Donnerstag, 29.09.2016

Schuberts 3-4-3 schlägt gegen enges 4-3-3 fehl

wolfsburg2:1gladbach

Hecking gegen Schubert, Mannorientierungen gegen Mannorientierungen. Das Ergebnis? Ein Umstellungsfestival in Halbzeit 1.

Beide Trainer lassen sich in dieser Saison mithilfe von formativer Umstellungen und personellen Veränderungen immer wieder etwas Interessantes einfallen; wenn auch mit teils inkonstanten Ergebnissen. Ein Element auf beiden Seiten ist aber das Nutzen von Mannorientierungen unterschiedlichster Art und Weise.

Schuberts erste Idee schlägt fehl

Grundformationen

Grundformationen

Die Gladbacher starteten zu Beginn mit einem unüblichen System und einer überraschenden personellen Besetzung. Nominell kann man die Grundformation am ehesten als ein 3-4-3 bezeichnen. Hazard und Raffael besetzten neben Stindl vorne die erste Linie. Die Flügelstürmer orientierten sich aber gelegentlich etwas tiefer an den zentralen Mittelfeldspielern der Wolfsburger, um das gegnerische Aufbauspiel direkt auf die Seite zu leiten. Danach sprinteten sie heraus und attackierten die Außenverteidiger der Wölfe.

Unterstützt wurde dies von den Flügelverteidigern Gladbachs. Hier war die Überraschung versteckt: Johnson begann auf dem rechten Flügel und Hinteregger, eigentlicher Innenverteidiger, startete auf dem linken Flügel. Dazu gesellten sich Dahoud und Xhaka zwischen ihnen als Doppelsechs, in der letzten Linie agierten Elvedi, Christensen und Nordtveit.

Gladbach spielte mit sehr vielen Mannorientierungen. Damit wollte man wohl überall Zugriff haben und ließ lediglich die erste Linie Wolfsburgs im Aufbauspiel teilweise unbedrängt, um keine freien Spieler im Mittelfeld zu öffnen. In tieferen Zonen ließen sich beide Außenspieler situativ durch die Mannorientierungen zurückfallen. Sehr häufig war es aber Xhakas Bewegung zwischen die Abwehrspieler, welche eine Viererkette zwecks besserer Breitenstaffelung herstellte. Ein paar Mal entstanden sogar Staffelungen mit fast sechs Spielern in einer Reihe dadurch.

An diesem System gab es allerdings einige Mängel. Im Aufbauspiel fehlte es an der Präsenz in der Mitte; Raffael, Hazard und Stindl konnten nicht entsprechend eingebunden werden, Xhakas Bewegungsspiel passte nicht zu den Strukturen um ihn herum. Vielfach geriet Gladbach schon früh unter Druck und konnte nicht sauber nach vorne kommen. Außerdem hatte Hinteregger als linker Flügelverteidiger massive Probleme.

Defensiv war sein Stellungsspiel unpassend. Mehrfach schaltete er nicht adäquat herum oder rückte nicht korrekt heraus. Es war erkennbar, dass er eigentlich ein Innenverteidiger ist – im Spiel mit dem Ball wurde es noch eindeutiger. Erhielt er den Ball, marschierte er nie in höhere Zonen, sondern kappte sehr früh schon ab und spielte Pässe zur Seite oder nach hinten. Dabei war seine Zirkulation auch nicht dynamisch genug, um daraus einen positiven Effekt ziehen zu können. Dazu war er vielfach zu tief positioniert, insbesondere bei sich anbahnendem Druck, wodurch er Räume für die Innenverteidiger verengte und Wolfsburg effektiver pressen ließ.

Dies lag aber auch an Wolfsburgs Ausrichtung, die quasi perfekt zum Bespielen der Gladbacher Aufstellung war.

Heckings interessantes 4-3-3-System

Diese Saison hatte Wolfsburg schon vielfach das System variiert. Dabei gab es das übliche 4-2-3-1 in unterschiedlichsten Besetzungen ebenso zu sehen wie ein 4-1-4-1 mit Kruse und Draxler als Doppelacht oder auch ein 4-4-2 mit Kruse und Dost vorne. Gegen Gladbach nutzten die Wölfe ein ähnliches 4-3-3 wie in der vergangenen Woche. Dabei spielten Schürrle und Draxler sehr eng an Kruse. Es war also kein 4-1-4-1 ohne Ball, wie es sonst häufig der Fall war, sondern ging eher in Richtung eines 4-3-2-1. Dieses war insbesondere in tieferen Zonen klar erkennbar.

WOB-Pressing, Gladbach-Aufbau. (Anfangsphase)

WOB-Pressing, Gladbach-Aufbau. (Anfangsphase)

Beim höheren Pressing wirkte es eher wie ein 4-3-3 mit engen Außenstürmern und zwei Achtern, die hinter der Sturmreihe die Anspielstationen manndeckten. Dies waren meistens Arnold und Guilavogui, wobei teilweise auch Gustavo sich etwas höher positionieren konnte.

Die enge Dreierreihe in erster Linie sollte vermutlich Gladbach auf die Seite leiten und die zentralen Passwege – im Verbund mit den Mannorientierungen dahinter natürlich – versperren. Ging der Ball auf den Flügel, konnten die drei Stürmer die Rückpassoptionen einfach verschließen. Die Außenverteidiger und ballnahen Mittelfeldspieler verschoben aggressiv auf den Ballführenden, der sich plötzlich ohne Anspielstationen unter Druck gesetzt sah. Dieses System funktionierte gegen Gladbachs einfache Flügelbesetzung und die drei Spieler in der ersten Reihe, die von Kruse und Co. aus dem Spiel genommen werden konnten, sehr gut.

Nach zwei schnellen Gegentoren gab es deswegen direkt eine Anpassung.

Schubert stellt um

Aufgrund des 2:0 stellte Schubert in der ersten Halbzeit direkt um. In Ballbesitz wurde es zu einer Art 4-1-3-2 mit sehr breiten Flügelstürmern, wo sich Stindl und Raffael flexibel bewegten. Raffael ging eher in Richtung linkem Halbraum. Dort verließ Xhaka nämlich öfters seine Zone, um sich in Richtung der Innenverteidiger zu bewegen und gegebenenfalls zwischen diese abzukippen. Hinteregger und Elvedi bildeten nun das Außenverteidigerduo neben Nordtveit und Christensen. Johnson pendelte zwischen dem Achterraum und der Position des Flügelstürmers, während Hazard auf rechts relativ breit spielte und Breite gab.

Dies war eine treffende Anpassung Schuberts. Durch die breiten Flügelstürmer und die Außenverteidiger sowie das Zurückfallen Raffaels und situativ Stindls konnte man die offenen Räume um Wolfsburgs 4-3-2-1/4-3-3 gut bespielen und über die Flügel attackieren oder mehr Platz in der Mitte aufmachen. Beim Tor gab Johnson passenderweise den Pass aus dem Achterraum auf den von einer sehr breiten Position einrückenden Raffael, was zum Anschlusstreffer führte.

Nun war Hecking am Zug mit der nächsten Umstellung.

Hecking reagiert

Schon früh erkannten die Wolfsburger die Gefahr hinter der Anpassung Gladbachs. Die Fohlen waren in den nächsten Minuten überaus dominant und hatten womöglich ihre stärkste Phase im Spiel. Deswegen gab es auch direkt die Reaktion: Ohne Ball spielte man kein 4-3-3/4-3-2-1 mehr, sondern ein 4-1-4-1 mit tieferen Flügelstürmern, um in diesen Zonen besser verteidigen zu können. Die Partie wurde wieder ausgeglichener. Zur Halbzeit brachte Hecking zusätzlich Träsch für Vieirinha und stellte auf ein 4-4-1-1/4-4-2 um, in welchem Arnold hinter Kruse den gegnerischen Sechserraum versperrte.

Gladbachs 4-4-2 (ohne Ball) bzw. 4-3-3 (mit Ball durch das Zurückfallen oder alternativ auch Einrücken) gegen Wolfsburgs 4-1-4-1, das kurze Zeit später zu einem 4-4-2/4-4-1-1 wurde.

Gladbachs 4-4-2 (ohne Ball) bzw. 4-3-3 (mit Ball durch das Zurückfallen oder alternativ auch Einrücken) gegen Wolfsburgs 4-1-4-1, das kurze Zeit später zu einem 4-4-2/4-4-1-1 wurde.

Ein ausgeglichenes Spiel mit keinen nennenswerten Anpassungen war die Folge davon. Es gab nur noch wenige Abschlüsse, diese aber mit Vorteilen für Gladbach. Hrgota, Herrmann und Hofmann für Hazard, Dahoud und Johnson in den letzten knapp über zwanzig Minuten änderten nichts mehr am Ergebnis.

Fazit

Ein hochintensives Spiel in der Anfangsphase mit viel Hin und Her, vielen Zweikämpfen durch die Mannorientierungen und einer tollen ersten Halbzeit. Beide Trainer zeigten mit ihrer Mannschaft ein interessantes System, welches bei Gladbach aber komplett schief ging. Die Umstellung Schuberts korrigierte die Fehler und wäre womöglich sogar noch einflussreicher gewesen, wenn Hecking nicht schnell reagiert hätte. In der zweiten Halbzeit verflachte das Spiel etwas und Gladbach schaffte den Ausgleich nicht mehr.

Peda 6. März 2016 um 19:20

Hinteregger außen – da war das Ergebnis eigentlich schon abzusehen.

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Logan 7. März 2016 um 08:50

Also so wie am Mittwoch? Als Hinteregger beim Stand von 1:0 für Gladbach auf genau dieser Position eingewechselt wurde. Da war Hinteregger auch keines Falls gut (was nicht verwundert, ist ja auch nicht seine Position), aber das Ergebnis war dennoch ein völlig anderes.
Aus Hintereggers Position direkt auf das Ergebnis zu schließen, ist mMn dann doch etwas polemisch.

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Peda 7. März 2016 um 11:33

Aber der Umkehrschluss ist dann zulässig, oder wie?

Auch wenn die Personalsituation momentan die Alternativen stark einschränkt, das Problem ist mit Blick auf den Kader aber zumindest zur Hälfte selbstgemacht. Und mich ärgert einfach, dass er dort spielen muss, der Rest ist mir ziemlich wurscht.

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Ron 7. März 2016 um 11:46

Selbstgemacht kann man dazu nicht sagen. Man hat mit Johnson, Dominguez, Jantschke, N. Schulz und Wendt eigentlich genügend Leute, die – zugegeben unterschiedlich gut, aber brauchbar – LV spielen können. Dass direkt drei davon langfristig ausfallen ist sicherlich unglücklich und kein selbstgemachtes Problem.

Antworten

Peda 7. März 2016 um 15:47

Mir gings eigentlich nur um Hinteregger, kenne mich bei Gladbach nicht wirklich gut aus.
Aber im Kader sehe ich:

3 Torhüter

8 Innenverteidiger
3 Außenverteidiger

1 defensiver Mittelfeldspieler
2 zentrale Mittelfeldspieler
2 offensive Mittelfeldspieler

6 offensive Außenspieler
2 Mittelstürmer

Ungeachtet dessen, dass alle Feldpsieler natürlich auch andere Positionen bekleiden können, ist der Kader meiner Meinung nach ziemlich unausgeglichen.
Und dann bleibt für mich immer noch die Frage offen, warum man ein 3-4-3 bzw. später das 4-4-2 angesichts der verfügbaren Spieler derart besetzen muss oder will.
Wie gesagt, bin kein Gladbach-Experte, aber für mich ergibt das einfach keinen Sinn.

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Klaus aus MG 8. März 2016 um 18:39

Hallo zusammen,

mir hätte als Alternative zu Hinterlegen besser Johnson als LV gefallen; die RV-Position hätte dann eher Korb einnehmen können.

Die grenzenlose Passivität der Wolfsburger war erschreckend. Hätte (hätte, hätte – Fahrradkette) BMG den Ausgleich erzielt, wäre dann auch mit Sicherheit der Führungstreffer für die Fohlen gefallen.

Fazit: In einem eigentlich sehr guten Auswärtsspiel konnte Gladbach letztlich nicht mehr den verdienten Ausgleich erzielen. Zum Ende des Spiels machte sich auch der fehlende Ruhetag im Vergleich zu den Wolfsburgern bemerkbar. Mit dieser Auswärtsschwäche wird es nicht für Europa reichen – da muß mehr kommen!


Schwerti 6. März 2016 um 09:41

Ich konnte beobachten, dass Gladbach in der 2. HZ vor dem Wolfsburger Tor zu keiner klaren Torgelegenheit kam. Die Räume waren einfach zu, es sah sehr nach Handball aus. Keine Möglichkeit für einen „Durchsteckball.“ Mir fällt nur der Neuaufbau ein, um den Gegner ein wenig heraus zu locken, dann Breite geben und entweder Flanken rein oder von der Grundlinie zurücklegen. Welche Optionen hätte es sonst noch gegeben und warum tut man sich so schwer damit, diese umzusetzen? Na klar, es gibt noch einen Gegner…

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