Intensitätsduell der erfolgreichen Kleinen

2:2

Geschlossenheit im Bewegungsspiel trifft auf viele lang geschlagene Bälle. In den zahlreichen eng zugeschobenen Flügelszenen finden sich taktisch beachtenswerte Details.

Viele lange Bälle bei Getafe

Getafe unter Trainer José Bordalás ist diese Saison das long-ball-Team in der spanischen Liga. Mit einer konsequenten Ausführung dieser Spielweise haben sie sich bisher auf Platz fünf gearbeitet. Auch in dieser Partie schlugen sie viele Pässe lang nach vorne, gerade bei Abstößen sehr systematisch. Jeweils einer der beiden Sechser ging in klarer Rollenverteilung vertikal nach vorne, insbesondere Rechtsaußen Foulquier rückte eng ein. Bei gezielt breit auf die Flügel geschlagenen Zuspielen schoben beide Stürmer gemeinsam weit nach außen, aus dem Mittelfeld überwog die Orientierung auf die Halbräume.

Zu der hohen Anzahl an langen Bällen trug auch bei, dass Getafe gerade Folgeaktionen aus dem zweiten Drittel oder nach Klärungen gegen die Offensivpräsenz sehr direkt wieder vorne in die Angriffszonen brachte. Die laufstarken Gastgeber aus dem Baskenland hatten dagegen aber eine passende Rückraumbesetzung parat. Vor allem Linksaußen Cucurella zog sich oft tief zurück und bildete mit den Sechsern flache Dreierlinien sauber vor der Abwehr. Meist funktionierte der Rückzug geschlossen, beim 0:1 als einer der wenigen Ausnahmen wurden die tiefen Staffelungen mal zu flach.

Tieferer Rückzug auf der linken Seite

Die kleine spezifische (oder ab der aktuellen Saison neue?) Asymmetrie zwischen den Flügeln zeigte sich beim Gastgeber von Trainer José Luis Mendilibar in unterschiedlichen Konstellationen und ermöglichte Orellana eine etwas höhere Position. War er nicht frühzeitig über Verlagerungen raumfüllend in die Rückwärtsbewegung gezogen worden, konnte er auch auf seiner Seite etwas höher im Halbraum bleiben, wenn dafür Diop weiter nachrückte. Eine solche Horizontalverschiebung des defensiven Mittelfelds wurde entsprechend durch Cucurella ausgeglichen, der recht sauber den ballfernen Halbraum auf Strafraumhöhe besetzte.

Auch bei Angriffen über den anderen Flügel zeigte Eibar viele Tendenzen zu 4-3-3-Staffelungen: Cucurella verteidigte eine Linie tiefer, Orellana begab sich ballfern etwas höher in eingerückte Position. Das war eine günstige Anordnung, um lokale Kompaktheiten Getafes für lange Bälle zu beantworten und selbst den Raum entsprechend verengen zu können, mit der Option auf zusätzliche diagonale Rückwärtspressingbewegungen Orellanas. Einige Male deutete Eibar hier an, warum sie, sogar mit einigem Abstand, in La Liga die wenigsten Abschlüsse im Durchschnitt pro Spiel zulassen.

Im Pressing konnten die Basken ihre enorme Intensität mangels entsprechender Situationen diesmal kaum einbringen, sie half ihnen aber in den umkämpften Mittelfeldszenen. Dem konsequenten Stil Getafes hatten sie somit einiges entgegenzusetzen. Dadurch entwickelte sich die Partie zu einem typischen von einer athletischen Note und starker horizontaler Kompaktheit geprägten 4-4-2-Duell: Es gab die klassische Struktur aus einer gegen eine hohe, enge Offensivstaffelung stehenden Viererkette mit den in ihrer Rückzugsbewegung oft als erstes hinten ankommenden Doppel-Sechs. Beide Teams nutzten gegnerische Einwürfe jeweils geschickt und konsequent für Umformungen der ersten Sturmlinie ballnah in vertikale 1-1-Keilanordnungen.

Ambitionierte Diagonalpässe auf absetzende Bewegungen

Insofern sich die Kontrahenten auf diese Weise gegenseitig stark eindämmten, immer wieder in neue Duelle verwickelten und sich letztlich wenig zugestanden, eignete sich die Begegnung eher als Beispielillustration der jeweils prägenden Eigenheiten und Kleinigkeiten der Teams. Bei Getafe etwa entstanden einzelne gefährliche Ansätze vor allem über die Bewegungsmuster der Stürmer nach gewonnenen zweiten Bällen, nach denen sich das Team kurz hatte lösen können.

Sobald etwas Raum da war, setzten sie sich sofort extrem breit in die Spitze ab und suchten ohne Ball konsequent die Bereiche neben der sich im Rückwärtsgang befindlichen und noch nicht immer vollständig besetzten Abwehrreihe. Ein etwaiger ballführender Angreifer griff schnell zu ausweichenden Dribblings. Oftmals folgten bei den Hauptstädtern dann zügig wiederum weiträumige, attackierende Verlagerungen auf jene absetzenden Positionierungen. Durch die konsequente Umsetzung konnten sie die Gastgeber einige Male in die Strafraumverteidigung zwingen.

Eibar forciert das Pärchen auf rechts

Das wichtigste Element bei Eibar für die Folgeaktionen nach ihren eigenen, auch für sie prägenden langen Bällen und etwaigen gewonnenen Abprallern waren Aktionen über das Pärchen auf der rechten Seite. Der offensive Ruben Peña und Orellana glänzten mit gutem Raumgefühl und enormer Ballsicherheit. Im individuellen Aufrückverhalten am Ball und der gegenseitigen Anpassung daran bewegten sie sich sehr harmonisch. So konnten die beiden mit Dribblings antreiben und auch mal ambitioniertere Aktionen versuchen, da sie bei Problemen oftmals noch vielseitig zu verzögern, Ausweichräume zu erschließen oder geschickt abzubrechen vermochten.

Insgesamt nutzte Eibar gerade auch Rückpässe gut in sinnvollen Momenten. Über Paulo Oliveira wurde das Leder normalerweise taktisch sauber weiter verteilt. Sein Nebenmann Arbilla hatte ebenfalls gute Szenen am Ball, spielte aber einige willkürliche Verlagerungen offensiv auf die Flügel. Sporadisch entstanden über die Einleitungen von Peña und Orellana schließlich offensive Ansätze. Auf dieser Seite zeigte umgekehrt Getafe mehrere starke Defensivmechanismen: Außenspieler Olivera lief öfters gezielt von außen nach innen an, so dass Dribblings vom Flügelpartner weggeleitet und in die eher auf Absicherung ausgerichtete Mitte abgelenkt wurden.

Höherer ballferner Sechser und tief anschließender Stürmer

Wenn Eibar die Angriffe trotzdem nach rechts fortsetzen konnte, schob dann entsprechend der Außenverteidiger zur Seite heraus und Olivera füllte im Rückzug die Schnittstelle innerhalb der letzten Linie auf. Aus dem defensiven Mittelfeld gestaltete sich die Flügelverteidigung Getafes in der Regel so, dass der ballnahe Akteur vor allem Absicherungsaufgaben in den unmittelbaren Anschlusszonen übernahm und sein ballferner Kollege höher stand. Er nahm situative Mannorientierungen auf einen gegnerischen Sechser auf. Im Zuge einer bogenförmigen Bewegung rückte er damit ebenfalls horizontal kompakter zum Ball hin. Lokal bedeutete das eine weitere verdichtende Wirkung.

Im Abwehrpressing schließlich deckte Mata viel Raum nach hinten ab und schloss immer wieder sehr kompakt an die beiden Viererketten an. Diese Rückzugsbewegung bildete ein entscheidendes Element für stabile Defensivmomente Getafes. Positionell erfolgte sie zudem recht sauber, da der Angreifer sich konstant am Raum vertikal vor dem Strafraumeck orientierte. Im Gegenzug schob Eibar bei den Offensivversuchen über rechts jeweils Diop breiter in genau jenen Halbraum und stärkte so die Absicherung in diesen Zonen.

Einzelne Akzente nach vorne setzten am ehesten die Bewegungen der Stürmer an der letzten Linie. Vor allem die Anschlussaktionen nach ausweichenden Läufen erfolgten bei Eibar sehr konsequent. Wurde der Ball vom Flügel hoch oder durch einen scharfen Diagonalpass auf einen Stürmer in die Spitze gespielt, zog dessen Kollege aus zuvor breiter Position mit gutem Timing entlang der Abseitskante zurück nach innen und knickte dann oft im richtigen Moment – für etwaige anspruchsvolle Risikoweiterleitungen – in die Tiefe zum Strafraum ab.

Gegen Mannorientierungen (zu wenig) über links

Etwas mehr Potential hätte es für die baskischen Flügelangriffe eigentlich auf der anderen Seite gegeben. Dort gestaltete sich die Organisation des Zugriffsverhaltens bei Getafe etwas schwächer. Gelegentlich ließen sich Foulquier und Damián Suárez zu früh in die Pressingübergänge ziehen und mussten dann entsprechend noch mannorientierter verteidigen. Dadurch war das Team rechts defensiv weniger kompakt, auch in den Anschlussräumen.

Schon die vielen einfachen Flügellinienpässe des Linksverteidigers deuteten bei gleichzeitigen Zurückfallbewegungen seines eng gedeckten Vordermannes Potential an, etwa für ausweichende Läufe des ballnahen Stürmers, der ebenfalls individuell durch den gegnerischen Innenverteidiger verfolgt werden musste. Solche Abläufe über links hätte Eibar sowohl quantitativ häufiger als auch noch etwas sauberer forcieren sollen, über Jordán gab es in der kontrollierten Spielauslösung und dominanten Ballverteilung einige jedoch in der positionellen Ausführung ungeschärfte Ansätze.

pad_mz 17. Februar 2019 um 11:54

Jaa, ein Eibar-Artikel 🙂
Bin im Laufe der Saison zum Fanboy geworden und finde es richtig stark, was die viertschwächste Mannschaft laut TM.de-Marktwerten dieses Jahr so alles hinbekommt.

Zum Spiel gegen Getafe fand ich es sehr witzig zu sehen, dass in einem Land, welches lange für seine Passqualitäten berühmt (berüchtigt) war, es nach zwanzig Minuten von der Passquote her einfach 48 zu 33 stand – beim Duell 10. gegen 5.!! Bei Eibar war mir klar, dass diese gerne den langen Ball einsetzen, um den Ball oft bei den beiden Stürmern zu halten, der Ansatz von Getafe war mir aber neu.
Wünsche mir hiermit mehr Berichte von Teams (oder Spielern), die ein bisschen anders unterwegs sind 😀

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tobit 21. Februar 2019 um 10:39

Am Ende waren gerade mal je ein Abwehrspieler bei einer Passquote über 60%. Das ist ja geradezu Darmstadthaftes Bolzen mit System.

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