Samstag, 20.09.2014

Confed-Cup: Tahiti – Nigeria 1:6

Wie das Amateurteam aus Tahiti taktisch überzeugte und mit Nigeria durchaus mithalten konnte.

Angesichts eines individuellen Klassenunterschieds verbietet sich eine genaue Analyse der Gründe des Ergebnisses und des Sieges für Nigeria. Dennoch wollen wir einen Blick auf die Ausrichtungen der Teams und die Art und Weise werfen, mit der Tahiti den Afrikameister über einige Phasen sehr gut im Griff hatte. Für die Mannen von Eddy Etaeta ist definitiv ein Lob angebracht.

Formationsumstellung bei Tahiti

confed-cup-2013-tah-ngaIn diesem bislang größten Spiel ihrer Fußballgeschichte wichen die Tahitianer von ihrer normalen Ausrichtung ab und stellten sich etwas defensiver ein. Mit Jonathan Tehau wurde der vielseitige hängende Stürmer der eigentlichen Viereroffensive in die Innenverteidigung neben das Stammpersonal aus Ludivion und Vallar geschoben, so dass insgesamt eine Fünferkette entstand.

Generell verspricht eine solche Abwehrreihe besondere Stabilität in der letzten Linie und eine gute Absicherung für die defensiven Einzelspieler – die Lücken aufgrund ungünstiger individueller Orientierungen der Verteidiger, die zuletzt immer wieder aufgetreten waren, wollte Etaeta dadurch bekämpfen. So durfte Aitamai als rechter Flügelverteidiger situativ etwas höher verteidigen, während besonders die Innenverteidiger immer wieder antizipativ aus der Abwehr hinausrücken und aufräumen konnten, da weiterhin drei oder vier Spieler dahinter verblieben – so wurde eine ganze Reihe an nigerianischen Aktionen von den herausrückenden Innenverteidigern erstickt.

Enorme Kompaktheit – und trotzdem kommt der Gegner durch

Mit dieser anpassungsfähigen Abwehrreihe und einer Mittelfeld-Viererkette davor erzeugten die Tahitianer eine bemerkenswert kompakte 5-4-1-Formation. Insgesamt standen sie geordnet und abgestimmt da, ließen nur wenige Lücken und konnten die Räume grundsätzlich ziemlich eng machen. Dies war nicht nur generell eine äußerst beachtliche Leistung für eine reine Amateurmannschaft, sondern auch eine deutliche Weiterentwicklung zu einigen unsicheren Defensivleistungen in den vergangenen Monaten. In den Anfangsminuten reagierten sie geschickt auf die einrückenden Bewegungen der linken Seite Nigerias und schoben von dieser Seite ebenfalls ein wenig ein, so dass ihre horizontalen Abstände sich weiterhin verringerten und die Kompaktheit erneut erhöht werden konnte.

Mit Musa hatten die Nigerianer einen breitegebenden Akteur auf rechts, während Oduamadi und auch Linksverteidiger Elderson gerne in den zentralen Bereich einrückten und dort mit Mba, dem vorstoßenden Mikel oder dem ansonsten ausweichenden Ujah zu kombinieren versuchten. Trotz der theoretisch starken Defensivleistung Tahitis konnte Nigeria mit einigen überzeugenden Strukturen und ihrer individuellen Überlegenheit dennoch die sehr kleinen Zwischenräume finden und sich im Bereich der Zehnerposition einige Male sehenswert durchkombinieren. So führten sie – auch wenn besonders der erste Treffer aus tahitianischer Sicht äußerst unglücklich war – nach zehn Minuten mit 0:2 und erspielten sich weitere Chancen – unter anderem vergab der ebenfalls verstärkt einrückende Musa nach einer tollen Kombination.

Nigeria verschenkt die individuelle Überlegenheit

Mit der Zeit wurde Tahiti allerdings immer stabiler und Nigerias Chancen nahmen in der Häufigkeit merklich ab. Gelegentlich gab es noch einige dieser Kombinationsansätze zu sehen, doch wurden die „Super Eagles“ in ihrer Spielanlage mit der Zeit immer ungeduldiger, weshalb sie zu vorschnell auf lange Zuspiele hinter die Abwehr setzten – hier agierten sie allerdings ungenau, fahrig und liefen insgesamt neun Mal ins Abseits. Dass Tahiti oftmals hoch verteidigte, war natürlich auch ein zweischneidiges Schwert. Was sie gegen Nigeria geschickt anstellten, hätte gegen eine andere Mannschaft auch ins Auge gehen können.

Über die kraftvollen Flügeldurchbrüche, bei denen sich Tahiti in der Vergangenheit immer wieder anfällig gezeigt hat, konnten die Nigerianer zwar das dritte Tor und die eine oder andere Chance erzeugen, allerdings machten sie aus diesem Mittel viel zu wenig. Einerseits lag dies an den Tahitianern, die viele Bälle effektiver und vorausschauender klärten und mit einer Fünferkette die Breite auch kollektiv besser verteidigen konnten, was Nigeria das Durchbrechen erschwerte. Desweiteren agierten diese hier oftmals inkonsequent und spielten ihre Szenen schwach aus – nicht das erste Mal, dass sich Nigeria beim Ausnutzen bestimmter gegnerischer Schwächen zu ungeschickt anstellt.

Tahiti sucht das Ballbesitzspiel

Im Offensivspiel gebührt Tahiti ebenfalls ein Lob und so war es verdient, dass sie sich mit einem Ehrentreffer durch Jonathan Tehau belohnen konnten. Auffällig war dabei, dass der Ozeanienmeister das eigene Angriffsspiel deutlich kollektiver anlegte, als in den meisten Begegnungen der jüngeren Vergangenheit, als häufig nur die Viereroffensive mit sporadischer Unterstützung von ein oder zwei weiteren Spielern für die Angriffe verantwortlich gezeichnet hatte.

Hier rückten die beiden Flügelverteidiger mutig nach vorne und die drei Innenverteidiger fächerten auf, so dass – unterstützt durch die zusätzliche Spielstärke des zurückgezogenen Jonathan Tehau – ein durchaus ansehnliches Ballbesitzspiel entstand, das Nigeria nicht so einfach unter Druck setzen konnte. Während Alvin Tehau als ballhaltender Mittelstürmer nicht so richtig ins Spiel kam, waren es besonders der einzige Profi-Spieler Vahirua sowie Chong Hue, Siegtorschütze im OFC-Finale 2012, die für die gefährlichen Aktionen im letzten Drittel sorgten. Beide zeigten sowohl ansprechende Dribblings als auch starke Kombinationsansätze, bei denen sich situativ noch einige andere Kollegen einschalteten (vor allem Bourebare) und bei denen Tahiti teils hervorragende Staffelungen und Verbindungen aufweisen konnte. Viele der Akteure sind dann aber eben einfach nicht stark genug, um diese Strukturen und die guten Ideen auch fußballerisch präzise umsetzen zu können.

Im Zusammenhang ihres Offensivspiels fielen auch einige interessante Rochaden auf, die Tahiti häufig auf der rechten Angriffsseite zeigte. Zum einen rückte Jonathan Tehau in seltenen Fällen vor den anpassungsfähigen Flügelverteidiger Aitamai auf und bespielte an dessen Stelle den Flügel. Desweiteren durfte Vahirua immer wieder sehr weit einrücken und als eine Art Zehner die Kombinationen einleiten, wofür sich dann Bourebare häufig ausgleichend auf den rechten Flügel bewegte, was  auch im Defensivspiel phasenweise so übernommen wurde. Trotz seines schwerwiegenden Fehlers vor dem 0:2 zeigte er eine sehr überzeugende Leistung, war überaus beweglich im Kombinations- sowie Balancespiel und hielt viele verloren geglaubte, da leicht unpräzise Angriffe auf engen Räumen unorthodox am Laufen – man dachte, der Ball müsse nun weg sein, doch Bourebare schaffte es, dass das Leder doch irgendwie in den eigenen Reihen blieb.

Fazit

Ein erwartet  hohes Ergebnis, doch Tahiti verkaufte sich herausragend – taktisch gesehen war es eine defensiv wie offensiv glänzende Vorstellung, mit der sie Nigeria phasenweise sehr gut in Schach hielten und die auch verdienterweise mit einem eigenen Treffer belohnt wurde, den die Inselkicker (nicht nur auf dem Platz) ausgiebig feierten. Genauso ausgiebig kann der Fußballromantiker die tahitianische Mannschaft feiern.

Ein kurzes Wort noch zu Nigeria, denen viel Kritik entgegen gebracht wurde und deren Leistung teilweise gar als „peinlich“ bezeichnet worden sein soll: Auch wenn die zweite Halbzeit wahrlich nicht gut war, sie den Tahitianern einige kuriose Tore reindrückten und in den Schlussminuten mit simplen Treffern von den nachlassenden Kräften des Gegners profitierten – die erste Halbzeit war von den Offensivmechanismen im letzten Drittel her ziemlich überzeugend. Dort haben sie sehr gutes Kombinationspotential – nur ist bei jedem Spiel immer aufs Neue die Frage, wie gut sie das ausspielen. Nigeria war also keinesfalls schlecht – Tahiti war nur begeisternder und für ihre Art und Weise, wie sie die individuelle Unterlegenheit taktisch zu kaschieren wussten, zu bewundern.

GoldenGomez 18. June 2013 um 15:06

Danke, toller Artikel. Die Leistung von Tahiti wurde mir auch zu wenig gewürdigt, denn, obwohl sie 6 Gegentore gekriegt haben, standen sie eigentlich ziemlich gut und stabil. Besonders das rausrücken des IVs, wenn Nigeria in den Zwischenlinienraum gelangte, hat mir gefallen. Durch viele individuelle Fehler wurde das Ergebnis aber deutlich, wenn ich da an das erste Gegentor denke, wo der Schiri den Befreiungsschag blockt und der Schuss dann 2x abgefälscht wird.

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kk 22. June 2013 um 19:20

Aber man darf auch nicht vergessen, wie viele Torchancen Nigeria nicht verwertet hat. Wahrscheinlich aus Mangel an Konzentration.

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AP 18. June 2013 um 14:03

cool………

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