Schalke 04 – Eintracht Frankfurt 1:1

Heißt der neue Bayern-Verfolger Nr. 1 Schalke oder Eintracht Frankfurt? Weder noch! In einem Spiel zweier unterschiedlicher Halbzeiten können beide Teams behaupten, zwei Punkte verschenkt zu haben.

Das Duell Zweiter gegen Dritter stand an diesem Wochenende medial etwas im Schatten der Bayern und des Wolfsburger Allofs-Derby. Dabei war es gerade bis zur Pause ein schnelles und ansehnliches Spiel. Die Schalker traten in ihrem bekannten 4-4-1-1-System an, die Frankfurter spielten ein ähnliches System, bei dem sich oftmals ein 4-2-3-1 erkennen ließ.

Für Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Armin Veh

Das Besondere an den Frankfurtern diese Saison ist das hohe Risiko, das sie im Spielaufbau eingehen. Die Innenverteidiger postieren sich breit, die Außenverteidiger rücken vor und auch die zentralen Mittelfeldspieler stehen meist vor dem Ball. Nach einem Abspiel bietet sich der Passgeber sofort vor dem Ballführenden an. Sie kreieren so viele vertikale Anspielstationen. Frankfurt bekommt auf diese Art einen besseren Kombinationsfluss hin als die meisten Bundesliga-Teams.

Dass diese Strategie risikoreich ist, zeigte sich beim Schalker Führungstreffer:

Die Szene vor dem 1:0: Aigner verliert den Ball an Holtby, der durchstarten kann.

Nach Aigners frühem Ballverlust waren nur noch zwei Frankfurter effektiv hinter dem Ball. Rode und Schwegler befanden sich beide im Sprint nach vorne und konnten nicht schnell genug umkehren. Holtbys Gassenpass auf Huntelaar war angesichts der breiten Stellung der Innenverteidiger so schwierig, wie einen Smart in einen Behindertenparkplatz zu manövrieren.

Als wollten die Frankfurter Systemkritiker Lügen strafen, bewiesen sie keine zwei Minuten später die große Stärke ihres Systems in Form eines Tores: Die hohe Kombinationssicherheit hilft ihnen gerade auf den Flügeln, wo sie sich clever in Position bringen, um von dort Passstaffetten bzw. Flanken in Richtung des Strafraums zu bringen.

Die Szene vor dem 1:1: Oczipka schlägt eine Flanke in die Mitte, welche Aigner einköpft.

Farfan, der eigentlich bei Oczipka hätte sein müssen, ließ sich in der vorausgegangenen Situation in die Mitte ziehen. Uchida verpasste es, die Gasse zwischen Gegenspieler und Tor zu schließen, worauf Oczipka bereits zuvor mit seinem Laufweg leicht in Richtung Zentrum spekulierte; Oczipkas Flanke war die folgerichtige Entscheidung, auch wenn eigentlich kein Spieler in der Mitte frei war. Aigners Kopfballtreffer war auch der Desorientierung von Matip und Fuchs zu verdanken. Dennoch: Frankfurt nutzte schnell die zu zentrale Position Farfans und die zu breite Positions Uchida für eine Flanke aus; diese direkte und konsequente Art, Chancen zu kreieren, ist ihre große Stärke.

Schalkes Probleme mit dem vertikalen Spiel

Nach dem Ausgleich hielten die Frankfurter das Tempo hoch und spielten mit Risiko nach vorne. Sie fokussierten weiterhin die linke Seite, auf der Oczipka zu einigen Durchbrüchen ansetzen konnte, aber auch der frei agierende Inui bereitete der Schalker Verteidigung einige Probleme. Die Schalker übergaben ihn oft nicht schnell genug bzw. ließen ihm frei im Raum stehen, so dass er zu mehreren gefährlichen Pässen und Dribblings ansetzen konnte.

Dass die Frankfurter jede Defensive mit ihren ständigen Überzahlsituationen gefährlich werden kann, sollte am 13. Spieltag keine Überraschung mehr sein. Dass Schalke jedoch so wenig entgegen setzte, kam unerwartet. In der Theorie müsste das Frankfurter System mit der hohen vertikalen Streckung ein gefundenes Fressen für ihre Konter sein. Vertikalpass, Ablage, Vertikalpass – mit diesem schnellen Ein-Kontakt-Fußball feierten die Schalker vergangene und auch diese Saison einige Erfolge.

Schalke tat sich jedoch schwer mit der hohen Robustheit der Gäste. Schwegler und Rode verteidigten bei Kontersituationen sehr mannorientiert – und körperbetont. Öfters als einmal setzten die Frankfurter Spieler zur Grätsche an. Ab und an bewegten sie sich damit an der Grenze der Legalität, meistens blieb es jedoch bei sauberen Tacklings.

Auch hielten sich die Schalker Außenverteidiger Fuchs und Uchida bis zur Pause auffallend oft zurück. Auf den Flügeln waren Farfan und Draxler praktisch immer auf sich alleine gestellt. Sie kamen selten durch. Schalkes Konter waren deshalb ineffektiv, sie liefen sich meist an ihren Gegenspielern fest.

Zweite Halbzeit: Schalke presst – endlich

So lethargisch die Schalker sich vor der Pause präsentierten, so ausgewechselt kamen sie aus der Kabine. Plötzlich schaltete das Team zwei Gänge höher. Inbesondere das Pressing betrieben sie wesentlich intensiver. Hatten sie bis zur Halbzeitpause auf ein abwartendes Mittelfeldpressing gesetzt, wurden Holtby und Huntelaar nun immer öfters von Jones, Farfan und Draxler im Angriffspressing unterstützt. Gerade in der Phase zwischen der 60. und 75. Minute kamen die Frankfurter praktisch nicht mehr aus der eigenen Hälfte. Entweder sie verloren die Bälle noch vor der Mittellinie oder sie wurden zu langen Bällen gezwungen, die Matmour nicht gewinnen konnte.

Auch offensiv wurden die Schalker stärker. Uchida ging nun wesentlich öfter mit nach vorne (gut sichtbar in der Bundesliga.de Matrix: seine Sprints in Halbzeit 1 gegenüber Halbzeit 2). Über die rechte Seite versuchten sie, die Frankfurter zu knacken – Whoscored.com vermeldet: Fast 50% der Schalker Angriffe liefen über rechts. In dieser starken Phase belohnten sich die Schalker jedoch nicht für ihr Engagement. Die Überzahlsituationen waren da, die Chancen auch – doch Tore gab es keine.

In der Schlussviertelstunde konnten sich die Frankfurter wieder besser ins Spiel kämpfen, die Schalker wirkten müde. Mit der Einwechslung Köhlers stabilisierte sich zudem kurzzeitig die rechte Seite, bis Matmour nach wiederholtem Foulspiel die gelb-rote Karte sah (88.). Der Schalker Ansturm kurz vor Schluss half nicht mehr viel; es blieb beim 1:1.

Fazit

Das Spiel hätte von beiden Teams gewonnen werden können. Die Frankfurter schaffen es mit ihrer risiko- und variantenreichen Offensivleistung erneut, ihre Schwächen in der Defensive zu übertünchen. Bis zur Pause hatten sie eine klare Hoheit über Ball, Zweikämpfe und Chancen und hätten bei besserer Chancenverwertung führen können. Nach der Pause ließen sich leichte Ermüdungserscheinungen erkennen; kein Wunder nach dem hohen Einsatz zuvor.

Die Schalker schafften es erneut nicht, zwei starke Halbzeiten hinzulegen. An diesem Nachmittag verschliefen sie die erste Halbzeit, die zweite dominierten sie. Auch wenn sie nach der Pause einen kämpferisch und taktisch starken Eindruck hinterließen: Ihre Unkonstanz kostet sie in dieser Saison zu viele Punkte, um sich vor den Verfolgern im Kampf um Platz 2 abzusetzen. Wenn sie bereits vor der Pause so agiert hätten wie danach, wäre ihnen ein Sieg gewiss gewesen. So heißt der einzige Sieger im Verfolgerduell Borussia Dortmund.

Article by TE

TEs Taktikleidenschaft erweckte Mourinhos Chelsea. Seitdem favorisiert er schnell umschaltende Teams. Bei Spielverlagerung kümmert er sich hauptsächlich um die Bundesliga und die Nationalmannschaft. Er ist auch bei Twitter aktiv unter @TobiasEscher.

One Comments

  1. 1
    Leperon says:

    Hab leider nur die erste Hälfte voll und die 2. dann nur noch in der Konferenz gesehen, die erste Hälfte hat wirklich Spaß gemacht zu gucken. 2 Sachen die mir bei den Frankfurtern da aufgefallen sind, sind einmal, dass sie sich auf den Flügeln teilweise immensen Raum erspielt haben, was ihr ja auch sagt, und dass dann die frühen Halbfeldflanken (siehe Gegentor) richtig gefährlich geworden sind. Kenn sie von Fuchs auch genüge, nur sind die dann nie gefährlich, könnt ihr sagen woran das lag? Starten die Offensivspieler von Frankfurt vielleicht aus einer tieferen Position in den Strafraum oder war es einfach nur Zufall oder Warnehmung, welche mich hier zum posten bewegen?

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