Dominantes Kaiserslautern besiegt unflexible Heidenheimer

kaiserslautern4:0heidenheim

Ohne den verletzten Demirbay sowie den gesperrten Karl gewann der 1. FC Kaiserslautern nach geschickten Anpassungen Runjaics zu Hause gegen den 1. FC Heidenheim überraschend deutlich mit 4:0. Die Gäste aus Heidenheim traten im Vergleich zu den vergangenen Spielen ähnlich auf. FCH-Trainer Schmidt setzte wie gewohnt auf die Stärken der Mannschaft im Pressing, lange Anspiele in die Spitze aus dem Spielaufbau heraus und den Versuch, über zweite Bälle zu eigenen Chancen zu kommen.

Heidenheims fehlender Zugriff gegen Lauterns asymmetrische Grundordnung zu Spielbeginn

Aufstellungen und Offensivmuster zu Spielbeginng

Aufstellungen und Offensivmuster zu Spielbeginng

Während der Anfangsphase der Partie, als auch der frühe Lauterer Führungstreffer durch Willi Orban nach einer Ecke fiel, entwickelte das Heidenheimer Pressing kaum Zugriff, was einer der Hauptgründe für die Überlegenheit der gastgebenden Pfälzer war. Gegen das 4-4-2-Mittelfeldpressing der Gäste ließ Kosta Runjaic seine Mannschaft mit einer insgesamt asymmetrischen Ausrichtung agieren, die sich auch auf das Aufbauspiel auswirken sollte.
Schulze auf der rechten Außenverteidigerposition agierte hier deutlich offensiver als Löwe auf der anderen Seite. Die Folgen waren, dass Klich auf rechts, ähnlich wie Pascal Groß beim FC Ingolstadt, immer wieder hinter Schulze vor die Innenverteidiger zur Seite herauskippen konnte und so neben den beiden Heidenheimer Stürmern anspielbar wurde, um das Spiel von dieser Position aus sicher mit Vertikalpässen zu eröffnen. Verstärkt wurde der positive Effekt dieser Maßnahme noch durch die Positionierung von Ring, der vereinzelt abkippte, sich aber meist zwischen Morabit und Grimaldi positionierte, um die beiden dazu zu zwingen, enger beieinander zu agieren.

Änderung der Anlaufbewegungen in Heidenheims Pressing

Vor allem mit den vielen Vertikalpässen des 1. FCK auf den Außen und in den Halbräumen aus dem Aufbau in die vorderen Linien hatten die Heidenheimer so ihre Schwierigkeiten. In Verbindung mit flexiblen Bewegungsmustern der Lauterer Außenverteidiger und der Flügelspieler führte diese Spielweise der Heimmannschaft dazu, dass Heidenheim über die mannorientierte Spielweise auf den Außenbahnen wenig Zugriff entwickelte.
Etwa in der zwölften Minute reagierte Schmidt auf diese Probleme seiner Mannschafft und passte die Anlaufbewegungen der Stürmer an. Während Grimaldi jetzt hängend agierte, wodurch sich situativ 4-4-1-1-Staffelungen ergaben, war es nun hauptsächlich Morabit, der die beiden Pfälzer Innenverteidiger so anlief, dass diese auf die rechte Heidenheimer Seite und weg vom bis dahin starken Klich gelenkt werden sollten. Nach Anspielen in den linken tiefen Halbraum oder auf den Flügel konnte Leipertz bzw. später Schnatterer aufrücken und Druck auf den ballnahen Außenverteidiger ausüben, während Grimaldi über seine Positionierung den Sechserraum blockierte und Morabit mögliche Rückpässe auf die Innenverteidiger belauerte.

Heidenheims Plan in der Offensive: lange Bälle aus dem Aufbau, Flügelüberladungen und Spiel auf zweite Bälle

Gegen Kaiserlauterns starkes 4-1-4-1-Mittelfeldpressing verzichtete der 1. FC Heidenheim von Beginn an auf risikobehaftete Bälle im Aufbauspiel und wählte schnell den Weg über die Flügel. So blieben sowohl Strauß als auch Heise auf den beiden Außenverteidigerpositionen genauso wie Titsch-Rivero im Aufbauspiel zunächst tief, um die Ballzirkulation im ersten Drittel zu unterstützen.
Nach Chipbällen der Außenverteidiger auf die breiten Flügelspieler Schnatterer und Leipertz sowie auf Grimaldi in der vordersten Linie wollten die Heidenheimer in Verbindung mit Überladungen des ballnahen Flügels in den Räumen neben dem alleinigen Lauterer Sechser Ring zweite Bälle aufsammeln, um darüber selbst zu Torchancen zu kommen. Zu Spielbeginn wollte man vor allem Grimaldi als Zielspieler nutzen, der lange Bälle auf den viel nach links ausweichenden Morabit verlängern oder diese auf den situativ einrückenden Schnatterer ablegen sollte. Weil das aber nur bedingt funktionierte, tauschten Kapitän Marc Schnatterer und Robert Leipertz bald die Seiten.
In der Folge nutzten die Heidenheimer dann hauptsächlich die rechte Seite als Hauptangriffsseite, wichen aber von ihrer Spielidee nicht ab. Dabei variierten sie die Zuspiele aus der ersten Aufbaulinie allerdings etwas, sodass durchaus auch vermehrte flache Vertikalpässe in den Zwischenlinienraum zu sehen waren. Der Hintergedanke des Seitenwechsels der beiden Flügelspieler dürfte wohl gewesen sein, mit Schnatterer auf rechts einen passenderen Spielertyp für enge Situationen zu haben, wie sie nach zweiten Bällen oftmals entstehen. Darüber hinaus konnte Leipertz vom linken Flügel für eine erhöhte Präsenz in letzter Linie sorgen und seine eher lineare Spielweise für direkte Aktionen in Richtung Tor nutzen.

Kaiserslauterns gute Anpassungen vor der Halbzeit

Nach der besseren Heidenheimer Phase um die 25. Minute herum, in der es die Gäste schafften, über das Pressing und die konsequente Nutzung des rechten Flügels deutlich besser in die Partie zu kommen, gelang es Kaiserslautern anschließend bis zur Halbzeit wieder dominanter aufzutreten, was letztlich auch im Treffer zum 2:0 noch vor der Halbzeit mündete.
Gerade im Pressing gab es einige doch recht deutlich Anpassungen. Zoller blieb nun generell näher an der Mittelfeldkette und orientierte sich zunächst am tiefen Heidenheimer Sechser, bevor er die Innenverteidiger so anlief, dass Titsch-Rivero bzw. Reinhardt in seinem Deckungsschatten verschwanden. Dazu kamen vermehrt nachschiebende Läufe von Stöger, hauptsächlich aber von Zimmer, der die Innenverteidiger von außen anlief und so auf die rechte Kaiserslauterer Seite lenkte.

Verlauf der zweiten Halbzeit

Im Vergleich zur ersten Halbzeit agierte der FC Kaiserslautern im zweiten Durchgang dann deutlich dominanter in der Spielanlage und zeigte sich direkt nach der Halbzeit sehr präsent, ohne dass sich grundlegende Mechanismen geändert hätten. So besetzte man durch die beiden Außenverteidiger oder die Flügelspieler konsequent die Breite des Platzes und nutzte die dadurch geöffneten Halbräume konsequent, um von dort aus die Ballzirkulation aufzubauen. Im Pressing orientierte man sich weiterhin an der 4-1-3-2-Formation von vor der Halbzeit, ehe man ab der 70. Minute sowohl gegen als auch mit dem Ball auf eine stabile 4-4-2-Formation umstellte und nahezu keine Chancen seitens des 1. FC Heidenheim zuließ.

Fazit

Mit einer starken Leistung gewann der 1. FC Kaiserslautern am Ende verdient gegen den 1. FC Heidenheim, der fast während der kompletten Partie unterlegen war. Gute Anpassungen bereits vor Spielbeginn aber vor allem während der Partie von Kosta Runjaic rundeten den gelungenen Auftritt der „Roten Teufel“ ab. Neben dem Polen Klich wussten auf Seiten des FCK vor allem Orban und Zimmer zu gefallen.

Max 9. April 2015 um 14:01

Kann der Autor was zu Stöger sagen? Oder ist eventuell ein Lautern-Fan hier, der was zu ihm sagen kann?
Im Sommer läuft ja der Leihvertrag aus. Hat er beim VfB eine Zukunft? (Mal abgesehen davon, in welcher Liga der VfB nächstes Jahr spielt…)

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kolle 9. April 2015 um 14:55

Stöger ist technisch (sprich Ballverarbeitung etc) ein wirklich starker Spieler, hat aber ausgeprägte Schwächen in Hinsicht auf die Spiel-Übersicht. Immer wieder vertändelt er den Ball, spielt zu spät / falsch ab. Wohl mit ein Grund warum er öfter mal nicht spielt, bzw. andere Spieler Ihm vorgezogen werden,

Meiner Meinung nach ist es schwer vorherzusagen ob er es packt. Man erkennt halt schon seine Stärken, bislang hat er aber Probleme seine Schwächen abzustellen. Auch ob der Fck ihn gerne behalten würde, ist schwer zu sagen. Meine Prognose: In Liga 2 wird der Vfb auf Ihn setzten und er wird min. eine ähnliche Rolle wie beim Fck 2014/15 spielen., Bleibt man in Liga 1 & holt Ihn nach Stuttgart so wird er über eine ergänzende Rolle in der kommenden Saison nicht hinauskommen. Soll aber nicht heißen das er dann kein wertvoller Joker o.ä. sein kann. Denke aber grundsätzlich kommt Liga 1 mit den Ansprüchen des VfB im moment zu früh..

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Max 9. April 2015 um 17:09

danke für die einschätzung.

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studdi 8. April 2015 um 12:50

Danke für diesen sehr guten Artikel.
Es gefällt mir auch sehr, das beschrieben wird das Kosta Runjaic einen großen Anteil am Erfolg des FCK hat.
Wo er doch von vielen FCK Fans doch eher ohne richtige Begründung eher kritisch gesehen wird 😀

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Carlos 12. April 2015 um 12:05

Vielen Lauterer Fans ist Runjaic an der Seitenlinie nicht emotional genug. Er hat halt nicht diese Fussball-wird-gearbeitet-Attitüde, die viele Fans dort gerne auch bei Spielern sehen. Fachlich ist er zusammen mit seinem Co Ilia Gruev ein absoluter Glücksfall für den FCK. Sollte er mit dem Team den Aufstieg schaffen, wird sich die Kritik aber wohl ohnehin erledigt haben.
@Spielverlagerung: Schön, dass mal wieder was zum FCK geschrieben wurde. Interessant finde ich, dass Zimmer in seiner ungewohnten Rolle als LA positiv gesehen wurde. Immerhin hat er in der Hinrunde rechter AV gespielt und dort auch zumeist überzeugt.

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