Arsenal FC – Manchester City 1:0

Arsenal nicht abgeklärt zwischen den Linien, City enttäuschend und harmlos.

Mit einer hochverdienten 0:1-Niederlage bei Arsenal ist der Meisterschaftszug angesichts acht Punkten Rückstand auf Stadtrivale United für die Citizens wohl abgefahren. Für ein zu Beginn viel zu defensives Auftreten mit nur 15 % Ballbesitz im ersten Viertel des Spiels sowie für eine enttäuschende Offensive ohne einen einzigen Schuss auf das Tor wurde man am Ende bestraft.

Arsenals Dominanz und Citys Räume zwischen den Linien

Grundformationen nach der Auswechslung Yaya Tourés: Die vielen Wechsel zwischen den City-Spielern, die immer wieder zwischen den Positionen um her geschoben wurden, sind der Übersicht halber nicht eingezeichnet.

Zu Beginn lief die Partie zwischen Arsenal – dem Team mit dem durchschnittlich meisten Ballbesitz – sowie Manchester City – in dieser Statistik auf dem zweiten Rang – auf eine etwas überraschende Art und Weise, denn der Gast stellte sich sehr defensiv auf und gab die Spielkontrolle komplett an den Gegner ab, der sehr weit aufrückte und Citys defensives 4-4-1-1/4-5-1 zu durchbrechen versuchte.

Zur Dominanz der Gunners trug vor allem bei, dass City in der Defensive viel zu viel Raum zwischen ihrer vordersten Stoßspitze, die meistens auf Konter wartete, sowie ihren restlichen Feldspielern ließ. In diesem entstehenden Loch konnte der situativ tiefste Arsenal-Aufbauspieler – also entweder Arteta oder Song – mit aller Zeit der Welt die Spieleröffnung organisieren und die Pässe in die Tiefe gestalten, wobei er auch sehr gut von seinen abwechselnd in dieses Loch mit aufrückenden Innenverteidigern unterstützt wurde, die ebenso einige sehr gute Vertikalbälle nach vorne spielten.

Diese Pässe fanden ihre Abnehmer zwischen der Abwehr- und Mittelfelreihe der Gäste, welche zwischen diesen beiden Linien ebenso viel zu viel Platz ließen und diesen arg schwach verteidigten. Folglich konnten Arteta/Song, der sehr bewegliche, wenn auch teilweise zu weit zurück rochierende, Rosický sowie der sich als Falscher Neuner ebenso in die Tiefe fallen lassende van Persie hier recht problemlos angespielt werden. Auch Benayoun zog es von links gerne zusätzlich ins Zentrum hinein, während Walcott im Raum „neben“ dem gegnerischen Außenverteidiger einer sehr eng postierten Viererkette ebenso Räume vorfand.

„Typisch Arsenal“ – zu viel One-Touch-Doktrin, zu wenig Ruhe in Freiräumen

So weit, so gut – nach dieser Beschreibung hätte Arsenal zur Pause doch eigentlich schon recht deutlich führen müssen, doch sie taten es nicht und kamen überhaupt nur zu 4 Abschlussversuchen, von denen nur einer aus dem Spiel heraus erfolgte und kein einziger auf das Tor ging. Dies lag einfach daran, dass Arsenal die großen defensiven Schwächen ihrer Gegner viel zu inkonsequent ausnutzte.

Erstens versuchte man immer wieder, wie es typisch – auch auf Basis des Zurückfallens van Persies – für den eigenen Spielstil ist, durch die Schnittstellen der gegnerischen Viererkette zu spielen, welche allerdings geschlossen waren, da City die Abwehr sehr eng spielen ließ. Arsenal fehlte hier die richtige Anpassungsfähigkeit und setzte die Schnittstellenpässe immer wieder ein – mit immer wieder ausbleibendem Erfolg.

Zweitens spielte man in dem Raum zwischen den Linien, der oftmals verhältnismäßig groß war, viel zu hastig und nahm sich keine Zeit. Hier zeigten sich die Nachteile der Wenger´schen One-Touch-Doktrin, welche seine Spieler in diesen weiten Räumen zu direktem und schnellem Spiel verleitete. Allerdings war dies gar nicht nötig, da man viel Zeit gehabt hätte, die Bälle anzunehmen und anschließend den Angriff weiterzuspielen. So ging man aber mit dem zu schnellen Spiel unnötiges Risiko und verbaute sich damit vielversprechende Situationen selbst. Auch zweite oder abgeprallte Bälle wollte man immer sofort mit dem ersten Kontakt in die Tiefe spielen anstatt sie anzunehmen. Da viele dieser Bälle sehr schwer zu verarbeiten waren, entstanden aus eigentlich guten Chancen immer wieder – fast schon „blinde“ – One-Touch-Fehlpässe.

Drittens gelang es den Hausherren nicht, ihre Außenverteidiger gewinnbringend gegen die enge Defensive der Citizens einzusetzen – was in Hälfte zwei dann besser funktionierte. Zu Beginn der Angriffe mussten die Außenverteidiger noch recht tief stehen, da man bereit sein musste, schnell zurück zu laufen, falls der aufrückende Innenverteidiger, der in seinem Rücken seinen Partner alleine gegen einen Gegenspieler zurückließ, den Ball verloren hätte. Wurde dann aber der Angriff mit einem Vertikalpass beschleunigt, kamen die Außenverteidiger aus ihrer tiefen Position nicht schnell genug nach vorne, um ihre schnell spielenden Kollegen außen zu überlaufen.

City seltsam wirr formiert und lasch spielend

In der Defensive hatte City Glück, dass Inkonsequenz nur wegen Inkonsequenz auf der anderen Seite nicht bestraft wurde, doch auch ihre Offensivleistung war sonderbar. Meistens rückte man im Spielaufbau überhaupt nicht auf, sondern der offensive Mittelfeldspieler ließ sich ebenso weit fallen, was zusammen mit breit stehenden Außenspielern dazu führte, dass der Mittelstürmer relativ auf sich alleine gestellt war und oftmals mit langen Bällen angespielt wurde, die gegen Koscielny und Vermaelen aber eher weniger Chancen auf Erfolg hatten.

Überhaupt machte das gesamte Erscheinungsbild des Teams aus Manchester einen seltsamen Eindruck. Immer wieder wurden die Rollen in ihrem etwas asymmetrischen 4-4-1-1/4-2-2-2 gewechselt, so dass zwischendurch jede Position von verschiedenen Spielern ausgefüllt wurde – im offensiven Mittelfeld agierte erst Nasri, dann Pizarro, dann Balotelli und schließlich Agüero. Dies wirkte sich auch auf die anderen Spieler aus, welche immer wieder – teilweise gar während Arsenals Aufbauspiel, was immerhin ein wenig stabilisierend wirkte – umher geschoben wurden und somit nie einen Rhythmus fanden geschweige denn einen klar erkennbaren Offensivplan zeigten. Einzig einige individuelle Geistesblitze der Einzelkönner sorgten für Gefahrfunken, welche aber eben nur sehr vereinzelt waren. 5 Schussversuche, davon 4 aus Standardsituationen und keinen einzigen auf das Tor von Szczesny sind ein eines Meisters nicht würdiges Armutszeugnis und teilweise schien es gar so, als würde man nicht nur ohne den letzten Einsatz verteidigen, sondern auch nur halbherzig den Weg nach vorne suchen.

Zweite Halbzeit

Nach dem Seitenwechsel öffnete sich das Spiel noch mehr und Arsenal nutzte diese Räume langsam aber sicher, weil sie insgesamt größer wurden. Umgekehrt allerdings konnte sich City immer noch nicht aufraffen, nach vorne kollektiv gefährlich zu werden – ihre zu halbgar vorgetragenen Angriffe kamen zwar sporadisch hinter Arsenals offensiv agierendes Mittelfeld, wurden aber ansonsten schon durch Arsenals Pressing und deren Manndeckung in der Mittefeldzentrale ihrem geringen Elan beraubt.

Auf der anderen Seite kam Arsenal durch die vermehrten Räume wie gesagt auch zu mehr Chancen, stellte sich bei deren Verwertung allerdings denkbar ungeschickt an. Zunächst setzte van Persie eine Großchance nach feinem Song-Pass an den Pfosten und vertendelte anschließend eine weitere Top-Möglichkeit, indem er sich ungeschickt ins Abseits bewegte. Das absolute Sinnbild für das Spiel der Gunners war allerdings eine Dreifachchance aus der 76. Minute: Eine der zahlreichen Hereingaben Sagnas (insgesamt brachte man 38 Flanken), der jetzt einfacher mit nach vorne starten konnte, da man sich noch stärker auf seine Seite (die aufgrund der Ungleichheit der Außenverteidiger, des zentralen Benayoun sowie der Positionierung Songs bereits vorher dominanter gewesen war) und die Defensivschwächen Balotellis konzentrierte, brachte Walcott aus etwa 10 m zentraler Position nicht im Tor unter. Unglaublich aber, wie anschließend Vermaelen aus etwa 3 m den Ball nicht am liegenden Joe Hart vorbeibrachte und Rosický den Ball aus 1 m nicht ins leere Tor, sondern an den Pfosten schoss. Man spielte schön, doch viel zu inkonsequent – letztlich war es kein Wunder, dass ein wuchtiger Distanzschuss Artetas aus dem Raum vor der City-Abwehr den Sieg doch noch fixierte.

Fazit

Arsenal dominierte deutlich, konnte aber die von City gebotenen Räume lange Zeit aufgrund der typischen „Arsenal-Schwäche“ nicht nutzen, vergab dann auch beste Chancen und gewann letztlich doch noch.

City verbaute sich mit diesem generell schwachen Aufritt – sei es offensiv oder defensiv, sei es taktisch oder sei es bezüglich der Leistung der einzelnen Spieler – endgültig die Meisterschaft. Eine hochverdiente Niederlage nach einer erschreckend schwachen Leistung.

Ben 11. April 2012 um 12:36

Ich will mich gar nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, ist auch das erste mal, dass ich einen Artikel hier kommentiere. Ich fand es nur wie gesagt erstaunlich, dass so viele hohe Flanken insbesondere durch Sagna in HZ 1 geschlagen wurden. Wahrscheilnich einfach aus dem Grund den du nennst – die eng stehende 4er Kette City’s, die das Steilpass-Spiel von Arsenal unterbinden konnte. Aus den Flanken wurde aber nix, dank der körperlich überlegenen Innenverteidiger.
Am Ende hat einer der vielen individuellen Ballverluste und ein Fernschuss den Sieg gebracht. Fernschüsse.. die fehlten einfach bei Arsenal. Wie immer

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Ben 10. April 2012 um 14:04

ich hab wahrscheinlich nen anderes Spiel gesehen. Bemerkenswert, dass das Wort „Flanke“ genau einmal in der Analyse vorkam! Dabei hat Arsenal vermutlich so oft geflankt (insbesondere hohe Flanken.. gg Lescott und Kompany..) wie in der ganzen Saison nicht. Dazu bin ich völlig anderer Meinung was die Außenverteidiger betrifft. Gibbs und insbesondere Sagna unterstützen das Angriffsspiel in der ersten Halbzeit so gut es ging. Die beiden sind kaum über die Mittellinie in die eigene Hälfte zurück gelaufen. Santos spielte in der 2. HZ teilweise wie ein zentraler Mitteleldspieler. Seine fehlende Spielpraxis merkte man ihm aber deutlich an.
Und abschließend möchte ich noch erwähnen, dass gerade die „Wenger´schen One-Touch-Doktrin“ aus meiner Sicht City überhaupt nicht ins Spiel kommen lies. Nahezu jeder 2. Ball ging in den Drangphasen an Arsenal, weil sie nicht den Ball gehalten haben, sondern er direkt weiterverarbeitet wurde.

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TR 10. April 2012 um 18:45

Naja, ich betone doch die vielen Flanken (mit genauer Anzahl), sage auch, dass man in der 2.Hz sehr viel über außen kam und generell stark rechts überlud. Fand es in der ersten Halbzeit aber nicht so stark. Vielleicht erinnere ich mich da in den Proportionen nicht mehr so genau. Dass Santos enorm zentral spielt, ist ja bekannt.

Weiterverarbeiten und Ball halten schließen sich ja nicht aus bzw. Zweiteres bedingt ja auch Ersteres. Sicherlich hat dieser Punkt ein wenig zu den vielen gewonnen zweiten Bällen beigetragen, aber a) nützt das wenig, wenn man kaum zu Chancen kommt (wie in Hz1) und b) waren da auch andere Punkt mitverantwortlich: Ein schlecht spielender Gegner, ein Gegner mit vielen Lücken zwischen den Linien und daher schlechten Verbindungen zwischen den Spielern sowie sehr gutes Arsenal-Pressing, gerade schon durch Song.

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