Szenenanalyse: YB findet den freien Mann – SR
Die Young Boys besitzen laut vielen schweizer Medienhäusern über den „stärksten Kader“ der Super League. Welches die Schlüsselspieler der Berner sind und wieso sie dabei helfen, dass YB die viele hohe Pressingphasen der Gegner überspielen kann, folgt in einer beispielhaften Szenenanalyse. Dazu dient die 11. Minute aus dem Spiel gegen den FC Basel aus der 5. Runde der Schweizer Super League.
Basler Vorsicht führt zu freiem Berner
Bei Abstössen bauten die Young Boys mit einer tiefen Torhüterkette auf. Ihre Gesamtstruktur war ein 2-3-2-3. Basel antwortete mit einem 4-4-2 darauf. Wenn Benito den horizontalen Pass auf Keller spielte, dann löste Celar das Pressing mithilfe eines Bogenlaufs von links nach rechts aus. Da Lauper sich in der Ausgangsposition schon etwas breiter positionieren konnte, hatte Malachowski einen verhältnismässig langen Pressingweg. Dieser wurde noch verlängert, da der Schwede sein Pressingweg erst auslöste, als der Pass von Keller auf Lauper kam. Dieser konnte sich noch breiter positionieren. So wurde der der Pressingweg noch länger und Lauper hatte mehr Zeit, um auf das Pressing zu reagieren.
Dabei agierten die Sechser der Basler etwas zurückgezogener, um den den Zwischenlinienraum nicht zu weit zu öffnen. Denn die Berner haben mit dem ehemaligen Ausburger Essende einen hervorragenden Zielspieler. Mit seiner Grösse und Physis hat er gegen die meisten Innenverteidiger der Schweiz im direkten Zweikampf Oberwasser und kann den Ball sehr gut abschirmen und auf nachrückende Spieler ablegen.
Zusätzlich zu Essende haben die Gastgeber mit Alvyn Sanches, neben Xheradan Shaqiri bei Basel, den besten Spieler der Liga in ihren eigenen Reihen. Er ist enorm druckresitent, kann mit enger Ballführung, guter Rumpfkraft und Balance Schläge einstecken und durch Abwehrreihen dribbeln. Dazu besitzt er einen gefühlvollen linken Fuss, dem er auch einen Kraftschuss à la Franck Lampard entlocken kann. Zusätzlich ausgestattet mit einem sehr guten Spielverständnis hat ihm Gerardo Seoane eine Freirolle zugestanden, was es schwierig macht, ihn zu verteidigen.
Es ist demnach verständlich, dass die Sechser der Basler sich nicht eng an Gigovic und Fernandes orientierten sondern Halbpositionen einnahmen. Omeragic, um den Raum vor Essende abzusichern und Metinho, um den Zugriff auf Sanches zu halten. Er sicherte lieber den Raum um Sanches herum, als eng an Fernandes zu bleiben. Dies sollte sich noch rächen, doch dies wird etwas später behandelt. Zuerst zum Pressingschema der Basler.
Wenn Benito den horizontalen Pass auf Keller spielte, dann löste Celar das Pressing mithilfe eines Bogenlaufs von links nach rechts aus. Da Lauper sich in der Ausgangsposition schon etwas breiter positionieren konnte, hatte Malachowski einen verhältnismässig langen Pressingweg. Dieser wurde noch verlängert, da der Schwede sein Pressingweg erst auslöste, als der Pass von Keller auf Lauper kam. Dieser konnte sich noch breiter positionieren. So wurde der der Pressingweg noch länger und Lauper hatte mehr Zeit, um auf das Pressing zu reagieren.

Malachowskis Pressingweg ist ungünstig. So öffnet er den Passwinkel auf Fernandes. Metinho lässt sich fallen, um Raum zu sichern, und Sow rückt ein.
Sechser Fernandes positionierte sich dabei die ganze Zentral und konnte sich in relativ kurzer Zeit Lauper anbieten. Er war relativ frei, weil sich Metinho beim Pass von Keller auf Lauper in Richtung Sanches fallen liess, um den Raum vor der Abwehr zu sichern. Währenddessen schoben Omeragic und Olaigbe näher auf ihre Gegenspieler. Sow rückte ballfern ein. Malachowski führte aufgrund einer Finte von Lauper seinen Pressing unsauber aus. Durch den frontalen Winkel warf er seinen Deckungschatten auf Gigovic und nicht auf Fernandes. Somit war der Passwinkel für Lauper geöffnet. Fernandes hatte nun viel Raum hinter sich und konnte aufdrehen. Es sei angemerkt, dass Fernandes trotz seiner vielen Qualitäten evt. einen Achillesferse besitzt. Sein Scanning in den Rücken in dieser Situation war mässig. Er fokussierte sich nur auf den Ball und scannte nie nach hinten. Bei der Ballannahme wäre er meiner Meinung nach ein gutes Pressingopfer gewesen. Vor allem, da er der zentrale Aufbauspieler der Young Boys ist und solche +1-Situationen oft über ihn ausgespielt werdej, kommen solche Situationen relativ oft vor. Aus oben genannten Gründen traut sich jedoch kaum eine Schweizer Mannschaft in eine volle Mann-gegen-Mann-Deckung zu gehen. Fernandes konnte so den Ball annehmen und drehte sich sofort auf. Er scannte das Feld erst bei Ballannahme, orientierte sich sofort an Sanches und dribbelte an.
Basel, ausser die Stürmer, liess sich in einen Block fallen. Omeragic löste seine Manndeckung auf Gigovic und versperrte den Passweg auf Essende und Fassnacht ab. Metinho versuchte Fernandes zu stellen, während Sow sich an Sanches orientierten sollte. Um Fernandes zu stellen, schob Metinho aus der Kette heraus, um die Passwinkel von Fernandes zu verkleinern. Sow war dabei aber etwas unaufmerksam und entschleunigte, während Sanches genau in diesem Moment beschleunigte. Dadurch hatte er einen Vorsprung auf Sow. Sow hatte nur noch einen ungünstigen Pressingwinkel von hinten auf Sanches. Dazu kam, dass Daniliuc nicht herausspringen konnte, da er von Monteiro gebunden wurde. Fernandes spielte nun einen scharfen Pass in den starken linken Fuss von Sanches. Er war dabei etwas zu scharf, weshalb ihm der Ball etwas versprang und die Gäste dadurch mehr Zeit erhielten, um sich an die neue Situation anzupassen.
YB hätte eigentlich eine sehr gute Ausgangslage gehabt diese Situation auszuspielen. Denn Monteiro rückte beim andribbeln von Fernandes in die Mitte ein und zog Tsunemoto etwas mit sich. Dadurch wurde der linke Flügel für Bukinac geöffnet, der diesen mit viel Tempo besetzen konnte. Doch es war nicht alles perfekt. Monteiro positionierte sich meiner Meinung etwas zu zentral. Denn dadurch war er im Deckungschatten von Metinho, und er hätte Tsunemoto und Danilic gleichzeitig binden können. Das ist aber meckern auf hohem Niveau, denn mit seiner sehr zentralen Positionierung befreite er Sanches ja vom Druck von Daniliuc. Wäre diesem nicht der Ball versprungen hätten die Young Boys mehr aus dieser Situation herausholen können. So folgte nur der Pass auf Bukinac. Tsunemoto presst diagonal heraus, Monteiro schob in dessen Rücken in die Tiefe durch und Danliuc konnte den Angriff dank einer guten Antizipation unterbinden.
Fazit
Viel Qualität im zweiten Zwischelinienraum führt bei den Young Boys dazu, dass die meisten Gegner es nicht wagen in die volle Manndeckung zu gehen. Mit Fernandes als Aufbauspieler haben sie den beinahe perfekten Spieler, um die Überzahlen auszuspielen und können so das Spiel in die Hälfte des Gegners verlagern. Ob dies zum Meistertitel reichen wird, muss sich zeigen. Die Grundlagen sind auf jedenfall gelegt.
SR ist fasziniert vom Fussball und dessen Funktionsweise. Er will die Mechanismen der schönsten Nebensache der Welt ergründen und ist immer offen für Feedback und Diskussionen.

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