Hertha BSC – Beginnt der Sturm an die Spitze?

Kann Hertha BSC mit Trainer Bruno Labbadia zu den Besten der Bundesliga aufschließen? Was lief in den ersten Wochen nach der Pause gut? Und wer sind die Schlüsselspieler im Team der Hauptstädter? Das bespreche ich in meinem neuesten Video.

Daniel 18. Juni 2020 um 23:39

Tja, das Video scheint der Hertha aber mal gar nicht gutgetan zu haben. CE ist Labbadias Kryptonit 😉 Etwas komisch find ich die Einschätzung des Kaders. Die Hauptbaustelle ist für mich die Torhüterposition: Jarstein ist 35 und erkennbar über dem Zenit, da muss dringend nachgebessert werden. Auch ein neuer RV muss kommen. Du erwähnst stattdessen das Mittelfeld, wo ich gar keinen Bedarf sehe. Duda kommt zurück, Cunha kann sehr gut Zehner spielen. Für drei Mittelfeldpositionen hat Hertha dann Tousart, Ascacibar, Darida, Meier, Duda und Cunha. Auf IV Boyata, Torunarigha, Rekik, Stark. Für mich sind das die Prunkstellen des Kaders.

@Vinnie
Was gefällt dir nicht an Plattenhardt und Mittelstädt? Find das ein gutes Duo auf LV. Bedarf seh ich da nur rechts.

@Koom
Hast du keinen Megakader, schaffst du es immer nur bis zu einem gewissen Punkt 😉 Selbst jemand wie Nagelsmann wurde in seinem letzten Jahr nur Neunter in der Buli.

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CE 19. Juni 2020 um 08:39

Ja, das war mal wieder ein Timing! 😀

Cunha gefällt mir auf dem Flügel besser. Auf Maier und Duda zu vertrauen bringt ein gewisses Risiko mit sich, aber kann sich auch auszahlen. Es soll wohl vier Neuzugänge geben, am besten für jeden Mannschaftsteil einen.

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Koom 19. Juni 2020 um 09:39

@Daniel: Natürlich. 🙂

Aber man kann ein Team ja auch weiterentwickeln, sowohl was die Individualität als auch die Kaderzusammensetzung angeht. Da würde ich Nagelsmann quasi durchaus als mittelfristig besser als bspw. Labbadia einstufen, auch wenn es immer ein bisserl Risiko ist. Wobei das auch noch zu beweisen wäre, Nagelsmann schien mir bislang auch eher einer zu sein, der mit dem „Zeug“ gearbeitet hat, was ihm verpflichtet wurde.

Wenn ich jetzt mal die Experimentaltrainerblaupause der Bundesliga, nämlich Klopp, hernehme, der hat ja praktisch das Scouting beim BVB revolutioniert/eingeführt. Der hat dann auch durchaus sowohl lange an Spieler gehalten und diese entwickelt (Lewandowski war mal quasi 10er unter ihm) und dem war auch nicht bange davor, Spieler, die nicht passen, dann aufs Abstellgleis zu packen. Bei Nagelsmann fehlt mir da diese Konsequenz aktuell noch ein bisserl, aber fairerweise sind das heutzutage auch andere Zeiten. Als Klopp aufkam, spielte die Bundesliga gefühlt noch mit Holzschuhen den Heldenfußball.

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Daniel 19. Juni 2020 um 14:08

Hm, das ist ja immer schwierig zu sagen. Hat Verein X Erfolg wegen guter Trainingsarbeit? Oder ist der Erfolgsfaktor vielleicht die Kaderzusammenstellung (für die aber eher der Sportdirektor verantwortlich ist). Und wenn letzteres: ist hier wirklich ein hervorragender Manager am Werk oder hatte er vielleicht einfach mal ein bis zwei Transferperioden Glück? Das kann man eigentlich erst beurteilen nach mehreren Stationen oder wirklich richtig langfristiger Arbeit. Guardiola und Klopp haben sehr genaue Vorstellungen und verpflichten dementsprechend. Das weiß man, weil sie bei den größten Vereinen waren, über deren internen Vorgänge viel an die Öffentlichkeit gelangt. In Gladbach ist für mich mittlerweile klar Eberl der entscheidende Faktor, der den Kader mit ruhiger Hand immer weiter verbessert und überlegte, sinnvolle Trainerentscheidungen trifft (grad Letzteres ist fast ein Alleinstellungsmerkmal in der Bundesliga). In Freiburg macht Streich offensichtlich viel richtig, in Heidenheim Frank Schmidt (warum wird der eigentlich nie mit Bundesligisten in Verbindung gebracht? Der hat aus einem Oberligisten einen Aufstiegskandidaten der zweiten Liga gemacht…). Teilweise ändert sich da die Interpretation auch mit der Zeit. Als Frankfurt in kürzester Zeit vom Abstiegskandidaten zum Anwärter auf Europa wurde war Kovac eines der heißesten Eisen am Trainermarkt. Heutzutage würde man den Aufschwung der Eintracht wohl eher mit einem goldenen Händchen von Bobic auf dem Transfermarkt erklären…

Nagelsmann ist einfach zu „neu“, als dass ich mir da eine Prognose erlauben würde. Mir fehlt auch der Einblick in die Verhältnisse in Hoffenheim um auseinanderzunehmen, wie weit Nagelsmann wirklich Einfluss auf den Kader hatte. Labbadia hat noch nie wirklich langfristig irgendwo gearbeitet (was aber großteils an den Vereinen liegt, bei denen er war) und konnte schon deshalb nie einen Kader nach seinen Vorstellungen formen.
Ja, Klopp ist ziemlich hart im Aussortieren von Spielern, die seinen Erwartungen nicht entsprechen. Auch wenn er sich in der Öffentlichkeit sehr geschickt ein Wohlfühlbild aufbaut. In Dortmund und München gibt es soviel Presse, dass man recht gut mitbekommt, welcher Transfer da auf den Trainer zurückgeht und welcher eher vom Management kommt. Solche „Retortenklubs“ wie Hoffenheim und Leipzig sind da undurchsichtiger.

@CE
Naja, für den Anfang wären denk ich eher Toussart, Ascacibar und Darida als Stamm vorgesehen. Als Backups find ich Duda und Meier nicht sonderlich riskant, aber ich weiß was du meinst 😉

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Koom 19. Juni 2020 um 16:02

@Daniel: Ok, größeres Thema: Kaderbau/Aufbau.

These: Bayern sind auch so stark, weil sie wenig/keine Spieler abgeben, bzw. nur dann, wenn sie den Spieler nicht mehr haben wollen. Die anderen Vereine sind deswegen schlechter, weil sie vorwiegend auf Geldflüsse achten (vereinfacht gesagt).

Nehmen wir mal Lewandowski. Das ist einer der wenigen Bayern, die hin und wieder wegen einem anderen Verein murren. Aber auch klarstellen, dass es dabei um Titel (CL!) geht, nicht unbedingt um Geld oder eine andere Liga. Er kriegt nen Maulkorb, aber auch das Versprechen, dass man nachrüstet.

Gehen wir mal zu Klopp: Wenn man auf Liverpool schaut, ist das ein Klub an der Spitze, neben den Reals und Barcas. Finanziell geht nicht viel mehr. Aber wie Klopp kam, war Liverpool eher in der Rolle vom BVB: Finanziell gut aufgestellt, Kader sportlich gut, aber Fluktuation. Liverpool war kein Klub, der Platz 1-4 sicher hatte. Klopp fand/bildete Spieler aus, die (typisch für ihn) woanders nicht so gut oder verkannt waren. Nehmen wir einfach mal Salah als Paradebeispiel. Der war vorher schon in der PL, auch schon teuer. Aber sein Geld nicht wert und Richtung Abstellgleis unterwegs.

Kurz gesagt: Klopp bildet eine Mannschaft und versucht diese auch zusammenzuhalten. Bei Dortmund dann auch am Ende soweit, dass es ihm und dem Verein nicht gut tat und dadurch vieles zusammenbrach – aber er lernte vermutlich draus. Grundsätzlich mag er aber einen Kern, eine Startelf, die sich über 2-3 Jahre nicht groß verändert. Siehe auch die Bayern.

Was ist die Lehre daraus?
Vereine sollten versuchen, Spieler mehr zu halten. Ich greif mir mal Dortmund heraus, weil die kraft Finanzen das durchaus auch machen könnten. Sie haben vor kurzem verstanden, dass man nicht nur mit <21jährigen Erfolg haben kann, sondern auch fertige Spieler braucht, wie Hummels oder Witsel. Guter Anfang.

Aber schaut man auf den Kader und vor allem Startaufstellungen, dann dominieren Youngster. Konkret Youngster, die erst seit 2 oder 3 Jahren auf der großen Bühne sind und bislang sehr schnell ihren Teams entwachsen sind. Die quasi immer überqualifiziert waren. Und landen nun beim BVB und haben dort nicht DEN Erfolg. Für so manchen ist das der erste Frust und "Knick" in der Karriere. Schuld sind dann meistens die anderen: Mitspieler, Trainer, Verein, Liga, Fans. Und dann kommt mehr Leistungsabfall und Verein, Berater und Spieler streben den Wechsel an. Ich sage jetzt nicht, dass alle BVB-Youngster solche Diven sind. Das kann ich nicht beurteilen. Aber rein psychologisch gesehen ist es gut möglich, dass die eben schon in diese Richtung denken.

Was kann man ändern? Als Beispiel – eventuell schlechtes Beispiel, weil ich den Spieler nicht persönlich kenne – nehmen wir mal Brandt. Der Verein sollte sich einige Fragen stellen. Bspw. Ist Brandt auch in 8 Jahren noch interessant für uns? Bringt er sich in der Kabine ein? Ist er klar im Kopf und im Leben? Ist das jemand, den wir in einem Korsett, einer Achse sehen könnten? Wenn ja, dann sollte man diesen Spieler – unabhängig vom Trainer möglicherweise – vereinsseitig ins Boot holen. Ihm klar machen, dass man mit ihm und um ihn herum eine Mannschaft bauen will, die Titel holen soll. Und man lässt ihn auch für große Summen nicht gehen (versüsst das aber mit gutem Gehalt).

Das ist dann natürlich auch eine Charakterfrage, aber wenn man mehrere solcher Spieler hat, die dann über Jahre hinweg Teil der Startelf sind, dann hat man unabhängig vom Trainer eine gewisse Stabilität, weil manche Abläufe, Synergien auch ohne den Trainer da sind. Siehe auch hier Bayern: Ancelotti und Kovac waren sicherlich keine Trainer der Qualität ihrer Vorgänger, aber der Erfolg blieb trotzdem ziemlich gut. Einfach, weil diese Mannschaft sehr viel von ihren Vorgängern einbehalten hatte.

Und diese Eingespieltheit geht den Bayern-Herausforderern wie BVB, Leipzig oder Leverkusen einfach massiv ab. Wo man heute eine Startaufstellung der Bayern von 2017 noch größtenteils aufbieten könnte, geht das bei den anderen kaum. Und es dauert und es kostet Zeit, diese "kleinen" Sachen, Spielverständnis, Abstimmung, Kennen des Mitspielers, einzubimsen. Deswegen klemmt das Ergebnis dann, wenn der Gegner es an einem Tag einfach besser, intensiver macht.

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Vinnie 17. Juni 2020 um 19:27

Tolle Analyse, allerdings sehe ich die Abwehr – zumindest die Innenverteidigung – eher stark, aber vielleicht bezogst du dich mit deiner Kritik an der Viererkette ja auch vor allem auf die Außenverteidiger und vielleicht habe ich zu sehr die Fanbrille auf.

Labbadia scheint auf jeden Fall ein Trainer zu sein (wie mein Vorredner schon sagte) bei dem ein Team weder über- noch unterperformt.

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CE 19. Juni 2020 um 08:41

Danke! Die Kritik bezog sich mehr auf die Abwehrkette als Ganzes. Die Innenverteidigung ist stark so, wie sie ist. Insgesamt fehlen der Mannschaft noch überall ein paar Prozent, damit Labbadia sie weiter nach oben führen kann.

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Koom 10. Juni 2020 um 10:20

Bin nach wie vor kein Fan von Videos, aber ich bin auch alt. Ich nehme Informationen besser schriftlich auf. 😉

Labbadia scheint sich ganz grundsätzlich zu einem Trainer entwickelt (?) zu haben, der im Grunde nichts besonderes macht, dies aber ziemlich sauber. Er scheint den Kader gut lesen zu können, setzt Leute dort ein, wo sie ihre Stärken einbringen und ihre Schwächen abgefangen werden und formt im allgemeinen ein erprobtes Korsett, um eine Grundstabilität zu haben.

Heynckes, Hecking, Flick machen das ähnlich, mit mehr oder weniger Detailarbeit. Nicht den Fußball neu erfinden, sondern aus einem stabilen Grundgerüst heraus agieren und auf dieser Basis dann sich weiterentwickeln. Alle benutzen grundsätzlich sehr gerne ein 4-2-3-1 Schema dafür – es ist aber auch von der reinen Verteilung wohl schlichtweg das ausgewogenste, verständlichste Gerüst. Selbst wenn es hektisch wird, weiß jeder um seinen Bereich oder wo ein Mitspieler stehen sollte. Vorne kann man entweder sehr schematisch oder chaotisch agieren, die ~6 Leute dahinter sichern gut ab.

Allerdings: Hat man keinen Megakader, dann schafft man es damit auch nur zu einem gewissen Punkt. Das System ist stabil, aber berechenbar. Für einen Klub, der im (gehobenen) Mittelfeld agieren will, sind die genannten Trainer also exzellent, man riskiert aber auch wenig dabei, wird aber auch weniger „überperformen“. Und da nach wie vor viele andere Mannschaften vom nächsten Klopp/Tuchel/Guardiola träumen, nehmen sie eher experimentelle Trainer (Wagner, Kohfeld, Rose, etc.) und hoffen auf besseres.

Nur zur Sicherheit: Das ist nicht wertend gemeint. Konservative 4-2-3-1 Trainer sind prima, „Experimentierfreudige“ Trainer sind prima. Man muss nur wissen, was man will und was man vermutlich kriegen wird.

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