Spielerrollen

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Bis jetzt wurden an dieser Stelle nur die groben Positionen betrachtet. In unseren Analysen kommen diese jedoch kaum vor. Dies hat einen simplen Grund: Eine Position sagt nichts über die Aufgabe eines Spielers aus. Genau dies ist aber das, was Mannschaften mit gleicher Formation voneinander unterscheidet – in einem Team hat ein bestimmter Spieler die eine Rolle, im gegnerischen die andere. Welche sind die wichtigsten Rollen auf den einzelnen Positionen?

Torhüter

Der interessanteste taktische Trend bei den Torhütern sind die so genannten Antizipationskeeper (Keeper = engl. für Hüter, Goalkeeper = Torhüter). Hinter dem komplizierten Wort steckt der „spielende Torhüter“. Seit die FIFA Anfang der 90er Torhütern verbot, einen Pass von einem Mitspieler in die Hand zu nehmen, müssen sie mehr Situationen „mit dem Fuß lösen“. Daher sind jüngere Torhüter spielstärker als ihre Vorgänger. Ein klassisches Beispiel ist der Vergleich zwischen Oliver Kahn, der seine Stärken auf der Linie hatte und ein klassischer Reaktionskeeper war, mit Manuel Neuer, der ein exzellenter Fußballspieler und Antizipationskeeper ist.

Innenverteidiger

Früher wurden körperlich robuste Spielertypen im Zentrum der Verteidigung bevorzugt („Kein Mensch, kein Tier, die Nummer Vier“ ist ein klassischer Leitspruch). Heutzutage stehen die spielerischen Qualitäten im Fokus, bspw. eine gute Technik und ein starkes Passspiel. Moderne Innenverteidiger wie Mats Hummels (Borussia Dortmund) und Holger Badstuber (Bayern München) verteilen bei eigenem Ballbesitz aus der Abwehr heraus die Kugel (siehe hierzu auch taktische Mittel: Spielaufbau).

Außenverteidiger

Diese Position kann ganz unterschiedlich interpretiert werden: Manche Außenverteidiger schalten sich oft ins Angriffsspiel ein, andere hingegen konzentrieren sich auf die Verteidigung. Wenn ein Außenverteidiger sehr oft nach vorne geht, bezeichnet man ihn auch als Flügelverteidiger. Besonders wenn ein Team mit drei Innenverteidigern spielt, schalten sich die Außenverteidiger oft in die Offensive ein.

Sechser/Achter

Im Positionsteil haben wir bereits das Konzept „Doppelsechs“, also zwei zentrale Mittelfeldspieler, angesprochen. Nur selten spielen dabei zwei Spieler auf der selben Höhe – meist gibt es einen etwas tieferen Sechser und einen etwas höheren Achter. Grob gesagt gibt es drei Rollen für diese Positionen:

  • Abräumer: Ein Abräumer ist vornehmlich für defensive Aufgaben zuständig. Robuste Spielertypen sind hier gefragt. Sie sollen mit ihrer Zweikampfstärke im Zentrum des Mittelfeldes den Ball erobern.
  • Tiefer Spielmacher: Wie bereits im Positionsteil angedeutet, war früher der Zehner der wichtigste Spielmacher einer Mannschaft. In den letzten Jahren hat sich der Spielaufbau weiter nach hinten verschoben (siehe auch taktische Mittel: Spielaufbau). Auf der Position des Sechsers sind mittlerweile Qualitäten im Passspiel gefragt. Bastian Schweinsteiger ist ein Vertreter dieser Zunft.
  • Box-to-Box-Player: Unter den „wichtigsten Vokabeln“ gingen wir kurz auf die vertikale und horizontale Spielachse ein. Ein „Box to Box“-Player ist hierbei ein Spieler, der vornehmlich auf der vertikalen Achse agiert. Er beackert das Feld dabei vom eigenen Strafraum bis zum gegnerischen Strafraum (Box = englisch für Strafraum). Er hat dementsprechend offensive wie auch defensive Aufgaben, je nachdem, in der Nähe welchen Strafraums er sich gerade befindet. In der deutschen Nationalmannschaft vollführt oftmals Sami Khedira diese Rolle.

Die klassische Aufgabenteilung vor zwei bis drei Jahren sah meist einen Abräumer neben einem Spielmacher. Aber auch die Kombination Box-to-Box-Player, der die vertikale Achse bearbeitet, gepaart mit einem tiefem Spielmacher, der mehr auf der horizontalen Achse agiert, wird von vielen Teams genutzt. Grundsätzlich gilt aber: Die Kombinationsmöglichkeiten sind vielfältig und bieten allesamt Vor- und Nachteile. Einsteiger sollten zunächst versuchen, die einzelnen Spieler im zentralen Mittelfeld unabhängig voneinander zu betrachten. Im nächsten Schritt kann man beobachten, wie sich die Mittelfeldspieler untereinander ergänzen.

Zehner

Wie bereits im letzten Abschnitt bemerkt, werden klassische Spielmacher als Zehner immer seltener. Früher waren Spieler auf dieser Position am Aufbau nahezu aller Angriffe beteiligt. Heute ist ihr Raum aufgrund mehr Mittelfeldspieler und mehr Druck durch ihre Gegenspieler (siehe hierzu taktische Mittel: Pressing) enger geworden. Deshalb ist es für sie heute wichtig, auf engstem Raum den Ball zu behaupten und weiterzuleiten. Auch die Fähigkeit, unbesetzte Räume zu erkennen und sich dort für einen Pass anzubieten, zeichnet die modernen Zehner aus. Manchmal spricht man aufgrund dieser veränderten Aufgabenstellung auch vom falschen Zehner. Mesut Özil ist ein Beispiel.

Außenstürmer

Auf den äußeren Positionen im Sturm lässt sich zwischen zwei Spielertypen unterscheiden: Da wäre zum einen der klassische Außenstürmer. Er geht gerne in Richtung der Torauslinie und schlägt von dort flache oder hohe Pässe („Flanken“) in den Strafraum. Meistens spielt hierbei ein Rechtsfuß auf der rechten und ein Linksfuß auf der linken Seite – so ist das Schlagen der Flanken einfacher.

Zum anderen gibt es den inversen Flügelstürmer. Dieser sucht selten den Weg zur Torauslinie, stattdessen zieht er von den Außen in Richtung Zentrum. Dort versucht er, über Pässe oder Schüsse für Torgefahr zu sorgen. Meistens spielt hierbei ein Rechtsfuß auf der linken und ein Linksfuß auf der rechten Seite. Dadurch können diese Spieler, wenn sie nach innen ziehen, direkt den Schuss suchen – der Ball liegt auf ihrem richtigen Fuß. Ein Beispiel für solch einen Spieler ist Bayern Münchens Arjen Robben, der von Rechtsaußen oft in Richtung Mitte zieht, oder Superstar Cristiano Ronaldo, der von Linksaußen oft in Richtung Mitte zieht.

In blau ist ein klassischer Außenstürmer angegeben. Seine Laufwege sind meist vertikal. Der rote Spieler ist ein inverser Außenstürmer. Er wählt eher den diagonalen bzw. horizontalen Laufweg.

 

Angreifer/Stürmer

Die Aufgaben eines Angreifers ist im Volksmund klar: Er soll Tore schießen. Im modernen Fußball ist es jedoch nicht ganz so leicht. Früher gab es im Sturm meist eine klassische Aufgabenteilung: Ein meist groß gewachsener Hüne mit Torriecher war für das Verwerten von Zuspielen und das Erzielen der Tore zuständig; ein eher spielstarker Unterstützer sollte ihm die Bälle auflegen.

Teilweise gibt es diese Aufteilung heute noch, allerdings ist sie seltener geworden. Das liegt daran, dass viele Mannschaften nur noch mit einem Stürmer spielen. Dieser agiert  allein auf weiter Flur. Er dient oftmals als Wandspieler, d.h., er spielt Anspiele seiner Kollegen mit dem Rücken zum Tor direkt zu seinen Mitspielern zurück (wie eine Wand). Aus diesem Grund ist Spiel- und Passstärke im Angriff mehr und mehr gefragt.

Manche Mannschaften gehen noch einen Schritt weiter und spielen ohne echten Angreifer. Der FC Barcelona beispielsweise hat im Angriffszentrum meist Superstar Lionel Messi aufgestellt. Dieser geht oft ins Mittelfeld zurück oder wandert in Richtung der Außen. Er ist weit entfernt vom klassischen Strafraumstürmer, der im gegnerischen Sechszehner auf Anspiele wartet, vielmehr besticht er durch Dribblings und Pässe. Eine solche Spielerrolle nennt sich falsche Neun.

Es gibt aber auch Stürmer, die weniger ins Angriffsspiel eingebunden sind. Diese sind meist schnell und wendig und warten vorne auf einen Konter ihrer Mannschaft. Wenn ihr Team schnell nach vorne spielt, nutzen sie Lücken bei der gegnerischen Mannschaft aus. Diese Spieler werden meist als Konterstürmer bezeichnet.

Fazit

Grundsätzlich gibt es für alle Positionen viele Optionen. Die hier genannten Rollen sind dabei idealisiert. Welche Rolle ein Spieler ausführt, hängt sehr oft davon ab, welche Stärken und Schwächen er hat. Manchmal lassen sich die Grenzen auch nicht ganz klar ziehen. Ein tiefer Spielmacher kann bspw. auch phasenweise als box-to-box-player agieren.

Für ein Fußballspiel entscheidend ist die Beziehung zwischen den einzelnen Rollen. Unterschiedliche taktische Mittel sind mal stärker, mal weniger stark vertreten, je nachdem, welche Spielertypen kombiniert werden. Im nächsten Schritt schauen wir uns deshalb die wichtigsten taktischen Mittel an.

Anmerkung: Diese Auflistung ist höchst unvollständig und bietet nur die aktuell am meisten verbreiteten Rollen. Wer mehr über historische oder seltener vorkommende Rollen erfahren will, findet Stoff in unserem Taktiklexikon, oben in der Leiste.

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