Außenverteidiger-Fragen im Westfalenstadion – MX
Dortmund gegen Bayern: Das klingt nach Topspiel – und das war es dieses Mal wirklich. Trotz einer gewissen Instabilität in der ersten Halbzeit setzten die Bayern eine Vorentscheidung im Meisterschaftskampf gegen einen eigentlich gut angepassten BVB.
Im Nachgang des Spiels war auf Seiten des BVB viel von einer Wiedergutmachung die Rede, nach dem sehr enttäuschenden 1:4-Aus gegen Atalanta Bergamo in der Zwischenrunde der Champions League. Tatsächlich machte man es den Bayern am Ende auch lange schwer – oder machten es sich die Bayern selbst? – doch für einen Punktgewinn reichte es im Westfalenstadion nicht. Auf die viel diskutierten, ausschlaggebenden Nuancen blicken wir nun. Die Dortmunder gingen aus einer 3‑4‑3-Grundformation ins Spiel, die Bayern agierten aus einem 4‑2‑3‑1 heraus.
Zwischen herauslocken und Direktheit
Dortmund im Rückpass-Spannungsfeld
Zwar zeigte der BVB gerade im höheren Aufbauspiel der Bayern auf Olises Seite ähnliche 2‑gegen‑1-Überzahlpressing-Szenen durch das Fallenlassen Adeyemis und konnte dadurch dessen Dribblingwege in den Halbraum durchaus gut isolieren, jedoch konnte Olise sich immer wieder über den Rückpass zu Stanišić lösen, der sich in dieser Rolle im Rücken des Flügelspielers insgesamt deutlich wohler fühlt, als im Durchschieben die Tiefe bedribbelnd – bzw. seine Stärken eher im Passspiel mit dem Spiel vor sich hat als aus einer Dynamik heraus. Dies spielte auch früh eine Rolle gegen die Borussen, die in den letzten Wochen durchaus ihre Probleme im Übergang nach Rückpässen des Gegners hatten, gerade durch das unsaubere Verschieben der Verteidigung beziehungsweise des Mittelfelds, wodurch sich immer wieder Räume zwischen den Linien, insbesondere vor der Verteidigungslinie, im Übergang für den Gegner ergaben. Dem will man wohl mit einer Fragmentierung der Systematik gegen den Ball entgegenarbeiten: Einerseits verbleibt Stürmer Silva auch beim Ball im letzten Drittel sehr hoch bei Tah/Upamecano im Restpressing und isoliert dadurch Rückpässe in die erste Aufbaulinie, andererseits offenbart man dadurch den Raum vor dem Mittelfeld für gegnerische Verlagerungen, erspart sich dadurch aber weite Wege beim Verschieben.
Bayerische Anlauffragen
Gerade in der Luft hatte Fábio Silva auch im tiefen 2-4-4-Aufbauspiel gegen Tah ähnliche Probleme wie nach Ballgewinnen. Allerdings zeigte sich der BVB dort strukturell besser auf diese langen Bälle vorbereitet, indem insbesondere der zweite Stürmer Beier immer wieder im Bogen nach innen in den Raum vor Silva einlief und Linksaußen Adeyemi unterstützend in den Halbraum einrückte. Das bogenförmige Unterstützen durch Beier war für Laimer schwer zu verfolgen, da er sich dabei mit Innenverteidiger Tah kreuzte. Daraus ergaben sich mehrfach direkte Ablageoptionen nach vorne, die Silva in Kontersituationen häufig fehlten. In der Folge initiierte Beier mehrfach Dribblings zwischen den Linien und konnte teilweise nur durch Fouls gestoppt werden.
Tendenziell passte jedoch nicht immer das Timing beim Abspiel auf den breit durchschiebenden Adeyemi, sodass dieser seinen Antrittsvorteil gegen Upamecano nicht ausspielen konnte. Beier zeigte insgesamt eine gute Variabilität in seinen Laufwegen und stieß mehrfach auch in den Rücken von Tah, wenn dieser weit mit Silva in den Halbraum herausverteidigte. Vereinzelt wurde Beier dadurch direkt in der Tiefe gefunden, wobei insbesondere sein herausragender erster Kontakt aus dem Sprint heraus hervorzuheben ist. Insgesamt fehlte diesem direkten Tiefenspiel jedoch häufig das unterstützende Nachrücken aus dem Zentrum. Durch die tiefe Positionierung Silvas mangelte es gerade in der Box an Präsenz, wodurch sich Beier im letzten Drittel oftmals isoliert im Eins-gegen-eins beziehungsweise Eins-gegen-zwei gegen zurückfallende Bayern-Verteidiger wiederfand. Dennoch erarbeitete sich der BVB aus diesen Situationen einige Standards nach Abstößen, wie etwa vor dem 1:0, als nach einem zweiten Ball ein Freistoß infolge eines Dribblings von Adeyemi entstand.

Bayern im Angriffspressing
Insgesamt tat sich der FC Bayern jedoch gerade gegen den fließenden tiefen Aufbau der Dortmunder situativ strukturell in der Manndeckung schwer. Dies lag vor allem am Aufrücken Coutos auf der rechten Seite. Durch die Bindung des im 4-4-2 im Zentrum agierenden Linksverteidigers Laimer infolge des Einrückens von Beier haderte Luis Díaz insbesondere Mitte der ersten Halbzeit damit, ob er dieses Aufrücken bis in die Verteidigungslinie verfolgen sollte. Infolgedessen hatte er in den Luftduellen gegen Couto, der immer wieder gezielt von Kobel hoch angespielt wurde, deutliche Probleme. Couto konnte daraus mehrfach Dribblings in der Breite initiieren, bekam jedoch gegen den gut nachsetzenden Díaz anschließend durchaus Tempoprobleme im Dribbling, während durch die Linkslastigkeit Beiers häufig die direkte Tiefenoption fehlte.
Ähnliche Probleme zeigten sich auch bei der bayerischen Herstellung von Gleichzahl gegen die Torwartkette der Dortmunder. Diese wurde zwar permanent unter Kompany praktiziert, indem insbesondere Kimmich und Pavlović nach Rückpässen aus dem Zentrum dynamisch auf den Torwart durchpressten. Nun stellte man dieses Anpressen des Torhüters jedoch aktiv-strukturell her, wobei gerade daraus im fließenden Angriffspressing Probleme entstanden: Bei der Gleichzahl durch das Anpressen des Keepers über einen Stürmer, konnten die entstehenden Unterzahlsituationen nicht immer ausreichend abgesichert werden, die sich insbesondere gegen Kane und Olise durch die tiefen Außenverteidiger des BVB ergaben.
Auf der rechten Seite sicherte man dies dahingehend ab, dass Rechtsverteidiger Stanišić auf Sprung herausverteidigte und dadurch beim Ballspiel Svenssons herausschieben konnte, wodurch dieser mehrfach am Durchbruch in der Breite gehindert wurde. Auf der linken Seite hingegen war diese Absicherung aufgrund der Bindung von Díaz und Laimer nicht möglich, sodass Kane mehrfach im Eins-gegen-zwei gegen Anton und Can agierte und damit sichtlich unzufrieden wirkte. Diese Konstellation könnte auch erklären, weshalb Díaz anfangs so stark zögerte, das weite Aufrücken Coutos mitzuverfolgen, da er dadurch aus dem Zugriffsbereich zu RV Can gezogen worden wurde und der spielstarke Rechtsverteidiger somit tendenziell ohne direkten Gegenspieler hätte agieren können – anders als Linksverteidiger Svensson, der über Stanišić indirekt markiert wurde. Das Problem aus Dortmunder Sicht bestand jedoch darin, dass man diese Unterzahlsituation der Bayern kaum aktiv flach bespielte und stattdessen sehr darauf bedacht war, den Ball direkt in die letzte Linie zu spielen.
Ähnlich wie beim fließenden Anlaufen zeigte sich Bayern auch im Abstoßpressing, nur dass hier Can direkt von Gnabry markiert wurde, während Achter Kimmich als dritter Stürmer zum Anlaufen von Kobel agierte. Zwar agierte man dadurch situativ in Unterzahl in der Verteidigungslinie gegen den aufrückenden Sabitzer, glich diese aber ähnlich wie im Angriffspressing über einen pendelnden Stanišić aus, der sich bei langen Bällen direkt fallen ließ und dann Adeyemi markierte, sodass die Gleichzahl in der Verteidigungslinie hergestellt werden konnte. Auch Pavlović ließ sich gut fallen und sicherte mehrfach zweite Bälle vor der Verteidigung ab.
Vereinzelt konnte sich Beier über das bogenförmige Einlaufen lösen und dadurch über Silvas Ablagen oder im Kampf um zweite Bälle Akzente setzen. Insgesamt unterband Bayern jedoch die langen Abstöße der Dortmunder sehr gut, sodass diese zunehmend kompakter zusammenschoben beim Abstoß und ihre zuvor aufgefächerte Struktur weniger zeigten. Insgesamt unterband Bayern dadurch den Aufbau über Kobel effektiv und verhinderte so auch eine Zirkulation zwischen den Innenverteidigern des BVBs. Durch das 1-gegen-1-Anlaufen auf die Torwartkette konnte man zudem die Innenverteidiger vertikal anlaufen und so Passwege diagonal in den Halbraum auf Beier oder Silva unterbinden – eine Variante, die man in den letzten Wochen bei Dortmund durchaus mehrfach beobachten konnte.
Noch vor dem Treffer für den BVB in der 26. Spielminute wurde es nach Ballverlusten im Aufbau der Schwarz-Gelben mehrfach gefährlich. Dies lag vor allem daran, dass einerseits Pavlović den Raum zentral vor der Verteidigungslinie extrem gut absicherte – gerade durch das direkte Drehen in die Spielrichtung – und daraus direkt oft den Ball verteilen konnte, etwa auf die in der Breite aufschiebenden Díaz und Stanišić. Andererseits waren die Halbräume durch die Breite der Dortmunder Außenverteidiger im 2-4-4 nach Ballverlusten sehr anfällig, gerade weil Can und Svensson nach den langen Bällen zu spät einrückten. Die Überzahl gegen die Innenverteidiger des BVB im Anlaufen erzeugte auch nach Ballgewinnen natürlich wieder eine Überzahl für Bayerns Stürmer. Dadurch konnten insbesondere Kane, Gnabry und Olise im Halbraum immer wieder gegen Anton und Schlotterbeck im Zwischenlinienraum lösen, und etwa durch extrem gute Diagonalpässe der bayerischen AVs dort gefunden werden. Allgemein neigten die Innenverteidiger des BVB dazu, im Zentrum eher die Tiefe abzusichern, anstatt aktiv die Abkippbewegungen der gegnerischen Stürmer zu verfolgen – daraus resultierte zwar weniger Zugriff zwischen den Linien auf die Dribblings, gleichzeitig konnte man aber durch das Durchbrechen im Zentrum zumindest unterbinden. In der Box spiegelte sich dies wider: Bayern konnte bis auf einzelne inverse Dribblings durch Olise kaum Akzente setzen, und die Hereingaben konnte die Hintermannschaft der Heimelf gut wegverteidigen.
Dortmund geht mit Führung in die Pause
Nach dem Treffer von Schlotterbeck folgten zunächst ein paar wilde Minuten im Westfalenstadion, geprägt von einigen Umschaltaktionen, wobei Bayern relativ schnell wieder bekannte Probleme bekam – gerade über lange Bälle oder nach Ablagen von Beier, der sich mehrfach zwischen den Linien absetzen konnte und auf den breit durchschiebenden Couto durchlegte oder in der Nähe ins Dribbling ging. So etwa in der 30. Minute, als Couto im Antritt Díaz bereits geschlagen hatte und nur durch ein gut getimtes Herauslaufen von Urbig gestoppt wurde. Dieser zeigte insgesamt ein sehr gutes Stellungsspiel im Herauslaufen und antizipierte gerade bei langen Bällen früh mögliche Gefahren, auch aufgrund seiner hohen Grundposition. Gegen Ende der Halbzeit nahm Díaz wieder eine etwas tiefere Grundposition ein beziehungsweise setzte aggressiver gegen Couto nach und konnte dessen Durchbrüche nun weitgehend unterbinden.
Generell tat sich nun sogar Stanišić vereinzelt beim Herausverteidigen gegen Linksverteidiger Svensson schwer, da dieser zunehmend eine tiefere Grundposition einnahm und Stanišić aus seiner Position auf Sprung mehrmals keinen ausreichenden Druck ausüben konnte. Svensson fand dadurch zunehmend diagonal den Weg in den Halbraum auf Adeyemi zwischen den Linien, der daraufhin auf den teils etwas unvorbereiteten und dadurch im Bewegungsablauf starren Upamecano aufdrehen beziehungsweise zudribbeln konnte. Die Bayern wussten sich in solchen Situationen vereinzelt gerade mit taktischen Fouls / direkte Fallen lassen durch die Achter zu helfen. Bis auf diese einzelnen Dribblings kam von Dortmunder Seite jedoch demnach nur noch wenig, auch weil Silva weiterhin zwischen den Linien im direkten Druck gegen Tah große Probleme hatte und Beier etwa beim Ballbesitz Adeyemis zu selten ins Zentrum einkippte, um unterstützend zu wirken.

Laimer schiebt diagonal durch, Bayern sucht den Raum zwischen Sabitzer/Nmecha
Aber auch die Bayern passten sich etwas an, so schob Laimer etwas klassischer/Kompany-typisch wieder vermehrt diagonal im Halbraum durch, um diesen tief anzugreifen. Aufgrund der breiten Grundposition von Flügelspieler Díaz und dem dadurch implizierten Herausziehen von Couto aus dem Halbraum sowie insgesamt teils unsauberen Abständen zwischen Can und Couto konnte der Halbraum immer wieder gezielt belaufen werden – durch das fehlende Anlaufen des BVB auf Upamecano sowie dessen Qualität mit dem rechten Fuß auch Laimer immer wieder direkt tief gesucht werden. Daraus konnten die Bayern mehrmals Durchbrüche über Laimer im Rücken der Dortmunder Hintermannschaft mit langen Bällen erzwingen, auch weil Laimers Gegenspieler Beier tendenziell etwas zu stark am Ball orientiert agierte und aus dem dadurch entstehenden Dynamiknachteil die Laufwege Laimers nicht aufnehmen konnte – nur durch das direkte Einrücken und Verfolgen von Couto sowie das etwas fehlende Antrittstempo im Dribbling von Laimer konnte ein Zudribbeln auf Kobel unterbunden werden.
Zweite Halbzeit
So ging es für die Dortmunder mit 1:0 in die Pause, und auch im Stadion war eine gewisse Euphorie zu spüren, untermauert von einem „Wer wird Deutscher Meister? BVB Borussia!“. Etwas gemildert wurde diese Stimmung jedoch durch die verletzungsbedingte Auswechslung des rechten Halbverteidigers Can, der gegen Bensebaini ersetzt wurde. Dieser hatte, gerade im Vergleich zum starken Can, früh Probleme in der Balance gegen die inversen Dribblings des Gegenspielers Díaz im letzten Drittel und stellte gegen den Kolumbianer mehrfach deutlich zu spät den Kontakt her, wodurch Díaz mehrmals gefährlich nach innen ziehen konnte. Auch bei der Übernahme im 5‑4‑1-Mittelblock des durchschiebenden Laimers hatte Bensebaini Schwierigkeiten und reagierte etwas zögerlich beim Durchschieben, wodurch Beier mehrmals Laimer folgte, statt ihn direkt zur Verteidigungslinie zu übergeben. Folglich konnte er das Andribbeln von Tah im linken Halbraum nach Verlagerungen der Bayern nicht mehr aktiv über Beier anpressen. Ähnliche Probleme hatte Linksauße Adeyemi aufgrund der zunehmend tieferen Grundposition von Stanišić in der rechten Breite.
Das führte dazu, dass nun auch vermehrt die Achter Nmecha und Sabitzer nach Verlagerungen auf Bayerns Halbverteidiger auspressten. Aufgrund des großen Pressingweges aus dem Mittelfeld auf Bayerns Halbverteidiger hatten sie einerseits Probleme, aktiven Druck zu erzeugen und demnach das Andribbeln aktiv zu unterbinden, und vergrößerten gleichzeitig den ohnehin schon anfällig großen Raum zwischen Mittelfeld und Abwehr durch das Auspressen. Bayerns Verschiebung hin zum Fokus auf das Spiel zwischen den Linien vergrößerte sich dadurch zusätzlich, und man suchte diesen Raum hinter den Achtern nun nochmal deutlich intensiver.

Dortmund mit verstärkten Problemen zwischen den Linien durch auspressende Achter
Über das zunehmende Andribbeln der Halbverteidiger konnte man einen besseren Passwinkel diagonal ins Zentrum herstellen oder teilweise auch über Ablagenspiel über die Achter nutzen, da Sabitzer und Nmecha weiterhin Probleme hatten, dieses Druckspiel auf Kimmich und Pavlović zu unterbinden – woraus auch der Ausgleich resultierte. So konnte dieser Raum vor der BVB-Abwehr vermehrt bespielt werden und brachte die abkippenden Kane sowie Gnabry zunehmend in Szene. Gleichzeitig agierten die Dortmunder Halbverteidiger zwar deutlich aktiver und direkter in den Zwischenlinienraum als in der ersten Halbzeit, konnten jedoch einerseits das Ablagenspiel von Gnabry auf den durchschiebenden Stanišić kaum unterbinden und taten sich andererseits schwer, das gute Abschirmen und direkte Aufdrehen Kanes zwischen den Linien zu verhindern, wodurch dieser immer wieder in die Breite den Ball verteilen konnte. Der verdiente Ausgleich war dabei das Produkt einerseits eines Dribblings von Stanišić in der rechten Breite und andererseits, dass man nun endlich über Kimmich im Rückraum – worauf Dortmund erneut keinen Zugriff mit den zu tiefen Sabitzer/Nmecha herstellen konnte – via Chip den Weg auf Gnabry in die Tiefe fand, der Kane das Tor auflegte.
Die Dortmunder zeigten gerade über das tiefe Aufbauspiel weiterhin gute Szenen, ähnlich wie in Halbzeit 1 über den hängenden Beier zwischen den Linien, der Couto vermehrt in Dribblings in der Breite gegen Laimer brachte, wobei es weiterhin an der Besetzung der Box, besonders am ersten Pfosten, mangelte. Gleichzeitig nutzte man nun auch das 2‑gegen‑1 beim Abstoß gegen Kane/Olise in der Breite gezielt flach. Dadurch wurde insbesondere Linksverteidiger Svensson mehrfach in Dribblings gebracht, wodurch auch Rechtsaußen Olise überspielt wurde; dieser konnte dank seines enormen Tempos die Unterzahl jedoch immer wieder ausgleichen und Svensson am weiteren Durchbrechen hindern. Gleichzeitig hatte der Schwede im Passspiel Probleme, Silva im linken Halbraum unter Druck gegen Tah anzuspielen, der weiterhin Schwierigkeiten im Abschirmen und im Wandspiel hatte.
Zwar brachte der Schwede immer wieder Adeyemi ins Dribbling, der sich allgemein im 2-4-4 nun breiter positionierte, um Stanišić stärker dort zu binden, konnte gegen Stanišić aber im Duell kaum aufdrehen und setzte somit nur wenige Akzente nach vorne. Später fokussierte man sich wieder stärker auf lange Auslösungen aus dem tiefen Aufbau, wobei ähnliche Probleme nach zweiten Bällen – bedingt durch die gute Präsenz von Pavlović und Kimmich im Zentrum – wie in Halbzeit 1 auftraten. Die Dortmunder hatten Schwierigkeiten mit den Gegenkontern der Bayern über Olise im rechten Halbraum, der den an Kraft nachlassenden Schlotterbeck im direkten Duell durch das direkte Aufdrehen deutlich bearbeitete, dabei aber auch gute Kombinationen mit Kane zwischen den Linien spielte und immer wieder direkt in die Tiefe schob.
Mit Musiala für Gnabry in der 60. Minute kam dann genau der Spieler zwischen die Linien, der neben dem Ablagenspiel auch die Qualität des direkten Aufdrehens mit dem ersten Kontakt und das Ziehen von Dribblings perfektioniert. Schon nach wenigen Minuten zeigte er erste Dribblings im Raum vor der Dortmunder Abwehr. Diese direkten Dribblings führten weniger zu einem Herausrücken der Dortmunder Verteidiger, sondern vielmehr zu einem direkten Fallenlassen der Verteidigungslinie, wodurch die Blockhöhe der Dortmunder zunehmend sank. Musiala verteilte nun vermehrt den Ball in die Breite auf die Flügelspieler, die wiederum von der gewonnenen Aufbauhöhe profitierten und immer wieder direkt nach innen zogen, um den Abschluss auf Kobels Tor zu suchen – oder mit Musiala kombinierten, der sich auch spiel&gehend direkt wieder unterstützend im Halbraum anbot. Das Ergebnis waren zunehmende Fouls von Sabitzer und Nmecha gegen Musiala und insgesamt eine extreme Änderung der Spieldynamik, auf die folglich das 2:1 für die Bayern nach einem Elfmeter folgte, der aus einem Dribbling von Musiala entstand.
Fazit
Danach ging es eigentlich ähnlich weiter, wobei man zunehmend den Weg auf Urbig suchte, um Dortmund aus deren Rückstand aus der Notwendigkeit der Aktivität zum Angriffspressing zu zwingen und die ohnehin an Kraft nachlassenden Dortmunder zu langen Wegen zu bewegen. Dies funktionierte auch durchaus gut, und über die präzisen Diagonalbälle Urbigs brachte man mehrfach insbesondere Olise rechts direkt in Dribblings gegen Svensson oder Musiala zwischen die Linien. Tendenziell könnte man argumentieren, dass dieses schnelle Übergehen zwischen den Aufbauhöhen auch zur Folge hatte, dass die Abstände zwischen den Bayern-Spielern größer wurden, wodurch der Zugriff auf zweite Bälle bzw. im direkten Gegenpressing etwas abgeschwächt wurde – wovon auch die Dortmunder profitierten und vereinzelt zwischen den Linien etwa über Adeyemi andribbeln konnte. Insgesamt sprach jedoch wenig für einen Ausgleich, es schien entschieden.
Vielleicht könnte man dem FCB vorwerfen, dass man nicht noch einen drauflegte, wozu es durchaus Gelegenheiten gegeben hätte – gerade über die Dribblings von Olise und Díaz nach Urbigs langen Bällen. Dennoch traf der BVB nach einem Abstoß in der 83. Minute zum Ausgleich, auch weil die Bayern unsauber auf den langen Ball der Dortmunder herausrückten. Dadurch entstand erneut eine kurze Phase im tiefen Verteidigen, die den Dortmundern reichte, um den Bayern weh zu tun – zumal der Abstand zwischen ballfernem Innenverteidiger und Außenverteidiger am langen Pfosten zum wiederholten Male unsauber gestellt war. Es spricht jedoch für die Bayern, dass sie sich davon wenig beeindrucken ließen und den Schlusspunkt mehr oder weniger verdient in der 87. Minute durch einen Fernschuss von Kimmich nach einem inversen Dribbling von Olise und einem Abpraller in den Rückraum erzielten – wieder Olise auf rechts, erneut der Rückraum als extreme Schwachstelle des BVB.
Bayern hatte in der ersten Spielhälfte strukturell ein klares Plus an Spielanteilen, zeigte damit im Vergleich zu den Torchancen jedoch eher weniger Gefahr, was sich auch im xG-Wert von 0,2 zu 0,4 widerspiegelte. Wirklich dominant war man erst gegen Ende der ersten Halbzeit und in Halbzeit 2 – gerade weil die Dortmunder ihre Schwachstellen nicht ausbessern konnten und sich trotz engagierter und guter Leistung nicht belohnen konnten. Dennoch bereitete der BVB den Bayern durchaus Probleme, die aber zunehmend besser gegen den 5‑4‑1‑Mittelblock mit Doppeln der Flügelspieler in das Spiel fanden. Auch der hoch restpressende Silva hatte am Ende nur noch wenig Effekt; gerade über das Zentrum mit Gnabry/Kane/Musiala fand man schließlich Lösungen mit dem Ball. Diese klassischen Mittel (5-4-1 / Doppeln / restpresender Stürmer…) gegen den FCB in der Saison 25/26 sollten Gegner damit in den nächsten Wochen nur selten effektiv nutzen können.
MX machte sich in Regensburg mit seiner Vorliebe für die Verübersachlichung des Spiels einen Namen. Dabei flirtete er mit der RB-Schule, blieb aber heimlich immer ein Romantiker für Guardiolas Fußballkunst.





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