Gruppe K: Starke Favoriten gegen spezielle Außenseiter
Mit Portugal in erster und Kolumbien in zweiter Linie hat die Gruppe K zwei klare Favoriten, die auf zwei WM-Neulinge treffen. Beide „größeren Namen“ verfügen in Ballbesitz über das nötige Rüstzeug, um etwaige Defensivblöcke der Außenseiter zu bespielen. Daher wird es für die DR Kongo und für Usbekistan entscheidend darauf ankommen, aus dem mittleren und tiefen Verteidigen situativ nach vorne zu rücken und Druck zu machen – insbesondere auf Rückpässe. Ernsthafte Anzeichen für ein überraschendes Ausscheiden der Portugiesen – zumal mit ihrer auch guten Umschaltqualität – oder der Kolumbianer bestehen im Gesamtbild nicht.
An den ersten beiden Spieltagen gibt es jeweils die Begegnungen zwischen den Favoriten und den Außenseitern. Selbst wenn diese Duelle auf Abwehrschlachten hinauslaufen sollten, könnten sie unterhaltsamer verlaufen als die meisten anderen Abwehrschlachten. Zum einen bringen die beiden WM-Neulinge das Potential mit, gut und ansehnlich mitzuspielen – auch wenn fraglich ist, wie viele zählbare Chancen und Tore herausspringen werden. Zum anderen verfügen Portugal und Kolumbien in den eigenen Ballbesitzphasen jeweils über passende Mittel, um gerade einen tiefen Block zu knacken.
Deshalb dürfte es für die Außenseiter entscheidend werden, sich nicht nur auf ein abwartendes Verteidigen zu verlassen, sondern aus der mittleren oder tiefen Höhe wieder vorzuschieben. Gerade die Usbeken unter Fabio Cannavaro sind in dieser Hinsicht gut aufgestellt, während die DR Kongo die eigenen Pressingübergänge etwas vorsichtiger spielt und mögliche Zugriffssituationen daher noch zu häufig verschenkt. So verpassen die vorderen Akteure beispielsweise die Möglichkeit, bei sich bietenden 2gegen2- oder 3gegen3-Zahlenverhältnissen wirklich an- bzw. durchzulaufen. Dies gilt sowohl für das kongolesische 5-3-2 als auch für das 4-4-1-1/4-1-4-1, aus dem vor allem der rechte offensive Mittelfeldspieler als Ergänzung in die erste Pressinglinie aufrücken kann. Das zunächst in einem 5-2-3-Mittelfeldblock organisierte Team Usbekistans entwickelt eine gute Aktivität, Rückpässe zum Herausrücken zu nutzen. Auch in der Ausführung reduzieren die Spieler schnell die Abstände, bleiben untereinander zusammen und wägen ab, welche Momente dafür passend sind bzw. welche nicht.

Usbekistan schiebt auf einen Rückpass nach vorne
Außenseiter mit Offensivpotential
Das offensive Potential der beiden Außenseiter ergibt sich vor allem bei DR Kongo aus der taktischen Intention, bei Usbekistan stärker aus der strukturellen Organisation. Größte Stärke der kongolesischen Mannschaft ist in diesem Zusammenhang die ausgeprägte Orientierung auf diagonale Vorwärtspässe gegen die Bewegungsrichtung der Verteidigung und in die Halbräume als Zielzone, besonders den Bereich nahe des Sechzehnerecks. Gerade Kapitän Chancel Mbemba auf der rechten Innen- oder Premier-League-Legionär Aaron Wan-Bissaka auf der rechten Außenverteidigerposition suchen zügig und zielstrebig diese Zonen.

Auch wenn sie in manchen Situationen noch sauberer andribbeln könnten, führt dies zunächst einmal dazu, dass eine hohe Quantität an Zuspielen – nur nicht immer von höchster Qualität – letztlich wertvolle Offensivzonen erreicht. Damit ergibt sich eine gute Ausgangslage für den weiteren Angriffsverlauf, in dem die vorderen Akteure recht starke Aktivität ausstrahlen. Auch unter den Offensivleuten macht sich eine Orientierung auf den Bereich um das Strafraumeck bemerkbar, gerade beim trickreichen und in gruppentaktischen 2gegen2-Situationen gewitzten Linksaußen Nathanael Mbuku.
Strukturell hat das kongolesische Team von Trainer Sébastien Desabre verschiedene Möglichkeiten, zwischen Zweier- und Dreieraufbau zu wechseln. Dazu gehören einrückende Aktionen eines Außenverteidigers ebenso wie das Abkippen aus dem Mittelfeld. Nicht zuletzt laufen sich die zentralen Mittelfeldakteure defensivorientiert in die Absicherung frei, sobald einer der Verteidiger aus der ersten Linie andribbelt. Diese Dribblings dienen häufig der Vorbereitung von langen Bällen hinter die Kette.

Wenn die DR Kongo mit offensiven Flügelspielern agiert, läuft sich gerade Mbuku oft von Außen in den seitlichen Zehnerraum frei, um dann dynamisch abzukappen und die Tiefe zu attackieren. Gegen Außenverteidiger, die explosive Richtungswechsel nicht so gut mitgehen können, wäre er ein potentieller Schlüsselspieler für die Offensive seines Teams. Sowohl gegen Kolumbiens Juan Mojica als auch gegen Portugals gealterten Joao Cancelo bestünden Aussichten auf gefährliche Aktionen Mbukus – in beiden Fällen sind die Gegenspieler aber keineswegs klare Startelfkandidaten. Ausgerechnet gegen den individuell ähnlichen Gegner aus Usbekistan könnte dessen Fünferkette als zusätzliche strukturelle Absicherung dafür sorgen, dass die Tiefenläufe bei langen Bällen entschärft werden. Daher würde sich für die DR Kongo im direkten Duell die 3-2-Aufbaustruktur eignen, um die 5-2-3-Defensive zu spiegeln, den vorderen Zentrumsblock innen zu binden und so 1gegen1-Situationen der eigenen Außenspieler gegen die Flügelverteidiger zu provozieren.
Usbekistans Torwart-Einbindung für lange Bälle
Aggressives und risikobereites Spiel an die letzte Linie heran findet sich auch bei Usbekistan in der mannschaftlichen Entscheidungsfindung. Es kommt allerdings weniger zum Tragen, da die Usbeken in längeren eigenen Ballbesitzmomenten dazu neigen, mit zu vielen Spielern aus der gegnerischen Defensivformation herauszugehen, so dass die Quantität an Personal in der Tiefe für solche Zuspiele in die Spitze deutlicher sinkt als bei der DR Kongo. Wenngleich die kongolesischen Akteure aus dem defensiven Mittelfeld sich vorsichtig freilaufen und weitgehend in defensiven Positionen bleiben, halten die Offensivkräfte des Teams die vorderen Zonen oder zumindest ausreichenden Kontakt dorthin, um schnell wieder nachrücken zu können.
Gegen hohes Pressing kann die DR Kongo durch wechselnde Staffelungen und einzelne Rotationen – etwa durch einen Innen- oder Außenverteidiger in den Sechserraum oder einen Sechser in die erste Aufbaulinie hinein – mitunter für Überraschungen sorgen, ohne dass die resultierenden Versuche des Herausspielens aber stabil abgerufen werden. Im Vergleich dazu verfolgt Usbekistan eine definierte Aufbau- und Abstoßstrategie, die eindeutig auf gezielte lange Bälle hinausläuft und diesen möglichst hohe Wirkung verschaffen soll. Die Usbeken integrieren den eigenen Torhüter systematisch in den Ballbesitz – vorwiegend, um mehr Gegner zu binden bzw. herausziehen und so die langen Bälle vorzubereiten. Entweder bildet der rechtsseitig positionierte Torhüter mit den drei Verteidigern eine 4-2-Aufbaustruktur oder der Zentralverteidiger schiebt auf die Sechs vor und so bleibt mit Keeper und zwei breiten Halbverteidigern eine weit aufgefächerte erste Linie.

Usbekistans Torwartaufbau mit vorgeschobenem Zentralverteidiger gegen Uruguay

Die Torwart-Einbindung bindet die gegnerischen Stürmer eng, so dass Nematov nach langsamem „Vorlaufen“ mit dem Ball am Fuß schließlich dem linken Halbverteidiger mehr Raum in der Breite verschaffen kann, aus dem dieser einen Flugball schlägt
Dagegen hätte Kolumbiens Raute im Angriffspressing gute Aussichten, indem einer der Stürmer bogenförmig auf den Torhüter auslöst, um diesen am Vorantreiben des Balles zu hindern, und den oder die Verteidiger auf seiner Seite im Deckungsschatten abschneidet. Bei einem Viereraufbau wäre es dann möglich, anschließend auf den Zentralverteidiger durchzulaufen. Gegen die breite Torwartraute mit aufgerücktem Zentralverteidiger könnte Kolumbien die beiden davor agierenden Mittelfeldspieler über die Achter, den Zentralverteidiger über James aufnehmen. Gegen die breiteren Halbverteidigerpositionen würde sich eine breitere Position des Mittelstürmers anbieten, um nicht zu leicht überspielt zu werden. Fraglich ist, ob Kolumbiens Trainer Nestor Lorenzo in ein 5-2-1-2/3-4-1-2 zur besseren Abdeckung der letzten Linie wechseln würde – etwa über das Zurückfallen eines Mittelfeldspielers. Die Fünferkette könnte noch stabiler die vielen Gegenbewegungen von Usbekistan auf den Flügeln aufnehmen. Häufigster usbekischer Tiefenläufer ist Linksaußen Oston Urunov, dessen Pendant Azizjon Ganiev häufiger entgegenkommt und als zusätzlicher Unterstützungsspieler im Halbraum zu fungieren versucht.
Wie würde anschließend Portugal die breite usbekische Aufbaustruktur mit Torwart-Einbindung pressen? Typisch für das portugiesische Spiel war gegen Aufbaustrukturen mit zwei zentralen Verteidigern bisher, dass der zentrale Angreifer in einem nominellen Zahlenverhältnis von „Minus eins“ anlief und die beiden Spieler voneinander abschneiden sollte. Das läge auch gegen einen vom Torwart hergestellten Viereraufbau nahe und würde auch zur Aufstellung Cristiano Ronaldos auf dieser Position passen. Die portugiesischen Flügel würden zunächst oben bleiben müssen, um gegen allzu einfache Pässe in die Breite auf die aufgefächerten Halbverteidiger auf Sprung zu stehen. Die Kompaktheit nach hinten gegen die langen Bälle wäre damit nicht optimal, aber angesichts der im Gesamtbild klaren individuellen Überlegenheit für den Favoriten noch verkraftbar. Es wäre Trainer Roberto Martínez gut zuzutrauen, dass er im Anschluss an die langen Bälle der Usbeken seinen dann überspielten Dreiersturm sogar gezielt vorne warten und lauern statt zurückfallen lässt, um den Underdog mit Kontern überraschen zu können.

Mögliche Pressinganordnung Portugals gegen den usbekischen Aufbau mit Torwart-Einbindung: Sollte der linke Flügel Portugals durch gegnerische Mittelfeldbewegungen weiter innen gebunden werden und Usbekistan dadurch über rechts nach vorne außen herum spielen können, wäre ein weites Herausverteidigen des Linksverteidigers, gerade bei einer Aufstellung von Nuno Mendes, angesichts individueller Überlegenheit für die Portugiesen noch praktikabel.
Dreieraufbau als Schlüssel für die Favoriten
Um die beiden Außenseiter in ihren grundsätzlich gut ausgeführten Defensivblöcken zu bespielen, würde sich ein Dreieraufbau für die Favoriten anbieten. Anstelle des häufigen flachen Herauskippens von James wäre für Kolumbien eine Asymmetrie zwischen den Außenverteidigern vielversprechend, indem der Linksverteidiger flacher bleibt als der typischerweise weit aufrückende Rechtsverteidiger. Bei Portugal wäre ein Dreieraufbau über das Einrücken eines Außenverteidigers ebenso möglich wie über das Herauskippen von Mittelfeld-Taktgeber Vitinha, der die Position länger halten kann als James und darin nicht so stark für spätere offensive Folgeaktionen schmerzt.

Mögliche Ballbesitzformation Kolumbiens gegen das usbekische 5-2-3
Ein 3-1-Aufbau würde es im Duell mit Usbekistan dem gegnerischen 5-2-3 erschweren, sowohl den Sechser als auch die Asymmetrie der ersten Linie zu schließen. Kolumbiens aufrückender Rechtsverteidiger könnte beispielsweise versuchen, die Fünferkette hinten zu binden oder sich auf halber Höhe anzubieten, um Vorverteidigen anzulocken. Mit James in seiner freien Rolle und dem umtriebigen Jhon Arias halbrechts wären unterschiedliche Staffelungen möglich, mit denen Kolumbien letztlich einen Spieler zwischen den Linien oder durch Blocken in einer doppelten Breitenbesetzung freispielen könnte.

Alternativer 3-1-Aufbau für Kolumbien gegen das 5-2-3
Sollte Usbekistan überraschend auf ein Angriffspressing umstellen, wäre Kolumbien bei hoher Position des Rechtsverteidigers nicht weit von einer 3-Raute-3-Aufbauformation entfernt, die für das usbekische Anlaufen ein gutes Gegenmittel bedeutet. Beim Auslösen müssen in diesen Situationen die usbekischen Stürmer den Sechser öffnen, auf den wiederum die eigenen Sechser ungern herausrücken, sofern einer der Halbverteidiger durch eine Halbposition des Zehners gebunden wird – wie sie James sehr gut spielen könnte. Wenn der Außenseiter den unerwarteten Schachzug des hohen Anlaufens gegen einen der größeren Namen überhaupt wählen sollte, dürfte dies am ehesten noch gegen Kolumbien der Fall sein anstatt gegen Portugal. Sobald die Kolumbianer sich im Übergang durch das zweite Drittel einmal einen Vorteil erspielt haben, verschwenden sie diesen auch seltener als andere Teams, sondern spielen ihn mit schneller Fortsetzung, aktivem Nachrückverhalten und ballferner Tiefe aus.

Mögliche Probleme Usbekistans im hohen Anlaufen, den gegnerischen Sechser zu schließen (schwarze Pfeile = Zuordnungsprobleme; sonstige Pfeile = Bewegungen, also konkrete Aktionen)
Genauso könnte Kolumbien am zweiten Gruppenspieltag gegen die DR Kongo von einem Dreieraufbau profitieren. Zum einen würde diese Struktur gegen das 5-3-2 eine einfache Überzahl in der ersten Aufbaulinie gewährleisten. Zum anderen könnte der Dreieraufbau gegen das 4-1-4-1 dessen Schwachstelle im engen kongolesischen Defensivverbund aufdecken: das Verhalten der offensiven Flügelspieler gegen höhere Außen- bzw. Flügelverteidiger, insbesondere gegen einen Dreieraufbau. Aus einer horizontal sehr engen Ausgangsposition versuchen sie ballseitig die Passwege nach außen zu schließen und öffnen die Halbräume, in denen sich über eine gute Ballbesitz- bzw. Positionsstruktur entscheidende Überzahlen gegen die drei Mittelfeldakteure herstellen lassen – weil die Viererkette kaum ins Mittelfeld verteidigt.

Probleme der DR Kongo im 4-1-4-1: Weil Mukau, Sadiki und Elia sehr klar an ihren Gegenspielern kleben, muss Moutoussamy aus der zentralen Sechserposition herausschieben. Gegen den geöffneten Halbraum will kein Spieler aus der Viererkette zwischen die Linien auf den freien Gegenspieler herausverteidigen.
Da der jeweils ballferne Flügelspieler der DR Kongo zudem wieder weit auf die kompakte Ausgangsposition zurück zu schieben versucht, entsteht ihm ein enormer Laufaufwand, der wichtige Körner für Kontermomente oder Schlussphasen raubt. Dies wäre umso ärgerlicher, da das offensive Umschalten eigentlich zu den Stärken des Teams zählt. Gerade wenn Cedric Bakambu als alleinige Spitze agiert, zockt er häufig in breiten Positionen auf etwaige Konterszenen. Dort macht er Bälle geschickt fest und gibt den schnellen Flügeln die Zeit, um nach innen in die Tiefe zu kreuzen – ein typisches Muster des Teams bei schnellen Gegenstößen. Gegen Teams mit beidseitig hohen Außenverteidigern, wie gegebenenfalls bei Kolumbien, könnte dies gute Möglichkeiten eröffnen. Im 4-1-4-1 erscheint es gut möglich, dass die DR Kongo im Umschalten die Favoriten ärgern kann, ohne aber selbst defensiv stabil zu sein.
Für Portugal würde sich gerade eine 3-2-4-1/3-2-2-3-Grundstruktur für das Ballbesitzspiel zum Turnierauftakt gegen die DR Kongo anbieten. In der zweiten Begegnung des Gruppenfavoriten wäre ein interessantes Duell zwischen den massiven Seitenüberladungen, die zuletzt im portugiesischen Spiel zunahmen, und dem tiefen 5-4-1 der Usbeken gut möglich. Insgesamt spielt Usbekistan diese Defensivformation sauber und diszipliniert. Vor allem die Herausrückbewegungen der Halbverteidiger auf Anspiele in den Zwischenlinienraum entfalten besondere Wirkung. Wie gut der usbekische Verteidigungsverbund aber ein massives Anspielen vom Flügel seitens der Portugiesen abwehren könnte, ist weit weniger klar.

Zusammenziehen des usbekischen 5-4-1 gegen den Zwischenlinienraum mit Herausrücken des Halbverteidigers
Häufig bleiben die Portugiesen nach Rückpässen auf ihrer starken Seite. Die zahlreichen Abkappbewegungen der Innenverteidigung erfolgen sehr bewusst. Das bedeutet, die Verteidiger lassen den Gegner kurz ins Zentrum schieben und bringen den Ball dann umgehend wieder auf die Ausgangsseite zurück. Auch Vitinha begibt sich aus der nominellen Doppel-Sechs sehr weit zur Ballseite und kann dort unterstützen. Dafür soll sein jeweiliger Nebenmann die Ankerposition vor der Kette halten, wobei einige Startelf-Kandidaten ebenfalls dazu neigen, viel und weit mit zum Ball zu laufen.

Typische ballseitig lockende Sechserstaffelung Portugals
Vitinha steuert mit seiner Präsenz und seinem vorausschauenden Verwalten maßgeblich die guten mannschaftlichen Entscheidungen, wann Portugal auf der Seite bleibt und wann nicht. Problematisch ist demgegenüber mitunter die saubere technische Durchführung dieser Entscheidungen, vor allem vonseiten der Verteidiger – auch wenn diese auf die Aktionen forciert sind. Die kleinen Inkonstanzen und auch Konzentrationsschwächen könnten eine Chance für Usbekistan sein. Gerade diese Momente gehören zu den eigenen Stärken – mit der Aktivität und Abwägung, auf Rückpässe nach vorne herauszurücken. Zumindest in der einen oder anderen Situation könnte das gute Herausrückverhalten der Usbeken den Favoriten überraschend auf dem falschen Fuß erwischen.
Entscheidungen am letzten Gruppenspieltag
Entscheidend für die Aussichten der beiden WM-Debütanten wird aber das direkte Duell am letzten Spieltag. Letztlich könnten gerade Absicherungsprobleme bei eigenem Ballbesitz den Ausschlag gegen Usbekistan geben. Bei eigenem Ballbesitz halten die Verteidiger den Anschluss im Vordecken nicht immer konstant genug und verlieren mitunter zu leicht die innere Linie in den direkten Duellen. Weil die zweite Welle des Gegenpressings an Problemen in der Entscheidungsfindung laboriert und zu oft Spieler im Nichts zwischen Nachschieben und Zurückfallen zögern, lässt Usbekistan letztlich zu viele lange Bälle in ungünstige defensive Zahlenverhältnisse in der Tiefe zu. Dies wären genau die Konstellationen, die die Offensive der DR Kongo mit seiner Mischung aus Tempo und Physis entscheidend bestrafen dürfte.
Solange das kongolesische Team bei den Versuchen des flachen Herausspielens gegen usbekisches Angriffspressing nicht zu sorglos positionell rotiert, dürfte es in der entscheidenden letzten Begegnung der Gruppe zunächst den Vorteil auf seiner Seite haben. Obendrein hatte Usbekistan bisher Probleme damit, das Spiel gegen Passivität der gegnerischen Defensive zu machen. Sobald die Usbeken vermehrt eigenen längeren Ballbesitz zum Angriffsdrittel verbuchten, begaben sich zu viele Spieler außerhalb der Defensivformation, nur damit schließlich trotzdem Zuspiele auf einen alleinigen Tiefenläufer gechippt wurden. Bei der verlorenen Turniergeneralprobe gegen Kanada versuchte Usbekistan die Aufbaustaffelungen gegen Druck vermehrt auszukombinieren, war darin aber nicht stabil genug, zumal angesichts des frühen Aufrückverhaltens vieler Spieler, das zugleich die Absicherung schwächte. Flache Ballverluste und Konter leiteten beide Gegentore und weitere Chancen ein.
Derweil hängt im abschließenden Match zwischen den beiden Favoriten vieles von der Wahl der Pressinghöhe und der Zuordnung ab. Das portugiesische Anlaufen basierte bisher auf einer Logik des „Minus Eins“ in der ersten Linie, also gegen zwei Innenverteidiger auf dem bogenförmigen Abschneiden seitens des alleinigen Stürmers. Sobald ein Gegner zu lange wartet, wird er auf die Seite gedrängt, zumal der ballferne Flügel der Portugiesen oben gut auf den Rückpass schließt. Aber die kolumbianischen Aufbauspieler kommen damit grundsätzlich gut zurecht. Die Innenverteidiger dribbeln schnell an, treffen dennoch geduldige Entscheidungen und die Außenverteidiger passen klug ihre Höhe je nach Fortgang der Situation an. Fraglich wird in diesem Fall, wie gut sich Cristiano Ronaldo gegen den nominell stärksten Gruppengegner im Anlaufen beteiligt.

Portugals Pressingablauf im Test gegen die USA
Zudem können sich in dieser Konstellation bei Kolumbien die beiden individuell stärksten Offensivkräfte gut einbringen. Vor allem James Rodríguez, aber auch Luis Díaz genießen frei Rollen, um sich einzubinden und Bälle abzuholen, oft auch in seitlichen Zonen mit Abstand zum unmittelbaren Druck des gegnerischen Blocks. James spielt diese Möglichkeiten insgesamt noch präsenter aus, Diaz stärker auf Tiefenläufe in unterschiedlichen Bereichen orientiert.
Eine portugiesische Umstellung auf komplette Manndeckung wäre dagegen für die Kolumbianer ein erheblicher Schlag. Vermutlich würden sie vermehrt in eine 4-2-Aufbaustruktur abrutschen, der aber die Rotationen abgehen und die die gegnerischen Manndecker sehr klar anlaufen können, ebenso wie etwaige einzelne Unterstützungsbewegungen beispielsweise von James. Umgekehrt kommt es aus kolumbianischer Sicht entscheidend darauf an, für welche Strategie und Pressinghöhe Nestor Lorenzo sich entscheidet. Da Kolumbien das hohe Anlaufen aus der Raute heraus bisher besser ausführte als die passive Variante im 4-4-2-Mittelfeldpressing mit James als zweiter Spitze, sollte das Team gegen den portugiesischen Favoriten nicht zu oft und zu lange in diese vermeintlich risikoärmere Ausrichtung gehen, die auf die gesamte Spieldauer dem Gegner nicht standhalten dürfte.

Probleme des kolumbianischen 4-4-2 gegen Frankreichs Mittelfeldspiel
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