Zwischen Wandspiel und Zugriffsproblemen – FN
In einem turbulenten Spiel gewinnt Manchester United gegen Fulham auch das dritte Spiel unter Michael Carrick. United überzeugte auch in diesem Spiel durch eine gute Spielanlage. Dennoch offenbarte man erste Probleme unter dem neuen Manager. Fulham fand gute Lösungen gegen das Angriffspressing Uniteds und spielte auch sonst sehr gut mit. Es ergab sich ein ausgeglichenes, ansehnliches Spiel.
Carrick setzte wie schon bei den Siegen gegen Arsenal und City auf eine 4-2-3-1 Grundordnung. Auch personell griff United auf die zuletzt bewährte Elf. Vor Torhüter Lammens bildeten Maguire und Martinez das Innenverteidigerduo. Flankiert wurden diese von Shaw links und Dalot rechts. Auf der Doppelsechs agierten Casemiro und Mainoo. In der offensiven Dreierreihe musste man links auf den verletzten Dorgu verzichten. Ihn ersetzte Cunha, während Fernandes den Zehner gab und Diallo über rechts kam. Als einzige Spitze agierte Mbeumo.
Nach zuletzt guten Auftritten konnten sich die Gäste durchaus etwas im Old Trafford ausrechnen. Trainer Marco Silva nahm ebenfalls nur eine Änderung in der 4-2-3-1 Grundordnung vor. Im Tor stand Leno. Die Viererkette bildeten von links nach rechts Robinson, Cuenca, Andersen und Castagne. Die Sechser gaben Berge und Iwobi, während Smith-Rowe auf der Zehn agierte. Für Kevin rückte auf dem linken Flügel Chukwueze in die Startelf, während Wilson den rechten Flügel besetzte. Im Sturm agierte Jimenez.
Abstandsprobleme im Mittelfeldpressing
United kam etwas besser in die Partie, weshalb man in der Anfangsphase als das balldominante Team agierte. Fulham verteidigte deshalb in der Anfangsphase größtenteils in einem 4-4-2 Mittelfeldpressing. Dabei wies man gerade im Blocken in der ersten Pressinglinie Schwächen auf. Dies lag vor allem am Dreieraufbau von United. Diesen bildete man durch die asymmetrischen Außenverteidiger. So rückte Dalot als rechter Halbverteidiger ein, während Shaw etwas höher schobt. Cunha agierte dementsprechend zentraler.
Fulham blockte zunächst eher reaktiv. Die Stürmer Smith-Rowe und Jimenez agierten im Blocken mit klarem Fokus auf die Sechser Uniteds. Eine Auslösung erfolgte lediglich über den linken Außenstürmer Chuckwueze. Dieser schob bei Ballspiel von Dalot vertikal aus seiner halbräumigen Position auf den Portugiesen, um ein Aufdrehen und somit eine direkte Verbindung auf Außenstürmer Diallo zu unterbinden. Dalot wurde so recht früh isoliert und suchte in der Anfangsphase hauptsächlich den Querpass auf Zentralverteidiger Maguire. Fulham nutzte dieses Anlaufen jedoch nicht als Auslöser. Vielmehr blieben die Stürmer in ihrer blockenden Haltung.
Der rechte Außenstürmer Wilson hatte in den ersten Minuten immer wieder Probleme in der Positionierung gegen das Hochschieben von Shaw. So hielt dieser die Höhe der Mittelfeldkette etwas zu lange und ließ sich nicht von vorn hinein, wie so häufig üblich gegen hochschiebende Außenverteidiger in eine Fünferkette fallen. Dies nutzte der zentral andribbelnde Maguire für diagonale Veralgerungen in den Rücken Wilsons in den Lauf von Shaw. Durch die weit in der Kette rübergeschobene Positionierung von Wilson boten diese Verlagerungen eigentlich sehr gutes Potential im Bespielen des Blocks. So hätte Shaw in Folge des Bewegungsvorteils mit offenem Fuß den diagonalen Pass in den Zwischenlinienraum auf Cunha oder Mbeumo oder per Dribbling mit Dynamik ein 2gg1 gegen Rechtsverteidiger Castagne suchen können. Jedoch waren die Verlagerungen von Maguire mehrfach unsauber in den Rücken Shaws oder ins Aus gespielt, wodurch dieses Potential verpuffte. In der Folge verzichtete man deshalb auch weitestgehend auf dieses Mittel. Dies lag auch daran, dass sich Wilson nach den ersten Minuten etwas tiefer orientierte und Shaws Läufe in der Höhe verfolgte.
Kombinationsprobleme
Aus der tieferen Positionierung von Wilson heraus ergaben sich zunehmend Räume für den linken Halbverteidiger Martinez. Diese nutzte dieser über eine progressive Positionierung in der Zirkulation. So gelang es diesem bereits mit dem ersten Kontakt ein Ausschieben von Jimenez zu überdribbeln und ins Andribbeln auf den Block zu kommen. Wilson schob erst verspätet aus der Mittefeldkette heraus auf Martinez und isolierte über den vertikalen Pressingwinkel den Halbraum. Durch den Zeitvorteil und offenem Fuß gegenüber Wilsons Rausschieben gelang es Martinez mehrfach diagonal in den Block zu spielen und Mbeumo ins Wandspiel zu bringen.
Diese diagonalen Pässe – auch von der rechten Seite nach Verlagerung aus dem Druck – in das eng gestaffelte Zentrum sind generell eines der bisherigen Merkmale unter Carrick. Über kleinräumige Kombinationen gilt es anschließend dynamische Vorteile zu erzielen. Trotz guter Stafflung mit den kombinationsstarken Mbeumo, Cunha und Fernandes auf engem Raum im Zentrum und den nachschiebenden Sechsern dahinter tat man sich in diesem Spiel schwer diese Kombinationen auszuspielen.
Dies lag zum einen am durchwachsenen Wandspiel Mbeumos, was rein vom Profil her auch nicht zu dessen absoluten Stärken zählt. Dieser bewegte sich zwar immer wieder abkippend zwischen die Sechser Fulhams, tat sich jedoch in der Weiterleitung immer wieder schwer. Ein Grund dafür war wohl auch die teils etwas zu hohe Positionierung von Cunha. Allerdings fehlte es Mbeumo teilweise an der Wahrnehmung die Bewegungen Cunhas zu erkennen, um mit dem ersten Kontakt in seinen eigenen Rücken weiterleiten zu können. Dies ist durchaus technisch anspruchsvoll, durch die offene Körperhaltung – bedingt durch die Diagonalität des Anspiels – allerdings keinesfalls unmöglich. Mbeumo hatte auch mit dem Druck in seinem Rücken zu kämpfen. So wurden die Abkippbewegungen des Stürmers meist vom physisch starken Berge aufgenommen. Mbeumo war dadurch sehr auf das Halten des Balles fokussiert, um anschließend in seinem Blickfeld auf den nachschiebenden Mainoo abzulegen.
Dieser bekam dadurch wiederholt einen freien Fuß hinter der ersten Pressinglinie Fulhams. Über diesen konnte der Engländer eine Verschärfung des Tempos über progressives Spiel in die Halbräume oder vertikal in die Spitze initiieren. Gerade in dieser Vorwärtsbewegung lag jedoch eines der großen Probleme Uniteds in diesem Spiel. So waren die Pässe mehrfach unsauber gespielt und auch in den anschließenden Ablagen hatte man Probleme in der technischen Umsetzung. Zusätzlich zeigte sich vor allem Berge sehr aufmerksam im Abfangen dieser Bälle und löste seine Mannorientierung auf Mbeumo nach Abspiel rechtzeitig. Unterstützt wurde dieser außerdem durch das konsequente Rückwärtspressing von Smith-Rowe.
Mit zunehmender Spieldauer orientierte sich Jimenez etwas weiter neben die Sechser Uniteds, wodurch dieser besser darin war langes Andribbeln von Martinez über horizontales Ausschieben zu unterbinden. Darunter litt allerdings die zentrale Kompaktheit im Blocken der Sechser. Die Abstände der ersten Pressinglinie waren generell eines der Probleme Fulhams im Mittelfeldpressing. Durch die tiefe Positionierung von Dalot hätte sich durchaus eine höhere blockendere Rolle von Chukwueze angeboten. Dieser isolierte häufig zu breit stehend den Halbraum. Über eine engere Positionierung hätte Chukwueze mit Smith-Rowe und Jimenez das Zentrum Uniteds deutlich besser verdichten und über diagonale Pressingwinkel das Anspiel der Halbverteidiger in die Breite lenken können.
United fand durch diese fehlende Kompaktheit und das Ausschieben von Jimenez immer wieder direkten Zugang aus der ersten Aufbaulinie auf die Sechser. Mainoo forderte den Ball in den Druck und zog dadurch die Aufmerksamkeit von Smith-Rowe. Durch die großen Abstände von Chuckwueze auf Smith-Rowe gelang es Fulham anschließend nicht die Ablagen auf den höhenversetzt gestaffelten Casemiro zu unterbinden. Über den freien Fuß konnte man so in den rechten Halbraum über Fernandes auf Diallo in die Breite verlagern. Dieser suchte wiederholt das Dribbling gegen Robinson und war dadurch gerade in der Anfangsphase mit einen guten Abschluss nach inversem Dribbling, aber auch Durchbrüche Richtung Grundlinie wie vor dem Freistoß der zum 1:0 führte gefährlich.
Fulham findet über Pressingmanipulation ins Spiel
United agierte nach Abstößen Fulhams in einem Rautenpressing. Mainoo kontrollierte die beiden Sechser, während Casemiro mannorientiert gegen Smith-Rowe im Zwischenlinienraum agierte. Der erste Anläufer war Fernandes, der als rechter Stürmer einen diagonal auf Cuenca auslöste. Durch den diagonalen Pressingwinkel isolierte der Portugiese den Sechserraum, wodurch Mainoo Zeit verschafft werden sollte, um auf den ballnahen Sechser durchzuschieben. Der Ball wurde durch früher Zustellen von Mbeumo gegen Andersen gezielt auf die linke Seite Fulhams gelenkt. Ein Faktor wird sicherlich die Spielstärke Andersens gegenüber Cuenca gewesen sein.
Von Beginn an zeigte Fulham gute Lösungen gegen das Angriffspressing Uniteds, jedoch tat man sich noch schwer sich aus diesen Mustern klare Torchancen zu erspielen oder sich im letzten Drittel festzusetzen. Mit zunehmender Spieldauer gelang dies immer mehr. Über eine Reihe von verschiedenen Mitteln bespielte man Schwächen des Rautenpressings aus dem tiefen 4-2-3-1 Aufbau heraus.
Grundlegend war die flache Positionierung der Außenverteidiger. Gerade Robinson, auf dessen Seite das Pressing gelenkt wurde agierte auf einer Höhe mit den Innenverteidigern. Dadurch verlängerte sich zwangsläufig der Pressingweg für Diallo. Dieser schob aufgrund der Zentrumsunterzahl aus einer etwas engeren Position erst nach Auslösen von Fernandes auf Robinson, was dem Linksverteidiger Fulhams einen erheblichen Zeit- und Bewegungsvorteil verschaffte. Generell basierte die Idee Fulhams im tiefen Aufbau nicht immer auf der schnellstmöglichen Progression, stattdessen versuchte man über bewusst erzeugte Bewegungsvorteile und Aushalten des Drucks im Ablagenspiel den Zugriff zu verzögern. So traf man selten unüberlegte Entscheidungen und griff nur bei sich anbietenden Räumen auf durchbrechende Lösungen zurück. Mit Spielern wie Robinson, Iwobi und Smith-Rowe verfügt Fulham zudem über Spieler, die über ein sehr gutes Gefühl für Zeit und Raum verfügen und so gut darin sind den Druck temporär auszuhalten, was im Verzögern des Zugriffs enorm hilft.
Die verschiedenen Muster im Bespielen des Angriffspressings:
- Ablagenspiel: Robinson dreht sich auf und sucht den Vertikalpass die Linie entlang auf Chukwueze, der die direkte Ablage in den Halbraum sucht. Der linke Halbraum wird zuvor zum einen durch die tiefe Startposition der Sechser aufgezogen. Entscheidend ist aber der Lauf von Smith-Rowe in den Rücken des entgegenkommenden Chukwuezes. Casemiro agierte in einer engen Manndeckung gegen den Engländer und verfolgte die Ausweichbewegung konsequent. Den offenen Raum belief Sechser Iwobi und nutzte dadurch den Bewegungsvorteil gegenüber Mainoo, da dieser aufgrund der Verlagerung in der Kette erst von Berge auf Iwobi schob. Zwar verpuffte die Situation durch eine unsaubere Verarbeitung von Iwobi, sowie gutes Rückwärtspressen von Mainoo, dennoch konnte man den Ballbesitz über Abdrehen sichern und einen Höhengewinn verzeichnen.
- Direktspiel auf Jimenez: Der Fokus auf dem Öffnen des linken Halbraums zog sich auch in diesem Fall durch. So kippte Smith-Rowe schon früh in die Breite in eine Verbindungsrolle zwischen Robinson und Chukwueze. Casemiro verfolgte dies zunächst nur lose, gab aber gleichzeitig die Isolation des Halbraums auf. Durch die tendenziell etwas nach rechts verschobene Startposition der Sechser öffnete sich der linienbrechende Pass von Cuenca auf den abkippenden Jimenez. Über eine direkte Ablage fand dieser Smith-Rowe auf dem Flügel, wodurch eine dynamische 4gg4 Situation entstand.
- Ausbrechen von Smith-Rowe: Die bereits thematisierten Ausweichbewegungen in die Breite durch Smith-Rowe dienten nicht nur dem Öffnen des direkten Passwegs auf Jimenez. Dieser verzögerte den Zugriff durch seine Fähigkeiten unter Druck trotz Verfolgen durch Casemiro enorm. Zudem bereitete dieses Auskippen durch den freigezogenen Zwischenlinienraum bereits die Anschlussaktion in der Vorwärtsbewegung vor. Gerade Jimenez konnte so ohne Druck von vorne Abkippen und als Verbindungsspieler der Schnellangriffe agieren. Smith-Rowe konnte nach Verzögern des Zugriffs über den ballorientierten Iwobi ins Zentrum auflösen. Zuvor zog Berge durch eine vertikalen Lauf Mainoo aus der Ballnähe.
- Sechserläufe: Bei Ballbesitz von Robinson in flacher Position, während Mainoo gerade auf den ballnahen Sechser Berge schob, startete Iwobi als ballferner Sechser einen Lauf im Rücken von Mainoo. Iwobi belief den linken Halbraum, um eine diagonale Option für Robinson zu schaffen. Um ein Aufnehmen durch Casemiro zu verhindern und Mainoo zum Verfolgen des Laufs zu zwingen kam Smith-Rowe zusätzlich im linken Halbraum entgegen und band Casemiro. Dadurch agierte Berge nun als freier Spieler im Zentrum und bot Robinson eine horizontale drucklösende Option. Berge konnte dadurch gegen die Verschiebebewegung von United verlagern und über Andersen und Castagne für Progression ins letzte Drittel sorgen.
- Binden des Außenstürmers: Bei Verlagerung nach rechts auf Andersen entzog sich Iwobi dem Verschieben von Mainoo und wich in die Breite aus. Dieses Ausweichen erfolgte in den Pressingweg von Cunha, der auf den flach positionierten Castagne springen wollte. Gleichzeitig verschob Berge ballorientiert und blockte band dadurch Mainoo. Castagne konnte so als drucklösende Option für Andersen agieren und sich als freier Spieler aufdrehen.
Bei durchbrechenden Lösungen und einem freien Fuß von Smith Rowe oder Iwobi im Spiel nach vorne suchte Fulham zumeist den direkten Weg auf die Flügel. Auf der linken Seite gab Chukwueze die Breite. Dieser agierte mit einem klaren Dribblingfokus und beschleunigte die künstlichen Umschaltmomente. Wiederholte wurde der Nigerianer nach Dribblings in Richtung Grundlinie durch Hereingaben gefährlich. Auf der rechten Seite rückte Wilson in der Vorwärtsbewegung etwas ein und man versuchte Castagne im offenen Raum anzuspielen. Hier lag der Fokus weniger auf Dribblings, sondern eher auf dem Ausspielen von Gleichzahlsituationen durch Spiel und Geh Muster.
Insgesamt gelang es so immer konstanter das Rautenpressing Uniteds zu überspielen. Durch die wechselnden nicht festgelegten Muster, die jedoch auf klaren Prinzipien basierten tat sich United trotz vieler Pressingmomente schwer effektiv in den Zugriff zu kommen. Stattdessen gewann Fulham über das Überspielen des Angriffspressings nach dem 1:0 aus der 19. Minute immer mehr an Spielkontrolle.
Fulham übernimmt die Kontrolle
United sah sich aufgrund der guten Lösungen Fulhams unter Druck zunehmend ins Mittelfeldpressing gezwungen. Dort blockte man in einem 4-4-2, der klare Fokus lag jedoch darauf so schnell wie möglich den Weg zurück ins Angriffspressing zu finden. Die Stümer agierten dementsprechend eng mit Fokus auf dem Zustellen der Sechser Fulhams. Durch diese enge Startposition wollte man über Fernandes die Sechser isolierend auf Cuenca auslösen, sodass Mainoo aus einer tieferen Position nachschieben konnte.
Fulham wusste diese enge sechserfokussierte Ausrichtung der Stürmer durchaus zu bespielen. Mehrfach kippte Iwobi in einen Dreieraufbau und stabilisierte dadurch die Zirkulation. Cunha versuchte dann aus der Breite heraus Castagne isolierend auf Iwobi auszulösen. Dadurch ergaben sich jedoch Diagonalpasswege ins Zentrum hinter die erste Pressinglinie. Mbeumo war damit beschäftigt den Weg auf Iwobi zu schließen, wodurch ihm das Bewusstsein fehlte Berges Lauf im Fallen aufzunehmen. Dieser bot dadurch eine Option ins Zentrum, um per Ablagenspiel Castagne im Rücken von Cunha zu finden. Berge verpasste es in diesen Situationen manchmal mit dem linken Fuß Richtung Zentrum aufzudrehen, um einen Lauf in den offenen Raum zu starten und diesen noch besser zu nutzen.
Fulham zeigte sich durch den Viereraufbau mit dem herausgekipptem Iwobi und flachen Robinson sehr stabil in der Zirkulation. Über die recht breite Positionierung von Robinson gelang es zudem Diallo in der Breite zu binden und Vertikalpasswege von Cuenca in den Block zu öffnen. Dabei wiederholte sich ein ähnliches Muster wie im tiefen Aufbau: Smith-Rowe kippte in die Breite und zog dadurch Casemiro aus dem Passweg, während Jimenez sich im Wandspiel durch Abkippen anbot. Durch den ersten Kontakt Richtung eigenes Tor entging der Mexikaner zumeist dem direkten Körperkontakt gegen Maguire. Die Ablage hatte demnach mehr eine ballsichernde Funktion auf den Flügel auf Smith-Rowe oder Chukwueze, der im Anschluss auch gut in Dribblings gebracht werden konnte. Häufig agierte Fulham nach Bespielen des Zentrums über Iwobi, Cuenca oder Robinson zu sehr flügelorientiert. Statt ballorientierten Ablageangeboten wählte man meist die Ablage nach außen auf Castagne oder Chukwueze. Dies resultierte in einer Reihe von Flanken, die United jedoch durch eine gute Boxverteidigung neutralisieren konnte.
Gegen Ende der ersten Halbzeit intensivierten sich die Muster Fulhams weiter. Durch die Progression ins letzte Drittel boten sich nun mehrfach direkte diagonale Zuspiele von Cuenca oder Robinson auf Jimenez. Zugrunde lagen wieder die Dribblings von Chukwueze. Dieser konnte in der Breite mehrfach Dalot und Diallo öffnen, was Robinson nach Rückpässen Zeit am Ball verschaffte. Smith-Rowe band zusätzlich Casemiro, wodurch dieser den Halbraum nicht isolieren konnte.
Zweite Halbzeit
Die zweite Halbzeit knüpfte zunächst nahtlos an die ersten 45 Minuten an. Jedoch nahm United kleinere Änderungen im Auslösen des Angriffspressing vor, um die Läufe der Sechser Fulhams besser aufnehmen zu können. So wartete Fernandes in der Auslösung deutlich länger. Dies hatte den Hintergrund den Sechserraum Fulhams möglichst lange zu isolieren, um direkte Passwege ins Zentrum zu unterbinden. Mainoo konnte so die Läufe von Iwobi eng verfolgen, während Berge weiter isoliert blieb. Mbeumo hatte dadurch genug Zeit um auf Berge zu fallen und diesen aufzunehmen. Gerade bei den Pässen aus breiterer Position durch Robinson hatte Mbeumo mit einem deutlichen Bewegungsnachteil gegenüber Berge zu kämpfen. Dadurch konnte dieser verlagern und den Druck auflösen.
Fulham erzwang durch die stabilisierte Zirkulation erneut ein tieferes Fallen Uniteds in ein Mittelfeld-/Abwehrpresing. Im letzten Drittel tat man sich trotz vielversprechenderAnsätze weiterhin schwer zu klaren Torchancen zu kommen. Die besten Torchancen entstanden durch Chipbälle von außerhalb des Blocks. Entscheidend war hierfür das Herauskippen von Wilson und Iwobi. Diese agierten vermehrt außerhalb des Blocks und suchten bei offenem Fuß den direkten Weg hinter die Kette auf die diagonal aus der minimalen Breite einlaufenden Angreifer. Iwobi positionierte sich auch mehrfach gut für Ablagen von Jimenez und suchte mit seiner Kreativität im Passspiel mehrfach vielversprechend durch Steckpässe die Tiefe. Dieser startete mehrfach auf der blinden Seite von Maguire aus dem Abseits, wodurch dieser große Probleme hatte Jimenez aufzunehmen. Mehrfach gelang es jedoch Mainoo über gutes Rückwärtspressen noch einen Fuß in die Aktion zu bekommen und entschärfte in Not.
Lange Zeit gelang es Fulham trotz Feldüberlegenheit nicht eine echte Druckphase zu erzeugen. Verantwortlich dafür war die wiederholte Entlastung Uniteds durch Konter. In diesen Kontersituationen überzeugte man durch eine gute Entscheidungsfindung, wann die Konter zu Ende gespielt wurden und wann man auch längere Ballbesitzphasen setzte, um den Spielrhythmus Fulhams zu brechen. Zudem zeigte man weiterhin Ansätze das Zentrum über kleinräumige Kombinationen und Ablagenspiele bespielen zu wollen. Über ein verbessertes Gegenpressing – wie vor dem 2:0 – erzeugte man darüber hinaus vielversprechende Situationen und vermied Konter von Fulham.
Mit fortlaufender Spieldauer entstanden durch die spürbar zunehmende Müdigkeit größere Räume im Umschalten und das Spiel wurde wilder. Gerade zwischen der 70. Und 80. Minute wirkte es als spielten beide Teams mit offenem Visier. Lediglich in den letzten zehn Minuten konnte Fulham eine Druckphase erzeugen und drängte auf den Anschlusstreffer. Diesen erzielte man in einer wilden Schlussphase durch einen Elfmeter von Jimenez. In der Nachspielzeit traf der eingewechselte Kevin sogar noch sehenswert zum 2:2 Ausgleich, bevor Sesko in der 94. Minute den Siegtreffer für United erzielte.
Fazit
Trotz einer eher durchwachsenen Leistung, kann United die drei Punkte im Old Trafford einfahren. Gerade die Probleme im Angriffspressing sorgten dafür, dass die Spielkontrolle auf Seiten von Fulham kippte. Dennoch zeigte man auch in diesem Spiel wieder gute Ansätze im eigenen Ballbesitz. Gerade der Fokus auf Kombinationen durch das Zentrum war klar zu erkennen. Dennoch hätte man die sich durch Fulhams mangelhaftes Blockverhalten in der ersten Pressinglinie bietenden Räume und Möglichkeiten noch deutlich besser nutzen können. Insgesamt befindet sich United mit diesem Sieg weiterhin auf einem sehr guten Weg, gerade wenn man bedenkt, dass dies erst das dritte Spiel unter Carrick war. Dennoch gilt es den Sieg auch aufgrund des für United sehr günstigen Spielverlaufs nicht überzubewerten.
Fulham zeigte trotz des zwischenzeitlichen zwei Tore Rückstands eine sehr ansehnliche Leistung und war über weite Phasen des Spiels die dominantere Mannschaft. Die 2:0 Führung Uniteds spielgelte in dieser Phase des Spiels den Spielverlauf nicht wirklich wieder. Trotz der variablen Lösungen im tiefen Aufbau muss man sich, was das Thema Chancenkreation angeht durchaus Kritik gefallen lassen. So verpasste man es gerade nach Ablagen von Jimenez effektiv die sich öffnenden Räume zu bespielen, was gegen die gute Boxverteidigung Uniteds in einem Flankenfokus resultierte.






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