Der AS Rom unter Rudi Garcia

Eine der Überraschungsmannschaften dieser Saison in der Mannschaftsanalyse: Der AS Rom. Die Römer liegen aktuell auf dem ersten Platz in der Serie A und konnten am vergangenen Spieltag im Spitzenspiel den SSC Neapel besiegen. Besonders beeindruckend ist hierbei die Defensive, welche bislang ein einziges Gegentor zuließ. Auf diese gehen wir darum auch zuerst ein.

Der Schlüsselspieler der Defensive

Nominell formieren sich die Römer in einem 4-1-4-1. Alessandro Florenzi und Gervinho besetzen zumeist die Außenbahnen, während Altstar Francesco Totti den Mittelstürmer gibt. Auf der Doppelacht agieren Miralem Pjanic und Kevin Strootman, zwischen ihnen und der Viererkette sichert Daniele De Rossi den Raum. Letzterem fällt auch eine Schlüsselrolle im Defensivspiel zu.

Die Grundformation der Roma

Die Grundformation der Roma

De Rossi verschiebt einerseits in der Horizontale und sorgt dafür, dass auf Außen geleitete Gegner nicht einfach in die Mitte kommen. Er bewacht dabei besonders die Halbräume und im Verbund mit dem Außenverteidiger, dem Achter und dem Flügelstürmer wird dann bei Pässen in diese Halbräume viel Druck erzeugt. Die deutlich wichtigere Aufgabe fällt ihm aber im Sichern der Kette und in seinen vertikalen und diagonalen Bewegungen zu.

Die Roma lebt davon, dass sie in der Viererkette überaus variabel sind. Einzelne Spieler aus dem Mittelfeld können sich dazu gesellen, insbesondere natürlich die Außenstürmer, die Spieler in der Viererkette rücken oft mannorientiert heraus. De Rossi ist hierbei der Balancegeber. Manchmal rückt er nach vorne und lässt seine Position verweisen, um eine Art 4-0-3-3 oder 4-0-5-1 herzustellen. Meistens lässt er sich aber in die Viererkette zurückfallen, um diese zu verbreitern oder die Position eines fehlenden Spielers zu übernehmen.

Ein Beispiel stellt die Unterstützung bei gegnerischen Flügelangriffen dar. Weicht der eigene Außenverteidiger zur Seite, um zu pressen, lässt sich De Rossi zurückfallen – es entsteht kurzzeitig eine Fünferkette. Kommt eine Flanke, dann ist die Roma gut organisiert und präsent, kommt ein Rückpass, stellen sie die alte Formation mit der 4-1/4-3-Aufteilung wieder her.

Wenn einer der Innenverteidiger in die offenen Halbräume verschiebt, dann geschieht ähnliches. De Rossi lässt sich zurückfallen und schiebt in die Position des Innenverteidigers. Dieses Herausrücken gibt es nämlich durchaus oft.

Mannorientierungen und defensive Dynamik

Die Defensivspieler der Roma – und auch die Offensiven – orientieren sich immer wieder kurz mannorientiert an ihren Gegenspielern. Interessant ist hierbei, dass es gewisse Unterschiede bei den jeweiligen Akteuren gibt. Der defensiv sehr eindrucksvolle Florenzi lässt sich zum Beispiel gerne tiefer fallen, deckt stark den Raum und wartet, dass sein Gegenspieler in den Raum kommt. Sein Gegenüber Gervinho bleibt manchmal höher, steht etwas zu hoch im leeren Raum noch vor den anderen Mittelfeldspielern und verfolgt seinen Gegenspieler erst, wenn dieser in die Tiefe startet; nicht immer kann er ihn noch rechtzeitig einholen.

Gervinhos Tor gegen Bologna fiel, als er zockte. De Rossi fing einen Pass ab und spielt nach vorne, Totti macht Gervinho den Raum für ein freies 1-gegen-1 auf.

Gervinhos Tor gegen Bologna fiel, als er zockte. De Rossi fing einen Pass ab und spielt nach vorne, Totti macht Gervinho den Raum für ein freies 1-gegen-1 auf.

Bei diesem Aspekt ist natürlich auch die Frage, ob das Gewohnheitssache bei Gervinho ist, ob es in bestimmten Phasen so praktiziert wird oder ob es geplante Rhythmuswechsel sind, um Gervinho manchmal höher zu halten und ihn zocken zu lassen. Auffällig ist nämlich durchaus, dass nach Führungen Gervinho noch höher steht und quasi ein asymmetrisches 4-4-1-1 formt, wodurch schon zwei Kontertore erzielt werden konnten, unter anderem das 4:0 gegen Bologna; außerdem presst er im Pressing ebenfalls gelegentlich zwischen Innen- und Außenverteidiger.

Diese situative Mannorientierung gibt es natürlich auch in der gesamten Viererkette, die mit einer Art mannorientierten Raumdeckung agieren. Sie verschieben ihren abzudeckenden Raum immer in Richtung eines Gegenspielers, um schnell Zugriff herstellen zu können. Ähnlich verhalten sich auch die Achter, wodurch vereinzelt merkwürdige Staffelungen entstehen können.

Wurde die Roma zum Beispiel sehr weit nach hinten geschoben durch einen guten gegnerischen Angriff, entsteht manchmal sogar ein 6-1-2-1, da in die Tiefe startende Gegenspieler mannorientiert verfolgt werden und sich die Achter oder die Flügelstürmer plötzlich auf Höhe der Viererkette wiederfinden. Wenn die Roma höher presst, dann entstehen wiederum aus dem 4-1-4-1 oftmals 4-3-3 und sehr oft sogar 4-3-2-1-Formationen.

Bei letzterer schieben die Achter nach vorne, um Druck auf das gegnerische Mittelfeld auszuüben, während die Außenstürmer sich fallen lassen. Kommen die Bälle auf die Seite, verschieben die Achter und De Rossi dorthin, wodurch enger Raum erzeugt wird. Vereinzelt schieben dann sogar die Außenverteidiger mit nach vorne, wenn sich ihre Gegenspieler zurückfallen lassen, es gibt also sogar 2-3-4-1-Formationen bei der Roma. Flexibel, nicht wahr?

Es entsteht dadurch viel Dynamik, aber die Roma lässt durchaus einige Schüsse zu. Das Problem und das „Geheimnis“ der bisherigen Defensivstärke der Roma scheinen aber in einem strategischen Aspekt zu liegen.

Bespielt die Roma eine Eigenheit der Serie A?

Alles in allem ist die Roma defensiv durchaus gut: Sie stehen meist in einem hohen, passiven Mittelfeldpressing, Totti läuft aus dem Sechserraum bogenartig die Innenverteidiger an, sie haben ein 4-1-4-1 und Gegen- und Rückwärtspressing ist in Maßen vorhanden, wenn auch weit von der Intensität der deutschen Pressingmaschinen entfernt. Die Roma steht aber kompakt da und öffnet lediglich vereinzelt den defensiven Zwischenlinienraum, wenn De Rossi nach vorne geht, die Verteidigung aber nicht nachschiebt.

Wenn die Mittelfeldspieler, allen voran eben die bereits erwähnten Achter, draufgehen, dann erzeugen sie Druck auf den Ballführenden. Spielt dieser zurück, ist die Gefahr gebannt, sie formieren sich neu. Kommt der Ball nach vorne, sind große Räume offen. Wieso werden diese also nicht ordentlich bespielt?

Neben De Rossis Bewegung und der sehr gut abgestimmten Viererkette liegt die wahre Ursache wohl etwas tiefer. Die Gegner greifen nicht so gut an, eben weil die Räume so offen sind. Die Viererkette steht eng und stabil, übt aber nicht so viel Druck aus. Die Achter kommen zurück und pressen rückwärts. Dadurch ist viel Raum, aber wenig Zeit vorhanden. Gleichzeitig sind kaum Lochpässe möglich, dafür sind Abschlüsse ein Einfaches.

Und genau das ist der interessante Punkt: Die Gegner der Roma schließen phasenweise zu früh und aus ungünstigen Positionen ab. Wenn sie Raum und die Möglichkeit zum Abschluss haben, aber gepresst werden, dann schließen sie auch ab. De Sanctis hat diese Bälle, wenn sie überhaupt aufs Tor kommen. Das bislang einzige Gegentor fiel passenderweise auch nach einer minimal längeren Stafette, wo sich Parma am linken Flügel aus einer engen Situation befreite und in den rechten Halbraum verlagerte.

Von dort gab es eine Hereingabe in den Strafraum, die mit dem Kopf von Biabiany abgeschlossen wurde. Mitnichten ein guter Angriff, aber zumindest innerhalb des Strafraums. Es scheint gar, als ob die vielen 3-5-2- und 3-4-3-Teams der Serie A ohne die Möglichkeit der Flügelüberladungen die Roma eng verteidigen lassen. Diese bieten Raum, aber kaum Optionen zur Penetration, desweiteren fehlt es den angreifenden Teams an Breite. Der Abschluss bietet sich an, die einfache Option wird genutzt.

Der AS Rom presst keineswegs hoch bzw. nutzt dies eher als taktisches Mittel. Hier eine Szene aus der Partie gegen Napoli.  Pjanic und Strootman stehen gar höher, als die Flügelstürmer.

Der AS Rom presst keineswegs hoch bzw. nutzt dies eher als taktisches Mittel. Hier eine Szene aus der Partie gegen Napoli. Pjanic und Strootman stehen gar höher, als die Flügelstürmer.

Dazu kommt dann natürlich die Umgangsweise der Roma: Gruppentaktisch bewegen sie sich gut, erzeugen teilweise zu viel Dynamik und Chaos, was ihnen aber dank dieser Abschlussprovokation entgegenkommt. Manchmal machen sie den Raum auf, stehen mit der Viererkette tiefer, aber lassen sich nicht zu weit zurückdrängen. Manchmal schiebt die Viererkette aber plötzlich mit einzelnen Spieler nach vorne auf den Ball und sorgt ebenfalls für einen schnellen Abschluss des Gegners aus 20-25 Metern.

Hier scheint es also nicht nur ein taktischer, sondern ein strategischer Aspekt zu sein. In der Serie A gibt es bei all der Klasse in der Defensive und auch im Bewegungsspiel in der Mitte noch einige Mannschaften, deren Offensivstrukturen mittelmäßig ausgeprägt sind, was sicherlich auch an der Fußballausbildung liegt. Hinzu kommt, dass auch abgeblockte Schüsse im Zwischenlinienraum aufgrund weniger (intensivem und kohäsivem) Gegenpressing nicht so gefährlich sind, wie zum Beispiel in der Bundesliga.

Diesen Umstand macht sich der AS Rom zunutze – bislang mit Erfolg. Bezeichnend ist in dieser Hinsicht übrigens, dass die Roma neun Gegentore weniger zuließ, als Juventus, aber  29 Schüsse mehr auf das Tor von De Sanctis abgefeuert wurden. Inter erhielt bei acht Gegentoren mehr nur einen Schuss mehr als Rom, Sampdoria Genua schafft es sogar bei 13 Gegentoren mehr sogar drei Schüsse weniger zuzulassen.

Trotzdem ist die Roma bei den Gegentoren europaweit auf Platz 1. Eine interessante Spielweise also. Aber es reicht bekanntlich auch in Italien nicht, dass man sich auf wenige Gegentore konzentriert. Vielmehr überzeugt die Roma in der Offensive gar noch mehr, als in der rekordverdächtigen Abwehr. Und auch hier ist ein waschechter Römer der Schlüsselspieler.

Francesco Totti – Roms Kombination aus Gladiator und Zauberer

Als Totti 1993 sein Debüt für die Roma gab, machte sich der Autor dieses Artikels noch regelmäßig in die Hose. Nach 20 Jahren spielt Totti noch immer für die Roma, während ich stolz bin meine Hosen seit Längerem schon sauber zu halten. Auch darum – nicht wegen meiner Hosen – genießt Totti Kultstatus bei den Tifosi des AS Rom. Trotz zahlreicher Angebote großer Vereine blieb er seinem Heimatverein treu und brachte sich selbst um zahlreiche Titel auf Klubebene. Dies ist schade, denn Totti hätte sich mit seinen Fähigkeiten durchaus einen Weltfußballertitel verdient.

Selbst im Alter von 37 Jahren besitzt er noch Fähigkeiten auf absolutem Weltklasseniveau, die von Trainer Rudi Garcia perfekt eingebunden werden: Francesco Totti spielt nämlich als tiefe spielmachende Neun, als hohe spielmachende Neun und als umschaltende Neun. Was das heißt? Nach Balleroberungen im Konterspiel ist er sehr oft eine Zwischenstation. Der Ball kommt aus der Abwehr zu ihm, dadurch kann dieser erste Pass schon sehr scharf gespielt werden, denn Totti verarbeitet auch schwierige Anspiele unter Druck noch herausragend.

Zusätzlich ist er mit seiner Technik dazu fähig diese Pässe in Dribblings umzuwandeln und den Ball zu behaupten oder ihn sofort weiterzuspielen. Dies dürfte die größte und eindrucksvollste Fähigkeit Tottis sein. Selbst scharfe Pässe kann er mit unglaublicher Präzision direkt weiterspielen und dem Ball auch noch einen passenden Effet und Stärke mitgeben. Beeindruckend ist dabei, dass er diese Pässe auch außerhalb seines Sichtfelds spielen kann, wodurch er eine ganz besondere Gefahr ist.

Dank dieser Kreativität, Technik, den Fähigkeiten als Nadelspieler und seiner Übersicht ist er die ideale Besetzung für diese Position, der AS Rom kann nahezu spielend leicht spielerisch Raumgewinn verbuchen und gefährliche Angriffe beinahe aus dem Nichts konstruieren – und die restliche Mannschaft ist in der Offensive an eben diesen Umstand angepasst.

Flexible Flügelstürmer als Tiefengeber

Da Totti sich gerne in den Zwischenlinienraum oder ins Mittelfeld zurückfallen lässt, müssen die Flügelstürmer dem Spiel Tiefe geben. Immer wieder bleiben sie weit vorne stehen, insbesondere Gervinho positioniert sich so weit wie möglich vorne und steht auf einer Höhe mit dem tiefsten Spieler der gegnerischen Abwehrkette. Zusätzlich tauschen die beiden Flügelstürmer oftmals die Seiten und kommen über den jeweils anderen Flügel, ohne dafür etwas an der generellen Spielweise zu ändern.

Ein diagonaler Lauf Maicons aus eingerückter Position gegen Parma.

Ein diagonaler Lauf Maicons aus eingerückter Position gegen Parma.

Interessant sind hierbei die diagonalen Sprints in die von Totti geöffneten Räume und das variable Geben von Breite. Wenn Totti sich im Konterspiel zurückfallen lässt, sprintet meistens einer der Flügelstürmer von seiner breiten Position diagonal hinter das von Totti geöffnete Loch. Viele Innenverteidiger versuchen Totti mannorientiert zu verfolgen, was wegen Tottis Direktpässen nach hinten enorm gefährlich ist, kein anderer Spieler kann diese Pässe so spielen.

Wenn Totti sich in der Ballzirkulation und bei einem langsamer vorgetragenen Angriff zurückfallen lässt, wird er oftmals nicht verfolgt; für viele Teams ist hier die Gefahr zu groß, dass Totti den Ball auf Pjanic prallen lässt und dieser die offenen Räume dank seines besseren Sichtfelds bespielt. Hier sieht der Mechanismus zur Übernahme von Tottis Position und Raum bei der Roma etwas anders aus.

Sie lassen den Raum oftmals offen, aber manchmal rückt einer der Außenstürmer auf die Mittelstürmerposition, meistens der ballferne, während der andere Außenstürmer zwischen dem Flügel und dem Halbraum pendelt. Die Roma formiert sich dann in einer Art 2-1-5-2 und spielt die Angriffe auf eigene Art und Weise aus.

Zwischen Distanzschüssen, Lochpässen und diagonalen Außenverteidigern

Auffällig bei der Roma sind die hohe Genauigkeit im Passspiel und die dauerhaft vorhandenen Anspielstationen im zweiten Spielfelddritte. Einzig Florenzi und Totti haben eine Passgenauigkeit von unter 85%, lediglich Florenz kommt auf weniger als 80% – sein Ersatz Adem Ljajic kommt wiederum sogar auf über 90%. Interessant ist diesbezüglich der trotzdem relativ geringe Ballbesitzwert: Mit 86% Passgenauigkeit liegt die Roma auf Platz 3 in der Serie A mit extrem wenig Rückstand auf Platz 1 und 2, mit 56% Ballbesitz sind sie aber relativ klar nur auf Platz 4.

Dafür gibt es zwei Ursachen. Eine ist das schon angesprochene eher passive Pressing und der Fokus auf das Zustellen von Anspielstationen und dem Erzeugen von Druck in bestimmten Zonen. Eine zweite Ursache geht mit der Staffelung im Offensivspiel einher. Durch das schon erwähnte 2-1-5-2 haben sie extrem viele Optionen vor dem gegnerischen Mittelfeld und können zur Not immer einen sicheren Pass zurück spielen. Dazu haben sie eine extrem kreative zentrale Achse.

Miralem Pjanic und Francesco Totti können beide als Nadelspieler fungieren und sind auch in engen Räumen überaus stark. Wenn ihre Mitspieler keine Passmöglichkeit haben, können sie trotzdem relativ sicher Pjanic und Totti mit scharfen Pässen anspielen, ohne unbedingt einen Ballverlust riskieren zu müssen. Totti und Pjanic können außerdem das Spieltempo mit einzelnen Pässen, besonders mit Lupfern über die Kette oder Schnittstellenpässen, anheben, ob als Empfänger dieser Pässe oder Passgeber selbst.

... und in dieser Szene ist es einfach Strootman, der mit Gervinho im Kontern attackiert, Totti ließ sich mal wieder zurückfallen und öffnete Raum.

… und in dieser Szene ist es einfach Strootman, der mit Gervinho im Kontern attackiert, Totti ließ sich mal wieder zurückfallen und öffnete Raum.

Doch auch ihre Nebenmänner sind technisch stark. De Rossi ist ein sehr starker Sechser, der ebenso wie Kevin Strootman sowohl als alleinige Sechs, als Part einer Doppelsechs oder gar als box-to-box-Akteur auf einer offensiveren Mittelfeldposition agieren könnte. Dadurch sind Positionswechsel möglich, gelegentlich kippen Pjanic und Strootman sogar hinter De Rossi ab, der nach vorne schiebt, um Raum zu öffnen.

Diese technische Stärke und das flexible Bewegungsspiel setzen sich auch in anderen Mannschaftsteilen fort. Mehdi Benatia und Castan sind spielstarke Innenverteidiger, Balzaretti auf links ist ein überaus solider Außenverteidiger und Maicon auf rechts gehört an guten Tagen zu den kombinationsstärksten Außenverteidigern Europas. Im Verbund mit diesen Akteuren und der Staffelung im zweiten Drittel sind Balleroberungen gegen die Roma in diesen Zonen überaus schwierig.

Gleichzeitig sorgt die Roma dafür, dass sie kaum Ballverluste in höheren Zonen haben. Wenn sie sich im letzten Spielfelddrittel befinden oder in dieses kommen, dann heben sie wie erwähnt das Tempo an; oftmals schließen sie aber auch einfach sehr früh und gut ab, um möglichen Kontern vorzubeugen und die Schussfähigkeiten der eigenen Mannschaft ins Spiel zu bringen.

Hierbei gibt es einen Standardspielzug: Totti lässt sich zurückfallen, Strootman ebenfalls, während Pjanic aufrückt. Es entsteht eine Art 2-2-Formation und auf die Außen kommt ein Lochpass. Die Flügelstürmer können ins Dribbling gehen oder einfach in die Spitze stoßen, sie werden dabei von den Außenverteidigern unterstützt. Durch dieses Pärchen können sie sich gegen die vielen Dreierketten in der Serie A gut behaupten, sie stehen eng zusammen und verlagern dann zurück in die Mitte, wo Pjanic und Totti sowie Strootman und De Rossi auf Abschlüsse warten.

Wegen Tottis Zurückfallen und den hohen Außenstürmern stehen dabei zuvor die Verteidiger des Gegners tief und die Mittelfeldspieler haben keinen Zugriff. Dann drückt die Roma den Gegner nach hinten und kann mit schnellen Läufen hinter das gegnerische Mittelfeld den freien Zwischenlinienraum infiltrieren. Phasenweise stehen sie dann mit bis zu sieben Spielern um den Strafraum herum, um Angriffe abzuschließen.

Neben den vielen Schüssen aus dem Zwischenlinienraum versuchen sie natürlich auch schnelle Lochpässe auf die Flügelstürmer, welche nach den Rückpässen in die Mitte oftmals direkt zum Tor ziehen. Pjanic und Totti spielen dabei gerne Lupferpässe über die gegnerische Kette oder nutzen ihre technische Stärke, um sehr schnell zu kombinieren.

Ein zusätzlicher Aspekt in dieser Offensivstaffelung, wo die Roma frei zwischen Abschlüssen aus der zweiten Reihe und Kombinationen über die Halbräume wählen kann, sind die Außenverteidiger.

Balzaretti und Maicon hinterlaufen nicht nur die Flügelstürmer, sondern rücken oftmals in die Halbräume ein. Dies kann einerseits bei Flügelkombinationen passieren: Sie schieben in die Räume neben den Achtern, bilden mit ihnen ein Pärchen, während die Außenstürmer eher breit bleiben. Andererseits passiert es auch durch ballfernes Einrücken. Wenn ein Flügel kombiniert, so verschieben die ballfernen Akteure zum Ball, inklusive dem Außenverteidiger. Insbesondere Maicon taucht dann immer wieder gefährlich dort auf und kommt zum Abschluss; bereits bei Inter Mailand unter José Mourinho wurde dieses Mittel situativ eingesetzt.

Dadurch hat Rom mit Pjanic, Totti, Strootman und De Rossi vier schussstarke im Zwischenlinienraum, Maicon und Balzaretti gesellen sich dazu. Die letzteren beiden stoßen außerdem immer wieder in die Tiefe, wenn die Außenstürmer nicht dazu kommen, wodurch die Roma sich viele Optionen bis zum Abschluss offen hält. Sie erzeugen dadurch auch sehr spät noch viel Dynamik und werden überaus gefährlich.

Doch neben dem variablen Angriffsabschluss sind sie auch in zwei anderen Angriffsmöglichkeiten ebenfalls überaus stark.

Ein intelligentes Aufbauspiel und schnelles Umschaltspiel

Wenn die Roma die eigenen Angriffe vorträgt, lassen sie dem Gegner kaum Chancen zu gefährlichen Balleroberungen. Die individuellen technischen Stärken wurden bereits erwähnt – dazu gesellen sich einige wenige, aber effektive Mechanismen im Aufbauspiel. Strootman und De Rossi kippen zum Beispiel variabel ab, meistens ist es Letzteres, doch es ist nicht immer so. Gelegentlich geht De Rossi auch zum defensiven Halbraum und kann sogar für den Außenverteidiger, ähnlich wie beim Herauskippen, absichern und diesen nach vorne schieben.

Hier eine beispielhafte Staffelung im Aufbau, Strootman steht im Halbraum, Totti bietet sich an, Florenzi stößt in die Mitte.

Hier eine beispielhafte Staffelung im Aufbau, Strootman steht im Halbraum, Totti bietet sich an, Florenzi stößt in die Mitte.

Meistens kippt aber eben De Rossi ab, während Strootman und Pjanic sich sehr frei vor ihm bewegen. Besonders Pjanic ist hierbei von großer Wichtigkeit für die Roma. Mit seiner engen Ballführung, seiner fast tänzerischen Koordination in Ballbesitz und seiner Dynamik im Kombinationsspiel ist er ein extrem pressingresistenter Spieler, der auch in engen Räumen den Ball behaupten und weiterleiten kann. Teilweise lassen sie eine 4-2-1-3-Aufteilung entstehen, in der sich Totti dann zu Pjanic zurückfallen lässt und diesen unterstützt.

Dazu kommen noch situative Positionswechsel. Vereinzelt lässt sich Pjanic sogar in die defensiven Halbräume oder vor die Abwehr zurückfallen, während Strootman und De Rossi nach vorne rücken. Die Außenverteidiger machen das Spiel breit, sorgen für den nötigen Raum und Totti unterstützt – manchmal braucht es gar nicht mehr.

Im Umschaltspiel findet man Ähnliches. Die Roma hat bereits fünf Tor nach Kontern erzielt, die mit Abstand meisten in der Liga (drei weitere Teams kommen auf zwei); neben den Bewegungen der Außenstürmer und Tottis Stärken ist natürlich die schiere Dynamik im Aufrücken extrem gut zu sehen. Strootman ist nicht der feinmotorischste oder handlungsschnellste, kann aber sehr gute Pässe spielen, ist ein Allrounder und kann mit schnellen Schritten viel Raum covern, De Rossi ist ein ähnlicher Typ, während Florenzi und Gervinho ohnehin nahezu ideale Stürmer für schnelle Konter sind.

Und – um diesen oft vernachlässigten Aspekt in unseren Taktikanalysen zu betonen – sie sind schlicht durch das Spielermaterial und die Trainingsarbeit Garcias dazu imstande ein schön anzusehendes, präzises und sehr schnelles Kombinationsspiel aufzuziehen, wodurch sie sehr durchschlagskräftig sind. Dazu kommt das Bespielen taktischer Eigenheiten, zum Beispiel eine mangelnde Staffelung bei gegnerischen Ecken (so fielen Tore gegen Napoli und Bologna) oder Dreierketten, wo schöne Diagonalpässe der Außenverteidiger von Außen in den Halbraum kommen, die dann in den Zwischenlinienraum verlagert werden. Die variablen Pärchenbildungen in den Halbräumen und in der Mitte sorgen für das Übrige.

Fazit

Die Roma überzeugt in der gesamten Bandbreite: Stabiles Aufbauspiel, schnelles Kombinationsspiel, intelligente Staffelung im Offensivspiel, eine strategisch stabile Defensivarbeit und ein herausragendes Konterspiel sowie die dazu passenden Einzelspieler. Diese werden auch durch eine gute Bank ergänzt, wo sich zum Beispiel solche Spieler wie der „central winger“ und potenzielle Nadelspieler Adem Ljajic, der taktisch variable Marco Borriello als potenzieller Zielspieler und der Außenverteidiger Vassilios Torosidis wieder finden.

Mit acht Siegen in den ersten acht Partien und nur einem Gegentor haben sie schon fünf Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten. Es wird interessant zu sehen, wie sich ihre Saison weiterentwickelt und ob sie in der Folgesaison ihren Spielstil in der CL präsentieren dürfen. Für uns wäre es höchst interessant zu sehen, wie sich die Defensive der Roma gegen z.B. die zwei Topteams Deutschlands präsentiert – und wir würden uns natürlich auch über die Künste Tottis oder die Anpassungen des von uns hoch geschätzten Rudi Garcia freuen.

CF 22. Januar 2014 um 19:02

Du beschreibst ja das sie das taktische Mittel nutzen den Gegner bestimmte Räume zu lenken dort zu isolieren und zu meist ungefährlichen Abschlüssen zu zwingen. Bist du da immer noch der Meinung? Gerade in letzte Zeit hat sich das Pressing verändert und weiterentwickelt. Im Vergleich zum Anfang ist es viel besser geworden. Sie trennen jetzt mehr die Angriffe, verschieben extrem gut auf den Flügeln, erstellen immer wieder viele Engen und covern mehr Raum mit Hilfe des Deckungschatten. Gestern gegen Juventus war das Pressing sehr gut und die ntwicklung war klar erkennbar und Nainggolan ist ein richtig cooler Spielertyp, der im Zusammenhang mit dem Pressing viele gute Bewegungen gezeigt hat. Daraus resultieren viele Ballgewinnen und die Schüsse der Gegner gehen Momentan stark zurück. In den letzten drei Spielen haben die Gegner 10 mal geschossen und kein Mal aufs Tor. Außerdem liegen sie in den letzten Spielen fast immer regelmäßig unter ihrem durchschnittliche-Schüsse-pro-Spiel-des-Gegners-Wert. (Langes Wort 😉 )
Man kann also von einer Weiterentwicklung sprechen und der Gebrauch des von dir beschriebenen taktischen Mittels geht zurück. Würdest du das so unterschreiben?

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RM 22. Januar 2014 um 19:45

Ich habe die letzten Spiele nicht gesehen, also kann ich wenig dazu sagen. Eventuell sehe ich mir aber das Genua-Spiel an (keinen Abschluss des Gegners zugelassen!) und kann dann etwas dazu sagen.

Antworten

CF 22. Januar 2014 um 23:11

Ist aufjedenfall sehenswert. Da sieht man auch die komplette Entwicklung. Das sie sich im Gegenpressing auch verbessert haben sieht man nicht so stark wie gegen Juventus, weil Genua einfach nicht die individuelle Klasse hat kleine Drucksituationen sinnvoll aufzulösen. Aber dafür sieht man das Pressing sehr gut und das es sich mehr zu so einem 4-3-3 entwickelt hat wo sie dann die Dreierkette im Aufbauspiel sehr gut pressen und sie vom Rest des Teams isolieren. Bleibt nur noch der lange Ball für die meisten Gegner, der aber auch sehr gut verteidigt wird, da sie die Spieler oft in die Räume lenken in denen der lange Ball gar nicht mehr in die strategisch sinnvollen Räume gespielt werden kann. Sprich der Passwinkel wird ungünstig und der Raum nach und nach verengt so werden die Spieler zu einer Entscheidung gezwungen die meistens ziemlich einfach zu verteidigen ist. So was halt auch mit Genua haben den Ball immer nur kurz gehalten bis die Situation zu eng wurde, dann kam halt der lange Ball den Rom ziemlich leicht verteidigen konnte. Wenn man dann noch eine schlechte und ziemlich leicht zu bespielende Staffelung in Roms „Haupträumen“ hat, fängt man sich halt vier und schießt kein einziges Mal.

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Capitano 29. Oktober 2013 um 11:48

Sehr gute analysiert. Stimme den genannten Dingen voll zu und kann nur ergänzen:

– Torschüsse am Ende jeder Trainingseinheit bestätigen die gezielte taktische Nutzung von Abschlüssen am gegnerischen Sechzehner vor der Abwehr.
– Erwähnte Spielstärke von den Innenverteidigern ist sehr gut an Benatias Tor gegen zu erkennen (30 Meter Dribbling durch die Mitte mit Abschluss im Fallen. Prädikat: sehenswert)
https://www.youtube.com/watch?v=5SWY2FfDqVY
– Trotz Derbytor ist Balzaretti leider wohl einer der schwächeren, wesshalb ich vermute dass im Jänner an dieser Stelle nachgestärkt wird (Maicon auf der anderen Seite ist für Brasilien motiviert und lässt von Zeit zu Zeit aufflackern, dass er mal einer der besten Außenverteidiger war)
– Frage was die Roma ohne Totti macht? Was die Kreativität betrifft, wird (wie beim Udinese Spiel ersichtlich) versucht dass Pjanic und – das bis Dato noch Ersatz-Bank-Juwel – Ljajic was beitragen (versucht !). Garcia behauptet immer, dass zusätzlich Boriello so wichtig für eine andere Spielveranlagung bzw. ein anderes System sei.
– An dieser Stelle seien auch die sehr guten langen Bälle von De Rossi erwähnt (wie gg Udinese), was die Wiedererstarkung De Rosssi nicht nur im erwähnten defensiven Bereich belegt. Wenn auch noch ohne Assist, gehen viele vorletzte Pässe der 23 Tore auf sein Konto – von den 90%Passgenauigkeit dabei gar nicht zu sprechen).
(Prandelli hat im Nationalteam, sowieso auch in seinen schlechten Phasen immer auf DDR gesetzt – wobei er im blauen Dress im Gegensatz zum Club in der Vergangenheit immer gute Leistungen gezeigt hat)
– Kurz erwähnt gehört auch die ausbalancierte Rollenverteilung zwischen den Achtern und Flügelstürmern:
Der offensiv stärkere Pjanic hat auf seiner Seite den defensiv stärkeren FS Florenzi (der an sich ein gelernter, aber sehr multiversibeler Mittelfeldspieler ist).
Auf der anderen Seite bekommt ein offensiv-starker Gervinho, der mit Tempo im Eins-gegen Eins unglaublich stark ist und wie erwähnt gerne mal zockt, den defensiveren Achter Strootman zur Seite (der aber auch offensiv was zeigt – mit 5 Assists hinter Totti (6) zweiter im Team!).
– Wie Garica auch durchklingen lässt, ist das Mittelfeld mit breit veranlagten, universellen Mittelfeldspielern eigentlich das Herzstück der Mannschaft (ideal unterstützt durch einen zurückfallenden Totti und einen extrem laufbereiten FS Florenzi).
– Auch angeführt werden soll, dass die Roma wohl einen guten Spielplanrhythmus erwischt hat. Zwischen zeitweiligen Höhepunkte gegen Lazio, Inter, Napoli gesellten sich leichtere Gegner in einem idealen Abstand, welche Möglichkeiten boten, das Spielsystem zu adaptieren und zu festigen [wobei gerade gegen schwächere Gegner letztes Jahr viele Spiele (oft trotz Führung verloren gingen). Anteil daran hat da vielleicht der Zemansche-Kamikazie Angriffsfußball] was man aus den italienischen Gazetten so vernimmt ist Garica jedoch auch ein Trainer der das psychologische Handwerk versteht – und weiß somit auch etwa auf das kommende Spiel am Donnerstag gegen den Tabellenletzten Chievo seine Mannschaft einzustellen.
– Ein offene Frage an alle: Wie stellt man sich als Gegner auf das Roma System ein (obwohl genau in diesem Punkt auch die Stärken eines von Garcia postulierten flexiblen Spiels liegen)?
– In Zusammenhang damit sei nochmal die Leistung Garcias betont: Gerade ein flexibles Spielsystem – das doch einiges an Koordinationsarbeit benötigt – im Sommer neu in die Serie A kommend, so schnell auf ein solches Niveau zu bekommen, ist lobenswert.

Um nicht versehentlich einen Folgeartikel zu verfassen (sorry für die Ausschweifungen), ende ich hier und möchte RM nochmal ein Kompliment für die gute, übersichtliche Analyse aussprechen.

P.s: möchte hier nochmal den von RM geposteten Link empfehlen:
http://www.youtube.com/watch?v=bHiv3JngHoU
Die enorme Bedeutung immer anspielbar zu sein und die Bälle verarbeiten zu können erschließt sich erst so richtig wenn man ein ganzes Spiel von ihm verfolgt. Wie der Veröffentlicher des Videos auch schreibt:

“When the ball is coming to him, you just know… IT’S GONNA BE SOMETHING.”

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RM 29. Oktober 2013 um 13:02

Sehr schöner Kommentar.

Zur Frage Tottis im Offensivspiel wollte ich auch noch anführen, dass ich finde, dass potenziell(!) durchaus was möglich sein könnte. Borriello kann – so mein Eindruck – doch sehr ausweichend spielen und Anspiele physisch (wenn in Form) sehr gut verarbeiten, dazu kann man mit Ljajic und Florenzi theoretisch auch einen sehr bewegungsintensiven Sturm für den Gegner aufbauen (ohne Boriello dann) oder eben auf die Mittelfeldspieler setzen. Eine Art Raute mit Gervinho-Florenzi vorne und Ljajic als Zehner (oder Bradley auf die Acht o.ä.) könnte ja bei passenden Mechanismen interessant sein.

Insbesondere De Rossi empfinde ich ebenfalls offensiv als sehr gut. Sorgt für gute Staffelungen, gute Anspielstation in der Ballzirkulation, schöne lange Bälle, intelligente Kurzpässe.

Das hier:
– Torschüsse am Ende jeder Trainingseinheit bestätigen die gezielte taktische Nutzung von Abschlüssen am gegnerischen Sechzehner vor der Abwehr.
ist sehr interessant zu hören, passt zu meinem Eindruck.

Diskussion, wie man gegen die Roma spielen könnte, überlasse ich den anderen vorerst. 🙂

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Trequartista 28. Oktober 2013 um 17:47

Ich würde sagen offensiv recht stark von Totti abhängig, sah man auch gegen Udine, mit Borriello ist es ein anderes Spiel vorne das hat man klar gesehen.

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Mario 28. Oktober 2013 um 13:18

Mal eine Frage: Wie abhängig ist denn dann die Roma von Totti?

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RM 28. Oktober 2013 um 15:10

Defensiv relativ unabhängig, offensiv etwas schwächer, insbesondere in puncto Umschaltspiel und Durchschlagskraft bei Angriffen aus dem Spiel heraus, aber durchaus interessante Optionen auf der Bank. Dieses Wochenende ohne Totti zu 10t Tor gemacht und noch gewonnen.

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Mario 28. Oktober 2013 um 15:54

Schön, danke für die Antwort. Schon interessant zu sehen, dass eine Mannschaft, die in letzter Zeit international nicht aufgefallen ist, die Serie A schon fast dominiert.

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HSV 27. Oktober 2013 um 17:11

Wie steht ihr zum Aufrücken der Außenverteidiger generell? Angenommen man spielt mit einer klassischen Viererkette und im Spielaufbau schieben die Innenverteidiger nach außen und der 6ser lässt sich fallen. So wie es aktuell bei vielen (Bundesliga)Teams zu sehen ist. Wie weit sollten dann die Außenverteidiger hochschieben? Und sollten überhaupt beide hochschieben? Da man so ja nur 3 Verteidiger, nach einem Ballverlust und einem möglichen Konter, hinten hätte. Wie viele Spieler sollten bei einem neutralen Spielstand hinten absichern?

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TW 28. Oktober 2013 um 00:48

Die Frage ist nicht generell zu beantworten. Das hängt extrem vom Pressing und der Ausrichtung des Gegners ab. Spielen die offensiven Außen des Gegners mannorientiert gegen die AV, dann kann durch ein weites Aufrücken Platz für den Spielaufbau geschaffen werden. In diesem Fall muss jedoch die Präsenz im Mittelfeld stimmen. Werden die AV nicht verfolgt, sondern in den Deckungsschatten gestellt oder an die eigenen AV übergeben, dann bringt das hohe Aufrücken eher nichts. Die AV nehmen sich aus dem Spiel. Hier bietet sich dann ein diagonales Einrücken ein, um Anspielstationen und zusätzliche Stabilität zu schaffen.

Ich denke eine Dreierkette mit zwei zentralen Spieler davor reicht als generelle Absicherung gegen Konter. Kritisch wird es, wenn der abkippende Mittelfeldspieler aufrückt und die beiden IV die Breite nicht mehr ausreichend abdecken können, ohne dabei eine Schnittstelle im Zentrum zu schaffen.

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Erkinho 26. Oktober 2013 um 09:12

Hervorragende Darlegung der römischen Erfolgsfaktoren.
Garcias 4-3-3 ist so gesehen schlicht, aber dennoch kompliziert.
Vor allem die flexible Arbeit gegen den Ball ist weitaus besser als die letztjährige. Deutlich dynamischer. Balzaretti sicherlich nicht so stark wie Maicon, aber der hat ja auch nicht Yao Kouassi vor sich. Pjanic blüht regelrecht auf, feiner Fußballer.

So wie es aussieht wird im nächsten Spiel der ältere der Ur-Römer aufgrund einer Verletzung ausfallen.
Was meint ihr? Ist der Startrekord „9 aus 9“ im Stadio Friuli in Gefahr?

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Trequartista 26. Oktober 2013 um 15:57

Bei Nebel und/oder Regen wird es wohl kritisch :D, sonst denke ich nicht, Udine hat mich in der Offensive nicht überzeugt diese Saison, das Spiel gegen ein schwaches Milan war zum einschlafen.

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Maturin 25. Oktober 2013 um 16:45

Ich würde mich freuen wenn Klopp sich die Offensivstaffelung mal genauer anschaut. Da hakt es bei Dortmund momentan gewaltig, was denke ich an der Umstellung von Götze auf Mkhitaryan liegt. Ich stelle es mir als Erfolgsversprechend vor wenn man mehr versucht Lewandowski als Wandspieler zu nutzen, der dann auf Mkhitaryan oder Sahin ablegt die direkt auf die schnellen Aussenstürmer (Aubameyang!!!) durchstecken.

Mehr vertikale Wechselbewegungen würden dem BVB gut tun, man kann sich schonmal drauf umstellen ohne Lewandowski zu spielen, und man hat die Geschwindigkeit in der gesamten Offensiven Dreierreihe.

Letztes Jahr hat Lewandowski ja häufig durch seine Läufe in die tiefe und auf die Flügel den Gegner tief gedrückt, und so Platz für Götze und Gündogan geschaffen. Das läuft mit Mkhitaryan und Sahin aber nicht halb so gut.

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Rasengrün 25. Oktober 2013 um 16:09

Sehe ich da das Grundprinzip Chelseas im CL-Finale anders interpretiert? Der Aspekt der defensiven Spiellenkung, die Ausrichtung nicht auf die generelle Verhinderung von Chancen, sondern auf die konsequente Verminderung ihrer Qualität – kommt mir doch irgendwie bekannt vor. Sehr interessant.

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Carlino 25. Oktober 2013 um 12:39

Ciao Ciao,
ein dickes „Mille Grazie“ für diesen wunderbaren und sehr interessanten Artikel über die Roma! Wirklich großartig und sehr inspirierend, vor allem hinsichtlich der komplexen Rollenfunktionen in Kombination mit den individuellen Fähigkeiten der Spieler im Kontext der taktischen Konstrukte/Variabilität.

Wie das „Geheimnis“ der Roma auf die Dortmunder Pressingmaschinerie wirkt würde, wäre schon angesichts der wirklich unterschiedlichen Ansätze äußerst interessant zu sehen… vielleicht wird´s ja was in der kommenden (CL-)Saison!?

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fluxkompensator 25. Oktober 2013 um 11:44

schön, endlich einmal das „geheimnis“ hinter dem erfolg der roma herausgearbeitet zu sehen. vielen dank dafür!

die dreierkette in italien sehe ich persönlich etwas in der krise. juve – als bisheriges paradebeispiel – hat ja enorme probleme, besonders im spielaufbau.

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AP 25. Oktober 2013 um 10:38

Immer wieder bewundernswert wenn sich Trainer nach „oben“ arbeiten.
Garcia ist mir schon bei Lille positiv aufgefallen… Bin echt gespannt, wie die Saison für die Roma weiterverläuft.

Danke für den tollen Artikel.

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splattercheffe 25. Oktober 2013 um 12:37

Garcia scheint ja nicht nur ein schlauer Taktiker, sondern auch ein interessanter Typ zu sein… Herausragender Artikel. Insbesondere interessant, dass die Roma doch soviele Schüsse zulässt, aber eben aus wenig erfolgversprechenden Lagen – wenn man, ohne die italienische Liga oft zu sehen, die Tabelle liest, kann man die Anzahl der Gegentore ja kaum glauben. Dank RM weiß ich jetzt, warum das so ist.
Im Artikel taucht allerdings auch der Verweis auf, dass das Pressing/Gegenpressing trotz der relativen Ausgefeiltheit nicht mit „den deutschen Pressingmaschinen“ zu vergleichen ist; ich wünsche mir wirklich, dass die Roma nächstes Jahr in der CL die Ehre hat, auf etwa den BVB zu treffen, der ja heuer (mit einer zugegeben sehr mageren Leistung) Neapel unterlegen war. Trotzdem denke ich mir, dass ein zwar immer noch genialer, aber halt doch 37-jähriger Totti da an seine Grenzen stoßen würde, wenn ihn Lauf- und Taktikmonster wie Bender bearbeiten. (In dem Zusammenhang fand ich die Bemerkung von Arsene Wenger kürzlich sehr feinsinnig, wonach Arsenal mit Dortmund „…den bisher physisch stärksten Gegner hatte – technisch gab’s schon ähnlich gute…“. Irgendwie hört man da doch ’ne gewisse ästhetische Geringschätzung raus…?)
Vielleicht kann uns RM ja ’ne Einschätzung geben (auch wenn solche Quervergleiche selten Sinn ergeben), wo die Roma mit ihrer taktischen Ausrichtung in der Bundesliga stehen könnte – meine persönliche Vermutung ist, zwei oder drei Unentschieden mehr, knapp hinter den Top Drei?

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M 25. Oktober 2013 um 02:36

Schickt das mal dem Jogi. Klar Serie A mit 3er Ketten etc. ist keine WM aber bin schon länger Fan dieser unfassbar variablen Formation.
Erinnert mich auch an Barcelona mit nem zurückfallenden Messi sowie Xavi Iniesta und Busquets im Mittelfeld.
Das Ballbesitzspiel Barcas ist natürlich nicht mit der Roma vergleichbar, allerdings unterstreicht das für mich nur die Variabilität mit der aus dieser Formation heraus gearbeitet werden kann.
Könnte mir das bei Deutschland folgendermaßen vorstellen:
– Draxler und Reus (oder Schürrle, Müller) im Sturm
– Götze oder Özil in der Totti Rolle
– Gündogan und Özil (oder Kroos, Schweinsteiger) auf der Doppel8
– Schweinstager (oder Khedira, nen Bender oder auch Lahm 😉 ) auf der 6
– und hinten Schmelzer, Hummels, Boateng, Lahm

was sagen die Experten?

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Kappe 25. Oktober 2013 um 11:48

Deine Aufzählung ist jetzt auch nichts anderes als die typischen falsche-9 Aufstellungen, die seit einiger Zeit so angesagt sind. Özil auf die nominelle 8 zu stellen wird an seinem Verhalten aber kaum was ändern und damit automatisch zur momentan gespielten Formation führen.
Ganz gewiss also spielbar, wird mit den deutschen Spielerrollen aber trotzdem anders aussehen.

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M 25. Oktober 2013 um 13:02

Wieso sollten Özil etc. sich nicht an die taktischen Vorgaben des Trainers halten?
Vernünftig vermittelt sollte ein Systemwechsel möglich sein, siehe Bayern deren Raumaufteilung unter Pep sich nun von der unter Heynckes unterscheidet.
Klar reicht es nicht einfach die Formation zu verändern, man müsste den Spielern natürlich die neuen Rollen und damit Verhaltensweisen vermitteln.

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Kappe 25. Oktober 2013 um 15:52

Weil Özil das nicht gewohnt ist, ganz einfach. Schau dir doch mal seine Zweikampfwerte / Interceptions an, glaubst du so jemand wird plötzlich in nem fluiden Dreiermittelfeld die entsprechenden Defensivaufgaben übernehmen können, wenn seine Kollegen Offensiver stehen?
Er wird permanent die höchste Position besetzen und damit dann quasi als 10er agieren. Und dann werden die beiden hinter ihm, etwa Schweinsteiger und Khedira darauf reagieren (müssen) und man steht wieder wie bisher.

Löw könnte natürlich die Vorbereitung dafür nutzen Spieler an neue Positionen zu gewöhnen. Aber das wird nicht passieren weil Löw ganz andere Probleme hat, als einen funktionierenden Özil umzufunktionieren.

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M 26. Oktober 2013 um 14:59

ein nach hinten arbeitender özil im MF würde definitv zur lösung der probleme beitragen. aber ist auch wurscht. löw würd sowas eh nie machen, daher war das meinerseits nur ein fantasy beitrag von dem ich mir viel erwarten würde.

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Rasengrün 28. Oktober 2013 um 23:05

Nur wirst du dir den „nach hinten _arbeitenden_“ Özil wohl erst einmal selbst backen müssen. In der Realität würde ich von dem Versuch abraten und nicht nur, weil die Vorbereitungsphasen der Nationalmannschaft zu kurz und damit kostbar sind um sie mit Umerziehungsmaßnahmen zu verplempern, die Antworten auf nicht existierende Fragen versprechen. Offensive ist nun wirklich nicht das Problem. Zumal ich da auch die Gefahr sehe, dass man Özils „natürlichem“ Stellungsspiel mehr schadet als man durch eine anerzogene defensivere, absicherndere Variante gewinnt. Und auch in der Hinsicht ohne jede Not, der Kader gibt sogar für diese Formation auch so Varianten her. Da muss man nicht auf Biegen und Brechen versuchen jeden Offensiv-Star in der ersten Elf unterzubekommen. Die Balance ist jetzt schon fragil genug und ganz sicher nicht wegen einer unterrepräsentierten Offensive. Eher durchgegangene Fantasie als fantasy football.
Ein Mittelfeld Özil, Gündogan, Khedira, Schweinsteiger könnte ich mir hingegen durchaus vorstellen, genauso wie Götze, Kroos, Bender, Lahm, wobei Letzterer auf RV sicher dringender gebraucht wird. (Nein, ich werde mir verkneifen an dieser Stelle schon wieder die Frage aufzuwerfen, warum man auf einer Defensivformation besteht, die man schon seit Jahren nicht optimal besetzt bekommt. Oops.) Wobei Lahm auch eine interessante Variante auf der Totti Position wäre, Nadelspieler kann er jedenfalls. Hummels auf der De Rossi Position könnte auch ganz lustig sein. Oder beides.
Whatever, der springende Punkt ist, dass, falls Löw sich zu irgendwelchen Experimenten in diese Richtung hinreißen lassen sollte – und völlig ausschließen kann man das auch wieder nicht – dann wird das Stand heute ziemlich sicher im Kontext defensiver Stabilisierung geschehen. Es gäbe sicherlich schlechtere Ideen für einen Plan B, aber man sollte dabei nicht der Versuchung nachgeben so viel offensives Flair in die Startelf quetschen zu wollen wie nur irgend möglich. Und schon gar nicht falls man sich zu einer Ausrichtung entschließt, die Ballbesitz nicht priorisiert.

(Tja, so kann das gehen… da beginnt man den Post mit beiden Beinen fest auf der Erde und… Streich mal jeden Vorwurf in Sachen überbordende Fantasie, noch sehe ich den Balken im eigenen Auge wenigstens manchmal. Nur scheint meine Fantasie momentan mehr um Zugriff und Kontrolle zu kreisen als um Spektakel.)

TW 29. Oktober 2013 um 01:40

@Rasengrün: Deine Vierermittelfeldbesetzungen klingen doch sehr nach Raute. Wieso versprichst Du Dir von der Raute mehr Stabilität als im flachen 4-4-2/4–2-3-1? Oder willst Du tatsächlich Schweinsteiger zurück auf den Flügel schicken? Noch schlimmer ist die Vorstellung Özil wieder dort zu sehen (bezogen auf die Defensivformation, nicht situativ als Central Winger).


RM 25. Oktober 2013 um 01:33

Zu Totti empfehle ich dieses Video: http://www.youtube.com/watch?v=bHiv3JngHoU

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Trequartista 25. Oktober 2013 um 16:17

😉
oder einfach totti passing – totti playmaker eingeben, gibt da so einige serien nur von den pässen, ist echt einmalig

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