Dortmund gegen Bayern – Welche Faktoren entscheiden das Duell?

Auf was wird es im Spitzenspiel zwischen Borussia Dortmund und Bayern München ankommen? Wie kommen die Bayern aktuell zum Erfolg? Und weshalb ist die Risikofreudigkeit des BVB gefragt? Diese Fragen bespreche ich in meinem neuesten Video.

Limbodancer 9. Juni 2020 um 09:43

Also für mich war klar, dass Bayern gewinnen wird. Das gesamte Team ist einfach stärker aufgestellt. Ich meine rein von der individuellen Performance. Klar, es gibt immer viele taktische Finessen – aber die statistischen Werte sprechen alle für Bayern. Statistik ist nicht immer richtig im Fussball – aber es zeigt eben schon viel auf…

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Daniel 26. Mai 2020 um 16:25

Die entscheidende Frage des Spiels dürfte sein, wie gut Kimmich den Ausfall Thiagos kompensieren kann. Erstmals wird er gegen einen starken Gegner die Hauptverantwortung im Mittelfeld Bayerns tragen müssen, und das in einer schwierigen Gesamtstruktur mit den sehr undominanten Goretzka und Müller an seiner Seite. Ich trau ihm durchaus zu, in dieser Situation über sich hinaus zu wachsen, aber eine Garantie gibt es dafür nicht. Gelingt Kimmich eine starke Leistung seh ich Bayern minimal im Vorteil, da sie in der Abwehr und im Sturm etwas stärker besetzt sind. Falls Kimmich es aber nicht schafft, das Zentrum zu kontrollieren, steht Bayern ein ganz schwerer Abend bevor. Weder Goretzka noch Müller können ihm dabei groß helfen.

Letztlich haben beide die Chance heute Abend sich die Pole Position für den Meisterschaftskampf zu erspielen. Siegt der BVB haben sie zwar noch einen Punkt Rückstand, übernehmen aber dank des klar leichteren Restprogramms die Favoritenrolle. Siegt der FCB sind die sieben Punkte Vorsprung bei besserer Tordifferenz fast schon eine Vorentscheidung. Ein Unentschieden lässt beiden noch alle Chancen und dürfte deshalb am wahrscheinlichsten sein. Wenn sich nach 60-70 Minuten keine Mannschaft einen Vorsprung erarbeitet hat wird denk ich keiner mehr großes Risiko nehmen. Tipp: 1:1

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studdi 26. Mai 2020 um 09:25

Ich bin schon etwas gespannt auf das Spiel unter den momentanen Umständen. So rein Gefühlsmäßig hatte gerade bei diesem Duell der Heimvorteil in den letzten Jahren schon eine gewisse Rolle gespielt. Mal schauen wie das ohne Zuschauer läuft…

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Koom 26. Mai 2020 um 11:34

Ich denke mal: Erwartbar. Das Spiel suggeriert nur eine Chance von Spannung.

Bayern ist in Breite wie Spitze die stärkste Mannschaft. Problematisch wirds eigentlich nur, wenn man – wie gegen Frankfurt – etwas runterfährt und verwalten will. Dafür scheint mir die aktuelle Besetzung nicht geeignet zu sein: Kimmich ist viel zu pushend in seiner Spielanlage und er hat auch keine Strategen neben oder vor sich (weder Goretzka noch Thiago), die mal „auf den Ball treten“ und ein Spiel runterspielen können ohne Hektik. Das ist auch das, was die aktuellen Bayern davon abhält „größer“ zu sein. Sie müssen quasi 90 Minuten konzentriert durchspielen und angreifen, sonst fallen hinten gleich mehrere Tore.

Wenn man so will, dann ist die zuschauerlose Zeit für die Bayern sogar ein Stück weit ein Nachteil, weil die ruhige Atmosphäre und „Unhitzigkeit“ des Geschehens sie dann eher mal verleitet, das Spiel kontrollieren zu wollen. Das könnte die kleine Chance für Dortmund werden, wenn sie sich nicht brechen lassen durch die Offensive und dann dran bleiben.

Unabhängig vom Geschreibsel wäre aber mein Tipp, dass Dortmund relativ früh nen Platzverweis abbekommt und dann die Messe gelesen ist. Das ist das klassische Rezept für diesen „Classico“, seit gut 20 Jahren bewährt mit wenigen Ausnahmen.

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Daniel 26. Mai 2020 um 16:12

Versteh ich nicht. Ich kann mich an kein einziges Dortmund-Bayern Spiel der letzten Jahre erinnern, in dem es einen frühen Platzverweis gegeben hat. Kannst du das erklären, ich hab da scheinbar einen Witz nicht gecheckt…

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Koom 26. Mai 2020 um 17:20

Ist mehr ein subjektiver Eindruck, aber diese Konstellation gab es zumindest einige Male, dass es wahlweise früh jemanden von Dortmund mit Rot oder einer sehr dunklen Gelben erwischt hat – oder wahlweise jemand verletzt wurde (nicht zwingend absichtlich). Aber da mag ich jetzt nicht groß mit tatsächlichen Beispielen unterfüttern. Die Mehrzahl der Spiele war vermutlich „sauber“ (das Negative überwiegt meistens in der Wahrnehmung), auch wenn da öfter mal ein Auge bei einem Bayernfoul zugedrückt wurde. Generell lassen sich die Bayern bei solchen Spielen wenig beeindrucken, Dortmund hingegen schon. Und das hilft vermutlich in der Körpersprache auch, wenn es um Kartenverteilung geht.

Die „minimale“ Chance für die Bayern, die du da herbeiredest, scheint mir mehr aus Aberglauben zu kommen ;-). Auf dem Papier ist Dortmund schon sehr stark, aber ich persönlich denke, dass die „Softskills“ der Bayern einen wesentlich größeren Einfluss haben werden als die marginalen Unterschiede in der reinen Balltechnik. Wie auch immer das den Bayern gelingt, aber sie haben definitiv ein paar mehr abgewichste Leute in den Reihen.

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Daniel 26. Mai 2020 um 22:47

Bayern hat nicht mehr „abgewichste“ Leute, aber Bayern hat eine bessere Altersstruktur und ist besser eingespielt in seinem System, da sie im Gegensatz zu Dortmund einen stabilen Mannschaftskern. Dortmund hat von allen Spitzenteams die mit Abstand kurzfristigste Kaderplanung, die meisten Transfers werden maximal in einem Zwei- bis Dreijahreshorizont geplant. Dortmund ist bestrebt, extrem früh Spieler zu finden, die eigentlich etwas zu gut für sie sind. Ein Großteil der Transfersummen wird deshalb für sehr junge Spieler aufgewendet, die dann innerhalb kürzester Zeit den Durchbruch schaffen und dann mit großen Gewinn verkauft werden sollen. Wer das nicht schafft wird sehr schnell aussortiert und wieder aus dem Verein entfernt. Im Grunde eine ähnliche Hire&Fire-Philosophie wie bei Felix Magath. Erfahrenere Spieler werden nur selten gekauft und wenn dann sind sie entweder schon ziemlich alt (Hummels, Witsel) oder eigentlich wirklich deutlich zu schlecht für einen Verein wie Dortmund (Delaney, Rode). So entsteht logischerweise eine extreme Fluktuation im Kader.
Bayern kauft viel weniger Spieler, aber wenn verfolgen sie damit einen längerfristigen Plan. Oft sind die Transfers am Anfang gar nicht so bedeutend und brauchen einige Saisons, um sich wirklich in die Mannschaft zu spielen. Süle, Kimmich, Davies und Co haben sich alle erst Monate bis Jahre in Bayerns System integrieren müssen, ehe sie wichtige Stützen wurden. Bei Dortmund ist es andersrum, die holen irgendeinen neuen Jungstar und richten die ganze Taktik auf ihn aus. Oft ist dann der Jungstar ganz am Anfang am besten, bevor dann das System schon wieder auf den nächsten umgestellt wird. Can und Bürki sind eigentlich fast die einzigen relevanten Transfers der letzten Jahre, die wirklich längerfristig die Mannschaft verstärken sollen. Durch die Kontinuität im Kader haben bei Bayern die wichtigen Spieler eine Eingespieltheit und ein Verständnis füreinander, die in Dortmund gar nicht da sein kann. Aus der heutigen Startelf Bayerns haben Neuer, Alaba, Boateng, Kimmich, Müller und Lewandowski schon unter Guardiola für den FCB gespielt. Diese Leistungsträger haben untereinander gewisse Abläufe, die unabhängig vom Trainer immer eingesetzt werden und die Mannschaft gerade in kritischen Momenten stabilisieren. Diese Eingespieltheit gibt es beim BVB einfach nicht. Auch bei RB Leipzig gibt es mit Gulacsi, Orban, Halstenberg, Klostermann, Forsberg und Poulsen eine Achse, die über alle Trainer hinweg mit bekannten Abläufen zusammenarbeitet. In meinen Augen der Hauptgrund, warum RBL dem BVB schon deutlich näher gekommen ist, als man es angesichts der noch immer deutlich höheren individuelle Klasse der Dortmunder vermuten würde.

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Koom 27. Mai 2020 um 09:25

Ich würde jetzt sagen, du hast das „abgewichst“ in passendere Worte gekleidet und mehr Sinn verliehen. Aber ja, du hast da auch recht. Ich finde vor allem folgenden Punkt gut:

> Oft ist dann der Jungstar ganz am Anfang am besten, bevor dann das System schon wieder auf den nächsten umgestellt wird.

Zuletzt: Haaland. Ich glaube, der war dann dort am besten, als man eben noch nicht alles auf ihn umgestellt hat, sondern ihn in das Korsett einfach eingesetzt hat. Ich denke, auch und gerade Stürmer profitieren davon, wenn sie nicht in „erwartbaren“ Bahnen laufen müssen, sondern eine gegnerische Abwehr lesen und überraschen können. Natürlich profitiert jeder von guten offensiven Mitspielern, aber nicht zwingend davon, dass er die Bälle dann am Ende nur noch auf 1-2 bestimmten Wegen bekommt.

Wenn man böse will (und eigentlich mag ich die Dortmunder, aber das rührt immer noch nur von Klopp), dann ist Dortmund eigentlich deutlich mehr als RB Leipzig das, was viele Traditionalisten am Fußball hassen: Menschenverachtendes Geschacher, keine Identifikation (bzw. nur gefakte), Geld > alles, selbst sportlichen Erfolg.

Wobei Dortmund sowohl das Geschacher als auch das Vorgeben von Identifikation vielleicht nur am wildesten betreibt, aber sie sind da nicht allein. Da kann ich runter gehen zu Mainz 05, die das gleiche Spielchen treiben – im Grunde jeder Bundesligist. Alle sind da wesentlich mehr für Geldzu- und abgänge, weniger für den sportlichen Erfolg (wobei der auch wünschenswert ist, aber lieber bspw. nen Havertz für 100 Mio verkaufen, als ihn zu halten und weiter oben anzugreifen).


UdoLattek 25. Mai 2020 um 20:26

Danke für das Video! Interessant fand ich die Einschätzung und eingeräumte Bedeutung der Positionsduelle der Außen- und zentralen Mittelfeldspieler (besonders gefallen hat mir da die neue Bedeutung von Goretzka als Mittelfeldstratege).

Bei Dahoud vs. Can hat mir die aktuelle Form und Rolle Dahouds gefehlt. Auch wenn Can mehr Physis mitbringt, ist Dahoud (gemeinsam mit Guerreiro) aktuell der formstärkste Dortmunder Spieler. Wie schon in seinen frühen Gladbacher Zeiten, in denen er mMn seine stärksten Auftritte in Vorbereitungsspielen hatte, bestätigt die aktuelle Situation ohne Fans im Stadion den Eindruck, dass er seine Nerven vor Zuschauern dahingehend einfach nicht in den Griff bekommt, um konstant sein – ohne Frage großes – Potential abzurufen. Ich hoffe, dass Favre an Dahoud festhält. Nicht zuletzt, um gegen Bayern auch durch die Mitte das eigene Spiel eröffnen zu können. Diese Variante ginge mit Can und Delaney verloren.

Im Bezug aufs Umschaltspiel der Dortmunder (ab 7:40) fehlen mir in der aktuellen Formation die Rollen von Guerreiro und Hakimi. Zwar wurde später beschrieben, dass Hazard und Brandt häufig einrücken, allerdings beschränkt sich das nicht wie dargestellt nur auf die Balleröffnung durch lange Passe durch Hummels. Auch unmittelbar nach Balleroberungen in der gegnerischen Hälfte/ im vorderen Drittel schalten sich Guerreiro und Hakimi sofort in leicht unterschiedlichen Rollen in den Gegenstoß ein. Guerreiro als einrückender Ballverteiler und Kombinationsspieler für Brandt, Haaland und Hazard, Hakimi als Adressat für lange Pässe, die er nach Dribbling selbst abschließt oder im Strafraum querlegt.

Ansonsten ist das für Bayern aus meiner Sicht leichtere Startprogramm ein Nachteil. Bei allem Respekt vor Union und Frankfurt sind beide, vor allem ohne Zuschauer, kein Härtetest. Dagegen konnte Dortmund mit den souveränen Siegen gegen Schalke und Wolfsburg ordentlich Selbstvertrauen tanken. Es wird spannend!

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[email protected] 25. Mai 2020 um 14:06

Entschuldigung für den Ausflug auf die Metaebene: aber erstmal geil, dass du direkt wieder am Start bist. 🙂 Super!

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