Bayern München – Leroy Sané oder Kai Havertz?

Welchen Offensivspieler sollte Bayern München in diesem Sommer verpflichten? Welche Fähigkeiten zeichnen Sané und Havertz aus? Und was wären die jeweiligen Auswirkungen ihrer Verpflichtung? Das bespreche ich in meinem neuesten Video.

Daniel 24. Juni 2020 um 09:08

So richtig vom Hocker hauen mich irgendwie beide Optionen nicht. Sané kommt frisch aus einer Kreuzbandverletzung, war monatelang raus. Und grad bei einem Spieler, der so stark über seinen Antritt kommt wie er, muss man abwarten um zu sehen, inwiefern er die wieder bekommt. Seine Schnelligkeit ist sein größter Trumpf, büßt er davon auch nur einen kleinen Teil ein ist er für Bayern kaum eine Hilfe. Und da noch zusätzlich sein Vertrag in einem Jahr abläuft sollte man jetzt zumindest keine hohen Beträge für ihn hinblättern. Lieber nächstes Jahr ablösefrei holen und falls er das nicht will find ich z.B. Sancho wesentlich kompletter als ihn und der kommt auch nicht aus einer monatelangen Verletzung.

Havertz ist ein Spielertyp, wie ihn Bayern derzeit zur Genüge hat. Selbst wenn Tolisso gehen sollte (wovon ich noch nicht so überzeugt bin) müsste er sich erstmal hinter Müller und Goretzka einreihen, dafür ist er erstens zu teuer und zweitens bringt ihn das vor allem in seinem Alter nicht weiter. Dass er taktisch großartig neue Optionen eröffnen würde seh ich ehrlich gesagt kaum. Ja, er kann zur Not auf der 9 aushelfen, aber das können Müller, Gnabry und Goretzka auch. Solange Lewandowski nicht erkennbar altert ist der Sturm-Backup kaum so viel Geld wert.

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tobit 24. Juni 2020 um 11:06

Sancho sehe ich ehrlich gesagt so gar nicht bei Bayern. Klar wäre der für die geil zu haben. Aber ich glaube, dass weder Sancho noch Dortmund daran interessiert wären. Dortmund will nicht an Bayern verkaufen, Bayern will keine völlig absurde Summe ausgeben und Sancho will in naher Zukunft wieder nach England und kann da deutlich mehr verdienen als Bayern ihm bieten würde.

Ich denke schon, dass Bayern diesen Sommer einen Flügelspieler holt, denn die Mitte ist mit Lewy, Müller, Goretzka und zur Not Tolisso, Gnabry oder Perisic (der ja auch erstmal gekauft werden müsste) abgedeckt. So wirklich viele Alternativen zu Sané gibt es da nicht für die linke Seite, die dann auch einen Mehrwert gegenüber Coman bieten. Oyarzabal wäre so ziemlich der einzig verfügbare (80 Mio. Ausstiegsklausel). Ansonsten gibt es natürlich noch ein paar RA (Chiesa, Bernardeschi, Neres), wo aber der Mehrwert gegenüber Coman schon zweifelhaft wird. Memphis fällt ja leider auch mit Kreuzbandriss aus. Da kann ich das Festhalten an der Idee Sané schon gut verstehen. Vor allem wird keiner der genannten günstiger zu haben sein (oder für die Deutsche Nationalmannschaft spielen).
Außerdem hat man ja jetzt das Glück, Sané nochmal ein bisschen beobachten zu können. Selbst City kann bzw. wird ihn bei der Enge der kommenden Spieltage nicht einfach komplett rauslassen.

Den Spielertyp Havertz hat Bayern aktuell gar nicht. Aber einbauen können sie ihn halt wegen Müller, Goretzka und Lewy auch nicht. Nur weil er groß ist, ist er ja nicht vergleichbar mit Goretzka oder Müller. Am ehesten vielleicht noch mit Lewandowski, der ja durchaus spielmachend und/oder ballhaltend agieren kann.

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Koom 24. Juni 2020 um 11:41

Müssen müssen die Bayern natürlich auch nichts. Der Kader steht aktuell und hat genügend Optionen. Persönlich würde ich wohl am ehesten beim RV mich noch umschauen – und ja, ein offensiver Flügelspieler ist sowieso kein Fehler, da der Verschleiss dort auch enorm ist. Aber auch da: Bayern hat Optionen.

Davies ist zwar momentan als LV nicht wegzudenken, aber daran dachte vor einem Jahr auch keiner. Wohingegen für viele eher klar war, dass Kimmich erstmal RV bleiben wird, weil die Bayern dort keine Alternative haben. Kann also sein, dass man Davies auch wieder nach vorne zieht, weil er sich dort jetzt besser einbringen kann. Und Alaba geht wieder hinten links außen hin. Oder Hernandez findet dort seinen Platz.

Würde mich aber auch eher dem Gedanken anschließen, dass es eher Sane als Havertz wird – aber beide sind interessant. Nur weil momentan kein offensichtlicher Bedarf herrscht, kann es trotzdem Sinn machen, für die Positionen jemanden zu verpflichten, der anders oder besser ist. Und auch die Struktur der Mannschaft kann sich ändern. Falls Thiago nicht wechselt – vielleicht spielt er sich wieder fest? Und dann wäre vorne ein feiner Fußballer als Mitspieler für ihn vielleicht interessanter als Müller oder Goretzka, die eher über Dynamik kommen.

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tobit 24. Juni 2020 um 17:08

Die aktuelle Stammmannschaft ist denke ich eindeutig. Dafür hat man aktuell folgende Backups (die nicht woanders Stamm spielen): Lucas, Boateng/Süle, Javi, Odriozola, Thiago, Tolisso, Cuisance, Coutinho, Perisic und Arp. Arp und Cuisance sollten in einer Planung keine Rolle spielen, die über Alternative Nr.3 oder 4 hinausgeht, wie man es auch bei Davies gehalten hat. Coutinho und Odriozola wird man nach ihren Leihen nicht weiterverpflichten. Boateng und Javi will man abgeben (wollte man ja eigentlich letztes Jahr schon), Tolisso wohl auch (wenn er mal nicht verletzt war, spielte er quasi keine Rolle). Damit bleiben noch Lucas, Thiago und Perisic als Backups übrig. Einer kommt aus langwierigen Verletzungen, einer hat seinen nächstes Jahr auslaufenden Vertrag immer noch nicht verlängert (Alaba übrigens auch nicht) und beim dritten müsste man erstmal die (eigentlich abgelaufene) Kaufoption von 20 Mio. für einen 31-jährigen ziehen.
Dann sieht der Kader nächste Saison so aus:
TW: Neuer, Nübel
IV: Alaba, Süle, Lucas, (Pavard), [Boateng], [Javi]
RV: Pavard, (Kimmich)
LV: Davies, (Lucas), (Alaba)
DM: Kimmich, Goretzka, Thiago, (Cuisance), [Tolisso], [Javi]
OM: Müller, (Goretzka), (Cuisance), [Tolisso]
OA: Gnabry, Coman, Perisic, (Davies), (Müller)
ST: Lewandowski, (Perisic), (Müller), (Gnabry)
Fazit: 15 etablierte Profis plus Cuisance plus drei „Kaderleichen“ mit denen man nicht mehr plant. Selbst Pep als Verfechter kleiner Kader hat immer von 20+4 als Idealgröße gesprochen. Das ist von nichts machen müssen ziemlich weit entfernt, völlig egal wie man die vorhandenen Spieler verschiebt.

Es stehen also fünf Spots für etablierte Profis offen. Die Talent-Spots sollten mit eigenen Jungspielern zu besetzen sein, da habe ich aber abseits von Cuisance und Arp (die für mich keine etablierten Profis sind) keinen Überblick.
Der erste Spot muss eigentlich an einen RV gehen. Dann braucht man eigentlich auch einen IV um einen der Linksfüße auch mal länger für Davies bringen zu können. Inwiefern dafür der zuletzt gehandelte Kouassi ausreicht, oder man dafür eher ein Kaliber wie Upamecano braucht, kann ich nicht beurteilen. Je nachdem wie man in Zukunft mit Goretzka (und Cuisance) plant, braucht man noch einen defensiven oder offensiven Mittelfeldspieler. Man könnte aber auch auf beiden Positionen einen weiteren Spieler vertragen, wenn man einen breiten Kader will. Wenn man da Havertz einplanen will, muss man Goretzka und Cuisance recht klar im defensiven Mittelfeld sehen und ZWINGEND mit Thiago verlängern (weil das finanziell sonst nicht passen wird). Einen Flügelstürmer in Stammqualität braucht und will man. Erst recht wenn man Perisic, Müller oder Gnabry (oder Havertz) auch als Lewy-Backup einplant und niemanden für ganz vorne holt.

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Koom 25. Juni 2020 um 09:45

Generell bleibe ich dabei: den ganz großen Druck werden die Bayern nicht verspüren, gerade in den unsicheren Corona-Zeiten. Ob und in welcher Form die nächste Saison passieren wird, weiss man nicht.

Nichtsdestotrotz bedeutet Stillstand Rückschritt und dessen sind sich die Bayern wohl auch sehr bewusst. Ich würde sehr darauf tippen, dass man einen „Premium“-Transfer macht (Sane oder Havertz) und 2-3 weitere im Stile wie den von Perisic. Also eher einen „gestandenen“ Kicker, der gerade günstig zu bekommen oder leihen ist, der nicht groß murren wird, aber eben auch den Kader auffüllt und nicht „abfällt“. Perisic ist unter diesem Aspekt nicht schlecht. Kein „Leistungsträger“ in diesem Sinne, aber auch keiner, der den Kader runterzieht. Solche Leute braucht man aber auch und hin und wieder entwickeln die sich sogar viel mehr als man vorher dachte.

Es wird wohl viel auf interne Bewertungen ankommen. Ob man Pavard weiterhin den RV machen lässt. Ob man Thiago wieder mehr einbringen will. Wie man die weitere Leistungsfähigkeit von Boateng, Müller, Perisic einschätzt. Die drei nenne ich, weil die definitiv aktuell eine Rolle spielen, mal größer, mal kleiner. Bei Martinez stellt sich die Frage imo nicht mehr, der ist definitiv zu langsam geworden. Schade, aber der geht auch ein Stück weit auf Peps Kosten.

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Daniel 25. Juni 2020 um 10:30

Also das Backup auf der Sturmposition ist derzeit ganz deutlich Zirkzee und nicht Arp (der noch kein Pflichtspiel für die Profis absolviert hat). Ansonsten denke ich nicht, dass ein so großer Umbruch ansteht wie du ihn hier aufzeichnest. Du sagst ja völlig zurecht, Boateng und Javi wollte man letztes Jahr bereits abgeben…aber die Betonung liegt hier auf dem Wollen. Beide haben noch einen Vertrag (sprich ein Gehalt) aus Zeiten, als ihr sportlicher Wert deutlich höher war als heute. Schwer vorzustellen, dass sie dieses Gehalt nach ihren letzten Jahren irgendwo sonst bekommen würden (selbst ohne die Corona-Krise) und zumindest Boateng ist zu nennenswerten Einbußen dem Vernehmen nach nicht bereit (deswegen hat man ja letzten Sommer keinen Abnehmer gefunden). Im Fall Boateng scheinen sich alle Beteiligten längst mit einem Verbleib anzufreunden, was Boateng selbst zu Flicks Verdienst erklärt, unter dem er auch tatsächlich wieder um Längen stärker ist. Etwas abgeschwächt gilt das auch für Tolisso…schwer vorstellbar, dass ihm nach einer verletzungsgeplagten Seuchensaison mitten in einer Krise irgendwo vergleichbares Gehalt geboten wird. Verkauft bekäme Bayern ihn zur Not wahrscheinlich irgendwie, aber dann nur für eine sehr geringe Ablösesumme, womöglich wäre auch eine Leihe eine Option. Fazit: ich rechne derzeit damit, dass mindestens zwei der drei nächste Saison noch immer in München spielen werden, auch wenn vielleicht beide Seiten damit dann nicht zu 100 % glücklich sind. Und so falsch muss das auch nicht sein…man sieht ja an Boateng, wie schnell jemand vom Abstellgleis wieder wichtig werden kann. Da ist die Situation bei Alaba und Thiago schon bemerkenswerter, ihre Verlängerung zieht sich beunruhigend lang. Will einer davon wirklich weg (was in meinen Augen ein Horrorszenario wäre) muss man am besten diesen Sommer eine Einigung finden. Im Gegensatz zu Javi, Boa und Tolisso sind die beiden aber auch tatsächlich für Vereine interessant, die trotz Corona nennenswert investieren können, was gar nicht so viele sein dürften. Allerdings würden die beiden eben auch Löcher reißen, die kaum zu kitten wären.

RV muss definitiv jemand kommen, seh ich auch so. Da ich es für wahrscheinlich halte, dass entweder Boa oder Javi bleiben seh ich auf IV keinen Bedarf, aber selbst wenn beide gehen sollte es ausreichen, hier Mai oder Richards hochzuziehen. Mit Fein kommt ein defensiver Mittelfeldspieler von einer Leihe zurück, denke also nicht, dass da was passieren muss. Hauptpunkt ist ganz klar ein offensiver Flügelspieler, da muss einer kommen (zwei würden auch nicht schaden) plus ein Backupstürmer. Perisic wird hoffentlich nicht verpflichtet, seine Ablösesumme und kolportiertes Gehalt sind für sein Alter, sein Leistungsvermögen und seine Verletzungsanfälligkeit einfach viel zu hoch. Wenn man ihn noch ein Jahr günstig geliehen bekommt ist das ok, aber auch nicht mehr. Fazit: falls außer Odriozola und Coutinho noch jemand geht werden ein RV und ein offensiver Flügelspieler benötigt, bei jedem weiteren Abgang muss mindestens gleichwertiger Ersatz her (außer bei Boa oder Javi).
Thiago ist übrigens mit Sicherheit als Stammspieler anzusehen, auch wenn ihn Goretzka gut vertreten hat.

Vermutlich hast du recht bezüglich Sané. Ich hab ihn halt immer so als die Schalker Version von Douglas Costa gesehen, aber vielleicht hat er sich bei City weiterentwickelt. Wenn ich die in der CL gesehen hab hat ihn Pep meist auf die Bank gesetzt, so dass ich einfach kaum aktuelle Spieleindrücke von ihm habe, auch schon vor der Verletzung. Mag auch sein, dass meine Skepsis daher ruht.

Ob Havertz wirklich auf Bayernniveau „spielmachend und ballhaltend“ agieren kann, davon bin ich ehrlich gesagt noch nicht so überzeugt. Durch den Sonderstatus der Bayern sind die Räume da ganz besonders eng und dadurch steigen die Anforderungen an eine solche Rolle nochmal massiv. Goretzka hat auf Schalke auch deutlich mehr spielgestaltend gewirkt als in München, da die Räume nicht ganz so eng waren und es viel weniger Mitspieler gab, die in diesen Räumen besser waren als er.

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tobit 25. Juni 2020 um 19:49

Gehen wir mal davon aus, dass Tolisso und Boateng bleiben, Alaba und Thiago verlängern (wovon ich angesichts der Gerüchte der letzten Tage nicht mehr so hundertprozentig überzeugt bin wie noch vor einiger Zeit) und Javi und alle Leihspieler gehen.
Dann hat man vier hauptsächliche IV und zwei hauptsächliche AV, die beide ihre erste Saison auf diesem Niveau gespielt haben. Also mindestens muss da ein AV her. Wenn man sich anschaut, dass Süle und Lucas quasi die ganze Saison ausgefallen sind und letzterer auch noch als LV-Backup verplant ist, könnte man hier auch ohne Probleme einen zweiten Neuzugang integrieren. Falls Boateng (oder Alaba) dann doch geht, muss eigentlich zwingend ein etablierter IV her, da reicht dann kein Mai oder Richards ohne Profi-Erfahrung. Da muss es dann nicht direkt das oberste Regal mit Upamecano sein (bei Alaba-Abgang vielleicht doch ganz ratsam), aber Profi-Erfahrung sollte er schon haben.
Man hat fünf etablierte Spieler und zwei Talente für die drei zentralen Mittelfeldpositionen, also kein Handlungsbedarf.
Und dann hat man drei(!) Offensivspieler plus ein paar Jugendspieler (die ich noch nicht für vergleichbar mit Cuisance oder Fein halte, weil sie so gar keine Profi-Erfahrung haben) und Leute die auf anderen Positionen Stamm spielen. Hier braucht es also mindestens zwei Zugänge. Angesichts der Verletzungsanfälligkeit von Coman gerne auch noch einen dritten, wenn man immer sinnvoll rotieren können will (#Kaderbreite).
Das sind je nach gewünschter Kaderbreite drei (oder zwei, wenn man Perisic kauft) bis fünf Neuzugänge im jeweils klar zweistelligen Millionenbereich. Für jeden weiteren Abgang kommt dann nochmal einer dazu.

Ob man jetzt Thiago oder Goretzka als nominellen Stammspieler neben Kimmich ansieht, ist doch ziemlich Wurscht. Beide können sowohl auf der Sechs als auch eine Reihe weiter vorne spielen und passen gut zu Kimmich und auch zueinander. Macht also für die Gesamtkaderbetrachtung keinen großen Unterschied.

Sané ist schon durchaus Costa-esk in der Spielanlage. Ist vielleicht nicht perfekt – aber Sancho und di Maria sind halt nicht zu haben.
Grundsätzlich sind eher geradlinige Flügel aber bei Bayern doch recht interessant, weil der Strafraum gut besetzt wird und man drumherum ja jetzt auch nicht gerade Iniesta und Isco stehen hat. Bayern hat da durchaus ein bisschen was von Zidanes Real, die ja auch kaum mal wirklich den Zwischenlinienraum bespielt haben, eben weil er so eng und aufmerksam bewacht wird.

Vor dem Hintergrund ist dann auch ein möglicher Havertz-Wechsel zu sehen. Er muss trotz enger Räume (in denen ich ihn ziemlich stark finde) da eben nicht den Messi machen, sondern kann seine Kombination aus Technik und Masse sinnvoll einbringen. Ob von der Neun, der Zehn oder ganz woanders. Ob als Anspieler, Ableger oder Läufer.
Und seine Technik (und die spielmacherischen Fähigkeiten auch) ist der von Goretzka ja wohl sowas von überlegen. Goretzka hat bei Schalke längst nicht die Präsenz gehabt wie Havertz in Leverkusen und die Situationen sind bei Bayer auch wesentlich vergleichbarer mit denen der Bayern als das was Goretzka bei Schalke kannte.

@Koom:
Müller kann man nach so einer Saison ja eigentlich nur als Stammspieler einplanen. Erst Recht, wenn man nicht weiß ob und wie die nächste Saison stattfindet. Die Frage nach dem ob stellt sich für mich aber aktuell nicht. Es wird sicherlich weiterhin Einschränkungen geben, vielleicht fällt sogar mal das ein oder andere Spiel aus – aber die Saison insgesamt wird es geben.

Koom 26. Juni 2020 um 09:35

@tobit: Müller habe ich aufgezählt im vollen Wissen, dass das kontrovers ist. Aber der ist mir in den letzten 2-3 Jahren zu sehr hop oder top geworden. Wenn der nicht gereizt wird oder nen Trainer hat, der ihn pampert, dann lässt er sehr schnell nach. Gerade ist er eine essentielle Figur in der 11, aber wenn da „der neue heiße Scheiß“ eingesetzt wird (Havertz) oder um Platz zu schaffen Goretzka seinen Platz kriegt, dann kann das schnell anders ausschauen. Müller ist und bleibt relativ speziell und es hängt von Details ab. Aber ehrlich gesagt: Die nächste Saison sehe ich da auch nicht als kritisch an, es ist mehr so ne Risiko-Spekulation meinerseits.

Zu Sane: Schwierig zu bewerten. Ich halte ihn für megasimpel. Er ist sehr schnell, solide Technik. Was ihn interessant macht (vor allem für die N11) ist seine grundsätzliche Neigung, oft das Dribbling zu suchen (und auch oft genug vorbeizukommen). Das ist gerade heutzutage wichtiger denn je, denn nur mit Paßspiel kommt man nicht weit. Aber Dribbelstärke ist halt so ne Sache: Sane war jetzt noch nicht megalange aktiv. Wenn man böse will, hat er bislang nur eine Saison glänzend getanzt. Ist für mich definitiv ein Risikotransfer.

Was das mit Thiago und Alaba ist, ist auch eher schwer zu deuten. Thiago hat ein durchwachsenes Jahr hinter sich. Der litt auf jeden Fall darunter, dass Kovac wenig auf spielerische Details wert legte. Und Thiago ist durchaus ein Sommerfußballer, dem man eine Struktur geben muss, die ihm zuarbeitet, mit ihm arbeitet. Das sollte Flick durchaus schaffen, aber Flick ist auch ein Trainer mit klarem Leistungsgedanken. Wenn Thiago sich hängen lässt, dann kommt er auch nicht mehr groß ins Rollen. Exzellenter Fußballer, wichtig – aber zum Weltstar wirst du, wenn du unter jedem Trainer in jeder Spiel deine Leistung abrufst. Und nicht nur dann, wenn alle gut drauf sind.

Bei Alaba tippe ich am ehesten drauf, dass er überlegt, noch mal was anderes zu machen. Als Linksfuß für IV und LV, der auch durchaus zentraler weiter vorne agieren kann und gerade das Alter hat, wo man noch mal 3 Jahre Leistung raushauen kann, ist das natürlich legitim. Gibt ja durchaus andere spannende Vereine und Städte, die man vielleicht mal mitnehmen will. Und ich schätze mal, dass er bei jedem Verein interessant wäre.

Daniel 26. Juni 2020 um 15:03

An der zukünftigen Leistungsfähigkeit Müllers zweifelt niemand in München (jedenfalls nicht für die kommende Saison). Seine Stärken liegen nicht im athletisch/physischen Bereich und ich denke nicht, dass er zeitnah nachlassen wird. Dass sein Leistungsvermögen stärker als bei anderen vom Trainer bzw vom Spielsystem abhängt ist richtig, aber wohl kein Problem. „Gefühlt“ hab ich noch nie von einem Bayerntrainer geglaubt, dass er lange bleiben könnte, wie momentan bei Flick. Bei Heynckes war immer klar, dass er altersbedingt keine langfristige Lösung mehr ist, Guardiola ist zu sehr ein Projektmanager, der nach gewisser Zeit was Neues machen will, bei van Gaal war schnell zu merken, dass er und Hoeneß nicht klarkommen. Kovac, Ancelotti, Klinsmann, Magath haben sich vom ersten bis zum letzten Tag fehl am Platz angefühlt. Und mit Flick kommt Müller nunmal fußballerisch perfekt zurecht. Dass Müller eine kleine Diva ist seh ich auch-das könnte zum Problem werden, wenn er doch mal nachlässt. Aber derzeit hat Müller die für ihn perfekte taktische Einbindung, in welcher ihn auch kein Havertz verdrängen könnte.

Dass geradlinige Flügel für Bayern interessant sind hätte ich vor einem Jahr auch noch gesagt, als Bayern mit Alaba und Kimmich zwei sehr einrückende AV-Typen hatte. Aber jetzt mit Davies hätte ich da große Bedenken, wie das mit dem Zusammenspiel funktionieren soll. Davies agiert selbst sehr linear und für eine einrückende Rolle wie Alaba ist er technisch und taktisch noch nicht weit genug. Irgendwie fällt es mir schwer vorzustellen, dass eine linke Seite Davies/Sané wirklich harmonieren würde. Rechts schon eher, abhängig davon, wer nächste Saison als Rechtsverteidiger aufgeboten wird. Aber dafür müsste Sané sein Spiel umstellen…keine Ahnung ob er das kann.

Falls Alaba geht muss leider schon ins oberste Regal gegriffen werden, er ist Bayerns mit Abstand stärkster Verteidiger diese Saison. Generell wäre das diesen Sommer ein richtig mieser Zeitpunkt für einen Verlust Alabas. Bayern hat ein paar interessante Optionen für die IV, hinter denen aber derzeit noch Fragezeichen stehen. Wie verkraftet Süle seinen inzwischen zweiten Kreuzbandriss? Kann sich Hernandez konsolidieren? Ist Kouassi seine Vorschusslorbeeren wert? Ist Pavard auch innen eine Option für die Startelf? Wie entwickelt sich Mai bei einem etablierten Profiverein, zu dem er hoffentlich verliehen wird? Lauter Dinge, bei denen man in einem Jahr schlauer sein wird und von denen stark abhängt, wie die langfristige Planung in der Defensive weitergehen wird. Eben deshalb find ich den wahrscheinlichen Verbleib Boatengs und wahrscheinlich auch Javis ganz gut…Bayern kann abwarten und sehen, wie sich die genannten Personalien entwickeln. Wenn man diesen Sommer etwas machen muss kann das leicht falsch sein, egal was man macht.

Weiß nicht, was die Spitze gegen Thiago unter Kovac soll. Der war doch unter Kovac einer der wenigen, die gemeinsam mit Neuer, Alaba, Kimmich, Gnabry und Lewandowski das sinkende Schiff wenigstens noch halbwegs auf Kurs gehalten haben.

Koom 26. Juni 2020 um 15:13

> Weiß nicht, was die Spitze gegen Thiago unter Kovac soll. Der war doch unter Kovac einer der wenigen, die gemeinsam mit Neuer, Alaba, Kimmich, Gnabry und Lewandowski das sinkende Schiff wenigstens noch halbwegs auf Kurs gehalten haben.

Ja, aber aus welchem Grund? Wirklich viele Vorgaben gab es nicht, also konnte er machen was er wollte. Das hat ihm sicherlich getaugt, aber Erfolg hat man in den schwereren Spielen so nicht. Und Flick ist erheblich strikter was solche Dinge angeht – auch kein Zufall, dass Thiago eher raus ist aus der Startaufstellung. Das der ein wunderbarer Fußballer ist, braucht man nicht zu Diskutieren. Aber nicht jeder Superkicker kommt mit jedem Trainer zurecht. Und man kann auch nicht in Thiagos Kopf reinschauen, was ihm vorschwebt. Vielleicht macht er den Neymar und sucht nen Klub, wo er der uneingeschränkte König (samt Hort = Gehalt) ist und hofiert wird.

Es ist halt nur Spekulation. Und ich weiss, dass jegliche Kritik an Thiago hier immer die Fackeln und Mistgabeln heraufbeschwört. 😉


tobit 23. Juni 2020 um 22:01

Ich denke, die Frage „Sané oder Havertz?“ stellt sich für die Bayern durchaus, wenn man keine überraschend hohen Transfereinnahmen (gab ja zuletzt neue Gerüchte um Lucas und PSG, glaube da aber nicht dran) hat. Gerade vor dem Hintergrund der erstmal stagnierenden Fernseheinnahmen und den generellen Unsicherheiten der Corona-Krise. Da hat Müller es letztens ganz gut auf den Punkt gebracht, dass man eben nicht Gehälter kürzen und dann mit dem gesparten Geld hemmungslos shoppen gehen kann. Und die Kaderbreite soll ja nicht nur in der Offensive wachsen, auch die Abwehr könnte (je nach Abgängen) einen oder mehrere Neuzugänge, die über ein Talent wie Kouassi hinausgehen, gebrauchen.

Ich stimme dir auch in eigentlich allen Punkten zu den beiden Spielertypen und ihrem Nutzen für die Bayern zu, aber das Beispiel Sané zeigt doch, dass ein früher Wechsel zu einem Topklub längst kein Ausschlusskriterium für die Bayern ist. Klar wäre Havertz dann erstmal für zwei, drei Jahre nicht verfügbar. Das passt doch eigentlich wunderbar zum Zeithorizont bei Müller, Lewandowski und (mit Abstrichen auch) Thiago. Dann weiß man auch noch besser, wo er wirklich hingehört/hinpasst und ob er sein Potential überhaupt ausschöpfen wird. Außerdem müsste man auch jetzt schon eine außergewöhnliche Summe überweisen, um ihn zu holen.

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