Lionel Messi in der Spieleranalyse – MH
Lionel Messi spielt weiterhin eine zentrale Rolle in der argentinischen Nationalmannschaft. Nachdem lange unklar war, ob er bei der WM 2026 dabei sein würde, steht inzwischen fest, dass er dem argentinischen Kader angehört. Unabhängig davon, ob es sein letztes großes Turnier sein wird, verdient der Kapitän der Weltmeistermannschaft von 2022 aufgrund seiner außergewöhnlichen Fähigkeiten eine eigene Analyse.
Ob er künftig noch auf dem Platz stehen wird oder nicht: Sein Einfluss auf die argentinische Nationalmannschaft prägt die Spielweise des Teams nachhaltig und wird voraussichtlich auch in Zukunft spürbar bleiben. Dieser Artikel untersucht anhand des WM-Finales 2022 gegen Frankreich, wie Messi in das argentinische Spiel eingebunden wird und welche Eigenschaften ihn zu einem der außergewöhnlichsten Spieler seiner Generation machen.
Argentinien startete gegen Frankreich aus einer 4-3-3 Ausgangs-Staffelung sowohl mit als auch gegen den Ball. Messi nahm dabei die nominelle Rolle des rechten Flügelspielers ein. Gleichzeitig startete Julian Alvarez im zentralen Sturm und Angel Di Maria auf dem linken Flügel. Messi war allerdings nicht sehr häufig auf der rechten Flügelposition aufzufinden. Immer wieder zog es ihn in Richtung des Zentrums. Generell nahm Messi eine deutlich freiere Rolle ein und war weniger positionsgebunden. Dadurch konnte er immer wieder für nötige Anspielmöglichkeiten bei Kombinationen durch das Zentrum sorgen.
Messi gegen den Ball
Gegen den Ball war Messi nur äußerst selten in direkte Zweikämpfe eingebunden. Anstatt die ballführenden Verteidiger aktiv zu pressen, war Messi auf das Schließen von Passwegen ins Zentrum bedacht. Das bedeutete, dass er deutlich weniger intensive Läufe hatte und gleichzeitig in Aktionen mit Ball das gesamte Spiel über sehr explosiv sein konnte. Argentinien verteidigte größtenteils aus einem Mittelfeld/ Abwehr-Blocken mit Übergängen ins Pressing, wobei sie ungefähr ab Höhe der Mittellinie aktiv ins pressen übergingen. Messi positionierte sich dafür zumeist bei dem französischen linken Innenverteidiger Upamecano, während Stürmer Alvarez sehr aktiv die ballführenden Verteidiger anlief.
Das bedeutete ebenfalls, dass das 3er Mittelfeld hinter Messi komplett auf die ballnahe Seite durchschieben musste, sobald Frankreich über die linke Seite aufbaute. Folglich schob der rechte Achter Rodrigo de Paul auf Außenverteidiger Hernandez hoch, der zentrale Sechser Enzo Fernandez sicherte dahinter ab und der linke Achter Alexis Mac Allister schob ins Zentrum. Das bedeutete natürlich sehr weite Laufwege für die Mittelfeldkette und es bleibt fraglich, warum Frankreich nur selten probierte, durch schnelle Verlagerungen die weiten Wege für das Argentinische Mittelfeld ausnutzen.
Messis Positionierungen vor Erhalt des Balls
Viel interessanter als das Spiel Argentiniens mit Messi gegen den Ball ist natürlich das Spiel in Ballbesitz und die Einbindung von Messi in dieser Spielphase. In großen Teilen des Finals agierte Argentinien ohne wirklichen rechten Flügel. Das lag daran, dass Messi nicht positionsgetreu spielte. Zwar konnte der rechte Außenverteidiger Molina immer mal wieder vorrücken, dennoch ließ Argentinien häufig den rechten Flügel bewusst verwaisen. Da der französische Außenverteidiger Hernandez und Innenverteidiger Upamecano allerdings weiterhin diesen Raum verteidigten, entstand im Zentrum oder in einem der Halbräume, je nach Positionierung Messis, eine zusätzliche Anspielstation durch ihn. Diese ermöglichte Argentinien das Kombinieren durch das Zentrum, der strategisch wichtigsten Zone des Fußballs.
Messi suchte immer wieder den Zwischenkettenraum vor Abwehr und Mittelfeld von Frankreich. Dadurch konnte er entweder Sechser, Innenverteidiger und Außenverteidiger binden oder sich deren Zugriff entziehen, je nach Spielsituation, Intention und Verhalten Messis. Durch die Positionierung zwischen den gegnerischen Spielern sorgte Messi zwangsläufig für nötige Übergaben und unklare Zuordnungen beim Gegner. So sicherte Upamecano eigentlich primär die Tiefe und wollte sich nicht so weit rauslocken lassen, Hernandez wollte nicht seine angestammte Position als Linksverteidiger verlassen und Rabiot musste sich entscheiden zwischen Fokus auf Messi oder raumorientiertem Schließen des Zentrums.
Durch die Positionierung im Zwischenkettenraum sorgte Messi folglich für Überzahl unmittelbar vor der Abwehrkette. Häufig kam es vor, dass Argentinien diese Überzahl durch einen Tiefenpass auf Alvarez ausspielte, der auf den freien Messi klatschen lassen konnte. Dadurch konnte Argentinien seinen dribbelstärksten Spieler unmittelbar vor der Abwehrkette im Zentrum mit genügend Raum einbinden. Diese Situationen waren in der Folge logischerweise sehr schwierig für Frankreich zu verteidigen.
Messi ist grundsätzlich kein Spieler, der den Ball im Druck erhält. Messis Positionierungen sind darauf ausgerichtet, den Ball vor dem gegnerischen Block zu erhalten. Dazu positioniert er sich nicht nur zwischen verschiedenen Spielern, um Unklarheiten beim Gegner zu provozieren. Auffällig ist ebenso, dass er vor Erhalt des Balles die blinde Seite des Verteidigers sucht. Durch die Positionierungen außerhalb des Blickfeldes seines nächsten Gegenspielers im Zwischenkettenraum erhält Messi zusätzliche Zeit mit Ball. Die nötige Neuorientierung des Verteidigers sorgt dafür, dass Messi auch mit Ball die Situation kontrollieren kann.
Immer wieder war bei argentinischem Ballbesitz, auch in Umschaltsituationen, zu beobachten, wie Messi dem ballführenden Mitspieler aktiv entgegenkam, um vor dem gegnerischen Block den Ball erhalten zu können. Auffällig war dabei, dass er sich deutlich weiter zum Ball hin bewegte, als es im Fußball üblicherweise der Fall ist, sodass der Abstand zum Ballführenden mitunter nur noch sehr gering war. Dadurch, dass Messi in Umschaltsituationen klassischerweise initial auf Höhe der gegnerischen Abwehrkette positioniert ist, um sich von dort vor den Block fallen zu lassen, werden die gegnerischen Abwehrspieler im defensiven Umschaltspiel vor den Konflikt zwischen Druck auf Messi ausüben und Tiefe absichern gestellt. Das sorgt für weitere Vorteile, sobald Messi den Ball erhält…
Messis Spiel mit Ball
Dadurch, dass Messi in Umschaltsituationen den Ball vor dem gegnerischen Block erhält, werden die gegnerischen Spieler dazu gezwungen, vorzurücken, wenn sie Druck auf Messi ausüben wollen. Es entsteht eine gegenläufige Dynamik, die sich in Umschaltsituationen besonders deutlich beobachten lässt, jedoch nicht nur dort, sondern grundsätzlich eines der tragenden Prinzipien in Messis Spiel ist. Sobald Messi den Ball vor dem Block erhält, starten argentinische Mitspieler Läufe in die Tiefe. Da Messi am Ball kaum Ballverluste hat, steht die defensive Absicherung hier deutlich weniger im Vordergrund, sodass häufig auch Mittelfeldspieler aus der zweiten Reihe die Tiefe suchen.
Dadurch, dass Messi in Umschaltphasen die Verteidiger der letzten Kette bereits vor Erhalt des Balles auf sich zieht, entsteht eine gegenläufige Dynamik zwischen den Tiefenläufen der Argentinier und dem Vorrücken der Verteidiger. Aber auch in normalen Ballbesitzphasen löst Messi diese gegenläufige Dynamik zwischen gegnerischer Abwehr und Tiefenläufen der Mitspieler aus, indem er auf den Block zudribbelt, dadurch Gegenspieler auf sich zieht und in dem Moment des Vorrückens der Gegner die gegenläufigen Dynamik durch einen Pass in die Tiefe zu den durchgestarteten Mitspielern ausnutzt. Es ist eines der entscheidendsten Muster in Messis Spiel, welches sich immer wieder zeigt.
Insbesondere der linke Flügelspieler Di Maria war im Finale eine sehr häufig gesuchte Anspielstation von Messi. Ausgehend von dem rechten Halbraum suchte Messi immer wieder den Dribbelweg auf den gegnerischen Block zu und in Richtung des Zentrums. Von dort zog er Gegenspieler auf sich und die letzte Kette Frankreichs versuchte den für Messi möglichen Dribbelraum so gering wie möglich zu halten, indem sie sich nicht fallenließ, sondern bewusst den Raum verknappte. Das nutzte Di Maria immer wieder aus, indem er zum Zeitpunkt des Dribblings von Messi auf der ballfernen Seite die Tiefe suchte.
Messi konnte folglich immer wieder Di Maria mit gegenläufiger Dynamik zu seinem Gegenspieler auf der letzten Kette ballfern in die Tiefe schicken. Zudem orientierte sich Di Marias Gegenspieler logischerweise in Richtung des ins Zentrum dribbelnden Messis, sodass Di Maria die blinde Seite des Verteidigers bei seinem Tiefenlauf an der Außenlinie entlang zur Verfügung stand. Gleichzeitig sorgte der Dribbelweg ausgehend von dem rechten Halbraum in Richtung Zentrum dafür, dass Messi seinen starken linken Fuß optimal einsetzen konnte. So befanden sich seine unmittelbaren Gegenspieler aufgrund Messis Positionierung vor dem Block und seinem Dribbelweg von rechts ausgehend ins Zentrum auf Messis rechter Seite. Damit konnte Messi den Ball mit dem gegnerfernen, linken Fuß führen und Frankreich den Chip-Ball in die ballferne Tiefe auf Di Maria nur schwer verhindern.

Messi holt sich in der 12. Minute entgegen seiner eigentlichen Position auf der rechten Außenbahn den Ball im Zentrum vor dem gegnerischen Block ab. Von dort dribbelt er diagonal auf den Block zu und findet Di Maria mit einem Chipball auf der Außenbahn.
Ebenfalls auffällig bei Messi im Finale war die häufige scheinbare Teilnahmslosigkeit am Spiel. Auch in Ballbesitzphasen von Argentinien entzog er sich immer wieder dem Spiel, indem er lediglich über den Platz ging, anstatt sich aktiv ins Spiel einzubringen. Natürlich lässt sich das Verhalten auch durch gewollte maximale Explosivität in den Aktionen mit Ball erklären. Allerdings sorgte das häufige Gehen für einen weiteren Vorteil, der Messi zugutekam. Durch die Teilnahmslosigkeit konnte er sich dem Blickfeld des Gegners entziehen und mit plötzlichen Beschleunigungen für einen Überraschungsmoment sorgen. Messis Timing der Aktionen waren somit weniger vorhersehbar für den Gegner.
Sobald Messi den Ball erhielt, erzeugte er beim Gegner nicht nur durch Pässe und Tiefenläufe der Mitspieler gegenläufige Dynamik. Häufig war zu beobachten, wie Messi den ersten Ballkontakt in die entgegengesetzte Richtung des Passes nahm. Das führte zu einer wechselseitigen Beschleunigung beim Gegenspieler, der somit im Dribbling leichter aus dem Gleichgewicht gebracht werden konnte. Auch die Körperhaltung und Blickrichtung waren häufig in entgegengesetzter Richtung des entscheidenden ersten oder zweiten Ballkontakts, sodass Gegner aufgrund der ebenfalls provozierten Beschleunigung in die falsche Richtung leichter aus dem Tritt gebracht werden konnten und sobald sie einmal ausgespielt waren, nur selten in einen weiteren Zweikampf gegen Messi kommen konnten.
Messis Dribbling
Das häufige Gehen Messis ging meistens auch mit einer erhöhten Scanning Frequenz einher. Insbesondere vor Erhalt des Balles war es zu beobachten, dass Messi immer wieder sein Blickfeld durch Schulterblicke bewusst erweiterte. Es ist eine sehr wichtige Eigenschaft von Messi, die ihm im Dribbling zugutekommt. Schließlich lässt sich im Dribbling nur auf das Reagieren, was wahrnehmbar ist. Dazu passend lässt sich Gibsons Ökologische Wahrnehmungstheorie auf das Scanning im Fußball bestens anwenden.
Diese betont, dass Wahrnehmung untrennbar mit Handlungsmöglichkeiten verknüpft ist. Menschen nehmen nicht nur Objekte wahr, sondern vor allem die Möglichkeiten für Handlungen, die diese Umgebung ihnen bietet (Affordanzen). Im Fußballkontext übersetzt: Nur wenn ein Spieler die relevanten Gegebenheiten der Situation erkennt, wie zum Beispiel die Position und das Verhalten des Gegners oder auch einen Laufweg eines Mitspielers, kann er passende Entscheidungen treffen. Bleiben solche Handlungsmöglichkeiten aufgrund eines schlechten Scannings unentdeckt, werden sie auch nicht genutzt.
Fraglich ist, ob möglicherweise ein niedrigerer Puls mit einer besseren Wahrnehmung einher geht. So ließe sich das Gehen Messis mit einer besseren Wahrnehmung verknüpfen. Beispielsweise sorgt bei Kampfpiloten sehr starker Stress für eine Einengung des Sichtfeldes. Somit wäre es zumindest plausibel, dass möglicherweise auch ein stark erhöhter Puls durch die sportliche Belastung des Fußballs in Kombination mit dem erhöhten Stress, ausgelöst durch das Weltmeisterschaftsfinale, messbare Auswirkungen auf die Wahrnehmung von Spielern hat. Trotz ausgiebiger Recherchen konnte ich dazu bislang allerdings keine Evidenzen finden.
Auch im Finale gegen Frankreich zeigte Messi immer wieder erfolgreiche Dribblings. Auffällig ist, dass er keine komplizierteren Finten nutzt, sondern ausschließlich über gut getimte Körpertäuschungen den Gegner ausspielen kann. Entscheidend sind hier Richtung, Timing und Dynamik. Die Finten gehen zumeist mit einem Richtungswechsel einher. Zunächst wird der Gegner beispielsweise durch einen ersten Ballkontakt in eine Richtung gelockt, um ihn anschließend in entgegengesetzter Richtung auszuspielen. Messi Synchronisiert die Richtung zum Gegner und sucht dann die Asynchronisation. Auffällig sind hier die Gewichtsverlagerungen von Messi, die aus teils unmöglichen Körperhaltungen entstehen. Dadurch schafft es Messi immer wieder den Gegner in Körperhaltungen zu bringen, aus denen dieser zu keinem Richtungswechsel mehr imstande ist. Ähnliche Merkmale lassen sich auch bei den Dribblings von Lamine Yamal auffinden.
Die Richtungswechsel werden gleichzeitig mit einer Be- und Entschleunigung im Dribbling eingesetzt. Hier ist es entscheidend für Messi, eine möglichst große Explosivität mitzubringen. Zum einen wird die Dynamik des Gegners gegen den Gegner eingesetzt, indem dieser durch eine kurze Beschleunigung in eine Richtung gelenkt wird, während Messi durch kurze abstoppende Bewegungen wieder die Asynchronisation zum Gegenspieler erreichen kann. Zum anderen sorgt eine Beschleunigung nach dem Richtungswechsel dafür, dass der Gegner nicht erneut in den Zweikampf gelangen kann.
Das entscheidendste Merkmal in den Dribblings von Messi ist das Timing der Asynchronisation zum Gegenspieler. Dieses fällt häufig in den Moment der möglichst maximalen Beschleunigung des Gegners, damit der Richtungswechsel für diesen besonders erschwert wird. Muss der Gegenspieler Be- Ent- und wieder Beschleunigen, kostet ihn das die entscheidende Zeit, damit Messi an ihm vorbeikommen kann. Das Timing der Richtungs- und Dynamikänderung ist damit das entscheidende Mittel, um den Gegenspieler ausspielen zu können.
Hervorstechend ist zudem die Tatsache, dass gegnerische Verteidiger nur selten in den Zweikampf mit Messi gelangen. Insbesondere im Duell mit dem körperlich eigentlich deutlich überlegenen Upamecano wurde das im Finale besonders sichtbar. Messi schafft es, seine Gegenspieler auf Abstand zu halten, sodass diese nur schwer Ballkontakt herstellen können. Dazu benutzt Messi in besonders hohem Ausmaß die eigenen Arme, sodass der Gegenspieler bewusst vom Ball weggehalten wird. Es ist ein Detail, welches dafür sorgt, dass Messi jederzeit die Kontrolle über den Ball behält und Richtung, Dynamik sowie Timing des Dribblings selbst bestimmen kann. Der Gegner kommt folglich erst gar nicht in das Duell um den Ball.
Messis Einfluss auf den Argentinischen Fußball – ein Fazit
Lionel Messi ist einer der prägendste Spieler in der Geschichte Argentiniens. Die Art und Weise wie Messi Fußball spielt, beeinflusst ebenfalls, wie Kinder und Jugendliche einer Nation Fußball spielen wollen. Die Art und Weise, wie das eigene Idol Fußball versteht, ist schließlich zumeist auch die Art und Weise, wie ich selbst den Fußball sehe. Es ist kein Zufall, wenn sich junge Spieler in die Richtung der eigenen Vorbilder entwickeln. Es ist Teil dessen, was häufig als „DNA“ des Fußballs einer Mannschaft bzw. eines Landes bezeichnet wird.
Argentinien wird damit auch in Zukunft mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ansehnlichen Ballbesitzfußball mit bemerkenswerten Dribblern spielen. Dass Messi eine freiere und nicht positionsgebundene Rolle in der argentinischen Nationalmannschaft erfüllt, um seine Stärken möglichst optimal zum Einsatz zu bringen, wirkt sich jedoch auch direkt auf die aktuelle Art und Weise des Fußballs von Argentinien aus.
„Ich gehöre zu den Trainern, die nicht glauben, dass man ein Spielsystem nach dem Trainer ausrichtet. Die Spielsysteme werden von den Spielern gemacht.“ – Lionel Scaloni, argentinischer Nationalmannschaftstrainer
Scaloni ist einer der bislang noch in der Minderheit befindlichen Vertreter eines relationistischen Fußballs im Nationalmannschaftskontext. Der Relationismus zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass Spieler nicht in erster Linie vordefinierte Zonen des Spielfeldes besetzen, um mit Ball möglichst viel Raum und Zeit zu erhalten, sondern eng zusammenkommen, um möglichst gut miteinander interagieren zu können. Es ist ein Fußball, den Messi im Grunde schon immer spielt. Ironischerweise agierte Messi selbst unter Guardiola, dem prominentesten Vertreter der gegensätzlichen Idee des Positionsspiels, das den europäischen Fußball über Jahre geprägt hat, nur selten strikt in festgelegten Zonen, sondern interagierte sehr frei mit seinen Mitspielern. Vielleicht war es auch gerade diese Verbindung, die Barcelona Ende der 2000er und zu Beginn der 2010er Jahre so erfolgreich gemacht hat.
Ein zentrales Merkmal des Relationismus ist die Idee, den Spielern selbst mehr Freiheiten zu geben. Sie besitzen eine größere Entscheidungshoheit über das Spielgeschehen. Im Gegensatz zum Positionsspiel besteht das Selbstverständnis des Trainers nicht primär darin, den Spielern ihre Aktionen durch strukturelle Vorgaben so einfach wie möglich zu machen. Stattdessen sollen die Spieler ihre individuellen Fähigkeiten durch häufigere und engere Interaktionen optimal entfalten können. Argentinien wird damit wahrscheinlich auch zukünftig einen Fußball spielen, der der Spielweise Lionel Messis in bemerkenswerter Weise ähnelt, selbst wenn dieser irgendwann seine Karriere beenden sollte.
Autor: MH ist Fußball-Aficionado von Herzen. Seine Wohnung gleicht einer Fußball-Bibliothek in deren Regalen Bücher über die großen Taktiker von Rinus Michels bis Pep Guardiola stehen. Das Buch von Spielverlagerung.de fehlt hier natürlich nicht. Für MH ist Fußball nicht nur ein Spiel. Es ist ein Lebensgefühl. Auf X ist er unter Mh_sv5 zu finden, auf LinkedIn ebenso.
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