Arsenal zeigt sich anpassungsfähig – FN

1:3

Mit Inter und Arsenal trafen am sechsten Spieltag der Ligaphase zwei der bisherigen Topperformer der Champions League Saison im San Siro aufeinander. Das Spiel war durch die frühen Tore, sowie die sehr gute Arbeit beider Teams gegen den Ball geprägt, was zu wechselnden Spielphasen führte. Letztlich setzte sich Arsenal mit 1:3 durch. Wir beleuchten, was in dieser Partie den Ausschlag gab.

Der englische Tabellenführer reiste mit einer Serie von wettbewerbsübergreifend elf ungeschlagenen Spielen nach Mailand und war vor dem Spiel bereits für das Achtelfinale qualifiziert. Aus Gründen der Belastungssteuerung veränderte Arteta die Startelf in der 4-3-3 Grundordnung gegenüber dem letzten Ligaspiel auf gleich sieben Positionen. Vor Torhüter Raya rückte Mosquera neben Saliba in die Innenverteidigung. Flankiert wurden diese von Timber rechts und Lewis-Skelly links. Die Sechs besetzte Zubimendi. Vor ihm auf den Achterpositionen agierten Merino und Eze. Die offensive Dreierreihe bildeten von links nach rechts Trossard, Jesus und Saka.

Auch Inter führt nach den jüngsten Siegen gegen Udinese und Lecce die heimische Liga an und präsentierte sich zuletzt in Topform. Chivu setzte wie gewohnt auf eine 3-5-2 Grundordnung. Sommer stand zwischen den Pfosten. Vor ihm bildeten Bastoni, Acerbi und Akanji die Dreierkette. Auf der Sechs musste man weiterhin auf Calhanoglu verzichten. Die Rolle des Solosechsers füllte deshalb Zielinski aus. Sucic und Barella gaben die Achter, während Dimarco und Henrique als Flügelverteidiger agierten. Die Doppelspitze setzte sich aus Martinez und Thuram zusammen.

Arsenal erzwingt lange Bälle

Von Beginn an agierte Arsenal spieldominant und stellte den Aufbau Inters hoch zu. Inter baute aus einem 4-1-3-2 heraus auf. Hierbei schob Zentralverteidiger Acerbi in den Sechserraum, was die Zirkulationswege in der Kette auf die aus der höheren Position in der Breite abkippenden Flügelverteidiger erleichtern sollte. Durch die Auslösung Arsenals reid dies jedoch eher gegenteilige Effekte hervor. Über die enge Manndeckung von Jesus auf Acerbi gelang es zudem kaum die Dynamik des Aufschiebens von Acerbi in den Rücken eines möglichen Anläufers zu nutzen. Stattdessen hatte man aufgrund des zusätzlichen Personals im Zentrum eher Probleme direkte Passwege von den Halbverteidigern auf die Achter Sucic und Barella zu finden.

In der Regel sucht Inter im flachen Aufbau häufig den entgegenkommenden Flügelverteidiger, um von dort diagonal ins Zentrum einzudribbeln beziehungsweise das direkte Wandspiel auf die Stürmer zu suchen. Arsenal nutzte deshalb die Außenstürmer Trossard und Saka als erste Anläufer. Saka lief häufig im Halbraum startend Bastoni im Bogen von außen nach innen an. So konnte der Weg auf die Flügelverteidiger erfolgreich isoliert werden. Aufgrund der nach außen gerichteten Körperhaltung von Bastoni verlor dieser im Abdrehen und durch den Rückpass auf Sommer Zeit. Diese Zeit nutzte Trossard, um von links durch Akanji durchzupressen und bei Ballannahme von Sommer von der ballfernen Seite sofort Druck auszuüben. So povozierte Arsenal in der Anfangsphase mehrfach lange Schläge von Sommer.

Die Funktion der Zentrumsspieler Inters bestand hauptsächlich darin durch Entgegenkommen an die eigene Box die Manndecker zu binden und den Zwischenlinienraum für das Diagonalspiel der Flügelverteidiger auf die Stürmer freizuziehen. Entsprechend wollte man auf Ablagen nachschieben, sowie den Flügelverteidigern durch die tiefe Positionierung im Halbraum Kombinaitonsmöglichkeiten geben. Dadurch ließ das Freilaufverhalten durchaus zu wünschen übrig und Inter suchte kaum den Weg ins Zentrum.

Aufgrund der hohen physischen Präsenz der Zentrumsspieler Merino, Zubimendi und Eze, sowie dem auf Martinez Abkippbewegungen herausverteidigenden Saliba gelang es Arsenal zu Beginn der Partie mehrfach die unkontrollierten langen Schläge von Sommer für sich zu gewinnen. Inter tat sich schwer sich dauerhaft aus der eigenen Hälfte zu befreien, während Arsenal sich über die gewonnenen zweiten Bälle mit ein paar längeren Ballbesitzphasen belohnte.

Arsenal attackiert den ballfernen Halbraum

Im hohen Aufbau agierte Arsenal gegen das 5-3-2 Mittelfeldpressing Inters aus einem 2-3-4-1 heraus. Eine entscheidende Rolle in der Progression Arsenals spielte die Rolle der halbräumig agierenden Außenverteidiger Lewis-Skelly und Timber. Durch die etwas eingerückte Positionierung stellte Timber mehrfach eine Verbindung von Saliba in die Breite auf Saka her.

Dadurch, dass die Stürmer Martinez und Thuram sich an Sechser Zubimendi orientierten, konnte Timber in dieser Zwischenebene von außen auf den Block andribbeln. Dies löste die horizontale Verschiebung der Mittelfeldkette aus und Sucic war gezwungen diagonal auf Timber herauszuverteidigen und seinen Mannbezug auf Merino aufzugeben. Dies riss Lücken in der Verschiebebewegung Inters. Gerade Zielinski offenbarte hier Schwächen und schob oft zu spät nach. Bastoni orientierte sich durch das Fehlen des Sechsers etwas aus der Kette heraus und agierte auf dem Sprung auf Merino, um diesen bei diagonalem Anspiel voll aufzunehmen. Dadurch konnte nach Herstellen der Verbindung von Timber in die Breite auf Saka mehrfach Dimarco in ein 1gg1 isoliert werden. Durch den diagonalen Pressingwinkel von Sucic hätte Bastoni sich gar nicht so direkt an Merino orientieren müssen und viel früher ins Doppeln gegen Saka gehen können

Über Sakas typisches Andribbeln gegen Dimarco gewann Arsenal zunehmend an Höhe und Inter fiel bis an die eigene Box. Unterstützt wurde jenes Dribbling durch Vorderlaufen von Timber. Dieser zog die Läufe jedoch nicht immer durch und setzte sich mehrfach nach Mitziehen von Sucic als Rückpassoption ab. Auch Zubimendi wich mehrfach nach rechts aus und bot eine drucklösende Option für Saka, die dieser auch meist wahrnahm. Über den Höhenverlust Inters, aber auch das durch das Andribbeln Sakas intensivierte Verschieben der Mittelfeldkette öffneten sich für Arsenal ballfern im Zentrum Räume.

So entstand dort ein 2gg1 des eingerückten Linksverteidigers Lewis-Skelly und Eze gegen Inters ballfernen Achter Barella. Zubimendi setzte sich mehrfach gut von Martinez ab und verlagerte in diese Überzahl hinein. So auch vor dem 1:0, als Zielinski und Barella auf den ballführenden Eze herausverteidigten. Über Wandspiel des entgegenkommenden Jesus konnte Arsenal mit Lewis-Skelly und Merino den Zwischenlinienraum im Rücken von Zielinski und Barella bespielen. Durch Nachschieben von Saka und Timber, kam der Niederländer zum Abschluss, der zum Tor führte.

Diese Lücken in der Horizontalverschiebung sind generell eine der größten Schwachstellen des 5-3-2. Gerade gegen aus der Zwischenebene auf den Block andribbelnde Gegner ist es schwierig erfolgreich Druck auf diese auszuüben und gleichzeitig die Abstände im Zentrum eng zu halten. Nach schneller Verlagerung können ballfern jene Unterzahlsituationen in gefährlichen Zonen nur noch schwer geschlossen werden. Eine mögliche Lösung wäre ein besseres Rückleiten der Rückpässe Arsenals, um bei diesen Rückpässen direkt den Zentrumszugang zu blocken. Martinez löste sich nach Pass auf Timber meist früh von Zubimendi und presste unterstützend rückwärts. Dabei agierte dieser jedoch zu sehr mannfokussiert und versuchte so schnell wie möglich ein 2gg1 gegen Timber beziehungsweise ein 3gg2 gegen Saka und Timber herzustellen. So war er bei Zubimendis Ausweichbewegungen meist schon zu tief und es gelang nicht mehr den direkten Zentrumszugang zu blocken. Thuram agierte in diesen Situationen zusätzlich etwas zu passiv und übernahm Zubimendi nach Rückwärtspressen von Martinez nicht.

Inter passt den Aufbau an

Schon nach den ersten Minuten reagierte Inter im Aufbau auf den hohen Druck Arsenals. In der ersten Aufbaulinie agierte Zentralverteidiger Acerbi nun als linker Innenvertediger, sodass Bastoni in die Breite schob und Dimarco eine höhere Position einnahm. Auch Akanji agierte als rechter Innenverteidiger etwas breiter und band Trossard.

Nach Anspiel von Sommer auf Acerbi löste gezwungenermaßen nun Jesus im Bogen auf auf diesen aus. Durch den Bogenlauf isolierte Jesus zwar den Passweg auf Sucic und Saka stellte weiterhin Bastoni zu, allerdings tat sich der Brasilianer dadurch schwer im Durchpressen über Acerbi effektiven Druck auf Sommer zu erzeugen. Dies lag am langen Pressingweg, aber auch am flachen Pressingwinkel des weiten Bogenlaufs. Zusätzlich setzte sich Sommer nach Anspiel etwas nach rechts ab, um seinen Zeitvorteil weiter zu verstärken. Dem Schweizer gelang es nun deutlich besser Zielspieler Thuram mit kontrollierten langen Bällen in den Fuß des Stürmers zu finden.

Inter isolierte gegen die Manndeckung Arsenals bewusst Mosquera in ein 1gg1 gegen Thuram. Wie bereits erwähnt zogen Sucic und Zielinski über Entgegenkommen den Zwischenlinienraum als Ablageraum frei. Dieser wurde mehrfach vom nachstoßenden Barella und dem Abkippen von Martinez besetzt. Der Argentinier stellte dabei durch sein weites Abkippen Saliba wiederholt vor Probleme. Zunächst ging Saliba die Bewegungen noch mit, sobald der lange Ball geschlagen wurde, setze sich dieser allerdings ab, um Mosqueras Rücken zu sichern. Dadurch agierte Zubimendi im Sechserraum meist in einer 1gg2 Unterzahl gegen Martinez und Barella.

Das Duell zwischen Thuram und Mosquera entwickelte sich mehr und mehr zum Schlüsselduell. Nachdem man zu Beginn noch Probleme mit der Physis Arsenals hatte, fand Inter über eine Reihe festgemachter Bälle nach dem 0:1 immer besser in die Partie und gewann an Momentum. Über das erfolgreiche Wandspiel von Thuram entwickelte man direkt eine gewisse Dynamik in Torrichtung. Inter suchte stets auf sehr direktem Weg über die nachrückenden Flügelverteiger die Tiefe, verpasste es jedoch noch diese Aktionen zielstrebig zu Ende zu spielen.

Spielmacher Martinez

Auch im höheren Aufbau zeigte die Doppelspitze aus Martinez und Thuram eine sehr interessante Dynamik. Die Zentrumsspieler hatten gegen das 4-4-2 Mittelfeldpressing Arsenals hauptsächlich eine freiziehende und nachschiebende Funktion. Dies sorgte für erhebliche Zugriffsprobleme der Stürmer Arsenals. Diese taten sich gegen die ausweichenden Bewegungen von Sechser Zielinski schwer das Zentrum zu halten. Gerade Jesus agierte häufig unentschlossen, ob er in einen engeren Mannbezug übergehen und Zielinskis Ausweichen verfolgen sollte oder das Zentrum sichern sollte.

Zudem war eines der grundsätzlichen Probleme eines Doppelsturms im Mittelfeldpressing zu beobachten. Gerade bei Teams ohne Ankerspieler auf der Sechs tut man sich schwer konstant den Zentrumzugang zu blocken und es entstehen vertikale Passwege zwischen den Stürmern. Ein klarerer Mannbezug oder der Versuch in den Pressingübergang zu kommen können hier Klarheit schaffen. Auch wenn der Übergang in die Auslösung durch den beweglichen gegnerischen Sechser durchaus anspruchsvoll in der Koordination ist.

Zielinski besetzte den Sechserraum also nicht statisch. Stattdessen wich dieser wiederholt in den Halbraum aus, um Entscheidungsprobleme von Jesus hervorzurufen und den Passweg zwischen den Stürmern zu vergrößern. Auch die Achter wichen aus ihrer initial tiefen Positionierung im Halbraum aus. Barella bewegte sich mehrfach in die letzte Linie, um in der Spielfortsetzung für Tiefe zu sorgen. Sucic hingegen wich auf der ballfernen Seite in die Breite aus. Die Hauptfunktion des Kroaten war hierbei Merino zu binden, sodass dieser die abkippenden Bewegungen von Martinez nicht ohne weiteres aufnehmen konnte. Inter ließ in diesen Freiziehbewegungen bewusst den linken Halbraum für Bewegungen von Martinez offen. Dieser nahm eine spielmachende Rolle ein und bot sich mehrfach kurz im Sechserraum für die Innenverteidiger an, um mit dem Rücken zum Tor Kane esque Verlagerungen auf Henrique zu schlagen.

Saliba verfolgte dieses Abkippen konsequent. Gerade deshalb hätte sich gegen die geschwächte Tiefensicherung Arsenals ein diagonales Einlaufen von Sucic oder Dimarco angeboten, um die Tiefe über eine Flanke direkt zu attackieren. Stattdessen taten sich die Gunners nach Verlagerung recht leicht die Tiefe zu sichern und die Dynamik aus der Situation zu nehmen. Durch die lange Flugzeit der Verlagerung konnte Trossard Henrique direkt stellen. Dadurch konnte Timber die Tiefenläufe von Barella aufnehmen, wodurch Henrique weitgehend isoliert im 1gg1 agierte.

Mehrfach kippte Zielinksi auch in die erste Aufbaulinie zwischen die Halbverteidiger und Acerbi. Dies löste eine größere Rotation im Spiel Inters aus: Bastoni schaltete sich links in den offensiven Halbraum ein, während Sucic für Zielinski auf der Sechs auffüllte. Diese Rotation löste merkliche Komunikations- und Entscheidungsprobleme auf Seiten von Arsenal aus.

Nachdem Jesus Sucic im Zentrum übernahm, zögerte Merino zunächst im Rausschieben auf Zielinski, versuchte dann jedoch langsam den Vertikalpass auf Martinez isolierend Druck auf Zielinski auszuüben. Der Knackpunkt der Rotation war das Aufnehmen von Bastoni. Arsenals Außenverteidiger agierten gegen den Ball größtenteils tiefensichernd. Dies hatte den Hintergrund, dass Timber so das aggressive Herausverteidigen von Saliba absichern konnte. Durch den Fokus auf die Tiefensicherung entschied er sich gegen ein Rausschieben auf Bastoni. Dieser konnte sich dadurch im Zwischenlinienraum aufdrehen und Martinez als Kreativspieler auf die Kette zulaufend einsetzen. Saliba reagierte auf das Aufdrehen von Bastoni instinktiv und sicherte sofort die Tiefe. Er konnte dadurch allerdings auch nicht mehr den Steckball auf Thuram verhindern. Dementsprechend kam Thuram zum Abschluss und Sucic erzielte über den Abpraller sehenswert per Distanzschuss das 1:1.

Arsenal nimmt Tempo raus

Ähnlich wie nach dem ersten Tor drehte auch nach dem Ausgleich Inters das Momentum zuungunsten der torerzielenden Mannschaft. Erneut spielte das Schlüsselduell zwischen Thuram und Mosquera eine entscheidende Rolle. Der junge Spanier entschied in dieser Phase die Mehrheit der Duelle für sich. Inter suchte zwar weiterhin die langen Bälle auf Thuram, fand allerdings nur noch selten erfolgreich ins Wandspiel. Die erfolgreichen Momente spielte man zusätzlich nicht sauber zu Ende, wodurch Arsenal mehrfach aus dem Spiel heraus tief aufbauen konnte. Inter ging dagegen direkt in ein aggressives manndeckendes Zustellen über.

Arsenal agierte im tiefen Aufbau aus einem breiten Dreieraufbau mit Raya als zentralem Spieler. Die Außenverteidiger schoben als Folge etwas höher. Raya nahm eine entscheidende Rolle ein. So versuchte dieser wiederholt das Auslösen eines der beiden Stürmer zu locken. Inter blieb jedoch zumeist beim Zustellen und lief den Torhüter nur situativ an. Durch das Halten des Balles gelang es Raya allerdings das Spiel etwas zu beruhigen. Sollte Martinez dennoch auf den Spanier auslösen umspielte Arsenal dies zumeist über Zubimendi, um über Ablagenspiel Saliba freizuspielen. Durch das Hochschieben Timbers entstand dann ein großer Raum, den Saliba durch Andribbeln überbrückte und sich so von seinem Manndecker Martinez mit Ball löste.

Bei Nichtauslösen auf Raya wählte dieser nach einiger Zeit das kurze Anspiel auf Zubimendi. Dieser kippte zunehmend zentral in einen Dreieraufbau. Zielinski verfolgte die Bewegung nicht, wodurch Inter in diesen Momenten recht schnell in der Höhe fiel. Zielinski gab seine Mandeckung auf und nahm eine absichernde Funktion in der Mittelfeldkette ein. Inter agierte so vermehrt aus dem 5-3-2 Mittelfeldpressing und wartete auf den Moment der Auslösung.

Durch das Fehlen von Zubimendi im Sechserraum fehlte es Arsenal an Optionen in den Blok Inters zu spielen. Man präferierte die Progression um den Block auf die Außenstürmer, weshalb der Sechserraum nur sporadisch durch Merino nachbesetzt wurde. Timber stellte wie bereits thematisiert weiterhin eine Verbindung auf Saka her. Dessen Dribblings sorgten wiederholt für ein Zurückdrängen Inters. Auch Trossard sorgte nach Verlagerungen durch die Kette durch Andribbeln auf Henrique für Progression. Über die Außenverteidiger bildete man ein gutes Zirkulationsnetz um den Block. So boten diese Rückpassoptionen, wodurch es gelang die gewonnene Höhe zu halten und die Zirkulation zu sichern. Arsenal wurde in dieser Phase deutlich balldominanter und kontrollierter. Mit zunehmender Spieldauer suchten Saka und Trossard auch vermehrt den Durchbruch im 1gg1 in Richtung Grundlinie. Über Flanken, sowie Klärungsaktionen Inters gelang es Arsenal wiederholt zu Eckbällen zu kommen und dadurch eine ihrer größten Stärken auszuspielen. Über diverse Varianten war man nach diesen Standardsituationen stets gefährlich und erzielte so auch in der 31. Minute das 2:1 durch Jesus.

Inter fehlte es in der Phase vornehmlich an Zugriff gegen das Abkippen Zubimendis. Zudem zog Dimarco im 1gg1 gegen Saka mehrfach den Kürzeren, wodurch Arsenal erst diesen Druck aufbauen konnte. Der Knackpunkt war jedoch die fehlende Entlastung und das zunehmend auf die Seite von Mosquera kippende Schlüsselduell gegen Thuram. Inter tat sich so trotz einiger guter Lösungen mit Ball gegen die ballsicheren Gunners schwer in längere Ballbesitzphasen zu kommen.

Zweite Halbzeit

Ergebnisbedingt agierte Inter unmittelbar nach der Pause spielbestimmender im höheren Aufbau gegen ein Arsenal, das zunehmend im 4-4-2 Mittelfeldpressing agierte. Inter war weiterhin sehr darauf fokussiert die Passwege auf den abkippenden Martinez freizuziehen und über dessen Spielmacherqualitäten Dynamik in der Vorwärtsbewegung zu erzeugen. Arsenal stellte sich in der zweiten Halbzeit jedoch deutlich besser auf diese Bewegungen des Argentiniers ein. Zusätzlich zum bereits besprochenen vertikalen Pressinwinkel von Merino gegen den abkippenden Zielinski agierte Saka nun etwas eingerückter, um den diagonalen Passweg auf Martinez zu isolieren. Man wollte bewusst den Pass von Bastoni auf Dimarco in die Breite erzwingen. Dieser agierte durch den diagonalen Pressinwinkel von Saka aus dem Zentrum heraus jedoch weitgehend isoliert, da ihm die zentralen Passoptionen fehlten. Bei höherem Anspiel auf Dimarco sprang zusätzlich Timber aus der Kette und übte direkten Gegnerdruck aus. Wiederholt versuchte deshalb Bastoni durch Druchschieben im Halbraum nach Abspiel in die Breite in Spiel und Geh Muster zu kommen. Dadurch gelang es Inter eine gewisse Dynamik ins Spiel zu bringen und man profitierte von Bastonis Passspiel auch in höheren Zonen. Über die Tiefe gebenden Thuram und Barella gelang es zwar erfolgreich die Tiefe zu bespielen, klare Torchancen blieben allerdings aufgrund des effektiven Herausverteidigens der Innenverteidiger der Gunners aus.

Inter tat sich zu Beginn der zweiten Halbzeit trotz Überlegenheit noch dementsprechend schwer. Das Spiel blieb durch die Ballverluste in der Vorwärtsbewegung auch ähnlich abwechslungsreich wie in der ersten Halbzeit. Nach Ballgewinnen im Mittelfeldpressing suchte Arsenal nun zügig den Weg nach vorne und versuchte über Konter die Entscheidung zu besorgen. Inter suchte aus dem Aufbau ähnlich wie in der ersten Halbzeit weiterhin den langen Ball in Richtung Thuram, um über dessen Wandspiel in die Tiefe zu kommen. Arsenal zeigte aus ihrem manndeckendem Angriffspressing eine sehr gute Rückwärtsbewegung. Gerade die Außenverteidiger und Merino konnten wiederholt Ablagen unterbinden. Über den Gewinn dieser zweiten Bälle gelang es Arsenal für nötige Entlastung durch eigenen Ballbesitz zu sorgen. Dies lag auch daran, dass Inter sich im Übergangspressing weiterhin schwertat. Gerade im Durchschieben war man nicht konsequent genug. So presste mehrfach einer der Achter auf den abgekippten Zubimendi heraus ohne, dass einer der Halbverteidiger auf Merino herausverteidigte. Dieser bewegte sich wiederholt sehr gut im Zwischenlinenraum aus dem Deckungsschatten des auspressenden Achters heraus, um als freier Mann aufzudrehen.

Eine Veränderung der Spielanlage brachten schließlich die Wechsel Inters in der 65. Minute. Für Martinez und Barella brachte man mit Esposito und Frattesi unterschiedliche Profile. Esposito nahm die Position des rechten Stürmers neben Thuram ein, der nun auf als linker Stürmer agierte. Esposito verfügt über ein exzellentes Verständnis für abkippende Bewegungen. Mit seinen 1,89m Körpergröße verfügt er zudem über Qualitäten im Wandspiel. Aus nahezu jeder Lage suchte Inter nun im hohen Aufbau den Vertikal beziehungsweise Diagonalpass in den Zwischenlinienraum auf den jungen Italiener. Entscheidend hierfür war die veränderte Dynamik im Zentrum. Frattesi agierte für Barella jetzt noch klarer in der letzten Linie und hatte mit seinen diagonalen Läufen von rechts in die Box eine Tiefe gebende Funktion. Dadurch band dieser Zubimendi in der letzten Linie, was das Blocken der Passwege im Zentrum weiter schwächte. Zielinski und Sucic agierten im Aufbau nun etwas tiefer in einer Doppelsechs. Die beiden wichen wiederholt in die Halbräume vor den Pressingwall aus oder kippten gar zwischen Acerbi und die Halbverteidiger. Gerade Zielinski fand dadurch wiederholt Passwege auf Esposito. Inter erzeugte dadurch in dieser Phase des Spiels eine echte Drangphase. Dies lag auch daran, dass Esposito eine Reihe an Fouls zog und den Ball sehr gut hielt. Über Ablagen auf die Flügel kam man auch immer wieder zu Flanken und mehreren guten Abschlüssen.

Zumindest zu hinterfragen ist aufgrund dieser Drangphase die Auswechslung von Zielinski. Für ihn kam mit Bonny ein zusätzlicher Stürmer. Jedoch beraubte man sich durch diesen Wechsel an spielerischer Qualität, um Esposito weiterhin konstant im Wandspiel einzusetzen. So blieb eine große Schlussoffensive aus und Arsenal fand in den letzten zehn Minuten wieder zu mehr Kontrolle und verwaltete das Ergebnis. Über den eingewechselten Gyökeres erzielte man über einen sauber zu Ende gespielten Konter die Entscheidung zum 3:1.

Fazit

In einem von unterschiedlichen Phasen geprägten Spiel zeigt Inter wiederholt gute Ansätze im Ballbesitzspiel. Gerade das Wandpsiel und das Freiziehen des Zentrums gehörten hier zu den Kernkompetenzen der Italiener. Arsenal passte sich sehr gut dem Spielverlauf an und übernahm bis auf die Phase vor dem Tor zum 1:1 die Kontrolle über das Spiel. In der zweiten Halbzeit verwaltete man das Ergebnis erneut bis auf einzelne Phasen sehr gut. Dementsprechend geht der Sieg für Arsenal trotz einer guten Leistung Inters in einem munteren Spiel in Ordnung.

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