Arsenal – Chelsea 0:0

Im Spitzenspiel der englischen Liga empfing Arsenal im Stadtduell den Verfolger Chelsea. Die Gäste hatten dabei die Möglichkeit Arsenals Tabellenführung nun endgültig zu rauben und sich selbst nach oben zu orientieren. Dafür entschied sich José Mourinho mit einer defensiveren Ausrichtung, obwohl er zu Saisonbeginn eine höhere, offensivere und nach eigenen Aussagen „proaktivere“ Spielphilosophie versprochen hatte.

Chelsea im 4-1-4-1

Mourinhos Mannschaft begann mit einem 4-1-4-1, welches aber nicht als 4-3-3-Variante und mit hohem Pressing gespielt wurde, wie es die Bayern unter Guardiola oft tun, sondern als 4-5-1-Variante. Chelsea formierte sich in der eigenen Hälfte, agierte kompakt und wartete den Gegner ab. Sie pressten meistens kurz vor der Mittellinie in einem Mittelfeldpressing, wobei Torres eine ambivalente Defensivleistung zeigte. Manchmal schien er höher zu agieren und übernahm die Aufgabe des Anlaufens der beiden Innenverteidiger, wo er einen in den Deckungsschatten stellte, meistens stand er aber vor dem gegnerischen Sechserraum herum.

Grundformationen; Arsenal offfensiv

Grundformationen; Arsenal offfensiv

Zentral spielten Lampard und Ramires vor Obi Mikel auf der Doppelacht, auf den Flügeln begannen Willian und Hazard. Die Viererkette bildeten Cahill und Terry als Innenverteidigerduo, links und rechts spielten Azpilicueta und Ivanovic; durch Azpilicuetas Aufstellung als Linksverteidiger war dies eine eher konservative und defensivorientierte Aufstellung. Zu Beginn wirkte es allerdings nicht gänzlich so.

Im Aufbauspiel war Ivanovic nämlich noch relativ hoch, Mikel bewegte sich nach rechts und kippte teilweise zwischen Ivanovic und Willian heraus, während Lampard die Mitte besetzte. Ramires spielte im rechten Halbraum und bot sich mit Willian als Anspielstation an. Nach der Anfangsphase gab es diesen Mechanismus nicht mehr.

Ivanovic spielte nun tiefer, Mikel blieb im Zentrum und Lampard spielte mit Ramires auf den Achterpositionen. Beide holten sich in etwa gleichem Maße die Bälle im Sechserraum ab. Offensiv gab es ansonsten nicht viel zu beobachten. Chelsea versuchte schnelle Konter über Hazard und Willian, die beide phasenweise sehr weit einrückten und ansatzweise in Ballbesitz eine 4-3-2-1-Tannenbaumformation herstellten. Torres bot sich dabei mit seinen intelligenten Läufen immer wieder in den Schnittstellen an oder öffnete ballfern Räume für nachrückende Spieler. Letztlich hatte Arsenal zwar besonders in der ersten Hälfte deutlich mehr vom Spiel, die größeren Chancen in einer strafraumszenenarmen Partie hatte jedoch Chelsea.

Dies lag allerdings eher an der Defensive Chelseas. Arsenal wollte die Halbräume hinter den Achtern Chelseas neben dem Sechser Mikel bespielen. Die Flügel ließen sie dabei außer Acht und Rosicky rückte oft von der Seite in die Mitte ein. Auch Ramsey und/oder Özil fanden sich vermehrt in dieser Zone wieder. Anspielbar waren sie nur selten.

Chelsea hatte eine leicht mannorientierte Deckung auf den Achterpositionen, die sich bis weit nach hinten und nur ein bisschen nach vorne erstreckte. Manchmal ließ sich zum Beispiel Özil sehr weit zurückfallen und agierte auf der Höhe Artetas vor der Abwehr, wo er nicht verfolgt wurde. Wenn aber Özil und Ramsey die Halbräume besetzten, orientierten sich Lampard und Ramires etwas nach hinten, machten die Halbräume kleiner und sorgten für Kompaktheit. Ab und zu entstanden dann sogar 4-5-1-Formationen mit flacher Mittelfeldfünf bei Arsenal.

Diese Defensivspielweise sorgte zwar für relativ hohe Stabilität bei den Gästen, hatte aber keinen Mehrwert bei Balleroberungen; eher das Gegenteil.

Arsenal umgeht Chelseas Bewegungen geschickt

Das 4-5-1 ermöglichte Arsenal nämlich ihr Aufbauspiel lange durchzuziehen. Arteta baute vor den beiden Innenverteidigern auf, Gibbs hielt sich offensiv sehr zurück und Sagna rückte zumindest nicht bei jeder Gelegenheit mit nach vorne. Zentral gab es einige interessante Aspekte. Wie von mir in einem Artikel vom Sommer angedeutet agierte Özil in dieser Partie überaus tief und versuchte das Spiel aus dem Mittelfeld aufzubauen.

Dies nahm ihm zwar einige seiner Stärken, erlaubte aber ein sauberes Aufbauspiel mit stabiler Ballzirkulation. Im Verbund mit Ramsey unterstützte er Arteta und orientierte sich auch immer wieder in die Halbräume. Allerdings gab es dabei Probleme durch die Bewegungen Lampards und Ramires‘, weswegen Wenger versuchte diese zu bekämpfen.

Zuerst war es meistens Rosicky, der von links in den Halbraum einrückte und Ramsey oder Özil ersetzte, damit diese zurückfallen konnten. Später aber bewegte sich Rosicky vom linken Flügel in den eigenen Sechserraum, Ramsey und Özil besetzten den Zwischenlinienraum. Sie sollten damit wohl die gegnerischen Achter nach hinten drücken. Arteta und Rosicky bauten auf, Rosicky konnte logischerweise von Ivanovic nicht verfolgt werden und überlud dadurch zentral.

Grundformationen; Chelsea offensiv

Grundformationen; Chelsea offensiv

Arsenals mangelnde linke Breite kam nicht zum Tragen. Wieso? Weil sie es auch nicht auf die linke Seite anlegten. Nur 28% aller Angriffe versuchten sie über diese Seite, in der ersten Hälfte gab es keine wirklichen Angriffe über diese Seite. Die Gunners konzentrierten sich eher darauf Rosickys zentrale Position im Aufbauspiel und Gegenpressing stärker zu nutzen, was vereinzelt gut klappte. Wenn Willian tiefer stand konnte Rosicky bei Kontern aus tiefer Position dynamisch auf ihn aufrücken. Ging der Konter nicht auf Willian, sondern über die Mitte oder über die andere Seite, dann stand Rosicky bereits passend als Absicherung.

Dennoch wurde die linke Seite nach der Halbzeit etwas stärker belebt, wie auch einige andere Aspekte.

Anpassungen in der zweiten Hälfte

Nach dem Seitenwechsel tauchte gar Walcott kurz auf links auf. Diese Umstellung wurde aber schnell rückgängig gemacht und stattdessen wich Giroud stärker in Richtung linker Außenbahn auf. Ziel war es die bisherige Walcott-Diagonalbewegung in die von Giroud geöffneten Löchern aufrechtzuerhalten. Später war es dann vermehrt Mesut Özil, der nach links ging und dort situativ Breite gab oder sich für Pässe anbot. Rosicky blieb nach wie bei eigenem Ballbesitz zentral und rückte erst bei Ballbesitz Chelseas wieder auf links; Özil spielte nach wie vor als nomineller Zehner, allerdings deutlich höher und nun auch viel ausweichender.

Im Mittelfeldband versuchte Arsenal auch mehr mit dem Ball aufzurücken und Chelseas tiefe Ausrichtung zu bespielen. Chelsea konterte das schnell. Sie erhöhten das Pressing, versuchten früher zu pressen und mehr konstruktives Aufbauspiel zu betreiben, um Arsenal zum Verschieben zu zwingen. So stand es in den ersten 15 Minuten der zweiten Halbzeit beim Ballbesitz 50:50, während in der gesamten ersten Hälfte Arsenal Ballbesitzzeiten zwischen 55% und 70% hatte. Zur Halbzeit stand es 40:60.

Chelsea passte sich auch offensiv an. Hazard agierte nun deutlich breiter und rückte seltener ein. Die Außenverteidiger spielten höher und rückten bis ins zweite Drittel auf, wodurch sich nicht mehr ganz so viel im Zentrum abspielte und die Flügel zumindest ein bisschen genutzt wurden. Auch die Einwechslung Schürrles für Hazard in der 70. Minute und dessen zuvor breitere Position zeigten dies.

Diese Anfangsphase direkt nach der Halbzeit bis etwa zur 65. Minute war wohl die stärkste Phase Chelseas. Danach fand Arsenal den Rhythmus wieder, bespielte Chelseas Staffelungen und kombinierte sich gut durch das Pressing. Sie fanden öfters den Ball auf die Flügel zum ausweichenden Özil, spielten im Aufbauspiel etwas weniger kompakt und ließen Chelsea weitere Wege laufen, wodurch sie mehr Räume zum Aufrücken hatten.

Darum wollte Mourinho seine Präsenz im Pressing wieder erhöhen. Zuerst brachte er Oscar für Willian und somit einen laufstarken und frischen Flügelspieler. In der Schlussphase brachte er sogar noch David Luiz für Fernando Torres und schob Oscar auf die Mittelstürmerposition. Mit Ramires auf rechts wollten die Blues viel Druck erzeugen, konnten aber dennoch kaum Bälle erobern und es blieb beim 0:0.

Fazit

Trotz einiger taktisch interessanter Aspekte war es keine ansehnliche Partie. Özil spielte offensiv und teilweise auch defensiv tiefer als zu Saisonbeginn, Wenger versuchte in der Mitte Überzahl herzustellen und Chelsea kümmerte sich ums Konterspiel. Arsenal hatte dabei mehr von der Partie, Chelsea aber mehr Chancen (13:7 für Chelsea bei den Abschlüssen, 4:2 bei den Torschüssen) und hätte die Partie durchaus trotz der reaktiven Ausrichtung gewinnen können. So wird aber wohl das umstrittene Foul an Arteta durch seinen eigenen Vornamen die Hauptdiskussion nach dieser Partie bleiben.

CF 24. Dezember 2013 um 15:38

Mourinho hat es glaube ich aufgegeben aktiven Fußball zuspielen. Bei denn meisten erfolgreichen reaktiven Teams folgt irgendwann die Entwicklung zu einem Aktiven Team. Diese Entwicklung sieht man bei Mourinho Teams oft nur gegen schwächere Teams das ist schade, weil so die Spiele oft sehr langweilig werden, da die Rollen verteilt sind. Ich war echt sauer nach dem Spiel da es taktisch so wenig her gegeben hat. Gott sei dank hatte ich dann mit Swansea noch einen taktisch interessanten Vorweihnachtstag 😀

RM ich wollte auch noch sagen das Tore nicht nur für Spektakel Freunde gut sind sondern auch für Taktik Freunde. Die Dynamik des Spiels ändert sich und man kann wieder neu Fragen an das Spiel stellen.

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SB 24. Dezember 2013 um 02:14

Köstlicher Mikel-Witz am Ende! 😀

Ich finde aber persönlich, dass Gibbs garnicht so selten bzw. wenig offensiv aufgerückt ist, er hat Rosicky (bzw. während der Rochaden Özil/Giroud) ziemlich hoch abgesichert und sich als Ablagestation angeboten

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JM 24. Dezember 2013 um 03:08

„So wird aber wohl das umstrittene Foul an Arteta durch seinen eigenen Vornamen[..]“

hahha einfach geil 😀

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RM 24. Dezember 2013 um 09:39

Naja, er hat sich nur als Breitengeber angeboten, wurde selten eingebunden und ist nur vereinzelt dann auch wirklich ins letzte Drittel gegangen. Dass er höher stand, sieht man schon in der Grafik. Kann aber echt sein, dass es missverständlich rüberkam von mir. Meinte eher, dass er sich bei Angriffen über rechts früh zurückfallen ließ und Angriffe über links nicht zustande kamen, weil sie nicht zustandekommen sollten, obwohl er höher stand.

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Floyd 24. Dezember 2013 um 00:53

Schöner Artikel!

An einer Stelle fehlt aber irgendwie ein Name (Rosicky?): „Manchmal ließ sich zum Beispiel sehr weit zurückfallen und agierte auf der Höhe Artetas vor der Abwehr, wo er nicht verfolgt wurde.“

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RM 24. Dezember 2013 um 01:05

Danke! 🙂

Habe es geändert, meinte Özil und Ramsey.

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