Donnerstag, 08.12.2016

SV BuLi Kompakt: 28. Spieltag

Der 28. Spieltag der Bundesliga wurde durch jede Menge taktische Anpassungen und Umstellungen geprägt. Perfektes Material also für eine taktische Zusammenfassung des vergangenen Wochenendes. 

Wer die Expected-Goal-Matchplots noch nicht kennt, bekommt hier die Erklärung dazu.

FC Schalke 04 2:0 Hertha BSC

Schalke 2-0 HerthaGegen die stabilen Schalker versuchte es Jos Luhukay mit geballter Offensivkraft. Ramos und Wagner liefen im 4-4-2 gemeinsam auf und sollten mit ihrer Kopfballstärke für Durchschlagskraft sorgen. Dabei wurden sie auch noch von Allagui unterstützt der von rechts oft mit in den Strafraum zog. Ben-Hatira hielt indes die Breite, die auf rechts von Ndjeng gegeben wurde. Skjelbred rückte oft als Verbindungsspieler in den Zehnerraum auf oder Cigerci fiel in eine Dreierkette zurück, um mehr Breite zu ermöglichen. Mit konsequentem Flügelspiel verhinderte Hertha in der aggressiven Herangehensweise die gefährlichen Schalker Konter und hatte viel Offensivpräsenz, doch brachte die königsblaue Defensiv trotzdem kaum ins Wanken. Die Strafraumverteidigung gegen die vorhersehbaren Flanken wurde von den Gastgebern gut gelöst.

Bei eigenem Ballbesitz bekamen die Knappen es mit einer sehr mannorientierten Raumdeckung zu tun. Die beiden Berliner Stürmer hielten sich tief und gemeinsam mit den Sechsern übernahmen sie dann Neustädter, Goretzka und Meyer in unterschiedliche zonale Manndeckungen. Schalkes Zentrumsspieler bewegten sich dabei jedoch geschickt und zogen ihre Gegenspieler gut aus den umliegenden Zonen weg. So konnte Matip oft ungestört vorstoßen und Hertha hatte Schwierigkeiten nach Verlagerungen kompakt zu werden. Insofern fiel das erste Tor folgerichtig nach einer Verlagerung auf Obasi, der nicht richtig gedoppelt werden konnte und sich dadurch in den Strafraum durchsetzte.

In der zweiten Halbzeit versuchte Luhukay dann die spielerische Komponente noch zu erhöhen, indem er auf ein 4-3-3 (oder eher 4-1-2-3) mit Cigerci als alleiniger Absicherung umstellte. Mit Ronny und Baumjohann waren zwei attackierende Spielmacher auf den Achterpositionen, die ihre Rollen auch eher wie zwei Zehner interpretierten. Zusammen mit den breit agierenden Flügeln sorgte das allerdings für eine zu hoch gestaffelte Offensive. Die Berliner reihten sich zu flach im gegnerischen Achterblock auf und waren dadurch zu leicht voneinander zu isolieren. So konnten sie trotz gebündelter indiviueller Offensivstärke kaum Gefahr verursachen, da sie kaum einmal zu Zusammenspiel kamen. Trotz schwieriger erster Halbzeit war der Schalker Sieg letztendlich souverän.

ExpG plot Schalke 2 - 0 Hertha BSC

FC Bayern München 3:3 1899 Hoffenheim

Bayern 3-3 HoffenheimDie TSG agierte beim frischgebackenen Meister durchgängig mit einem Angriffspressing im 4-3-1-2, welches das Spiel prägte und zu einem schnellen Schlagabtausch mit sechs Toren führte. Das Aufrückverhalten der Hoffenheimer war dabei sehr gut organisiert. Volland und Modeste stellten die erste Linie gut zu und die vorderen drei Spieler der Raute rückten flexibel und frühzeitig in die Räume auf, die dahinter anspielbar wurden. Interessant war auch die Rolle von Beck, der mannorientiert auf Götze (später Shaqiri) herausrückte, wenn der Ball auf seiner Seite des Feldes war. Gleichzeitig agierte Salihovic im Defensivspiel breiter als Rudy. Das hatte eine leichte Pressingfalle auf den linken Halbraum zur Folge und vereinzelt entstanden gar 3-4-1-2-Ordnungen. Dieser Kniff führte auch zum Freistoß, den Salihovic zum 3:2-Treffer verwandelte.

Bayern spielte im 4-4-1-1 und versuchte in der Anfangsphase per Asymmetrie den rechten Flügel zu überladen. Götze agierte deutlich tiefer als Ribery und Shaqiri wich als hängende Spitze nach Außen. Das passte auf dem Papier gut zu Becks Defensivrolle, funktionierte aber aus zwei Gründen nicht wirklich effektiv. Zum einen kamen die Bayern gegen das Angriffspressing zu selten in die gegnerische Hälfte. Oft musste Starke mit langem Ball in die Halbräume auf Strafraumhöhe eröffnen, wobei Hoffenheim durch die Überzahl im Zentrum besseren Zugriff hatte. Zum anderen führte ebendiese Überzahl dazu, dass Shaqiri vom rechten Flügel wenig Anbindung bekam. Thiago (später Lahm) übernahm die horizontale Sechs. Schweinsteiger agierte sehr vertikal, fand als alleinige Besetzung des Zehnerraums jedoch wenig Anbindung ans Spiel.

So passte Guardiola schon zur Mitte des ersten Durchgangs die Spielweise an und forcierte individuelle Aktionen in der Breite. Shaqiri tauschte mit Götze die Position und agierte nun sehr hoch und breit. Auch Ribery hielt stärker die Seitenlinie. Die Bayern spielten nun sehr direkt vorwärts, suchten die Verlagerungen auf die Flügel und dann das Dribbling, während Götze als Unterstützung zwischen den Halbräumen pendelte. Diese Umstellung griff sehr gut und sorgte für drei Tore innerhalb einer Viertelstunde. Interessant war die Entstehung des 3:1: Es war ein Konter, bei dem die TSG im Gegenpressing mit ganzen sieben Spielern ins Angriffsdrittel aufgerückt war und sich die Bayern über Ribery und Lahm aus dem massiven Druck lösen konnten.

Gisdol passte seine Mannschaft dann zur Halbzeit etwas an, indem die Spieleröffnung gezielter mit langen langen Bällen betrieben wurde. Diese wurden konsequent auf einen Stürmer zwischen gegnerischem Sechser und Flügel gebracht, während sich Firmino und der zweite Stürmer schon frühzeitig um diesen Raum positionierten. So konnte Hoffenheim quasi im Fünfeck auf die zweiten Bälle pressen und bekam sehr viele von diesen, auch weil Bayerns Flügelspieler recht hoch standen und die Wege nach hinten nicht mehr konsequent machten. Auch Guardiola versuchte mit Pizarro als Zehner hinter Mandzukic die Robustheit für lange Bälle zu erhöhen, doch fehlte es Bayern an Kompakheit und Intensität in diesen Situationen. So konnte Hoffeheim ein verdientes Unentschieden „erpressen“.

ExpG plot Bayern 3 - 3 Hoffenheim

Bayer Leverkusen 1:1 Eintracht Braunschweig

Leverkusen 1-1 BraunschweigZwischen den beiden 4-3-3-0-Mannschaften der Liga entwickelte sich ein aus taktischer Sicht überraschend uninteressantes Spiel. Das lag zum einen daran, dass Braunschweig 4-4-1-1 spielte, und zum anderen daran, dass Leverkusen dagegen nicht so viele Rezepte hat. Die Außenverteidiger hielten sich erneut ein wenig zurück und die Breite wurde von den Halbspielern gegeben. Vor allem Bender war sehr aktiv und suchte immer wieder um Castro herum Räume. Alles in allem agierte Leverkusen jedoch zu stark mit Paarbildungen, zwischen denen nicht viel Kontakt zustande kam. Braunschweigs große Disziplin und Aktivität im Pressing isolierte die meisten Angriffsbemühungen.

Lieberknechts Elf agierte nach vorne erneut über lange Bälle in den halbrechten Raum, wo Hochscheidt und Nielsen einrückten und auch Boland immer wieder vorrückte. Elabdellaoui hielt die Breite und versuchte Boenischs defensive Defizite aufzudecken. Diese Konzept funktionierte wieder akzeptabel und brachte recht viel Offensivpräsenz, woraus sich vor allem bei Standards Chancen ergaben. Teilweise kam Boland auch im defensiven Mittelfeld zu Raum, woraus sich auch der Führungstreffer von Reichel ergab. Der Linksverteidiger gab vereinzelt die Breite hinter dem einrückenden Hochscheidt.

Leverkusen kam mit der Zeit etwas besser ins Spiel. Sie eröffneten zuweilen über lange Bälle auf Kießling und kamen auf diese Weise besser in den Zwischenlinienraum. Außerdem spielten sie zunehmend konsequent den rechten Flügel entlang. Eine Kombination aus beiden Mitteln führte auch zum 1:1. Brandt konnte nach seiner Einwechslung noch einmal ein paar sehenswertere Kombinationen ankurbeln, doch Braunschweig rettete das Unentschieden mit kompakter Endverteidigung über die Zeit.

ExpG plot Leverkusen 1 - 1 Braunschweig

VfB Stuttgart 2:3 Borussia Dortmund

Stuttgart 2-3 DortmundDer BVB lieferte eine Partie, die in der aktuellen Rückrunde gänzlich untypisch für die Herangehensweise der Borussen war. Das lag jedoch hauptsächlich an der Spielanlage von Stuttgart, die unter Stevens eine recht eigene Verteilung von Stärken und Schwächen haben.

Im Spiel nach vorne agiert Stuttgart mit wenig breite. Die Außenverteidiger halten sich meist zurück und nehmen eher absichernde Positionen ein, während die Flügelspieler einrücken, um die beiden Spitzen direkt zu unterstützen. Gentner rückt oft auf, um zusätzliche Unordnung zu verursachen. Gegen Dortmunds Defensive passte Stevens diese Herangehensweise durch die Personalwahl an: Traore spielte rechts, um direkte Dribblings gegen den offensiv ausgerichteten Durm zu fahren. Didavi übernahm dessen Position und interpretierte sie etwas tiefer. So hatte Stuttgart eine bessere Staffelung gegen Dortmunds Sechser nach Ballverlusten und Didavi konnte vereinzelt mit seiner Technik Engen auflösen. Die Tore fielen dann auch nach einer starken Ballrückeroberung im Gegenpressing von Gentner und einem Dribbling von Traore, der den aus enger Position einlaufenden Harnik bediente. Zwar eröffnete der VfB hauptsächlich über lange Bälle und kam dadurch nur selten ins Angriffsdrittel, doch verhinderten sie dabei dann Dortmunder Konter und hatten effektive Mittel.

In der Defensive schließt der VfB die Flügel sehr gut, indem sich die beiden Außenspieler recht tief positionieren. Die gegnerischen Außenverteidiger werden von den beiden Spitzen aus der Mitte angelaufen. Darauf waren die Borussen gut vorbereitet und ließen den Ball recht problemlos um Ibisevic und Traore herum zirkulieren. Wichtig dafür war Kirch, der geschickt um Sokratis herum pendelte und die Dreiecke in den richtigen Momenten herstellte. Kehl balancierte dieses Spiel im Sechserraum. So kamen die Borussen deutlich konstruktiver ins Mittelfeldzentrum als gewohnt und konnten die Doppelsechs attackieren. Dort machte der junge Gruezo ein gutes Spiel als absichernder Sechser neben dem aggressiven Gentner. Der BVB versuchte über Hofmann, Mkhitaryan und Lewandowski in den Zwischenlinienraum zu kommen, was aber wegen Abstimmungsproblemen vorerst selten klappte. Dennoch war der Anschlusstreffer von Reus nach Hofmanns Vorlage aus dem linken Halbraum eines der am besten herausgespielten Dortmunder Tore der Saison

Durch die konstruktivere Spielanlage konnten die Borussen auch nach dem Rückstand weiterhin Druck machen, ohne instabil zu werden, was zuletzt oft der Fall gewesen war nach gegnerischen Tore. Im Laufe des Spiels wurden sie dabei immer fokussierter und geduldiger im Ausspielen der eigenen Bewegungen. Zudem konnte Klopp mit Aubameyang und Sahin einiges an Durchschlagskraft nachwechseln. Nach Stuttgarts roter Karte spielten sie außerdem ihre Überzahl klug aus und konnten das Spiel somit drehen.

ExpG plot Stuttgart 2 - 3 Dortmund

VfL Wolfsburg 2:1 Eintracht Frankfurt

Wolfsburg 2-1 FrankfurtGegen die – gerade auf dem Flügel – durchschlagskräftigen Wolfsburger stellte Armin Veh das System seiner Mannschaft um. Vom 4-3-1-2 wechselten die Frankfurter auf ein orthodoxes 4-4-2-Mittelfeldpressing, in dem sie sich stark auf Kompaktheit und Konterspiel fokussierten. Das schien die Wölfe zu überraschen, die schlecht ins Spiel hereinkamen. Aigner konnte in der Anfangsphase zwei Mal mit seiner Schnelligkeit durchbrechen, ein Mal nach einem langen Ball und ein Mal nach Balleroberung gegen Klose. So ging die Eintracht schnell in Führung. Anschließend kamen aber kaum noch Impulse von der Eintracht, da die Wolfsburger frühzeitig pressten und Frankfurt bei zweiten Bällen zu flach gestaffelt war. Lanig spielte nur drei Pässe in der ersten Halbzeit.

Im Laufe des Spiels fanden die Wolfsburger auch offensiv immer besser ins Spiel. In der ersten Hälfte war ihr Offensivspiel noch zu eindimensional. Die Doppelsechs und die manchmal leicht einrückenden Außenverteidiger ließen den Ball gut laufen, doch bekamen ihn selten in den gegnerischen Block hinein. Perisic und de Bruyne zogen hauptsächlich in die gegnerische Viererkette und Arnold war selten anspielbar. So verliefen sich auch Olics Ausweichbewegungen meist im Sand.

Dieter Hecking zog daraus die richtigen Schlüsse und brachte nach einer Stunde Caligiuri für Malanda. Nun konnte de Bruyne als Zehner das Spiel ankurbeln und Arnold brachte mehr technische Qualität ins defensive Mittelfeld. Außerdem verteidigte der VfL etwas tiefer, sodass sie Frankfurt dazu brachten weiter aufzurücken, was diese wegen ihrer reaktiven Ausrichtung kaum nutzen konnten. Der Ausgleichstreffer fiel gar durch einen Konter und Wolfsburg fand generell mehr Räume. Ihre Überzahl im Mittelfeldzentrum fühlte sich nun auch wie eine an. Die Wölfe belagerten das gegnerische Abwehrdrittel und kamen hinten raus noch zum Sieg. Frankfurts Joselu erzielte zwischendurch noch ein zu unrecht aberkanntes Tor nach einer sensationellen Einzelaktion von Lanig, doch darüber hinaus tat die Eintracht kaum etwas fürs Spiel und wurde dafür bestraft.

ExpG plot Wolfsburg 2 - 1 Frankfurt

FSV Mainz 05 3:0 FC Augsburg

Mainz 3-0 AugsburgDas Duell zwischen dem 1. FSV Mainz 05 und dem FC Augsburg versprach ein taktisch hochinteressantes Spiel zu werden. Das gut organisierte Pressing beider Teams sorgte in den ersten 20 Minuten für ein Spiel ohne Torchancen. Nach dem Führungstreffer und verletzungsbedingten Wechseln bei den Augsburgern können die Mainzer das Spiel über den Ballbesitz und ihr Pressing kontrollieren.

In den ersten drei Minuten des Spiels zeigten die Hausherren sofort die Initiative. Mit langen Bälle die Außenlinie entlang gewannen sie schnell Tiefe und konnten bei Ballverlusten direkt aggressiv gegenpressen. Dazu rückte der gesamte Mannschaftsverbund kompakt nach und drückt die 4-4-2-Pressingformation der Augsburger tief in die eigene Hälfte. Dabei profitierten sie auch von der Ballsicherheit Koos und Choupo-Motings, wodurch sie die Bälle auch in den Engen des Augsburger Pressings behaupten konnten. Generell zeigte sich Mainz beim Pressing sehr flexibel und wechselte situativ zwischen 4-4-2 (Koo neben Okazaki), 4-1-4-1 (Moritz neben Koo) und 4-2-1-3. Letzteres stellt auch die Aufbauformation zu Beginn dar.

In der Folge zieht Augsburg das aufgefächerte Positionsspiel zur Vorbereitung von Flügelangriffen durch. Baier agiert oft nach links ausweichend. Dabei zielt er auf den Raum hinter den sehr weit aufrückenden Ostrzolek, tut dies aber nicht statisch, sondern diagonal nach vorn unterstützend. In zentralen Positionen wurde er von Okazaki weitgehend unter Nutzung des Deckungsschattens isoliert, so dass der Aufbau meist über den spielerisch und strategisch deutlich limitierteren Vogt laufen musste. Kurz vor der Führung wurde Mainz wieder dominanter. Die Angriffe wurden nun aus dem Zentrum initiiert und erst später auf die Außen verlagert. Bei der Ecke zum 1:0 bespielte Mainz gut die Manndeckungen der Augsburger. Der Raum in dem Bungert den Ball abnahm wurde vorher durch einen ausweichenden Lauf geöffnet.

Die verletzungsbedingten Wechsel der Augsburger waren jeweils positionstreu. Sie schafften es jedoch nicht, in die dominante Spielanlage von der 5. bis 20. Minute zurückzufinden. Stattdessen kontrollierten die Mainzer über den Ballbesitz und das flexible Pressing das Spiel. So konnten sie die Augsburger tief in die eigene Hälfte drängen, was zu genügend Zeit und Raum für Geis und Moritz im Mittelfeld führte, den sie beim Lochpass auf Chuopo-Moting vor dem 2:0 und beim Fernschuss zum 3:0 nutzen konnten. Augsburger schaffte es erst mit der Einwechslung von Mölders für Verhaegh in der 74. Minute mehr Präsenz zu erzeugen. Die Mainzer Innenverteidiger waren nun gebunden und konnten nicht zur Unterstützung der Außenverteidiger herausschieben, so kam Augsburg noch zu zwei Abschlüssen nach Flanken. Der souveräne Sieg der Mainzer geriet jedoch nicht mehr in Gefahr.

ExpG plot Mainz 3 - 0 Augsburg

SC Freiburg 3:2 1. FC Nürnberg

Freiburg 3-2 NürnbergErneut unternahm Gertjan Verbeek eine interessante Anpassung an den Gegner und ließ seine Elf mit und gegen den Ball in einer gut ausgewogenen Asymmetrie agieren. Wie so oft rückte nur ein Außenverteidiger bei Ballbesitz auf, während der andere in eine Halbverteidiger-Rolle einschob, um das Aufbauspiel in einer Dreierkette zu gestalten. Gegen das intensive Freiburger-Pressing wurde die tiefere Rolle jedoch nicht vom defensivstarken Angha, sondern vom kreativeren Plattenhardt übernommen. Angha agierte als Flügelläufer hinter dem einrückenden Feulner, während Campana sich nach hinten orientierte, sodass oft eine 3-4-2-1-Rollenverteilung entstand. So konnte Freiburgs erste Pressinglinie über verschiedene Wege halblinks durchspielt werden, um dann entweder durch Verlagerungen anzugreifen oder Kiyotake und Feulner im Zwischenlinienraum hinter Freiburgs herausrückenden Sechsern einzusetzen. Diese Strategie funktionierte im Ansatz sehr gut, allerdings fehlte Nürnberg innerhalb des Mittelfelds zuweilen die Geduld im Anschluss nach vorne. Dennoch reichte es für zwei Nürnberger Tore bis zur Halbzeit.

Auch gegen den Ball agierte der Club asymmetrisch. Drmic stellte Krmas zu, während Feulner auf Ginter einrückte. Schuster und Darida wurden mannorientiert zugestellt, sodass es für Freiburg im Zentrum nicht vorwärts ging. Immer wieder musste Baumann lange Bälle spielen, bei denen er die potentielle Anfälligkeit der Nürnberger auf Anghas Seite erkannte. Teilweise konnte Angha jedoch frühzeitig herausrücken und die langen Pässe wegköpfen und andernfalls reagierten die Gäste gut: Frantz konnte durch seine defensive Freirolle die Verbindungsräume hinter Angha zuschieben und Stark (später Petrak) schoben früh zur Seite. Mehmedi und Guede versuchten den Flügel zu überladen, was aber wegen Nürnbergs Reaktion nicht gelang. So konnte der SCF vorerst wenig Kapital aus den Räumen auf dieser Seite schlagen.

Christian Streich zog allerdings die richtigen Lehren daraus: In Hälfte zwei orientierten sich die beiden Spitzen eher zur rechten Seite, während sich jedoch Darida immer wieder nach links absetzte. Das sorgte für Unordnung in den Nürnberger Mannorientierungen, sodass Freiburg besser ins Mittelfeld kam. Nach Verlagerungen konnten sie nun öfters Darida in den Lücken auf links einbinden, sodass auch beide Tore der Freiburger aus Angriffen über diese Seite resultierten. Auch defensiv waren die Breisgauer nun stabiler, da sie ihr Pressing tiefer anlegten. Gegen das kompaktere 4-4-2-Mittelfeldpressing fand Nürnberg deutlich weniger Räume im Zentrum. So drehte Freiburg die Partie.

ExpG plot Freiburg 3 - 2 Nürnberg

Borussia Mönchengladbach 3:1 Hamburger SV

Gladbach 3-1 HamburgDie Hamburger begannen mit einem 4-2-3-1; offensiv wie defensiv. Zumindest sah es in der Anfangsphase danach aus, doch später war es ein klares 4-4-1-1 bei gegnerischem Ballbesitz, welches jedoch interessant gespielt wurde. Van der Vaart agierte nicht als zweiter Stürmer, sondern verhielt sich meistens wie ein vorgezogener dritter Mittelfeldspieler. Teilweise stand er direkt hinter Mittelstürmer Lasogga, bewegte sich um diesen herum und unterstützte primär das Mittelfeld.

Gladbach baute dazu passend zu Beginn im 2-4-4 auf, was bedeutete, dass Lasogga die beiden Innenverteidiger voneinander isolieren versuchte, während Van der Vaart im Zehnerraum das Gleiche mit der gegnerischen Doppelsechs tun sollte. Doch Favre reagierte früh und ließ immer wieder einen der Sechser zurückfallen. Nun konnte Lasogga keine isolierende Funktion mehr aufbauen, doch wirklich effektiv war dieses Abkippen eines Sechsers dennoch nicht. Van der Vaart blieb weiterhin im Mittelfeld. Zusätzlich rückten Rincon oder Arslan immer wieder mannorientiert nach vorne, um den zweiten Sechser zu übernehmen, wodurch 4-1-4-1-Staffelungen entstanden, die bisweilen sogar überaus sauber waren. In dieser Phase war der HSV defensiv relativ stabil, hatte aber offensiv Probleme mit dem Herausspielen von Chancen. Mit dem ersten Schuss im Spiel erzielten sie jedoch die Führung – per Standard.

Direkt danach hatte der HSV mehr vom Spiel und war nun auch offensiv kurz gefährlich, aber Gladbach kam wieder zurück in die Ballzirkulation und übernahm wieder die Partie. Daems Elfmeter sorgte für den Ausgleich. Nach der Halbzeit war der HSV mit einem höheren und aggressiveren Pressing stärker, aber konnte sich nur einige wenige Chancen erspielen, wobei es insbesondere an Hochkarätern mangelte. Zwei schnelle Tore Gladbachs zu Beginn der Schlussviertelstunde besiegelten das Spiel.

ExpG plot M'gladbach 3 - 1 Hamburg

Hannover 96 1:2 SV Werder Bremen

Hannover 1-2 BremenGegen das vertikal ausgerichtete Hannoveraner Angriffsspiel mit den eher zurückhaltenden Außenverteidigern funktionierte die Bremer Raute recht gut. Werder überließ den Hausherren das Spiel, was diese annahmen ohne dabei Risiko zu gehen. So versuchten sie das Mittelfeldzentrum über den rechten Flügel zu umspielen, wo Schlaudraff und Stindl versuchten zu überladen. Dabei bekamen sie aber kaum Unterstützung und waren auf vorhersehbare direkte Spielzüge angewiesen. Die vertikale Spielrichtung Hannovers erlaubte Werder jedoch, frühzeitig nach außen zu schieben, sodass ihre potentielle Anfälligkeit auf den Flügeln nicht zum Tragen kam. Hannover fehlte es an Verlagerungen, obwohl Prib recht oft vorstieß. Huszti rückte vor ihm gewohnt oft ins Zentrum, konnte dort aber überhaupt nicht eingebunden werden. Generell war die fehlende Präsenz in den Halbräumen ein schwerwiegendes Problem der Gastgeber.

Auf Basis ihrer Stabilität setzte Werder nach vorne auf gut abgesicherte Angriffe mit Einzelaktionen und wenig Breite. Die individuell starken Elia und di Santo waren eine gute Spielerwahl für diese Strategie und erzielten auch den Ausgleich im Zusammenspiel. Hauptsächlich fokussierten sich die Bremer dabei auf den linken Halbraum. So konnten Makiadi und Bargfrede gut absichern, während Junuzovic in einer Freirolle aufrückte. Garcia schaltete sich dann mit in die Angriffe ein, während sich auch Fritz auf absichernde Aufgaben konzentrieren konnte. Diese Asymmetrie wirkte stabilisierend und verhinderte Hannoveraner Konter. Hunt strukturierte davor die Angriffe etwas, während Elia und di Santo frei ausweichend Räume suchten.

In Hälfte zwei veränderten sich die Mechanismen von Hannover etwas. Huszti rückte nun extrem weit ein, teilweise bis auf den rechten Flügel. Schlaudraff bewegte sich stärker im Zwischenlinienraum. So konnte Hannover mehr Dynamik erzeugen und wurde etwas durchschlagskräftiger, wobei sie wohl auch aufgrund des Spielstands weiterhin nicht das Risiko eingingen, konsequent ihre Außenverteidiger einzubinden. Die Tore fielen dann recht antizyklisch und Bremen konnte kurz vor Schluss noch den Sieg nach einer Ecke festmachen.

ExpG plot Hannover 96 1 - 2 Werder

Zagłębie rules 5. Mai 2014 um 22:11

Ist die Bundesliga schon vorbei?

Antworten

MR 6. Mai 2014 um 00:37

Nein, am kommenden Samstag findet der letzte Spieltag der Saison statt.

Antworten

Misfit 7. Mai 2014 um 22:16

Ich dachte immer, die SV-Autoren würden diese Seite in ihrer Freizeit betreiben. Nach dem obigen Kommentar zu urteilen ist aber ein User namens Zagłębie rules der Arbeitgeber von MR und co. So kann man sich täuschen ; )

Antworten

Zagłębie rules 10. Mai 2014 um 21:25

@Misfit: Die Frage war metaphorisch 😉

Antworten

Misfit 11. Mai 2014 um 20:00

Ja – metaphorisch dafür, dass die Saison noch nicht vorbei ist und trotzdem keine Kompaktanalysen des Spieltags mehr erscheinen. Und das finde ich, ohne dir zu nahe treten zu wollen, nicht richtig. Hobby ist Hobby, und so wird diese Seite betrieben. Nur wenn du jemanden für seine Arbeit bezahlst, kannst du auch etwas einfordern (Ausnahmen jetzt mal nicht berücksichtigt).

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blub 3. Mai 2014 um 14:30

Hi MR, ist dir die Luft ausgegangen?
Ich hab in den letzten Wochen was vermisst 🙂

Antworten

MorataBVB 4. Mai 2014 um 20:00

@blub: Ich hab den leisen Verdacht, die Prioritäten liegen derzeit auf der Vorbereitung einer ausführlichen WM-Vorberichterstattung. Sind ja noch knapp 6 Wochen. Und vll. kommt dann ja auch ein Forum, das wäre zu dem Anlass der Oberknaller.

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blub 4. Mai 2014 um 20:57

Das vermute bzw. hoffe ich auch.
In diesem speziellen Fall will ich nur anzeige das durchaus interesse besteht. Wegen dessen fehlen wurde der erste versuch dieses konzepts damals eingestellt.

Antworten

Andy 5. Mai 2014 um 14:26

Ich kann mich da blub nur anschließen. Ich warte jetzt schon seit Wochen auf neue Expected Goals Analysen in der Reihe SV BuLi Kompakt.

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MR 4. Mai 2014 um 20:21

Wir sind zur Zeit einfach generell zu dünn besetzt dafür.

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RM 5. Mai 2014 um 19:00

Haha, dünn besetzt.

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Adlerträger 5. April 2014 um 12:33

Sorry, bin neu hier.
Was bedeuten diese Grafiken in den Artikeln.
Ich versteh die iwi nicht:
Danke

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MR 5. April 2014 um 13:36

Siehe zweite Zeile des Artikels.

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HSV 5. April 2014 um 08:28

gibt es eine Möglichkeit die Spiele im Internet in voller Länge im Nachhinein nochmal zu sehen? Wie macht ihr das? 😀

Antworten

MR 5. April 2014 um 13:36

Geht zum Beispiel bei SkyGo.

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BG 4. April 2014 um 20:10

Klasse, aber sicherlich auch sehr aufwendiges Format! Für mich persönlich vielleicht sogar das interessanteste, weil man über den Tellerand des eigenen Lieblingsvereines einen Überblick behält.

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Mario 4. April 2014 um 16:54

Auch wenn jetzt ein paar Fehler drin waren: Ich finds klasse, dass ihr euch immer wieder ein Bein ausreißt und uns mit solchen Artikeln versorgt. Ich bin Braunschweig-Fan und finde das Format auch deshalb cool, weil unsere Spiele da auch mal analysiert werden.

Antworten

MR 4. April 2014 um 16:39

Gott oh gott. Sind jetzt alle blamablen Fehler korrigiert?

(Ich schieb das einfach mal alles auf fehlende Abstimmung innerhalb der Viererkette…)

Antworten

MM 4. April 2014 um 16:22

Außerdem haben Eli und di Santo im Zusammenspiel nicht die Führung sondern lediglich den Ausgleich besorgt 😀

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EwigesTalent7 4. April 2014 um 15:19

Das 1:0 von Braunschweig erzielte Ken Reichel, auch wenn man es kaum glauben mag.

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blub 4. April 2014 um 14:42

Schöner überblick.
Die texte sind gut und decken sich in den spielen die ich gesehen habe mit meinen eindrücken.

allerdings: Mainz hat 3:0 gewonnen, nicht 2:0. Frankfurt hat auswärts gespielt und verloren, nicht wie in den überschriften steht.
Der xG-Plot von Werder Hannover fehlt im Text. In der Graphikübersicht ist er allerdings zu finden.;)

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MR 4. April 2014 um 14:53

Flüchtigkeitsfehler, wird korrigiert, dank dir.

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SCP-Poker 4. April 2014 um 15:50

Außerdem spielt Davari bei Braunschweig und nicht bei Stuttgart. Da spielt Didavi. 🙂

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DAF 4. April 2014 um 16:15

Und Neuer hat beim Spiel Bayern-Hoffenheim gar nicht gespielt. Ich vermute ihr meint dass Starke diese langen Bälle in die Halbräume gespielt hat. 🙂

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