Bayern München – Warum ist Intensität der Schlüssel zum Erfolg?

Was sind entscheidende Faktoren für Bayern Münchens Dominanz? Wie funktionierte das Pressing etwa im Spiel gegen Barcelona? Und warum ist Hansi Flick der richtige Trainer für diese Mannschaft? Das diskutiere ich in meinem neuen Video.

Koom 29. August 2020 um 15:28

Die Aussage war weniger im Detail, mehr im Gesamtgedanken gedacht. Bayern kommen mehr über Teamleistung. Nicht zwingend über Einzelspieler, zumindest nicht als Fokus. Und das ist im Allgemeinen schon recht typisch für die Weltmeisterelf (und deutsche Mannschaften im Generellen).

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Daniel 30. August 2020 um 02:26

Weiß nicht. Mit diesem Klischee, wonach deutsche Mannschaften über ihre „Teamleistung“ kommen statt über ihre Individualqualität hab ich noch nie so viel anfangen können. Das Team besteht aus Individuen und deshalb ist es auch nur so gut wie diese. Ich vermute, diese Behauptung kommt aus der Wunder von Bern Zeit, als ein qualitativ wirklich deutlich schwächeres deutsches Team Weltmeister wurde. Wobei man das auch einfach einen „glücklichen Außenseiterfolg“ nennen könnte, wie es im Fußball schon viele gab. Aber sonst? In den großen Erfolgen der 70er Jahre hatte Deutschland (und der FC Bayern) mit Sepp Maier einen der besten Torhüter des vergangenen Jahrhunderts. Franz Beckenbauer ist der wohl größte Star, den die Libero-Position jemals hervorgebracht hat (auch international). Und im Sturm stand Gerd Müller, der Trefferquoten auflegte, über die selbst CR7 und Messi nur staunen können (dass Müller im Europapokal deutlich weniger Treffer hat als diese liegt nur daran, dass es damals weniger Spiele gab). Dazu kamen dann noch Breitner und Netzer. 2014 wurde der WM-Titel von vielen aufgrund der sehr talentierten deutschen Generation als „überfällig“ angesehen und noch heute liest man gar nicht so selten, Deutschland hätte seit 2006 mit diesen Spielern eigentlich mehr Titel holen sollen/müssen. Das teile ich zwar nicht, aber jedenfalls ist es bestimmt nicht so, dass hier fehlendes individuelles Talent durch eine Mannschaftsleistung aufgefangen werden musste. Mit Neuer, Hummels, Boateng, Lahm, Schweinsteiger, Kroos und Müller gehörten mindestens sieben der damaligen Stammspieler zur absoluten Weltelite. Vielleicht könnte man 1990 noch als gewisses Beispiel aufführen, als auf der anderen Seite mit Diego Maradona der größte Individualkönner seiner Zeit stand. Aber umgekehrt stand auf deutscher Seite ein gewisser Lothar Matthäus, der in diesem Jahr Weltfußballer wurde. Der hat schon auch individuell was gekonnt.

Und dieses Jahr? Lewandowski hat eine Rekordquote aufgelegt, die nur von Ronaldo zweimal übertroffen wurde (der dafür damals aber mehr Spiele hatte). Auch der drittbeste Torschütze des Turniers (Gnabry) war ein Bayernspieler. Neuer hat gegen Lyon und mehr noch Paris eindrucksvoll gezeigt, dass er noch immer mindestens zu den drei besten Torhütern des Planeten zählt. Auch die Leistungen von Kimmich, Thiago und Müller waren spektakulär. Dass Paris in der Summe bessere Einzelspieler hat kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Übrigens haben auch die Wettquoten meines Wissens Bayern knapp vorne gesehen und die arbeiten im Wesentlichen mit der Einschätzung der individuellen Qualität.

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Roland Wohlfarth 30. August 2020 um 14:28

Die Wettquoten haben Bayern nicht knapp vorne gesehen. Je nach Buchmacher (tipico, bwin, bet365, xtip, bet-at-home etc) gab es für einen Bayern-Sieg zwischen 1,90 und 2,00, für einen PSG Sieg zwischen 3,00 und 3,25. Führt man sich vor Augen, dass dies die vom jeweiligen Buchmacher berechnete Eintrittswahrscheinlichkeit für das Ereignis „Sieg“ ist, spricht das eine deutliche Sprache

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Koom 31. August 2020 um 09:47

Ok, dann anders *seufz*.

In Deutschland setzt man (Ausnahmen bestätigen die Regel – Heldenfußball) meistens auf die Mannschaft(liche Geschlossenheit), weniger auf einen Einzelspieler. Das hat auch mehrere Gründe, dazu gleich. Nehmen wir mal Frankreich: Aktiv auf dem Platz wirkt es dort sehr so, dass der Matchplan vorsieht „Ball auf Mbappe – Magic happens“. Im „best case“ schaut man, dass man die restliche Mannschaft so einnordet, dass sie defensiv sauber arbeitet, die Offensividee bleibt weitgehend die gleiche.

Wenn es in Deutschland mal ein rares Supertalent gibt, ist der manchmal sogar ganz aussen vor (Sane, wobei man sich über „Supertalent“ streiten kann) oder wird nicht forciert eingebunden. Allerdings haben wir auch relativ selten solche Individualisten. D.h. nicht das wir schlechtere Talente haben, aber die werden früh schon so trainiert, dass sie weniger „individuell“ agieren. Deswegen gab/gibt es auch nur wenige deutsche Dribbler. Wird wohl aber seitens NLZ umgestellt.

Also Klartext: Bayernspieler sind nicht individuell schlechter. Aber sie werden im Idealfall als Teil des Ganzen eingebunden. Unter Kovac war das teilweise schon ein wenig anders, gerade der Fokus auf Lewandowski war enorm. Bei dem Ansatz ist aber das Problem, dass andere Spieler, die mehr auf mannschaftliche Ordnung bauen (Thiago IMO), dabei verloren gehen.

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rb 31. August 2020 um 14:19

Andere Perspektive: Mannschaften mit nicht ganz so hyper-prägenden Fixpunkten setzen eher auf mannschaftliche Geschlossenheit, Mannschaften mit hyper-prägenden Fixpunkten setzen auf Heldenfussball und eine halbwegs eingenordete restliche Mannschaft.
Am Beispiel Lewandoswki: Der braucht sich zwar vor fast keinem Offensivspieler der Welt zu verstecken und ist wahrscheinlich (mit Suarez und Benzema) der konstanteste zentrale Stürmer der letzten zehn Jahre. Und er ist so gut, dass man das Spiel auf ihn fokussieren könnte (sihe Kovac). Aber er ist gleichzeitig undivenhaft genug und mannschaftsdienlich einsetzbar, dass man das Spiel nicht auf ihn fokussieren muss und man eher auf mannschaftliche Synergien setzen kann. Noch prototypischer: Miroslav Klose, der selbstloseste Poacher-Stürmer seiner Generation. Weniger auffällig, aber doch ähnlich z.B. auch bei Klopps Liverpool: Top-Dreier-Sturm, aber selbst Mané und Salah keine alles überstrahlenden Superhelden (vergisst man ja leicht, da sie so krass liefern, aber die absoluten Topclubs haben sie vor Liverpool als zu leichtgewichtig empfunden).
Demgegenüber gibt es immer wieder Mannschaften, bei denen sich diese krasse Fokussierung einfach aus dem beträchtlichen qualitativen Gefälle zwischen Superheld und Mannschaft ergibt. Prototypisches Beispiel hier: Ronaldo in der portugiesischen Nationalmannschaft. Nicht so krass, aber nicht ganz unähnlich auch bei Ronaldo bei Real, bei NSM bei Barca, Neymer/Mbappe bei PSG… oder Modeste bei Köln…oder bei eine Millionen unterklassigen Mannschaften, die einen Knipserstürmer haben 😀
Meine These: Deutsche Mannschaften hatten schon seit Jahren nicht diesen einen über alle herausragenden Spieler in der Stürmerposition. Dies hängt sehr wahrscheinlich mit der Ausbildungspolitik der letzten 15-20 Jahre zusammen. Deutsche Mannschaften waren deshalb viel weniger als andere Mannschaften versucht, ihr Spiel auf den allerbesten Spieler auszurichten, denn es bringt ja nichts, seinen Außenverteidiger, defensiven Mittelfeldspieler oder Tormann zum Fixpunkt zu machen (außer das Gefälle ist unheimlich groß, wie damals in der Ära von Michael Ballack).

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PeterVincent 20. August 2020 um 10:29

Wird es einen Preview-Artikel zum CL-Finale Bayern-PSG geben?

Flick will die Defensive gegen PSG anders organisieren. Er betont die schnellen PSG-Spieler (Mbappe, Neymar, di Maria, Bernat). Wie will Bayern die Räume hinter der Abwehr besser verteidigen, ohne sich selbst der größten Stärke (hohes, intensives Pressing, hohe Außenverteidiger) zu rauben?

Ich vermute, dass Pavard wieder den RV geben wird und Kimmich für Thiago zurück ins ZM rückt („einfache Ballverluste abstellen“). Kimmichs schwaches defensives Positionsspiel und Geschwindigkeitsdefizit sind ein zu großes Risiko in der Abwehrkette. MIt der Rückkehr von Pavard die Abstimmung in der Abwehrkette zu verbessern und asymmetrisch zu agieren (Pavard defensiver als Davies), scheint mir also der Hebel für Flick zu sein.

In der Offensive sehe ich höchstens Coman statt Perisic als Alternative. Coutinho fehlt die Intensität gegen den Ball. Coman wirkt auf mich in seinen bisherigen Einsätzen aber irgendwie fahrig und weit weg von seiner Topform, so dass ich den Kroaten als Starter erwarte und Coman (sowie Coutinho und Tolisso) als Wechseloption gegen einen ermüdeten Gegner.

Neuer; Pavard-Boateng(Süle)-Alaba-Davies; Kimmich-Goretzka-Müller; Gnabry-Lewy-Perisic.

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Koom 20. August 2020 um 11:24

Es würde mich wundern, wenn Flick größere Dinge umbaut. Ich würde mit der gleichen Aufstellung wie zuletzt rechnen, da es wohl auch schlichtweg die besten Elf aufs Feld bringt (wobei Perisic-Coman diskutabel ist). Die Elf scheint mental wie körperlich stabil zu sein und darauf wird es gegen PSG vor allem ankommen. Ich würde die Anpassungen eher kleinteiliger vermuten: Konkrete Änderungen im Pressingverhalten, möglicherweise eine geringfügig tiefer stehende Abwehr.

Nicht zu vergessen: Mbappe und Nejmar sind die größten Waffen PSGs, aber durchaus auch eine Schwachstelle, weil die defensiv wesentlich weniger vorhanden sind.

Was ich auch irgendwie witzig finde: Beide Mannschaften sind quasi sehr ähnlich zu den jeweils letzten Weltmeistermannschaften: Die Bayern durchaus als gut zusammenarbeitende Maschine, PSG mit einer Wucht aus immensen Talent und gerade genug Disziplin, um auch bei engen Spielen nicht auseinanderzufallen.

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Daniel 29. August 2020 um 14:42

Hm…dass Bayern der vorletzten Weltmeisterelf ähnelt liegt daran, dass sie zu wesentlichen Teilen aus denselben Spielern besteht und den damaligen Co-Trainer als Chef hat 😉 Ansonsten find ich die Ähnlichkeiten ehrlich gesagt überschaubar. Deutschland 2014 stand defensiv sehr stabil und massiert, ließ kaum etwas zu und kam vorne oftmals mit Standards (Führungen gegen Brasilien und ich glaube auch Frankreich) bzw sehr spät (Algerien, Argentiniem) zum Erfolg. Das Pressing war nicht sonderlich hoch, die meisten Spieler agierten sehr absichernd, defensiv verließ man sich auf drei bzw teilweise vier gelernte Innenverteidiger. Bayern 2020 hat sehr viele Spieler im Angriff und presst extrem hoch und aggressiv, auf individueller Ebene sichern eigentlich nur die beiden Innenverteidiger dauerhaft ab, von denen aber Alaba auch oft vorstoßend agiert. Beide Außenverteidiger leben deutlich von ihren Offensivaktionen und lassen defensiv immer wieder mal Räume offen, auch der halblinke Innenverteidiger ist für einen solchen sehr klein und hat einen gänzlich anderen Hintergrund. Davies und Kimmich sind zu Höwedes und Mustafi schon eine ziemliche Antithese, auch Lahm hatte ganz andere Stärken. Einen einrückenden Spielmachertypen auf den Außenpositionen, wie es Özil damals war, hat Bayern nicht, Gnabry interpretiert den rechten Flügel auch deutlich anders als seinerzeit Müller. Wenig verwunderlich spielen Standardsituationen eine deutlich untergeordnete Rolle. Bai PSG passt der Vergleich finde ich etwas eher.

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