Deutschland erkämpft sich Sieg gegen starke Elfenbeinküste – LB

2:1

Deutschland schlägt die Elfenbeinküste am zweiten Gruppenspieltag der Weltmeisterschaft 2026 nach Rückstand mit 2:1. Die deutsche Aufholjagd in der Analyse. Viel Spaß beim Lesen!

Elfenbeinküste stellt um und Deutschland vor Probleme

Die DFB-Elf (ohne Wechsel in der Startformation im Vergleich zum ersten Spiel) baut auch gegen die Elfenbeinküste aus ihrem gewohnten 3-1-5-1 auf. Joshua Kimmich bildet zusammen mit den Innenverteidigern den Dreieraufbau, vor dem sich Aleksandar Pavlović als alleiniger Sechser bewegt. Nathaniel Brown schiebt auf seiner Seite durch und besetzt meistens den linken offensiven Halbraum. Florian Wirtz besetzt links die Breite und rochiert regelmäßig mit Brown Positionen. Felix Nmecha füllt den rechten Halbraum auf, während Leroy Sané auf dieser Seite die Breite halten soll.

Abb. 1: Deutschland im Ballbesitz

Derweil wechselt die Elfenbeinküste im Vergleich zum ersten Spiel gegen Ecuador fünf Feldspieler und ändert ihre Struktur gegen den Ball. Während sie in der ersten Begegnung noch im 4-4-2 spielten, stellte das Team von Trainer Emerse Faé auf ein 4-3-3 um. Bei deutschem Ballbesitz schafften die Ivorer es durch den zusätzlichen Spieler im zentralen Mittelfeld, das Zentrum sehr dicht zu machen. Die deutsche Mannschaft tat sich damit über weite Strecken sehr schwer und wurde immer wieder gezwungen, über die Außen zu spielen. Dort hatten zwar Wirtz und Sané regelmäßig 1 gegen 1 Situationen, allerdings konnten sie sie nur selten ausnutzen und Torchancen herausspielen. Deutschland fehlte allgemein mit Ball im ersten Durchgang die richtigen Tiefenläufe und Positionsrochaden, um Räume im engen Zentrum zu schaffen. Zusätzlich war die Box oft mit Havertz zu schwach besetzt.

Im tiefen Block wurde aus dem 4-3-3 der Elfenbeinküste ein noch kompakteres 4-5-1, indem Amad Diallo und Yan Diomande tiefer in die Fünferkette einrücken (siehe Abb. 1). Allerdings verpassten es die Ivorer hier gelegentlich, mit dem richtigen Timing anzulaufen, wodurch die deutsche Mannschaft im Sechserraum Platz für Flanken oder linienbrechende Pässe bekam. So entstand auch die erste gefährliche Chance für die deutsche Elf in der 10. Minute: Kimmich bekommt zu viel Platz und kann unbedrängt aus dem rechten Halbfeld flanken. Den anschließenden Kopfball von Kai Havertz kann Yahia Fofana noch knapp parieren.

Deutschland mit defensiven Problemen

Nach dem Ballgewinn war der Plan der Elfenbeinküste entweder direkt oder nach Pass und Geh im zentralen Mittelfeld, auf Diomande oder Diallo in die Spitze zu spielen. Besonders Inao Oulaï, der im ersten Spiel nur 20 Minuten spielte und hier von Anfang an auf dem Platz stand, half seiner Mannschaft mit Ballgewinnen im Mittelfeld, die er anschließend festmachte und vertikal spielen konnte. Diese schnellen Umschaltsituationen bereiteten der deutschen Mannschaft Probleme, weil sie hoch verteidigten und mit Kimmich und Brown oftmals beide Außenverteidiger aufgerückt waren. Dabei orientiert sich Kimmich immer häufiger schon früh in der Restverteidigung an Diomande. Die deutsche Elf versuchte, Kimmich zu unterstützen, indem meist entweder Jonathan Tah oder Sané situativ den Raum hinter Kimmich auffüllten, wenn dieser im 1 gegen 1 verteidigen musste. Dies gelang jedoch nicht immer, so auch nicht beim Führungstreffer der Elfenbeinküste.

Denn die Führung leitete Diomande ein. Der Flügelstürmer von Rasenballsport Leipzig bekommt in der 30. Spielminute auf links den Ball. Er kommt ins 1 gegen 1 gegen Kimmich, weil vor dem Zuspiel auf Diomande Sané sich von Konan ins Zentrum ziehen lässt und Nmecha im falschen Moment pressen will. Nmecha kommt zum Doppeln nach, wodurch sie es zwar schaffen, in dieser Situation eine Überzahl herzustellen, allerdings ist Nmecha zu passiv, sodass Diomande in die Tiefe dribbeln kann und den Ball flach in die Box spielt. Dort doppeln Tah und Schlotterbeck Bonny. Tah, der weiter außen steht, verpasst das Timing, um die Flanke von Diomande zu unterbinden. Auf der ballfernen Seite braucht Deutschland zu lange, um die Räume zu schließen wodurch erst Diallo zum Torschuss kommt und anschließend Kessié unbehindert den Nachschuss zum 1:0 verwandeln kann.

Umkämpftes Mittelfeld

Die Umstellung vom 4-4-2 auf das 4-3-3 respektive 4-5-1 half der Elfenbeinküste nicht nur gegen den Ball und nach Ballgewinn, sondern auch im Spiel mit Ball. Durch den zusätzlichen zentralen Mittelfeldspieler stand die Elf von Julian Nagelsmann in ihrer Manndeckung vor einem Problem. Durch die 3-2 Überzahl der Ivorer im Mittelfeld blieb ein zentraler Mittelfeldspieler frei. Meist Oulaï, da Sangaré die tiefe Sechserposition bespielte und Kessié, der als Achter aufrückte, von Pavlović aufgenommen wurde. So musste ein Spieler aus der deutschen Viererkette auslösen und Oulaï im 1 gegen 1 Angriffspressing aufnehmen. In vielen Situationen übernahm dies Tah, wie in Abb. 2 zu sehen. Dadurch konnte er allerdings nicht mehr Kimmich gegen Diomande unterstützen und es öffneten sich Räume für die Elfenbeinküste.

Abb. 2: Deutschland in Manndeckung, Tah muss aus Viererkette rücken

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