Montag, 20.10.2014

Swanseas Pokalsieg: Halbfinaltriumph gegen Chelsea

Bevor wir zu Swanseas Finalsieg über den Viertligisten Bradford kommen, werfen wir noch einen Blick auf die größere Hürde im Halbinale des League Cups, wo die Swans gegen den amtierenden Champions-League-Sieger über zwei Spiele ran mussten. Nach 180 Minuten hatte Chelsea immer noch keinen Treffer auf dem Konto und Swansea zog durch zwei Auswärtstore ins Endspiel ein.

Zum League-Cup-Titel, den Swansea City am 24. Februar erringen konnte, haben wir eine Artikel-Trilogie  angefertigt. Wir beginnen mit der Analyse des Halbfinals, machen weiter mit Finalgegner Bradford und kommen dann zum 5:0-Finalsieg der Swans.

Hinspiel: Chelsea FC – Swansea City 0:2

In der siegreichen ersten Partie lieferte Michael Laudrups Mannschaft allerdings ein eher typisches Underdog-Spiel ab, bei dem sie auch Glück benötigten, um an der Stamford Bridge letztlich 0:2 zu gewinnen und ein starkes Fundament für das Rückspiel zu legen. Benitez’ Blues ließen sich auf die unorthodoxe Spielweise der Gäste ein und fanden recht gute Rezepte.

Die Londoner waren übrigens vorgewarnt gewesen: Beim Liga-Heimspiel gegen Swansea hatten sie mit einem 1:1 Punkte liegen lassen. Dabei gelang ihnen bis zur Pause kein Torschuss und die spätere Führung konnte gegen ein massives Powerplay der Swans in der Endphase nicht gehalten werden.

Ballzirkulation und aufrückende Defensivspieler

Besonders mit dem Ball reagierte Chelsea deswegen sehr konsequent auf die passive, optionsorientierte Raumdeckung von Swansea. Bei denen spielte wie üblich der gelernte Mittelfeldspieler Michu in der Spitze, der gerne mal bis ins Abwehrdrittel zurückarbeitet, wenn es die Situation erfordert. Auch die weiteren Offensivspieler fallen situativ in tiefere Position, während die ungebundenen Spieler den Ball blockieren. Durch diese strikte torseitige Komprimierung und gleichzeitig hohe positionelle Aktivität von Swanseas Defensivverbund, findet man nur extrem schwer in die ständig wechselnden Zwischenräume und hinter die Linien dieses Blocks.

Chelsea 0-2 Swansea

Die Formationen im Hinspiel, am 9. Januar.

Das versuchten die Blues so zu kompensieren, dass sie sehr viele Spieler in die Offensive und die Zwischenräume brachten, um kurze Wege für schnelle Kombinationen zu haben. Wo andere Mannschaften ihre Innenverteidiger und oft sogar Sechser im Niemandsland absichern lassen und schwere Unterzahlen vorne in Kauf nehmen, rückten die Londoner Defensivspieler mit fortlaufender Spieldauer immer rigoroser mit auf.

Im Gerüst außerhalb des gegnerischen Blocks ließ Chelsea dann den Ball schnell laufen, wobei David Luiz auf der Sechs eine wichtige Position zukam. Bei situativem Pressing von Swansea ließ er sich fallen, forderte tief die Bälle und stellte Verbindungen her. Der enorm ballsichere Abwehrspieler verhielt sich geschickt proaktiv und konnte damit die Ballzirkulation seiner Mannschaft gut sicherstellen.

Wenn Luiz nach vorne stieß, wurde er meist von de Guzman verfolgt, sodass der linke Sechserraum von Chelsea beidseitig verwaiste. Diese Lücke nutzten die Blues dann konsequent, indem Branislav Ivanovic dort hineinstieß. So konnte der spielstarke Verteidiger die Bälle ungestört aus recht hohen Bereichen in die Offensive spielen. Diese ungestörte Ballverteilung aus den Mittelfeldräumen war das größe Plus der Londoner und so verhinderten sie, dass Swansea irgendwo fern des eigenen Strafraums Überzahlen und Zugriff herstellen konnte.

Kombinative Durchbrüche und die Chancenqualität

Auch Chelseas Außenverteidiger schoben sehr weit nach vorne, während sich die dribbelstarken, beweglichen Akteure der Offensivreihe frei durch die Halbräume bewegten. Vor allem versuchten Mata und Hazard die halblinken Räume zu nutzen. Oscar spielte rechts etwas linearer und breiter.

Dagegen schob Swansea durch de Guzmans Zurückfallen aus einer 4-5-1-Ordnung in den Räumen vor der Abwehr umher. Mit ihrem gewohnt freien Defensivsystem konnten sie sich auf die vielfältigen Bewegungen der Chelsea-Dribbler sehr gut einstellen, konnten lokale Unterzahlsituationen verhindern und deren Aktionen oft vom Tor wegleiten. Es entstand ein sehr freies und attraktives Spiel vor Swanseas Strafraum.

Vereinzelt konnte Chelsea dann die Logik der Swansea-Defensive durchbrechen und spielte eine Hand voll Chancen sehr schön heraus. Mit sehr schnellem Spiel und guten antizipativen Läufen – hauptsächlich durch Ramires und Oscar in die halbrechten Bereiche – konnten sie Swanseas sehr gute Arbeit gegen die Passwege aushebeln. Durch die schnelle Winkelveränderung bei Direktpässen kamen sie in die toten Räume von Swanseas Verschiebungen und konnten dann mit Geschwindigkeit in den Strafraum durchbrechen.

Häufig gelang dies aber nicht, sondern es waren nur vereinzelte, kollektive Geniestreiche. Über weite Phasen verhinderten die Swans, ausgespielt zu werden, und zwang Chelsea zu vorhersehbaren Aktionen, die sie oft – notfalls noch im Strafraum – abfangen konnten. So kamen die Blues zwar insgesamt zu über 20 Schussversuchen, aber nur wenige davon waren eine ernsthafte Gefahr für Gerhard Tremmel, der zudem eine äußerst (fang-)sichere Partie ablieferte.

Dazu trug auch die generelle Enge der Abwehr bei. Gegen das Halbraumspiel der Londoner Flügel, konnte sich die Viererkette zusammenziehen, da die gegnerischen Außenverteidiger meistens mannorientiert verfolgt wurden. Damit hatte Chelsea selbst bei den starken Durchbrüchen nur wenig Zeit zum Abschluss und kleine Korridore. Wegen der schwierigen Gesamtsituation wurden sie dann auch bei den besten Chancen etwas hektisch und Tremmel konnte auch diese Gelegenheiten mit etwas Glück entschärfen.

Chelsea kompakt und risikoreich – eine gute Mischung

Die Enge in Swanseas Defensivverbund, half aber auch Chelseas Defensivbemühungen. Das Vorschieben der gegnerischen Außenverteidiger hatte den Swans diese Saison schon mehrfach phasenweise Schwierigkeiten bereitet hatte, beispielsweise gegen Tottenham, Arsenal und Manchester City. In der resultierenden sehr flachen Staffelung fehlt es ihnen an Raum (und teils auch Dreiecken) zum sicheren Herausspielen aus der Defensive. Die resultierenden Konterräume läuft kein Spieler an, da sich alle im Defensivverbund beteiligen.

So bleibt Laudrups Elf in solchen Phasen oft im gegnerischen Gegenpressing hängen, selbst bei guten, kontrollierten Balleroberungen und trotz der eigenen Ballsicherheit. Das Umschaltspiel ist daher nicht Swanseas Stärke und war in der laufenden Saison hauptverantwortlich, wenn ein Gegner ihr Spiel einmal in den Griff bekam. So fehlt es ihnen auch an Gelegenheiten, um ihre Qualitäten aus dem eigenen Spielaufbau einzubringen, wenn sie immer wieder zu Kontern „gezwungen“ werden und so verlieren sie die Spielkontrolle.

Neben dieser quantitativen Reduzierung von Swanseas Aufbaugelegenheiten, konnte Benitez’ Elf aber auch bei den gelegentlichen Ballbesitzphasen überzeugen. So standen sie in einem leicht erhöhten 4-4-2-Mittelfeldpressing, aus dem sie situativ in direkte Zuordnungen verschoben. So konnten sie das kurze Spiel von Swansea durch ballnahe Mannorientierung unter Druck setzen und den Swans ungeliebte Zweikämpfe aufzwingen.

So sorgten Mata und Torres für eine gute Grundkompaktheit im Zentrum. Dahinter agierten Luiz und Ramires enorm kampfstark und verfolgten Gegenspieler teilweise ziemlich riskant weit aus dem Sechserraum. Dadurch öffneten sich zwar Räume im Zentrum, aber durch den hohen Druck brachte Swansea keine Ruhe ins Spiel und fand nicht zur üblichen Ballzirkulation. In den Zweikämpfen gegen die physisch weit überlegenen Chelsea-Sechser gingen viele Bälle frühzeitig verloren. Michu hatte keine Gelegenheiten zurückzufallen, de Guzman wurde individuell ausgeschaltet, Ki und Britton fanden keine Räume und nicht ins Spiel. Am Ende hatte Swansea ungewöhnlicherweise nur 36% Ballbesitz.

Ivanovics Aussetzer

Dass Swansea das Spiel dennoch glatt mit zwei Treffern für sich entscheiden konnte, war das Resultat zweier ganz übler Ballverluste von Branislav Ivanovic. Beide wurden aber auch von der taktischen Gesamtsituation begünstigt.

Vor dem 0:1 bekam Ivanovic den Ball von Cech zugespielt, blickte also nach hinten. De Guzman nutzte sein weggedrehtes Blickfeld für einen schnellen Pressinglauf aus dem Mittelfeld. Ivanovic versuchte sich mit dem Ball zu drehen, agierte dabei – daran gewöhnt, nicht unter Druck gesetzt zu werden – etwas zu schlampig, sodass ihm der Ball fünf Meter durchrutschte. De Guzman konnte ihn wegfangen und legte auf Michu, der stark verwandelte.

Auch beim 0:2 in der Nachspielzeit spielte Swansea intelligent mit Ivanovics Blickfeld. Danny Graham, der für Michu gekommen war, hatte ein Luftduell gegen Cahill verloren, sodass Azpilicueta den zweiten Ball auf Ivanovic legen konnte. Der drehte sich in Richtung der Ballbewegung (also nach links), sodass Graham in seinem Rücken stand. Das erkannte er und spekulierte im toten Winkel auf einen Rückpasss von Ivanovic, lief weit ins Abseits in Richtung Cech. De Guzman war wieder geistesgegenwärtig und lief Ivanovic schnell an, während die näheren Anspielstationen zugestellt waren. Ivanovic ging wieder von einem passiven Verhalten Swanseas aus und spielte blind zurück auf Cech, Graham fing den Ball vor dem Keeper ab und schob ein.

Sicher sollte man Swansea nicht zu viel Credit für diese Fehler von Chelseas Innenverteidiger geben und die Tore sind als glücklich zu bewerten. Dennoch hätte eine weniger spielintelligente Mannschaft nicht erkannt, dass sich diese beiden relativ unscheinbaren Situationen eigneten, um aus der angedachten Passivität auszubrechen. Und gerade die Situation des zweiten Tores war für Ivanovic schwieriger zu lösen, als es auf den ersten Blick aussah.

Fazit

Spätestens direkt nach dem 0:2 ereilte die Schwäne dann jedoch das ganz deutliche Glück, als der letztendliche Treffer von Chelsea nicht gegeben wurde. Sollte der Schütze Demba Ba bei Lampards brillanter Direkt-Weiterleitung von Azpilicuetas Flanke nämlich tatsächlich im Abseits gestanden haben, dann nur um Millimeter; selbst nach Betrachtung der Fernsehbilder eher ein Fall von „im Zweifel für den Stürmer“.

So wurde Chelsea also auch noch um das letzte bisschen des verdienten Lohnes gebracht, der nach diesem guten Spiel sicher mehr gewesen wäre als eine deutliche Heimniederlage. Rafa Benitez formulierte nach dem Spiel, seine Mannschaft würde 9 von 10 Mal gewinnen, wenn sie so spielen würde wie an diesem Tag. Das mag vielleicht etwas zu optimistisch geschätzt und von der optischen Dominanz verfärbt gewesen sein, die Tendenz war aber sicherlich nicht falsch.

Rückspiel: Swansea City – Chelsea FC 0:0

Dass Swanseas Vorsprung nach dem ersten Spiel noch nicht so recht mit dem Siegel „verdient“ ausgestattet werden konnte, korrigierte Laudrups Elf dann in einem beeindruckenden Rückspiel. Ob Eden Hazards Balljungen-Tritt durch Swanseas frustrierende Defensivstärke hervorgerufen wurde, ist spekulativ, aber ebenso wie seine technisch überragenden Kollegen kamen seine Qualitäten kaum zur Geltung. 90 Minuten lang verhinderten die Schwäne im Liberty Stadium gute Gelegenheiten für Chelsea, hielten den Ballbesitz ausgeglichen und kamen selber zu vereinzelten Großchancen.

Kompaktere Halbräume durch früheres Übergeben

Dabei fand Michael Laudrup gute Antworten auf Chelseas dominierende Elemente des Hinspiels. Besonders die Öffnung der hohen Halbräume, aus denen Ivanovic und Luiz im ersten Spiel geglänzt hatten, konnte seine Elf im zweiten Versuch verhindern. Dafür agierten sie etwas proaktiver in ihren Übergabemomenten, verfolgten die vorstoßenden Spieler nicht so weit wie üblich, sondern fingen Chelseas Bewegungen verstärkt durch lokale Kompaktheiten ein.

Besonders de Guzman und die Flügelspieler ließen sich von ihren Gegenspielern nicht so stark in die Tiefe drücken, was sich sinnvoll miteinander ergänzte: Cole und Azpilicueta wurden recht früh an die Außenverteidiger von Swansea übergeben, sodass Hernandez und Routledge stärker in die Halbräume einrücken konnten. Deswegen musste de Guzman diese Räume nicht unterstützen und konnte Lampard in die Kompaktheit übergeben.

Chelsea langer Ball

Obwohl Cole erst auf Mittelfeldhöhe vorgerückt ist, wird er schon übergeben: Rangel rückt nach außen, Hernandez rückt ein. Dadurch wird Lampard aufgefangen, de Guzman kann auf Ivanovic Druck machen. Im defensiven Mittelfeld fehlt Chelsea die Verbindung, im offensiven Mittelfeld hat Swansea einen kompakten Block über dem Halbraum. Als Ivanovics langer Ball kommt, ziehen sich die Sechser und Außenverteidiger sehr frühzeitig zusammen und verknappen die Räume für die zweiten Bälle.

Am ehesten wurde Chelsea im Spielaufbau so auf seine Außenverteidiger geleitet, die dann aber von den eingerückten Flügelspielern aus den kompakten Halbräumen schnell unter Druck gesetzt werden konnten und keine Verbindungen fanden. Auf diese Weise wurden Chelseas Mannschaftsteile voneinander isoliert und ihr Aufbauspiel deutlich weiter vom Tor weggeschoben.

Das Fehlen des Ankers

Formationen im Rückspiel, am

Die Formationen im Rückspiel, am 23. Januar.

Diese Probleme der Gäste waren teilweise jedoch auch selbstgemacht. Die Isolation des Mittelfelds wurde durch die Herausnahme von David Luiz begünstigt, dessen verbindende Wirkung des Hinspiels nun fehlte. Frank Lampard kam auf seine Position, dem es ja im Hinspiel mit seinen brillanten Passfähigkeiten gelungen war, Swanseas Defensive in der letzten Minute entscheidend zu überraschen.

Lampard spielte allerdings naturgemäß sehr vorwärtsgerichtet, sodass Ivanovic die Unterstützung fehlte. Ramires versuchte sie (siehe Situationsgrafik oben) herzustellen und arbeitete vereinzelt nach hinten, allerdings ist der Brasilianer mit der Pferdelunge weit davon entfernt, ein Stratege und Passverteiler zu sein, sodass er diese Rolle nicht konstant gut umsetzen konnte. Dass er Luiz dennoch vorgezogen wurde, lag wohl an seinen starken Läufen, die im Hinspiel entscheidend zu den stärksten Kombinationen beigetragen hatte. Mit der gleichzeitigen Nutzung von Lampards Genie und Ramires’ Dynamik wollte Benitez allerdings zu viel und seine Mannschaft verlor ihre Geschlossenheit.

Chelseas Hektik

Diese Problematik wurde noch durch die schwierige Situation von Chelsea verstärkt, die im Grunde drei Tore brauchten und daher unter Zeitdruck standen. Zusammen mit der problematischen Anbindung ans Mittelfeld, entwickelte sich in vielen Phasen eine Hektik im Spiel der Blues, die sie im Hinspiel noch vermeiden konnten.

Besonders Ivanovic – möglicherweise auch durch seine Patzer beeinflusst – griff wie in der obigen Szene öfter zum langen Ball. Teilweise war dies wohl auch ein bewusst angeordnetes Mittel; Demba Ba, der statt Torres aufgestellt worden war, versuchte bewusst, für diese erreichbar zu werden, um sie in die Halbräume abzulegen. Womöglich wollte Benitez auf diese Weise tote Räume erreichen. Insgesamt war dies aber deutlich ungefährlicher als der kontrollierte Spielaufbau, Swansea zog sich frühzeitig auf die zweiten Bälle zusammen und ließ diese nicht gefährlich werden.

Ein Resultat der Hektik waren auch die etwas zurückhaltenderen Bewegungen im offensiven Mittelfeld. Mata und Hazard ließen sich seltener in Aufbauräume zurückfallen, versteiften sich etwas zu stark auf die Bereiche zwischen den Linien. Oscar versuchte teilweise, Lampards Vorstöße zu kompensieren, zog dann aber Pablo mit in die zentralen Räume. So erhöhten sich noch Chelseas Verbindungsprobleme in die Offensive; Ki und Britton sich relativ leicht nach hinten orientieren und vor der Abwehr die Kompaktheit herstellen. So waren auch Chelseas vereinzelte One-Touch-Kombinationen durch die toten Räume nicht mehr zu sehen. Wenn die Blues zu Abschlüssen kamen, dann fast nur aus der Distanz oder nach Standards.

Ballbesitz aus zweiten Bälle

Und nicht nur defensiv konnte Swansea sich stabilisieren, sie hatten nun auch deutlich mehr vom Ball. Das war zum einen das Resultat aus einer stabileren Ballzirkulation, die durch das Fehlen von Luiz und die etwas höher stehenden Außenverteidiger begünstigt wurde. Lampard, der bei weitem nicht an Luiz’ Dynamik herankommt, konnte nicht auf die gleiche Weise mit Manndeckungen Zweikämpfe erzwingen, sodass Swansea um Ki herum Ruhe ins Spiel bringen konnte. Rangel und Davies schoben zusätzliche Ausweichräume für die Sechser und Innenverteidiger auf.

Zudem kamen die Swans wesentlich öfter in ihre Ballbesitzphasen hinein, da sie sich erfolgreicher aus dem gegnerischen Gegenpressing befreiten. Zu diesem Zweck veränderte Laudrup die Struktur seiner Offensive etwas, die sich besser und bewusster auf zweite Bälle positionierte als zuvor.

Durch die insgesamt etwas höhere Stellung, konnten die Hausherren effektivere Befreiungsschläge bringen. Diese gingen nun seltener ins nichts, sondern wurden gezielt auf Michu gebracht, der sich dafür frühzeitig in die Räume neben den Innenverteidigern (also hinter den aufgerückten Außenverteidigern) absetzte. So wurde der ballferne Innenverteidiger von den Abprallern isoliert.

Auf diese spekulierten dann de Guzman und der ballnahe Flügelspieler. Routledge und Hernandez positionierten sich dafür verstärkt in den Halbräumen und sorgten nicht wie üblich für Breite und Vertikalität, indem sie Flügelräume und die Schnittstellen der Viererkette anvisierten. De Guzmans Rolle veränderte sich so, dass er generell deutlich mehr Kontakt zu Michu hielt und viel horizontal unterwegs war, anstatt rückwärtsgerichtet die Sechser zu unterstützen. So konnte Michu immer auf zwei Spieler in den Halbraum ablegen. Besonders, wenn Ramires oder Lampard aufgerückt waren, wurde dieses Mittel effektiv.

Interessant war zudem, dass die Flügelstürmer auch ballfern einrückten, gegebenenfalls von frühzeitig hinterlaufenden Außenverteidigern unterstützt. Dadurch wurden Chelseas Sechser bestraft, wenn sie zu stark auf die zweiten Bälle schoben. Swansea konnte in solchen Szenen mit flachen, diagonalen Seitenwechsel überzeugen. Als Gegenbewegung zu den einrückenden Flügespielern pendelte Michu auch im Ballbesitz sehr stark horizontal und suchte die äußeren Räume, wenn Chelseas Außenverteidiger sich mitziehen ließen.

Mit diesen Mitteln kam Swansea nicht nur vereinzelt zu gefährlichen Kontern, sondern nutzte die Gegenstöße vor allem zur Spielkontrolle. Wenn Chelseas Abwehr passiv auf die langen Bälle reagierte, kombinierten sich die Swans clever durch die Umschalträume nach hinten. So zogen sie aus den Kontermomenten geordnete Ballbesitzphasen auf, in denen sie ihre großen strategischen Stärken einbringen konnten.

Fazit

Zu Toren reichte es für Swansea nicht, da ihre besten Gelegenheiten vergeben wurden oder an knappem Abseits scheiterten. Zudem gab es nach den ersten 20 Minuten auch eine schwächere Phase, in der Chelsea Hinspiel-ähnlich dominieren konnte, und gegen Ende agierten die Schwäne immer vorsichtiger und brachten generell nur wenig Personal nach vorne. Dennoch waren sie in diesem Spiel, als es bei Chelsea „drauf ankam“, die überlegene Mannschaft und hielten die Null sehr sicher.

Mit diesem Halbfinale zementierte Swansea sein Image als Favoritenschreck und Laudrup zeigte seine Klasse in der Spielvorbereitung. Zweiters sollte im Finale noch sehr wichtig werden, während ersteres in noch viel krasserem Maße auf eine andere Mannschft zutrifft: Finalgegner Bradford City.

 

Weiteres

Swanseas Pokalsieg: Favoritenkiller Bradford City

(Die Analyse zum Finale folgt.)

Chris 28. March 2013 um 18:39

Endlich wieder Schwanensee. Schön!

Reply

blub 28. March 2013 um 17:32

Ich hab ja schon lange auf diesen Artikel gewartet.
Der ist inhaltlich toll, aber manchmal sind dir Wörter verloren gegangen.
2. Absatz zu”Chelsea kompakt und risikoreich ” solltest du nochmal lesen.
Auch das Chalsea nur zu 36% Ballbesitz kam macht in dem zusammenhang keinen sinn. War wohl eher Sweansea.

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