Knutsen´ Kompaktheit kontrolliert – MX
Bodø/Glimt feiert wohl einen der größten Überraschungssiege der Saison gegen strauchelnde Citizens, die kaum Lösungen gegen das kompakte 4-4-2 der Norweger fanden.

Die Grundformationen
Bodø/Glimt gilt schon seit Jahren als Geheimtipp in der Analyseszene, spätestens seit dem Erfolg am Dienstag gegen Manchester City wimmelt es geradezu von Clips der Norweger in den sozialen Netzwerken. Die Heimelf brachte zu diesem Achtungserfolg eine 4-4-2-Grundformation auf den Rasen: Haikin agierte zwischen den Pfosten, davor agierten Bjørtuft und Gundersen als Innenverteidiger, Sjovold und Bjørkan als Außenverteidiger, während Berg und Fet im Zentrum agierten und Evjen sowie Hauge als Außenspieler. Blomberg und Høgh agierten in der Sturmspitze. Aufgrund der Winterpause in Skandinavien befindet man sich mitten in der Vorbereitung auf die kommende Saison, das letzte Pflichtspiel datiert auf den 10.12. – ein 2:2 gegen den BVB.
City kam hingegen aus Wochen der vollen Belastung und einer Niederlage im Derby gegen United (0:2). In Norwegen brachte Pep ein 4-3-3 auf: Donnarumma agierte im Tor, davor Alleyne und Khusanov als Innenverteidiger sowie Reilly und Nouri als Außenverteidiger. Rodri agierte als Sechser, Reijnders und Lewis in den Halbräumen als Achter. Haaland agierte im Sturmzentrum, Foden und Cherki spielten um ihn herum. Was führte zur Niederlage der Engländer im Aspmyra-Stadion?
Prämisse des In-die-Breite-Treibens
Die Heimelf formierte sich zunächst hauptsächlich aus einem 4-4-2-Mittelfeldblock heraus, wobei man in erster Linie darauf bedacht war, über die blockenden Stürmer einerseits die Passwege in den Sechserraum auf Rodri zuzustellen und andererseits auch den Passweg in den ballfernen Halbraum auf den ballfernen Achter von Manchester, der zudem vom ballfernen Flügelspieler markiert wurde. Gleichzeitig sicherte auch das Einrücken des ballfernen Achters der Norweger zusätzlich den Passweg ins Zentrum zu Citys Sechser Rodri ab – durch diese doppelte Absicherung war praktisch kein Anspiel vor das Mittelfeld der Norweger möglich. Auch dadurch war es möglich, dass man mit dem ausschiebenden ballnahen Achter und Flügelspieler in der Grundposition im Halbraum agierte, um dort ein 2-gegen-1 gegen die ballnahen Achter Citys herzustellen und auch diese dadurch praktisch zu isolieren – allgemein lief alles unter der Prämisse des In-die-Breite-Treibens – was auch sehr gut funktionierte.

Bodo isoliert Rodri
Mich hat es zunächst etwas skeptisch gestimmt, ob diese Idee aufgeht, gerade weil die in der Grundposition enger eingerückten Flügelspieler Bodøs auf die extrem breiten Außenverteidiger Citys einen sehr seitlichen Pressingwinkel bildeten und dadurch durchaus eine hohe implizite Gefahr des Überdribbelns bestand. Hier enttäuschte einerseits auf der linken Seite Linksverteidiger Reilly und zeigte kaum das notwendige Tempo im ersten Kontakt sowie im Andribbeln, um Evjen überdribbeln zu können. Rechtsverteidiger Nouri gelang es zwar situativ, dass er Hauge überdribbelte, jedoch fehlten ihm schlichtweg die Anschlussaktionen. Einerseits sei hier das diagonale Auf-Sprung-Verteidigen der norwegischen Außenverteidiger benannt, wodurch man immer wieder den Passweg in die Tiefe auf die durchschiebenden Flügelspieler Foden und Cherki unterband, die zudem in ihren Tiefenläufen direkt von den Innenverteidigern Bodøs verfolgt wurden.
Diese horizontalen Pressingwinkel hatten aber neben den möglichen Problemfeldern auch positive Effekte, denn dadurch wurde der Horizontalpass zu den Achtern von City isoliert, welche sich zwar immer wieder im Rücken von Bodøs Flügelspielern vertikal lösen wollten, aber einerseits wurden die Bewegungen in die Breite gut von den Achtern Bodøs verfolgt und man wurde gut nach außen abgedrängt, sodass sie kaum die Tiefe belaufen konnten. Zwar konnte man vereinzelt im Halbraum vor Bodøs Außenverteidigern angespielt werden, aber durch das einerseits sprungweise Ausverteidigen der Außenverteidiger und das Ausschieben des Innenverteidigers entstand so ein kleinräumiges 2-gegen-3 für Reijnders und Foden, womit man große Probleme hatte. Einerseits, weil sich Foden in Unterzahl gegen Außenverteidiger Sjovold und Innenverteidiger Bjørtuft kaum in den Zwischenlinienraum nach innen lösen konnte und so kaum Reijnders aus dem Druck heraus spielen konnte. Durch diese Statik in der Höhe zog er auch Rechtsverteidiger Sjovold nicht aus der Breite und konnte somit etwaige Räume für Reijnders im Dribbling nicht schaffen. Reijnders wiederum fremdelte extrem mit der Kleinräumigkeit und dem direkten Druck von der Seite durch Berg.
Man könnte hier auch durchaus ein Stürmerthema aufmachen, denn dass Bodø ballnah im Halbraum eine Überzahl durch das Ausschieben des Innenverteidigers herstellen konnte, lag auch daran, dass Mittelstürmer Haaland zu statisch zentral agierte und dadurch relativ simpel vom ballfernen Innenverteidiger markiert werden konnte. Einerseits hätte er durchaus durch weiteres Ausschieben des Stürmers im Halbraum eine 3-gegen-3-Gleichzahl herstellen können und daraus gerade für Foden mehr Räume im Lösen zwischen den Linien schaffen können, und gleichzeitig war der Raum zwischen den norwegischen Innenverteidigern durch das Ausschieben des ballnahen Innenverteidigers durchaus mehrmals angreifbar und auch tief belaufbar. Doch Haaland suchte diese Wege kaum – folglich musste City oft die Rückpasswege auf die Innenverteidiger suchen, die meistens offen waren, weil sich Bodøs Stürmer weit fallen ließen, um etwaiges Lösen über Sechser Rodri zu unterbinden beziehungsweise insgesamt das Spiel vor dem Mittelfeld.
Temporärer Dreieraufbau als Schlüssel?
Angesichts der frühen Probleme sah man auch relativ schnell Variationen eines Dreieraufbaus aufseiten der Gäste, indem gerade Reijnders und Rodri immer wieder zwischen bzw. neben die Innenverteidiger rückten. Tatsächlich ging wohl ein Hintergedanke dessen auf: Die Stürmer konnten den Passweg des mittleren Innenverteidigers in den Sechserraum nicht mehr zustellen, und so konnte City durch den Raum zwischen den Stürmers teilweise auf Rodri spielen. In den ersten Minuten fehlte hier noch etwas die Anpassung der eigenen Achter seitens Bodø, wodurch sich Rodri tatsächlich teils zwischen den Linien aufdrehen konnte und etwa auf die durchschiebenden Außenverteidiger durchspielen konnte. Nach ein paar Szenen markierte man den Spanier bei der Implementierung des Dreieraufbaus jedoch schlichtweg enger; zwar konnte er ein paar Mal angespielt werden, konnte sich aufgrund des direkten Drucks aus dem Rücken aber nicht mehr aufdrehen.
Auch deswegen sah man zunehmend Positionsanpassungen seitens Rodri, wonach er immer mehr in den rechten Halbraum auswich und sich zwischen Alleyne und Reilly als Verbindungsspieler positionierte und so die initiale Position Reijnders’ füllte, während Lewis dafür als Sechser im Zentrum agierte. Über den ausweichenden Rodri konnte man dann tatsächlich ein paar Mal gut in die Breite auf den aufrückenden Reilly spielen, gerade weil rechter Stürmer Blomberg Probleme hatte, sich nach dem Pass in seinen toten Winkel zu drehen und auf den Spanier von hinten Druck auszuüben. Daher musste Rechtsaußen Evjen meistens die Ausweichbewegungen aufnehmen und so die Markierung auf Reilly lösen, konnte Rodri aus dessen Rücken jedoch durch seine enorme Qualität im ersten Kontakt und allgemein der Balance kaum am Aufdrehen bzw. Spiel in die Breite hindern. Jedoch profitierte Bodø sehr davon, dass die eigenen Außenverteidiger infolge direkt auf die durchschiebenden Außenverteidiger Citys aufsprangen und so freie Dribblings in der Breite unterbanden. Generell zeigte man hier ein sehr hohes Maß an Einschätzung dafür, wann die überspielten Flügelspieler noch auf Reilly und Nouri zugreifen konnten und wann ein Ausschieben notwendig war – gerade das Thema vorbereitendes Scanning sei hier gerade bei Sjovold ausdrücklich genannt. Reilly hatte infolge Probleme im Dribbling gegen den direkt aufspringen Sjovold und suchte kaum aktiv das 1-gegen-1.
Aber auch Linksverteidiger Bjørkan sollte nicht unerwähnt bleiben, denn gerade von Nouri ging eine enorme Gefahr aus, insbesondere durch die Dreierkette beim Ballspiel des mittleren Innenverteidigers – der kau aktiv angelaufen wurde und so nur wenig Zeitdruck hatte – über lange Diagonalbälle in die Breite auf den durchschiebenden Nouri im Rücken von Hauge. So zeigte Bjørkan gerade beim Drehen in Richtung des eigenes Tor, bedingt durch gutes Vorscanning zur Feststellung der Positionierung Nouris, um den Tiefenlauf des Rechtsverteidigers aufzunehmen, ein enormes Tempo und konnte daher sowohl im Antritt als auch im Spitzentempo mit Nouri mithalten, ihn am direkten Bedribbeln der Box hindern und nach außen drängen. Nouri konnte demnach beispielsweise keine direkten Flanken auf Haaland suchen, sodass Bodø eine mögliche Dynamikquelle der Engländer unterband.
Dass sich Nouri im Rücken Hauges so einfach lösen konnte, hatte aber auch eine Vorgeschichte, denn Bodø legte ein großes Augenmerk darauf, gegen den Dreieraufbau der Citizens zu verhindern, dass rechter Halbverteidiger Khusanov diagonal – nach Verlagerungen von der linken auf die rechte Seite – im rechten Halbraum andribbeln bzw. die erste Blocklinie aus den Stürmern der Norweger überdribbeln kann – Flügelspieler Hauge löste dementsprechend das Pressing auf Khusanov aus. Vermutlich sollte so auch eine direktere Verbindung des Usbeken auf Außenverteidiger Nouri respektive in die letzte Linie zu Cherki unterbunden und damit ein Bespielen eines 3-gegen-2 auf der rechten Seite verhindert werden – gerade weil Khusanov auch gelgentlich nach dem Andribbeln spielen&gehend durchschiebt. Gerade ein höheres Andribbeln Khusanovs hätte dazu geführt, dass er auf Hauge im Halbraum bzw. den Block zudribbeln kann und sich Nouri rechts breit lösen kann; die dadurch kleineren Abstände zwischen den Spielern Citys hätten die Übergaben in der Verteidigungslinie Bodøs deutlich (zeitlich) erschwert, und gerade Cherki hätte sich dadurch tendenziell zwischen den Linien lösen können, weil Bjørkan auf Nouri hätte ausschieben müssen. Insgesamt ist ein kompakter Block immer auf lange Passwege des Gegners angewiesen, um Zeit im Verschieben zu gewinnen – diese sicherten die Norweger dadurch, indem sie den Schlüsselspieler in den flachen Verlagerungen im Andribbeln auf der eigentlich kombinationsfokussierten rechten Seite isolierten.
Das Auslösen des Pressings auf den Usbeken führte nun hingegen dazu, dass dieser einerseits kaum diagonal andribbeln konnte und der diagonale Anlaufwinkel Hauges auch die direktere Verbindung in die Breite auf den dribbelstarken Nouri isolierte und dieser kaum nach Verlagerungen angespielt werden konnte – sein Tempo im Dribbling konnte er dementsprechend auch kaum ausspielen in diesen Szenen. Dementsprechend konnte Linksverteiidger Bjørkan in der Grundposition bei Cherki verbleiben, sodass auch dieser nicht von Khusanov vertikal angespielt werden konnte im Halbraum – auch wenn er sich teils etwas zu lösen versuchte, suchte Khusanov kaum das Spiel in die letzte Linie. Der Übergang vom Block zum Pressing bei einem bestimmten Spieler als Auslöser war dementsprechend ein durchaus effektives Mittel seitens Bodø, mit dem man einerseits schnelle flache Verlagerungen Citys über Khusanov und andererseits auch das Kombinationsspiel über andribbelnde Halbverteidiger unterband.
Die Krux des Dreieraufbaus

1-gegen-3 gegen Flügelspieler
Man ist folglich fast geneigt zu behaupten, dass Citys Flügelspieler gewissermaßen einem Trugschluss aufsaßen, denn so agierte man zwar auffällig lange eingerückt und in der Höhe und versuchte dadurch wohl auch, die Außenverteidiger Bodøs am Ausverteidigen in die Breite zu hindern bzw. sie im Halbraum länger zu binden und dadurch gerade für die Außenverteidiger Raum im Dribbling zu schaffen. Neben dem grundsätzlichen Problem des Lösens und der Engräumigkeit bestand aber auch schlichtweg ein Dribblingproblem der Außenverteidiger, wodurch ein Ausverteidigen der norwegischen Außenverteidiger schlichtweg nicht notwendig war und sie so eng im Halbraum verbleiben konnten.
Nouri und Reilly hatten zwar nominell weiterhin einen Vorteil gegen die horizontalen Pressingwinkel der Flügelspieler Bodøs, doch vor allem Nouri zeigte ungewohnte Tempoprobleme im Dribbling und konnte aus dem strukturierten Spielaufbau kaum weit in die Breite andribbeln, sodass er einerseits Hauge nicht überdribbeln konnte und andererseits die Passwege in den Halbraum schlichtweg zu lang waren, um gerade Muster im Spielen & Gehen mit dem in die Tiefe durchschiebenden Nouri zu initiieren, wie man sie in den letzten Wochen durchaus sah. Zwar gab es vereinzelte Versuche, doch Cherki konnte unter dem direkten Druck von allen Seiten schlichtweg nur sehr unsauber in die Tiefe zurücklegen (geschweige denn aufdrehen), folglich wurde kaum Nutzen daraus gezogen.
Die Frage des Zurückfallens
Prinzipiell lässt sich hier auch durchaus die Frage aufwerfen, wieso gerade die Achter Lewis und Reijnders sich bei Dribblings der Außenverteidiger zunehmend fallen ließen, statt wie in den ersten Minuten im Halbraum aufzuschieben und dadurch indirekt das Zurückfallen von Fet und Berg zu ermöglichen. Eine Antwort könnte sein, dass man dadurch die Rückpasswege verkleinern wollte, um direkter zu verlagern, gerade um das Verschieben aus dem Block von Bodø weiter zu provozieren bzw. sich dadurch Zeit in Dribblings in der Breite zu verschaffen. Gerade Lewis halbrechts verlagerte immer wieder mit direkten Diagonalbällen in die linke Breite auf Außenverteidiger Reilly.

Lewis als Verlagerungsspieler
Jedoch zeigte gerade Reilly weiterhin Probleme im direkten 1‑gegen‑1 gegen Sjovold, der einerseits extrem schnell in die Breite verschob nach den Verlagerungen und andererseits bereits direkt beim Ballspiel Lewis nach Rückpässen antizipativ seine Position anpasste- wodurch aber zwischen Bjørtuft und ihm der Zwischenraum situativ etwas groß war – Foden belief diese Wege folglich immer wieder. Prinzipiell wäre es auch möglich gewesen, Foden direkt über Lewis tief im Halbraum anzuspielen, jedoch suchte Lewis diese Wege bedauerlicherweise aus Sicht von City kaum – obwohl sie Foden teils auch angezeigt hätten. Vereinzelt wurde Foden dann über Reilly zwar tief gefunden, doch Bjørtuft drängte ihn direkt in die Breite ab, und es fehlten weiterhin die direkten Nachschiebebewegungen aus dem Zentrum für unterstützende Folgeaktionen.
Zusätzlich fehlten gerade Alleyne sowie Reijnders das Tempo im Andribbeln, wodurch man vor allem bei flachen Verlagerungen über die linke Seite kaum die erste Blocklinie überdribbeln konnte und folglich auch kaum Wege zwischen den Linien fand, sondern weiterhin immer wieder in die Breite spielte, wo man sich bekanntermaßen schwer tat. Übrigens spürte man im Spieltempo halblinks eine deutliche Verbesserung, wenn sich Rodri auskippte, was er in diesem Spiel jedoch zunehmend weniger tat. Vereinzelt konnte er sogar die erste Blocklinie direkt überdribbeln und daraus ein Auspressen des Flügelspielers Evjen herbeiführen, was wiederum direkte Passwege auf Foden öffnete, den er so wohl am besten in Szene setzen konnte und teils auch gut auf den dadurch freien Reilly in der Breite ablegen konnte – der darüber vereinzelt freie Flanken schlagen konnte und so vereinzelt Boxaktionen entstanden.
Eine andere Erklärung des Zurückfallens könnte sein, dass man dadurch die Achter Bodøs mit herausziehen wollte aus dem Mittelfeld und darüber Passwege diagonal von den Außenverteidigern in die letzte Linie auf Cherki oder Stürmer Haaland öffnen wollte. Allerdings gingen die Achter Bodøs diese Wege schlichtweg nicht mit hinaus, sondern fokussierten sich blockend‑zurückfallend auf das Schließen des Raums vor der Verteidigungslinie und unterbanden so auch weitgehend das Spiel dorthin. Insgesamt sank zwar die Blockhöhe aufgrund dieses weitgehenden Zurückfallens des Mittelfeldes und dadurch auch des Sturms, aber gerade nach Rückpässen der Citizens schob man mit dem Kollektiv wieder gut heraus und passte sich so wieder in einem Mittelblock an, um den Raum zwischen Sturm und der ersten Aufbaulinie von City zu verringern.
Hogh kontert zum Doppelschlag
Das Herausrücken war an diesem Abend noch in einem anderen Kontext durchaus spielentscheidend, denn der Doppelschlag durch Høgh (22., 24.) erfolgte nach Kontern, in denen man bereits im Laufe der Partie klare Stärken gezeigt hatte. Vorbereitet wurden diese Situationen dadurch, dass die meist langen Klärungsaktionen nach Ballgewinnen in der Verteidigungslinie in Richtung der Manchester-Innenverteidiger gespielt wurden, welche direkt von den Stürmern aggressiv angelaufen wurden – wobei gerade Blomberg teilweise etwas auf den Ballgewinn spekulierte und dadurch direkt Alleyne unter Druck setzen konnte. Rodri konnte die direkten Nachschiebebewegungen dabei kaum im 1-gegen-2 verfolgen, auch weil er bei der Orientierung nach Änderung der Spielrichtung auffällige Probleme zeigte und im Antritt Nachteile gegen die Stürmer hatte, sodass auf die Innenverteidiger in den Luftduellen großer Druck entstand und auch etwaige Abpraller meist bei den Stürmern landeten.
Durch das Auskippen der Achter fehlte zudem der direkte Zugriff auf zweite Bälle in den Halbräumen, wodurch die unmittelbar nachschiebenden Flügelspieler Bodøs die unsauberen Kopfbälle der City-Innenverteidiger immer wieder aufnehmen konnten. Der Halbraum vor der Abwehrlinie erwies sich dadurch als extrem anfällig für Abpraller nach Klärungsaktionen. Insgesamt war City aufgrund des kaum besetzten Zentrums hinter Sechser Rodri im direkten Nachschieben aus dem Zentrum – und folglich auch im letzten Drittel nach Bodøs Kontern – zentral in und um die Box häufig in Gleichzahl/Unterzahl. Das Defensivverhalten wurde dadurch reaktiv und schwarmartig: Man versuchte zunächst, möglichst viele Spieler (irgendwie) zentral hinter den Ball zu bekommen und hatte dementsprechned fast nur den Blick zum Ball bzw. den kurzen Pfosten. Angesichts des hohen Tempos der Bodø-Stürmer im Dribbling nach dem Gewinn der zweiten Bällen sowie der schnellen Suchen von Flanken auf den zweiten Pfosten (was die Vorbereitung der Norweger zeigt), konnte Bodø mehrfach das intuitive Verteidigen Citys am langen Pfosten ausnutzen, wo Høgh lauerte, und zugleich eine strukturelle Schwäche von Torspieler Donnarumma offenlegen. Der antizipative Reaktionskeeper positioniert sich häufig stark zum kurzen Pfosten hin und hat bei Flanken in seinen toten Winkel Probleme, da ihm das schnelle Drehen mit einem eher schwachen Bewegungskomplex schwerfällt – genau jener Raum, den Høgh konsequent belief.
Bodø nutzte diese Anpassung jedoch und begann nun vermehrt, auch flach herauszuspielen – vor allem über RIV Bjørtuft. Dessen direkter Gegenspieler Foden agierte dabei häufig in einem 1-gegen-2 gegen ihn und Außenverteidiger Sjovold und zeigte aus der breiten Grundposition teils unsaubere Bogenläufe – demnach gelang es Bjørtuft mehrfach, Foden zu überspielen und auf RV Sjovold abzulegen. Dieser konnte wiederum vertikal die ausweichenden Achter Berg oder Fet bedienen, die situativ rotierten und sich vom nun (zu?) früh zurückfallenden Lewis in die Breite lösen konnten. Dort konnten sie ohne unmittelbaren Gegenspieler ins Dribbling gehen und darüber vereinzelt auch das Tiefenspiel auf die Stürmer initiieren. Nach 39 Minuten agierte Hauge hängend und Høgh als Zielspieler, und tatsächlich fand Zielspieler Høgh den hängenden Hauge folglich per Kopf. LIV Alleyne verfolgte die Bewegungen Hauges zwischen den Linien dabei nicht direkt mit – was er insgesamt zunehmend tat, um ein 2‑gegen‑1 gegen den Zielspieler zu bilden, was dennoch kaum wirkte, aber man dafür den Zugriff auf den Zwischenlinienraum verlor – auch weil die tieferen Achter die hängenden Stürmer (Rodri fehlten bspw. komplett die Schulterblicke um die Bewegungen der Stürmer im Rücken zu checken) nicht aufnahmen. Alleyne hatte nach dem Anspiel Hauges demnach einen deutlichen Dynamiknachteil und konnte dessen Dribbling kaum greifen. Høgh schob unmittelbar nach der Ablage durch und konnte so den Abschluss am Rande der Box ziehen – verpasste jedoch knapp.
Zweite Halbzeit
Demnach ging es auch verdient mit einer Führung in die Halbzeit – auch wenn es gut 3:0 oder 2:1 stehen könnte; die Partie wurde offener, davon profitierten aber vor allem die umschaltstarken Norweger. In den zweiten 45 Minuten sah man zunehmend Rotationen auf Seiten von Manchester City zwischen den Achtern und den Außenverteidigern, wodurch durchaus mehr Qualität im 1‑gegen‑1 in der Breite spürbar wurde, und gerade Reijnders in der linken Breite konnte vereinzelt Nadelstiche gegen den zunehmend angeschlagenen Sjovold setzen und über ein inverses Dribbling erste gefährliche Schüsse ziehen. Insgesamt sah man – auch mehr Dynamik auf Seiten der Flügelspieler, die sich nun immer wieder in den Halbraum zwischen Außenverteidiger und Innenverteidiger auskippen ließen und dadurch immer mehr Qualität im 1‑gegen‑1 gegen die Flügelspieler Bodøs ins Spiel brachten sowie Tempo im Dribbling, was ja in der ersten Halbzeit fehlte, und man diese darüber auch immer mal wieder überdribbeln konnte und so situativ ein 2‑gegen‑1 gegen die Außenverteidiger Bodøs kreierte – darüber fand man zunehmend auch Flanken in die Box auf Haaland, der aber gerade bei den Läufen auf den ersten Pfosten an diesem Tag glücklos blieb. Folglich passte sich Bodø aber an, und Rechtsaußen Evjen ließ sich vermehrt in die Verteidigungslinie in ein 5‑3‑2 fallen, wodurch City kaum mehr in der Breite durchbrechen konnte.
Bodø setzte hingegen weiter Akzente in den Kontern, wo City weiterhin extrem anfällig mit den Innenverteidigern für lange Bälle war und auch für das Durchschieben im Halbraum der Flügelspieler der Norweger, welches die Mittelfeldspieler von City weiter kaum direkt mitverfolgen konnten, sodass immer wieder Außenspieler von Bodø durchschieben konnten und zusätzlich die Verteidigungslinie Citys belasteten. So wäre Evjen in die Tiefe durchgebrochen nach 52 Minuten und hätte zum 3:0 eingeschoben, was aber aufgrund des Abseits aberkannt wurde. Nach 58 Minuten schepperte es dann aber nach einem Anstoß und Gegenpressingspiel seitens Bodø, als nach Ballgewinn im Zentrum der zweite Ball nach Dribbling bei Hauge in der Breite landete, der nach innen zog vor die Verteidigungslinie, wo der zu passiv agierende Alleyne nicht herausverteidigte und Hauge souverän zum 3:0 einschob. Zwei Minuten später zog City zwar noch den Anschlusstreffer durch einen Fernschuss Cherkis, da Bodø im 5‑3‑2/4‑4‑2 zunehmend tiefer agierte und darüber teilweise den Rückraum im Halbraum verlor – gerade weil man im Dreier-Mittelfeld deutlich enger agierte. Durch die Rote Karte Rodrids war aber zwei Minuten später das Licht relativ schnell wieder aus. Obwohl Rodri eigentlich etwas mehr Freiraum hatte in HZ2 durch die zunehmenden Kraftprobleme und dadurch Verfolgungsprobleme im direkten Duell der Achter von Bodø und sich paar Mal zwischen den Linien eigentlich gut aufdrehen konnte, aber gerade im Passspiel auf die Flügelspieler weiter unsauber blieb und den Ball nicht direkt in den Fuß spielen konnte, sodass diese eigentlich weiter im Halbraum kaum aufdrehen konnten.
Fazit
Mich treibt schon länger ein Gedanke um, ob Pep nicht wieder ein altes Problem einholt: Hat sein Team ein Rückstandsproblem – wie schon vor Jahren? Kein Team holte in der Premier League weniger Punkte nach Rückstand (0) und insgesamt wirkt die Mannschaft von Pep Guardiola zunehmend weniger widerstandsfähig, gerade unmittelbar nach Gegentoren verliert man teilweise doch sehr die Fassung – das bereitet mir für die Citizens mehr Sorge als diese Niederlage gegen ein sehr starkes Team von Bodø/Glimt, die sehr gut auf dieses Spiel vorbereitet waren und natürlich auch deutlich frischer bei besonderen Bedingungen in Norwegen aufliefen. Dennoch ein extremer Achtungserfolg, der nicht von ungefähr kommt. City kommt hingegen leicht wieder den Grundsatzfragen der vergangenen Monate etwas näher – auch wenn es mit Siegen gegen Wolves, Galatasaray und Tottenham nur als Ausrutscher (mit der Derbyniederlage gegen United) gesehen werden könnte, aber dieses Spiel sollte dennoch leicht aufhorchen lassen.
MX machte sich in Regensburg mit seiner Vorliebe für die Verübersachlichung des Spiels einen Namen. Dabei flirtete er mit der RB-Schule, blieb aber heimlich immer ein Romantiker für Guardiolas Fußballkunst.




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