Bayer Leverkusen – Bor. Dortmund 0:0

Der vierte Spieltag bot das Topspiel zwischen dem amtierendem Meister und Vizemeister. Doch weder Bayer Leverkusen noch Borussia Dortmund konnten dem Spiel ihren Stempel aufdrücken, sondern der Schiedsrichter stand am Ende im Mittelpunkt.

Leverkusen kontert Dortmunds Pressing

Personell gab es vor dem ersten echtem Topspiel dieser Saison keine Überraschungen: Robin Dutt und Jürgen Klopp mussten im Vergleich zur Vorwoche nicht umbauen. Der Meister aus Dortmund trat im gewohnten 4-2-3-1-System an und auch Dutt setzt weiterhin auf seine Mixtur aus 4-2-3-1 und 4-1-4-1-System.

In der Anfangsphase begannen die Dortmunder gewohnt bissig und aggressiv. Sie versuchten, den Leverkusener Spielaufbau schon weit in deren Hälfte zu stören. Der Vizemeister ließ sich hierdurch nicht aus der Ruhe bringen: Wenn die gegnerischen Offensivakteure weit in der gegnerischen Hälfte ihre Attacken fuhren, ließen sich die drei zentralen Mittelfeldspieler Rolfes, Bender und Augusto weit zurückfallen, damit die Abwehrspieler ihre Gegner mit einem Vertikalpass umspielen konnten. Damit verhinderte man auch, dass die Dortmunder durch ungeschickte Quer- oder Rückpässe zu Ballgewinnen am gegnerischen 16er kamen.

Nicht in jeder Situation klappte diese Maßnahme, doch insgesamt wirkte das Leverkusener Aufbauspiel recht souverän. Gerade die in den letzten Spielen viel gescholtenen Innenverteidiger Toprak und Reinartz leisteten sich kaum Fehler. Das Dortmunder Angriffspressing, das so vielen Gegner in der letzten Saison zusetzte, entfaltete kaum Wirkung, so dass sie sich ab der 15. Minute weiter zurückzogen.

Das Offensivtrio des BVB findet nicht ins Spiel

Bis zu diesem Zeitpunkt wirkte Leverkusen vitaler und auch zielstrebiger. Die Vertikalpässe, die das Leverkusener Spiel auszeichneten, fehlten bei den Gästen fast vollkommen. Während Lars Bender und Augusto oftmals riskante Passvarianten versuchten, um die Dortmunder mit einem schnellen Gegenangriff zu überraschen, fehlte diese taktische Maßnahme bei Dortmund fast vollkommen.

Der Weggang Sahins ist in solchen Situationen noch spürbar. Die riskanten Pässe, die er oftmals in den Lauf der Offensivakteure spielte, fehlen dem Dortmunder Spiel. Gündogan interpretiert die Position anders und spielt sehr viel mehr Querpässe und Seitenwechsel. Das ist gegen manche Gegner nützlich, gegen Leverkusen sorgte es vor allem dafür, dass die Offensivspieler viel zu wenig Anspiele bekamen.  Die Anzahl ihrer Ballkontakte in Hälfte eins belegt das: Götze war mit 27 noch halbwegs gut eingebunden, Kagawa (17, aber nur fünf Pässe) und besonders Großkreutz (11) und Lewandowski (9) waren weitestgehend aus dem Spiel genommen.

An dieser Statistik hat die gute Leverkusener Defensivleistung maßgeblichen Anteil: In der defensiven 4-1-4-1 Anordnung standen sie sehr eng. So verhinderten sie, dass Dortmund ihr typisches Klein-Klein-Spiel aufziehen konnte. Zwar wurde durch das weite Einrücken der Gegenspieler auf der anderen Seite freigelassen, der BVB nutzte dies aber mangels Flügelwechsel nicht.

Leverkusener Chancenplus

Sowohl defensiv als auch offensiv war Leverkusen aufgrund der beschriebenen Gründe die stärker wirkende Mannschaft. In der ersten Viertelstunde hatten sie zwei große Möglichkeiten, als einmal Schürrle allein vor dem Kasten (5.) und einmal Rolfes per Kopf (12.) an Weidenfeller scheiterten. Dortmund sortierte sich erst nach dem Rückzug in die eigene Hälfte besser und ließ in der Folge defensiv kaum noch etwas zu, ohne offensiv zu glänzen.

In dieser Phase verflachte das Spiel zusehends, denn auch die Leverkusen waren darauf bedacht, keinen Konter einzufangen. Im Zweifelsfall blieben die Außenverteidiger und Sechser hinten, so dass die Werkself keine Überzahlsituationen kreieren konnte. Sam und Schürrle bissen sich alleinstehend mit ihren Dribblings immer wieder an den gegnerischen Verteidigern fest. Fortan neutralisierten sich beide Teams fast ausschließlich im Mittelfeld, wo auf der einen Seite Rolfes und Lars Bender und auf der anderen Seite dessen Zwillingsbruder Sven und Gündogan die Räume geschickt schlossen.

Bis zur Halbzeitpause wurde das Spiel intensiv geführt, ein rechter Spielfluss oder gar Torgefahr kam jedoch nicht auf. Dies änderte sich auch direkt nach der Halbzeitpause nicht, da beide Teams taktisch fast unverändert aus der Kabine kamen. Die Dortmunder attackierten nun früher, gingen aber nicht das letzte Risiko ein, so dass bis zur 60. Minute keine großen Torszenen zu verbuchen waren.

Schiedsrichter Stark rückt in den Mittelpunkt

Noch bevor beide Trainer taktische Wechsel vornehmen konnten, nahm das Spiel unverhofft Fahrt aus. Ins Zentrum des Geschehens trat nun Schiedsrichter Stark, der durch einige harte Entscheidungen Schärfe in das Spiel brachte. Die Zweikämpfe wurden nun von beiden Seiten verbissener geführt, die Zahl der bösen Fouls stieg. Nachdem Kadlec nach einer brutalen Grätsche die rote Karte sah (64.), begann die beste Phase der Dortmunder.

Der Meister schaltete direkt nach dem Platzverweis einen Gang hoch und belagerte nun das Tor der Hausherren. Durch die Überzahlsituation entstanden nun zwischen den Leverkusener Viererketten Räume für Kagawa und Götze. Sie konnten in den folgenden Minuten ihren One-Touch Fußball und ihre Dribblings zelebrieren. Auch nutzten sie gedankenschnell aus, dass der defensivschwache Sam zunächst die vakante Linksverteidigerposition einnehmen musste. Götze kam vermehrt über diese Seite und bereitete so die größte Chance des Spiels vor, bei der der eingewechselte Perisic (63. für Großkreutz)  eine seiner Flanken aus kurzer Torentfernung volley nahm und Leno mit einem klasse Reflex den Rückstand verhinderte (67.).

Dutt beruhigte das Spiel schnell und wies seine Mannen an, bei Ballbesitz ruhig und besonnen den Ball laufen zu lassen. Zudem stabilisierte er die linke Seite bald mit der Einwechslung von Balitsch (68. für Augusto), der Götzes Kreise eindämmte. Dortmunds Druckphase endete spätestens in der 77. Minute mit der roten Karte gegen Mario Götze, der wegen Nachtretens vorzeitig unter die Dusche musste. Die restliche Viertelstunde beruhigte Leverkusen das Spiel, zeigte nach vorne aber nur noch wenig Initiative. Sie taten gut daran, das unruhig gewordene Spiel ohne große Hektik ausklingen zu lassen.

Fazit

Nach 60 interessanten, aber größtenteils unspektakulären Minuten heizte Wolfang Stark mit einigen korrekten, aber kleinlichen Entscheidungen das Spiel nochmals an. Seine diskutablen Pfiffe sind auch die wenigen Höhepunkte, an die man sich nach dieser Partie erinnern wird. Spielerisch war es nicht das erwartete Top-Match – dazu waren die Defensivreihen an diesem Abend zu stark. Gerade Leverkusen zeigte, wie man mit einer engen und disziplinierten Verteidigung Klopps Mannen den Zahn ziehen kann.

Trotz der starken Defensivleistung muss Bayer sich grämen, nicht mehr nach vorne getan zu haben. Der BVB hat noch nicht seine Topform der letzten Saison gefunden, und so wäre für die Leverkusener mehr drin gewesen, wenn sich in manchen Situationen mehr Spieler an den eigenen Angriffen beteiligt hätten. Alles in allem verloren allerdings weder sie noch die Dortmunder mit diesem 0:0 ihr Gesicht. Beide Trainer können auf dieser Leistung beruhigt aufbauen.

44² 30. August 2011 um 11:56

Hab auf meinem Blog noch ein paar Zahlen zum Spiel zusammengetragen.

Derweil arbeite ich an einer Hybris-Formation! Klasse Idee. 😀 (Bestimmt ne gute Taktik gegen Fußballgötter! 😉 )

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Daniel 30. August 2011 um 09:33

Hättet ihr Spaß an einem Dutt Portrait? Das würde mich sehr interessieren, da ich leider die Spiele im Fernsehen nicht schauen kann. Ich lese viel, höre die Spiele live und schaue die Sportschau, aber würde gerne noch mehr über Dutts System und Philosophie wissen 🙂
So eine Trainerbewertung _von Euch_ wäre auch mal sehr interessant.
http://www.sport.de/medien/fussball/bundesliga-1/news-liga1/b1e4-aa1bd-57de-14/trainer-zeugnis-zwei-trainer-noch-schlechter-als-oenning.html
Ansonsten super super Seite, weiter so 🙂
Gruß,
Daniel

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TE 30. August 2011 um 10:23

Ohne zu viel verraten zu wollen – dein Wunsch nach einem Dutt-Porträt wird in nicht allzu ferner Zukunft erfüllt 😉

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Stitch Jones 27. August 2011 um 23:41

auch Dutt setzt weiterhin auf seine Hybris aus 4-2-3-1 und 4-1-4-1-System

Gemeint ist wohl eher „Hybrid“, Hybris ist was anderes 😉

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TE 27. August 2011 um 23:51

Danke für den Hinweis, habe es editiert

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