Barcelonas 3-1-3-3-Formation, ein Für und Wider

Barcelonas 3-1-3-3 wurde im Spiel gegen Celta Vigo aus der Kiste geholt, allerdings mit ein paar Anpassungen. In diesem theoretischen Artikel diskutieren wir die Vor- und Nachteile dieses Systems.

Die Schlüsselfigur

Die Grundlage dieses Systems ist neben der Klasse der Katalanen und ihrem exorbitanten Ballfokus ein besonderer Spieler: Sergio Busquets. Für viele unterschätzt, für manche überbewertet und für mich der wichtigste Spieler in dieser besonderen Anordnung des FC Barcelona.

Barcelona im 3-1-4-2/3-1-3-3 beim Auswärtssieg gegen Real Madrid

Vermutlich könnte kein anderer Fußballer dieser Welt seine Rolle bekleiden, denn er gibt dem Spiel Balance, sichert die Offensive ab, fügt sich in die Defensive ein und bestimmt indirekt durch seine Präsenz die Angriffszonen seiner Mannschaft. Eine Mammutaufgabe, deren Komplexität kaum nachzuvollziehen ist.

Busquets spielte diese Rolle dann so, dass er nominell vor der Abwehr begann, aber je nach der kollektiven Bewegung seine Position veränderte. Er holte sich einige Bälle weit vorne, wenn er die Chancen auf einen Ballgewinn als sicher ansah, ansonsten kümmerte er sich um die Defensivkompaktheit.

Dies bedeutete, dass er etwaiges Aufrücken der Abwehrspieler absicherte oder sich in Schnittstellen bewegte, wodurch eine Viererkette entstand. Einige Male, als es das gegnerische Angriffstempo erforderte, wich er sogar auf die Position des Außenverteidigers aus, was bedeutete, dass Jordi Alba, Adriano oder Dani Alves als Innenverteidiger agierten.

Aufrückende Hybridverteidiger

Sowohl Alba als auch Adriano hatten ohnehin keine klassischen Rollen – weder ihre eigenen als (offensivorientierte) Außenverteidiger noch die üblichen Innenverteidigerpositionen. Während Javier Mascherano in der Mitte postiert war, schoben sie das Spiel in die Breite und bei Versperrung der Passwege auch in die Höhe.

Mit Busquets sowie den zwei ballfernen Verteidigern konnten diese Ausflüge auch abgesichert werden, womit Tito Vilanova ein stabileres Fundament für sein taktisches Mittel der aufrückenden Innenverteidiger hat. Dadurch können mannorientierte Pressingsysteme, wie es beispielsweise gegen Marcelo Bielsas Bilbao geschah, auseinandergenommen werden. Entweder man lässt den Innenverteidiger und somit auch den Ball enorm weit nach vorne oder man weicht von seinem Mann, um den Ballführenden zu attackieren.

Barcelona vs Celta – Grundformation der Katalanen

Dadurch wird allerdings natürlich einer der Akteure frei, was von Barcelona prompt genutzt werden würde. Deshalb ist Vilanova der sporadisch aufrückende Innenverteidger auch wichtig, weil man ohne größere Systemumstellungen sofort auf unterschiedliche gegnerische Raumdeckungen reagieren kann. Mit einer Dreierkette kann man dies mit einer passenden Breite im ersten Drittel sowie einem zentralen Akteur und daraus resultierenden Vorstößen über die gesamte Platzhorizontale verbinden.

Doch im 3-1-3-3 ist nicht nur die Rolle der „Verteidiger“ eine andere, sondern auch die Spielerverteilung im Mittelfeld verändert sich.

Erhöhung der Kombinationsspieler

Noch vor wenigen Jahren spielte Barcelona im klassischen 4-3-3-System mit einem tieferen Linksverteidiger, zwei gleichberechtigten Achtern, Yaya Touré auf der Sechs und ohne tiefe spielmachende Neun. Stück für Stück wurde diese Anordnung und positionelle Interpretation verändert, was zu höherem Ballbesitz führte.

Sie installierten Sergio Busquets als Ballzirkulator und Stabilisator, Lionel Messi als tiefe spielmachende Neun, Andrés Iniesta wurde zum Nadelspieler und der Linksverteidiger Eric Abidal schaltete sich stärker in die Offensive mit ein. Somit hatten sie statt Alves, Pique, Xavi, Iniesta, Messi und Henry (erste Saison) zwei Kombinationsspieler mehr, wobei zwei weitere eine passendere Rolle erhielten.

Mit dem 3-1-3-3 wird ein ähnlicher Weg gegangen. Im Prinzip ist dies eine andere Herangehensweise an das gleiche Ziel, wie es schon mit der Aufstellung gegen Santos ohne wirklichen Verteidiger probiert wurde. Auch gegen Celta gab es mit Adriano / Alves, Mascherano und Alba als Abwehrspieler keinen einzigen gelernten Innenverteidiger, ein Zeugnis der totalen Fußballphilosophie Guardiolas und Vilanovas. Es gibt schlicht keine positionelle Bindung oder grundlegende Anordnung, sondern eine Aufstellung nach passenden Spielertypen, nach Rollenverteilungen und Positionsinterpretationen.

Im Endeffekt können sie durch Cesc Fabregas und Lionel Messi je nach Situation mit variierenden Zehnern, Neunern oder den jeweils „falschen“ Ausführungen davon agieren. Sie besitzen viele Akteure, die sowohl horizontal als auch vertikal spielen können (Xavi, Iniesta), zwei vertikale und durchschlagskräftige Akteure in der Spitze (Fabregas, Messi), einen enorm horizontalen Stabilisator (Busquets) und unterschiedliche Rollenspieler auf den Außen zwecks Breite, Torgefahr und Raumöffnung. Dadurch gibt es aber nicht nur Vorteile.

Überfluidität

Bereits unter Guardiola begannen die Positionen zu verschwimmen. Dabei wichen sie von der niederländischen Flexibilität im totalen Fußball, welche insbesondere von Louis van Gaal im Sinne des Positionsspiels in den Neunzigern wiederbelebt wurde, und gingen in eine fluide Anordnung des Mittelfelds über, welche sich vertikal fortsetzte. Das heißt, dass Xavi, Iniesta und Messi sich frei bewegten, wobei Messi und Iniesta in die Halbräume gingen.

Diese Fluidität griff auch auf andere Spieler über, welche sich situativ enorm frei bewegten, beispielsweise Alves‘ diagonale Läufe in den Strafraum oder Sanchez‘ Horizontalläufe und Tiefensprints. Ohne ein 4-3 oder 3-3-Pressinggerüst war aber das Angriffspressing in ruhenden Situationen nicht mehr zu spielen, die Rückkehr auf die Positionen hätte aufgrund des Konterfokus der Gegner unter Umständen zu lange gedauert.

Es war in dieser Übergangsphase zur kontrollierten Fluidität, dass Barcelona ihr Gegenpressing intensivierte und erhöhte. Dabei wurden die kurzen Verbindungen zwischen den Akteuren, weswegen lange und/oder riskante Bälle verpönt waren, genutzt, um möglichst schnell den Gegner im Vorwärtsgang zu behindern.

ein Mann mehr in der Mitte – oder doch lieber doppelt besetzte Außenbahnen?

Problematisch wird es aber, wenn die Fluidität zu groß wird und der Gegner bei seinen Befreiungsschlägen auch unter Bedrängung Räume ansteuern kann. Dies entsteht, wenn die Spieler zu eng zueinander und zu zahlreich in bestimmten Zonen sind, wodurch auch ein ungenauer Pass zu einem Mitspieler gehen kann.

Darum entscheiden sich auch zahlreiche sehr unterlegene Teams zu einer ultradefensiven Spielweise – sie zwingen Barcelona nicht nur zu enormen Aufrücken, sondern auch zu vielen balancezerstörenden Überladungsbewegungen im Kollektiv. Diese öffnen Löcher öffnen, welche selbst Busquets nicht durchgehend zu stopfen vermag.

Bei diesem 3-1-3-3 hat Barcelona zwar einen Verteidiger mehr, doch es ist immer eine Lösung an der Kippe: rücken sie mit auf, öffnen sich wieder Löcher; bleiben sie tief, verliert man einen Mann in der Mitte oder offenbart große Räume wegen mangelnder Defensivkompaktheit.

Mangelnde Breite im zweiten Drittel?

Ein weiterer Punkt ist die Herstellung von Breite im Mittelfeld, wo der Gegner das Spielfeld theoretisch sehr eng machen könnte. Mit einer fluiden Dreifachsechs könnten hier Räume zugestellt werden und die Pässe auf die Seiten dienen nicht mehr als Befreiung aus der kompakten Mitte. Allerdings wird dies von zahlreichen Mannschaften, welche oftmals im 4-4-1-1 auftreten, nur selten genutzt.

Desweiteren haben sie einen zentralen Spieler mehr, der dann situativ Breite herstellen kann. Insbesondere Iniesta und Messi können dies auf ihre ganz eigene Art und Weise hervorragend machen, wodurch das Aufbauspiel auch stärker über die Halbräume kommt, wo die zwei Nadelspieler ausweichen. Orientiert sich der Gegner theoretisch in einem engen 4-3-3 mit Manndeckungen auf die Abwehrspieler, dann können Iniesta und Messi über die Außen das Spiel instruieren und gefährlich zwischen die Linien kommen.

Kombinationszwang?

Ein weiterer positiver Punkt ist auch, dass durch drei fixe Abwehrspieler die letzte Kette enger steht, aber dank Busquets verbreitert werden kann. Bei Kontern kann der Gegner somit nicht mehr „hinter“ die Außenverteidiger kommen, weil es schlicht keine gibt. Stattdessen können sie aus einer engeren und tieferen Stellung mit besserem Timing auf die Außen ziehen, wodurch sie immer vier Mann hinten haben.

Dadurch können Vorstöße nicht sofort per Sprint und losem Raumpass hinter die Abwehr gefährlich werden, sondern müssen eine weitere Anspielstation für einen Doppelpass oder ein riskantes Dribbling bedienen. In dieser Zeit können die Barcelona-Spieler aus dem Raum zwischen den Linien zurückkommen und gar rückwärtspressen, während der Gegner aus seiner tiefen Position erst einmal aufrücken muss.

Problematisch ist dabei, dass Barcelona durch die offensive Ausrichtung der Mittelfeldspieler und das situative Zurückfallen Busquets‘ Räume zwischen den Linien öffnet. Dadurch wird obiger Punkt teilweise relativiert, wenn der Gegner hervorragend umschaltet. Kommt noch der Faktor Überfluidität zum Tragen, wird aus dem Kombinationszwang für den Gegner kein Nachteil, sondern ein Vorteil wegen eines erzwungenen zusätzlichen Mitspielers in der Offensive.

Fazit

Ein System, wie jedes andere? Es besitzt Stärken und Schwächen, doch aufgrund der zahlreichen interessanten Spielertypen ist es auch ein einmaliges System, welches seine Schwächen (bspw. die mangelnde Breite im Aufbauspiel) durch die katalanischen Spieler in der Zentrale kaschiert. Gleichzeitig wirft es für die Mannschaft einige weitere Fragestellungen auf, unter anderem an die Abstimmung der Abwehrspieler und Busquets’ Limit in der Spielintelligenz. Gegen tiefstehende Mannschaften könnte es aber durchaus noch ein paar Mal zum Einsatz kommen, insbesondere bei Genesung der verletzten Defensivakteure. Und wer weiß, vielleicht ändert Vilanova für Mourinho ebenfalls wieder die Frage …

Rasengrün 17. November 2012 um 05:03

So ganz grundsätzlich würde mich ja ein 3313 als defensiv fluides Kontersystem viel mehr reizen als ein 3133 als maximal dominantes Ballbesitzmonstrum. Nuja, wird man von Barca sicher nicht zu sehen bekommen, die gehen konsequent ihren Weg weiter. Gibt ja auch keinen Grund etwas zu ändern.

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Modena 16. November 2012 um 15:02

Sehr gut, noch ein weiterer Artikel über Barca. Nicht, dass es in Spanien auch anderen interessanten Fußball zu diskutieren gäbe. Aber bekanntermaßen spielen ja die anderen Mannschaften in Spanien und Europa Fußball mit Melonen auf quadratischen Spielfeldern, sodass es absolut Sinn macht, sich auf eine so tolle Mannschaft wie Barca zu konzentrieren.

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RM 16. November 2012 um 15:16

http://spielverlagerung.de/category/spanien/ und dazu einen weiteren Artikel, der Rayo Vallecano ins Visier nahm.

Ich bin kein Barcelona-Fan, weswegen ich diese Unterstellungen nicht ganz verstehen kann; logisch ist aber, dass wir dort mehr analysieren, wo es interessantere Umstellungen gibt, wie es beim FC Barcelona eben in letzter Zeit der Fall ist(/war?). Ein Artikel zu Atlético unter Simeone ist geplant, wie schon in unserer letzten Analyse aus Spanien angekündigt. Mourinhos Real wird auch ein Thema, wenn diese Mannschaft auf ihrem Höhepunkt angelangt ist (europäischer Triumph bspw.) oder Mourinho geht.

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Sven 16. November 2012 um 11:01

Zitat: „Mit dem 3-1-3-3 wird ein ähnlicher Weg gegangen. Im Prinzip ist dies eine andere Herangehensweise an das gleiche Ziel, wie es schon mit der Aufstellung gegen Santos ohne wirklichen Verteidiger probiert wurde. Auch gegen Celta gab es mit Adriano / Alves, Mascherano und Alba als Abwehrspieler keinen einzigen gelernten Innenverteidiger, ein Zeugnis der totalen Fußballphilosophie Guardiolas und Vilanovas. Es gibt schlicht keine positionelle Bindung oder grundlegende Anordnung, sondern eine Aufstellung nach passenden Spielertypen, nach Rollenverteilungen und Positionsinterpretationen.“

So hin und wieder habe ich den Eindruck, dass ihr etwas abhebt bei euren Artikeln zu Barca 😉
Ich glaube vielmehr, dass der Umstand, Mascherano in die IV zu beordern, lediglich aus Gründen der Personalknappheit zu begründen ist. Meiner Meinung nach ist Mascherano einer der am meisten überschätzten Spieler, die es momentan so gibt.

Ansonsten hat mir der Artikel gut gefallen. Insgesamt ist die ENtwicklung sehr interessant: Weg von raumdeckenden Viererketten hin zu „Quasi-manndeckenden“ Dreierketten. In Italien mittlerweile Gang und Gebe, Wigan Athletic spielt es in der Premierleague, sogar Liverpool versuchte sich letzten Spieltag an einer 3er Kette gegen Chelsea.
Bin gespannt wie das weitergeht. Die Entwicklung passt ja zum momentan vorherrschenden Spielstil (siehe Spanien), es wird aber interessant, wenn Teams, die solche Systeme spielen, auf Mannschaften treffen, die auch viel über Flügel kommen (siehe Bayern).
In beiden Fällen werden interessante taktische Anpassungen nötig sein…

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Tank 16. November 2012 um 12:22

Also, dass Mascherano momentan so häufig spielt, ist sicher auch der Personalknappheit zu verdanken. Dass er aber zum IV umgeschult wird, ist unabhängig von den äußeren Umständen gewollt. So gibt es Interviews von ihm, in denen er sowas sagt, wie „Ich bin jetzt primär IV und nicht mehr DM.“

Zu der Bewertung seiner Qualität: Ich habe einem guten Freund vor der Saison gesagt, dass Mascherano in einem Jahr als einer der 2-3 besten IVs der Welt gelten wird. Danach sieht es im Moment zugegebenermaßen eher nicht aus. Ich würde aber auch nicht unterschreiben, dass er in der Öffentlichkeit massiv überbewertet ist. Darf ich fragen, was genau an seinem Spiel du für überbewertet hältst? Was schätzt du an ihm nicht (und was schätzt du an ihm)?

Ich kann ja mal anfangen: Als seine große Stärke wird allgemeinhin der direkte Zweikampf beschrieben. Sobald es zur Sache geht, sind von Mascherano harte, aber meist präzise und somit faire Zweikämpfe zu erwarten. Auch die etwas in Verruf gekommene Kunst der Grätsche hat er ziemlich gut drauf. Dazu kommt dann noch sowas wie… der Engländer würde „determination“ sagen, also eine bestimmte Entschlossenheit in seinen Aktionen, eine Zielstrebigkeit und Verbissenheit, kurzgesagt: der Mann ist ein echter Terrier. (Sein Spitzname bei Barcelona-Fans „Maschete“.) Das würde ich soweit erstmal alles unterschreiben.

Kritisch beäugt wird sein Positionsspiel als IV. Viele sagen, dass er, was das angeht, noch immer mehr DM als IV ist. Nun muss man natürlich auch festhalten, dass Barcelona in dieser Hinsicht mit dem älteren Carles Puyol ziemlich verwöhnt waren. Der hat meiner Ansicht nach auf seine alten Tage ein großartiges Positionsspiel entwickelt. Nichtsdestotrotz, Mascherano fällt in diesem Bereich ab.

Für mich ist aber der herausstechendste Schwachpunkt seines Spiels eine Mischung aus den beiden oben genannten Punkten. Er begeht diese Saison zu oft Zweikämpfe als IV so als wäre er noch DM. Und das kann katastrophale Folgen haben. Ein riskanter Tackle als DM, dem der Gegner grade noch ausweichen kann, aber sich dabei den Ball weit vorlegen muss, ist ne feine Sache. Die IVs rücken dann raus und können den Ball in aller Ruhe abnehmen und die Gefahr ist gebannt. Wenn Mascherano solche Sachen jedoch als IV abzieht, dann gibt es gleich mehrere Gefahren. 1. Freistöße in gefährlichen Positionen oder gar Elfmeter 2. Rote Karten, falls er letzter Mann ist 3. Eigentore, falls Mascherano den Ball doof trifft 4. und am wichtigsten: Wenn der Gegner doch an Mascherano vorbei kommt, steht er allein vorm Tor. Kurzgesagt, Mascherano muss das Risiko seiner Aktionen noch von DM auf IV umstellen.

Hat er das mal geschafft, sehe ich aber nicht, warum er den Weg in die Weltklasse der IVs nicht doch noch schaffen kann. Auch wenn er jemand über 1,80m als Partner braucht. (Besser über 1,90m…)

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Sven 16. November 2012 um 17:33

Ja woran mache ich das fest, tatsächlich eine gute Frage 😉
2010 bei der WM hat er nicht den besten Eindruck auf mich gemacht, hat da in einigen Spielen ein paar Böcke drin gehabt. Seitdem beobachte ich ihn etwas argwöhnisch, schon damals konnte ich nicht so ganz begreifen, was Barca mit Mascherano wollte.
Zunächst meiner Meinung nach, wohl nur als Backup für Busquets gedacht, hat er sich tatsächlich gemausert. Aber auch hier kam er nur verletzungsbedingt zu regelmäßigen Einsätzen. Alles in allem finde ich ihn eher maximal mittelmäßig. Bei der WM gegen Deutschland z.B. War von ihm weit und breit nix zu sehen, da hat er nämlich auf der sechs gespielt. Auch später bei Barca hat sich meiner Meinung nach ganz schnell gezeigt, dass er maximal Erganzngsspieler ist. Genauso wie Song jetzt.

Wenn Piqué und Puyol fit sind, würde ich die beiden aufstellen. Auch wenn Puyol bald seine Karriere beenden wird.

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Tank 16. November 2012 um 17:53

Bzgl. der 6er Position gebe ich dir Recht. Auf keinen Fall kann er da Stammspieler werden. Zumindest wenn das bedeutet, dass er Busquets verdrängt. An dessen Fähigkeiten kommt er einfach nicht ran.

Wenn Pique und Puyol fit sind, dann sind sie für mich in der IV immer noch gesetzt. Auch hier gebe ich dir Recht.

Offen ist für mich aber, ob Mascherano nicht in 1-2 Jahren der neue Puyol werden könnte. Ich denke charakterlich und was den Zweikampf angeht, ist er der Barca-Spieler, der am ehesten dem großen Capitano ähnelt. (Frisurentechnisch aber so gar nicht.) Wenn nun auch noch die Autorität und das Stellungsspiel dazukommen würden, dann ist er der Puyol of the Future, ergo der mittelfristige Partner Piques.

Letzte Saison waren seine Leistungen schon sehr ansprechend, diese Saison ist bisher ein Rückschritt. Kann er sich bis zum Frühjahr nicht nochmal erheblich steigern, muss ein neuer Innenverteidiger von internationalem Format her oder der Verein schenkt dem jungen Bartra das Vertrauen.

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HerrHannibal 16. November 2012 um 23:00

Mascherano war in der letzten Saison der beste Abwehrspieler bei Barcelona und mit Busquets die einzige Konstante in der Defensive.

Ich habe so ziemlich jedes Spiel gesehen und wüsste nicht nach welchen Kriterien man ihn für überschätzt halten könnte. In dieser Saison spielt er recht durchwachsen und hat sich einige Fehler geleistet. Trotzdem einer der besten Transfers der letzten Jahre.

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max 17. November 2012 um 00:54

stimme hannibal zu, masch war letztes jahr barcas bester verteidiger und war wirklich sehr gut.
nach busquets und messi barcas bester spieler 11/12.
diese saison spielt er wirklich ziemlich schwach, aber er wird sich bessern, wenn jemand wie pique oder puyol neben ihm spielt und die linie anführt.

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Rasengrün 17. November 2012 um 04:47

Wäre Personalnot tatsächlich der Grund, dann wäre doch längst eine personelle Reaktion erfolgt. Stattdessen haben sie aber Song verpflichtet, der von der Grundcharakteristik her ein ähnlicher Grenzgänger zwischen den Positionen zu werden verspricht. Viel klarer kann man es doch nicht mehr machen, dass es sich hier um eine ganz bewusste konzeptionelle Entscheidung handelt. Steht natürlich auf einem anderen Blatt, ob das dauerhaft funktionieren wird, aber die Konsequenz muss man bewundern.

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Sven 17. November 2012 um 16:01

@Tank: Der neue Puyol wird er meiner Meinung nach nicht, dazu fehlt ihm die Athletik. Ich hab den Eindruck, dass Puyol deutlich mehr läuft, als Mascherano.

@Hannibal: Meiner Meinung nach war er das aber auch nur, weil die gesetzten eben oft verletzt waren 😉
aber gut, ich habe nicht jedes Spiel von Barca gesehen, habe nur mal sporadisch geschaut, insofern kann ich das nicht so beurteilen wie du. Hatte aber auch den Eindruck, dass Piqué mal ein paar Durchhänger hatte…

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Sven 17. November 2012 um 16:06

@Rasengrün: naja tendenziell ist das schon nachzuvollziehen. Auch Song hat schon IV gespielt. Für mich wäre es zwar nur eine Notlösung, aber es gäbe bei Barca genug Spieler, die IV spielen können. Abidal (zumindest von der Größe), Busquets und Mascherano. Ich würde jetzt so argumentieren, dass sozusagen jeder „Notnagel“ zu Einsätzen kam/ käme, was sicher nicht der Fall wäre, hätte man zwei weitere IV’ler auf der Bank…

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Rasengrün 19. November 2012 um 03:37

Hat man aber eben nicht und das nicht erst seit heute. Das ist eben kein Zufall, keine Personal-_Not_, sondern doch offenbar die Folge einer Einschätzung, dass man den klassischen IV nicht so stark im Kader repräsentiert braucht. Und wo keine Not herrscht, da sind auch keine Notnägel. Der Typ ist schlicht gewollt.

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Billy 16. November 2012 um 09:15

„Mit Busquets sowie den zwei ballfernen Verteidigern konnten diese Ausflüge auch abgesichert werden, womit Tito Vilanova ein stabileres Fundament für sein taktisches Mittel der aufrückenden Innenverteidiger hat. Dadurch können mannorientierte Pressingsysteme, wie es beispielsweise gegen Marcelo Bielsas Bilbao geschah, auseinandergenommen werden. Entweder man lässt den Innenverteidiger und somit auch den Ball enorm weit nach vorne oder man weicht von seinem Mann, um den Ballführenden zu attackieren.“

Ging es nur mir hier so oder mussten auch andere hier sofort an Mats Hummels denken?

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Tank 16. November 2012 um 00:21

Schöner Artikel zu der vorerst letzten, eindeutig identifizierbaren taktischen (Makro-) Veränderung des FC Barcelona. Ich persönlich halte es mehr mit dem 4-3-3 inklusive einem, eventuell sogar zwei offensiven Außenverteidigern und einer falschen Neun in der Spitze. Die Dreierkette ist bei schnellen Kontern einfach zu anfällig. Bei eigenem Ballbesitz bewegt Busquets sich ja aus der Kette raus und beide AVs schieben nach vorne, wenn auch nicht so heftig wie in einer Viererkette. Kommt dann der schnelle Gegenstoß, so kann das verbliebene Defensivpersonal (ein IV, plus die out-of-position stehenden Busquets, Alba und Alves) unmöglich einen klug vorgetragenen Konter so lange in Schach halten bis Hilfe kommt. Grade wenn der Konter eher über die Außen kommt, kann die „Abwehr“ die Breite des Platzes nicht abdecken und es wird zu einer Torchance kommen.

Bleiben zwei IVs hinten, sieht die Sache schon ganz anders aus. Handelt es sich hierbei um Puyol und Pique, so können sie meistens den Angriff so weit abwehren, dass genug Zeit verstreicht, bis Alves zurückgesprintet kommt, Busquets eingreifen kann und der LV ebenfalls zur Stelle ist.

Das Herzstück der Verteidigungsarbeit des FC Barcelona ist und bleibt der eigene Ballbesitz. Weil das so gut funktioniert, konnte man Barca unter Guardiola (mit der möglichen Ausnahme der letzten Saison) auch als großartige Defensivmannschaft interpretieren. Die klassische Abwehrarbeit eines Pique und Puyol war jedoch das für diese relativ riskante Strategie notwendige Sicherheitsnetz. Auch Eric Abidal darf man hier, sowohl als Links- wie als Innenverteidiger, nicht vergessen!

Auch wenn man die eigentliche Kernkompetenz des FC Barcelona, das tiki-taka in der Hälfte des Gegners, durch ein 3-1-3-3 noch weiter stärken kann, so geht das doch nur durch das Zerschneiden des defensiven Sicherheitsseiles. Die Nachteile, die hierdurch entstehen, überwiegen die Vorteile meiner Ansicht nach.

Ich würde mich aber natürlich sehr freuen, wenn Vilanova ein defensiv stabiles 3-1-3-3 auf den Platz zaubert. Dann widerrufe ich mit Freuden.

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crs 15. November 2012 um 21:58

Allgemein:
Gegen Celta hat das ganze nicht wirklich geklappt, da ihr 4-3-2-1 die Mitte sehr dicht gemacht hat. Barca hat dadurch recht früh (schon vor der Adriano-Auswechlsung) das System zum 4-3-3 geändert, in dem Busquets zum IV wurde. Zur Halbzeit kam dann sogar der gelernte IV Bartra, Busquets ging auf die 6 und Cesc raus.

Haben dann also wieder ihr 4-3-3 gespielt, wobei ich das diese Saison aufgrund der Positionierung von Cesc (und teils Iniesta) eher als ein „4-3-3Quadrat“ bezeichne ;>
Die Raumaufteilung schaut meist so aus: 4-2[Xavi/Busquets]-2[Cesc/Messi]-2.
Ein (oder der?) Grund für Cescs starke Saison.

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RM 15. November 2012 um 22:20

Jojo, mir ging es nur um die theoretische Idee. Celta hat halt die Mitte versperrt, da tut man sich mit der Formation bei fehlendem Geben der situativen Breite nochmal eine Stufe schwerer, würde ich sagen.

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crs 15. November 2012 um 22:40

War auch nur eine Anmerkung.

Was ich vergessen habe: Vilanova, nicht Villanova.
Keine Klugscheißerei, nur ein guten Mann noch besser machen 😉

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Stefan 15. November 2012 um 21:40

Mich würde eine genauere Analyse, was Busquets so einzigartig richtig macht, interessieren. Vor allem im Vergleich zu Leuten, die zumindest theoretisch „am selben Ort“ auf dem Rasen rumlaufen (6er? 8er?).

Antworten

James 15. November 2012 um 22:33

mMn macht ihn einzigartig, dass er Räume erkennt und sie schließen kann . Er bewegt sich in der Defensive immer richtig und hat eben die Spielintelligenz um sich z.B. in die Dreierkette fallen lassen kann. Doch dazu kommt noch, dass er im Passpiel Barcelonas nicht abfällt. Er ist zwar nicht sonderlich kreativ bzw kann/soll den „tödlichen“ Pass nicht spielen, aber er kann den Ball immer sicher weiterleiten. Er verliert keine Bälle, sondern kann sich auch aus schwierigen Situationen lösen.
Andere Spieler können oft entweder in der Defensive brillieren oder in der Offensive. Er jedoch kann beides.
@ RM:
Wäre es möglich, dass wenn Xavi langsam aber sicher nicht mehr eine Saison durchhält, dass Barcelona in einem 4-1-2-3 spielt. Busquets wird nicht mehr von Xavi unterstützt, doch Iniesta und Cesc helfen ihm haben jedoch die Positionen inne, welche sie in einem 3-4-3 mit Raute spielen würden. Sprich: Cesc als falsche Zehn + Wechselspiel mit Messi. Iniesta, der auf den linken Flügel ausweicht. Denkst du, dass das eine Möglichkeit wäre? Oder ist es zu offensiv? Kann Busquets das Spiel vollständig „gestalten“?

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Rasengrün 17. November 2012 um 04:43

Für mich ist die enorme Stabilität Busquets unter Druck das beeindruckendste Element seines Spiels. Ein Spielgestalter, egal in welchem Sinne des Wortes ist er sicher nicht, aber es ist diese Eigenschaft, die andere Spielgestalter so gut zur Geltung bringt. Es ist unglaublich schwer wirklichen Druck auszuüben, ein Pass auf Busquets geht eigentlich in fast jeder Situation. Der Mann ist einfach nicht zu pressen. Solange sie den haben muss Barca auch die häufigeren Erholungspausen eines alternden Xavis nicht fürchten- Natürlich schwer zu ersetzen, aber ich könnte mir keinen besseren Spieler als Busquets denken, vor dem man einen Nachfolger aufbauen kann.

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DAF 15. November 2012 um 20:54

Danke für diesen interessanten Hintergrundbericht. Ich sehe nur ziemlich wenig Barca- Spiele, gerade deswegen sind eure Analysen sehr hilfreich.
Irritiert hat mich, dass in den Grafiken Adriano der halbrechte Verteidiger ist, im Text aber von Dani Alves gesprochen wird. Wer von den beiden hat denn gespielt?
Meine spontane Überlegung ist, dass gegen dieses System die Formation Italiens aus dem EM- Gruppenspiel gegen Spanien mit Dreierkette und Flügelverteidigern sinnvoll wäre, allerdings vielleicht vllt mit vier statt drei Mittelfeldspielern: Damit würde verhindert werden, dass Barca das Spielfeldzentrum wie oben beschrieben mit Messi und Iniesta total überladen kann, während von den Außen in diesem System wohl kaum Gefahr ausgeht.
Was würdest du als Gegenstrategie wählen?

Antworten

RM 15. November 2012 um 20:59

Adriano spielte, Alves wurde für ihn wegen einer Verletzung eingewechselt. Habe es ergänzt, damit es sinnvoller klingt.

Ich fände ein 4-1-3-1-1 interessant, ein 4-3-3, eventuell sogar eine Raute oder ein unorthodoxes System. Müsste man wissen, was man so an Spielern hat und mit welcher Ausrichtung man spielt.

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