Donnerstag, 19.10.2017

Eintracht Frankfurt – FC St. Pauli 1:1

Im Absteigerduell trafen am Montagabend die Hausherren von der Frankfurter Eintracht und die Gäste aus St. Pauli aufeinander. Nach zwei sehr unterschiedlichen Halbzeiten trennte man sich schließlich gerechterweise 1:1.

St. Pauli kontrolliert die Zentrale – und kommt über die außen

Frankfurt-Trainer Veh musste seine Formation auf einer Position verändern. Für den nach Wolfsburg transferierten Russ spielte der US-Amerikaner Clark in der Innenverteidigung, ansonsten durfte die Formation, die in Fürth einen späten 3:2-Sieg erkämpft hatte, beginnen.

Bei den Gästen kehrte Routinier Ebbers in die Startaufstellung zurück, dafür rückte Takyi ins Mittelfeld und Bruns saß zunächst auf der Bank. Auch in der Formation blieb sich Trainer Schubert  treu, auch wenn er seine Aufstellung leicht dem Gegner anpasste: Um die spielstarke Zentrale der Frankfurter, bestehend aus Schwegler und Lehmann, zu bekämpfen, ließ er seine zentralen Mittelfeldspieler Kruse und Takyi immer wieder aggressiv vorschieben, sobald der Ball aus der Frankfurter Innenverteidigung nach vorne wanderte. Zudem war einer der beiden gemeinsam mit Ebbers ständig dafür zuständig, dass Kapitän Schwegler sich nicht am Aufbauspiel beteiligen konnte. Die Frankfurter wirkten relativ ratlos, waren doch ihre Schlüsselspieler komplett abgemeldet.

So waren es nicht die favorisierten Frankfurter, sondern die Gäste, die das Spielgeschehen anfangs kontrollierten und gefährlich vor das gegnerische Tor kamen. Durch die Kontrolle der Zentrale war Frankfurt gezwungen, seine Außenspieler weit in die Mitte zu ziehen, gerade Meier auf der linken Seite war zunehmend damit beschäftigt, den starken Boll nicht ins Spiel kommen zu lassen. So boten sich auf der rechten Angriffsseite St. Paulis große Freiräume, die der offensivfreudige Rechtsverteidiger Schachten gemeinsam mit dem davor postierten Bartels zu nutzen wusste. Immer wieder konnte einer der beiden auf rechts freigespielt werden.

Der Führungstreffer fiel schließlich, nachdem der insgesamt überzeugende Ebbers eine Flanke aus dem Halbfeld per Kopf für Boll vorgelegte. Dieser legte den Ball anschließend quer auf Bartels, sodass dieser keine Mühe hatte den Ball aus wenigen Metern im Tor unterzubringen.

Insgesamt wirkten die Gäste wesentlich besser auf den Gegner vorbereitet, daran änderte auch eine Umstellung Vehs wenig, die Meier als hängende Spitze in die Mitte beorderte und stattdessen Rode mehr nach links wandern ließ. Der junge Rode hielt nämlich genauso wenig die linke Seite wie Meier, sodass Schachten weiterhin problemlos das Offensivspiel der Hamburger ankurbeln konnte.

Klarere Positionen sorgen für Auftrieb

Zur zweiten Halbzeit brachte Veh für den bei Linksverteidiger Kalla völlig abgemeldeten Caio den Algerier Matmour, der sich schon in Fürth als Matchwinner hervorgetan hatte. Zudem zeigte seine Mannschaft nun eine wesentlich klarere Struktur: Zwei defensive Mittelfeldspieler – Schwegler und  Lehmann – von denen letzterer wesentlich offensiver agierte, mit Rode und Matmour zwei klare Außenspieler sowie Hoffer und Meier als Stürmer, wobei sich letzterer in der Defensive ins offensive Mittelfeld fallen ließ und so defensiv ein 4-2-3-1 erzeugte.

Die klarere Aufteilung schränkte die Offensivaktivitäten Schachtens erheblich ein, zudem hatten die Hamburger im zweiten Durchgang Probleme, sich ins Angriffsdrittel zu kombinieren. Was ihnen blieb, war ihre körperliche Überlegenheit in Person von Ebbers, der den Ball zwar geschickt in der vorderen Reihe hielt und auf die nachrückenden Spieler ablegte, dabei jedoch kaum für Torgefahr sorgte.

Stattdessen bestimmten die Hauherren nun das Spielgeschehen und kamen ihrerseits zu einigen hochkarätigen Torchancen. Die Eintracht drängte St. Pauli immer weiter zurück, Kapitän Schwegler kam endlich ins Spiel und zeigte Anzeichen seiner Spielstärke, doch der beste Mann bei den Frankfurtern war der 20 Jahre junge Rode. Er zeigte sich sehr präsent, verteilte die Bälle gut nach außen und in die Spitze und war zudem selbst mal in der Zentrale und mal auf dem linken Flügel zu finden. So brachte er viel Bewegung in die Hintermannschaft der Gäste, ganz im Gegensatz zur ersten Hälfte in der das Frankfurter Angriffsspiel insgesamt zu statisch und uninspiriert erschien.

Ebenfalls auffällig war Linksverteidiger Djakpa, der zwar den einen oder anderen unnötigen Fehlpass spielte, im Großen und Ganzen jedoch gerade offensiv zu gefallen wusste und mit seinen scharfen Flanken immer wieder für Gefahr im gegnerischen Strafraum sorgte. Doch war es auffällig, dass der Eintracht komplett die Kopfballstärke im Sturmzentrum fehlte, Dortmund-Leihgabe Sobiech zeigte in der Hintermannschaft St. Paulis eine Glanzleistung und behielt trotz stetig steigendem Druck die Übersicht. Und trotzdem war es am Ende eine Flanke, die zum Ausgleichstreffer führte. Eine der vielen Hereingaben wurde von Boll im Zurücklaufen unglücklich genau auf Meiers Fuß geköpft. Dieser zögerte nicht lange und hämmerte den Ball aus 17 Metern ins linke untere Eck.

Im Anschluss schaffte es keine Mannschaft noch einmal zwingend vors gegnerische Tor zu kommen, und so mussten sich beide Teams schlussendlich mit einem Punkt begnügen.

Fazit

Schubert hatte seine Mannschaft hervorragend auf den spielstarken Mitabsteiger eingestellt. Beeindruckend, wie die Gäste die Mittelfeldzentrale der Eintracht lahm legten. Offensiv wussten zwar Bartels und Ebbers zu gefallen, insgesamt fehlte aber gerade in der zweiten Halbzeit die nötige Genauigkeit, um einen der vielen Konter zum im Frankfurter Tor unter zu bringen und mit dem zweiten Tor den Sieg zu sichern.

Frankfurt tat sich unerwartet schwer in die Partie zu finden. Die Spieler hatten ganz offensichtlich große Probleme mit der Ausrichtung des Gegners, es fehlte eine echte Alternative zum Spielaufbau über Schwegler, der von St. Pauli im ersten Durchgang komplett abgemeldet wurde. Nach der Umstellung und einem besseren Positionsspiel wurde die Eintracht ihrer Favoritenrolle zusehends gerecht und kam zum insgesamt verdienten Ausgleich. Trainer Veh ist nun gefragt, Alternativen im Spielaufbau zu entwickeln, da die Gegner mit Sicherheit interessiert zugeschaut haben und einiges aus der Pauli-Strategie übernehmen dürften.

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