Die Phrasendrescher, Folge 2: Matchplan

„Unser Matchplan ist aufgegangen!“ Was steckt dahinter? Die „Phrasendrescher“-Crew debatiert den Begriff „Matchplan“.

Was sind moderne Fußballphrasen? Wie sind sie entstanden? Und wie erkennt man sie? Im neuen Podcast „Die Phrasendrescher“ debatieren Sportjournalist Tobias Escher (Spielverlagerung-Autor TE), Trainer Martin Rafelt (MR) und Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Simon Meier-Vieracker die Tücken der Fußballsprache. In jeder Ausgabe analysieren sie eine neue Fußballphrase, aus fußballanalytischer, sprachlicher wie journalistischer Sicht. Dabei soll es nicht in erster Linie um klassische Phrasen gehen, sondern um Begriffe aus der modernen Fußballanalytik, die mehr und mehr zu Phrasen verkommen.

In der zweiten Folge diskutiert das Team den Begriff „Matchplan“. Nicht erst seit Robert Klauß‘ legendärer Pressekonferenz ist der in aller Munde. „Unser Matchplan ist aufgegangen“ – sowas hört man immer häufiger von Trainern und Spielern. Zeit für die „Phrasendrescher“-Crew, sich diesem Begriff anzunehmen. Wo kommt er her? Was bedeutet er? Und wieso driftet er langsam, aber sicher ins Phrasen-hafte ab? Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Simon Meier-Vieracker und Trainer Martin Rafelt diskutieren mit Moderator Tobias Escher.

Der Podcast ist zunächst auf zehn Ausgaben angelegt. Jeden Dienstag soll eine neue Ausgabe erscheinen; aber nagelt uns nicht darauf fest. „Die Phrasendrescher“ ist ein Freizeitprojekt, das wir unentgeltlich neben unserer eigentlichen Arbeit durchführen. Trotzdem wollen wir versuchen, den wöchentlichen Rhythmus einzuhalten. Auf Ideen und Feedback eurerseits freuen wir uns sehr!

Rechtsklick speichern unter

ITunes-Feed
Spotify-Feed
RSS-Feed

Gh 5. April 2021 um 09:57

Der für mich interessanteste Aspekt ist der, den Herr Rafelt aufbringt: dass „Matchplan“ für die Professionalisierung des Fußballs steht, die Zusammenarbeit eines Expertenteams mit hochspezialisierten Aufgaben etc.. Das ist mM der Grund, warum sich an dem Begriff soviele reiben. Wir befinden uns mM in der Phase der Ausreizung im Fußball, was zwangsläufig zum Ausschluss vieler führt. Fußballer, die nicht die Jugendakademien durchlaufen haben sind selten, immer mehr Spieler sind selbst „Spielersöhne“. Reden über Fußball ist ebenso raffinierter geworden, weil der Fußball raffinierter geworden ist. So muss sich der Fußball Attraktionen außerhalb des Geschehens auf dem Platz schaffen um noch halbwegs Zuschauer zu generieren. Das sind u.a.: Fankultur (wer präpandemisch in Stadien war wird festegestellt haben, dass das Geschehen auf der Tribüne weitestgehend abgekoppelt ist von dem was auf dem Platz passiert), Sportwetten (wie im US-Sport gibt es viele, die den Sport verfolgen ohne je ein Spiel anzusehen) und Gossip we can relate to („Doppelpass“).

Antworten

rb 31. März 2021 um 21:52

Kleine Anmerkung zu „The Inner Game of Tennis“ von W. Timothy Gallwey: Gerade um „Konzentration“ geht es darin nicht, eher sogar um das Gegenteil: um das Unterlassen von Konzentration. Das Buch stellt einen Weg zur Höchstleistungen im Sport vor, der darauf aufbaut, dass man nicht zu verkopft an die Ausführung rangeht, sondern den Körper machen lässt. Konzentration führt eher zur Übersteuerung, Machen-Lassen lässt den Körper seine ihm eigene/angeignete „Intelligenz“ nutzen. Statt auf „concentration“ kommt es Gallwey auf ein „focussing“ – ein Fokussieren der Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt und ein vertrauensvolles Geschehen-Lassen.
Das Buch lässt sich darum auch nicht nur als ein Ratgeber für gutes Tennis-Spielen lesen, sondern seine Aussagen weisen weit über den Platz hinaus, ich finde sie haben sogar sehr viel Philosophisches/Spirituelles an sich. Die Lektüre lohnt sich!

Antworten

[email protected] 30. März 2021 um 12:33

Ich finde es gut, wie sich sprachlich dem Thema genähert wird. Der letzte Schritt fehlt mir allerdings gerade beim Matchplan: es wird zwar auf der Metaebene herausgearbeitet, dass es ein Fundament gibt (war auch in der letzten Folge so) und dann wird im Weiteren auf die Verphrasierung eingegangen.

Es fehlt aber eine Analyse des Fundaments an sich. Der Zuhörer muss nun glauben, weil es auf der Metaebene bleibt, dass es dieses Fundament gibt. Mich als Zuhörer, der nicht so bewandert ist, würde dann aber interessieren, was Beispiele wären, wie so ein Fundament aussieht.

Gerade die Frage, die ihr selbst aufwerft, Beispiele für gute Matchpläne und schlechte Matchpläne, dass der Journalist danach fragen sollte, dieses löst ihr dann selbst nicht auf und bleibt dann eigentlich nur knapp über dem Niveau des Journalisten, den ihr kritisiert.

Und zwar nicht, weil ich unterstelle, dass ihr es nicht besser wüsstet, aber ich als Zuhörer muss euch jetzt einfach glauben, dass ihr es besser wüsstet, weil ihr wenig Fakten liefert, woran ich es messen könnte. Und weil es ja ein Taktikblog ist, wäre der Teil ja auch gerade für viele Leser bzw. Hörer interessant.

Antworten

SMV 30. März 2021 um 12:51

Aber Martin sagt dazu doch was: Natürlich gibt es Matchpläne, aber die werden über mehrere Tage hinweg erarbeitet und mit der Mannschaft besprochen. Diese Detailarbeit wird dann aber sozusagen verdeckt durch die phrasenhaft heruntergebrochene Rede von „dem“ Matchplan.
Ansonsten ist es halt ein Podcast über Fußballsprache, darum reden wir eben genau darüber.

Antworten

[email protected] 30. März 2021 um 14:32

Das habe ich mit Metaebene bezeichnet. Der Inhalt eines Matchplans kommt gerade aber nicht vor.

Muss ich mir das als Zeitplan vorstellen? Muss ich mir das als präferieren bestimmter sowieso schon vorhandener Spielzüge vorstellen? Ist man auf der Ebene des Gesamtkollektivs? Ist man auf der Ebene von Personen?

Werden Taktiken auf individueller Ebene besprochen (Körpertäuschung, zieht öfters links) – was ist denn jetzt ein Matchplan?

Der Frage würde man sich nur nähern, wenn man die „Blackbox mal aufmacht“ – so hatte es glaube ich jemand im Podcast gesagt.

Antworten

MR 30. März 2021 um 20:01

Da müsste man in Beispiele gehen, ich glaub ich habs mal so in Kurzform angesprochen, wollte das dann nicht zu sehr ausweiten an der Stelle, aber versteh die Kritik.

Eine Ressource für viele derartige Beispiele ist übrigens die beliebte Taktikwebsite „Spielverlagerung.de“, da wird bei vielen Spielen auf Vor- und Nachteile der taktischen Ausrichtungen beider Mannschaften eingegangen! 😉

Antworten

Schreibe einen Kommentar zu Gh Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*