Freitag, 31.10.2014

Tiqui Taca

Tiqui Taca:

Synonyme: Tiki Taka, Ballbesitzspiel, Kurzpassspiel

Das Tiqui Taca gilt als Evolution des totaalvoetbal beziehungsweise dessen Anpassung an die Moderne. Im totalen Fußball ging es vorrangig darum, dass auf dem Platz durchgehend die Positionen gewechselt werden, um die Laufwege zu verringern. Dies ist aufgrund der physischen Veränderung der Spieler und auch der Erhöhung der Dynamik aber enorm schwierig zu praktizieren.

Auch darum wurde diese Spielweise, also das Positionsspiel, mit der Cruijff’schen Idee des possessionplay, des Ballbesitzfußballs, verbunden. Durch konstantes Freilaufen, Dreiecksspiel und ein stark horizontales Kurzpassspiel wird der Ball in den eigenen Reihen laufen gelassen, um den Gegner im Idealfall aus der Verteidigung zu locken und ihn zum Verschieben zu zwingen. Die entstandenen Löcher werden dann oft durch tödliche Pässe ausgenutzt oder die lang andauernde Ballzirkulation dient dafür, dass man Räume geplant überladen kann. Durch diese Überzahlen kann man  auch mit schnellen Kurzpasskombinationen Raum erobern und vors Tor kommen. Aufgrund des Ballbesitzfokus wird auch oftmals ein schlechter Abschluss vermieden und die ballbesitzspielende Mannschaft wartet lieber auf eine bessere bzw. sehr gute Möglichkeit zum Torabschluss.

Zusätzlich hat der Ballbesitz eine weitere Wirkung, nämlich die Kontrolle des Spiels durch die Kontrolle des Balles und die Kontrolle des Spielraumes durch die Kontrolle des Balles. Durch diese beiden Komponenten wird das Offensivspiel des Gegners erstickt. Einerseits muss der Gegner beim Kontern enorm viel Raum überbrücken, um zum Abschluss zu kommen, andererseits kommt er oft gar nicht in die Verlegenheit anzugreifen; frei nach dem Motto: “Wenn der Gegner den Ball nicht hat, kann er auch kein Tor machen.”

Durch den hohen Fokus auf den Ballbesitz und die Kontrolle des Spiels wird das Spiel selbst oftmals dröge und zäh. Insbesondere der Spielstil der Spanier bei den letzten Großturnieren sorgte für Kritik, viele Zuseher hatten die Meinung, dass die Spanier den Ballbesitz nicht mehr offensiv und zum Angriff nutzen, sondern um dem Gegner jegliche Möglichkeit zum Erzielen von Toren zu rauben. Ein defensiver statt offensiver Ballbesitz also, der auch als Tikinaccio bezeichnet wird.

Als Mannschaften, die ein solches Tiqui Taca spielen, wird neben dem Welt- und Europameister Spanien auch der FC Barcelona seit der zweiten Hälfte der letzten Dekade bezeichnet sowie das Dreamteam des FC Barcelona von 1992 mit dem holländischen Trainer Johan Cruijff. Neben dem Ballbesitzfußball ist das Positionsspiel und das aggressive Pressing von extrem hoher Wichtigkeit für diesen Fußball, durch schnelles Rückerobern des Balles (= Gegenpressing) und darauf folgende Kurzpässe in den eigenen Reihen wird das Tempo aus dem Spiel genommen; man kann sich sortieren und langsam eigene Angriffe planen und vortragen.

Die Spieler tauschen auch oft die Positionen, um Löcher in den gegnerischen Defensivverbund zu reißen und dadurch die Effektivität dieses sehr spielerischen Fußballstils zu ermöglichen. Dieser Fußballstil benötigt also eine hohe Athletik, enorme Spielintelligenz und technisch hervorragende Spieler um zu funktionieren, generiert im Normalfall extreme Ballbesitzzahlen.

Der Begriff selbst stammt vom Journalisten Andrés Montes aus dem Jahr 2006, als er den Spielstil der spanischen Nationalmannschaft beschrieb. Tiqui Taca ist der spanische Begriff für Klick-Klack-Kugeln und setzte sich seit der EM 2008 verstärkt im europäischen Sprachgebrauch als Beschreibung des spanischen Fußballstils durch.