Raumverknappung

Raumverknappung:

Die Raumverknappung ist eine Defensivstrategie Arrigo Sacchis, die auf dem Pressing aufbaut, welches von Maslov, Lobanowskiy, Michels und Happel entwickelt wurde.

Bei der Raumverknappung geht man einen Schritt weiter, die gesamte Mannschaft ist ohne Unterbrechung in Bewegung, um einen Abstand von 25 Metern (von Innenverteidiger zu Stürmer) im kollektiven Block zu gewährleisten. Diese Enge sorgt für viele Anspielstationen bei eigenem Ballbesitz und dieses ballseitige Verschieben sorgt bei Ballverlust für kurze Wege, um den Gegner effektiv zu attackieren.

Arrigo Sacchi hat diese Strategie in den 80ern beim AC Mailand eingeführt und konnte national wie international große Erfolge feiern.

Zwar wird die Raumverknappung noch ausgeführt, aber aufgrund der Änderung der Abseitsregel ist sie nicht mehr in solch extremer Positionsspiel vertikaler Ausführung möglich.

Der genaue Unterschied zwischen Raumverknappung und dem bereits zuvor praktizierten ballfernen Einrücken wird unter Analysten heftig diskutiert. Vergleichen wir dazu Aussagen von bzw. über Helmut Groß:

“In Geislingen konfrontierte ein Spieler Groß mit der Bitte, in der ersten Halbzeit als rechter Verteidiger und in der zweiten Halbzeit als linker Verteidiger spielen zu dürfen. Er wollte partout nicht dorthin, wo sein Vater am Spielfeldrand stand. Der verstand nämlich nicht, dass sein Sohn niemanden bewachen, sondern sogar ignorieren musste, wenn der Ball gerade auf der anderen Seite des Spielfelds war und er als Verteidiger einrücken sollte.”

So schreibt Biermann in seinem Buch “Die Fußball-Matrix”. Dies fand noch einige Jahre vor Sacchis großen Erfolgen im Jahre 1983 statt. Die großen Errungenschaften der Raumverknappung nach Sacchi liegen somit weder beim Pressing noch beim horizontalen und vertikalen Einrücken – stattdessen liegen sie bei der Extremisierung, Kollektivisierung und Strukturierung unterschiedlicher schon existierender Aspekte.

Dennoch gibt es einige “Revolutionen” Sacchis. Die eine betrifft die sogenannten vier Referenzpunkte (Ball, Raum, Mitspieler, Gegenspieler), die Raumbewertung, die Prioritätensetzung im individualtaktischen Defensivspiel und das Berücksichtigen der kollektiven Dynamiken in der Vorwärtsverteidigung.

Die andere bezieht sich vorrangig auf das diagonale Einrücken und die damit verbundene Auswirkung auf das Pressing. Die Mannschaft verschiebt im Kollektiv ballorientiert und nimmt weniger Rücksicht auf die eigentliche defensive Grundposition, es gibt Pressingmechanismen und -auslöser, eine Ablaufsstrukturierung und den Ballgewinn durch Raumabnahme, statt rein zeitlichem Druck oder einem ballerobernden Zweikampf.

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