Die Phrasendrescher, Folge 10: Optisches Übergewicht

In der finalen Folge der ersten Phrasendrescher-Staffel widmet sich die Crew einer unter- und zugleich überschätzten Phrase: dem „optischen Übergewicht“.

Was sind moderne Fußballphrasen? Wie sind sie entstanden? Und wie erkennt man sie? Im neuen Podcast „Die Phrasendrescher“ debatieren Sportjournalist Tobias Escher (Spielverlagerung-Autor TE), Trainer Martin Rafelt (MR) und Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Simon Meier-Vieracker die Tücken der Fußballsprache. In jeder Ausgabe analysieren sie eine neue Fußballphrase, aus fußballanalytischer, sprachlicher wie journalistischer Sicht. Dabei soll es nicht in erster Linie um klassische Phrasen gehen, sondern um Begriffe aus der modernen Fußballanalytik, die mehr und mehr zu Phrasen verkommen.

In der finalen Folge der ersten Staffel werden sich die Phrasendrescher nicht einig. Wie sollen sie die Phrase „optisches Übergewicht“ bewerten? Martin Rafelt kann ihr etwas abgewinnen, Tobias Escher wiederum nicht. Prof. Dr. Simon Meier-Vieracker schlichtet mithilfe seines linguistischen Wissens. Er klärt auf, warum die Phrase vor allem von Medienschaffenden genutzt wird und wie sie sprachwissenschaftlich einzuordnen ist.

Damit endet die erste Staffel unseres Podcasts! Wir hoffen, ihr hattet euren Spaß an unseren sprachanalytischen Debatten. Ob es weitergeht? Wer weiß! Solltet ihr Lust auf weitere Folgen haben, schreibt uns doch gerne, welche Phrasen wir in Zukunft besprochen sollen. Bis dahin sagen wir: Besser Phrasendrescher hören als Phrasendrescher sein!

Rechtsklick speichern unter

ITunes-Feed
Spotify-Feed
RSS-Feed

Jörn Ritterbusch 16. Juni 2021 um 12:37

Interessante Diskussion, werde mir jetzt auch mal die anderen Folgen anhören. Ich finde diese Formulierung auch durchaus ok, vor allem im Kontext der Live-Berichterstattung.
Zu der Aussage, dass es fussballspezifisch sei, möchte ich noch anmerken, dass es für mich durchaus vorstellbar ist, dies z.B auch im Hockey zu finden. Prinzipiell mehr im Feld- als im Eishockey, aber auch auf dem Eis kann es m.E. durchaus Spielverläufe geben, dass ein Team optisch „am Drücker“ ist, aber diese optische Überlegenheit nicht in Tore ummünzen kann.

Antworten

savona 2. Juni 2021 um 18:04

Danke für die interessanten Diskussionen! Was die aktuelle Folge anbelangt, empfinde ich diese Formulierung – vorzugsweise beim TV-Konsum im Gegensatz zu mancher inhaltsarmen Floskel nicht als störend. Wie MR herausstellt: der Fußball als Low-Score-Sportart erzeugt eben häufig Widersprüche zwischen visueller Wahrnehmung und faktischem Spielverlauf. Deswegen ist es nicht zwangsläufig banal, jene zu erwähnen. Bestes mir geläufiges Beispiel: das berühmt-berüchtigte „Finale dahoam“. Keine Ahnung, ob der Kommentator von einer optischen Überlegenheit der Bayern sprach; er hätte aber jedes Recht dazu gehabt, möchte ich behaupten. Und diese Formulierung hätte den, wie wir wissen, nur zu berechtigten Zweifel beinhaltet, ob diese Dominanz den Bayern wohl nützen würde.

Hinterher gab es in den Debatten diejenigen, die die viel bessere Leistung der Bayern, untermauert mit welchen Statistiken auch immer, betonten. Und es gab die anderen, die das nicht gelten ließen: der optische Eindruck habe den Mangel ab Torgefahr verdeckt, und die großartige Defensivarbeit Chelseas werde völlig übersehen. Zumindest in solch extremem Fall käme mir der Vorschlag TEs („ich habe den Eindruck, dass Bayern überlegen ist“) wenig praxistauglich vor, denn jeder Betrachter sieht exakt dasselbe. Und hegt mit zunehmender Spieldauer vermutlich denselben in der Formulierung angelegten Zweifel, dass diese Überlegenheit dann auch zum Erfolg führen werde. Steigerungsformen wären dann z.B.: „ein Treffer für Team A liegt förmlich in der Luft“ oder „lange wird Team B dem Druck kaum noch standhalten können“.

Antworten

Schreibe einen Kommentar zu Jörn Ritterbusch Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*