Zwischen Flexibilität und Tempoproblemen – MX
Mikel Arteta und der FC Arsenal fügten dem FC Bayern und Vincent Kompany am Mittwochabend die erste Niederlage der Saison zu. Lange wurde auf das Topspiel der beiden aktuell wohl formstärksten Teams Europas hingefiebert – und was nehmen wir daraus mit?
Der FC Arsenal ist unbestritten aktuell eine der besten Mannschaften Europas. Der Tabellenführer der Premier League traf am Mittwochabend auf den FC Bayern München, der in dieser Saison noch ungeschlagen ist. Mit großer Spannung wurde dieses Topspiel erwartet. Mikel Arteta brachte eine 4-2-3-1-Grundformation ins Emirates: David Raya agierte zwischen den Pfosten, davor spielten Saliba und Mosquera als Innenverteidiger, flankiert von Timber und Lewis-Skelly. Rice und Zubimendi besetzten die Achterpositionen, Eze agierte als Zehner. Saka und Trossard kamen über die Flügel, Merino gab den Mittelstürmer. Am Samstag siegte man überzeugt im North-London-Derby mit 4:1 gegen Tottenham.

Die Grundformationen
Die Gäste aus Deutschland traten ebenfalls in einem 4-2-3-1 an: Neuer stand im Tor, davor agierten Tah und Upamecano, während Laimer und Stanišić die Außenverteidiger gaben. Kimmich und Pavlović bildeten die Doppelacht. Olise und Gnabry unterstützten Kane, der als nominelle Spitze fungierte. Der FCB reiste nach dem vielversprechenden, aber gerade im Angriffspressing und nach Ecken anfälligen 6:2-Sieg, den ich unter anderem für den Rasenfunk (hier: gerne als Vorbereitung noch reinhören!) analysiert habe, nach London.
Arsenal im 4-4-2-Mittefeldpressing
In den ersten Minuten des Spiels agierte Arsenal London zunächst aus einem tieferen 4-4-2-Mittelfeldpressing. Der nominelle Zehner Eze rückte rechts neben Merino in die erste Pressinglinie auf, heraus gegen den höheren 3-4-3-/3-2-5-Aufbau der Bayern. Schon relativ früh zogen die Bayern viele Spieler vor den Pressingwall, etwa Olise oder Kane. Arsenal verfolgte diese Bewegungen jedoch kaum aktiv, und die erste Pressinglinie leitete erst dann das Pressing ein, wenn Bayern mit der ersten Aufbaulinie im Halbraum andribbelte. Hielt Bayern den Ball zentral, fokussierte sich Arsenal auf das Blocken aus dem Mid-Block heraus, wobei insbesondere die Stürmer die direkten Passwege in den Halbraum (bzw. auf die Außenverteidiger) isolierten. Bayern versuchte unterdessen – vor allem Pavlović und Harry Kane – bewusst, sich zwischen Eze und Merino zu bewegen, um angespielt zu werden, den Doppelsturm von Arsenal zusammenzuziehen, darüber deren Pressingweg auf die Innenvertieidger zu verlängern und so eine unkontrollierte Pressingauslösung herbeizuführen. Dies gelang jedoch nicht. Arsenal hatte diese Muster abgesichert: Die Achter ließen diese Bewegungen durch leichtes Aufrücken zwar zu, verhinderten jedoch ein Aufdrehen im Zwischenlinienraum bei diesem Anspielen. Bayern spielte daher zwar häufig Anspiele zurück, doch dies hatte kaum Effekt auf Eze und Merino und so taten sich die Innenverteidiger im Andribbeln weiter durchaus schwer.
Schon gegen Freiburg hatte man besonders gut gesehen, dass die entgegengesetzten Bewegungen zwischen Kane und Karl sehr gut funktionieren: Während einer abkippt, sucht der andere diagonal die Tiefe. Dieses Muster hängt jedoch stark damit zusammen, dass der abkippende Stürmer auch einen Innenverteidiger herauszieht und so den Tiefenlaufweg öffnet. Während es gegen Freiburg – die insgesamt sehr direkt mannorientierend agierten – funktionierte und Karl ein paar Mal im Rücken der Innenverteidigung auftauchte (aber etwas Probleme in der Ballsicherung in der Luft hatte), verfolgte Arsenal diese Abkippbewegungen, insbesondere von Kane, nicht mit den Innenverteidigern. Folglich sah man auch kaum Tiefenbälle in deren Rücken. Die Pressingauslösung in den Halbraum erfolgte dann oft mit einem diagonalen Pressingwinkel über die Stürmer in der ersten Pressinglinie, wodurch der Diagonalpassweg ins Zentrum isoliert war und somit auch Kane oder Karl bei ihren Bewegungen im Raum zwischen Arsenals Angriff und Mittelfeld kaum anspielbar waren. Diese Isolation des Passes ins Zentrum sicherte wiederum die auffächernden Achter des FC Arsenal dahingehend ab, dass einerseits der ballnahe Achter immer wieder in den Halbraum ausschob, während der ballferne Achter (hier Rice) den Raum vor der Verteidigungslinie sicherte.

Arsenal verschiebt diagonal im Mittelfeldpressing
Ganz grundsätzlich war dieses Ausschieben des ballnahen Achters – hier Zubimendi – essenziell. Die enge Grundstellung der Stürmer implizierte nämlich immer wieder eine Überdribblungsgefahr im Halbraum, gerade wenn Bayern temporär im Viereraufbau agierte. Die ausschiebenden Achter blockierten sowohl den Dribblingweg im Halbraum als auch den tiefen Passweg. Letzterer hätte sich grundsätzlich angeboten, weil der Zwischenraum zwischen Arsenals Außen- und Innenverteidigern durchaus groß und angreifbar war. Insgesamt waren auch die Bewegungen von Arsenal mit den Flügelspielern Trossard und Saka gegen den Ball durchaus interessant: Zwar agierte man bei Ballzirkulation Bayerns im Zentrum mannorientiert an den Halbraumspielern (meist Laimer und Stanišić). Änderten Bayerns Flügelspieler jedoch ihre Priorität, indem sie breit abkippten, löste Arsenal die Mannorientierung auf die Halbraumspieler auf und schob diagonal in die Breite. Gleichzeitig übernahmen die Außenverteidiger Arsenals die Halbraumspieler Bayerns.
Das hatte zur Folge, dass die Außenverteidiger die breiten Abkippbewegungen der Bayern-Flügelspieler nicht eng mitverfolgen mussten und somit keine Räume im Rücken öffneten, die gerade die Halbraumspieler im Durchschieben immer wieder anvisierten. Zudem isolierte der diagonale Pressingwinkel der Arsenal-Flügelspieler die Passwege von Olise und Gnabry ins Zentrum, sodass man in der anfänglichen Vorsicht und dem Meiden von Dribblings der Bayern häufiger Rückpässe beobachten konnte. Das Thema Rückpässe war insgesamt sehr interessant: Der ballferne Flügelspieler Arsenals rückte bereits bei der Pressingauslösung der Stürmer vertikal mannorientiert – meist Trossard auf Upamecano – heraus, um die Passwege auf die ballferne Seite zu isolieren. Hatte Gnabry links den Ball, ließ sich Trossard jedoch wieder in den Halbraum fallen, weil Stanišić immer wieder den Raum im Rücken Trossards besetzte und somit eine gewisse Anfälligkeit für direkte Seitenverlagerungen bestand. Dementsprechend löste Trossard in diesen Situationen seine Mannorientierung auf Upamecano aber wieder auf, sodass dieser nach flachen Verlagerungen von Bayern immer wieder angespielt werden konnte.
Dadurch, dass Arsenals Stürmer weit auf die Ballseite mitschoben, konnten sie oft zu wenig direkten Druck auf Upamecano ausüben. Gleichzeitig war Arsenal durch die breit aufgefächerten Achter etwas anfälliger für die Abkippbewegungen der Bayern. Gerade Lennart Karl konnte immer nach diesen flachen Verlagerungen wieder zwischen Trossard und Rice halbrechts abkippen und von Upamecano in den ersten Minuten angespielt werden. Aufgrund von Rices sehr zentraler Position tat sich Karl jedoch schwer, das Dribbling Richtung Tor aufzudrehen; stattdessen verlagerte er anschließend in die Breite auf Gnabry. Dem fehlte aber etwas das Tempo nach den Verlagerungen anfänglich, dass er daraus Kapital schlägt.
Arsenal unterbindet Bayerns Horizontalität
Tatsächlich schaffte es Bayern nach ein paar Minuten, Arsenals erste Pressinglinie über Anspiele in den Zwischenraum zu manipulieren. Das gelang vor allem dann, wenn beide Achter Arsenals gebunden werden konnten – meist durch die Abkippbewegungen von Kane und Karl im Halbraum, die bewusst zur Bindung genutzt wurden. Dadurch fehlte die zentrale Isolation für Dribblings im Zwischenlinienraum, sodass auch ein Aufdrehen möglich war. So musste insbesondere Merino ein paar Mal zentral auf Pavlović herausrücken, damit dieser nicht aufdrehen konnte. Tendenziell hatte das vor allem den Effekt, dass Merino aus dieser tieferen und engeren Position teilweise nicht aktiv das Pressing auf den mittleren Innenverteidiger auslösen konnte. Dadurch wurde die zuvor initial isolierte rechte Seite der Bayern wieder direkt bespielbar.
Relativ schnell spürte wohl auch Bayern, dass sehr viel davon abhängt, wie man Arsenals Flügelspieler und Außenverteidiger manipulieren kann. Auf der erwähnten rechten Seite schob – wie gesagt – Trossard häufig heraus, um einerseits Upamecano mannzuorientieren und andererseits den Passweg von Kimmich in die rechte Breite zu isolieren. Zwar gelang es nicht, über die diagonale erste Aufbaulinie und den tieferen Upamecano Trossard weiter herauszuziehen und dadurch den Passweg auf Karl zu öffnen, dennoch konnte man Stanišić ein paar Mal aktiv in seinem Rücken finden.

Diagonale Aufbaulinie schafft lange Pressingwinkel nach flachen Verlagerungen
Jedoch hatte Stanišić trotz des weiten Pressingwegs und des sehr seitlichen Pressingwinkels eigentlich enorme Vorteile, doch er schaffte es kaum, diese zu nutzen. Gleichzeitig isolierte Arsenal über das Ausschieben von Lewis-Skelly in die Breite den Vertikalpass auf Olise im Halbraum, der zudem von Mosquera mannorientiert aufgenommen wurde. Auch Rice schob bei Karls Bewegungen im Halbraum eng mit, sodass Stanišić – der insgesamt nur ungern Dribblings sucht – häufig den Rückpass auf Upamecano wählte.
Grundsätzlich könnte man angesichts von Stanišićs geringer Bereitschaft zum Dribbling (auch im Scanning) und seiner eher horizontalen Körperstellung beim Ballspiel durchaus vermuten, dass Bayern über ihn den Weg ins Zentrum finden wollte: also über Karl Rice herauszuziehen, um darüber den Passweg auf Pavlović, welcher immer wieder mit Horizotalbewegungen sich dezent freilief, im Zentrum zu öffnen. Doch Merino agierte im Rückwärtspressing äußerst aktiv und ließ sich bewusst in den Halbraum fallen, um den Passweg von Stanišić ins Zentrum zu isolieren. Folglich suchte dieser meist wieder den Weg zurück zu Upamecano. Allgemein wäre tendenziell auch der direkte Passweg von Kimmich auf Karl im Halbraum möglich gewesen, da der Zwischenraum zwischen Trossard und Merino – insbesondere dann, wenn Merino zentral auf Pavlović einrückte – phasenweise durchaus etwas unsauber gestaffelt war. Dennoch suchte Kimmich diese Anspiele kaum und spielte stattdessen bevorzugt aktiv auf Stanišić in die Breite.
Laimer provoziert Saka, Saka blockt Laimer
Auf der linken Aufbauseite sah man recht häufig, dass sich Laimer im linken Halbraum immer wieder vor die erste Pressinglinie Arsenals fallen ließ. Das hatte den Effekt, dass Arsenals Übergabemechanismus in der Breite nicht mehr funktionierte und Saka diagonal aktiv herauspressen musste, um weiterhin den Passweg ins Zentrum zu isolieren. Bayerns grundsätzliche Idee besteht bekanntlich darin, dass der Halbraumspieler in die Breite auf den Flügelspieler ablegt, der sich über das weite Abkippen vom Außenverteidiger löst, sich aufdrehen kann und anschließend den tiefen Ball in den Rücken von Arsenals Außenverteidiger auf den durchschiebenden Halbraumspieler spielt.
Das Problem aus Bayern-Sicht lag jedoch in zwei Punkten: Erstens unterband Arsenal das Spielen und anschließende Vorstoßen der Halbraumspieler äußerst konsequent, indem deren Durchschiebebewegungen aktiv blockiert oder zumindest beeinflusst und eng verfolgt wurden, sodass sie sich kaum lösen konnten. Zweitens verfolgte Timber die breiten Abkippbewegungen von Gnabry sehr eng, sodass dieser sich kaum aufdrehen und praktisch keine tiefen Anschlussaktionen herstellen konnte. Insgesamt war es beeindruckend, wie flexibel Arsenal agierte und wie gut insbesondere Timber und Saka auf die Kippmuster der Bayern vorbereitet waren. Vereinzelt konnte sich zwar Laimer mit einem sehr guten ersten Kontakt von Saka lösen und diesen überdribbeln, während Gnabry durch Abkippen im Halbraum den Dribblingweg in der Breite öffnete, doch fehlte ihm etwas der Antritt im Dribbling gegen Saka, um daraus größeren Nutzen zu ziehen.

Ballferne Verlagerung über abkippenden Gnabry als Verlagerer
Insgesamt unterband Arsenal bei Gnabrys Ballaktionen – wohlwissend, dass er die Tiefe aufgrund von Timbers Verfolgungswinkel kaum bespielen konnte – auch die Passwege ins Zentrum sehr konsequent. Besonders die Achter stellten die Anspielstationen auf Kane und Karl exzellent zu. In diesem Zusammenhang ist auch das Scanning hervorzuheben sowie die Rolle der Innenverteidiger, die präzise einschätzen konnten, wann Kane und Karl durch die Achter isoliert waren und wann sie selbst mannorientiert herausrücken mussten. Bemerkenswert war zudem das Zusammenspiel von Merino und Saka: Da der Raum zwischen Mittelfeld- und Angriffslinie bei Arsenal weiterhin leicht anfällig blieb und Pavlović sich zunehmend dorthin bewegte, versuchte Saka bei Gnabrys Ballbesitz mit horizontaler Körperstellung den Passweg in den Sechserraum gezielt zu unterbinden und löste dabei seine Mannorientierung auf Laimer – da dieser in der Tiefe (durch den Pressingwinkel Timbers) ohnehin kaum mehr anspielbar war. Wurde Pavlović hingegen nicht darüber gebunden, übernahm Merino dessen Absicherung und markierte ihn mannorientiert.
Man kann Timber vielleicht vorwerfen, dass er sich so sehr auf die Isolation der Tiefe konzentrierte, dass er im direkten Duell zu Gnabry teils etwas zu großen Abstand hielt und dadurch inverse Dribblings des Deutschen nicht konsequent unterbinden konnte. Zwar konnte Gnabry aufgrund des Ausschiebens von Zubimendi nicht ins Zentrum eindribbeln, dennoch gelang ihm mehrfach eine Verlagerung in die Breite. Dort verfügte Bayern nominell gegen Lewis-Skelly mit Olise und Stanisic über eine einfache Überzahl, und meist suchte Gnabry dann Olise, während Stanisic im Halbraum durchschieben sollte. Problematisch war jedoch weiterhin, dass Lewis-Skelly Olise sehr gut in der Breite isolierte und die horizontalen Wege im Halbraum effektiv blockierte. Zudem fehlte Stanisic teils das Tempo, um den Zwischenraum zwischen Mosquera und Lewis-Skelly direkt zu belaufen, sodass Trossard ihn im Rückwärtspressing meist aufnehmen konnte und Olise im 1-gegen-1 isoliert blieb, wodurch er in den ersten Phase nur wenig Dynamik entwickeln konnte.
Olise wird gedoppelt
Wenn die Abstände zwischen Lewis-Skelly und Trossard es zuließen – also meist eher im direkten Aufbau von rechts und nicht nach Verlagerungen – versuchte Arsenal häufig, ein 2-gegen-1 gegen Olise im Überzahlpressing zu bilden. Trossard isolierte dabei den Dribbling- und Passweg horizontal und sperrte so das Zentrum ab, während Lewis-Skelly sich auf das Schließen des Dribblingweges vertikal an der Linie konzentrieren konnte beziehungsweise die tiefen Laufwege von Karl im Halbraum isolierte. Arsenal konnte sich diese Vorgehensweise insbesondere auf der rechten Seite erlauben, da Stanisic deutlich weniger eng mannorientiert agierte als Laimer auf der linken Seite. Stanisic zeigte im Spielaufbau deutlich weniger aktive Durchschiebebewegungen und blieb meist rücksichernd für Rückpässe, sodass Trossard ihn nicht wie Saka auf Laimer verfolgen musste. Später schob Stanisic gelegentlich im Halbraum höher und band so auch Trossard. Dann hatte Lewis-Skelly gelegentlich Probleme, die inversen Bewegungen von Olise zu verteidigen, konnte sich aber meist mit taktischen Fouls helfen (eine frühe gelbe Karte dafür hätte das Spiel durchaus drehen können).

Überzahlpressing auf Olise
Insgesamt enttäuschte auch Joshua Kimmich in dieser Hinsicht etwas. Zwar bot er sich situativ unterstützend im rechten Halbraum aufschiebend an, bewegte sich jedoch zu hoch, sodass er im Deckungsschatten von Trossard festhing. Vielmehr hätte Olise eine diagonale Passoption zurück benötigt. Zwar wurde Kimmich von Merino nur locker verfolgt, dennoch hätte er beim Freilaufen deutlich bessere Optionen gehabt. So blieb Olise meist nur der Rückpass. Das Verhältnis von Arsenal zu Rückpässen ist ebenfalls interessant: Wie bereits mehrfach beschrieben, agierten die Stürmer im Rückwärtspressing sehr zentrumsorientiert und weniger mannorientiert auf die Gegnerstürmer. Aus dieser tieferen Positionierung war der Pressingweg zurück auf die bayerischen Halbverteidiger teilweise etwas lang, sodass kaum aktiver Druck durch den ballnahen Innenverteidiger ausgeübt werden konnte. Umso essenzieller waren die Bewegungen des ballfernen Stürmers, der sich bewusst in einem Bogen auf den mittleren Innenverteidiger Upamecano bewegte, um dessen Passweg auf Kimmich zu isolieren.

Leichte Probleme auf abkippende Zentrumsspieler vom FCB
Merino zeigte zwar insgesamt technische Probleme bei der Ausführung seiner Bogenläufe – auch im Angriffspressing – und konnte daher teilweise überspielt werden, dennoch unterband Arsenal darüber gerade in der mittleren Spielphase immer wieder direkte flache Verlagerungen im höheren Aufbaubereich und brach dadurch erstmal den Aufbaurythmus der Bayern. Diese Bogenläufe zwangen Upamecano meist zu Pässen ins Zentrum, wo Bayern wiederum häufig mit Pavlovic, aber auch oft mit Kane nach Rückpässen abkippte und tendenziell anspielbar war. Dies lag vor allem daran, dass Zubimendi und Rice in diesem Muster teilweise Verfolgungsprobleme hatten, insbesondere wenn Kane (teilweise auch Karl) aus dem toten Winkel heraus abkippte und dadurch einen gewissen Dynamikvorteil erhielt.
Strukturell zeigte Bayern über das Dreiecksspiel mit Kane gute Ansätze, um Kimmich freizuspielen und Merino zu umspielen. Kimmich zeigte jedoch im halbrechten Dribbling etwas zu wenig Tempo, sodass er kaum die Möglichkeit hatte, Merino aktiv zu überdribbeln. Durch das fehlende Tempo konnte Trossard situativ herausrücken, je nachdem, ob er von Stanisic halbräumig gebunden war oder nicht. War Trossard halbräumig gebunden bzw. nach Verlagerungen auf der gebunden, musste Stürmer Merino auf den Halbverteidiger auspressen. Dieser Winkel war nach den Verlagerungen aufgrund des langen Pressingwegs teilweise sehr seitlich, sodass prinzipiell oft der Passweg der Halbverteidiger ins Zentrum offen war. Bayern bewegte sich nach den Abkippbewegungen jedoch zu langsam zurück in den Zwischenlinienraum zwischen Angriff und Mitelfeld – besonders Pavlovic -, sodass die Bayern-Spieler zentral kaum diagonal für die Halbverteidiger anspielbar waren. Gleichzeitig konnten die Halbverteidiger aber gegen die seitlichen Pressingwinkel besser die Flügelspieler direkter bedienen, wovon insbesondere Olise vom gewonnenen Raum (sowie Zeit) und der daraus entstehenden Dynamik gegen den eingerücken Lewis-Skelly phasenweise profitierte.

1:0
Rückstand für Bayern: Wieder eine Ecke
Nachdem Bayern nach rund 20 Minuten eigentlich durchaus ins Spiel gekommen war und sich am Mittelfeldpressing der Gunners abarbeitete, brachte erneut eine Ecke den Rückstand: Wie schon gegen den SC Freiburg offenbarte sich ein Problem in der Mischverteidigung mit Zonenbasis, insbesondere gegen Horizontalläufe aus dem toten Winkel (mit Startposition langer Pfosten) der Zonenverteidiger. Drei Arsenal-Einläufer (gelb) zogen durch ihre Läufe am kurzen Pfosten die bayerischen Spieler nach vorne und öffneten so den Raum vor Neuer, der durch zwei Blocker (gelb; die kreuzten), die gerade Neuer bearbeiteten, besetzt wurde. Timber konnte diesen Raum schließlich nutzen und einköpfen.
Nach dem Treffer agierte Bayern zunächst vor allem aus dem tiefen 2-4-4-Aufbau – wie bereits zu Beginn der Partie – gegen das manndeckende Angriffspressing von Arsenal London. Die Münchner konzentrierten sich dabei stark auf lange Bälle und die Bearbeitung der Mannorientierungen. Klassischerweise agierten die Stürmer tiefer (teilweise asymmetrisch, sodass einer – meist Karl – höher blieb, der jedoch große Probleme gegen Mosquera/Rice in der Luft hatte), um die Innenverteidiger (wobei oft bewusst Rice einen Stürmer übernahm, um Mosquera die Markierung auf Olise zu ermöglichen) mitzuziehen und diagonale Laufwege für die Flügelspieler in die Tiefe zu öffnen bzw. das Zentrum freizuziehen. Neuer spielte gelegentlich auch in diese Zone hinein. Allerdings hatte besonders Gnabry Probleme gegen Timber, und durch das frühzeitige Fallenlassen von Rice, Mosquera und Saliba konnte Arsenal häufig direkt zweite Bälle sichern, sodass Bayern nur eingeschränkt Zugriff hatte. Wenn der Ball dennoch kontrolliert wurde, war dies meist nur möglich, wenn Kane oder Karl unterstützend anboten – dies blieb jedoch eher der Ausnahmefall. Insgesamt war interessant zu beobachten, welche Bewegungen Arsenal eng verfolgte und welche nicht: Verfolgte Saliba zwar die Abkippbewegungen von Kane bis ins eigene Drittel, agierten Zubimendi und Merino auf Pavlovic und Kimmich etwas lockerer – vermutlich, um den Zwischenlinienraum für Anspiele von Kane und Karl nicht zu öffnen. Dadurch konnten sich Pavlovic und Kimmich vereinzelt lösen und wurden für Neuer anspielbar.
Wenn Bayern mit zwei Innenverteidigern aufbaute, versuchte Arsenal, den freien Innenverteidiger im Rücken des im Bogen anlaufenden Stürmers freizuspielen. Dies gelang teilweise. Dann musste der Flügelspieler auf den Innenverteidiger herausrücken, wodurch der Außenverteidiger offen blieb. Das Problem aus Bayerns Sicht: Es fiel schwer, diesen freien Außenverteidiger effektiv zu bespielen. Zwar fand Neuer vereinzelt Stanisic in der Breite offen, jedoch tat er sich schwer, direkt mit dem ersten Kontakt vertikal zu eröffnen und so das Dribbling zu suchen respektive Arsenals Mittelfeld zu überdribbeln. Da Olise oft zudem stark eingerückt agierte, ergab sich kaum ein direkter diagonaler Anschluss (vereinzelt sah man gute entgegengesetzte Bewegungen zwischen den beiden, aber das blieb nur die Ausnahme), sodass Stanisic oft auf einen Rückpass angewiesen war – den er dann häufig über sehr gutes Freilaufen der Innenverteidiger in der Breite erhielt.

Arsenal in der Manndeckung gegen Bayerns tiefen Aufbau
Teilweise spielte Neuer auch aus und leitete den Ball auf die Innenverteidiger, die dann oft aus einer breiteren Grundposition heraus aufdribbelten und die Außenverteidiger anspielten. Diese hatten jedoch gegen die diagonalen Pressingwinkel der Londoner Flügelspieler enorme Probleme, Anschluss zu finden – auch weil Saliba sowie Rice/Mosquera die Bewegungen von Kane und Karl bei flacher Auführung eng verfolgten und die Achter horizontale Wege ins Zentrum sehr gut isolierten, indem sie sich stets manndeckend nach innen gegen die Gegenspieler stellten. Dadurch verlor Bayern mehrmals den Ball über die Außenverteidiger.
Zudem verpassten es die bayerischen Innenverteidiger nach langen Bällen teilweise, wieder enger zusammenzuschieben aus der breiten Grundstellung. Gerade bei zweiten Bällen, die über das Mittelfeld gingen, waren sie dadurch nicht sofort im Zugriff, sodass die Londoner Stürmer den Ball im Zwischenlinienraum annehmen und sich aufdrehen konnten – was insbesondere bei einem dribbelstarken Spieler wie Eze gefährlich werden kann. Mit etwas Glück bei den ungenau gespielten zweiten Bällen und leichtem Abstimmungsdefizit (die Spieler kreuzten zwar vereinzelt gut, aber die Zuständigkeit im Wandspiel und bei der Rückraumbesetzung war nicht immer klar) verhinderten Merino und Eze in Kombination Schlimmeres. In einer ähnlichen Situation, nachdem Upamecano im Halbraum nach einem Abwurf von Neuer aufdribbelte und den Ball verlor, musste er ein etwas hartes Foul ziehen.
Karl gleicht aus
Nachdem Arsenal nun auch immer wieder nach Ballgewinnen zurück zu Raya spielte und aus einem 2-4-4-Aufbau agierte, traten ähnliche Probleme auf wie bei Bayern. Besonders Saka, der immer wieder als Zielspieler fungierte, hatte gegen Laimer Schwierigkeiten, nachdem die Stürmer tiefer gestellt wurden, um den diagonalen Laufweg für den Flügelspieler freizuziehen. So entwickelte sich nach rund 25 Minuten ein zunehmend ausgeglichenes und leicht diffuses Spiel. Arsenal fand vor allem über einen abkippenden Eze und seine Dribblings Spielberuhigung, da man sich dadurch oft aus dem Druck lösen und das Spiel verlagern konnte. Tah verpasste teilweise, Ezes Bewegungen eng zu verfolgen, da er die Tiefensicherung priorisierte. Nach Umschalten auf Eze hatte Arsenal auch die Chance, nach rund 30 Minuten auf 2:0 zu erhöhen: Eze sicherte den Ball vor der Verteidigungslinie, legte auf Merino ab, und nach dem Spiel&Gehen fand man Eze wieder in der Box, doch sein Abschluss ging knapp vorbei.
Nach 33 Minuten fiel dann der Ausgleich für Bayern. Im höheren Aufbau auf der linken Seite leitete Tah nach einem Rückpass über Kimmich die Verlagerung ein. Arsenal konnte im Mittelfeldpressing aufgrund der zu großen Pressingwege nach der Verlagerung keinen direkten Zugriff erzwingen. Kimmich zeigte eine gute Orientierung in der diagonalen Struktur. Durch die eingerückte Position von Arsenal-Außenverteidiger Lewis-Skelly gegen den sehr breiten Olise konnte dieser im diagonalen Tiefenlauf hinter Lewis-Skelly eindringen, der aufgrund des Dynamiknachteils keinen Zugriff hatte. Gleichzeitig löste sich Karl von Mosquera und wurde von Olise zentral gefunden. Karl legte einen hervorragenden Laufweg in die Box aus dem toten Winkel von Raya zurück, sodass der Torhüter keine Chance hatte.
In den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit wirkte Arsenal zeitweise etwas verunsichert, insbesondere bei langen Bällen. Direkt nach dem Treffer stoß Kane zwischen die Innenverteidiger durch, scheiterte jedoch knapp in der Box. Fünf Minuten später kam Karl aus halbrechter Position zum Abschluss, nachdem er den angenommenen Ball von Tah verarbeiten konnte und das 1-gegen-1 gegen Mosquera suchte, doch er verfehlte das Tor um etwa zwei Meter. Die zunehmenden Probleme Arsenals bei langen Bällen führten dazu, dass die Außenverteidiger gegen den Ball enger agierten, wodurch sie längere Pressingwege in die Breite auf die Flügelspieler hatten. Davon profitierte insbesondere Olise, der nun immer wieder seine inversen Wege in den Halbraum suchen konnte. Über weite Strecken fand er kaum Anschluss in der Box, da Kane durch seine Abkippbewegungen und tiefere Grundposition oft zu langsam nachrückte. Kurz vor der Halbzeit fand Olise Kane jedoch auf der Fünfmeterlinie, der konnte den Ball aber nicht an Mosquera vorbeilegen.
Bei eigenen Abstößen zeigte Arsenal nun eine leichte Verbesserung: In der 36. Minute leitete Innenverteidiger Timber den Ball im Halbraum gegen Laimer, der etwas zu spät ins Duell kam, auf den durchstoßenden Saka weiter. Dieser nutzte seinen Tempovorteil gegen Gnabry und lief fast alleine auf Neuer zu, wurde jedoch in letzter Sekunde gestoppt. Teilweise wurden nun auch die Flügelspieler flach angespielt, indem sie diagonal einkippten oder über anrückende Innenverteidiger in Szene gesetzt wurden. Besonders Saka konnte im linken Halbraum mehrfach den Ball festmachen, auf Achter Rice oder auf aufrückende Innenverteidiger ablegen und so Spielrhythmus erzeugen, der beiden Teams zuvor noch fehlte. Nachdem Laimer mehrfach Probleme hatte und Saka immer wieder im Dribbling nach innen ziehen konnte, um das Dribbling auf das gegnerische Tor zu suchen, holte er sich in der 43. Minute die Gelbe Karte.
Zweite Halbzeit
Bis auf die verletzungsbedingte Auswechslung von Trossard gegen Madueke noch vor der Halbzeit gibt es auch nach der Pause nominell keine Veränderungen in den Lineups der beiden Mannschaften. In der Anordnung sah man bei Bayern nun zunehmend eine Rotation zwischen Karl und Olise, wobei nun hauptsächlich Karl als rechter Flügelspieler agierte und Olise als zweiter Stürmer neben Harry Kane.

Arsenal presst nach Querpässen direkter Mann-gegen-Mann
Das merkte man auch relativ schnell im tieferen Aufbauspiel: Olise brachte bei langen Bällen ins Zentrum sehr viel Ballsicherheit hinein – gerade durch seinen weltklasse ersten Kontakt – und zog daraus schon nach wenigen Minuten das erste Foul. Karl hingegen war dahingehend wichtig, dass er sich aus kleinräumigen Situationen in der Breite, auch wenn der Gegner im Rücken ist, etwas wohler fühlt als Olise, der eher ein Spieler ist, der den Gegenspieler vor sich braucht. Gerade bei den hohen Bällen auf Rechtsverteidiger Stanisic und dessen Weiterleitungen mit dem Kopf sollte nun Karl festmachen, näher um Stanisic herumspielen und ihn direkter unterstützen. Insgesamt rotierte nun auch Gnabry mit Kane wieder häufiger. Dass man zwei dynamische Spieler in die Halbräume bringen wollte, war kein Zufall: Arsenal agierte nach Rück- und Querpässen der Bayern im höheren Aufbauspiel in der ersten Pressinglinie nun noch direkter mannorientiert. Der ballferne Flügelspieler schob aktiver auf den ballfernen Halbverteidiger, und der ballferne Außenverteidiger musste dafür auf den Außenverteidiger der Bayern herauspressen.
Das Problem für Arsenal war jedoch, dass der diagonale Pressingwinkel des ballfernen Flügelspielers auf die Halbverteidiger der Bayern die vertikalen Passwege im Halbraum nicht isolierte. Dadurch waren Gnabry bzw. Olise immer wieder über Upamecano und Pavlović anspielbar. Gerade weil die Innenverteidiger diese Wege nicht konsequent mitgingen, die Bewegungen der Münchner aber in den durch das Ausschieben der Flügelspieler geöffneten Raum neben den Achtern – im toten Winkel von Rice und Zubimendi – anspielbar waren, bekam Arsenal darauf zunächst keinen richtigen Zugriff. Schon nach wenigen Minuten konnte Olise von Upamecano angespielt werden und auf Stanisić ablegen, der jedoch etwas Probleme hatte, den frischen Madueke zu überdribbeln. Das eigentliche Problem, das Arsenal jedoch hatte, war der lange Pressingweg des ballfernen Außenverteidigers auf den Außenverteidiger der Bayern. Dadurch war dieser immer wieder anspielbar und konnte in die Breite ablegen. Der fehlende direkte Zugriff erhöhte aufgrund des dynamischen Nachteils die Gefahr von Spielen & Gehen enorm.
Tendenziell hatten aber gerade Laimer im Zusammenspiel mit Kane und Gnabry etwas Probleme, weil Saliba weiterhin die Bewegungen in den Rücken Timbers gut verfolgte und sie dadurch kaum in die Breite – und damit auch nicht in die Tiefe – aufdrehen konnten. Später agierte Gnabry in der Breite zudem immer wieder etwas tiefer und konnte so relativ früh das Dribbling gegen Timber suchen. Dieser hatte aus größerer Distanz gegen den dribbelnden Gnabry einige Probleme und konnte den inversen Weg nicht sauber schließen, sodass sich mehrfach interessante Tiefenoptionen ergaben.
Trotz der Umstellung im tiefen Aufbauspiel hatte Bayern aber weiterhin durchaus Probleme vom Abstoß weg. Gerade Neuers Pässe in den Halbraum, in den sich Karl immer wieder horizontal hineinbewegte, waren recht riskant. Nach knapp zwei Minuten führte genau ein solcher Ballverlust zu einer gefährlichen Situation: Merino konnte sich im Umschalten erneut zwischen den extrem breit stehenden Innenverteidigern lösen, und Bayern konnte den zweiten Ball nicht klären, weil Pavlović und Karl sich zu langsam in den Rückraum fallen ließen. Saka kam dadurch aus rund 16 Metern zum Abschluss – Neuer rettete (noch).
Dann entwickelte sich wieder eine etwas fahrige Mittelphase der zweiten Halbzeit, geprägt von vielen Fouls in der Breite und kleinen Chancen – etwa durch Karl nach zwölf Minuten, als er sich nach dem inkonsistenten Übergangspressing von Arsenal in der Breite gegen den eingerückten Lewis-Skelly im Dribbling durchsetzt und beim Abschluss etwas verzieht. Arsenal hatte zuvor durch das gute Fallenlassen der Innenverteidiger bei bayerischen Durchbrüchen in der Breite das Zentrum in der Box gut geschlossen. Insgesamt kam Arsenal nun weiterhin über Ecken zu gefährlichen Chancen; gerade Neuer beschwerte sich wiederholt über das sehr aktive und systematische Blocken seitens Arsenal – oder um den SV-Gruppenchat zu zitieren: „bisschen dirty tactics“. Beim Tennis würde man für solche unorthodoxen Moves keinen Applaus vom Publikum bekommen. Aber gut, gibt es im Fußball überhaupt unorthodoxe Ideen?

Bayern im Mittelfeldpressing zu Ende des Spiels
Nach 70 Minuten spielt Upamecano einen Diagonalpass aus der Breite im tieferen Aufbauspiel in den Halbraum, wo Rice das Duell gegen Karl gewinnt und direkt umschalten kann. Aufgrund des Dribblings von Rice nach dem Ballgewinn im Halbraum schiebt Upamecano aus der Breite ruckartig ins Zentrum und öffnet dadurch die Breite für Eze links, der auf den durchschiebenden Calafiori ablegt, welcher erst wenige Minuten zuvor eingewechselt wurde. Dieser findet Madueke am langen Pfosten, der zum 2:1 einschiebt. Es hatte sich zuvor bereits angedeutet: Zwar fand Arsenal im höheren Aufbauspiel nicht unbedingt hochwertige Torchancen, aber Bayern tat sich im mannorientierten 5-2-3/6-1-3-Mittelfeldpressing durchaus schwer, Zugriff zu erlangen. Gerade weil Arsenal immer wieder eine flache Viererkette über einen einkippenden Schienenspieler oder einen abkippenden Rice herstellte, öffneten sich wiederholt Passwege der äußeren Aufbauspieler im Viereraufbau auf die Halbraumspieler. Dadurch gerieten die ohnehin schon leicht entkräfteten bayerischen Außenverteidiger Stanisić und Laimer immer wieder in Herausrückbewegungen. Aufgrund der fehlenden Rückwärtsisolation, da Pavlović als Mittelstürmer in der ersten Pressinglinie im Rückwärtspressing mannorientierend in den Zehnerraum schob, um den Zwischenlinienraum zu schließen, konnte Arsenal in dieser Phase durchaus Spielkontrolle aufbauen.
Bayern tat sich generell schwer, eine stabile Balance in der Pressingauslösung zu finden, gerade weil man mit den diagonalen Pressingwinkeln in der ersten Pressinglinie durch die Flügelspieler immer wieder überspielt werden konnte. Zudem ließen sich Arsenals Verteidiger zur Querpasssicherung nach ihren Pässen in den Halbraum immer wieder weit fallen und entzogen sich dadurch der Rückabsicherung beziehungsweise dem direkten Druck aus dem bayerischen Mittelfeldpressing. Teilweise gingen die bayerischen Flügelspieler – etwa Karl – mit, wodurch Arsenal erneut die Halbräume öffnen konnte und Bayerns Systematik an Kompaktheit verlor. Diese Halbräume besetzte beispielsweise auch der frisch gekommene Calafiori immer wieder direkt nach und öffnete so – durch das Mitziehen von Stanisić und Laimer – wiederholt Räume innerhalb der bayerischen Verteidigungslinie, die Arsenal nun – gerade nach der Führung – gelegentlich nach Rückpässen lang bespielte. Besonders Martinelli ist hier zu erwähnen, der diese Räume immer wieder anlief, ebenso wie Eze, der bei zweiten Bällen weiterhin für Ballsicherheit sorgte und durch clever gezogene taktische Fouls mehrfach wichtige Entlastungsmomente schaffte. Martinelli war es dann auch, der im Durchschieben nach einerm Ballverlust Kimmich hinterlief, den herauslaufenden Neuer umspielte und zum 3:1 einschob.
Fazit
Am Ende ist die erste Niederlage für Bayern in dieser Saison durchaus gerechtfertigt. Die Anfangsphase des Spiels war die schwächste, danach zeigte die Mannschaft zwar Leistungssteigerung, lief aber in eine Ecke von Arsenal, was es eigentlich unbedingt zu verhindern galt. Wie so oft bei Arsenal drehte sich danach die Spieldynamik zu Gunsten der Gastgeber. Es gab allerdings auch Momente, in denen sich das Spiel hätte in die andere Richtung wenden können – gerade in Sachen Spielrythmus- und Tempo zeigte Bayern aber keine gute Partie. Die Phase mit den beiden Gegentoren in der zweiten Halbzeit unterstrich die verdiente Niederlage. Wer weiß, vielleicht gibt es in dieser Saison noch eine Revanche gegen Arsenal – ich würde es auf jeden Fall begrüßen.
MX machte sich in Regensburg mit seiner Vorliebe für die Verübersachlichung des Spiels einen Namen. Dabei flirtete er mit der RB-Schule, blieb aber heimlich immer ein Romantiker für Guardiolas Fußballkunst.

Keine Kommentare vorhanden Alle anzeigen