Schalke 04 – Eine Problemanalyse

Schalke 04 steckt wieder in einer sportlichen Krise. Nach der Entlassung von Cheftrainer David Wagner diskutiere ich drei Thesen zur Qualität der Königsblauen und ihrer sportlichen Zukunft.

Halfarsen 7. Oktober 2020 um 01:09

Ach du Scheiße. Ich verfolge ja in letzter Zeit wenig Fußball. Aber das hört sich fast nach Hannover mit vertauschten Namen an. Der Unterschied ist, dass Hannover in der zweiten Liga spielt.

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SVH 30. September 2020 um 11:59

Dann scheint die Verpflichtung von Manuel Baum ja durchaus Sinn zu ergeben. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, hat er es damals geschafft, den FCA defensiv zu stabilisieren, indem er das Team stark auf den Gegner angepasst hat und mit vielen Mannorientierungen gearbeitet hat. Zumindest ist es das, was mir vorrangig in Erinnerung geblieben ist. Abgesehen davon, dass es Offensiv eher dürftig war.

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[email protected] 29. September 2020 um 20:29

Ich glaube, CE hat sich beworben für den Posten 🙂 @CE: strebst du eigentlich Profi-Fußballtrainer an?

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CE 30. September 2020 um 19:11

Ich glaube nicht, dass das eine ernsthafte Bewerbung war.^^

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[email protected] 1. Oktober 2020 um 18:11

War auch nur ein Spass meinerseits. Die Frage nach deinem Berufswunsch allerdings nicht, aber eine Antwort habe ich nicht wirklich erwartet, aber dennoch bin ich neugierig.

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Daniel 29. September 2020 um 18:12

Das mit den Innenverteidigern seh ich eher nicht so. Also ja, die sind alle nicht besonders aufbaustark, das stimmt schon. Aber du sagst ja selbst, dass es für Schalke diese Saison nur um den Klassenerhalt geht, und da sind sie mit diesem Makel nicht allein. Spielstarke IV sind ein Schmuckstück der oberen Tabellenhälfte. Wo sind denn die spielaufbauenden Innenverteidiger bei Union Berlin, Augsburg oder Köln (bis auf Meré, der aber von Gisdol kaum eine Chance bekommt). Selbst bei Wolfsburg seh ich da eigentlich niemanden, der das wirklich kann (außer Guilavogui spielt in der IV, aber dann fehlt er im Mittelfeld).

Komisch find ich ja schon seit Monaten bei Schalke auch ihre Schwerpunktsetzung auf dem Transfermarkt. Stürmer zu holen war sicher sinnvoll, aber davon ab sind in diesem Kader doch die Hauptschwächen auf den Flügeln (sowohl defensiv als auch offensiv). Die Gerüchte betreffen stattdessen vor allem Torhüter. Momentan laufen wohl Verhandlungen mit Frankfurts Rönnow, davor hat Schalke angeblich 8 Millionen für Schwolow geboten. Das wäre schon vor Corona gar nicht so wenig gewesen für einen nicht mehr sonderlich jungen guten, aber auch nicht überragenden Buli-Torwart. Keinerlei Gerüchte hingegen gibt es um Rechtsverteidiger, obwohl Rudys Zweckentfremdung sowohl die außen als auch das Mittelfeld schwächt. Dabei gibts ja durchaus auch Rechtsverteidiger in der Liga, die in einer gewissen Sackgasse sind. Ohne jetzt groß nachzudenken würden mir vom BVB Morey, Passlack und Wolf (der könnte auch offensiv die Lücke füllen), Leverkusens Weiser und Herthas Klünter einfallen, die für den Abstiegskampf alle durchaus ansprechende Optionen sein könnten. Zumindest ein geliehener RV und ein bis zwei Flügelspieler sollten es schon noch werden.

Mit dem momentanen Kader könnte ich mir noch am ehesten ein Tannenbaum 4-3-2-1 vorstellen. Könnte die fehlenden Flügelspieler kaschieren und die drei spielstarken Sechser können die Lücken in der Viererkette schließen und den Spielaufbau übernehmen. Wäre sicher nicht sonderlich offensivstark, aber mit Harit und Uth im Zwischenlinienraum sollte doch genug dabei rumkommen, um zumindest halbwegs souverän die Klasse zu halten.

———————Paciencia———————
—————–Harit——Uth——————–
——–Mascarell–Stambouli–Rudy———
–Oczipka—Nastasic—Kabak/Sané–???–

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McHanson 29. September 2020 um 21:26

Also Kabak hat bei Stuttgart schon gezeigt, dass er mehr als nur ein brauchbarer Aufbauspieler ist, dass er das bei Schalke noch nicht gezeigt hat, liegt deutlich eher an S04 als am Spieler.

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Koom 30. September 2020 um 10:21

Schalkes Kaderstruktur ähnelt in der Idee ein wenig einer RB-Grundidee, die ja meistens in einem fast flügellosen 4-2-2-2 landet (also mit 2 DMs, davor 2 8ern oder 10ern). Aber dazu musst du auch entsprechend diese RB-Schule einbimsen, weil du zwangsläufig Schwachpunkte im System hast – die seit Klopps Zeit in der Bundesliga zum Standardwerkzeug der Bundesliga gehört.

Generell scheint Schalke auch (mal wieder) abgestraft zu werden, weil man einerseits keine große eigene Philosophie hat und die mit jedem Trainer oder Sportdirektor wechselt. Das ist dann nicht nur Wagner, sondern auch Schneider, der da irgendwas installieren will, aber IMO nicht den fachlichen Verstand hat, den es dazu bräuchte. Das ist dann so ein bisserl wie Zorc, der immer noch denkt, dass er so geil wie unter Klopp ist oder auch in Mainz, wo man denkt, dass hier Trainer wie Tuchel und Klopp einfach automatisch wachsen, so lange sie mal unter Frank oder Klopp gearbeitet haben.

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tobit 30. September 2020 um 18:02

@Koom
Wenn man nur die zentralen Spieler betrachtet, sieht das für das RB-Konzept gar nicht so schlecht aus – die AV passen aber mal so gar nicht zum 4-2-2-2. Der wohl vor einer Leihe stehende da Costa wäre da ziemlich passend, aber ob der defensiv stabil genug wäre um die Räume neben den eher langsamen IV nicht zur Todeszone werden zu lassen bezweifle ich aktuell noch. Das ließe sich mit einem echten Flügelspieler auf links und tief einrückendem Oczipka ganz gut absichern. Dafür bräuchte man aber erstmal so einen Flügelspieler (kann Raman oder Matondo das vielleicht?).

@Daniel
Stambouli, Mascarell und Rudy würden sich im Mittelfeld denke ich eher auf den Füßen stehen. Klar kann Rudy wie bei Hoffenheim zuletzt auch höher spielen, aber so wirklich optimal ist das für ihn nicht. In so eine vorstoßende Rolle passt Serdar dafür ziemlich gut rein. Der wird (wenn er fit ist) definitiv Stammspieler sein, weil er nach McKennies Abgang der einzige Mittlelfeldspieler mit Torgefahr ist. Und diese Torgefahr wird Schalke brauchen, weil die Offensiven zwar interessante Spielertypen aber keine Knipser sind.

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Daniel 30. September 2020 um 18:38

Ups, Serdar gibts ja auch noch…den hab ich einfach mal komplett vergessen 😉 Danke für die Erinnerung. Wobei das irgendwie perfekt ins Bild vom Schalker Kader passt…Spielertypen gibts entweder ziemlich oft oder gar nicht. Jo, dann würde Serdar wohl da die halblinke Rolle übernehmen denk ich. Wobei das „auf den Füßen stehen“ durchaus gewollt wäre. Wie gesagt, die Idee dahinter ist, dass die drei Sechser die Schnittstellen der Abwehr schließen, das defensive Mittelfeld kontrollieren und einen stabilen Aufbau von hinten heraus ermöglichen-drei Aspekte, in denen Schalke zuletzt katastrophal war. Dass dann vorne die Anspielstationen fehlen (aka auf den Füßen stehen) würde ich jetzt erstmal in Kauf nehmen… Spieler mit der Geschwindigkeit, um bei Schnellangriffen gefährlich zu sein, fehlen ja eh

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tobit 1. Oktober 2020 um 14:54

Stabiler Aufbau hilft Schalke aber auch nichts, wenn von da dann nichts nach vorne geht. Und ohne offensive Breite wird da nichts nach vorne gehen, wenn Harit keine Weltklassesaison a la Dembélé hinlegt. Diese Breite hatte die Hertha unter Dardai (die mir für eine solche Spielweise als erstes einfallen) immer, sei es über die offensivstarken AV Plattenhardt/Weiser oder die zahlreichen schnellen Flügelstürmer (Weiser, Haraguchi, Esswein, Leckie, anfangs auch Kalou)
Da Costa wäre da schonmal ein guter Anfang. Ist zwar kein Dribbler, aber kann schon richtig starken Druck nach vorne entwickeln. Mit ihm, Serdar, Uth und Paciencia könnte man dann auch durchaus lange Bälle spielen, auch wenn man dafür keinen Spezialisten wie Geis in der Hintermannschaft hat.

Meine Idee mit da Costa (und ohne neuen Flügelspieler für links) wäre aktuell denke ich ein 3-2-3-1/3-2-2-2 aus Zentrumsspielern mit da Costa auf einem Flügel, während die andere Seite weitgehend aufgegeben wird. Gegen den Ball wäre das dann ein recht gewöhnliches 4-2-3-1.
—————- Paciencia —————–
——- Harit — Serdar — Uth ——–
——— Mascarell — Rudy —– DDC
— Oczipka —– ZIV —– Kabak ——
Spielt da Costa links, würde ich die „3er-Kette“ mit Kabak links und Stambouli rechts besetzen. Uth spielt als verkappter Stürmer immer auf der Seite von da Costa, während Harit von der anderen Seite Richtung Zehnerraum zieht oder gelegentlich mal breit das Dribbling sucht.

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tobit 1. Oktober 2020 um 15:05

http://lineupbuilder.com/?sk=vx93s Mit da Costa links dann ziemlich exakt gespiegelt

Koom 30. September 2020 um 19:31

@tobit: Gehen wir mal von so einem 4-2-2-2 aus, wofür man zumindest im vorderen Bereich ganz solide aufgestellt wäre: Ja, die AVs sind ein Problem. Entweder versucht man es da mit den schnellen Raman und Matondo, aber kann mir nicht vorstellen, dass das was wird. Spontan würde mir so ein bisserl die Liverpool-Variante im Aspekt einfallen: die AVs gar nicht so sehr nach vorne gehen lassen, sondern deren systembedingt meist relative Freiheit als Aufbauspieler nutzen. Da könnte man überlegen, ob man ein paar der zentralen Mittelfeldspieler dort positioniert und sie überwiegend defensiv und als Anspielstation im Aufbau zu nutzen.

Ist alles im allen eine Bastellösung, aber irgendwie sehe ich auch nicht, wie Schalke das anderweitig flicken könnte. Man kann türlich noch die good ol Funkel-Riegel-Variante wählen: Tief (und gut) stehen, vorne hilft der liebe Gott mit den 1-2 schnellen Leuten und langen Bällen.

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Daniel 30. September 2020 um 18:24

RB-Spieler haben aber fast ausnahmslos deutlich überdurchschnittlichen Antritt und Geschwindigkeit, um ihre Spielidee durchziehen zu können. Das wird benötigt, um schnell wieder Zugriff erzeugen zu können, wenn sich der Gegner aus dem stark verdichteten Bereich in Ballnähe doch herausspielen kann. Genau daran fehlt es Schalke aber komplett. Die einzigen Spieler, die ich im Buli-Vergleich als schnell ansehen würde, sind Mendyl, Matondo und Kabak-selbst wenn die alle spielen ist das ist viel zu wenig. Schalke hat noch immer gute Zweikämpfer und Verteidiger (Kabak, Nastasic, Sané, Stambouli, Oczipka), seit diesem Sommer auch eigentlich abschlussstarke Mittelstürmer (Ibisevic, Paciencia) und kreative, passstarke Mittelfeldspieler, die gute Pässe spielen können (Rudy, Mascarell, Bentaleb, Harit, Uth), aber an den Passempfängern mangelt es. Mich erinnert das eher an den Kader von Werder Bremen letzte Saison, die waren auch fast durch die Bank mit (sehr) langsamen Spielern besetzt…Ergebnis bekannt.
Die andere Sache, die RB-Mannschaften in ihrem flügellosen 4-2-2-2 praktisch immer haben sind laufstarke AV, die ihre Seite im Alleingang sowohl offensiv als auch defensiv beackern. Hat Schalke auch nicht. Mendyl könnte es vielleicht, ist aber komplett außen vor. Oczipka ist mittlerweile total der falsche Spielertyp für sowas und Rudy rechts wäre in dieser Einbindung circa so gut aufgehoben wie als Torwart…

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Koom 30. September 2020 um 19:26

@Daniel: Nicht falsch, aber so schlecht sind da auch ein paar weitere Spieler nicht. Sie haben einige, die nen solide guten Antritt haben und gerne agressiv attackieren.

Das ist absolut weit entfernt davon, dass das RB-mässig gut funktioniert. Das das – wenn man es gut macht und die Mannschaft als Block agieren lassen kann – zumindest für nen Mittelfeldplatz reichen könnte, seh ich schon (Mittelfeldplatz = 2-3 Tage vor Saisonende keine Abstiegsgefahr). Aber irgendwie fehlt mir der Glaube, dass Baum sowas vermitteln kann.

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Maximilian Schepp 30. September 2020 um 15:53

Finde Union hat mit Marvin Friedrich einen spielstarken Innenverteidiger, wobei ich zugeben muss, dass ich bisher nur wenige Spiele von ihm komplett gesehen habe, er mir da aber bisher positiv in Erinnerung geblieben ist, was den Spielaufbau betrifft. Interessant finde ich in dem Zusammenhang, dass Friedrich von 2012 – 2016 bei Schalke (in der Jugend) gespielt hat. In der Innenverteidigung scheint man bei Schalke wohl generell eher auf robuste, zweikampfstarke Spielertypen zu setzen, die ihre Stärken nicht unbedingt im Spielaufbau haben.
Denke aber auch, dass da bei Schalke eher ein strukturelles Problem vorliegt oder einfach das Verständnis der verantwortlichen Personen (Trainer, Sportvorstand) fehlt, um eine funktionierende Mannschaft zusammen- und einzustellen. Rudy wurde während seines ersten Aufenthalts völlig falsch eingebunden bzw. es sah so aus als ob man sich erhofft hat, dass der Spielaufbau allein schon dadurch besser wird, indem man Rudy aufstellt ohne die passende Struktur zu schaffen, in der er seine Stärken einbringen kann.

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