Spanien: De La Fuentes Positionsspiel – MX
Europameister, Nations-League-Finalist – und nun Weltmeister? In den letzten Jahren offenbarten sich Fortschritte im Ballvortrag der traditionell positionell agierenden Spanier unter De la Fuente und erinnern dabei an manch andere Glanzmannschaften.
Europameister Spanien zeichnet sich weiterhin über das eigene Positionsspiel aus, welches sich aus der traditionellen 4-3-3-Struktur heraus formt. Statistisch gesehen haben die Spanier in der WM-Qualifikation die meisten erfolgreichen Flachpässe aller Teams gespielt, die meisten Torschüsse pro Spiel abgegeben und pro Spiel knapp über 70 % Ballbesitz sowie über drei Tore im Durchschnitt verzeichnet. Demnach lohnt sich ein aktueller Überblick über die spielerische Dominanz unter de la Fuente.
Offensive Außenverteidiger als Grundlage
Die Spanier sind insgesamt von sehr offensiven Außenverteidigern mit Cucurella auf der linken Seite und Llorente/Porro auf der rechten Seite geprägt und agieren meist in der Grundposition auf der Höhe der Achter oder direkt in der letzten Aufbaulinie, sodass es sich in der Realsystematik meist eher in Richtung eines 2-1-4-3 und eines 2-3-5 im letzten Dritel bewegt. De la Fuente betonte dabei auch mehrmals in der Vergangenheit die Vergleichbarkeit in der Offensivheit der Außenverteidiger zum FC Barcelona von Hansi Flick:
- Rechte Seite: Koundé agiert als leicht eingerückter, passstarker Außenverteidiger, der beim Ballspiel des Flügelspielers im Halbraum leicht mitschiebt und dadurch einen gegnerischen Flügelspieler hoch binden sowie eine Rückpassoption für Yamal schaffen soll. Er soll demnach Yamal den Rücken freihalten, ihn vor Unterzahlsituationen bewahren und unterbinden, dass gegnerische Flügelspieler den Halbraum für inverse Dribblings von Yamal blockieren.
- Linke Seite: Balde agiert als Linksverteidiger hingegen in der vollen Breite, während man einen in der Breitenbesetzung variabel positionierenden Flügelspieler einsetzt. Balde ist dabei extrem dribbelstark und glänzt mit seinem High-Speed, überläuft breite Flügelspieler gerne, schiebt immer wieder dribbelnd in die Breite durch und sucht den Flügelspieler horizontal im Halbraum zwischen den Linien.
Im Prinzip ist es also die offensive Variabilität daraus, die De la Fuente auch immer wieder lobt, welche sich bei Flick vor allem an den Seiten herleiten lässt. Bei Spanien selbst ist die Breitenbesetzung hingegen nochmals anders angelegt. So agieren die Außenverteidiger grundsätzlich eingerückter in der Grundposition im Halbraum und adaptieren sich mitspielerorientiert im ersten Fokus an den eigenen Achtern und definieren darüber ihre Raumbesetzung. Agieren diese auf der Ballseite zentral, was oft nach Verlagerungen der Fall ist, so schieben die Außenverteidiger im Halbraum mit in die Angriffslinie nach.
Das führt oft zum Mitziehen gegnerischer Flügelspieler aus dem Mittelfeld heraus und dem Öffnen von inversen Dribbelwegen für die eigenen Flügelspieler horizontal vor die gegnerische Verteidigungslinie, wovon klassischerweise vor allem Yamal auf der rechten Seite profitiert, oder es wird alternativ das direkte Tiefenspiel auf die im Halbraum durchschiebenden Außenverteidiger gesucht. Gerade Grimaldo und Porro fand man in der Qualifikation durch ihren High-Speed gegen teils langsamere im Antritt und im Bewegungskomplex zu starre gegnerische Flügelspieler.
Agieren die Achter jedoch im Halbraum abkippend, so agieren die spanischen Außenverteidiger ausrückend in der Breite, jedoch nicht in der vollen Breite, sondern leicht diagonal versetzt zum Flügelspieler – es entsteht die klassische „V“-Systematik. Dort liegt dann für die Außenverteidiger mehr der Fokus darauf, den diagonalen Passweg in den Halbraum auf die hohen Achter zwischen den Linien zu suchen, worauf zunehmend der Fokus lag. Das sieht man auch an der personellen Besetzung durch Llorente als RV und Cucurella als LV, die jeweils über sehr gutes Passspiel über kurze Distanz diagonal mit dem starken Fuß verfügen.
Situativ sieht man zudem, dass die andribbelnden Flügelspieler unter direktem gegnerischem Druck hinterlaufen werden durch die offensiven Außenverteidiger, um gegnerische Außenverteidiger über Tiefenläufe zu binden und den eigenen Flügelspielern Raum zu schaffen bzw. situativ ein 2-gegen-1 auf dem Flügel zu erzeugen. Bei den zuvor genannten Personalien sieht man dieses Laufpensum jedoch deutlich weniger, da es eher durch Grimaldo und Porro initiiert wird, die darüber hinaus die athletischen Voraussetzungen im Bereich Ausdauer und Antritt stärker mitbringen sowie exzellente Dribbler mit Flankenqualität sind.
Zusammenfassend könnte man also sagen: Spanien möchte aus einer einfach besetzten Breite in der Grundstruktur permanente entgegengesetzte Bewegungen zwischen Außenverteidiger und Flügelspieler erzeugen und darüber entweder Tiefenwege durch das Herausziehen gegnerischer Verteidiger oder durch das Freiziehen inverser Dribbelwege öffnen. Spannend wird in diesem Kontext für Gegner, wie man die Übergaben verteidigt. Spanien tat sich im letzten Drittel vor allem gegen Teams schwer, die raumorientierter agierten und sich nicht durch die entgegengesetzten Bewegungen mitziehen ließen. Dann verharrte man häufiger in isolierten 1-gegen-1-Situationen in der Breite mit dem gegnerischen Tor im Rücken – genau das will De la Fuente tunlichst vermeiden.
Die Rolle des zurückgezogenen Sechsers
Auffällig ist dabei insgesamt, wie oft die spanischen Innenverteidiger im Halbraum andribbeln und bei isolierten 1-gegen-1-Situationen in der Breite die Sohle auf den Ball nehmen und den Rückpass auf Keeper Simón oder den Querpass nach innen suchen, wodurch es zu den klassischen flachen Verlagerungen im Positionsspiel kommt. Ein Grundprinzip bei Pep Guardiola ist dabei seit Jahren, dass bei zu großen Abständen auf der ballfernen Seite während flacher Verlagerungen die Achter diagonal in den Halbraum auskippen und dadurch einen Verbindungsspieler zwischen Innenverteidiger und Breitengeber schaffen. Dieses diagonale Auskippen führt zu langen Pressingwegen aus dem Zentrum in den ballfernen Halbraum, wodurch man sich über Rückpässe aus hohem Gegnerdruck lösen kann.
Bei De la Fuente sind es dabei weniger die Achter als verbindendes Element aus dem Mittelfeld, sondern vielmehr die Sechser, zumeist Stammspieler Rodri, die dieses Abkippen zwischen die Innenverteidiger interpretieren. Grundsätzlich sieht man diesen temporären Dreieraufbau vor allem beim breiten Andribbeln der Innenverteidiger, insbesondere gegen tiefe Blöcke – das dürfte man daher auch gegen Kap Verde häufiger sehen. Der Grund hierfür dürfte vor allem in der Absicherung liegen, da der Raum zwischen den Innenverteidigern bei Ballverlust ansonsten sehr anfällig für gegnerische Konter wäre. Durch das Abkippen kann man bei Ballverlust das Tiefenspiel durch das Zentrum besser unterbinden.
Einerseits dient es im eigenen Ballvortrag klassischerweise der Überzahlbildung in der ersten Aufbaulinie nach Rückpässen. Oft versuchten Gegner in der Qualifikation bei spanischen Rückpässen einen Übergang zur Manndeckung zu schaffen und die Innenverteidiger im direkten 2-gegen-2 anzulaufen. Das Abkippen, das häufig nicht von gegnerischen Mittelfeldspielern verfolgt wurde, erzeugte jedoch ein 3-gegen-2, wodurch dieser Übergang wirkungslos blieb und man sich über den freien Sechser aus dem Druck lösen konnte. Die Dribbelstärke sowie der hohe Antritt am Ball von Rodri führten zudem dazu, dass er gegen breit anlaufende gegnerische Stürmer ins Zentrum eindribbeln und dadurch etwa den direkten Anschluss zwischen den Linien finden konnte.
Das Timing des Abkippens gestaltet sich meist so, dass insbesondere Rodri den Abkippmoment sehr spät im Andribbeln der Innenverteidiger sucht, um möglichst im toten Winkel des gegnerischen Stürmers zentral abzukippen. Gerade Rodri sucht dabei in der gegenspielerorientierten Wahrnehmung (die insgesamt eine hohe Frequenez unterliegt im aktiven, qualitativen Scanning) zunächst den Schulterblick in Richtung des gegnerischen Mittelfelds, um zu prüfen, ob er von Mittelfeldspielern verfolgt wird. Anschließend orientiert er sich aktiv zum gegnerischen Stürmer und positioniert sich bewusst sich aus dem toten Winkel heraus. Das führt nach Rückpässen oft dazu, dass die ballnahen Stürmer das Abkippen und die daraus resultierende Unterzahl erst sehr spät wahrnehmen und dadurch auch etwaige Positionsanpassungen im Anlaufen nicht mehr vornehmen können, um beispielsweise die flachen Verlagerungen zu isolieren oder das Andribbeln der Sechser durch konsequentes Durchpressen zu unterbinden.
Insgesamt führt das Abkippen jedoch zu einem großen freien Raum im Mittelfeld, der vor allem auch durch die hohen Achter entsteht. Diese versuchen folglich, das Zentrum über den ballfernen Achter diagonal zu füllen und sind dadurch immer wieder zwischen den Linien für direkte Diagonalverlagerungen erreichbar. Gerade gegen tief stehende Gegner, gegen die man einige Momente des Dreieraufbaus sieht, setzt man dabei mit López, Olmo oder Pedri auf dribbelstarke Achter, die durch ihr exzellentes Aufdrehen nach Zuspielen immer wieder direkt mit dem ersten Kontakt nach außen aufziehen und im Halbraum andribbeln, wodurch es zu kleinräumigen Kombinationen mit den Flügelspielern und den hohen Außenverteidigern kommt.
Oft legt man nach dem Andribbeln in die Breite ab und schiebt im Halbraum durch, um direkt die Tiefe nachzubesetzen. Dieses bogenförmige Durchlaufen führt häufig zu Problemen bei gegnerischen Verteidigern, die gerade bei sperrigeren Bewegungsabläufen die schnellen Richtungsänderungen der beweglichen Achter nicht konsequent mitverfolgen können und diese dadurch in den Tiefenläufen verlieren. Immer wieder mussten Gegner in diesen Mustern zu taktischen Fouls greifen, um direkte Durchbrüche in die Box bei spanischer Überzahl zu unterbinden.
Gerade in den letzten Monaten und bei Ausfällen von Rodri sieht man zudem noch mehr Rotationen im Zentrum der Spanier, um gewisse Andribbel-Schwächen (gerade im Tempo) der Alternativoption García auf der Sechs zu kompensieren. Dabei rotierte insbesondere Pedri häufig zwischen die Innenverteidiger, während García in den halbräumigen Abkippbewegungen (auch bei Leverkusen in der abgelaufenen Saison zu beobachten) seine Qualitäten im Ablagespiel in die Breite auf die durchschiebenden Außenverteidiger und in der abschirmenden Ballsicherung ausspielen konnte.
Oyarzabal als Morata-Nachfolger
Nachdem der langjährige Schlüsselspieler Álvaro Morata (den RM zu seiner Juve-Zeit einmal so charakterisierte: tororientiert, ausweichend und spielintelligenter Ergänzungsspieler, der Tevez mit den passenden Läufen unterstützt) im Stoßsturm diesen Sommer seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft vollzogen hat, spielte sich zunehmend der gelernte Zehner Oyarzabal in den Fokus. Ergänzt wird dieser Übergang mit Iglesias als Joker, der oft zum Ende der Spiele kommt und über seine physische Stärke in der Luft bei Standards glänzt.
Oyarzabal hingegen kommt vor allem über seine Tiefenläufe in den Rücken ausweichender Verteidiger, welche Spanien vor allem über das Herausziehen von Innenverteidigern durch das Abkippen im Halbraum der hohen Achter zu befreien versucht. Dabei glänzt der Stürmer vor allem durch seinen ballsichernden Armeinsatz und wirkt darüber außergewöhnlich stabil bei den Läufen auf den Torwart zu, was zusätzlich durch den hohen Körperschwerpunkt begünstigt wird, der ein Abdrängen und den Zugriff auf den Ball im Dribbling für Verteidiger deutlich erschwert. Dadurch gleicht er auch gewisse Nachteile im High-Speed bei langen Tiefenläufen aus.
Auffällig ist dabei auch die Qualität im 1-gegen-1 gegen den Keeper: Durch das Kopfhochnehmen – das durch den hohen Körperschwerpunkt ebenfalls erleichtert wird, da bei einer aufrechteren Haltung ein geringerer Winkel zum Anheben des Kopfes notwendig ist – vor dem Abschluss hat er eine sehr präzise Wahrnehmung der Position des Torwarts beim Herauslaufen und findet über den technisch sauberen Abschluss mit der Innenseite häufig den Weg vorbei. Auch der Trainer ist voll des Lobes für den Stürmer:
„Wenn man mich fragt, wer später ein guter Trainer werden könnte: Oyarzabal. Er versteht Fußball sehr gut, interpretiert jede Position richtig. Er macht alles gut – ein Weltklasse-Spieler. Wenn Leute sagen, uns fehlt ein Knipser (…) wir haben großes Glück mit Oyarzabal. Er ist Weltklasse.“
Diese sogenannte Knipser-Eigenschaft wird oft auch mit seiner Stärke im Kopfballspiel verbunden. Zwar ist er mit seinen 1,81 Metern häufig rund zehn Zentimeter kleiner als seine direkten Gegenspieler, sucht aber vor dem Einlaufen in die Box zunächst in der Grundposition einen gewissen Abstand zur gegnerischen Verteidigungslinie und versucht, über seinen Antritt im diagonalen Einlaufen auf den kurzen Pfosten, verbunden mit seiner hohen Sprungkraft, diesen biologischen Nachteil auszugleichen. Dieses Einlaufen führt durch das hohere Grundtempo bei Kopfbällen zu einem kraftvolleren Abdruck in Richtung Tor – dabei führt das diagonale Einlaufen oft zu einem Abdruckwinkel in Richtung des langen Pfostens, was aufgrund der kurzen Distanz für Torhüter häufig ein Problem darstellt.
Probleme hat der Stürmer jedoch beim vertikalen Abkippen im Zentrum. Grundsätzlich würden sich weiterführende Abkippbewegungen dort aufgrund des großen Raumes zwischen dem temporären Dreieraufbau und dem Mittelfeld beziehungsweise Angriff durchaus anbieten. Der Stoßstürmer weist zwar grundsätzlich technisch gute Grundlagen für das Ablagespiel auf, gerade mit dem Außenrist auf beiden Seiten, tut sich jedoch im vertikalen Abkippen ins Zentrum bei engen Duellen mit Verteidigern im Rücken schwer, den Ball zu sichern, und setzt seine Arme deutlich seltener zur Stabilisierung im Abschirmen ein als etwa beim Belaufen der Tiefe.
Tendenziell lassen sich diese Probleme auch mit seiner Wahrnehmung begründen. Der gelernte Zehner ist vor allem dann stark, wenn er seine Gegenspieler vor sich hat und dadurch eine höhere Berechenbarkeit ihrer Bewegungen erhält. Oft reagiert er auf das Zumachen einer Seite durch einen Verteidiger mit einer Finte auf die andere Seite oder auf das zuvor beschriebene Verhalten vor dem Torhüter. Diese wahrnehmende Berechenbarkeit ist mit dem Gegner im Rücken beim vertikalen Abkippen deutlich geringer.
So bewegt sich der Stürmer nur sehr selten vertikal ins Mittelfeld bei Mittelfeldpressing, sondern wandert vielmehr in Morata-Manier horizontal von Halbraum zu Halbraum. Dem spanischen Aufbauspiel nimmt das gerade gegen mannorientiert verteidigende Teams jedoch Optionen im höheren Aufbauspiel oder im letzten Drittel zum Herausziehen gegnerischer Verteidiger aus dem Zentrum oder für Rotationen mit den Achtern, wodurch es phasenweise zu statischen Momenten im Zentrum kommen kann und ein zu großer Fokus auf das Bespielen der Breite entsteht. Probleme, welche an Ferran Torres beim FC Barcelona erinnern, der ebenfalls als Stürmer Nr. 3 tendenziell im Laufe des Turniers in Betracht kommen könnte.
Manndeckung, das Zündlein an der Waage?
Dabei bleibt natürlich die unmittelbare Frage, wie die Spanier nun gegen vor allem manndeckendes Angriffspressing agieren. So ganz klar kann man diese Frage nicht beantworten, denn in der Rückrunde der WM-Qualifikation gab es kaum qualitativ hochwertiges Pressing mit Manndeckungen, dem die Spanier bei der Weltmeisterschaft vergleichbar begegnen könnten.
Auszugehen ist anhand der Erfahrungen der letzten Jahre und gerade der Nations League dennoch davon, dass man sich im tiefen Aufbauspiel in einem 2-4-1-3 positionieren wird. Meist kippt Pedri neben den Sechser ab und es agiert eine alleinige Zehn im Zentrum vor Stürmer Oyarzabal. Spanien löst zwar meist den Abstoß kurz aus, sucht aber spätestens bei den Außenverteidigern häufig diagonal den Ball in den Halbraum. Hier greift erneut das Prinzip, dass isolierte Abkippbewegungen in der Breite nicht vertikal-flach bespielt werden sollen. Dementsprechend spielen die Außenverteidiger nur extrem selten den Flügelspieler an, da diese gegen Manndeckung direkten Druck aus dem Rücken bekommen.
Oyarzabal, der wie im höheren Aufbauspiel auch häufig in den Halbraum ausweicht und dort oft Zielspieler für jene lange Bälle ist, bleibt dabei ein zentraler Bezugspunkt. Die oben beschriebenen Probleme im Umgang mit Gegnern im Rücken bei der Ballsicherung bleiben zwar stellenweise relevant, jedoch geht es Spanien gegen manndeckendes Angriffspressing weniger um Aufdrehbewegungen des Stürmers. Vielmehr soll er den direkten Rückpass in die Breite spielen, was er durch seine Luft- und Ablagequalität häufig gut lösen kann, indem er sich früh genug im Halbraum positioniert und nicht aus einer Dynamik heraus abkippen muss. Durch das diagonale Abkippen hat er zudem eine deutlich bessere Wahrnehmung als im vertikalen, da er über Schulterblicke die Position seines direkten Gegenspielers neben sich besser einschätzen kann.
Spanien nutzte dabei ein häufiges Problem von Gegnern bei langen Bällen in den Halbraum, denn oft schoben Flügelspieler des Gegners und auch gegnerische Zentrumsspieler intuitiv in den Halbraum mit und verloren ihre initialen Gegenspieler im Rücken. Über Oyarzábals direkte Ablagen zurück etwa auf Rechtsverteidiger Llorente konnte man sich so aus der Manndeckung bzw. dem direkten Gegnerdruck lösen.
Die Folgebewegungen waren dabei durchaus spannend: Spanien agiert insgesamt leicht zweigeteilt. Anders als viele Mannschaften schieben die Innenverteidiger nicht direkt mit bei langen Bällen, sondern verbleiben im eigenen Drittel und öffnen dadurch einen großen Raum zu den ballnah fallenden gegnerischen Zentrumsspielern, der durch Rodri oder Pedri im Rücken der initialen Gegenspieler besetzt wird.
Über den freigespielten Außenverteidiger bespielt man so immer wieder diesen Sechserraum seitlich und bringt Rodri oder Pedri ins Andribbeln. Für die gegnerischen Zentrumsspieler ist das besonders schwierig, da sie sich vor der Aufnahme des Duells durch die veränderte Spielsituation erst neu orientieren bzw. sich drehen müssen. Dadurch entsteht oft kaum Zugriff gegen diese Dribblings ins Mittelfeld, und es folgt das Fallen ins Mittelfeldpressing. Probleme bekamen die Spanier lediglich situativ bei aggressiv rückwärtspressenden Stürmern, die auch häufig gegen das Andribbeln zu taktischen Fouls griffen und so den Rythmus der Spaner unterbrachen.
Je nach Personalbesetzung und Passstärke fand man gerade über das sehr präzise Diagonalpassspiel von Llorente auch gelegentlich das direkte Tiefenspiel ins Zentrum in den Rücken des von Oyarzabal herausgezogenen Innenverteidigers, der durch den durchschiebenden Zehner und teils den diagonal einrückenden Flügelspieler nachbesetzt wird. Für Gegner wird es dementsprechend essenziell, dass der Gegenspieler von Oyarzabal frühzeitig das direkte Duell nach dessen Ablage löst und die Tiefe im Zentrum sichert; zudem muss der direkte Gegenspieler des Zehners auf die Tiefenläufe vorbereitet sein.
Allgemein wirkt dieses Steil-Klatsch-Tief jedoch eine gute Variante, um im Zentrum unsauber gestellte Manndeckungen direkt auszuhebeln; meist sucht man aber eher das Bespielen des Sechserraums und das strukturierte höhere Aufbauspiel. Gerade in den letzten Monaten suchte der Stürmer auch direkte Ablagen zu den Flügelspielern, wo sich insbesondere Yamal etwas tiefer positionierte und sich so von tiefensichernden Außenverteidigern löste. Oft entstand daraus über inverses Andribbeln nach innen und gute Voraussetzungen für das Tiefenspiel auf den im spielbegleitenden Durchschieben in die Tiefe startenden Stürmer.
Fazit
Neben den oben genannten Themen wird auch das Thema Restverteidigung eine elementare Rolle spielen, was MH bereits zur EM 2024 ausgeführt hat und sich nur minimal verändert hat. Konkret stellen sich teils Probleme bei den Rotationen der offensiven Achter auf die Sechs bei der zweiten Gegenpressingwelle dar, wenn etwa Pedri/Lopez als Sechser herausverteidigen müssen und sich ihre Schwächen im defensiven 1-gegen-1 gegen andribbelnde Gegenspieler offenbaren. Hier wird es für Spanien wichtig sein, dass man sich bei jener personellen Wahl frühzeitig fallen lässt und nicht durch zu langes Festhalten am Gegenpressing etwa Tiefenräume zentral hinter der Verteidigungslinie durch das Ausschieben der Sechser öffnet.
Spanien Positionsspiel ist klassisch, aber doch sehr gut abgestimmt auf die Einzelspieler in der Elf und profitiert auch vom spürbaren Barcelona-Einfluss innerhalb des Trainerteams und der Mannschaft. Insgesamt haben sie einen soliden Optionsbaukasten und können damit definitiv wieder in der Spitzengruppe dieser Weltmeisterschaft mitspielen.
MX machte sich in Regensburg mit seiner Vorliebe für die Verübersachlichung des Spiels einen Namen. Dabei flirtete er mit der Schule des Konterfußballs, blieb aber heimlich immer ein Romantiker für Guardiolas Fußballkunst.





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