Torwartkette schafft Verl Kontrolle – MX

4:0

20 Schüsse, über 3 xG – der SC Verl zeigt auch gegen den 1. FC Schweinfurt 05 wieder, dass man auch mit Ballbesitzfokus in der 3. Liga Akzente setzen kann. Auch wenn die Schnüdel von Jeremias Jones durchaus etwas dagegen hatten, wurde man am Ende doch niedergespielt.

Die Grundformationen

Als kleiner Vorgeschmack auf eine bevorstehende Teamanalyse zu den Verlern eignet sich der Kantersieg (4:0) gegen das Schlusslicht aus der 3. Liga, den 1. FC Schweinfurt 05, sehr gut, denn die zuletzt doch sehr ekligen Schnüdel von Trainer Jeremias Jones hatten im Sportpark Verl keine Chance gegen die Mannschaft von Tobias Strobl, welche mit dem Sieg auf Platz 4 nahe der Aufstiegsplätze klettert. In die Partie ging man aus einer 4-3-1-2-Grundformation gegen das 4-2-3-1 vom FCS.

Schweinfurt mit solider  Basis…

In den ersten Momenten dieser Partie waren es aber zunächst die Schweinfurter, die aus dem manndeckenden Angriffspressing Akzente setzten, da sie gegen das 2-3-2-3-tiefe Aufbauspiel der Verler die diagonalen Passoptionen der Verler AVs auf die in die Breite durchschiebenden Achter Gayret und Waidner über die diagonalen Pressingwinkel der Flügelspieler Latteier und Bausenwein isolierten und zusätzlich mit den Außenverteidigern das weite Ausweichen von Gayret/Waidner auffingen. Gleichzeitig verfolgten sie die Ausweichbewegungen der Außenstürmer Besio und Warner in den Rücken der Schweinfurter Außenverteidiger eng mit den Innenverteidigern und fingen dadurch etwaige Optionen für das direkte Tiefenspiel ab. Da Verl bislang das direkte Spiel in den Druck mied, konnten Mhamdi und Stöcker in den ersten Minuten ein paar Mal nicht nach vorne eröffnen, und gleichzeitig stellten die Stürmer Geis und Dellinger die Rückpasswege auf die Innenverteidiger des SCV zu. So entstanden ein paar Fehlpässe in den ersten Minuten.

Gerade bei Rechtsverteidiger Mhamdi könnte man etwas die zu hohe Grundposition sowie zu vertikal-ausgerichtete Körperstellung in der Anfangsphase bemängeln, wodurch die Passwege horizontal in den Sechserraum auf Eze nicht in seinem Blickfeld waren. Ein tendenzielles Spiel auf Sechser Eze hätte zudem zum Ausverteidigen von Schweinfurts Achter Angleberger geführt und darüber ein klassisches Muster vom SCV ermöglicht: Schiebt ein gegnerischer Zentrumsspieler aus, so schiebt der ballferne Achter von Verl (hier Waidner) in dessen Rücken und hätte dadurch eine direkte Diagonaloption vor die Verteidigungslinie der Schweinfurter eröffnet – die Grundmuster des SCV wurden dementsprechend in den ersten Minuten gut un

Schweinfurt im Angriffspressing

terbunden.

Was man bei Schweinfurt insgesamt bemängeln muss: Bei Einwürfen im Drittel von Verl funktionierte das Zustellen der Rückpasswege auf die Innenverteidiger von Verl kaum, und dadurch konnte die Heimelf mehrmals über diese flach nach Einwürfen verlagern. Durch das weite Einrücken ballfern der Flügelspieler mussten dann teilweise die Außenverteidiger weit herausverteidigen, die aber nicht die diagonalen Passwege nach innen isolierten; das Problem aus der Sicht von Verl: Nach Verlagerungen konnte man kaum Diagonalität über die Achter erzeugen, da diese durch die ballnahe Überladung zu weite Wege nach Verlagerungen hatten. So konnte man den situativen Dynamikvorteil bislang kaum nutzen. Mit der Zeit fand man gerade über falsche Neun/Zehner Taz, der sich zunehmend zwischen den Linien bewegte und dadurch ein 3-gegen-2 gegen Schweinfurts Achter erzeugte, und durch das fehlende Mitverteidigen der Innenverteidiger von Schweinfurt konnte er gerade bei zweiten Bällen mehrmals den Ball sichern, für Dribblings aufdrehen und die ballfern aufschiebenden Außenverteidiger tief schicken.

…Verl mit besserer Antwort

Am Ende waren es aber die Verler, die nach vier Minuten trotz Probleme im tiefen Aufbauspiel den Führungstreffer erzielten und dadurch auch zunehmend ins Spiel fanden. Der Treffer nach dem Umschalten war aber keineswegs ein Zufallsprodukt, so zeigte man über das gesamte Spiel hinweg eine sehr gute Leistung in dem manndeckenden 3-1-4-2-Angriffspressing gegen Schweinfurts 2-4-1-3-Aufbauspiel. Einerseits zeigten die Stürmer Warner und Taz in den Bogenläufen auf Keeper Stahl technisch sehr saubere Ausführungen und isolierten daraus einerseits die Flachpasswege auf die Innenverteidiger, und auch die Außenverteidiger Langhans und Çelebi waren dadurch isoliert, die insgesamt ein Stück zu hoch agierten und dadurch permanent im Schatten Verlers Stürmer standen.

Dementsprechend suchte Stahl vermehrt lange Bälle in die Zielzone im linken Halbraum auf Latteier. Auf dieses Muster waren die Verler auch sehr klar vorbereitet, so schoben besonders Rechtsaußen Mhamdi und auch Achter Gayret direkt beim Erkennen, dass Stahl lang schlägt, in Richtung des Halbraums und stellten dadurch permanente 1-gegen-2- bzw. 1-gegen-3-Situationen für Latteier her, der somit keine Akzente in der Luft setzen konnte und sich insgesamt gegen den sehr aggressiv vorverteidigenden Ens schwer tat. Gerade das Einrücken vom ballfernen Achter Waidner sicherte hingegen Zehner Geis ab, der sich zwar immer wieder im Raum vor der Verler Verteidigungslinie zur Sicherung zweiter Bälle positionierte, dadurch aber kaum den Ball sichern respektive die Tiefe bespielen konnte.

Verl schafft Überzahl gegen Latteier

Diese direkte Präsenz bei langen Bällen Schweinfurts sorgte bei Ballgewinn aber auch für direkte Optionen zum Verbindungsspiel, und besonders Achter Gayret setzte hier durch seine enorme Qualität im Aufdrehen ins Zentrum direkte Akzente. Durch das zu langsame Einrücken Schweinfurts nach den langen Bällen in der Restverteidigung ergaben sich zudem direkte Konter in das anfällige Zentrum zwischen deren Innenverteidigern auf die Stürmer Taz oder Warner.

Wie schon beim Umschalten nach zweiten Bällen war auch hier der Raum neben den Innenverteidigern im Halbraum sehr anfällig in der Tiefe, da die Außenverteidiger Schweinfurts bei langen Bällen ebenfalls sehr breit vorschoben und so kaum Zugriff nach Ballverlusten auf die im Halbraum durchschiebenden Flügelspieler (gerade Besio) der Verler hatten, die man über das direkte Wandspiel der Stürmer oft direkt suchen konnte. Gerade bei Berkan Taz möchte ich noch ausdrücklich hervorheben, wie gut sein qualitatives Scanning vor dem Ablagenspiel ist und dass er dadurch immer wieder schafft, Besio genau in den Fuß zur Ballmitnahme für das Dribbling zu spielen, ohne dass die Dynamik des Umschaltmoments verloren geht. Die eigentlich ganz solide Basis über das eigene Angriffspressing riss man sich über die Instabilität gerade in der Erstverteidigung im tiefen Aufbauspiel somit nach wenigen Minuten ein.

Schnüdel (bislang) unbeeindruckt

Nach dem Tor durch Besio führte die Schweinfurter Problematik der fehlenden Isolation der Rückpasswege nach Standards sowie insgesamt die Verler Ballsicherung im Angriffspressing zunehmend dazu, dass Verl an strukturierten Ballbesitz auch in höheren Zonen aus dem 3-4-3 / 3-3-4 gegen das 4-2-4-Mittelfeldpressing der Schweinfurter gelangen konnte. Dabei kippte entweder Achter Gayret oder Sechser Eze neben Ens und Otto in den Dreieraufbau ein. Ähnlich zum Schweinfurter Angriffspressing bestand die Hauptintention wohl darin, die direkte Diagonalität nach innen über die Anlaufwinkel der Flügelspieler zu unterbinden, was auch durchaus gut funktionierte.

Dementsprechend musste Verl meistens auf die tiefen Schienenspieler eröffnen, die aufgrund der entsprechend weiten Pressingwege der Außenverteidiger Schweinfurts immer wieder entweder das Dribbling nach innen direkt suchten oder den Horizontalpass auf Sechser Eze respektive den im Rücken von Eze ins Zentrum einkippenden Taz suchten. Das funktionierte gerade über Taz’ Qualität im Aufdrehen nach innen und mit dem Außenrist auch durchaus in den Auftaktbewegungen gut.

..bislang tut sich Verl noch im Zentrum schwer

Die Folgesituationen gestalteten sich gegen das 4-2-4 bislang aber überraschend schwer, einerseits weil die Achter Angelberger und Osawe die Bewegungen von Eze/Taz eng mitverfolgten und so trotz Optionen im Dribbling kaum temporäre Überzahlen über Durchschieben im Spielen & Gehen in Kombination mit speziell Waidner entstanden, gerade weil bspw. Osawe gewisse Vorteile im Antritt gegen Taz hatte. Gleichzeitig lag bei den Stürmern Warner und Besio vielleicht in der breiten Grundposition etwas zu sehr der Fokus darauf, die Räume im Rücken der ausverteidigenden Außenverteidiger Schweinfurts zu belaufen, und dadurch fehlten im Zentrum etwaige Wandspieloptionen für die andribbelnden Zentrumsspieler, die sich so mehrmals in der Kleinräumigkeit festdribbelten, anstatt sich aus dem Druck zu lösen. Zudem tat man sich bislang auch bei den Anspielen in die Breite auf Stürmer Warner/Besio schwer, den Ball gegen die aggressiv mitverteidigenden Innenverteidiger Schweinfurts im Dribbling in die Tiefe zu sichern.

So konnten die Gäste aus Franken die wohl größten Möglichkeiten der ersten Halbzeit im Umschalten erarbeiten. Gerade das direkte Spiel in die Breite auf die aufschiebenden Außenverteidiger eröffnete Schweinfurt trotz prinzipiell guter erster Gegenpressingwellen (und dadurch Vertikalisolation) im Zentrum von Verl die Drucklösung in die Breite, und das teilweise zu langsame Aufrücken nach Ballverlust der tiefen Schienenspieler Verls ermöglichte einerseits Dribblings, gerade vom sehr antrittsstarken Çelebi, und daraus auch solide Doppelpassmuster mit den tiefen Achtern Angleberger und Osawe. Man könnte tendenziell bemängeln, dass über die tiefe Grundposition von Taz im Zentrum der direkte Gegenpressingdruck auf die Schweinfurter Innenverteidiger situativ fehlte und so die Intensität durch etwas zu große Abstände im Gegenpressing sank und gerade die Diagonalpasswege in die Breite dementsprechend offen waren.

Zwar fand der FCS im Umschalten in den Folgeaktionen mehrmals den tief durchschiebenden Latteier, da Mhamdi die Dribblingwege in den Halbraum im Duell blockierte, dadurch aber der vertikale Passweg auf den Flügelspieler offen war, der jedoch gerade gegen den ballnah in die Verteidigungslinie einkippenden Eze Probleme hatte, inverse Dribblingwege in Torrichtung zu finden. Durch das teilweise etwas zu langsame Rückwärtspressing von Achter Waidner fand er zwar dann situativ Geis im Rückraum, dem folglich etwas das Tempo im Aufdrehen mit dem Rücken zum Tor fehlte und der so den Dynamikvorteil nicht ausnutzen konnte. Insgesamt blieb oft nur der Rückpass zu Çelebi, der daraus meist die Halbfeldflanke suchen musste gegen den im tiefen Verteidigen direkt auspressenden Mhamdi, wobei die Boxbesetzung folglich unzureichend war, da Zielspieler Dellinger kaum im Abschirmen respektive in der Luft gegen den proaktiv vorverteidigenden Otto ankam und so kaum gen Tor drehen bzw. ablegen konnte. Das Umschalten blieb somit weitgehend entschärft, die brenzligste Situation klärte Otto – nach Flanke Celebis – in der 15. Minute in der Box gegen Dellinger, und beim Kampf um den zweiten Ball brachte Eze in der Box Latteier zu Fall – doch der Schiedsrichter entschied nicht auf Foul.

Verl findet Kontrolle

Wohl auch durch die Probleme in der Spieleröffnung über die Schienenspieler sowie die leichte Wildheit der Partie mit den Kontern der Gäste suchten die Verler zunehmend den Rückpass auf Schulze, der sich in einer Torwartkette zwischen Ens und Otto im 3-3-4 befand. Die Schweinfurter liefen die Torwartkette zunächst kaum an, im Wissen, dass ein Anlaufen gegen Verls Torwartkette meistens dazu führt, dass man über das Druckspiel auf den abkippenden Sechser Eze den Innenverteidiger im Rücken (über den Dritten) des anlaufenden Stürmers direkt anspielen würde. Zwar stellte man die Flachpassoptionen folglich manndeckend zu, wodurch auch Schulze zunächst kaum flache Auslösungen finden konnte, dennoch entstand gerade in Kombination mit dem Sohlenspiel von Schulze eine gewisse kontrollierte Planbarkeit aus diesen Mustern der Verler – begünstigt durch die fehlende Aktivität der Gäste.

Schulze als Game-Changer für Verl?

So besteht das Konstrukt des SC Verl bei diesem Langpassfokus aus zwei Teilen: Einerseits das Mittelfeld mit Sechser Eze sowie Taz und Waidner als Achter, die praktisch frei rotierten und aus diesen Rotationen eine direkte Folgeaktivität durch bogenläufiges Durchschieben nach der langen Auslösung generierten. Dieses direkte Durchschieben nach den Rotationen sorgte einerseits für Probleme in den Zuordnungen in der Manndeckung der Schweinfurter, da die Mittelfeldspieler den Verlern nicht auf die andere Seite teils folgten (oder aufgrund Nachteilen im Antritt nicht folgen konnten) und so die Mittelfeldspieler teilweise frei im Raum vor die Verteidigungslinie durchschieben konnten. Dadurch konnten sie mehrfach zweite Bälle sichern, und gerade die technische Qualität im Bereich des direkten Tiefenspiels mit dem errsten Kontakt von Taz sorgte dafür, dass man darüber das direkte Tiefenspiel auf die breit in die Tiefe durchschiebenden Schienenspieler suchen konnte, wodurch mehrfach gefährliche 1-gegen-1-Situationen breit entstanden.

Insgesamt dient aber Besio als Zielspieler im Sturm der Verler. Zwar rotiert er auch immer wieder mit Taz oder Warner, doch allgemein geht es beim SC sehr viel darum, für den Schweizer Räume für lange Bälle in die Tiefe im Zentrum zu schaffen. So kippte Warner etwa immer wieder diagonal in den linken Halbraum ab, um LIV Meißner aus dem Zentrum zu ziehen und Raum für Besios bogenläufiges Durchschieben zu schaffen, oder – bei Besios Rotation gen rechten Halbraum – immer wieder Gayret ab, um LV Celebi aus der Linie zu ziehen und Tiefenwege für Besio zu öffnen. Die Rotation mit Taz dient vor allem dazu, dass er Trslic herauszieht, im Bogen durchschiebt und dann seinen Antrittsvorteil gegen den Verteidiger nutzt.

Die Bogenläufigkeit spielt eine große Rolle bei Verl: So schiebt man aus dem Zentrum eigentlich nur im Bogen durch, was bei den direkten Gegenspielern durch den dadurch entstehenden Richtungswechsel sowie die Notwendigkeit des Drehens – dadurch ein kleineres offenes Sichtfeld – im Verfolgen zu einem Dynamiknachteil im direkten Duell führt. Diesen Nachteil nutzt gerade Besio durch seine extreme Qualität im ersten Kontakt aus und konnte so mehrfach den langen Ball direkt sichern und gegen Trslic im 1-gegen-1 andribbeln – wie nach 17 Minuten im linken Halbraum, als Stöcker tief geschickt wurde, der aber den Abschluss verpasste. Teilweise rotiert Besio auch mit einem Schienenspieler in die Tiefe, und über die enorme Genauigkeit von Schulze bei langen Bällen konnte man ihn auch darüber zu direkten Dribblings in die Breite bringen. Durch den direkten ersten Kontakt invers nach innen setzte er gerade gegen RV Langhans, der damit Probleme in der Balance hatte, gute Akzente – so zog er nach etwa 20 Minuten nach einem inversen Dribbling den Abschluss, traf jedoch nur das Außennetz.

Nach rund 25 Minuten und den zunehmenden Problemen bei Verls langen Bällen suchte Stürmer Dellinger teilweise das Anlaufen auf Schulze, doch konnte Schulze immer wieder über das erwartbare Dreiecksspiel mit einem Achter flach auslösen. Hier sei auch erwähnt, dass man dieses Druckspiel nie durch vertikales Freilaufen der Achter sucht, sondern diese sich ähnlich zum Durchschieben ebenfalls nur im Bogen diagonal zum IV freilaufen und daraus einen optimalen Winkel für das direkte Ablagespiel auf den offenen Fuß erhalten. Dadurch brachte man gerade Ens nun vermehrt ins Andribbeln, worüber auch mehrmals vertikal im Halbraum auf die Stürmer eröffnet wurde, die den Ball dann gut im Abschirmen festmachen konnten und sehr gute Doppelpassmuster mit direkten Durchschieben im Spielen & Gehen mit den Schienenspielern zeigten und darüber mehrmals in die Tiefe eindribbeln konnten. In der Varianz hatte man noch nicht die Stabilität der letzten Wochen: Gerade die Schienenspieler dribbelten weiterhin mehrmals nach innen und hatten darüber etwas Probleme durch zu späte Abspiele durch das Ausrücken der Achter Schweinfurts und die daraus entstehenden 1-gegen-2-Situationen.

Doch die Schweinfurter kamen weiterhin einerseits im eigenen Ballbesitz kaum gegen das Verler Angriffspressing ins Spiel, das aus den Ballgewinnen regelmäßig gefährliche Konter über Verbindungsspieler Taz zwischen den Linien einleitete. Über ihn suchte man immer wieder direkt das Tiefenspiel in die Breite über die aufrückenden Schienenspieler, wie etwa nach 23 Minuten, als Mhamdi frei vor dem Torhüter der Schweinfurter auftauchte, aber verzog. Der FC Schweinfurt muss sich demnach durchaus ankreiden lassen, dass man Taz’ Bewegungen zwischen den Linien nicht auffangen konnte. Dies lag vor allem daran, dass man über die Unterzahl mit Angleberger und Osawe im Zentrum gegen Eze, Taz und Waidner immer wieder Taz an einen Innenverteidiger übergeben musste, der die Abkippbewegungen aber nicht direkt mitverfolgte und so Taz immer wieder Raum und Zeit zum Aufdrehen gewährte.

Auch beim etwas kuriosen 2:0 hatte Taz seinen Finger im Spiel: Nach einem langen Ball nach Einwurf tauchte er erneut – nachdem Innenverteidiger Trslic nicht mitverfolgte – frei zwischen den Linien auf und konnte so auf Besio ablegen beziehungsweise zur Ablage beitragen. Anschließend schob er direkt spielend und gehend tief durch und empfing, nachdem Torwart Stahl deutlich zu früh herauslief, den Ball vor dem leeren Tor. Taz war es auch, der nach 39 Minuten einen Rückpass von Osawe antizipierte, vor Torhüter Stahl erreichte und schließlich im 1-gegen-1 zum 3:0 einschob. Dieses Tor ist insgesamt ein Lehrbeispiel für die Qualität im Bereich des Scannings des Zehners von Verl: Durch einen Schulterblick nach links erkannte er zunächst, dass Osawe im rechten Halbraum keine Passoptionen mehr hatte, und durch einen Schulterblick nach rechts die zu tiefe Position von Stahl – folglich schob er diagonal in Passrichtung durch.

Danach passierte bis zur Halbzeitpause nur noch wenig. Zwar konnte sich beim FCS Stürmer Dellinger nun durch diagonales Durchschieben in die Breite gelegentlich von Ens bzw. Otto lösen und lange Bälle im Wandspiel annehmen, doch diese breitere Grundposition erforderte oft ein inverses Dribbling in Richtung Tor. Dabei fehlte ihm im Auftaktkontakt der nötige Antritt, wodurch die Dynamik und das Potenzial dieser Aktionen mehrfach verloren gingen. Zudem schoben die Außenverteidiger der Schweinfurter nun deutlich früher hoch, was bei Ballverlusten zu Instabilitäten führte: Die Verler Stürmer setzten sich direkt in die frei werdenden breiten Räume im Restangriff ab, waren dort sofort anspielbar und konnten den Ball mehrfach sichern und teilweise auf Taz im Zwischenlinienraum weiterleiten. Ähnlich zeigte sich dies zunehmend auch im tiefen Aufbau, da Schweinfurts Kräfte im manndeckenden Angriffspressing und die anfängliche Enge in den Duellen schwanden. Dadurch konnte Verl vermehrt über die flache Spieleröffnung über die Schienenspieler in die Breite auf die abkippenden Stürmer eröffnen, die wiederum klassisch auf die durchschiebenden Achter ablegen konnten und diese so in Dribblings bringen. So entwickelte sich bis zur Pause ein eher hin- und herfließendes Spiel, bei dem Verl jedoch zunehmend Stabilität fand.

Zweite Halbzeit

Nachdem Jones bereits in der 42. Minute Wintzheimer für Langhans brachte, agierte Geis nun als rechter Verteidiger, während Wintzheimer im Sturm spielte und damit eine klarere Doppelspitze mit Dellinger bildete – im Vergleich zur vorherigen Konstellation mit Zehner Geis. Wintzheimer konnte sich dadurch ein paar Mal zwischen den Linien im Abkippen von Ens lösen, doch fehlte ihm etwas das Tempo und die Beweglichkeit im Aufdrehen. Sechser Eze konnte ihn im Rückwärtspressing übernehmen, sodass Wintzheimer häufig nur der Rückpass blieb und kaum auf die eingerückten Flügelspieler ablegen konnte, die grundsätzlich gut um ihn herum positioniert gewesen wären, um aus möglichen Ablagen Dribblings einzuleiten.

Auch im Anlaufen hatte er ähnliche Probleme wie Geis und konnte immer wieder über das Dreiecksspiel der Verler Achter im Rücken angesprochen werden, wodurch Ens die Möglichkeit erhielt, ins Dribbling zu gehen. Gleichzeitig verschärfte sich das Problem von Schweinfurt zwischen den Linien weiter: Sechser Eze agierte nun deutlich direkter nach vorne, wodurch regelmäßig ein 4-gegen-2 gegen Schweinfurts Achter entstand. Diese markierten vor allem die tieferen Eze und Waidner, wodurch der Raum zwischen Abwehr und Mittelfeld vergrößert wurde und zusätzliche Freiräume für Taz und Gayret im Abkippen zwischen den Linien entstanden. Das Herausverteidigen durch die Innenverteidiger funktionierte weiterhin nur sehr indirekt, sodass das Aufdrehen der technisch starken Spieler kaum unterbunden wurde – und diese taktisch klug im Laufe der Zeit auch Fouls provozierten.

So entstand etwa das 4:0 über Gayret, der von Schulze frei zwischen den Linien gesucht wurde, sich aufdrehte, andribbelte und Warner tief anspielte. Warner wiederum fand in der Box den durchgeschobenen Eze. Dieses Aufschieben von Eze führte zwar in der Gesamtbetrachtung zu einer gewissen Schwäche nach langen Bällen nach Ballverlusten, da der Raum vor der 1-2-Restverteidigung bzw. die zweite Gegenpressingwelle nicht (mehr) optimal abgesichert war, doch konnte diese strukturelle Problematik durch das direkte Fallenlassen des Sechsers gut kompensiert werden. Über dieses Aufschieben des zweikampfstarken Ezes zeigte die erste Gegenpressingwelle zudem eine Verbesserung gegenüber der ersten Halbzeit, da Schweinfurt nun häufig direkt lang spielen musste und kaum Ballkontrolle entwickeln konnte.

Gegen Ende des Spiels gegen die wehrlosen Schweinfurter zeigte Verl zunehmend kleinräumige Kombinationen im horizontalen Spielen & Gehen, gerade zwischen Taz und den Schienenspielern. Die Schienenspieler schoben dabei horizontal nach innen, Taz legte vor der Box ab. Da die Schweinfurter Außenverteidiger diese Bewegungen nicht konsequent verfolgten, tauchten die Schienenspieler mehrfach frei im Zentrum auf, nachdem Taz abgelegt hatte. Gleichzeitig profitierte auch Gayret von den gewonnenen Räumen in Halbzeit 2 rund um Schweinfurts Box: Er positionierte sich regelmäßig im freien Rückraum und konnte von dort die Stürmer ins Wandspiel bringen, da Schweinfurts Achter aus der tiefen Grundposition einen zu weiten Pressingweg auf Gayret hatten. Aufgrund der zunehmenden Losgelöstheit der direkten Duelle bei den Schweinfurtern konnten die Spieler zudem häufiger direkte Ablagen spielen. Insgesamt spielte Verl die Führung souverän herunter.

Fazit

Ein unangetasteter Sieg für Verl, der in dieser Höhe durchaus verdient ist. Verl spielte zwar strategisch und mannschaftstaktisch nicht ganz so überzeugend wie in einigen Spielen zuletzt, zeigte jedoch enorme Flexibilität – insbesondere im Langpass-Muster – gegen die zunächst etwas unangenehmen Schweinfurter und am Ende wieder herausragende Kombinationen. Defensiv stellte das Spiel gegen Schweinfurt nur in wenigen Aktionen eine echte Herausforderung dar, und die Umschaltoptionen konnten kaum genutzt werden. Die solide Basis des FCS gegen den Ball ließ sich erneut nicht konsequent in andere Spielphasen übertragen – in Kombination mit der individuellen Qualität reicht dies schlichtweg nicht aus, um gegen dieses Kaliber zu bestehen.

MX machte sich in Regensburg mit seiner Vorliebe für die Verübersachlichung des Spiels einen Namen. Dabei flirtete er mit der RB-Schule, blieb aber heimlich immer ein Romantiker für Guardiolas Fußballkunst.

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