Q&A – Rangnick, Rose, Terzić, Kimmich, Man United uvm.

In dieser Ausgabe geht es unter anderem um die Nachfolge des Bundestrainers, den Zustand von Borussia Dortmund, die Leistungen von Ole Gunnar Solskjær, aber auch um den Abstiegskampf in der 3. Liga.

Daniel 10. April 2021 um 13:06

Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, was die Diskussion über den Salary Cap soll, wenn nichtmal die viel laschere Regel des FFP umgesetzt werden kann. Der Fußball hat kein Regelproblem, sondern ein Vollzugsproblem, wie spätestens der Freispruch Manchester Citys durch selbst eingesetzte Richter beweist. Solange Teams wie City, Chelsea oder Paris, die durch mindestens dubios (höchstwahrscheinlich kriminell) erworbenes Geld in die Weltspitze gekauft wurden nicht konsequent aus allen Wettbewerben ausgeschlossen werden ist es doch ein Witz, sich über das Gehaltsniveau aufzuregen.

„Es gibt Juristen, die sagen, das wäre möglich innerhalb der EU.“
Nur ist der Hauptpreistreiber im europäischen Fußball (England) gar nicht (mehr) in der EU. Ein Salary Cap nur für die EU wäre ja mal kompletter Quatsch. Die US-Ligen haben insofern eine andere Situation, dass sie eine Monopolstellung haben, da sie mit mehr (NFL, MLB) oder weniger (NBA, NHL) riesigem Abstand die größten und wichtigsten Ligen der betreffenden Sportart sind und jeder ambitionierter Sportler deshalb an die Liga gefesselt ist. Dass ein Verein außerhalb dieser Ligen das vom Salary Cap maximal erlaubte Gehalt einfach überbietet und damit die betreffende Liga leerkauft kann in diesen Sportarten nicht passieren, wäre aber zwangsläufig das Schicksal jeder Fußballliga, die sich eine solche Beschränkung auferlegt (es sei denn der Salary Cap wäre ohnehin auf dem obersten Gehaltslevel und somit praktisch bedeutungslos). Wenn überhaupt müsste man das mindestens UEFA-weit, besser komplett weltweit machen und das ist weder juristisch möglich noch politisch durchsetzbar.

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Koom 12. April 2021 um 14:00

So schauts aus. Die Gesetze und Regelungen sind da – aber die Umsetzung ist dann halt doch dürftig. Nicht nur im Fußball so – wenn es zu viel Aufhebens ist oder gar Geld kostet, dann lässt man es lieber durchgehen. Kapitalismus at its worst.

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Taktik-Ignorant 27. März 2021 um 12:37

Vielen Dank für die Erläuterungen und die ausführliche Antwort! Eine kleine Anmerkung: ich persönlich würde von den verfügbaren Trainern (Flick gehört für mich wegen seines laufenden Vertrags nicht in diese Kategorie) auch Rangnick für den besten halten, aber dann müssten Bierhoffs Kompetenzen massiv beschnitten werden. Aber gerade weil der über den Tellerrand hinausdenkt und systematische Aufbauarbeit leisten kann, die in den Nachwuchs- und Amateurfußball hineinwirken könnte, hielte ich ihn für eine gute Lösung. Fußballfachlich gehört er ohnehin auch in die erste Trainerkategorie.

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rb 25. März 2021 um 19:08

Passt nicht richtig hierhin, aber dazu würde mich eine Diskussion interessieren: Gibt es etablierte Verfahren oder zumindest Potentiale für die Nutzung psychologischer Rollenkonzepte für die Ausbildung von Spieler(rolle)n?

Meine Frage ist einerseits angetrieben von Erfahrungswerten aus meiner eigenen unterklassigen Fußballerfahrung: Mir ist immer wieder aufgefallen, dass Spielerrollen/-typen/Spielweisen mit der
Persönlichkeit von Spielern übereinstimmen. Die Impulsiven, die auf dem Platz auch zwischen Genie und Wahnsinn pendeln. Die Solide-Langweiligen, die auf dem Platz Unterstützerrollen haben und die Mannschaft unspektakulär am Laufen halten. Die Filous, die auch auf dem Platz für schlitzohrige Aktionen gut sind. usw.
Mehr Kaffeesatzleserei, aber vielleicht auch nicht ganz so far fetched: Das kann man auch bei Profispielern beobachten. Um mal zwei beliebige Beispiele rauszugreifen – Busquets und Dembele spielen beide jeweils die
Rolle, die auch zu ihren Persönlichkeiten außerhalb des Platzes passen.

Meine Frage ist andererseits angetrieben, weil ich in den vergangenen Jahren immer wieder in Berührung gekommen bin mit psychologischen Persönlichkeitskonzepten (zuletzt mit 16 personalities), die z.B. im
(Life-)Coaching-Bereich, aber u.a. auch mit Blick auf Rollen/Einsatzmöglichkeiten im Arbeitsumfeld angewendet werden. Und was sind Spielerrollen anderes als Arbeitsrollen?

Meine Überlegung: Macht es nicht total viel Sinn, z.B. im Nachwuchsbereich Persönlichkeitsmuster früh und strukturiert zu erkennen, um Spieler ganz gezielt und persönlichkeitsgerecht für Rollen auf dem Platz weiterzuentwickeln. Um eben zu verhindern, dass man an einen Dembele mit der Busquets-Schablone rangeht? (Die Scholls würden sagen: Die Straßenfußballer sollen garnicht zehn Systeme rückwärts pfurzen
können ;]).
Ich bin mir dabei im Klaren, dass hier wahrscheinlich schon intuitiv und implizit viel läuft, mit fähigen Kräften in diesem Bereich – z.B. Jugendcoaches mit guter Menschenkenntnis – auch erfolgreich.
Aber gibt es da nicht noch Potentiale, das viel stärker zu konzeptionalisieren und unabhängiger vom eye test zu machen? Bzw. gibt es hier schon Anwendungsfälle?

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tobit 25. März 2021 um 19:54

Die allermeisten Menschen sind in ihrer Persönlichkeitsentwicklung vielleicht so gerade mit Ende einer klassischen Profikarriere fertig. Bei Jugendspielern ist da also noch unheimliche Unsicherheit drin.
Und ob die Bereitschaft bei Fussballern überhaupt hoch genug ist, sich damit ernsthaft auseinanderzusetzen, bezweifle ich auch. Letztes Beispiel wäre da das Interview von Schürrle, dass es in der Kabine oft nur drum ging mit neuem, teurem Spielzeug zu prollen.

Grundsätzlich passen die Persönlichkeitsschablonen wahrscheinlich oft auch auf die Spielertypen. Aber man läuft mit ihnen denke ich mindestens genauso Gefahr jemanden in die falsche Schablone zu pressen, nur weil er als Jugendlicher vllt etwas stiller oder lauter war.

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rb 26. März 2021 um 21:16

Danke dir für die Einordnung. Ich würde aber im Sinne verschiedener Persönlichkeitstypologien unterscheiden zwischen Persönlichkeitsentwicklung und Persönlichkeitsgrunddispositionen. Bestimmte Grunddispositionen (z.B. Introversion vs. Extraversion oder Intuition vs. Sensorik) sind schon in sehr jungen Jahren angelegt und verändern sich im Laufe eines Lebens selten. Persönlichkeitsentwicklung ist ja zumeist auch nicht das Entwickeln auf irgendein Ziel hin, sondern das Freilegen des eigenen Wesens („Finde dich selbst“).
Das Kabinen-Rumgeprolle ist m.E. auch eher etwas an der Oberfläche und nicht unbedingt aussagekräftig für die Grunddispositionen, die ich meine und wozu man eine konzeptionell fundierte Testung nutzen müsste (Myers-Briggs usw.). Wirklich damit auseinandersetzen müsste sich ein Spieler damit jenseits eines einstündigen Tests nicht einmal (auch wenn es für die persönliche Weiterentwicklung sicherlich sinnvoll wäre), aber fähige Leute könnten die Erkenntnisse dieser Tests nutzen, um den Umgang mit dem jeweiligen Spieler besser zu steuern.

Die Gefahr eines Fehlurteils besteht natürlich – d.h. natürlich auch weiterhin: Der eye test ist ja auch durchaus fehleranfällig. Könnte aber nicht eine solche konzeptionelle Typisierung die menschliche Einschätzung/Menschenführung substantiell ergänzen, gewissermaßen so ähnlich wie beim Zusammenspiel von Scouting und datenbasierter Spieleranalyse?

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hannes 26. März 2021 um 10:12

ich habe letztes jahr zu diesem thema einen vortrag auf der football online konferenz gehört; es war (glaube ich) ein vertreter von eintracht braunschweig. sie haben fußballer in verschiedene kategorien eingeteilt, ihren kader entsprechend analysiert und ein ungleichgewicht festgestellt. die kategorien waren dabei:
– künstler (brauchen freiheiten + wertschätzung der mannschaft, können dann aber auch spiele entscheiden)
– soldaten (befolgen anweisungen konsequent und setzen diese um)
– musterprofi (taktisch/ athletisch, aber keine führungspersönlichkeit)
– führungsspieler (selbsterklärend)
das ist jetzt keine großartige persönlichkeitsanalyse, aber schon mal eine kombination von spielertyp und persönlichkeitsprofil. ergebnis war in etwa, dass man 1-3 führungsspieler braucht und nicht mehr als 3 künstler in mischung mit soldaten/ musterprofis, dass ein stabiles mannschaftsgefüge für verschiedene situationen entsteht (führung verwalten/ rückstand aufholen/ umkämpfte partien…)

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rb 26. März 2021 um 21:19

Danke dir für den Input, hoch spannend!
Da scheint die Spielereinschätzung zumindest etwas expliziter mit einem solchen Persönlichkeits-/Rollenkonzept vorgenommen worden zu sein. Spannend für meine Überlegung wäre es zu wissen, auf welcher Basis diese Einschätzung stattgefunden hat – ob konzeptionell oder „einfach“ via eye test.

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tobit 27. März 2021 um 14:53

So ähnlich lief das meine ich auch schon bei Klopps BVB, zumindest passt die Einteilung verdammt gut auf die damaligen Kader. Ich erinnere mich da noch an die Stichworte „Häuptlinge“ und „Indianer“.

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Koom 28. März 2021 um 22:09

Die Bezeichnungen hab ich auch schon mal gehört, geistern also definitiv schon ne zeitlang rum. Ich meine sogar, irgendwelche uralten Bundesliga-Manager-Spiele hatten sowas gehabt und mit einbezogen, ist also definitv kein ganz neues Konzept.

Und ja, Persönlichkeitstests sind durchaus relevant, denn es braucht eine gewisse Mischung. Wichtig dabei ist allerdings auch, dass man solche Tests ehrlich beantwortet, was u.U. schwierig ist beim entsprechenden Persönlichkeitsstand.

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[email protected] 29. März 2021 um 10:49

Können sie eigene Schwächen gut zugeben?
– ja
Welche Schwächen haben sie?
– keine

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rb 1. April 2021 um 10:58

Interessante Koninzidenz: Just diese Woche beschäftigt sich der spacespacespace-Newsletter genau mit dem Thema „What’s Your Midfield Personality Type?“ 😀
Alles mit einer gewissen Distanziertheit und Kritik gegenüber Persönlichkeitsmodellen (s. Barnum-Effekt) und eigentlich the other way around und mit einem gewissen Augenzwinkern: Lassen sich aus Statistiken „Spielerprofil-Persönlichkeiten“ herauslesen…. aber genau darüber findet sich doch eine interessante Typologisierung der untersuchten Spieler: Busquets als effizienter, analytischer, systematischer, zuverlässiger „Supervisor“, Thomas Müller als „Architect“ (“Original thinkers who enjoy speculation and creative problem solving” ), Gini Wijnaldum als Composer („helpful, flexible, realistic“). Das war ja gewissermaßen genau mein point of departure 😀
Siehe https://spacespacespaceletter.com/

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[email protected] 24. März 2021 um 19:26

Da mir gerade noch eine Frage einfällt, die ich ungern vergessen würde:

ist bekannt, dass es Taktiken gibt, Spieler, die für bestimmte Räume defensiv zuständig sind, kaputtzuspielen?

Beispielsweise, dass 3 bis 4 offensive Spieler, 1 bis 2 defensive Spieler mit intensiven Läufen beschäftigen, um einen Korridor freizubekommen, in den ein noch vollsprintfähiger Spieler reinstoßen kann?

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AG 23. März 2021 um 18:19

Danke für das Video und den Anstoß für einige spannende Diskussionen 🙂
Eine Folgefrage habe ich aber: was unterscheidet dein bevorzugtes System von Klopps Liverpool?

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CE 23. März 2021 um 21:56

Bei Klopp scheint mir der Fokus auf die Außenverteidiger im Spielaufbau höher. Ich habe ja etwas ausführlicher über Sechser und das Freilaufverhalten gesprochen. Darin könnte ein Unterschied bestehen.

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