taktik des Gegners zu reagieren. Tuchels Mannschaft war vor allem in der zweiten Halbzeit erfolgreich und dort besonders häufig in der letzten Viertelstunde, was zuerst auf eine gute Kondition schließen lässt und außerdem auf gute Auswechslungen. Generell fällt auf, dass Tuchel nicht immer mit den elf stärksten Spielern beginnt, so blieb Schürrle zu Beginn der Saison häufig lange auf der Bank, im Saisonverlauf fand sich auch der zunächst als unverzichtbar eingestufte Holtby immer häufiger nicht in der Startelf.

Dadurch dass der Kader in der Offensive sehr breit aufgestellt war, konnte man immer wieder rotieren und starke, frische Spieler von der Bank bringen. Das Problem einer solchen Philosophie liegt darin, dass muss man es schaffen muss, auch die Auswechselspieler bei Laune zu halten, was Tuchel in der vergangenen Saison eindrucksvoll gelang. Verschiedene Spieler berichteten, dass Tuchel ihnen das Gefühl gab „gebraucht zu werden“. Viele Trainer fordern einen breit aufgestellten Kader, scheitern dann aber an den unzufriedenen Spielern. Bei Mainz war dieses Phänomen in der abgelaufenen Saison nicht zu beobachten, wobei dies auch an dem außerordentlichen Saisonverlauf liegen könnte.

Sollten in der kommenden Saison einige Tiefen zu durchstehen sein, wird sich zeigen, ob es Tuchel weiterhin schafft die Laune im Kader hochzuhalten. Auch wird sich zeigen, wie er mit möglicher Kritik der Medien zurecht kommt. Schon in den zurückliegenden erfolgreichen zwei Jahren legte er sich mehrfach mit Medienvertretern an und machte sich durch seine Art nicht nur Freunde in der Fußballwelt.

Doch egal, wie man zum Auftreten Tuchels steht, niemand kann bestreiten, dass er eindrucksvoll in seine Profikarriere als Trainer gestartet ist. Neben einer flexiblen und am Gegner orientierten Taktik fällt Tuchel durch seine moderne Trainingsgestaltung auf. Gerade in der Trainingsarbeit probiert der Fußball-Lehrer immer wieder neue Sachen aus, ist ein erklärter Gegner von sturem Konditionstraining und lässt stattdessen in „komplexen Spielformen“ üben.

Tuchel spricht davon, seine Spieler „bewusst zu überfordern“, damit sie es dann im Spiel einfacher haben. Bei ihm wird das Gehirn mittrainiert. Die teilweise sehr komplizierten Spielformen sollen den Spielern auf lange Sicht helfen, komplexe Spielsituationen besser zu lösen. Häufig lässt Tuchel Übungen trainieren, bei denen in verschiedenen Feldern verschiedene Regeln gelten. Dies verlangt eine enorme Flexibilität der Spieler, aber auch eine hohe Aufmerksamkeit der Trainer. Tuchel erläutert, dass er bei manchen Übungen den gesamten Trainerstab als Schiedsrichter benötige, jeder sei dann bspw. für die Überwachung eines Feldes zuständig.

Ständige Weiterbildung

Die wohl größte Qualität Tuchels ist trotz seiner herausragenden fachlichen Kenntnisse seine ständige Bereitschaft zur eigenen Weiterbildung und –entwicklung, sowie das ständige Hinterfragen seiner Arbeitsweise. Seine Trainingsprinzipien stellt er tagtäglich auf den Prüfstand, er tauscht sich mit Kollegen und Experten aus, so nutzt er z.B. das Wissen des Gehirnforschers Professor Schöllhorn für die Trainingsplanung. Dieser empfahl, nicht wie häufig üblich in Trainingsblöcken zu trainieren, sondern kontinuierlich alles.

Tuchel ist sich nicht zu schade, bei Kollegen hinzuschauen und gewisse Inhalte oder Prinzipien zu übernehmen. Jedoch hinterfragt er auch diese äußerst kritisch und modifiziert sie, falls notwendig. Er vermischt verschiedene Ideen und Stile und passt sie seiner eigenen Philosophie an.

Im psychologischen Bereich nennt Tuchel immer wieder den FC Barcelona als Vorbild. Eben nicht wegen ihres Erfolgs, sondern weil man dort trotz der herausragenden Erfolge bescheiden und ehrgeizig geblieben ist. Auch macht man dort nicht den Fehler, sich auszuruhen und die eigene Arbeit nicht mehr zu hinterfragen. Genau diese Mentalität schätzt Tuchel.

Wollte man Tuchels Arbeitsweise mit einem Satz beschreiben, es könnte folgender sein: „Wer aufhört sich zu verbessern, hat aufgehört gut zu sein.“

Fehleinkauf 16. April 2015 um 02:26

Wenn man diesen Artikel noch einmal liest und Revue passieren lässt, klingt es schon so als würde Tuchel in der jetzigen Situation sehr, sehr gut zu Dortmund passen.

Natürlich ist das aktuell noch Spekulation, aber wie würdet ihr als Experten ein Engagement von Tuchel beim BVB bewerten?

Danke schon einmal vorab!

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Fehleinkauf 19. April 2015 um 21:22

Hallo zusammen,

da Thomas Tuchel beim BVB ja nun zur Realität geworden ist, gibt es bzw. wird es von euch eine Einschätzung in Hinblick auf die künftige Zusammenarbeit BVB + Tuchel geben? Diese wäre, nehme ich an, für viele hier sicher sehr interessant.

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CE 19. April 2015 um 23:28

Wenn die Zeit reif ist, dann sicherlich.

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1328 20. April 2015 um 21:23

Hier hat der werte CE schon mal einen Vorgeschmack geliefert: http://www.zeit.de/sport/2015-04/tuchel-bvb-klopp-trainer

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Willibert 18. August 2014 um 12:55

m.E. wartet er, das Keller entlassen wird oder vielleicht sogar Guardiola ???

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Foxtrott 19. August 2014 um 01:39

Nur so am Rande ist mMn Tuchels Vertrag mit Mainz nicht aufgelöst und läuft noch bis Sommer 2015. Also während der Saison wird da wohl eher nichts passieren…

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Koom 19. August 2014 um 09:38

Wenn ein Verein mit genügend Geld kommt, ist die Auflösung des Vertrags kein Problem.

Ansonsten hatte ich meine Tipps genannt. Grundlage ist auf jeden Fall aber, dass der Job mehr finanzielle/perspektivische Möglichkeiten als in Mainz bietet. Konkret würde ich Hamburg, Schalke und RB Leipzig am ehesten als die ersten Ansprechpartner vermuten, bei denen Tuchel auch hinwollen würde. Ausland bezweifle ich noch, würde ich aber nicht ausschließen. Dann aber auch eher was „solides“ und nicht Türkei.

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Foxtrott 19. August 2014 um 11:47

Naja, die Mainzer verantwortlichen klangen am Ende der letzten Saison doch eher so, das sie Tuchel auf keinen Fall vor dem Vertragsende ziehen lassen wollen.

Abgesehen davon: das mit Tuchel und RB Leipzig lese ich hier zum ersten mal. Gibt es da irgendwo „genauere“ Hinweise drauf? Rein vom überlegen her wäre es natürlich eine interessante Kombination.
Vom „Trainerwechseltiming“ mMn schwierig.
Falls Leipzig tatsächliche diese Saison schon den Aufstieg schafft entläßt man dann Zorniger?
Ohne Aufstieg geht Tuchel auf „Spekulation“ in die zweite Liga?
Eigentlich ist der Aufstieg mittelfristig wohl recht sicher, aber währe es wirklich „Karrierefördernd“ das zu machen?

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Koom 19. August 2014 um 12:47

Die Aussagen von Heidel darf man in erster Linie so deuten, dass es einiges an Geld kostet, wenn man den Vertrag auflösen soll. Heidel handelt für den Verein, da wäre es Wahnsinn, einen der begehrtesten Trainer kostenlos auf den Markt zu werfen.

Wg. Leipzig: Es gab wohl mindestens ein bestätigtes Treffen zwischen Tuchel und Rangnick, wo es durchaus darum ging, ob Tuchel sich mit den Red Bull Projekten anfreunden kann, was er auch nicht ablehnte. Worum es konkret ging, ist nicht bekannt, wird aber sich wohl um Salzburg oder Leipzig gedreht haben. Tuchels Hintergrund als sehr erfolgreicher Jugendtrainer + erfolgreicher Übergang zum Cheftrainer in der Bundesliga ist aus der Perspektive Red Bulls nun mal hochinteressant.

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ES 19. August 2014 um 23:48

Ich wüsste nur nicht wie Rangnick und Tuchel zusammen funktionieren sollten. Beide sture und oberlehrerhaft-besserwisserische Perfektionisten. Das fände ich blöd bei der Arbeit, wenn einem ständig der Spiegel hingehalten wird.

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Koom 20. August 2014 um 09:00

IMO trügt hier aber sehr der mediale Eindruck. Ich persönlich würde stark vermuten, dass die sich gegenseitig im Positiven befeuern könnten.

Zu Tuchel empfehle ich mal das Video „Rulebreaker“ bei Youtube. Man kann sich gut vorstellen, wie Tuchel und Rangnick konstruktiv miteinander umgehen könnten. Besser als einer von denen mit Haudraufs wie Assauer, Kühne & Co.

ES 20. August 2014 um 23:33

Sehr cooles Video. Danke für den Hinweis. In etwa in der Richtung und hohen Führungsqualität, was ich von Tuchel erwartet habe. Passt sehr schön in moderne Theorien, z.B. adaptive leadership.

Kurz angemerkt bestätigt das aber auch sehr stark meine These , dass Tuchel ein sturer Perfektionist ist. Ist ja gar nicht negativ gemeint. Ohne das wäre er ja nicht so erfolgreich. Und wenn Rangnick gerade nach seinem Burn-out ein bisschen Altersweisheit dazu gewonnen hat, könnte es vielleicht doch was werden mit der Zusammenarbeit. Ich bin nur grundsätzlich skeptisch, wenn zu sehr ähnliche Charaktere zusammenarbeiten. Die Antipoden müssen ja nicht gleich Assauer und Kühne heißen. Heldt und Heidel sind da beide aus anderem Holz. Beiersdorfer auch.


NanLei 26. Juli 2014 um 08:52

Wo geht er nach Mainz hin? Noch hat er keinen Verein. Galatasaray Istanbul hat jetzt Cesare Prandelli. Wird Thomas Tuchel etwa zum DFB gehen als Nachfolger von Hansi Flick oder hat er schon andere Pläne.
Eigentlich müsste man ihn sofort holen egal wo und egal wer Premier League Primera Division La Liga oder ja das waren die möglichen Stationen große Liga und ein Verein mit mehr Geld für Spielerbudget als Mainz aber auch langfristig. 5 Jahre und mehr so wie Jürgen Klopp jetzt bei Dortmund. Alle Vereine sind jetzt schon in der Vorbereitung also macht er diese Saison bis Winter dann nichts mehr Ende 2014? Fängt er dann 2015 an? Juventus hat Allegri Massimiliano aber falls zum Beispiel Manchester United wie FC Bayern dann ohne van Gaal wäre dann hätte man jetzt Thomas Tuchel holen können. TT müsste eigentlich mehr Angebote haben als nur Istanbul. Italien Spanien und England sind die Kandidaten weil TT ja Champions League trainieren möchte und Spanien und England haben vier Startplätze wenn also in Spanien Real und Barca wegfallen auch Athletico mit Simeone dann bleibt vielleicht England und Italien. Nachfolger von Seedorf in AC Milan wurde nicht TT, aber Berlusconi ist nicht bekannt als guter Ac.
Wo könnte TT unterschreiben?

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ES 26. Juli 2014 um 09:36

In der BL gibt es nur zwei Vereine, bei denen es Sinn macht (außer den mittelfristig besetzten BVB und Bayern): HSV und Schalke. Das hängt in dieser Saison stark davon ab, wie die beiden Vereine in der Hinrunde abschneiden. Ich tippe stark auf HSV. Das Potential des Vereins ist groß. Slomka ist unbeliebt, mit Baiersdorfer mal ein ganz ordentlicher Manager. Keller wird sich wieder durchwürgen, so dass es für den Rauswurf nicht ganz reichen wird. Ich glaube nicht, dass Tuchel jetzt schon Ausland machen will. Erst ein Großverein in der BL

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Koom 28. Juli 2014 um 14:43

Denke ich auch. Tuchel arbeitet ja auch durchaus sehr viel mit Sprache, muss sich verständlich machen können und sicherlich will er erst mal „außerbiotopische“ Erfahrungen im Inland machen, bevor es mal ins Ausland geht.

Ich denke auch nicht, dass Tuchel zum DFB geht. Die tägliche Trainingsarbeit braucht er, das Rampenlicht mag er nicht so.

Ich denke mal, er spekuliert auf eine Stelle bei Schalke oder Leverkusen, weil beide Trainer dort durchaus nicht bombenfest sitzen, wenn die Erfolge ausbleiben. Hamburg würde den HSV-Machern sicher gefallen. Wenn sie ihn finanziell (weniger persönlich, mehr das Budget) überzeugen können, würde er hingehen, weil er auch mit sehr wenig sehr viel anzufangen weiß. Allerdings wird er dort die Feststellung machen, dass das Scouting in Mainz sehr viel besser ist als in Hamburg.

Mittelfristig liebäugelt Tuchel aber garantiert mit Red Bull Leipzig. Sehr viel Geld, ruhige, wohlwollende Medien, kompetente Führung und er kann sehr viel gestalten.

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*Er 29. Juli 2014 um 14:53

Er wird nach Leipzig gehen!

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Kiru 12. September 2011 um 02:12

@wayne
Klopp ist alles andere als medientauglich oder ein everybody´s darling. Natürlich kann er sich zusammenreissen, dass kann auch Tuchel, dass kann jeder.
Aber meistens macht Klopp dies nicht, siehe die Anpöbelung des Sky Moderators nach der roten Karte für Götze. Es verlangt aber auch keiner von ihm, dass er immer lächelt. Keiner will so einen Schauspieler wie Tuchel, der sich zwanghaft und zur Schau aller aufregen oder Freuen muss. Auch besteht da kein Zusammenhang in der Aufnahmefähigkeit, ob ein Trainer auf der Bank sitzt oder am Spielfeldrand rumtobt, in der Hoffnung, von einer Kamera aufgefangen zu werden. Es gibt sogar Startrainer, die noch nichtmal beim Mannschaftstraining dabei sind… Fehler zugeben macht für mich auch nicht symphatisch, bist du etwa auch ein Wähler der sich freut, wenn eine Partei die Wahlversprechen einhält? Das sind für mich keine Pluspunkte, nur weil die Gegenteile Negativpunkte sind. Genausowenig sind Eltern die ihre Kinder nicht schlagen nicht zwanghaft gute Eltern 😉

@le karl Ich weiß ja nicht ob du im Berufsleben bist, aber wenn eine Führungsperson den Mitarbeitern ein Gefühl vermittelt, und zwar dass sie gebraucht werden, dann ist das heutzutage leider nicht mehr selbstverständlich.

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wayne 8. September 2011 um 14:07

ich werfe thomas tuchel seine emotionalen ausbrüche an der seitenlinie nicht vor. er hat mit seiner art einen schweren stand bei vielen fans, und der boulevard kann mit ihm nichts anfangen, aber mir ist ein tuchel lieber als viele andere trainer in der bundesliga.

da wir keinen trainer wirklich persönlich kennen kann ich nur von eindrücken und ein paar interviews auf seinen charakter schliessen. viele andere trainer sitzen oder stehen neben dem spielfeld und beobachten vor allem ob die spieler das umsetzen, was ihnen vorgegeben wurde. tuchel steht immer da und muß sich auch fragen, ob er die richtigen methoden fürs spiel gewählt hat, was er noch machen kann um zu reagieren, er beobachtet wie sein gegenüber aufs spiel reagiert.
natürlich wird eigentlich jeder trainer jeden spieltag geprüft, doch tuchel scheint mehr mit auf dem feld zu stehen als andere, dadurch sind erfolge des teams eher auch persönliche erfolge für ihn. wenn felix magath ein spiel verliert werden entweder noch mehr spieler gekauft oder die vorhandenen spieler müssen mehr trainieren, mehr laufen, früher aufstehen o.ä. magath sagt zwar auch mal sowas wie „ich dachte wir wären weiter“, aber er stellt nie seine entscheidungen als trainer in frage. nie würd er öffentlich seine taktik im nachhinein in frage stellen.

tuchel gibt nach einem spiel wie letztens gegen schalke einfach mal zu einen fehler begangen zu haben. das macht ihn für mich hoch sympatisch, und modern.

woanders wär tuchel vll längst entlassen worden, aber in mainz hat er das vertrauen des vorstands und darf experimentieren und fehler machen.

er wird wohl nie der liebling der fußballdeutschen gesammtbevölkerung, wie es klopp gelungen ist, aber das liegt nicht an seinen fähigkeiten, er kommt bloß manchmal zu verbissen, zu emotional beteiligt, und auch mal zu oberlehrerhaft rüber.
aber sein team macht die bundesliga intressanter, und die spieler profitieren ganz bestimmt von ihm. vor dieser saison wurde oft so getan als wären schürrle, holtby und fuchs bereits im sommer 2010 stammspieler bei europapokalteilnehmern gewesen die durch eine art draft für ein jahr in mainz gelandet sind. sicher waren alle 3 vorher schon hoch talentiert, aber tuchel hat sie wirklich wertvoll gemacht.

nicht jedes mitglied der „neuen trainergeneration“ ist so medientauglich wie klopp, ich hoffen aber das diese trotzdem in zukunft das vertrauen der großen vereine genießen, magath, veh, daum und skibbe haben ihre beste zeit hinter sich.

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bayeratze 7. September 2011 um 22:03

Jammern auf hohem Niveau…

Ich persönlich habe, anders als meine Vorredner, rein gar nichts an eurem Artikel auszusetzen. Die Ansprüche, die ich an ein Porträt stelle, wurden mehr als erfüllt. Weiter so!

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le karl 7. September 2011 um 10:08

@junicho: Yo.

„Verschiedene Spieler berichteten, dass Tuchel ihnen das Gefühl gab „gebraucht zu werden“.“

Gut, das wird einem Spieler unter Magath nicht unbedingt passieren. Als hervorstechendes Charaktermerkmal eines Trainer ist diese Beschreibung jedoch eher untauglich.

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junicho 6. September 2011 um 18:08

Zu viele Allgemeinplätze, der Ausdruck wie in der Schule, Erkenntnisgewinn gering. Da habe ich hier schon deutlich bessere Sachen gelesen.

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juwie 6. September 2011 um 00:08

Wieder mal ein schöner Artikel auf Eurer tollen Website!

Antworten

Tery Whenett 5. September 2011 um 10:02

Sehr schöner Artikel.

Ich finde es nur schade, dass nicht näher auf die zwei Mal angeklungenen „Vorwürfe“ eingegangen wird. Die Überschrift kann ich so nicht im Artikel wiederfinden.

Das aber nur am Rande; der Werdegang und die Philosophie dieses interessanten Trainers wurden sehr schön nachgezeichnet. Danke dafür!

Antworten

Daniel 5. September 2011 um 07:37

Die Bezeichnung „emotionale Art“ trifft es meiner Meinung nach nicht wirklich. Jeder Mensch hat eine emotionale Art, der eine empfindet und fühlt stärker, der andere weniger. Bei Hr. Klopp würde ich noch sagen, dass es tatsächlich seine Art ist, aber bei Hr. Tuchel ist das derart übertrieben, dass es mit normaler „Emotionalität“ nicht mehr viel gemein hat. Es wird sich um eine Art Extraversion handeln, er will nicht nur seine Gefühle rauslassen, nein er WILL, dass alle dies deutlich sehen. Die Ausraster und Jubelsprünge sind definitiv nicht natürlich und genau deshalb haben so viele ein Problem damit. Lieber einen echten Temperamentbolzen oder einen ruhigeren Trainer, aber nicht sowas verstärktes und zwanghaftes! TSCHACKA!

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