Mäßiges Spielbild im Estadio Balaídos – MX
von Next Generation am 18.04.2026 in den Kategorien SC Freiburg,Spielanalyse mit 0 Kommentaren
1:3
Der SC Freiburg zieht mit einer stabilen Leistung mit einem 3:1-Sieg gegen ein im Ballvortrag zu zahnloses Celta Vigo ins Halbfinale der UEFA Europa League ein.
Nach dem 3:1-Hinspielsieg und einem 1:0-Sieg gegen Mainz 05 fährt der SC Freiburg auch in Vigo einen überzeugenden Sieg ein und zieht damit ins Halbfinale der Europa League ein. In einer 4-2-3-1-Grundformation agierte man gegen das 4-1-4-1 der Südwestspanier, die in der La Liga (6.) zuletzt trotz einer starken Saison mit der Doppelbelastung fremdelten und auch gegen Freiburg kaum Stiche setzen konnten. Ein Blick auf die Partie.

Die Grundformationen
Freiburg im 5-3-2 / 4-4-2-Mittelfeldpressing
In den ersten 10 Minuten hatten die Freiburger jedoch noch Probleme gegen das 2-3-2-3-Aufbauspiel von Vigo aus dem 4-4-2-Mittelfeldpressing heraus. Die erste Pressinglinie aus Matanovic und Suzuki lief dabei Vigos breite Innenverteidiger Lago und Alonso aus enger Grundposition mit Deckungsschatten in den Sechserraum an, um den Passweg auf Sechser Vecino zu isolieren und dessen Gegenspieler Manzambi dadurch eine tiefere Grundposition zu ermöglichen, um die direkten Passwege zentral vor die Freiburger Verteidigerlinie raumfokussiert zu sichern.
Grundsätzlich ist dieses passoptionenorientierte Pressing durchaus sinnig, um Mannorientierungen im Mittelfeld Losheit zu gewähren bzw. mehr Fokus darauf zu legen, den Raum vor der Verteidigungslinie und besonders Abkippbewegungen des Gegners aus dem Zentrum bzw. von Stürmern zu sichern. Das Problem war folglich jedoch, dass mit Borja Iglesias ein Stürmer bei Vigo agierte, der kaum den Zwischenlinienraum aktiv nachbesetzt, sondern vielmehr als Zielspieler in letzter Höhe verbleibt und Vigo versuchte, über die Halbräume über die Zehner vertikal zwischen die Linien zu kommen. Die Deckungsschatten der Stürmer von Freiburg gegen die breiten Innenverteidiger isolierten dabei genau jene Passwege auf die Zehner Moriba und Lopez nicht, und dementsprechend lag eine hohe Belastung auf den Gegenspielern gegen Vigos Zehner.
Dabei ist insgesamt interessant, dass gegen den linken Zehner Moriba Achter Maximilian Eggestein agierte, während gegen Lopez auf der rechten Seite LIV Lienhart aus der Verteidigungslinie herausschob. Eggestein agierte dabei aus dem Mittelfeld heraus direkter und enger in der Mannorientierung mit Moriba und musste aufgrund dessen hoher Grundposition auch oft in die Verteidigungslinie einschieben, woraus sich situativ ein 5-3-2 bei Freiburg ergab. Eggestein hatte dabei Probleme im Verfolgen der vertikalen Abkippbewegungen des Moriba, da er im langen Verfolgungsweg den Zugriffswinkel auf den Ball im Zweikampf von hinten gegen den Zehner kaum im Vorverteidigen fand. So konnte der Guineer vereinzelt den Ball im Halbraum festmachen, aber kaum aufgrund des direkten Rückwärtspressings von Rechtsaußen Beste ins Aufdrehen zum Dribbling kommen – auch durch die tiefe Grundposition von Manzambi fehlte der direkte Anschluss horizontal ins Zentrum auf Stürmer Iglesias, sodass sich Moriba in der progressiven Spielfortsetzung oft schwer tat.

Freiburg isoliert die Zehner, lässt sich fallen
Innenverteidiger Lienhart verteidigte gegen Lopez hingegen nicht permanent eng mit, sondern verteidigte nur bei dessen Ballspiel heraus. Diese Indirektheit führte in den ersten Minuten dazu, dass auch Lopez vereinzelt im Halbraum angespielt werden konnte. Durch den fehlenden direkten Druck aus dem Rücken konnte er auch mehrmals aufdrehen. Das direkte schwarmartige Fallenlassen im eigenen Drittel der Freiburger bei linienbrechenden Pässen bzw. vor allem das Einrücken der Außenverteidiger unterband aber, dass Vigo darüber tief auf die diagonal in die Box durchschiebenden Flügelspieler hinter die Kette Freiburgs kommt; gerade Philipp Treu unterband durch Blocks mehrmals Abschlüsse von Linksaußen Jutglà und auch Torhüter Atubolu nahm eine hohe Grundposition zum Abfangen direkter Tiefenbälle ein.
Hier sei auch erwähnt, dass Manzambi trotz seiner tiefen Grundposition deutlich zu wenig horizontal-raumorientiert in die Halbräume scannte und zu zentrumsorientiert agierte, um etwa Abkippbewegungen der Zehner Vigos zu übernehmen bzw. zu antizipieren und darüber besonders Lopez am Aufdrehen halblinks zu hindern. Dass Vigo diese Anfälligkeiten der Freiburger kaum nutzte, lag auch an Iglesias, der den Raum im Rücken des ausverteidigenden Lienharts kaum aktiv tief nachbesetzte und auch der explosive Antritt gegen Ginter im Aufnehmen des Tiefenspiels fehlte.
Trinkpause schafft Stabilität
Nach zwei verletzungsbedingten Trinkpausen passte sich der SCF schnell aufgrund der Probleme in der Anfangsphase im Halbraum an und die Flügelspieler Grifo und Beste gingen nun nicht direkt die Breite der Außenverteidiger von Celta Vigo mit, sondern agierten zunächst aus einer halbräumigen Grundposition, wodurch der Vertikalpassweg der Innenverteidiger auf die Zehner nun isoliert war. Die Flügelspieler wirkten dabei auch sehr sensibilisiert für Schulterblicke zur Feststellung der Grundposition der Zehner und zeigten eine hohe Adaptionsfähigkeit zur Isolation der Passwege auf Moriba und Lopez, indem man sich in der Grundposition an der der Gegner im Rücken orientierte.
Dadurch wichen die Spanier nach rund 15 Minuten vermehrt direkt in die Breite auf die tieferen Flügelspieler aus, und die Außenverteidiger rückten dafür zunehmend in den Halbraum ein, wodurch sich situativ auch vermehrt ein 3-3-4 im Aufbauspiel ergab. Allzumal vernahm man zunehmend den Versuch, die Außenverteidiger Freiburgs herauszuziehen und den Raum in deren Rücken direkt diagonal tief über die Zehner zu bespielen. Gerade auf der fokussierten linken Seite hatte jedoch Jutglà Probleme im Aufdrehen gegen den eng herausverteidigenden Treu und konnte so auch kaum die Tiefe durchlegen; auch bei direkten langen Bällen hinter die Kette hatte Treu im Antritt einen klaren Vorteil gegen Vigos Flügelspieler.

Vigo direkter in die Breite
Linksverteidiger Makengo konnte zwar die inversen Dribblings von Rueda nicht immer unterbinden, da dieser sich in der Grundstellung direkt horizontal platzierte sowie durch seine Beidfüßigkeit direkt nach innen dribbelte und Makengo einen diagonalen Zugriffswinkel zur Isolation des Tiefenpassweges auf Iglesias stellte darüber jedoch den inversen Weg nicht schloss. Nichtsdestotrotz fehlten Rueda einerseits durch den tiefen Block Freiburgs die Optionen im direkten Abschluss und durch Manzambis zentrale Position vor der Box auch die direkte Horizontaloption auf etwa Iglesias oder den ballfernen Sechser, sodass er kaum aktive Akzente setzen konnte. Zu hinterfragen gilt es im Ganzen, ob Vigo den tiefen Sechser Vecino nicht schon durch die Anpassung von Freiburg hätte aufgeben müssen, denn ein höherer bzw. weiter ballnah mitspielender Zentrumsspieler hätte den Flügelspielern eine direkte Ablageoption aus dem Zentrum gegeben, welcher ihnen bis dato im direkten Druck fehlte, denn durch die durchschiebenden Zehner fehlt eine direkte Option in der Seite sowie beim direkten Zugriff auf zweite Bälle; so wurde Vigo zunehmend zu langen Bällen hinter die Kette gezwungen.
Auch Lienhart verteidigte gerade gegen das tiefe Aufbauspiel Vigos nun ballnah deutlich direkter gegen Lopez und unterband weitgehend das Aufdrehen im Halbraum des Ex-Barcelona-Spielers und suchte bewusst den Zweikampf von außen nach innen, um den Dribblingweg in die Breite zu isolieren. Zudem fand Manzambi nun im Rückwärtspressing situativ Zugriff im Halbraum, da Lopez im Abschirmen gegen Ginter kaum schnelle Lösungen aus dem Druck heraus fand. Auch die durchschiebenden Außenverteidiger konnten aufgrund der engeren Grundposition kaum mehr Überzahlen schaffen, da Freiburgs Flügelspieler – gerade im Vergleich zur Anfangsphase – das Durchschieben dadurch deutlich einfacher direkt aufnehmen konnten und so kaum mehr temporäre Überzahlen in der Breite entstanden.
Gerade auch im Aufbauspiel beim Abstoß schlug man zunehmend lange Bälle, nachdem in den zunächst flachen Abstößen Zielspieler Borja Iglesias kaum diagonal von den Innenverteidigern ins Wandspiel eingebunden werden konnte, da beim Abstoßpressing die Flügelspieler die breiten Außenverteidiger ebenfalls diagonal anpressten und der Passweg ins Zentrum demnach isoliert war – sowie der tiefe Manzambi bzw. der zweite Innenverteidiger Lienhart Iglesias auch permanent in Unterzahl zwischen den Linien gesetzt hatten. So suchte Torhüter Radu zunehmend lange Bälle in eine kompakte Ballung, obwohl vorher Stürmer Matanovic in den Bogenläufen auf Radu durchaus Unsauberkeiten zeigte oder Sechser Vecino gegen die lose Mannorientierung Manzambis durchaus im Sechserraum hätte angespielt werden können, um etwa im Klatschspiel Manzambi aus dem Zentrum zu ziehen – Vigo fehlte an diesem Abend der Mut, solche Unsauberkeiten mit der ersten Aufbaulinie zu überspielen.
Die ersten Chancen für Freiburg erarbeitete man sich folglich aus Kontern nach Abstößen von Celta Vigo, da deren Innenverteidiger nach den langen Bällen in der Restverteidigung raumorientiert zu langsam vorschoben und sich die Stürmer Freiburgs, Suzuki und Matanovic, hingegen zwischen den Linien direkt fallen ließen und so im Restangriff direkt präsent waren nach Klärungen aus der Verteidigung. Gerade der sehr abschirmstarke Matanovic konnte folglich mehrmals auf den dribbelstarken Verbindungsspieler Suzuki ablegen und so den Konter einleiten, während die Innenverteidiger Celta Vigos aus den zu großen Abständen zum Freiburger Restangriff kaum aktiven Zugriff erhalten konnten. Bislang tat man sich aber schwer, dass man aus den Dribblings auch in die Box kommt, nachdem Celta Vigos Verteidigung ähnlich zu Freiburgs sehr schnell und eng in die Box verschob nach gegnerischen Kontern und so direkte Tiefenwege – gerade auf den spielen&gehend durchschiebenden Matanovic – isoliert waren.
Freiburg fehlt (noch) der Spielfluss
Aber auch die Gäste taten sich zunächst im eigenen tiefen Aufbauspiel gegen das mannorientierte Angriffspressing aus dem 5-2-3-Grundsystem schwer. Celta Vigo versuchte über die aktiven Bogenläufe auf Atubolu durch Iglesias, die technisch sehr sauber ausgeführt waren, die rechte Aufbauseite von Matthias Ginter zu isolieren und den Aufbau nach links zu lenken. Das funktionierte auch sehr gut: Lopez lief folglich Lienhart diagonal an, um dessen Passwege ins Zentrum auf die Achter Manzambi und Eggestein bzw. das Ablagenspiel über das Zentrum zu isolieren.

Freiburg mit Problemen gegen die Mannorientierungen in der Breite
So musste er folglich meist auf Linksverteidiger Makengo auslösen, der trotz des direkten Drucks von Rueda zwar durch die flache Grundposition sowie der horizontalen Körperstellung aufdrehen konnte, aber aufgrund des diagonalen Pressingwinkel Ruedas die Passwege nach innen auf die auskippenden Stürmer Matanovic und Suzuki fehlten und er folglich meist in die Breite auf Grifo auslöste, der aber extreme Probleme im Festmachen bzw. Abschirmen des Balles gegen den eng und sehr aggressiv herausverteidigenden Rodriguez hatte. Die Ansätze Makengos im Durchschieben im Spielen & Gehen konnte der Italiener so auch kaum im Ablagespiel bespielen, und Freiburg verlor mehrmals in der Breite den Ball.
Vereinzelt kam man über Makengo auf Eggestein ins Zentrum, denn die Mannorientierungen auf der ballfernen Seite ließ Celta Vigo los und der direkte Gegenspieler von Eggestein, Moriba, ließ sich fallen, sodass er frei ins Zentrum einschob, während der aufrückende Manzambi diesen Raum für ihn durch Aufrücken und Mitziehen von Achter Vecino öffnete. Eggestein fehlte im Dribbling jedoch die direkte Tiefenoption, denn durch die hängenden Positionen Matanovics und Suzukis fehlte die Tiefe aus dem Zentrum in den Halbraum, die sich aufgrund des Herausziehens der Außenverteidiger durchaus angeboten hätte. So konnte Celta Vigo über improvisierendes Ausverteidigen von Rueda oder Vecino die Dribblings im Mittelfeld von Eggestein stoppen.
Situativ fand er zwar Suzuki im linken Halbraum, der auch durch die ballferne Grundposition nicht vom initialen Gegenspieler Alonso verfolgt wurde, aber rechter Innenverteidiger Lago erkannte die Problematik und übernahm Suzuki situativ zwischen den Linien, während der folglich einrückende Alonso Matanovic im Zentrum übernahm und den Japaner am Aufdrehen zwischen den Linien hinderte – dieser Übergabeprozess zwischen Vigos Innenverteidigern hatte zur Folge, dass Matanovic situativ frei im Zentrum agierte; ihm fehlten jedoch gerade die Tiefenläufe in jenen Szenen, um den großen Raum zwischen den spanischen Innenverteidigern durch entgegengesetzte Bewegungen im Sturm auszunutzen. Später schob angepasst Alonso eng bei den Abkippbewegungen Suzukis mannorientiert mit; so ergaben sich ballnah kaum Räume im Rücken von RIV Lago für Matanovic.
So fand Freiburg zwar situativ vertikal zwischen den Linien, es fehlten aber weiterhin die Ablageoptionen, da die Achter im Zentrum deutlich zu eng agierten, um direkte Ablageoptionen aus dem Halbraum heraus anzubieten, und die Flügelspieler breit durch die engen Mannorientierungen isoliert waren, wodurch summa summarum der Spielfluss litt; vielmehr haderte man mit der Aggressivität und der Körperlichkeit im Herausverteidigen Vigos sowie der engen Rückpassisolation durch Vigos Stürmer, wodurch man sich aus der Breite kaum nach hinten aus dem Druck lösen konnte; gleichzeitig fehlte das aktive Freilaufen aus der Verteidigungslinie. Zahlreiche Fouls prägten ebenfalls das eher mäßige Spielbild – das änderte sich beim SCF auch nicht, als Atubolu später aktiv den Bogenlauf von Iglesias hoch auf Ginter überspielte, da auch Vigo auf deren linker Pressingseite die Breite sehr direkt zustellte und Niklas Beste im Luftduell gegen den absprungstarken Mingueza die Stabilität (etwa im Abschirmen durch die Armhaltung) zur Ballbehauptung infolge der langen Bälle – die aufgrund der Stürmer kaum ins Zentrum gespielt wurden – fehlte.
Fehlender Wandspiel-Anschluss im 3-2-5
Zur Mitte des Spiels sah man die Freiburger dann vermehrt aus dem 3-2-5 im höheren Aufbauspiel gegen das gespiegelte 5-2-3-Mittelfeldpressing der Spanier, wobei initial Rechtsaußen Rueda als rechter Flügelverteidiger agierte und bei Freiburg Treu als rechter Halbverteidiger im Dreieraufbau fungierte. Auch hier ging es Vigo zunächst darum, über Bogenläufe von Iglesias die rechte Aufbauseite zu isolieren sowie die Achter von Freiburg zunächst zuzustellen; das gelang im Mittelfeldpressing aber zunächst über enge Mannorientierungen im Zentrum sowie eine enge Grundposition der Flügelspieler Lopez und Jutglà.

Vigo isoliert die Halbraumwege
Diese enge Grundposition hatte zur Folge, dass die Pressingwinkel auf die breiten Halbverteidiger der Freiburger sehr seitlich waren und der Druck im Zugriff daher gering wurde und besonders die Diagonalpasswege ins Zentrum nicht isoliert waren. Entscheidend war hier jedoch, dass sich die Achter Vigos beim Ballspiel der Freiburger Halbverteidiger in den Halbraum raumorientiert bewegten und so einerseits den Passweg auf Wandspieler Matanovic bzw. Suzuki zustellten sowie andererseits beim Überdribbeln durch Lienhart gegen Lopez das Durchbrechen gen Angriffslinie unterbanden.
Dieses tiefe Ausschieben der Achter Vigos führte jedoch dazu, dass Eggestein und Manzambi bei zweiten Bällen sowie nach Rückpässen sehr viel Raum zwischen den Linien hatten und auch direkt das Bestreben hatten, vertikal ins Sturmzentrum durchzuspielen; jedoch fehlte bei Matanovic sowie Suzuki in jenen Szenen die direkte Repositionierung ins Zentrum nach dem Freilaufen in den Halbraum, sodass den Achtern Freiburgs die direkte Vertikaloption in letzter Linie fehlte. So verlor der SCF etwas an Dynamik im Ballspiel von Eggestein wie Manzambi, da auch das direkte Bedribbeln der Räume zwischen Vecino und Moriba fehlte.
Vielmehr suchte Freiburg in diesen Szenen häufig den Rückpass in die erste Aufbaulinie, respektive auf den Torhüter. Ein ähnliches Muster zeigte sich auch im Spiel über die Breite über die Schienenspieler Makengo und Beste: Gerade Makengo hatte Probleme, sauber ins Aufdrehen zu kommen, da Rueda konsequent direkt mitverteidigte und zusätzlich der inverse Dribblingweg durch das situative Ausschieben von Achter Vecino isoliert wurde. Zwar öffnete Makengo durch sein Abkippen immer wieder den Tiefenweg für Grifo auf dem Flügel, dieser zeigte jedoch im Anlaufen dieser Räume zu viel Horizontalität, wodurch sich ein suboptimaler Winkel für die anschließende Ballverarbeitung im Vertikalspiel ergab – auch, weil Rodriguez aktiv den direkten Weg in die Tiefe blockierte. In der Folge entschied sich Makengo häufig für den Rückpass, oftmals zurück auf Atubolu. Aus diesen Rückpässen heraus suchten Atubolu oder auch Lienhart – begünstigt durch die seitlichen Pressingwinkel Celta Vigos – vermehrt die Diagonalverlagerung auf die rechte Seite zu Beste. Dieser hatte jedoch noch Probleme in der Verarbeitung der hohen Bälle, wodurch es ihm kaum gelang, sein athletisches Tempo sauber ins Dribbling zu übertragen. Im direkten Duell konnte er sich so nur bedingt bis dato gegen Mingueza durchsetzen.
Es sei hier insgesamt gesagt: Der Ansatz, dass man bei 3:0-Vorsprung im realen Ergebnis vorsichtiger agiert und Rückpässe vermehrt sucht, ist durchaus gerechtfertigt. Das Problem an diesem Abend bis dahin war nur: Celta Vigo hatte seine klaren Stärken im aktiven Angriffspressing sowie beim manndeckenden Übergang nach Freiburger Rückpässen und zwang Freiburg dadurch direkt zu langen Bällen, gerade durch die permanente Aktivität von Iglesias auf Atubolu. Die Vorsichtigkeit führte also zu intensivem Angriffspressing von Celta, das wiederum Freiburg zu langen Bällen zwang, und man musste dadurch genau jenes Risiko (bzw. auch Zufallserhöhung durch lange Bälle) eingehen, das man initial unterbinden wollte – gerade weil man weiterhin in den Luftduellen gegen die sehr kopfballstarke Verteidigungslinie Vigos Probleme hatte. Das Spannungsverhältnis zwischen vorsichtiger Indirektheit und provozierter gegnerischer Aggressivität wirkte zeitweise unausgeglichen.
Aus Freiburger Sicht war es folglich für die Stabilität essenziell, dass man nach eigenen langen Bällen mit der Restverteidigung direkt zusammenschob und klare Mannorientierungen auf die Restangreifer Iglesias sowie Lopez herstellte, um so durch aggressives Vorverteidigen von Lienhart und Ginter etwaiges Ablagenspiel als Ausgangspunkt für Konter Vigos zu unterbinden. Auch Philipp Treu zeigte bei hohen Bällen Vigos in die rechte Breite im Duell gegen den direkt durchschiebenden Tiefenläufer Jutglà ein sehr sauberes Verhalten: Besonders auffällig war seine hohe Frequenz im schulterblickenden Scanning, wodurch er die Balance zwischen Ball- und Gegnerorientierung konstant halten konnte. Dadurch verlor er kaum die Orientierung zum Ball und konnte sich gleichzeitig im Tempoduell gegen Jutglà behaupten. Seine direkte Präsenz in der Restverteidigung sorgte dafür, dass der Tiefenläufer nicht ungestört – in der systematisch in der Restverteidigung des 3-2-5-Aufbaus unterbesetzten Breite – in die Tiefe durchschieben konnte.
Aber: Doppelschlag für Freiburg vor dem Pausentee
Man sieht also, dass es bis dahin ein weitgehend ausgeglichenes Spiel war, in dem beide Teams zunächst nur begrenzt Lösungen fanden. Gerade gegen den Ball präsentierten sich beide Mannschaften stabil. Dennoch konnte sich Freiburg gegen Ende der ersten Halbzeit zunehmend lösen. Eingeleitet wurde diese Phase durch eine deutlich höhere Aktivität von Manzambi im Abkippen vor / zwischen die Stürmer von Celta Vigo. Dadurch sowie durch eine insgesamt mutigere Spielweise gegen Gegnerdruck konnte Freiburg vermehrt Ablagen über ihn initiieren und so die zuvor isolierte rechte Aufbauseite einbinden – insbesondere über Dreiecksbildungen in den Rücken von Iglesias.
In der Folge wurde vor allem Treu in der Breite immer wieder ins Spiel gebracht. Mit seiner enormen Passqualität mit der rechten Innenseite auf mittlere Distanz suchte er oftmals horizontal Eggestein im Zentrum, der vor allem Verlagerungen einleitete (und Vigo darüber ins Verschieben brachte), oder Treu schickte Beste breit ins Dribbling mit dessen Gegenspieler Mingueza im Rücken. Gleichzeitig war bereits ein gewisser Kraftverlust auf Seiten der Spanier erkennbar: Lopez verfolgte Manzambi zunehmend indirekter und griff häufiger zu taktischen Fouls. Auch auf den Flügeln wurden Beste und Grifo zunehmend weniger eng verfolgt, sodass sich situativ mehr Zeit – vor allem in der Ballannahme – ergab und man sich schrittweise ins Aufdrehen herantasten konnte, wobei Vigos ausschiebende Achter weiterhin inverse Wege in den Halbraum isolierten.
Freiburg tastete sich so zunehmend in die Kontrolle der Partie hinein. Zugleich setzte man weiterhin selbst gegen den Ball Akzente: Insbesondere Lienhart und Eggestein konnten durch enge Zugriffsmomente in den Halbräumen zunehmend Ballgewinne gegen Vigos Zehner erzeugen, die im Verlauf der Partie zu einer hohen Anzahl an Ballverlusten (22) führten. Der Abschluss aus diesen Kontern fehlte jedoch bislang noch, da man sich schwer tat, aus den Eins-gegen-eins-Situationen in der Breite den Weg nach innen zu finden – gerade weil die Außenverteidiger Vigos durch ihre horizontale Körperstellung gezielt den Flankenweg isolierten.
Ein Freistoß nach 33 Minuten auf den in den Halbraum durchschiebenden Makengo sowie der anschließende Volley des im Rückraum lauernden Matanovic nach dem zweiten Ball führten schließlich zur 1:0-Führung für Freiburg – die oft von mir kritisierte hängende Grundposition des Stürmers zahlte sich in dieser Szene aus, da sein Gegenspieler Lago deutlich tiefer agierte und so keinen Zugriff vor dem Abschluss herstellen konnte. Danach führte eine Ballgewinnszene von Lienhart im Halbraum aus der Restverteidigung heraus zu einem Konter über Suzuki im letzten Drittel Vigos. Dieser band zunächst mittleren Innenverteidiger Lago und legte auf den hinter Lago durchschiebenden Beste durch, der aufgrund seines Einrückens von der ballfernen Seite in den linken Halbraum nicht von Mingueza verfolgt wurde und frei in die Tiefe in den Box diagonal schieben konnte. In der Box fand Beste schließlich den frei im Spielen & Gehen nachstoßenden Suzuki, der auf 2:0 (40.) erhöhte.
Zweite Halbzeit
Die sehr mäßige erste Halbzeit führte zu einem Vierfachwechsel (!) von Claudio Giráldez in der Pause: Lago musste für Carreira weichen, Moriba für Swedberg, der zunehmend in der linken Breite agierte und durch seinen starken rechten Fuß inverse Wege gehen sowie darüber diagonale Passwege in die Sturmspitze suchen sollte. Zudem agierte dadurch Jutglà nun als zweiter Zehner in der Moriba-Rolle. Rueda wurde durch El-Abdellaoui ersetzt, der ebenso als inverser Flügelspieler noch direkter den Halbraum im Dribbling von rechts attackieren sollte.
Und Stürmer Iglesias wich für Aspas, der mit mehr Beweglichkeit und Aktivität im Freilaufen im Halbraum diagonale Passwege der Außenverteidiger bzw. über die inversen Flügel öffnen sollte – Aspas zeigte jedoch direkt Probleme im Abschirmen gegen Ginter im Rücken, der extrem aggressiv vorverteidigte – Aspas konnte so kaum seine Dribblingstärke ausspielen. Zudem fehlte ihm auch die direkte Ablageoption im Zentrum, gerade weil die Zehner weiterhin sehr eng von Eggestein und Lienhart im Halbraum markiert wurden. Zwar schoben die Außenverteidiger nun deutlich aktiver im Spielen & Gehen durch, jedoch war bei ihnen der vertikale Abstand zu Aspas schlichtweg zu groß, und das Nachverfolgen von – vor allem – Treu gegen Mingueza zu eng, um sich darüber aus dem Druck zu lösen.
Ein Ballgewinn von Eggestein im Halbraum war es dann auch, der das 3:0 nach 51 Spielminuten einleitete. Über das Dreiecksspiel über Manzambi fand man schließlich Beste in der Breite, der sich weiterhin zunehmend von Mingueza löste und so nach Aufdrehen wieder den durchschiebenden Manzambi in der Tiefe fand, der in die Box eindribbeln konnte – wo Suzuki im Rückraum (der aufgrund des Schwarmverhaltens vor dem Tor der Hintermannschaft Vigos offen war) nach einem Abpraller den Deckel zumachte (6:0). Danach war die Luft bei Celta Vigo endgültig raus und man sah sich permanenter Kontergefahr über den hängenden Suzuki zwischen den Linien entgegen, der immer wieder Verbindungsspieler zwischen den ballgewinnenden Zentrumsspielern und Stürmer Matanovic oder den durchschiebenden Flügeln agierte, da sowohl Alonso als auch Sechser Vecino weiterhin deutlich zu lose mannorientiert gegen den Japaner in der Restverteidigung agierten.
Auch die eingewechselten Flügelspieler schafften kaum Aufdrehen in der Breite und dadurch kaum die notwendigen inversen Dribblingwege gegen die eng herausverteidigenden Treu und Makengo, und so suchte man nach rund einer Stunde permanent lange Bälle, die gerade der sehr kleine Aspas im Sturm nicht wirklich behaupten konnte gegen den kopfballstarken Ginter, zumal die sehr tiefen Zentrumsspieler Freiburgs den Raum vor der Verteidigungslinie für den direkten Zugriff auf zweite Bälle gut sicherten. Zum Ende des Spiels war der Spannungsabfall der Freiburger auch zunehmend spürbar sowie die athletische und wetterliche Belastung im Stadion, wodurch auch Freiburg zunehmend tiefer verteidigte und loser in den direkten Duellen agierte – gerade in der Restverteidigung. Vereinzelt initiierten beide Mannschaften noch Konter über die hängenden Verbindungsspieler Aspas und Suzuki oder in der Breite über Dribblings der Flügelspieler – das ausplätschernde Spiel fand durch einen langen Ball auf Swedberg, der gegen den bislang starken, aber nun doch etwas angeschlagenen Eggestein zum ersten Mal das Tiefenlaufduell gewinnt und zum 1:3 (1:6) einschob.
Fazit
Ein eher träges – aber nicht langweiliges – Spiel endete demnach klar zugunsten der Freiburger. Dass diese Partie kaum an Spannung und ansehnlicher Dynamik entwickelte, lag einerseits an den fehlenden Lösungen Vigos im Aufbauspiel gegen die sehr gut die Schlüsselspieler im Halbraum isolierenden Freiburger sowie andererseits an der zunehmenden Stabilität und dem Mut der Freiburger, selbst aktiv in den Druck zu spielen, wodurch man auch die athletische Anfälligkeit der Spanier zunehmend ausspielte.
P.S.: bald kommt wieder mehr Content von meiner Seite, der Prüfungsstress ist aktuell etwas hinderlich. Aber: die Ruhe vor dem Sturm!
MX machte sich in Regensburg mit seiner Vorliebe für die Verübersachlichung des Spiels einen Namen. Dabei flirtete er mit der RB-Schule, blieb aber heimlich immer ein Romantiker für Guardiolas Fußballkunst.konkre
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