Leipzig, Wolfsburg, Frankfurt – Bayern-Verfolger in der Analyse

Hinter Bayern München rangieren aktuell einige Überraschungsteams. Doch warum stehen gerade VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt so weit oben?

Gigi 11. Februar 2021 um 10:43

Ich glaube die Wolfsburger kommen hier ein bisschen schlecht weg.
Das, was die Wölfe in diesem Jahr stark macht ist deren Entwicklung bzw. die Vereinsphilosophie der letzten 2 Jahre mit Schmadtke und Schäfer an der Spitze. „Werte schaffen“ statt „Werte kaufen“! Mehrwerte generieren und das bei sinkendem Personaletat um rund 25% (und wenn Bruma am Ende der Saison geht, dann sind das auch nochmal rund 4Mio.€/a weniger). Eine Mannschaft, die im letzten Jahr bereits gut funktioniert hat, wurde punktuell verstärkt. Nehmen wir R. Baku (aus Mainz für rund 9Mio.€), 22 Jahre, Stammspieler, bereits mehrere Torbeteiligungen und auch A-Nationalspieler. Oder M. Lacroix (rund 4 Mio.€ aus der 2. franz. Liga), 20 Jahre, auf Anhieb Stammspieler. M. Phillip (ausg. aus Moskau), einige Torbeteiligungen, allerdings verletzungsbedingt nicht so viele Spiele gemacht. Und B. Bialek (rund 5 Mio. € aus Polen), 18 Jahre, 2 Tore in 167 min. BL; eine weitere gute Hoffnung für die Zukunft!
Natürlich wird es schwer sein, TOP-Spieler (wie bspw. Weghorst) über die Saison hinaus zu halten. Aber das will man auch nicht! Dieses „Problem“ haben alle BL-Teams.
Das was die da machen, ist endlich mal vernünftig mit dem vorhandenen Geld wirtschaften!!!
Bleiben Sie bis zum Ende da oben?
Das wird abhängig sein, inwieweit die Achse Casteels, Lacroix/Brooks, Arnold/Schlager/Steffen, Weghorst verletzungsfrei bleiben?!?
Zufall ist deren derzeitiger Tabellenstand nicht!
Alleine der Vergleich mit Schalke lahmt hier ein wenig.
Für die Wolfsburger ist die CL kein muss (im Gegensatz zum BVB)!
Die Wolfsburger haben unter der Woche keine Europapokalpartien (incl. Reisen zu Coronazeiten).
Das ist auch ein nicht zu unterschätzender Vorteil ggü. manch anderem BL-Team im oberen Tabellendrittel.

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Daniel 5. Februar 2021 um 18:23

Zu Leipzig: in meinen Augen haben sie schon relativ klar den zweitbesten Kader der Liga. Der BVB mag in der absoluten Spitze noch etwas bessere (oder zumindest spektakulärere) Spieler haben, aber im Sinne eines ausgewogenen Kaders bis hinunter zu Spieler 16 oder 17 ist RB dem BVB in meinen Augen schon deutlich voraus (und allen anderen Teams erst recht). Welches dritte Team hattest du denn im Kopf, als du meintest, sie hätten vielleicht auch nur den viertbesten Kader?
Wolfsburg: sicher richtig, was du zu ihrem Pressing sagst. Was du charmanterweise unter den Tisch kehrst: das Ballbesitzspiel der Wölfe kommt da nicht annähernd mit. Das Ausscheiden in der EL gegen das klar schwächere AEK Athen und schon davor der Zittersieg gegen Desna haben mich regelrecht geschockt, danach hab ich den VfL erstmal in meinem Tippspiel vier Plätze runtergesetzt. Auch in der Liga gab’s deswegen Anfang der Saison ein paar Unentschieden zu viel (stand Glasner nicht angeblich mal kurz vor der Entlassung im Herbst?). Wirklich gebessert hat sich das meinem Eindruck nach nicht, gegen unterlegene Gegner krampft Wolfsburg ziemlich herum, gewinnt momentan aber irgendwie, weil sie halt nen Lauf haben. Nur hält sowas meistens nicht eine ganze Saison. Grad mal 30 erzielte Tore sind der schlechteste Wert unter den ersten zehn Vereinen der Bundesliga, +0,27 auch nur der achtbeste xG/90 Minuten-Wert der Liga. Das Weiterkommen gegen Schalke fasst den Saisonverlauf der beiden Mannschaften ziemlich perfekt zusammen. Die favorisierten Wolfsburger bekommen wenig bis nichts zustande, geraten durch Glück nicht in Rückstand und bekommen ohne eigenes Zutun einen ungeschickten Elfmeter zugesprochen. Den versemmeln sie sogar, aber der Abpraller rollt Weghorst erneut vor die Füße, der auf 1:0 stellt. Schalke fällt mal wieder in ihr mentales Loch und vergibt die wenigen Chancen, die sie noch bekommen. Wolfsburg bekommt offensiv zwar auch danach nichts auf die Reihe, mauert den knappen Vorsprung aber ins Ziel. Bei Wolfsburg klappt derzeit alles, bei S04 geht auf fast schon komödiantische Weise alles schief. Ich lehn mich mal aus dem Fenster und sag, dass eine Wiederholung des siebten Platzes der Vorsaison für die Wölfe trotz des momentanen Zwischenhochs noch immer ein Erfolg wäre.
Die Frankfurter Eintracht seh ich stärker, ihr Ballbesitzspiel ist ziemlich ungewöhnlich, kann aber durchaus einiges an Durchschlagskraft erzeugen. Sie sind mit Sicherheit keine Favoriten auf einen CL-Platz, aber als Überraschungsmannschaft kann ich mir das schon vorstellen.

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sorp 5. Februar 2021 um 22:34

Ich denke auch, dass RB in der Summe stärker einzuschätzen ist als Dortmund. Ich versuche mal einen Kadervergleich:

Tor: Gulacsi :: Bürki & Hitz: Leichter Vorteil RB.
IV: Upamecano, Orban, Konaté :: Hummels, Akanji, Zagadou: Auch hier leichter Vorteil RB, vor allem wegen der Stabilität.
RV: Mukiele & Klostermann :: Meunier & Morey: Bei beiden Teams nicht die stärkste Position, aber trotzdem leichter Vorteil RB
LV: Angelino & Halstenberg :: Guerreiro & Schulz: Die erste Garde ist bei beiden Teams richtig gut, aber beim Backup sehe ich wieder RB vorne
DM: Sabitzer, Kampl, Adams, Haidara, (Laimer) :: (Witsel), Delaney, Bellingham, Can, Dahoud: Grundsätzlich ähnliche Qualität, aber ich schätze wieder RB leicht stabiler ein, zumal beim BVB Witsel jetzt ausfällt.
OM/Flügel: Olmo, Forsberg, Nkunku, Kluivert, Szoboszlai :: Sancho, Reyna, Reus, Brandt, Hazard: Unentschieden. Der BVB hat wohl die stärkeren Einzelspieler, aber bei RB passt die Mischung besser zusammen.
Sturm: Poulsen & Sörloth :: Haaland & Moukoko: Vorteil BVB, aber schlecht ist RB da auch nicht.

Leverkusen und Gladbach sind vom Potenzial her nicht weit weg von Leipzig und Dortmund. Aber wie der BVB sind sie nicht stabil genug, um wirklich ganz vorne mitzuspielen.

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Ein Zuschauer 8. Februar 2021 um 13:45

Da zu entscheiden ist wirklich knapp. Ich würde glaube ich IV, AV und DM beide Mannschaften tatsächlich eher gleich auf sehen (vom Potential mit fittem Witsel sogar BVB minimal stärker), aber in OM/Flügel und Sturm halt den BVB stärker, dann kommt man auf leichten Vorteil für Dortmund. Aber insgesamt sind sie einfach sehr nah aneinander dran, fast auf Augenhöhe vermutlich.

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Daniel 8. Februar 2021 um 14:20

IV würd ich vom Potenzial her vllt sogar auch ähnlich sehen. Allerdings hat der BVB hier grundsätzlich nur drei Spieler, was tendenziell zu wenig ist. Dazu kommt dann noch, dass Zagadou fast dauerverletzt ist und Hummels halt schon eher über seinem Zenit ist. Mit dem Hummels von vor vier Jahren und einem fitten Zagadou wären beide ca gleich, aber so Vorteil RB. LV sind beide in der ersten 11 hervorragend besetzt, aber RB hat den besseren Backup. RV ist seit Jahren Dortmunds Problemzone, hier ist RB deutlich besser besetzt. Im DM fehlt mir beim BVB ein richtiger Balancegeber, Witsel und Can sind beide eher auf eigene Aktionen fokussiert, was nicht gut zu den ebenfalls auf Individualaktionen getrimmten Offensivspielern passt. Am ausbalanciertesten wirken da noch Delaney und Dahoud (der aber aus mir unklaren Gründen völlig außen vor ist).

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Storm 11. Februar 2021 um 16:38

Spannende Frage. Im DM finde ich auch dass ein Balancegeber bei Dortmund fehlt. Dealney sehe ich da ehrlich gesagt gar nicht. Gleichzeitig finde ich Can, Wistel und Dahoud (geht ja jetzt erstmal nur um Personal) individuell einfach stärker als die Konkurrenz von RB. Wegen der passenderen Zusammenstellung würde ich es als Gleichstand sehen. Can auf AV oder so was wäre aber natürlich auch möglich und würde die Schwachstelle beheben. Wobei. Was habt ihr eigentlich alle gegen Meunier? Klar ist der jetzt beim BVB bis jetzt nicht gut gewesen, aber von seiner gesamten Karriere würde ich den nicht so schwach sehen. In der Innenverteidigung finde ich Hummels ja immer noch ganz gut. Mit dem Hummels für vier Jahren + Akanji (den ich individuell auch nicht schwach sehe) wäre das kein Vergleich, so vielleicht Gleichauf oder leichter Vorteil Leipzig. Insgesamt würde ich es so sehen:
LV, DM auf einer Höhe
IV RB ganz leicht vorne
RV, Tor RB leicht vorne
OM/Flügel Dortmund vorne
Sturm Dortmund klar vorne.

Den Hauptvorteil für Leipzig sehe ich eben auf der Trainerbank. Wäre Nagelsmann Dortmundtrainer würden wir heute die Mannschaften glaube ich auch individuell anders einschätzen.

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Koom 6. Februar 2021 um 14:06

Wolfsburg erinnert an die Vizemeisterschaft der Schalker zuletzt. Die anderen stellen sich einfach dümmer an und man duselt sich ein wenig durch.

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Splesch 10. Februar 2021 um 10:51

Da gebe ich Dir vollkommen recht. Das ist sehr risikoarmer und fast fehlerfreier Fußball.

Aber ich bin ziemlich beeindruckt von Arnold, Schlager und Gerhardt. Das Zentrum vom Vfl ist sehr stark gegen den Ball und harmoniert auch gut. Vor allem Gerhardt hat nochmal einen richtigen Sprung gemacht und ist ein gutes Bindeglied zwischen den 6-ern und Weghorst. Dazu hat man mit Lacroix einen wirklichen talentierten Innenverteidiger gewinnen können, der auch gut zu Brooks passt. Sollten die Achse aus Kasteels – Lacroix, Brooks – Arnold, Schlager, Gerhradt – Weghorst die Saison verletzungsfrei überstehen, dann wird der Vfl in die Champions League kommen.

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Koom 10. Februar 2021 um 19:13

Das klang übrigens despektierlich von mir, war so aber gar nicht gemeint.

Es scheint generell so ein Jahr zu sein, in dem man mit „Auf Nummer Sicher“ wesentlich weiter kommt als mit Hoher Offensive. Es tun sich generell alle Teams schwer, die hoch pressen und angreifen – auch die Bayern, selbst wenn sie auf Platz 1 stehen. Gladbach, Dortmund, Liverpool, Paris – tun sich durch die Bank sehr schwer. In Deutschland tummeln sich Teams wie Wolfsburg und Frankfurt ganz oben, die inhaltlich eigentlich bestenfalls um den Europapokal spielen, in England mischt Leicester oben mit, und auch die spielerisch eher sparsam agierenden ManU und Tottenham (Mourinho!) sind plötzlich voll dabei. Und Guardiola achtet jetzt auch eher auf Defensive und Kontrolle und hat damit Erfolg.

Würde mich letztlich auch nicht wundern, wenn wir dieses Jahr in DE doch noch nen anderen Meister bekommen, weil Flick bislang immer noch am wenig ökonomischen Stil festhält. Ohne Mist: Wenn Wolfsburg, Frankfurt oder ein anderer noch konstanter wird, dann seh ich da ernsthafte Chancen.

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AG 11. Februar 2021 um 11:07

Hört, hört, das ist dochmal eine Ansage! Bei fivethirtyeight geben sie Bayern eine 93% Chance auf die Meisterschaft, und auch die Wettquoten sind sehr auf der Seite von ihnen. Vielleicht solltest Du gegen sie setzen, könnte sich lohnen 😉

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Koom 11. Februar 2021 um 12:44

Hehe… ich weiss, ist ein krasser Gedankengang, aber ich finde den gar nicht mal so falsch. Ich würde die 93% wohl auch unterschreiben, einfach, weil momentan auch die Konkurrenz rumdilettiert, aber die Bayern sind diese Saison schon knackbar. In fast jedem Spiel wirds hinten viel zu oft gefährlich – bislang ging es überwiegend gut. Das Pokalaus war da aber schon so ein Punkt, der für meine These spricht.

Allein, in der Liga müsste eben ein Team konstant(er) punkten als bisher. Leipzig ist nicht schlecht, aber wie Leverkusen erscheinen die mir eine Spur zu flatterig in den Leistungen. Da halte ich ernstlich Wolfsburg und Frankfurt eher in einer Position, plötzlich konstant zu punkten. Beide Mannschaften sind relativ rund, haben eine sehr solide Defensive, auf die sie sich auch konzentrieren und vorne Leute, die recht konstant treffen. Frankfurt würde ich da wohl einen Tick favorisieren (und das als Mainzer), die sind etwas breiter aufgestellt.

No risk no fun, ich schau mal bei bwin vorbei. 😉

Daniel 11. Februar 2021 um 13:27

Ist dir natürlich unbenommen, was du mit deinem Geld machen willst, aber Wolfsburg/Frankfurt sollen zehn bzw zwölf Punkte auf Bayern gut machen? Bei deutlich schlechterer Tordifferenz, also eher elf und dreizehn Punkte? Im Leben nicht. Dafür müsste einer der beiden ja alle (und zwar wirklich alle) ausstehenden Spiele gewinnen, um darauf auch nur eine Chance zu haben. Und selbst dann müsste Bayern mehr Punkte abgeben als bisher. Meist ist es aber andersrum: Bayern wurschtelt sich in der Hin- und frühen Rückrunde durch (und wechselt da dann hin und wieder auch den Trainer) und dreht dann auf, wenn die entscheidenden Spiele kommen (manchmal brechen sie dann etwas zu früh zum CL-Viertel- oder Halbfinale schon wieder ein, aber dennoch). Den GAU in Kiel mal außen vor ist Bayern durch seine übliche Herbstdepression ziemlich gut durchgekommen, verglichen mit den Jahren zuvor.

Zum Thema, dass sich hochpressende Teams schwertun: vielleicht eine Nebenwirkung der Corona-Saison. Der Zeitplan ist enger, dadurch gibts weniger Möglichkeiten, die Pressingmechanismen einzustudieren. Besonders für die Vereine, die beim CL-Finalturnier in Lissabon dabei waren, spielt das bestimmt eine Rolle. Wobei ich da Dortmund rausnehmen würde, jedenfalls unter Favre ham die jetzt nicht wahnsinnig hoch gepresst.

Koom 11. Februar 2021 um 15:25

Ja, Dortmund ist generell schon ein Fall für sich…

Zu den Pressing-Teams: Ja, fehlende Trainingszeiten zur Feinabstimmung (und Integration neuer Spieler) ist natürlich auch der Verschleiß etwas höher. Und gutes Pressing erfordert hohe Konzentration von fast allen Spielern – brechen da 1-2 Leute weg, fällt es recht flott auseinander.

Und das kostet auch mittelfristig einiges: Wenn plötzlich diese Struktur nicht mehr funktioniert, stellt man am Ende den Trainer und seine Arbeit in Frage. Dann fehlt die Überzeugung, um auf dem Platz ins Risiko zu gehen und Kraft zu investieren – und man schleppt dann neue Probleme in die nächste Saison. Sehe das durchaus als Gefahr für die intensiven Pressingteams, speziell Liverpool und die Bayern.

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