Das Römer Derby um die Champions League

lazio rom1:2as rom

Lange Bälle sind ein wichtiges Stilmittel dieses Hauptstadtderbys, in dem die Roma über weite Phasen abwartet,  in ihren Mannorientierungen dabei aber anfällig ist. In einer torreichen Schlussphase entschieden sie das Match mit einer guten Umstellung und viel Abschlusseffektivität etwas glücklich für sich.

Am vorletzten Spieltag der Serie A ging es im großen Derbi della Capitale um die große Bühne Königsklasse. Beide Kontrahenten hatten noch die Chance auf das direkte CL-Ticket – die Roma konnte dafür aber gut mit einem Remis leben. Demgegenüber würde dieser eine Zähler für Lazio ausreichen, um zumindest schon einmal den Qualifikationsrang drei gegen Verfolger Napoli abzusichern. In Sachen Aufstellungen und Grundformationen gab es zwar keine völligen Neuheiten, aber doch einige wichtige Punkte: Die Roma verzichtete im 4-3-3 etwas überraschend auf den zuletzt sehr effektiven Ibarbo, während Lazio nach der Niederlage im Pokalfinale gegen Juve wieder zur bekannten 4-2-3-1/4-3-3-haften Ausrichtung anstelle der Variante im asymmetrischen 3-4-3/5-2-3 zurückkehrte.

Aufrücken und lange Direktpässe gegen Mannorientierungen

lazio-roma-2015Ein prägendes Element dieser Begegnung waren die langen Bälle, die auf beiden Seiten auftraten – jeweils in unterschiedlichen Kontexten, mit wechselnder Erfolgsquote und mit verschiedenen Folgen. In der flotten und kurzweiligen Anfangsphase gelang es Lazio mit diesem Mittel, die gegnerischen Mannorientierungen sehr gezielt und effektiv zu bespielen. Die Roma formierte sich gegen den Ball in einer asymmetrischen 4-2-3-1-Anordnung mit klaren direkten Zuordnungen. Aus dem Mittelfeld rückten Keita gegen Parolo und häufiger auch Nainggolan gegen Biglia heraus, so dass der Belgier meist auf einer Höhe mit den beiden Außenstürmern agierte, wenngleich diese im weiteren Verlauf der Partie auch vermehrt in übergangsweise Fünfer- oder Sechserketten zurückfielen. Jedenfalls agierte meistens Nainggolan versetzt hinter Totti, der sich wiederum an de Vrij orientierte und den weniger spielstarken Gentiletti freiließ.

Zu Beginn nutzte Lazio dies geschickt aus, ließ den Argentinier mit Ball am Fuß diagonal durch den Halbraum aufrücken und gelangte damit ungestört in die gegnerische Hälfte. War dies geschehen, zeigten vor allem Parolo und Candreva immer wieder einzelne, sehr plötzliche und aus verschiedenen Grundstellungen startende Vertikalläufe, die sie zwischen den gegnerischen Zuordnungen bis hinter die letzte Linie zogen. Gerade wenn Felipe Anderson als ballnaher Außenstürmer sich im richtigen Moment kurz dynamisch nach hinten fallen ließ, Torosidis herauszog und damit die gegnerische Defensive nochmals destabilisierte, hatte dies viel Wirkung und Effekt: die einzelnen Läufe konnten sehr sauber und frei bedient werden, was nach anschließenden Hereingaben zwei bis drei große Chancen für Lazio in der Anfangsphase brachte.

Pressinganpassungen zwischen Aufrücken und Zurückfallen

Dass es nicht durchgehend gelang, lag an den Anpassungsmöglichkeiten für die gegnerische Defensivabteilung gegen diesen gezielten Einsatz der langen Bälle Lazios und der Tatsache, dass die Aufrückwege für Gentiletti bei etwas höheren und nachpressenden Positionierungen Keitas blockierter waren. An dieser Stelle setzte das Team von Rudi Garcia an, um diese gefährliche Offensivroute der Blauen zu stoppen. Nun rückte der Malier im Pressing häufiger oder systematisch in das Loch zwischen Totti und Florenzi, verdeckte den Raum dahinter per Deckungsschatten und Nainggolan schob von halblinks etwas ins Zentrum ein. Zudem rückte Iturbe auf seiner Seite beim höheren Zustellen weiter in einen asymmetrischen Dreierangriff nach vorne, um die Bereiche um de Vrij sofort zu blocken und mehr Kohärenz in den eigenen Strukturen zu erzeugen. Im Idealfall musste Lazio, wenn sie über rechts aufbauen wollten, schnell zu Marchetti zurückspielen, dann das Leder erneut auf Gentiletti bringen und in Person des Argentiniers gegen den aufrückenden Keita schließlich zu einem ungenauen Ball nach außen ins Aus greifen.

Einige Male gelang dies und entpuppte sich gerade zur Mitte der ersten Halbzeit als schädlich für den Rhythmus der Mannschaft von Stefano Pioli, die dadurch an Konsequenz und Zielstrebigkeit verlor, auch in offeneren oder vielversprechenden Szenen etwas nachlässig und unsauber agierte, eben nicht flüssig in den eigenen Rhythmus hineinkam. Entsprechend nahmen bei Lazio die langen Bälle ab und waren nicht mehr das Angriffsmittel Nummer eins, wenngleich sie zwischendurch weiterhin etwas häufiger benutzt wurden, als man es normalerweise gewohnt ist, um für einzelne direkte Zuspiele in die Spitze zu sorgen. Auf den etwas höheren Druck durch Keitas Aufrücken reagierten sie durch Biglias Zurückfallen in Dreierketten, woraufhin sich die Roma wieder etwas tiefer aufstellte. Über einzelne direkte Pässe, raumöffnendes Aufrücken von Parolo für den kurzzeitig zurückfallenden Mauri oder durch schnelle, dynamische und gut getimte Verlagerungen auf Basta, der an Iturbe vorbei aufrückte, kamen die Laziali auch weiterhin einige Male nach vorne.

Beide im letzten Drittel eher harmlos – vor allem die Roma

Insgesamt gab es dort trotz zahlreicher – oft jedoch zu verfrühter – Abschlüsse dabei – in Szenen, die nicht über die langen Bälle gestaltet wurden, und auch in Phasen, die wie zum Ende der ersten Halbzeit weniger durch Rhythmusprobleme geprägt waren – jedoch einige Gründe, wieso die überlegenen Hausherren nach der Anfangsphase nicht mehr klar und entscheidend gegen die Defensive der Roma zum Tor kamen: Sie agierten grundsätzlich recht simpel in ihrer Ausrichtung und hatten zu wenig besondere Elemente. Beim Aufrücken suchten sie einige Male zu sehr die Flügel, die Staffelungen waren nicht besser als solide, gerade Mauri wurde im offensiven Drittel kaum eingebunden und durch die häufigeren Abkippbewegungen fehlte es auch ein wenig an Mittelfeldpräsenz. Einzelne Ansätze entstanden durch überladendes Zusammenspiel von Felipe Anderson, wenn dieser mal zusätzlich nach rechts in den Halbraum abkippte, und Candreva, doch waren diese Szenen zu wechselhaft, ungestüm und etwas unstrukturiert.

Die Roma blieb über weite Teile der ersten Halbzeit sehr harmlos, konnte sich kaum mal vorne zeigen und verbuchte letztlich entsprechend keinen Schuss auf das Tor vor dem Pausentee. Bei Lazio formierten sich Klose und Mauri in einer Doppelspitze im 4-4-2 um de Rossi herum, wichen aber bei dessen häufig vorkommendem Abkippen etwas nach hinten zurück und suchten die Kompaktheit um den Sechserraum. Während Nainggolan meist mannorientiert von Biglia verfolgt wurde, konnten sie damit häufig auch Keita hinter sich abdecken, der sich zwar einige Male entziehen wollte, bei seinen nach rechts aus der gegnerischen Formation heraus tendierenden Bewegungen jedoch kaum Koordination mit Torosidis fand. Einige Male erschienen die Aufteilungen und die Abstimmung der beiden eher redundant und sie nahmen sich kurzzeitig den Raum oder die Aufgaben weg anstatt klare Synergien zu erzeugen.

Auch deshalb war das Mittelfeld der Roma letztlich eher unpräsent und so kamen sie gegen das solide, weitgehend die Optionen zustellende Defensivkonzept des Stadtrivalen nur selten – auch angedeutete Zurückfallbewegungen Tottis konnten keine entscheidende Abhilfe schaffen – durch das Zentrum in die Offensive nach vorne. Doch schien Rudi Garcias Team ohnehin darauf aus zu sein, frühzeitig mit längeren Bällen in die Spitze zu eröffnen – letztlich sorgte dies für einen Anteil von 24 % dieser Zuspiele an den Gesamtpässen. Zwar sorgte dieses Mittel für einzelne Ansätze, wenn Iturbe sich kurz in den Zwischenlinienraum drehte oder Florenzi mit Flügellinienbällen in den Raum hinter dem nicht ganz sicher organisierten Lulic geschickt werden konnte, doch klare Chancen entstanden daraus nicht. Wie auch generell rückten insgesamt nur wenige Spieler nach, um direkt oder indirekt durch die langen Bälle Gefahr erzeugen zu können. Überhaupt: Wegen der jeweils starken Defensivpräsenz im eigenen Aufbau, die zu Absicherung führte, des teils geringen Aufrückens der Roma und des häufigen Einsatzes langer Bälle, die relativ risikofrei gespielt werden konnten und bei denen die Ballgewinne oft nur sehr tief vonstattengingen, spielten Konter in dieser Begegnung fast gar keine Rolle.

Zweite Halbzeit

Langsam, aber sicher wurde die zweite Halbzeit etwas offener und inkonsequenter, nahmen die Abstände und Räume in kleinen Schritten zu. Strukturell oder strategisch änderte sich ansonsten aber nicht so viel: Weiterhin begnügte sich die Roma grundsätzlich in der passiven Rolle, während Lazio mit einigen kleineren Umstellungen die eigene Offensivgefahr zu erhöhen versuchte. Auffällig war zunächst die veränderte Rolle von Felipe Anderson, der nun über weite Phasen als zentral beweglicher Halbstürmer hinter Klose herum driftete, wofür Mauri etwas nach rechts auswich – Candreva übernahm den linken Flügel. Diesen versuchten die Himmelblauen erneut primär anzusteuern, was einige Male über schnelle Vorstöße des Linksverteidigers oder einzelne Direktpässe des jetzt häufiger dorthin zurückfallenden Biglia entzündet wurde. Zudem ließ sich Klose zwischendurch in den tiefen Halbraum fallen, erhielt solche Bälle in den Zwischenräumen und sollte dann gegen das gegnerische Zusammenziehen mit kleineren Dribblings das Leder halten und nach vorne tragen.

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In der Endphase (ab Cataldis Einwechslung in der 79. Minute)

In den letzten 20-25 Minuten nahm die Begegnung schließlich nochmals richtig Fahrt auf, was durch Auswechslungen bei der Mannschaft von Rudi Garcia eingeleitet wurde. Schon ein wenig zuvor hatte der französische Coach Ibarbo für Totti gebracht und spätestens die Einwechslung von Pjanic für Keita sorgte für eine leichte Asymmetrie im System. Dadurch entstanden direkt manche neue Optionen und eine harmonischere Ordnungsdynamik in der Anlage. Nun pendelte Iturbe sehr engagiert aus dem Sturmzentrum auf die Seiten, während Ibarbo rechts in die Spitze zog. In Zusammenspiel mit etwas veränderten Anordnungen der Achter – Nainggolan unterstützte auch vermehrt Pjanic auf halbrechts – gab es bessere Möglichkeiten für Überladungsansätze und verschiedene Methodiken für Pärchenbildungen. Beim Führungstor pressten sie mit aufgerücktem Achter und tiefem ballfernen Außen lokal sehr präsent und nutzten das nach dem Ballgewinn ebenso wie die verbesserten Achterverbindungen aus, um sich über halbrechts zum Treffer durchzuspielen.

Ein solches Ergebnis bedeutete für Lazio ein drohendes Entscheidungsspiel mit Napoli um den CL-Quali-Rang am letzten Spieltag, weshalb sie offensiv wechselten – es kam zu einem 4-4-2 mit Djordjevic vorne neben Klose. Die Roma reihte sich nun in einem tiefen 4-1-4-1 mit eng an der letzten Linie agierendem de Rossi auf. Dabei rückten situativ einer oder beide Achter heraus, machten kurz flexibel Druck und gliederten sich dann wieder hinten ein. Die äußeren Kollegen sicherten das etwas tiefer einschiebend ab, schossen aber auch mal aus der Formation oder stellten einfach einen Außenverteidiger zu. Auf rechts blieb Ibarbo jedoch etwas enger als sein Pendant auf der anderen Seite und Torosidis presste einige Male nachrückend auf den für Lulic eingewechselten Cavanda. Grundsätzlich funktionierte dies sehr gut und machte Lazio einige Probleme, sauber und zuverlässig aufzurücken. Durch die Mannorientierungen, die die Achter im Rückzug bei diagonalen Bewegungen nach außen aufnahmen, öffneten sich dann für Lazios Außenverteidiger in eigentlichen Drucksituationen aber doch immer mal einzelne Passwege ins Zentrum, über die sie sich befreien konnten.

In diesen Fällen gelang es Lazio, dort einen freien Mann zu finden und durch die Lücken innerhalb des gegnerischen Mittelfelds mit raumgreifenden Dribblings an den Strafraum zu kommen. Zwar wussten sie diese Szenen nur selten auszuspielen, doch entstand so doch eine gewisse Offensivpräsenz, die über Felipe Andersons Hereingabe und die Kopfballablage Kloses auch den Ausgleich durch Djordjevic brachte. Als Yanga-Mbiwa nach einer Standardsituation aber fast umgehend auf 1:2 stellte, brauchten die Laziali erneut einen Treffer und hatten wieder jenes Problem. Konnten sie Felipe Anderson auf halblinks in den geöffneten Lücken noch einige Male bedienen, fehlte es rechts an der unterstützend-verbindenden Halbraumbesetzung neben Basta, um die potentiellen Schwachpunkte im insgesamt jedoch klar verbesserten Pressing der Roma finden zu können. Das gelang nicht, Lazio wusste in den allerletzten Minuten nur noch Flanken in den Strafraum zu schlagen und es blieb beim 1:2.

Fazit

Trotz der guten Ausrichtung in der Schlussphase war es in diesem Hauptstadt-Derby – insgesamt nicht so stark wie das Hinspiel – ein glücklicher Sieg für die Roma. Vor der Pause hatten sie lange Probleme mit den Mannorientierungen und auf der Gegenseite gelangen ihnen in 90 Minuten nur zwei Torschüsse, die beide – ein Treffer noch per Standard – drin waren. Lazio hatte einige gute Ansätze und gerade gegen jene klaren gegnerischen Mannorientierungen sehr stringente Mittel, zeigte aber doch noch strukturellen Nachholbedarf im Offensivspiel. In diesem Bereich ist das gefestigte, sauber-solide, stabile Team von Stefano Pioli gleichzeitig zu normal und bieder, aber ebenso in den einzelnen Ansätzen zu individuell, lasch und ungerichtet-unfokussiert.

Nikola_Tesla 28. Mai 2015 um 14:25

Ich lese hier schon eine Weile mit und muss sagen, dass ich von der Seite begeistert bin! Vielen Dank für diese erfrischend andere Art über Fußball zu berichten!
Wie seht ihr Felipe Anderson? Hat er das Zeug um bei einem großen europäischen Topclub zu spielen und zum Beispiel einen Ribery (mittelfristig) zu ersetzen?

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TR 28. Mai 2015 um 22:46

Danke für das Lob.

Potentiell würde ich ihm das schon zutrauen, sich bei einem großen Topklub durchzusetzen. Muss auf jeden Fall noch etwas konstanter und gezielter in der Wahl seiner Einbindungen werden, dazu die gelegentliche verschwenderische Unsauberkeit ablegen. Hat aber auch jetzt schon eine ganze Reihe Stärken und deutet seine Klasse schon auf sehr coole Weise an. Hier habe ich in einem etwas älteren Kommentar auch schon mal etwas zu ihm geschrieben: http://spielverlagerung.de/2015/01/06/lazio-pressingstaerker-und-weniger-offensivschwach-im-duell-wechselnder-anordnungen/#comment-58792

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PNM 27. Mai 2015 um 20:42

Kommt was zum EL-Finale?

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woody10 27. Mai 2015 um 10:57

Starke Analyse!

Ich habe viele Dinge genauso gesehen wie du sie beschrieben hast, andere hab ich vllt auch so gesehen, würde sie aber etwas anders bewerten. Vorweg, ich hab da Spiel nur ca. von Minute 10 bis Min 65 oder so gesehen, kann also weder was zu den Umstellungen noch zu den Toren sagen.

Das Element, das mich in dieser Partie am meisten störte, waren diese banalen Mannorientierungen der Roma-Flügelstürmer, wenn die AV Lazios weiter aufzogen. In anderen Phasen gab es aber durchaus sehr wohl kompaktere, höhere und unterstützendere Defensivbewegungen v.a. von Seiten Iturbes, wobei Florenzi wohl auch meist tiefer blieb, da Lulic wohl etwas durchschlagskräftiger als Basta ist.

Generell hat mich Lazio heuer in meinen wenigen Eindrücken gegenüber den Vorsaisons positiv überrascht, waren sie zuvor immer eine zwar recht unangenehme Truppe aufgrund der vielen Mannorientierungen, dem defensiven Zentrumsfokus und der individuellen Klasse, so sind sie in dieser Saison gepaart mit einigen Elementen der alten Ausrichtunge doch deutlich ambitionierter, intelligenter und kollektiver in Ballbesitz sowie generell ausgewogener, geschickter und anpassungsfähiger.

Wenn sie das Feld also durch die hohen AVs dann geöffnet hatten, konnte Lazio durchaus aus einer guten Lage das Spiel aufbauen. Problematisch waren mMn nach die Ausführungen der rückstoßenden Aktionen, Mauri wurde in diesem Zusammenhang angesprochen, traf aber auch für Candreva, der mir mal wieder trotz einiger starker individueller Aktionen zu willkürlich dominant auftrat, vereinzelt zu. Klar kann man hier in diesem Kontext in erster Linie die ausführenden Akteure der rückstoßenden Bewegungen kritisieren, da sie diese vllt zum falschen Zeitpunkt ausführten, die benötigten Abstände nicht einhielten und die Angriffsdynamik somit flöten ging. MMn muss man in diesem Moment aber auch den Passgeber aus den hinteren Zonen bewerten und Gentiletti führte mir den Ball etwas zu weit, konnte so also nicht schnell genug auf die Veränderungen und die Dynamik reagieren, und teilweise mangelte es ihm auch etwas an Gefühl für die Situationen, um die Angriffe wirklich in höhere Bereiche tragen zu können. Insgesamt, und da bewerte ich die Situation beispielsweise etwas anders als TR, der die Anfälligkeit der Mannorientierungen der Roma-Achter vor allem in der Anfangsphase, die ich nicht gesehen habe, kritisiert hatte, fand ich die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Roma-Achter, gerade jener Keitas, durchaus beeindruckend. Waren sie in den ersten Eindrücken (also zwischen der 10. und 20. Min) noch etwas instabil so wurden, die Mannorientierungen mit fortlaufender Partie immer besser und passender aufgegeben, was mit den Problemen Lazios in höheren Zonen zu einer starken Eindämmung der Offensivansätze der Laziali führte. In diesem Kontext sei auch erwähnt, dass die Roma-Achter hier in einer sehr unangenehmen und wenig unterstützten Umgebung arbeiten mussten. Totti blieb vorne halblinks relativ passiv, die Außenstürmer agierten relativ tief und breit und de Rossi war meist sehr auf den unmittelbaren Raum vor der Abwehr fokussiert und bot somit nur bedingt unmittelbare Abhilfe für die beiden Kollegen vor ihm. Gerade in diesem Zusammenhang fand ich die Leistung der Roma-Achter defensiv etwas positiver als von TR beschrieben.

Offensiv war die Roma halt echt schwach, Konter spielten kaum eine Rolle, einzelne Angriffe für den höheren Iturbe, der der einzige war, der zumindest gelegentlich eine Option in der Tiefe darstellte, wurden zu früh abgeschlossen anstatt in die Zirkulationen oder einen gruppentaktischeren Schnellangriff zu gehen.
So kam mir während der ersten Hälfte mal der Gedanke, dass die Roma darauf aus war, gelbe und infolge dann gelb-rote Karten aus den gegenpressingbefreienden Aktionen, derer es einiger gab, und die oftmals durch Fouls gestoppt wurden. Das Gegenpressing von Lazio war trotz meist okayer Staffelungen nicht wirklich gut, was Intensität und diverse Bewegungen anging. Außerdem hatte die Roma natürlich einige dribbelstarke und pressingresistente Spieler am Platz, die die Verfehlungen Lazios in diesem Bereich gut ausnutzen konnten. Wie erwähnt wurden die Aktionen aber dann immer wieder gestoppt, gelbe Karten wurden nicht oft genug provoziert und eigentlich waren die gegenpressingbefreienden Aktionen gar nicht so gefährlich, da die Wege nach vorne sehr lang waren.

Abschließend noch die Anmerkung, dass es mich durchaus überrascht hat, dass am Schluss noch drei Tore fielen, als ich wegschaltete, hätte ich damit nicht mehr gerechnet.

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TR 28. Mai 2015 um 23:01

Servus, Antwort kommt erst jetzt.

Erst einmal muss ich das natürlich auch noch mal unterstreichen, dass – wie schon in vorigen Lazio-Artikeln betont – sie trotz der gewissen Probleme, die es unter anderem in dieser Partie noch gab, und trotz der – wie ich festgestellt habe – leicht negativ klingenden Formulierung meinerseits im Fazit natürlich deutlich stärker, taktisch stabiler und gefestigter sind als die vergangenen Jahre, daher auch vollkommen zu Recht mit den guten CL-Chancen. Nur nochmal, damit das nicht falsch gelesen werden kann. 😀

So, dann zum einen zu den Lazio-Offensivaktionen: Man kann natürlich auch die Einleitungen aus der Abwehr, wie von dir ausgeführt, als weiteren Faktor in den Zusammenhang einbringen, neben den von mir vor allem genannten Offensivspielern, wobei ich da auch eher auf die Strukturen in den Bereichen generell abzielte und weniger auf das Ausführen der Rückstöße, eher noch auf den Rhythmus in den Überladungspositionierungen, aber war einfach so eine Aufzählung und da habe ich tatsächlich die vorderen Mannschaftsteile besonders – vielleicht etwas zu viel – hervorgehoben. Gehe da also mit deiner Ergänzung insgesamt durchaus d´accord.

Zu den Roma-Achtern: Da würde ich zumindest auch zustimmen, dass die beiden eine teilweise besonders schwierige Aufgabe durch die geringe Unterstützung hatten – das wäre auch ein noch erwähnenswerter Punkt noch gewesen für die Analyse. Die leichten Verbesserungen mit der Zeit über die Phasen hätte ich vielleicht auch noch erwähnen können, wobei das in dem Teil zur kollektiven Ausrichtung schon ein wenig mit enthalten ist. Aber eigentlich habe ich doch die Leistung der Achter im Speziellen gar nicht so negativ gesehen bzw. eigentlich nur wenig kritisch, sondern vor allem die generelle mannorientierte Anlage mit ihren Problemen und den geöffneten Aufrückräumen moniert. Bei der Verlaufsdarstellung nenne ich ja sogar die vermehrten Aufrückbewegungen von Keita und/oder Nainggolan als ein wichtiger Aspekt, der Lazios Bemühungen und ihr Aufrücken dann phasenweise besser abblocken konnte. Oder?

Übrigens nochmal ein Lob und Dank für deine häufigen und immer ausführlichen Reaktionen auf die Analysen oder BÜDTs.

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mariobasler 30. Mai 2015 um 12:55

einfach sehr, sehr lässig

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woody10 30. Mai 2015 um 15:47

Hallo,

ja erstmal eine Klarstellung: ich weiß, dass du bei anderen Artikeln schon festgehalten hast, dass du Lazio heuer auch besser fandest, wollte mit diesem Absatz das auch nur von meinen Eindrücken aus erwähnen.
zu Lazios Offensivaktionen: mir ist bewusst, dass du hier in der Analyse schlicht weniger auf die Einleitungen eingegangen bist, wollte damit nur anmerken, was mir so auffiel/was mich ein bisschen gestört hat.
zu den Roma-Achtern: bei nochmaligem Drüberlesen sind mir die Absätze, in denen du die Wichtigkeit der Defensivleistungen der beiden Achter thematisierst, klarer geworden, danke auch nochmals für die Klarstellung im Kommentar hier.

und für das Lob kann ich mich eigentlich nur bei dir bedanken, wirklich tolle Analysen, meist sogar so gut, dass damit schon alles gesagt wurde und nicht mehr so viel zu diskutieren bleibt. Finde übrigens auch deine Einschätzungen und Bewertungen immer sehr interessant, hilfreich und würde ihnen fast immer zustimmen. Dass mit deinen Analysen schon so viel abgedeckt wird, ist mMn nach mit dem Fakt, dass ein relativ großer Teil deiner Analysen zu Spielen kommt, die von eurer Leserschaft nicht massenweise gesehen werden (was ja auch ein ganz gewöhnliches Phänomen ist), der wichtigste Grund, warum deine Artikel gefühlt eher mit geringerer Häufigkeit kommentiert werden.
Nach diesem persönlichen Lob an TR sei die gesamte SV-Crew (wiederholt) für ihre Arbeiten gelobt.
Weiter so!

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TR 30. Mai 2015 um 18:17

War auch nicht auf dich gemünzt, sondern so als Ergänzung zum Artikel(-Fazit) gedacht, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen für die Leute, die jetzt vielleicht die vorigen Lazio-Artikel nicht gelesen haben. Deswegen habe ich es dann bei einem solchen letzten Artikel der Saison lieber nochmals erwähnt. 😉
Zu Lazios Offensivaktionen: Jojo, alles gut, sollst du auch ruhig anmerken dürfen. Wollte das dann nochmal unterstreichen auch.

Und großen Dank für das Lob! 🙂

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Kölner 27. Mai 2015 um 09:24

Interessante analyse auch wenn man das spiel nicht selber gesehen hat. Top!
Eine kleine Frage zur nächsten Saison: Falls Gonez tatsächlich zu den Römern wechselt würde er von seiner Art zu Rudi Garcia und Co wirklich passen?

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TR 28. Mai 2015 um 23:58

Schwierige Frage. Könnte ganz gut werden, aber ich würde auch nicht allzuviel erwarten. Insgesamt müsste sich die Ausrichtung der Roma wohl noch etwas stärker dann auf ihn fokussieren, wäre zudem überhaupt die Frage, wie dann z.B. die Aufstellung mit Totti aussehen würde, etc. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass er bei einzelnen Kontern oder zufälligen Schnellangriffen potentiell am wirksamsten für die Roma sein könnte. Seine Pressingeinbindung wäre vielleicht eher durchschnittlich und unspektakulär; wie man seine Dribblings und Läufe nutzt, müsste man sehen – könnte etwas instabil, aber auch interessant werden. Alles in allem erscheinen die möglichen „Synergien“ zwischen Spieler und Team eher auf ordentlichem, mittleren Niveau mit kleineren unangenehmen Szenen und situativen Highlights möglich zu sein. Übrigens könnte man allgemein noch anführen, dass die einerseits defensivpräsenten, andererseits nur sehr vereinzelt größere Offensivdynamik schaffenden Serie-A-Teams auch nicht die optimale Umgebung für Gomez darstellen. Die strategische Ausrichtung der Liga kommt ihm also zumindest nicht klar entgegen.

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LM1895 29. Mai 2015 um 22:39

A propos strategische Umgebung in der Liga für Gomez…ich könnte mir vorstellen, dass er in der Premier League ganz schön abgeräumen hätte können…oder was meint ihr?

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Felix 30. Mai 2015 um 11:45

Wie kopflos hat er denn aber seinen Wechsel von den Bayern weg geplant? Oder sind Spieler und Berater nicht in der Lage so etwas vorher zu bewerten? Wenn doch, dann spricht einiges dafür, dass er wirklich von Schweini vom Hof gejagt wurde.

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SuperMario33 30. Mai 2015 um 14:09

An sich war die Entscheidung mE nicht so schlecht. Mit Rossi hätte er einen feinen Partner, und das Team hat die Spieler für einen konstruktiven Angriffsfußball. Aber dann war er schwer verletzt, dann war Rossi wieder schwer verletzt, dann hat man Gilardrino ausgeliehen… keine Möglichkeit sich so richtig einzufunzen…

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