Jahrhundertspiel im Prinzenpark – FN
Ein Spiel für die Geschichtsbücher oder Luis Enriques Worten „It was amazing. I think the best match I‘ve ever managed as a coach.” Und das wohlgemerkt nachdem seine Team vier Gegentore im eigenen Stadion kassierte. Beide Teams wählten eine ähnlich offensive Herangehensweise im Spiel mit sowie gegen den Ball. Wir blicken auf die Details, die letztlich den Unterschied machten.
Schon vor dem Spiel war die Manndeckung das dominierende Thema. Hierbei möchte ich vor allem auf die hervorragende preview von MX hinweisen. Diese legte einen speziellen Fokus auf die Herangehensweise beider Teams gegen die Manndeckung auf Basis des Hinspiels und thematisiert auch das Phänomen der Manndeckung im aktuellen Weltfußball.
Pariser Manndeckung
PSG agierte wenig überraschend in einer extrem aggressiven dauerhaften Manndeckung. Wie bereits von MX in der preview thematisiert, liegt der grundsätzliche Fokus der Pariser darauf den Ball in das sehr eng manngedeckte Zentrum zu lenken. Die Auslösung erfolgte deshalb über Bogenläufe der Außenstürmer mit dem Hintergrund die Passwege in die Breite auf die Münchner Außenverteidiger zu isolieren. Auch wenn die Grundidee die gleiche blieb, gestaltete sich die Auslösung diesmal etwas anders als im Gruppenspiel. So agierte Dembele diesmal in einer engen Manndeckung gegen Pavlovic im Zentrum und stellte nicht einen der Innenverteidiger von vornherein zu. Die Auslösung erfolgte so seitenunabhängig vom ballnahen Außenstürmer im Bogen auf den ballführenden Münchner Innenverteidiger.
Ein weiterer Vorteil des Auslösens aus der Breite war, dass man über die initial lose Manndeckung von Zaire-Emery die diagonalen Passwege von Upamecano in den rechten Halbraum auf mögliches Abkippen von Kane oder Einschieben von Olise isolierte. Bayern sollte so zum flachen Anspiel auf die eng von Dembele und Vitinha markierten Sechser gelenkt beziehungsweise zum langen Ball gezwungen werden. Lediglich bei Stanisics Läufen in eine höhere Position oder Überspielen von Kvaratskhelia nahm Zaire-Emery die enge Manndeckung auf.
Die Sauberkeit, aber auch gleichzeitig Intensität dieser Bogenläufe von Kvaratskhelia und Doue ist hier noch einmal besonders hervorzuheben. Lediglich in der ersten Minute gelang es Upamecano das Anlaufen von Kvaratskhelia auf den in der Breite entgegenkommenden Stanisic zu überspielen. In dieser Situation deutete sich auch gleich an welche Dynamik sich aus diesen Situationen entwickeln konnte, was die Wichtigkeit der Bogenläufe von Kvaratskhelia und Doue noch einmal unterstreicht. Über den Zeitvorteil gegenüber dem diagonalen Pressingwinkel von Zaire-Emery gelang es Stanisic sich in einer leicht eingerückten flachen Positionierung sauber aufzudrehen und den Pass in die Breite auf den entgegenkommenden Olise zu suchen. Dieser wurde eng von Mendes verfolgt, weshalb Olise gerade bei vertikalen Anspielen Probleme hatte ins nach vorne gerichtete Dribbling zu kommen. Über eine direkte Ablage in den Halbraum auf den abkippenden Kane wäre ein direktes Bespielen der Tiefe hinter Mendes und Pacho – der eng mit Kane mitverteidigte – auf den überlaufenden Stansic oder den diagonal einlaufenden Musiala möglich gewesen. Olise verzögerte allerdrings gegen Mendes und entschied sich für das ballsichernde horizontale Dribbling, da durch das Überlaufen von Stanisic kein frontaler Gegnerdruck bestand. Diese Entscheidung spiegelte ganz gut den Fokus der Bayern auf Ballsicherung in der Frühphase der Partie wider.
Auf der linken Seite war es zumeist Hakimi, der das Nachschieben auf Davies übernahm. Dadurch, dass der Bogenlauf von Doue so sauber ausgeführt war, konnte Hakimi meist in seiner auf dem Sprung in einer tieferen Positionierung verbleiben, wodurch auch Marquinhos etwas loser in der Manndeckung gegen Diaz agieren konnte. Der Marokkaner intensivierte den Mannbezug vor allem nach Rückpässen der bayerischen Innenverteidiger auf Neuer, um der Gefahr von Chipbällen auf Davies entgegenzuwirken.
Interessant ist auch die personelle Zuteilung PSGs im Angriffspressing. So agierten die umschaltstarken Offensivspieler Kvaratskhelia, Doue und Dembele möglichst zentral gegen die tiefsten Aufbauspieler der Bayern. Durch die kurze Distanz zum Tor legte man eine sehr gute Grundlage im Restangriff und konnte gerade in der zweiten Halbzeit den ein oder anderen Konter fahren.
Ballsicherung und lange Bälle
Aufgrund des intensiven Anlaufens von Doue und Kvaratskhelia suchten Tah und Upamecano immer wieder den drucklösenden den Rückpass auf Neuer. Dadurch, dass die Außenstürmer PSGs jedoch von außen nach innen pressten, musste der auf den ballführenden Innenverteidiger anlaufende Außenstürmer seine Pressingrichtung nicht anpassen. So konnte das gesamte Momentum des Laufs aufrechterhalten werden und Neuer stand sofort unter direktem Gegnerdruck. So konnte das Sohlenspiel des bayerischen Torhüters vermieden werden.
Neuer wählte in diesen Momenten fast ausschließlich den langen Ball. Diese langen Bälle brachten – wenn präzise ausgeführt – einige Vorteile mit sich und gerade in der Anfangsphase zeigte Bayern eine sehr gute Struktur für den zweiten Ball, was dazu führte, dass man durchaus gut in die Partie kam. Zielspieler dieser langen Bälle in den ersten Minuten war vor allem Stanisic, der zu Beginn viel in der Breite agierte. Der Kroate hatte sowohl gegen Mendes als auch gegen Zaire-Emery Vorteile in der Luft, wodurch die Pariser den Ball nicht klar klären oder sichern konnte. Die Stärke in der Luft könnte auch einer der Punkte gewesen sein, warum Stanisic den Vorzug gegenüber Laimer erhielt.
Kane positionierte sich durch seine tiefe Halbraumpositionierung von vornherein immer wieder sehr gut auf den zweiten Ball. Pacho ging diese Bewegung initial mit, fiel jedoch nach dem langen Ball in die Kette und unterstützte Mendes/Zaire-Emery im Kopfballduell. Diese Tendenz in Richtung Tiefensicherung bei Innenverteidigern nach langen Bällen in die Breite ist generell ein spannendes Phänomen in der Manndeckung und ein Grund, warum beispielweise Bayern lange Bälle tendenziell in die Breite sucht, anstatt zentral auf Kane. Auf dem abgekippten Stürmer/Zehner zu bleiben widerspricht in dieser Situation dem natürlichen Instinkt des Verteidigers bei langem Ball die Tiefe zu sichern.
Im Sichern des zweiten Balls ist die Konsequenz der Bayern im Nachschieben positiv zu erwähnen. Gerade Upamecano und Pavlovic gewannen häufig ihre Duelle in der Vorwärtsbewegung und konnten anschließend über Verbindungsspieler Kane den Ball sichern. Bayern kam so zu mehreren Einwürfen in den ersten Minuten, wodurch man den Ball sichern konnte und an Stabilität gewann.
Trotz der positiven Anfangsphase ist bei der Spielstärke der Bayern die Häufigkeit der langen Bälle zu hinterfragen. So verzichtete Neuer nahezu komplett auf das Spiel über einen diagonal im Zentrum entgegenkommenden Spieler, um in den initialen Deckungsschatten des Pariser Anläufers auf einen der Innenverteidiger abzulegen. Während Pavlovic eng von Dembele markiert wurde, fasste Vitinha seine Manndeckung gegen Kimmich etwas weitläufiger beziehungsweise war gegen die guten Auftaktbewegungen von Kimmich meist nicht antrittsstark genug, um weiter eng am Mann zu verteidigen. Dieses Problem der Reaktivität ist generell eines der Grundprobleme der Manndeckung. Trotz gutem Timing von Kimmich und aktivem Anbieten blieb der Pass von Neuer aus. Dies gilt es kritisch zu hinterfragen. So hätte Bayern dieses Verzögern des Pariser Zugriff durch die Ablagenspiele in der Hektik, die das Spiel im weiteren Verlauf der Partie noch annehmen sollte, sicherlich gutgetan. Gerade da Neuers lange Bälle an diesem Abend an Präzision zu wünschen übrig ließen schmerzte dies umso mehr. Neuer machte generell im Ballspiel einen etwas unsicheren Eindruck, wodurch es so wirken konnte als würde er sich nicht trauen Kimmich anzuspielen. Die Frage ob taktisches Mittel oder fehlender Mut ist deshalb nicht klar zu beantworten.
Pariser Timingproblem
Aus der Ballsicherung nach den zweiten Bällen der Bayern war PSG gezwungen immer wieder neu in den Mannbezug zu kommen und auszulösen. Dies gab Bayern die Möglichkeit mit etwas weniger direktem Gegnerdruck gegen das Pressingmomentum zu agieren. Gerade im Rückpassspiel auf der rechten Münchner Seite öffneten sich für Upamecano und Stanisic direkte Passwege auf die linke Seite. PSG ließ in diesen Momenten des Rausschiebens durch die den Mannbezug als ersten Referenzpunkt etwas an Timing vermissen. Gerade Doue agierte dadurch manchmal schon etwas zu früh auf Tah schiebend, während Kvaratskhelia gerade erst den Bogenlauf auf Upamecano ausführte. Dadurch, dass Hakimi auf der linken Münchner Seite vertikal von vorne auf Davies auslöste und nicht wie Zaire-Emery aus dem Zentrum diagonal ausschob fehlte es an Isolierung im Halbraum. Upamecano konnte dadurch Davies durch das Zentrum anspielen.
Dieser konnte sich durch die initial tiefere Positionierung von Hakimi aufdrehen und gegen dessen Pressingmomentum ins Zentrum eindribbeln. Diese horizontalen Dribblings von der linken Seite waren generell ein recht effektives Mittel, um Olise gegen den als Folge des Dribblings etwas eingerückten Mendes ins Aufdrehen zu bekommen und dessen Dribblingstärke im isolierten 1gg1 bestmöglich zu nutzen. Hervorzuheben ist in diesen Dribblings vor allem Olises Variabilität in der Dribblingrichtung. So suchte der Franzose gleichermaßen den Weg nach innen sowie zur Grundlinie. Mendes hatte an diesem Abend sichtliche Probleme die isolierten Duelle für sich zu entscheiden.
Dieses Timingproblem im Suchen der Manndeckung fiel gerade auch nach durch Bayern abgelaufene lange Bälle PSGs mehrmals auf. Man wollte so schnell wie möglich in die Manndeckung zurückkehren. Doch gerade durch diese Intensität ist es schwer in diesen Momenten Übergabefehler bei unklaren Zuteilungen – besonders nach langen Bällen – zu vermeiden, was zu mehreren Gegenkontern führte.
Münchner Manndeckung
Bayern agierte im Gegensatz zu Paris etwas zurückhaltender im Auslösen innerhalb der Manndeckung. Auch die Auslösung gestaltete sich grundlegend anders. Gegensätzlich zu PSG versuchte man den Ball in die Breite zu treiben und dort über die Außenstürmer gegen die Pariser Außenverteidiger in den Zugriff zu kommen. Das Zentrum sollte vielmehr über die Pressingwinkel der Anläufer isoliert werden, anstatt dort über die enge Manndeckung für Ballgewinne zu sorgen.
Die Auslösung erfolgte zumeist über Musiala. Dieser lief in einem vertikalen Pressingwinkel aus dem Zentrum heraus den Ballführenden Marquinhos an. Ein großer Fokus im Auslöseprozess lag auf dem Isolieren des direkten Passweges auf Neves. Dies war gut an den mehrfachen Schulterblicken Musialas zu erkennen. Dieser checkte regelmäßig ob und wie weit Pavlovic bereits auf Neves durchgeschoben war. Dies unterstreicht nochmal den Fokus den die Bayern auf Timing und dem Schließen des vertikalen, sowie diagonalen Zugang ins Zentrum legten. Im Zweifelsfall akzeptierte man eine temporär etwas passivere Positionierung von Musiala gegenüber der puren Intensität.
Dadurch, dass Kane den direkten Querpassweg zu Pacho isolierte und Safonov nicht versuchte sich aktiv per Torwartekette im Aufbau zu beteiligen wählte Marquinhos mehrfach den Pass in die Breite auf Hakimi. Dieser wurde allerdings stets eng von Diaz markiert, wodurch Hakimi kaum ins Aufdrehen kam. Dank der vertikalen Isolation durch Musiala konnte Pavlovic seine Manndeckung gegen Neves etwas loser fassen, wodurch dieser eine halbräumige Positionierung im Raum einnahm. Dadurch gelang es Ablagen sowie Dribblings in den Halbraum zu unterbinden. Gerade über diese diagonalen Bewegungen gelang es PSG in der Vergangenheit häufig eine direkte Verbindung auf den abkippenden Dembele herzustellen beziehungsweise in Spiel und Geh Muster mit dem entgegenkommenden Doue zu suchen.
Auffällig war auch, dass Musiala nach Anspiel auf Hakimi seine Manndeckung auf Marquinhos löste und sich etwas tiefer in den Zugriffsbereich rund um Neves orientierte. Dadurch unterband man zwar, dass PSG sich horizontal über Neves aus dem Zugriff auf die ballferne Seite lösen konnte, verpasste es allerdings auch die Rückpasswege zu isolieren. Hakimi konnte so den Druck über den Rückpass auf Marquinhos lösen. Aus PSG-Sicht hätte etwas höhere Positionierung von Hakimi hier durchaus Sinn ergeben. Dies hätte die Wege für Musiala im Rückwärtspressing deutlich vergrößert, wodurch dieser keinen Einfluss im Zugriffsbereich um Neves hätte. Dadurch hätte Pavlovic seine Mandeckung deutlich enger fassen müssen, was eine Verlust der Isolation der Diagonalität zur Folge gehabt hätte. Gerade im Dribbling, sowie im Spiel und Geh mit Neves hätten sich so durchaus potentielle Dynamiken bilden können. Teilweise deuteten sich diese Kombinationsansätze auch an, wurden jedoch durch eine sehr gute Antizipation von Pavlovic unterbunden.
Nach dem Rückleiten auf Marquinhos versuchte dieser zumeist die Verlagerung durch die Kette über Safonov zu suchen. Dieser wurde allerdings schon bei Abspiel von Marquinhos durch einen Bogenlauf von Kane aus seiner zentralen Positionierung heraus angelaufen. Trotz der fehlenden Isolation der Rückpasswege tat sich PSG in der Anfangsphase schwer den Ball in der Kette zu zirkulieren und wirkte mehrmals bei langen unkontrollierten Schlägen durch Marquinhos oder Safonov etwas hektisch wodurch PSG etwas die Stabilität aus dem eigenen Aufbau heraus fehlte.
Bayern geht in Führung
Im gesamten gestaltete sich die Anfangsviertelstunde recht ausgeglichen mit leichtem Übergewicht pro Bayern. Gerade gegen den Ball präsentierten sich beide Teams sehr gut aufeinander eingestellt und setzten den eigenen Plan im Auslösen der Manndeckung sehr sauber um. Dies führte dazu, dass Torchancen zunächst Mangelware waren. Man mag es kaum glauben, aber der Elemeter durch Kane zum 1:0 in der 17. Minute war der erste Torschuss der Partie.
Videoclip zur Entstehung des 1:0
Offensiv gefährliche Situationen resultierten bislang hauptsächlich aus Gegenkontern. Ein Grund für diese mehrfachen Gegenkonter war das gute Rückwärtspressing der Offensivreihen beider Mannschaften. So konnten diese im Restangriff immer wieder als Verbindungsspieler agieren und in dynamische Momente kommen. Dies geschah auch vor dem Führungstreffer der Bayern. Nach einem unpräzisen langen Ball von Neuer gelang es Paris über Zaire-Emery, der durch die Dynamik des Gegenstoßes nicht wie sonst im Angriffspressing von Stanisic markiert werden konnte, auf die rechte Seite in den Rücken des zuvor tief gegangenen Diaz zu verlagern und Doue ins Dribbling zu schicken. Dieser war mehrfach Initiator der Konter und Gegenstöße. Über seinen niedrigen Körperschwerpunkt sowie die diagonale Dribblingrichtung band Doue neben Davies teilweise auch die im Zentrum rückwärtsverteidigenden Kimmich und Pavlovic. Dembele nahm in diesen Momenten häufig die Rolle des Verbindungsspielers im Zentrum ein. Über sein hervorragendes Scanningverhalten ließ dieser bei durch das Dribbling von Doue geschaffener Überzahl im Zentrum mehrfach den Ball durch, wodurch Räume für Kvaratskhelia im offenen Raum in die Box einlaufend eingesetzt werden konnte.
Auf Bayern Seite ist in diesen Situationen vor allem Luis Diaz hervorzuheben. Der Kolumbianer setzte sich teilweise nach tiefen Ballgewinnen gegen mehrere Gegenspieler im Dribbling durch und initiierte die Gegenkonter durch seine unwiderstehliche Dynamik. So auch vor dem 1:0 als sich Diaz an der eigenen Box anzieht, drei Gegenspieler abschüttelt und gegen die rückwärts die Tiefe verteidigenden Pariser auf Olise ablegt. Durch die verzögert im durch den Lauf von Diaz freigezogenen Zentrum nachschiebenden Kane und Kimmich wird Marquinhos gezwungen aus der Kette herauszuverteidigen. Über die Ablage des tiefgehenden Olise findet man letztlich Diaz im Rücken von Marquinhos, wo der Kolumbianer von Pacho gefoult wird.
Freiziehende Sechser
Bayern wirkte in den Minuten nach dem 1:0 sehr gut in der Partie. Gerade die Manndeckung griff in dieser Phase der Partie sehr gut und führte dazu, dass man etwas Momentum aufbauen konnte. So auch vor der Großchance von Olise, als Musiala durch gutes Rückwärtspressing in den Halbraum in einer Mehrkampfsituation mit Diaz gegen den sich ins Zentrum aufdrehenden Doue den Ball gewinnt.
In dieser Phase der Stabilität aus einer guten Ballsicherung heraus kam man auch in Phasen des höheren Ballbesitzes. Hier bediente man sich ähnlich wie im Gruppenspiel im Herbst dem Mittel des diagonalen Freiziehens der Sechser. So kippte Pavlovic bei Rückpass rechts aus der Breite links in den Dreieraufbau und band dadurch Dembele. Gleichzeitig kam Kimmich – eng von Vitinha markiert – im rechten Halbraum entgegen. Dadurch, dass PSG weiterhin von außen auslöste und versuchte den Weg zurück in die Manndeckung zu finden, hatte Upamecano gegen den Bogenlauf von Kvaratskhelia einen temporär offenen linken Fuß. So konnte Upamecano mit seinem schwachen Fuß diagonal das geöffnete Zentrum auf den entgegenkommenden Olise – in dieser Szene zuvor mit Kane rotiert – bespielen. Durch die Diagonalität des Passes und den lediglich von hinten kommenden Gegnerdruck hatte Olise ein sehr breites Sichtfeld und konnte über eine nach vorne gerichtete Ablage Musiala ins Dribbling einsetzen, welcher Diaz für eine vielversprechende Flanke bediente.
Gerade im letzten Drittel erwiesen sich diese freiziehenden Bewegungen von Pavlovic und Kimmich als sehr effektiv. Jedoch nutze man diese Mobilität aufgrund der generellen Dynamik des Spiels und der durch das saubere Auslösen PSGs selten freien Füße der Innenverteidiger, sowie der im tiefen Aufbau etwas geringeren Bereitschaft ins Zentrum zu spielen doch recht selten.
Paris wird stärker und dreht das Spiel
Ziemlich genau mit der Großchance von Dembele nach einem Abstimmungsfehler zwischen Pavlovic und Stanisic kam PSG nach rund 22 Minuten besser in die Partie. Ein nicht unwesentlicher Faktor hierfür war das Auskippen von Vitinha im höheren Ballbesitz. Der Portugiese kippte zentral unmittelbar vor den Pressingwall. Durch das Sohlenspiel Vitinhas taten sich die Bayern in dieser gezwungenermaßen etwas tieferen Ordnung schwer aus dem 5-2-3 – Diaz fällt gegen Hakimi in die letzte Kette – heraus auszulösen. Vitinha hielt sich so Kane immer weiter auf gleichem Abstand und ließ sich aufgrund des vertikalen Drucks über das Sohlenspiel Passoptionen in alle Richtungen offen, um sich so spät, wie möglich abhängig von Kanes Bewegungen entschieden zu müssen.
In diesem 5-2-3 agierten die Münchner Sechser weiterhin mannorientiert gegen die Pariser Achter Neves und Zaire-Emery. Die erste Pressinglinie bestehend aus Musiala, Kane und Olise blieb auch im Mittelfeldpressing weiterhin zentrumsfokussiert und lösten nach Abspie von Vitnha diagonal, den ballnahen Achter isolierend auf die Halbverteidiger Mendes und Marquinhos aus. Vitinha füllte nach Abspiel auf einen der Halbverteidiger erneut im Zentrum auf. Dieser Lauf wurde durch den erneut gut rückwärtspressenden Musiala aufgenommen. Dadurch unterband man zwar erneut den diagonalen Zugang ins Zentrum über Hakimi, jedoch blieb der Rückpassweg wieder nicht isoliert. Während dies im Angriffspressing kaum direkte Gefahr darstellte, führte es im höheren Aufbau PSGs zu Problemen. So gewann Marquinhos an Zeit und Stabilität in der Zirkulation und konnte durch die Kette verlagern.
Auffällig war außerdem die tiefe Positionierung der ersten Aufbaulinie PSGs aufgrund des initialen Ausbrechens von Vitinha. Dadurch war es für Marquinhos möglich direkt auf den ballfernen Halbverteidiger Mendes zu verlagern. Zusätzlich wurden der Pressingweg für Olise enorm weit, was dazu führte, dass Mendes mehrere Kontakte nehmen konnte. Durch den diagonalen Pressingwinkel gaben sich im Dreieraufbau PSGs auch mehrfach Möglichkeiten im Vertikalspiel. Gerade Doue – rotiert mit Dembele – zeigte hier sehr gute dynamische Auftaktbewegungen, die ihm einen nicht unwesentlichen Zeitvorteil gegen Upamecano verschafften. Doue konnte sich dadurch nach außen aufdrehen und einen freien Fuß bekommen. Diese Doppelbewegungen sind generell eines der Merkmale im Kombinationsspiel der Pariser Angreifer. Eine ähnliche Bewegung zeigte im Anschluss auch Kvaratskhelia, der die Tiefe hinter dem mit Doue herausgestochenen Upamecano und Stanisic attackierte und so das 1:1 erzielte.
Über die generelle Wildheit des Spiels durch die auch in dieser Phase des Spiels immer wieder aufeinanderfolgenden Konter und Gegenkonter wurde PSG etwas stabiler. Zeitgleich fand man im tiefen Aufbau immer bessere Lösungen gegen das zentrumsfokussierte diagonale Auslösen der Bayern und gewann über die besser werdende tiefe Zirkulation an Momentum. Ein Faktor im Zuge dieser zunehmenden Stabilität war die zunehmende Instabilität der Bayern nach langen Bällen.
Im tiefen Aufbau vermied Marquinhos bei vertikalem Anlaufen nun häufiger das Spiel in die Breite auf Hakimi und wählte anstelle dessen häufiger den Querpass auf Pacho. Dieser wurde in einem ebenfalls vertikalen Pressingwinkel von Kane Vitinha isolierend angelaufen. Pacho wählte in der Folge zumeist den Pass in die Breite auf Mendes. Anders als Hakimi auf der anderen Seite agierte Mendes jedoch deutlich flacher und etwas eingerückter. Dadurch verspürte der Portugiese keinen unmittelbaren Gegnerdruck und konnte sich gegen den diagonal das Zentrum isolierenden Olise aufdrehen. Durch den Zeitvorteil sowie die leicht eingerückte Positionierung fand Mendes in dieser Phase unterschiedliche Lösungen gegen Olises Anlaufen:
- Mendes nutze den Bewegungsvorteil sowie seine athletischen Fähigkeiten im Antritt, um per Dribbling außen an Olise vorbeizugehen. Stanisic löste daraufhin seine Manndeckung gegen Zaire-Emery auf, um den Dribblingwinkel von Mendes zu verkleinern. PSG gelang es dadurch allerdings über Zaire-Emery ballfern auf Doue und Hakimi zu verlagern, welche durch die offenen Räume Dynamik entwickelten.
- Durch die engere Positionierung war es möglich Kvaratskhelia entgegenkommend in der Breite anzuspielen. Dieser suchte, gerade wenn durch Stanisic markiert, gerne durch seine trickreiche Spielweise das isolierte 1gg1.
- Mendes bot nach Pass auf Kvaratskhelia auch Möglichkeiten im Spiel und Geh durch halbräumiges Nachschieben. So gelang es den unmittelbaren vertikalen Gegnerdruck Kvaratskhelias durch Upamecano per Ablage in den Halbraum aufzulösen. Mendes verpasste es allerdings anschließend das Spiel zu drehen und verlor den Ball.
- Doue überlädt die linke Seite und kippt als Verbindungsspieler in die Breite, um dort von Mendes gefunden zu werden. Geleichzeitig band Dembele weiter Tah zentral wodurch Bayern Probleme hatte die stattfindende Rotation zwischen Dembele und Doue aufzunehmen, wodurch Stanisic sich in einem 1gg2 gegen Doue und Zaire-Emery befand. Doue dribbelte an und konnte dadurch Kvaratskhelia in einer offenen Haltung in der Breite anspielen, wodurch der Georgier eng verfolgt von Upamecano ins Zentrum eindribbelte und das Spiel schließlich auf Marquinhos verlagerte.
Schlussphase der ersten Halbzeit
Paris ging schließlich nach einer Ecke durch Neves unmittelbar in die stärkste eigene Phase der ersten Halbzeit in der 33. Minute in Führung. Anschließend war das Spiel weiterhin von den ständigen Kontern und Gegenkontern geprägt. Beide Teams suchten häufig die eigenen Außenstürmer, welche durch ihr herausragenden Qualitäten im Dribbling sehr direkt agierten und kaum noch auf Ballsicherung aus waren. Dieser Gesamtfokus der Partie auf Dribblings führte auch zu vielen Ballverlusten, was die Hektik nur noch weiter befeuerte, aber auch zu einer Reihe an vielversprechenden Aktionen führte. Herausragende Klärungsaktionen der bayerischen Innenverteidiger sowie unpräzise Zuspiele der Münchner im letzten Drittel verhinderten ein weiteres Tor in dieser Phase.
Gegen Ende der ersten Halbzeit erlangte Bayern über das Auskippen von Pavlovic in einer längeren Ballbesitzphase etwas an Momentum. Die Pariser taten sich schwer gegen den diesmal schon früher hergestellten Dreieraufbau weiterhin effektiv auf Tah im Bogen auszulösen. Dembele verfolgte Pavlovic weiterhin eng. Jedoch hätte in diesem Moment eine Übergabe zwischen Dembele und Doue durchaus Sinn ergeben. So hätte Doue Pavlovic aufnehmen können und Dembele als ballnähster Spieler den Bogenlauf auf Tah auslösen könne. So fehlte es in diesen Momenten etwas an Klarheit und Tah gewann an Zeit am Ball. Durch das Entgegenkommen im linken Halbraum zog Kimmich erneut bewusst das Zentrum frei und öffnete den diagonalen Passweg von Tah auf den entgegenkommenden Musiala. Diesem gelang es sich im Dribbling um Zaire-Emery herum aufzudrehen, wodurch Hakimi unterstützte und Bayern den Ball im höheren Aufbau sichern konnte.
Durch die mehrfache diagonale Verlagerung auf die Außenstürmer und dessen Dribblinganstäze ließen sich die rückwärtspressende offensive Dreierreihe PSGs fallen und man kam trotz immer wieder versuchtem Rausschieben nur noch schwer in die Auslösung. Bayern gelang es durch diese Zirkulation nach und nach sich PSG zurechtzulegen und fand erneut durch die freigezogenen Bewegungen von Pavlovic und Kimmich Olise diagonal im Zentrum, der sich aufdrehte und aus gut 14 Metern zum 2:2 traf. Vor der Pause ging Paris schließlich noch durch den umstrittenen Handelfmeter durch Dembele in Führung.
Zweite Halbzeit
Die zweite Halbzeit knüpfte zu Beginn nahtlos an die Hektik der Schlussphase der ersten Halbzeit an. Mit fortlaufender Spieldauer und den durch die extrem hohe Intensität zunehmend schwindenden Kräften auf beiden Seiten stabilisierten sich beide Teams etwas in der Ballzirkulation und es entwickelten sich auch zunehmend längere Ballbesitzphasen. Dennoch blieben die bereits viel thematisierten Gegenstöße auf beiden Seiten ein großes Thema. Gerade nach langen Bällen des Gegners versuchte man weiterhin schnell umzuschalten. Speziell die Stürmer Kane und Dembele wurden in dieser Phase vermehrt als Verbindungsspieler im Zentrum gesucht, um von dort aus die dribblingstarken Außenstürmer einzusetzen.
Die sich stabilisierenden Ballbesitzphasen PSGs begründeten sich hauptsächlich durch eine etwas größere Ruhe in der Kette. So tat sich die bayerischen Stürmer schwer bei Auslösen eines Stürmers die Intensität hochzuhalten und den Querpassweg von Marquinhos auf Pacho zu isolieren. Eben jene Querpässe suchten die Innenverteidiger PSGs zunehmend. Kane/Musiala waren dadurch gezwungen horizontal zu verschieben, was sich auf den Pressingwinkel des nun auslösenden Stürmers negativ auswirkte. Kane/Musiala aigerten dadurch in einem leicht diagonalen Pressingwinkel aus dem Zentrum heraus, wodurch die vertikalen Passwege der Innenverteidiger ins Zentrum nicht mehr zuverlässig isoliert wurden. Über den offenen Außenfuß suchten Pacho/Marquinhos die vertikale Anbindung auf die immer häufiger in den Halbraum einschiebenden Außenstürmer.
Nachdem Doue diese Räume in der ersten Halbzeit schon hin und wieder suchte, jedoch durch die vertikale Isolation von Musiala kaum gefunden wurde, suchte nun auch Kvaratskhelia vermehrt den Weg in den Halbraum. Interessant zu beobachten war hierbei auch die etwas veränderte Rolle von Mendes. Dieser agierte nun deutlich häufiger hochgeschoben in der Breite und bot sich für Ablagen von Kvaratskhelia an. Zaire-Emery oder Vitinha kippten dagegen teilweise nach links aus. Diese Rotation bediente neben der den Halbraum freiziehenden Funktion eine der klassischen Fragen der Manndeckung – mitgehen oder übergeben? -, welche Olise und Stanisic jedoch zuverlässig durch saubere Übergaben lösten. Hervorzuheben ist auch das Zweikampfverhalten von Upamecano und Laimer gegen Kvaratskhelia und Doue. Die Münchner Verteidiger verfolgten die entgegenkommenden Bewegungen stets eng und zeigten eine gute Aggressivität im nach vorne Verteidigen. Teilweise gelangen sogar Balleroberungen, die ein direktes Umschalten ermöglichten. Kvaratskhelia und Doue taten sich so schwer ins Aufdrehen zu kommen, wodurch man meist die Ballsicherung auf Torhüter Safonov über Ansätze im Rückwärtsdribbling in den durch die tiefe Positionierung der Achter geöffneten Raum suchen musste. Safonov zeigte generell nach Rückpässen keine gute Figur und wählte zu häufig ohne direkten Gegnerdruck überhastet den langen Ball. PSG tat sich so schwer aus den eigentlich guten Ansätzen und sinnvollen Änderungen Dynamik aus der tiefen Aufbauphase heraus zu entwickeln.
Auch Bayern stabilisierte sich maßgeblich in der Zirkulation. Gerade im Vorfeld des Pariser Doppelschlags zum 4:2 und 5:2 in der 56. Und 58. Minute gelang es über diese Stabilität etwas an Momentum aufzubauen. Entscheidend hierfür war die Rolle des in der Halbzeit für Davies eingewechselten Laimer. Dieser agierte für die übliche Rolle der Münchner Außenverteidiger im Aufbau ungewöhnlich flach. Der Hintergrund hinter dieser Änderung war es die Zuordnungen der Manndeckung PSGs aufzubrechen. Ein Vorteil der flachen Positionierung war es den Pressingweg für Hakimi möglichst zu verlängern und über die Zeitvorteile Laimers etwas ruhiger in der Kette zu agieren. Mit der Zeit verzichtete Hakimi gar komplett auf das Springen aus der Kette und ließ sich immer öfter durch Diaz in der Breite binden, wodurch PSG zunehmend der Druck in der ersten Kette fehlte. Doue versuchte dies noch durch ein breiteres Auslösen auszugleichen, tat sich dadurch jedoch aus dem langen Weg aus der Breite schwer effektiv Druck auf Tah auszuüben.
Ein essenzieller Faktor im Münchner Aufbau im zweiten Durchgang war auch die erhöhte Mobilität der Sechser Pavlovic und Kimmich. So kippte regelmäßig einer der Sechser zentral zwischen die beiden Innenverteidiger in die erste Aufbaulinie und erzeugte eine temporär flache Viererkette, in der Upamecano breit in fast schon eine Art Rechtsverteidigerrolle schob und Kvaratskhelia band. Stanisic war folglich zunehemend weniger in den Aufbau involviert und agierte in einer höheren Rolle zwischen Halbraum und Breite pendelnd.
Entscheidend im Abkippen war vor allem das Timing der Münchner Sechser. Gerade Pavlovic bewegte sich mehrmals klug aus dem Deckungsschatten seines Gegenspielers und bot über die flache Viererkette gegen die drei Anläufer PSGs eine drucklösende Option. Zusätzlich hatte das Abkippen wie bereits thematisiert eine freiziehende Funktion, um direkt diagonal im Zentrum auffüllende Angreifer zu suchen. Durch die erhöhte Ballsicherheit in der ersten Linie gelang dies nun auch deutlich regelmäßiger als noch im ersten Durchgang. So setzte Kimmich bei Ballbesitz von Pavlovic oder Tah immer wieder zu ballnahen Bewegungen an, um den diagonalen Passweg ins Zentrum auf Olise, Kane oder Musiala zu suchen. PSG präsentierte sich in diesen Momenten mehrfach unsortiert im Rausschieben, während man die Überzahl des bayerischen Aufbaus auffangen wollte. Paris fehlte es in diesen Momenten an Balance im Auslösen des Pressings, häufig wirkte die Auslösung zu sehr improvisiert, was die Reaktivität der Manndeckung verstärkte. Diese Improvisation führte zu einigen unsauberen Übergaben, wodurch Olise und Musiala sich im Zwischenlinienraum aufdrehen und auf Diaz ins isolierte 1gg1 verlagern konnten. Dieser zeigte isoliert in der Breite immer wieder starke Dribblings und Flanken. Der Pass in die Breite auf Diaz war für Linksverteidiger Laimer gleichzeitig das Signal aus seiner flachen Positionierung auszubrechen und Diaz mit Tiefenläufen zu unterstützen.
Umso bitterer war es, dass man sich genau in diese Phase durch eine Unaufmerksamkeit in der Kommunikation von Diaz und Laimer bei einer Gegenbewegung von Hakimi und Doue nach einer Flanke von Hakimi das 4:2 durch Kvaratskhelia und anschließend über einen konsequent zu Ende gespielten Konter das 5:2 durch Dembele fing. Nach diesem Doppelschlag intensivierten die Bayern ihre Offensivbemühungen weiter. Gerade über die hohe Mobilität der Sechser verlor PSG auch zunehmend den Zugriff in den Manndeckungen im Zentrum, wodurch man immer mehr Spielrhythmus aufbaute. Diese Entwicklung wurde zusätzlich durch den Spielstand, sowie die aufgrund der zunehmenden Dauer abnehmende Intensität PSGs verstärkt. Bayern kam so schließlich durch Upamecano nach einem Standard aus dem Halbfeld in der 65. Minute sowie durch Diaz in der 68. Minute zu den Anschlusstreffern zum 5:4 Endstand, als Kane erneut nach freiziehenden Bewegungen der Sechser im Zentrum auffüllte, aufdrehte und den Kolumbianer mit einem Ball hinter die Kette fand.
Einordnung
Nicht nur aufgrund des torreichen Spielstands lieferten uns PSG und Bayern an diesem Abend ein denkwürdiges Spiel. So war es die strategische Ausrichtung beider Teams, die dieses Spiel besonders machte. Diese ähnliche Herangehensweise offensiv ausgerichtet zu bleiben, Risiken einzugehen und sich auf einen offenen Schlagabtausch einzulassen führte zu diesem Ritt auf der Rasierklinge. Auf X, sowie bei diversen TV-Experten verbreitete sich anschließend schnell das Narrativ des schlechten Verteidigens, was der grundsätzlichen Euphorie über das Spiel entgegenschlug. Diese Logik, dass man einfach nur besser verteidigen oder defensiver denken müsse vernachlässigt allerdings, dass jede dieser strategischen Änderungen der Herangehensweise auch einen trade off auf der anderen Seite mit sich bringt.
Gemäß diesem Prinzip kristallisierte sich in den letzten Jahren trotz der offensichtlichen Risiken und Schwächen die Manndeckung gegenüber der immer schwerer aufrechtzuerhaltenden Raumkontrolle als dominante Strategie gegen den Ball heraus. Die offensiven Potentiale die diese extreme Form der Manndeckung überwiegen in diesem Fall die defensiven Risiken des 1gg1 Verteidigen in letzter Linie. Manndeckung dient dabei weniger als Stilmittel, sondern vielmehr als Versuch Komplexität zu reduzieren und dauerhaften Zugriff herzustellen, um für dauerhafte 1gg1 Duelle über das gesamte Feld zu sorgen. Genau deshalb mag es trotz herausragender Leistungen der Verteidiger aufgrund der großen Räume, die diese verteidigen mussten so scheinen als wäre es „schlechtes Verteidigen“. Gerade aufgrund der großen Räume, die teilweise in höchstem Tempo mit Blickrichtung zum eigenen Tor gegen die mit besten Offensivreihen verteidigen mussten ist die Defensivleistung der Verteidiger wie bereits Kompany und Enrique nach dem Spiel betonten, eher positiv hervorzuheben.
Dieses Spiel trieb die Manndeckung noch einmal auf die Spitze. Beide Teams wollten ihre offensiven Potentiale über so wenig Zeit der Partie wie möglich aufgeben. Zeitgleich besitzt der Gegner ist der Gegner offensiv gleichwertig, und soll so gut wie möglich daran gehindert werden die Kontrolle zu erhalten. Kompany brachte dies im Interview nach dem Spiel recht gut auf den Punkt.
You only have two ways. So the first one is to go full or the second one is to retreat fully. In between doesn’t work against these type of players. In between doesn’t work against our level of players.
Gerade auch aufgrund der ständig steigenden Spielerqualität in der Breite ist eine Entwicklung hin zu diesen beiden Extremen durchaus realistisch, wodurch sich diese Art der „wer schießt mehr“ Spiele durchaus häufen könnten. Aufgrund der ständig steigenden Belastung, die durch die Populariät der Manndeckung sicher nicht weniger werden wird, wird auch das andere Extrem – tief stehende Blöcke – möglicherweise wieder an Popularität gewinnen.
FN fand durch die Ära Guardiola (und Spielverlagerung) zum taktischen Diskurs und hat ein Faible für undurchsichtige Muster und extrem fluiden Ballbesitzfußball. Auf X ist er unter @felix_nb zu finden










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