Braucht es wirtschaftliche Reformen in der Bundesliga?

Es wird davon ausgegangen, dass bis zu 13 Bundesliga- und Zweitligaclubs bei einem endgültigen Saisonabbruch die Insolvenz drohen könnte. Braucht es wirtschaftliche Reformen im deutschen Fußball? Wie könnten diese aussehen?

Koom 28. Mai 2020 um 14:49

Um mal Daniels Gedanken aufzugreifen und in dieses Topic zu verpflanzen:

Ich denke, der Fußball braucht ein anderes Geschäftsmodell. Nehmen wir mal den Status Quo der Bundesliga und seien wir einfach mal ein wenig sarkastisch: Nahezu alle Klubs der 1. Liga (und vieler darunter) haben „sportlichen Erfolg“ erst als sekundären Punkt auf ihrer Liste des Geschäftsmodells. Ohne Frage als sehr wichtigen 2. Punkt, aber vorrangig ist „Wertsteigerung via Spielertransfers“.

Dortmund ist dabei vielleicht führend, aber im Grunde kann man das – mit Ausnahme der Bayern und (quod erad demonstrandum) der Leipziger – auf alle Bundesligisten übertragen. Man kauft Spieler, nahezu immer sehr jung, ein, bietet ihnen eine Bühne und verkauft sie mit sattem Gewinn weiter. Rince, repeat. Ob das nun Dortmund ist, die den nächsten Dembele suchen oder Mainz mit dem nächsten Diallo, das Spielchen bleibt das gleiche. Die Spieler werden sehr selten bis nie gehalten, auch wenn sie integral sind für den sportlichen Erfolg (in Punkte Titel).

Zumindest in der Bundesliga sorgt dies für die Situation, dass die Bayern relativ mühelos (wenn sie sich nicht gerade Stöcke in die Speichen stecken mit seltsamer Trainerwahl) zum 8. Mal hintereinander Meister werden, weil alle anderen Mannschaften letztlich „unreif“ sind. Kaum ein aktueller Dortmunder Spieler ist mit dem Klub irgendwie verbunden und hat via Agent vermutlich schon 3-4 Anfragen von größeren Klubs. Ergo ist das aktuelle Abschneiden relativ egal, denn es geht ja anderweitig weiter. Das führt dann dazu, dass vermutlich nicht die allerletzte Leistungsfähigkeit abgerufen wird, weil das Erreichte schon ausreichend ist, um mehr Anerkennung (und Geld) zu bekommen. Und die handvoll Spieler, die trotzdem 100% stets abrufen, werden vermutlich rausgefiltert und landen mehrheitlich bei den großen Vereinen (wo es dann auch keine wirkliche berufliche Steigerung mehr gibt).

In der Bundesliga erscheint mir momentan nur Leipzig eine Spur mehr daran interessiert zu sein (und durch Fremdkapital auch etwas abgesichert), eine Mannschaft aufzubauen und tatsächlich mittelfristig dadurch Titel zu holen. Stand der Dinge hat man nur Keita „ohne Not“ abgegeben. Aber – da muss man auch erst mal abwarten, auch dort hat sich erst vor recht kurzem ein klein wenig was im Management getan. Leverkusen hingegen scheint nicht mal zu versuchen, Havertz zu halten, sondern kalkuliert bereits mit 100+ Mio Einnahmen für ihn. Anstatt ihn also zu halten und vielleicht mal mehr anzugreifen, geht man auf „wirtschaftliche Sicherheit“.

Letztlich: Es lohnt sich scheinbar nicht, eine Mannschaft aufzubauen und einen Achse über Jahre zu entwickeln. Finanziell scheint es lukrativer zu sein, alle 3-4 Jahre praktisch das komplette Team einmal durchzuwechseln, auch wenn dadurch sportlicher Erfolg (in Punkto Titel) auszuschließen ist. Es ist ja auch kein Zufall, das deutsche Teams international schon länger relativ bedeutungslos sind, obwohl sie faktisch einige der besten Spieler unter Vertrag haben.

/discuss. 😉

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Daniel 28. Mai 2020 um 20:56

Anderes Geschätsmodell geht wohl fast nur, wenn man die Champions League wirklich durch eine Art Super League ersetzt, innerhalb derer die TV-Gelder solidarischer verteilt werden. International wird das ganz große Geld nunmal mit der CL erwirtschaftet, das bedeutet, dass die Stammteams der CL ihren Vorsprung gegenüber ihren nationalen Konkurrenten immer weiter ausbauen. Dadurch werden die nationalen Ligen in der Spitze zunehmend witzlos, weil es entweder einen (Deutschland, Frankreich, Italien) oder zwei (England, Spanien) Topclubs gibt, die sich primär über die CL definieren und die nationale Liga nebenbei abfrühstücken. In Deutschland, Frankreich und Italien gibt es hinter den Big Playern (Bayern, Dortmund, Paris, Juve) noch ein bis zwei CL-Startplätze, was dahinterliegende Teams zu finanziell riskanten Manövern treiben kann, um diese freien Plätze am großen Geld zu ergattern (siehe Schalke oder HSV). Nur England hat das Problem nicht in der Form, da es dort dank Mäzenen so viele schwerreiche Clubs gibt, dass die dortigen Schalkes und Gladbachs eh keine Chance haben, mal in die CL zu kommen. Also gibts die Versuchung auch nicht.

Ich find schon, dass Dortmund dieses Geschäftsmodell noch deutlich extremer betreibt als die meisten anderen. Vermutlich auch, weil der BVB es sich „leisten“ kann. Dortmund ist halt so deutlich die Nr.2 (oder zumindest 3), dass man die großen Fleischtöpfe in der CL selbst mit einem v.a. unter finanziellen Gesichtspunkten zusammengestellten Kader erreicht. Die Vereine drunter würden mit so einer Strategie riskieren, dass sie ihre elementaren sportlichen (und damit auch finanziellen) Ziele verfehlen, was jeden Transfererlös konterkarieren würde.
Dass man Spieler bei unmoralisch hohen Angeboten verkauft kann ich sogar verstehen. Aber beim BVB werden Spieler selbst bei relativ mittelmäßigen Angeboten abgegeben, auch wenn sie sportlich durchaus noch eine Rolle spielen. Dortmund will Spieler, die eigentlich etwas besser sind als sie selbst und geben auch Spieler ab, die vielleicht „nur“ das Potenzial zum Dortmund-Spieler haben, aber wohl nie Weltfußballer werden. Aktuelle Beispiele: Weigl, Alcacer, Isak, Bartra. Auch Guerreiro wollten sie ja eigentlich loswerden, da kam dem Vernehmen nach nur kein passendes Angebot. Weil wohl auch den BVB-Verantwortlichen klar ist, dass man mit einem Kader aus 16 (vermeintlichen oder tatsächlichen) Supertalenten wohl kaum Meister wird holt man dann ab und zu relativ lieblos ein paar ältere Spieler, die oftmals nicht sonderlich gut gescoutet sind und absehbarerweise nur mäßig in die Mannschaft passen oder auch schlicht zu schlecht sind (Schulz, Delaney, Rode, Schürrle, in meinen Augen aber auch Hummels und Can, für den kein richtiger Platz in der Startelf ist bzw diese zumindest nicht signifikant verstärken wird, da kein Bedarf an diesem Spielertyp bestand). Wobei ersteres für mich sehr überraschend Leipzig in der Winterpause auch gemacht hat. Ich glaub nicht, dass RBL seine Meisterchancen dermaßen schnell hätte begraben müssen, wenn sie die Verletzungen von Orban, Konaté und Kampl mit Demme und Ilsanker hätten auffangen können. Aber da war die finanzielle Gier auch zu groß.

Bei Gladbach z.B. hab ich ehrlich gesagt schon den Eindruck, dass dort die meisten Neuzugänge als längerfristige (sportliche) Verstärkungen geplant sind und nicht nur, um sie mit Gewinn zu verkaufen. Sicher passiert das in Einzelfällen auch mal (Xhaka, wahrscheinlich irgendwann auch mal Thuram), aber Leute wie Plea, Ginter, Elvedi, Sommer, Bensebaini, Laimer oder Stindl waren sorgfältig gescoutet, um die Mannschaft sportlich voranzubringen und nicht um viel Geld abzuwerfen. Auch Frankfurt und Wolfsburg scheinen mir nicht so geil drauf zu sein, auf Teufel komm raus ein Transferplus zu erwirtschaften (gut…kein Wunder dass man das mit VW im Rücken nicht nötig hat). Ein Sonderfall ist Schalke, die würden wohl gern auch ihre Spieler mit Gewinn verkaufen…leider sind sie zu unfähig und verlieren ihre besten Spieler meistens ablösefrei. Dumm gelaufen.

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Koom 29. Mai 2020 um 12:06

Vorab: Danke. Kann dir im wesentlichen nur zustimmen.

Bei Gladbach, wie auch bei Leipzig, fehlt mir noch der Zeitraum zur Absolution. Rose in Salzburg war es ja auch schon gewohnt, im 1-2 Jahresrhytmus den Kader neu aufzubauen, weil man sehr heftig transferierte. Eberl ist da nicht ganz so „freigiebig“, aber auch da wehrt man sich nicht so hart. Da sehe ich Leipzig ein Stück weiter.

Und wegen Reform: Jupp, da müsste sich generell einiges im (europäischen) Fußball verändern damit das funktionieren könnte. Aber auch das wird schwierig, weil die Macht eben dort ist, wo das Geld ist und man wird kein „kommunistisches“ System betreiben wollen, wo das Geld (und damit auch viel Macht) auf mehr verteilt wird. FIFA und UEFA gefallen sich in ihrer Position genauso wie Madrid, Barca, Paris, Bayern & Co. DAs Spiel funktioniert für sie ja, auch wenn das – imo auf absehbare Zeit – irgendwann nicht mehr funktionieren wird, weil der Reiz für den Zuschauer weg ist.

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Sven 19. Mai 2020 um 22:17

Das Problem liegt in der Verquickung von Sport und Wirtschaft selbst. „Normale“ Wirtschaftsunternehmen planen kurz-, mittel und auch langfristig. Danach bilden sie Rücklagen für Zukunftsinvestitionen, für Konjunkturzyklen usw. Die Haupteinnahmequelle im Kommerzfussball sind die TV-Gelder. Diese richten sich nach dem sportlichen Erfolg. Aber wie planbar ist sportlicher Erfolg? Bevor das TV zu Beginn der 1990er Jahre im großen Stil in den Fussball einstieg, hing der wirtschaftliche Erfolg im Wesentlichen vom Sponsoren-Management, von den Ticketerlösen und vom Merchandising ab. Der FC Bayern rettete sich in den 1980er Jahren nur durch den Millionenverkauf von KHR nach Mailand vor der Pleite. All diese ERlösquellen konnte ein gutes Management selbständiger beeeinflußen, als die TV-Gelder, die überwiegend vom sportlichen Erfolg abhängig ist. Die Konsequenz davon ist, dass fast alle Vereine kaum Rücklagen haben, ihre Erlöse fast vollstänig in Beine und Steine investieren, um den größtmöglichen sportlichen Erfolg (=Einnahmen aus den TV-Rechten) zu haben. Zudem ist es eine Besonderheit im Fussballgeschäft, das ein Manage, der tatsächlich Rückllagen bildet, statt in den Kader zu investieren, sehr schnell in die Schußlinie von Fans und Medien gerät. Anfang der 2000er Jahre erlebten wir die Kirchkrise, die damals schon für viele Vereine in der Bundesliga existenzbedrohend war. Nun diese Pandemie, die nicht die letzte bleiben wird. Wenn Vereine heute schon ihre Einnahmen von morgen verpfänden müssen, um ihre Liquidität zu sichern, ist die Pleite eigentlich schon da. So verrückt es auch klingt, aber das stig wachsende TV-Geld ist auch der schleichende Tod des Fussballs als Wettbewerb. Die Zahl der Vereine, die sich ihren sportlichen Erfolg durch entspechend hohe Investitionen höchstmöglich „planen“ können , wird immer kleiner: Real Madrid, FC Barcelona, FC Bayern, FC Liverpool, Juve, Man City…. wer dann eigentlich noch? PSG, die beiden Mailandklubs – hängen zu sehr am Tropf ihrer Eigner. Entweder wird das TV-Geld nicht als Belohnung für den sportlichen Erfolg von gestern (5 Jahre), sondern gleichteilig auf alle beteiligten Vereine, verteilt. Und/oder die DFL, die UEFA bilden aus den TV-Geldern ihrer Wettbewerbe einen Fonds, der im Notfall (Pleiten der TV-Rechtekäufer, Pandemien, Finanzcrashs usw.) allen Vereinen zur Verfügung steht.

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Daniel 24. Mai 2020 um 01:45

Ja, guter Punkt, die mangelnde Planbarkeit von TV-Einnahmen seh ich in der Tat auch als Problem an. Ich fänd es schon seit Jahren gut, wenn man die TV-Einnahmen zum einen generell gleichmäßiger verteilen würde und zweitens mehr an die Einschaltquoten koppeln würde anstatt ausschließlich den sportlichen Erfolg zurate zu ziehen. Eben weil sich die nicht so schnell ändern wie der sportliche Erfolg und deshalb in einem größeren Ausmaß planbar sind. Somit würden Vereine nicht dermaßen schnell in extreme finanzielle Nöte geraten, wenn der sportliche Erfolg mal ein paar Saisons ausbleibt. Und außerdem wär das in meinen Augen auch einfach nur fair: je mehr Zuschauer die Spiele verfolgen desto mehr TV-Geld wird eingenommen. Wenn also Vereine wie Schalke oder Köln ca doppelt so viele Leute vor den Fernseher bringen wie Augsburg oder Wolfsburg tragen sie dazu bei, dass der Kuchen größer wird…also sollten sie auch mehr davon bekommen.

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Axel 9. Mai 2020 um 22:32

Nachdem nun mehrmals positiv getestet wurde und dynamo Dresden vom gesundheitsamt komplett in Quarantäne geschickt wurde, hier mal noch ein Kommentar zum Gebahren der DFL … Müßig darüber zu diskutieren wie abstrus die Nummer jetzt schon ist.

https://www.sportschau.de/fussball/bundesliga/corona-tests-bundesliga-durchfuehrung-unabhaengigkeit-100.html

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Koom 5. Mai 2020 um 11:42

Wirtschaftliche Reformen wegen Pandemie? Schwierig.

Das sich Dinge generell im Fußball ändern müssen, sollte durchaus klar sein. Sicherlich bestimmt der Markt die Preise und wenn der bereit ist, Milliarden dann reinzustecken, dann ist das so. Und dann haben die Beteiligten auch ein Recht auf ihren Anteil.

Nichtsdestotrotz denke ich, dass durch diese Unsummen eine Entfremdung vom Fan stattgefunden hat, die durch die Pandemie noch verstärkt wurde. Es ist hart, den zahlreichen Fans, die jetzt in Kurzarbeit oder gar arbeitslos geworden sind, zu vermitteln, warum sie jetzt einen geringen 4stelligen Betrag (oder weniger) jetzt abgeben müssen – der teils existenzbedrohend ist, während der 21jährige Jungstar des hochverschuldeten Lieblingsklubs entweder nichts abgibt oder einen (im Vergleich) Witzbetrag.

Aber das ist etwas, was der Fußball im Ganzen (Stichwort: Salary Cap) ändern muss, oder unweigerlich auf weitere Crashes zusteuert. Der europäische Fußball ähnelt teils mehr einem wilden Aktienmarkt und ebenso wird dort wild investiert und verschoben. Das kann nicht gut sein, das ist letztlich eine Spekulationsblase, die heftig platzen wird.

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Daniel 5. Mai 2020 um 15:55

„…oder unweigerlich auf weitere Crashes zusteuert.“
Weitere? Wie viele Crashes gab’s denn so im Fußball?

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Koom 5. Mai 2020 um 16:52

Ich mag mal an die Kirch-Krise erinnern (graue Vorzeit für manche). Passiert vielleicht nicht mehr wieder, aber wir dachten auch, dass Pandemien wie Pest etc. eigentlich keine Sache unserer Zeit mehr wäre.

Generell kann es immer passieren, dass man eine Inflation oder Deflation auslöst und sich die Wirtschaftslage dadurch drastisch ändert. Letztlich ist in der Situation es dann auch irgendwie wurscht was mit dem Fußball passiert – wie es jetzt theoretisch auch sein sollte, aber die Diskussion zeigt anderes.

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Koom 5. Mai 2020 um 16:54

Ansonsten: Bossman-Urteil, das vieles veränderte. Vor kurzem drohte es ein Mainz 05/Heinz Müller-Urteil zu geben, dass erneut vieles verändert hätte (betreffs Vertragslaufzeiten). Politisch nähern wir uns auch teils wieder einer Zeit an, an der Landesgrenzen mit Mauern, Zäunen und Schusswaffen wieder verteidigt werden könnten… das mag heute noch übertrieben scheinen, aber wir haben zumindest einen Trend in diese Richtung.

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Daniel 6. Mai 2020 um 12:54

Kirch-Krise ist tatsächlich graue Vorzeit für mich…ich bin zu jung, um eigene Erinnerungen daran zu haben. Aber nach allem, was ich weiß, erfüllt die Kirch-Krise keinesfalls die Vorraussetzungen für einen Crash. Bei der Kirch-Krise ist letztlich einfach nur ein Unternehmen insolvent gegangen…das passiert dauernd, auch in gesunden Branchen. Bei einem Crash stürzt nach dem Zusammenbruch des ersten Dominosteins ein Großteil der Branche in sich zusammen (bspw wäre nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers 2008 ohne staatliche Hilfen ein Großteil der Bankenbranche kollabiert). Bei der Kirch Krise hingegen ist genau das nicht passiert. Obwohl der wichtigste Medienpartner der Bundesliga wegbrach geriet kein Verein in die Insolvenz, bereits wenige Jahre danach erreichten die Fernsehgelder wieder das Niveau der Zeit vor der Kirch-Krise und sind seitdem kontinuierlich weitergestiegen.

Bossman-Urteil: Das hat zwar vieles verändert, aber ein Crash war es mit Sicherheit nicht. Trotzdem ist es sehr interessant. Es ist nämlich ein gutes Beispiel dafür, dass entgegen deinem Eindruck, wonach der „europäische Fußball teils mehr einem wilden Aktienmarkt“ ähnelt, der europäische Fußball im Gegenteil sogar strenger reglementiert und kontrolliert ist als der Rest der Wirtschaft (allerdings steht der Rest der Wirtschaft weniger im Rampenlicht, da fällt das weniger auf). Es gibt einige Regeln, die nur im Fußball gelten. Die Regel, dass ein Arbeitnehmer auch nach Ablauf seines Arbeitsvertrags nicht einfach gehen darf, die das Bossman-Urteil zufall brachte, war eine davon. Das Financial Fairplay und die 50+1-Regel sind andere, noch heute bestehende Beispiele, ein Salary Cap wäre eine weitere. Und eben das ist das Problem: mit sehr großer Wahrscheinlichkeit hätte ein Salary Cap keine Chance, vor einem außerhalb der Sportgerichtsbarkeit stehenden europäischen Gericht zu bestehen. Das ist ja auch einer der Gründe, warum die Verbände ziemlichen Respekt davor haben, Regeln wie 50+1 oder FFP wirklich hart durchzusetzen. Die Angst bei DFB und UEFA ist zurecht groß, was passieren würde, wenn irgendwann mal ein Verein gegen diese Beschränkungen bis zum bitteren Ende klagen würde, wie es Bossman einst getan hat.

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Koom 8. Mai 2020 um 09:34

Naja, die Mathematik und Tricksereien im Fußball sind _noch_ etwas simpler und durchschaubarer. Da haben wir noch keinen Cum-Ex-Mist, aber man merkt ja jetzt schon bei diversen Vertragskonstrukten, die man möglichst undurchsichtig aufbaut, wie sehr man versucht, da Gelder zu verstecken. Das ist eher der Aktienmarkt von vor 20 Jahren, aber man sieht ja, wohin sich das entwickelt hat. Und wie sehr man versucht, massiv Geschäft damit zu machen, da muss ich vermutlich nichts erwähnen. Gerade die Corona-Krise zeigt das ja sehr eindrucksvoll auf.

Die Kirchkrise hat damals schon einige hart getroffen. Ehrlich gesagt bin ich aber zu wenig Historiker, um das halbwegs belastbar aufzudröseln. Das Schalke oder Dortmund damals aber massiv finanziell gewackelt haben, obwohl beide sportlich sehr erfolgreich waren (wobei fairerweise sportliche Stärke meistens erkauft wurde), sagt schon einiges. Schalke machte damals erst die umstrittene „Schächter“-Anleihe (und kurz darauf Gazprom, Dortmund stand vor der Insolvenz. Es haben sehr viele Leute damals die Augen zugedrückt, damit das alles klappte.

Und ansonsten: Viele sehr miese Aktionen werden meistens dadurch abgenickt, weil sie von alten Vereinen (meist: Bayern München) durchgezogen werden. Bayern hat sich von Kirch damals mit 40 Mio bestechen lassen, um nicht gegen die zentrale Vermarktung vorzugehen – Kirch ging auch deswegen pleite. Oder jetzt ganz neulich lassen sie nen 17jährigen von Hoffenheim nach München via Chaffeur abholen, um den medizinisch zu checken für ne Verpflichtung. Aber Herrn Boateng fett abmahnen, weil der seinen Sohn besuchen geht. Aber ist ja eine Traditions-AG.

Aber ich schweife nen Hauch ab. Persönlich halte ich die Finanzen und die „wirtschaftliche Bedeutung“ des Fußballs für übertriebenen Schwachsinn und Schaffung einer Investitionsblase. Die wird platzen, die Frage ist nur: wie.

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Daniel 8. Mai 2020 um 12:54

Wie gesagt, diese Blase seh ich nicht. Dafür steht den Ausgaben im Fußball viel zu viel an sehr realen Einnahmen gegenüber, die breit gestreut sind auf unterschiedliche Bereiche und auf Millionen von Kunden. Das Fußball-Business ist sehr krisenresistent, weder interne Verwerfungen wie die Kirch-Krise noch eine einschneidende Rezession der Gesamtwirtschaft in der Finanzkrise 2008 konnten den Spitzenfußball nachhaltig schädigen. Das ist vollkommen atypisch für eine Investitionsblase. Und auch jetzt in der Corona-Krise kann man eigentlich nur mit extremem Fokus auf den Fußball zu dem Eindruck kommen, dieser sei in höherem Ausmaß betroffen als ein Großteil der Restwirtschaft. In der Volleyball-Bundesliga mussten schon jetzt nach wenigen Wochen drei von 12 Mannschaften ihre Erstligalizenz zurückgeben. Den Blick etwas über den Fußball hinaus zu weiten hilft, die „Probleme“ des Fußballs richtig in den Gesamtkontext der Entwicklung einzuordnen.

Wie gesagt: ich kann absolut verstehen, dass man die Gehälter von Fußballern ungerecht findet. Nur ist ungerecht halt nicht gleich Blase. Das war auch das, was ich weiter unten mit dem Vergleich mit Schauspielern und Musikern sagen wollte: man kann es ungerecht finden, dass diese Leute so viel verdienen, aber es gibt dafür durchaus eine realwirtschaftliche Begründung. Übrigens werden ja auch in anderen Sportarten seit Jahrzehnten vergleichbare Gelder ausgeschüttet: in der Formel 1 zum Beispiel oder auch in den vier großen amerikanischen Ligen (Football, Baseball, Basketball, Eishockey), meines Wissens ohne dass es einen Crash gab.

Deinen Seitenhieb auf den FC Bayern ignorier ich jetzt mal. Die Diskussion ist zu interessant, um sie jetzt in ein „Mimimi, aber dein Verein hat…“ abgleiten zu lassen

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Axel 11. Mai 2020 um 22:14

ich weiß nicht wo ich es gelesen habe, aber angeblich würde der Profifussball über 100.000 Menschen in Lohn und Brot in Deutschland bringen. Ist ja nunmal die Frage wo man da die Grenzen zieht. Aber generell zweifele ich das schon stark an. Die Gastronomie rund um Spiele basiert nicht auf sozialversicherten Arbeitsverträgen. Da fällt dann schonmal viel weg, zumal die meist auch maximalst Mindestlohn zahlen. Selbiges gilt für Ordner etc pp … da gibt es einfach viel Spieltagbezogenes Personal. Die Polizeieinsätze zahlt ja auch nicht der Verein oder die Dfl …
Stadionneubauten sind eher selten in großem Ausmaß … Also ich denke da wird ziemlich übertrieben was die Zahlen angeht. Kurz um, ich würde dem Profifussball wenig Relevanz beimessen was das Thema Menschen in Brot und Lohn bringen angeht. Und damit auch die Steuerlast die er trägt.

Koom 12. Mai 2020 um 09:44

Ist halt wie bei einigem: Es macht einige wenige reich(er), und die sind meistens einflußreich und können dadurch am lautesten schreien und behaupten, wie wichtig sie doch für die Menschheit sind.

Währenddessen man Krankenhauspersonal mal nen Bonus von 500 Euro gibt oder ne Billigreise ins Ausland verspricht…

CHR4 16. Mai 2020 um 00:23

„da haben wir noch keinen Cum-Ex-Mist …“
– ich kann mich an Verfahren gegen Spieler in spanien erinnern, die massiv Steuern hinterzogen haben, z.B. dadurch, dass sie Bidlrechte in Briefkastenfirmen ausgelagert haben …
noch dazu ist nicht alles moralisch in Ordnung, was evt. sogar legal ist/wäre:
Beispiel Liverpools Ansinnen Kurzarbeit in Anspruch zu nehmen … gerade bei so einem Club … ich kann nur mit dem Kopf schütteln

Koom 16. Mai 2020 um 16:11

Ist vermutlich noch nicht ganz so krass wie Cum-Ex, aber ja: Die Tendenz geht sehr in die Richtung, irgendwie noch mehr Geld rauszubescheißen. Vor lauter kranker Gier. Von Moral muss man ja gar nicht mehr reden.

Auch dieses „ausgehandelte Verträge kürzen geht nicht“. Wohl nicht bei Leuten die 2 Mio+ verdienen. Bei Leuten, die 3000 Euro verdienen, scheinbar schon. Die müssen was unterschreiben, dass sie zur Kurzarbeit einwilligen – oder verlieren ihren Job. Mr. Fußballer gewinnt auf jeden Fall, denn man hat ja keine Handhabe, dass die Kündigung sie irgendwie groß benachteiligt. Siehe Dembele & Co: Es schreckt Vereine nicht mal ab, wenn Spieler offen Boykott betreiben.


Axel 2. Mai 2020 um 16:06

Mal ne andere Frage, weil das nie wirklich diskutiert wurde. Warum verzichten die hochbezahlten Sportler nicht auf sagen wir 50% ihres Gehalts bis September 2020 und die Fans zahlen im Gegenzug trotz Ausfall der Übertragungen 50% des noch fälligen Abonements.
Mir ist klar dass dafür rechtlich erstmal ne Grundlage geschaffen werden müsste. Aber ich finde es inetressant wie starr man hier ist. Wie unbeweglich. Und mir kommt immer mehr das gefühl hoch, dass das einzig darauf basiert, das man seinen Status gesichert sehen möchte. Und das betrifft dann vornehmlich die gut bezahlten Positionen in dem business.

Abgesehen davon muss es zwangsläufig Reformen geben, in allen Wirtschaftsbereichen. Es ist doch höchst verwunderlich, das viele schon nach einem Monat am Rande der Insolvenz sind. Irgendwas läuft da prinzipiell falsch.
Und da sind wir beim Thema Liquidität. Was ja als nicht super erstrebenswert erachtet wird. Was wiederum auf der Blase des ewigen Wachstums beruht, denn anders sind die beständigen Investitionen ja kaum zu rechtfertigen (natürlich auch mit Instandhaltung … aber den Großteil machen ja schon Investitionen aus um zu wachsen).

Was eine dt. Sonderweg und eine Benachteiligung in Europa angeht. Ganz ehrlich, ich frage mich immer was das für eine Einstellung ist, egal in welchem Bereich. Das ist wie im Kindergarten auf den anderen zeigen weil der (angeblich) angefangen hat. Nur umgekehrt. Was ist denn das Problem daran Vorreiter zu sein? Einem Modell dem dann nach und nach eh mehr und mehr gefolgt wird. Verstehe diese Denke wirklich nicht. Das ist die Angst vor der eigenen Courage. Aber hat sichrlich nicht viel mit Innovation zu tun. Sry das so kratzbürtsig zu formulieren.

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savona 3. Mai 2020 um 08:12

„Warum verzichten die hochbezahlten Sportler nicht auf sagen wir 50% ihres Gehalts bis September 2020 und die Fans zahlen im Gegenzug trotz Ausfall der Übertragungen 50% des noch fälligen Abonements.“

Ein Spieler beschwert sich bei seinem Berater, dass man ihm vereinsseitig einen 20 %igen Gehaltsverzicht vorschlägt. Antwort: „Biete 30 % an, damit du weiter auf deiner Insel der Seligen leben kannst.“

Im UK, wo die Gehälter nicht schlechter sind als hierzulande, haben Spieler sich aber schon erfolgreich gegen solches Ansinnen gewehrt. Argument: „Warum gerade wir? Da gibt es doch noch andere gesellschaftliche Gruppen, deren Einkommen noch weit höher sind – und die man mit solchen Vorschlägen verschont.“ Womit sie ja recht haben mögen.

Auch in dieser Krise ist selbstverständlich jedem das Hemd näher als der Rock. Solidarischen Lösungsansätzen wird – in der Sache nicht einmal ganz zu Unrecht – entgegengehalten, damit würde schlechtes Wirtschaften belohnt und gutes bestraft. Siehe Watzkes Warnungen. Und ein Spieler, der anderenorts mehr verdienen kann, wird ohne jede Sentimentalität dorthin wechseln.

So sympathisch und sinnvoll solche Vorschläge auch klingen mögen: ihre Realisierungschancen dürften eher schlecht sein.

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Daniel 3. Mai 2020 um 15:10

Klar, dass der Kampf gegen solche Maßnahmen in England schon viel weiter ist. Die meisten Mannschaften hierzulande sind Vereine oder Unternehmen, die letztlich nur ausgeben können, was sie einnehmen. Es ist leicht, den Spielern zu vermitteln, warum sie auf Geld verzichten sollen. In den anglikanischen Ligen hingegen gehören die großen Mannschaften Multimilliardären (die unter teilweise höchst dubiosen Umständen zu ihren Vermögen gekommen sind). Der Vermögensunterschied zwischen Eigentümer und Spielern ist meist noch größer als der zwischen Spielern und Normalverdienern. Logisch, dass man unter diesen Umständen nicht bereit ist, als Spieler zugunsten der Eigentümer auf Gehalt zu verzichten.
Trotzdem wird man auch hier nicht die Spieler zu nennenswertem Gehaltsverzicht zwingen können, insofern halt ich das für unrealistisch.

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Axel 4. Mai 2020 um 10:27

Exakt, in England sieht das nochmal anders aus und da macht das für mich aus Spielersicht auch Sinn. Abgesehen davon dass ich es trotzdem begrüßen würde wenn sie Teile ihre Gehaltes in dieser Phase spenden würden.

Zum Thema schlecht gewirtschaftet. Wer treibt denn die Gehälter permanent hoch? Die Vereine oder doch Berater und Spieler. Hier nen Verein als alleinverantwortlich hinzustellen ist schon etwas sehr eindimensional. Da gehören alle Parteien an den Tisch.

Da scheffeln kleine Grüppchen von Menschen viel viel Geld, weil die große Masse das Spiel mitmacht. Heist ergo. Ich will den Ball rollen sehen, im Stadion oder aber TV und bezahle eigtl. jede Saison immer mehr an Geld.
Es wäre mal interessant zu sehen wie die Gehälter des Fans und im Vergleich dazu der Spieler und Manager/berater gesteigen sind. Denn ich habe das Gefühl, das der Fan doch vorrangig die Preissteigerung trägt von der am Ende eben nur ein paar wenige wirklich profitieren.

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Waka 4. Mai 2020 um 12:10

„Wer treibt denn die Gehälter permanent hoch? Die Vereine oder doch Berater und Spieler.“

Sowohl als auch. Fußball ist ein Milliardengeschäft. Vereine verdienen sehr gut an Übertragungsrechten und natürlich auch an Spielernamen durch Trikotverkäufe etc.
Da ist es doch nur recht, wenn diejenigen, mit denen das ganze Geld gescheffelt wird, auch etwas vom Kuchen abhaben.

„Denn ich habe das Gefühl, das der Fan doch vorrangig die Preissteigerung trägt“
Hier muss man aber auch sagen: Selbst Schuld. Der Preis wird so lange hochgetrieben, bis die Einnahmen sinken, ganz einfache Betriebswirtschaft. Heißt im Klartext: Solange es Fans gibt, die sich „ausnehmen“ lassen, solange wird sich am Fußball, wie er jetzt ist, auch nichts ändern. Man könnte dem entgegenwirken, indem man z.B. zu seinem lokalen Verein geht. Auch da wird Fußballgespielt. Allerdings selbstverständlich auf einem eher überschaubaren Niveau, Ballkünstler wie Neymar, Messi oder Ronaldo wird man in der Landesliga natürlich nicht sehen.

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Daniel 4. Mai 2020 um 17:49

Die Gehälter treibt der Markt hoch, so wie überall sonst im Showbusiness auch (und letztlich ist der Fußball genau das-Showbusiness). Egal ob wir von Sportlern, Musikern, Schauspielern, Komikern oder Models sprechen-es gibt eine kleine, bekannte Elite, die Millionen scheffelt, während der große Teil der in diesem Bereich arbeitenden Menschen gerade so über die Runden kommen. Ich finde es ziemlich sinnlos, dafür irgendwem Schuld zuschieben zu wollen, seien es Vereine, Spieler oder Berater. Man kann nunmal Milliarden an Umsatz generieren, indem man 22 Männer gegen einen Ball kicken lässt-was ist dann schlimm daran, dass diese Männer auch entsprechend viele Millionen pro Jahr bekommen? Klar kann man sagen, dass es unfair ist, dass fußballspielende Männer in der Elite mehrere Millionen pro Monat bekommen und ihre weiblichen Kollegen nur maximal ein paar Tausend Euro (großes Thema gerade in den USA)…aber wenn ich das konsequent weiterdenke muss ich dieses Argument ja nicht nur auf fußballspielende Frauen anwenden sondern auch auf Volleyballer, Leichtathleten und Topsportler aller anderen Disziplinen beider Geschlechter. Letztlich kommen bei der einen Beschäftigung nunmal jede Woche Hunderttausende ins Stadion und Millionen vor den Fernseher, während bei der anderen nur ein paar Hundert ins Stadion kommen und sich eine Fernsehübertragung meist gar nicht lohnt.
George Clooney und Madonna verdienen auch das Zehntausendfache von dem, was ein Schauspieler in irgendeiner Telenovela oder die Sängerin einer kleinen Dorfband erhalten-sollen die auch auf „Gleichberechtigung“ klagen? Letztlich ist das auf eine Art und Weise auch „verdient“, denn es kommen nunmal Millionen Menschen in die Kinos und Stadien, um Clooney und Madonna zu sehen, aber zu den Konzerten der Dorfband kommen halt nur ein paar.

Was soll denn das praktisch heißen, dass die Vereine oder die Berater oder die Spieler „Schuld“ sind? Kaum ein Mensch (egal in welcher Branche) sagt, dass er überbezahlt ist und man ihm weniger geben soll. Eher spenden diese Leute dann recht viel, wenn sie dieser Meinung sind (und viele Fußballer tun das ja auch). Aber wer einen Arbeitsvertrag über mehr als eine Million pro Monat abschließen kann wird dann keinen für fünfzigtausend abschließen. Ein Berater, der für seine Klienten nicht das rausholt, was drin ist, wird auch bald keine Klienten mehr haben (logisch…weil er seinen Job nicht vernünftig gemacht hat). Ein Verein, der die marktüblichen Preise nicht zahlen will, wird auch keine Spieler mehr finden und absteigen. Wer soll daran Schuld haben, das sind nunmal die Gesetzmäßigkeiten des Showbusiness.

„Denn ich habe das Gefühl, das der Fan doch vorrangig die Preissteigerung trägt von der am Ende eben nur ein paar wenige wirklich profitieren.“
Selbstverständlich. Preise sind Verhandlungssache, sie steigen solange, bis ein Großteil der Verbraucher die steigenden Preise nicht mehr mitträgt. Und dieser Punkt ist noch nicht bereit…die Ultras und Fans protestieren zwar immer lautern, aber letztlich verkauft sich das Produkt noch.

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Axel 6. Mai 2020 um 00:22

Tja, dann hilft wohl nur der salary cap für alle Beteiligten.
Gebe dir aber natürlich recht,solang der Fan so dumm ist den Wahnsinn mitzumachen, hat er es auch nicht anders verdient.

Zum Thema verdient. Da ist auch immer viel Glück dabei (richtiger Ort, Zeit, Kontakte …). Natürlich kann man das auf alle Bereiche ausweiten. Aber wir sprechen hier ja nunmal über Fussball. Und ich denke es ist nur fair genug, wenn die gap wieder kleiner und nicht größer wird.
Spenden kann man a) absetzen und b) bräuchte es diese in der Form auch nicht, wenn das Geld fairer verteilt wäre. Und wenn man Stuern nicht mit nem gut bezalten Steuerberater auch gut mindern könnte. Ist immer ganz nett das Spendenargument, löst sich aber in nichts auf wenn man mal überlegt warum die eigtl. notwendig sind.

Daniel 8. Mai 2020 um 13:04

Ja, Glück (oder Timing und Kontakte) spielen natürlich eine enorme Rolle. Im Musik und Filmgeschäft noch wesentlich mehr als im Sport. Teilweise ganz schön enttäuschend, die großen Musiker mal live ohne Studioeffekte zu hören…

Absolute Zustimmung zu dem was du über Spenden und Steuern sagst. Nur hat das halt wirklich gar nichts mit Fußball zu tun. Weder Spieler noch Berater oder Vereine haben die Aufgabe, die Gesellschaft gerechter zu machen, dafür haben wir Politiker. Und gewählt wurden nunmal die Politiker, die das momentane Steuersystem erlassen haben, also ist das der Wille der Bevölkerung. Der Fußball ist Teil der Gesellschaft und der Wirtschaft, er ist weder schlechter noch besser als diese.

@Waka
+1
Mir fällt auch einiges ein, was ich derzeit deutlich kritikwürdiger finde als das Gebahren der Fußballer…

pob 4. Mai 2020 um 18:25

Die Hundertausenden kommen nun nicht ins Stadion und Fernsehgelder sind ohne Fussball auch schwer zu verdienen.

Die Vereine werden die Gehälter so mittelfristig nicht zahlen können. Wem das als Spieler nicht gefällt, der wird wohl frei gestellt oder so ähnlich.

Mir ist die Grundfrage nicht ganz klar. Das Geschäftsmodell beruht, bewusst auf Kante genähnt, auf Umsatz durch die wöchentliche Fussballshow. Die findet nicht statt, es fließt kein Geld, also bekommt der Spieler keins.

Ist doch klar. Pandemie und dadurch kein Fussball ist für die Branche halt der GAU schlecht hin, viele andere Katastrophen kann man managen, diese sehr schlecht

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tobit 9. Mai 2020 um 14:17

Der Spieler hat halt einen Vertrag. Da steht in der Regel drin, wann und wie es Geld gibt. Meistens ist viel von diesem Geld unabhängig von der wöchentlichen Fussballshow zu zahlen. Da kommt der Verein dann auch nicht raus, wenn die wöchentliche Fussballshow, und damit die Einnahmen ausfallen. Da gelten auch für die „Fussballmillionäre“ deutsche Arbeitnehmerrechte.
Es wird in Zukunft bei vielen Vereinen sicherlich Klauseln geben, die den Verein in einer solchen Situation entlasten – die werden aber dann mit höheren Gehältern in guten Zeiten erkauft werden müssen. Und manche Vereine werden dann wieder das Risiko der schnelleren Zahlungsunfähigkeit im Corona-Fall eingehen um vielleicht einen Spieler ad-hoc etwas günstiger verpflichten zu können.

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Waka 4. Mai 2020 um 12:16

„Mal ne andere Frage, weil das nie wirklich diskutiert wurde. Warum verzichten die hochbezahlten Sportler nicht auf sagen wir 50% ihres Gehalts bis September 2020 und die Fans zahlen im Gegenzug trotz Ausfall der Übertragungen 50% des noch fälligen Abonements.“

Soweit ich weiß gibt es in Dortmund, München, Frankfurt(?) und Leipzig(?) bereits Gehaltsverzicht von 20%. In Spanien verzichten Spieler des FC Barcelona gar auf 70%

„Es ist doch höchst verwunderlich, das viele schon nach einem Monat am Rande der Insolvenz sind. Irgendwas läuft da prinzipiell falsch.“
Verwunderlich finde ich vor allem, dass die Autobauer, trotz Milliardenumsatz, schon wieder nach „Neuwagenprämien“ schreien. Wieviele Neuwagen soll man sich eigentlich noch kaufen? Pflegeberufe sollen hingegen mit einer Einmalzahlung in Höhe von 1500€ abgespiesen werden. Ich weiß nicht. Ich würde mich im Alter lieber von motivierten und zufriedenen Pflegekräften versorgen lassen, als mir von meiner knappen Rente noch einen Benz zu kaufen, nur weil Mercedes wieder mal vor der Pleite steht.

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Daniel 29. April 2020 um 19:38

Neue wirtschaftliche Regeln kann es nur auf europäischer Ebene geben, das kann man nicht nur für Deutschland machen. Eben weil solche Regeln sonst die sportliche Wettbewerbsfähigkeit schwer beschädigen würden und das wäre ein zu hoher Preis. Ich weiß auch nicht, ob die momentanen Probleme wirklich als Beispiel taugen, dass wir striktere Regeln brauchen. Eine Pandemie wie die jetzige tritt statistisch alle hundert Jahre auf, eher noch seltener. Man kann seine Planung nicht auf einen solch unwahrscheinlichen Einzelfall ausrichten. Alle Regeln, die wir jetzt in Corona-Aktionismus erlassen, werden aufgelöst werden viele Jahre vor dem nächsten Fall, in dem sie von Nutzen wären.

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[email protected] 29. April 2020 um 19:04

Also erstmal super, dass du überhaupt in der fussballfreien Zeit produzierst. Ich möchte aber die Frage stellen, ob Finanzfragen hier wirklich Thema sein sollen …

Ich mache das mal an ein paar Beispielen klar:

1) Liquidität

Die Liquidität bedeutet per Wortdefinition, wieviel flüssige Mittel habe ich und ist eine Stromgröße. Das Ziel eines jeden Unternehmens ist davon möglichst WENIG zu haben, denn Liquidität ist das, was man NICHT investiert hat und daher auch nicht gewinnbringend arbeiten kann. Man kann also eine tolle Bilanz haben und ein sehr wertvolles Unternehmen, trotz oder WEGEN einer niedrigen Liquidität

2) Sondersituation Corona

Keine (kapitalistische) Wirtschaft der Welt kann Pandemien sinnvoll einplanen, daher tut das auch keine. Alle verlassen sich auf das Netz des Staates und solange es eine kapitalistische Wirtschaft ist, ist das auch sinnvoll. Denn ein systemisches Risiko kann ja kein Einzelunternehmen sinnvoll tragen, erst recht nicht in einer (internationalen) Konkurrenzsituation. D.h. Corona muss man völlig abtrennen von der Grundsatzdebatte

3) Konsens über Schützenswertes

Von welchen schützenswerten Gütern reden wir eigentlich? Ist es so, dass jeder Verein vor sich selbst beschützt werden muss und eine Insolvenz dringend verhindert werden muss? Darüber müsste doch erstmal ein Konsens bestehen, was man genau schützen will und wieviel das einem wert ist? Wer soll hier wen schützen und wer soll für wen haften?

Soll die Gesellschaft für Vereine haften, soll das die DFL, soll ….

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CE 30. April 2020 um 11:48

Vielen Dank für die bisherigen Kommentare!

Zu 2) Ich bin vorsichtig, nun aus einer außerordentlichen Krise reihenweise Schlussfolgerungen zu ziehen. Allerdings wird „in the bigger picture“ deutlich, dass unsere Arbeitsgesellschaft und unsere sozialen Arrangements weniger flexibel und deshalb verwundbarer sind als noch in vorangegangen Jahrzehnten. Wirtschafts- und Sozialhistoriker haben dazu bereits in der Vergangenheit Studien herausgegeben. Im Fußball bietet sich Corona an, um über wirtschaftliche Reformen grundsätzlich zu sprechen. Ohne Corona würden wir nicht – oder nur unzureichend – über Schalke u.a. diskutieren, obwohl die Vereine bereits vorm März krank waren.

Zu 3) Ja, Vereine im Besonderen sind schützenswert. Wir sprechen etwa bei Schalke von einer möglichen Rechtsformverfehlung. Denn geht Schalke unter, gehen alle Strukturen – also auch andere Abteilungen – unter Umständen unter. Deshalb ist die Ausgliederung der Herren-Bundesliga-Mannschaft zumeist sinnvoll. Breitensport, Nischensport, Jugendarbeit und Ehrenamt sind schützenswert.

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[email protected] 30. April 2020 um 17:11

Deinen Kommentar zu 3) finde ich sehr gut: den gesellschaftlichen Nutzen abtrennen vom Business, das hast du auch im Video angesprochen. Jetzt müsste man aber der Sache nachgehen, warum manche Vereine ihr „Geschäft“ in verschiedene Gesellschaften auftrennen und andere nicht. Sind die anderen „zu doof“ oder gibt es handfeste Gründe es nicht zu tun?

Meine erster Kommentar ist so zu verstehen, dass hier vermutlich alle Leser (und vielleicht auch Autoren) in Wirtschaftsfragen nicht so kompetent sind und ob es daher Sinn macht als Laie solche Fragen zu diskutieren.

Corona als Aufhänger zu nehmen finde ich ok – ich habe es in deinem Video aber nicht nur als Aufhänger verstanden, sondern das du daraus auch Dinge ableiten willst. Meine Gegenfrage wäre, sonst, welches Problem denn gelöst werden muss, denn mir ist in der Breite der Liga kein Finanzproblem bekannt (außerhalb von Corona), habe mich aber darüber auch nicht gezielt informiert.

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CE 1. Mai 2020 um 07:02

Die Ausgliederung der Profimannschaft ist eine sehr politische Entscheidung, die Gruppierungen innerhalb der Mitgliederschaft vielleicht nicht mittragen möchten. Bei Schalke wurde der Vereinsstatus gerne als selling point benutzt. Ich möchte auch nicht sagen, dass nur bei den reinen Vereine eine Insolvenz das Aus für andere Abteilungen bedeuten würde. Ich habe gerade erst mit der Managerin der FC Bayern-Frauen gesprochen. Die operieren unter dem Dach des Vereins, profitieren aber natürlich auch erheblich von der ausgegliederten Männermannschaft und deren Umsatz sowie daraus folgenden Investitionen in das Gesamtkonstrukt FC Bayern.

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CHR4 16. Mai 2020 um 01:02

ich kann euch gerne aus meiner Sportart beschrieben, was passiert, wenn die Fußballabteilung des Vereins den Verein in finanzielle Schieflage bringt ( habe ich in den letzten 10 Jahren mindestens 3x so bei Vereinen im näheren Umkreis (20km) erlebt:
– die anderen Abteilungen machen dicht und gründen entweder zusammen oder oft auch einzeln einen neuen Verein, der alte Verein oder nur einzelne Abteilungen machen in der Regel dicht, die Mitglieder der anderen Sportarten wechseln relativ geschlossen in den neu gegründeten Verein, der Verband stimmt meist der Übernahme der Ligazugehörigkeit zu, wenn es die Sportart im alten Verein nicht mehr gibt, ebenso verfahren Kreis/Stadt was die Vergabe der Trainingszeiten angeht
das was sich ändert:
1. der Vereinsname (ist sicher bei Schalke 04, was anderes als bei nem kleineren Verein oder nem ganz jungen ohne Tradition, aber Namen sind Schall und Rauch ….)
2. evt. entfallen Zuschüsse er Fußballabteilung an andere Abteilungen, so es dies denn gab

meistens lag es an mangelnder Buchführung und/oder schlechter steuerlicher Beratung (neue Gesetze/Verordnungen)

und genauso wie die anderen Sportarten Menschen weiter ihren Sport machen, wird auch der Fußball an sich nicht sterben, solange die jemand genug zeit zum kicken hat und sich nen Ball basteln kann

nur der absolute Spitzensport wird evt. in einem andren Land stattfinden, Italien war Ende der 80er, Anfang der 90er das Land, wo jeder hinwollte (daher ja auch Andi Möllers „Madrid oder Mailand – Hauptsache Italien!“)

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tobit 16. Mai 2020 um 13:59

Klar hört der Sport Fussball nicht auf zu existieren. Aber das Geschäft ist in seiner Existenz bedroht. Und ohne dieses Geschäft sinkt die Qualität. Kann man Recht schön an der historischen Entwicklung der Schwestersportart Rugby sehen, die sich wesentlich länger als reinen Amateursport begriffen hat. Klar gibt es auch da mittlerweile Profis und eine hochklassige Weltspitze, aber halt nicht in der Breite wie sie der Fussball in den letzten 60 Jahren erreicht hat.

CHR4 18. Mai 2020 um 23:34

Ich würde mir weniger Spiele und längere Pausen wünschen, um die Qualität zu steigern bzw. konstanter hinzubekommen. Die Corona-Pause bringt schöne Beispiele, wie Reha laufen sollte und kann, wenn die Gesundheit und langfristige Fitness Priorität hat und wie im Gegensatz dazu geplant wird, wenn es darum geht möglichst schnell wieder auf dem Platz zu stehen.

Daniel 30. April 2020 um 18:32

„Allerdings wird „in the bigger picture“ deutlich, dass unsere Arbeitsgesellschaft und unsere sozialen Arrangements weniger flexibel und deshalb verwundbarer sind als noch in vorangegangen Jahrzehnten.“

Ist das so? Wer sagt das? Weniger flexibel halte ich ehrlich gesagt für Unfug. Die Arbeitsgesellschaft hat heute sowohl juristisch (Kurzarbeit, Elternzeit…) als auch von der Ausgestaltung der Arbeit her mit Dingen wie Home Office eine Flexibilität erreicht, die noch vor wenigen Jahren undenkbar war. Verwundbarer vielleicht, da wirtschaftliche Fragestellungen komplexer und weniger planbar geworden sind. Bis vor wenigen Jahrzehnten bestand der ökonomische Sinn des Lebens darin, so schnell wie möglich so viel wie möglich zu wachsen aus Ressourcen, die scheinbar unerschöpflich waren. Heute wissen wir, dass diese Kapazitäten in wenigen Jahrzehnten erschöpft sein werden und wir überdies in eine globale Katastrophe laufen, wenn wir sie bis zum bitteren Ende ausschöpfen. „Früher war alles besser“ ist einfach kein guter Ratgeber, weil es auch schlicht nicht stimmt.
Mag sein, dass Schalke schon vorher krank war. Aber ist es in einer Liga von 18 Mannschaften so erstaunlich, dass da auch eine kranke Mannschaft dabei ist? Die gabs doch schon immer. Vor ein paar Jahren war Dortmund noch viel kränker. Schalkes Probleme wären beherrschbar gewesen ohne Corona. Und einen Fall wie Corona kann nunmal niemand einkalkulieren. Hat auch keiner Pläne dafür, dass morgen ein großer Asteroid einschlägt.

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CE 1. Mai 2020 um 06:51

Unter Wirtschaftshistorikern ist das eine gängige These. Außerdem gibt es dazu noch Studien von Simon Wren-Lewis und anderen, die zeigen, wie sich Pandemien auf die Volkswirtschaft auswirken können. Nur mal ein Beispiel: Heute existieren vielmehr Haushalte als in den 69ern/70ern, in denen alle Erwachsenen arbeitstätig sind, weshalb zum Beispiel Schul- und Kitaschließungen ein ernsthaftes Problem darstellen. Warum geht Schweden einen Sonderweg? Unter anderem weil die Quote an Haushalten mit reinweg erwerbstätigen Erwachsenen die höchste innerhalb aller OECD-Staaten ist. (84%) Home Office ist schön und gut, wird aber laut einer YouGov-Umfrage aus dem März nur von weniger als einem Viertel der Deutschen genutzt. (Ich habe dazu ein paar Zeilen verfasst: https://www.freiheit.org/jetztmutmachen-schulschliessungen-und-ihre-folgen-fur-eine-volkswirtschaft)

Einen guten Blogpost liefert Wirtschaftshistoriker Stephen Davies – gewiss aus seiner neoliberalen Sicht, aber trotzdem für jeden lesenswert: https://iea.org.uk/how-fragile-systems-worsened-the-impact-of-covid-19

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Daniel 3. Mai 2020 um 15:39

Lesenswert auf jeden Fall, ich stimme aber schon der Eingangsthese (höhere Anfälligkeit für Pandemien in modernen Gesellschaften) nicht zu. Mir wäre keine Studie bekannt, die einen solchen Zusammenhang belegt. Eine solche Studie wäre auch kaum durchzuführen, da bis vor ca einem Jahrhundert die Medizin noch nicht weit genug war, eine Pandemie zuverlässig zu erkennen. COVID-19 wäre bis vor ca einem Jahrhundert gar nicht zu identifizieren gewesen, da es im Gegensatz zu z.B. der Pest keine spezifischen Symptome gibt. Infolge deutlich verbesserter Hygiene und weitaus fortgeschrittener medizinischer Möglichkeiten wäre es aber ein sehr überraschender Befund, dass diese angeblich heutzutage häufiger auftreten. Diese Effekte dürften die im Artikel genannten Artikel genannten Effekte um ein Vielfaches überschreiten. Die steigende Lebenserwartung als Beleg der Anfälligkeit des Gesundheitssystems heranzuziehen halte ich übrigens für ziemlich bizarr. Klar sind alte Leute anfälliger für alles mögliche, aber gerade dass man solche anfälligen Leute offenbar viel länger schützen kann als früher zeigt ja die Stärke der Gesellschaft.
Dass eine Pandemie seit Jahrzehnten vorausgesagt wird ist zwar richtig, aber trivial. Pandemien sind ein statistisches Risiko der Welt, in der wir leben. Es gab sie Jahrmillionen vor der Entstehung der Menschheit und wird sie solange geben, wie es Leben gibt…unabhängig von unserer Gesellschaft und Wirtschaft. Aus diesem Grund ist die folgende Aussage nichtssagend: „The pandemic we are living through was warned of and foreseen by many people over the last two decades, even if not in the precise form it has taken, and we should learn from the fact that this risk was so clear and obvious“ Zu jedem Zeitpunkt der Weltgeschichte kann ich mich hinstellen und vor einer Pandemie warnen…wenn ich nur lange genug warte werde ich Recht haben. Ebenso gut wie ich mich hier jetzt aus dem Fenster lehnen und warnen kann, dass die nächste Pandemie mit Sicherheit kommen wird-ebenso wie ein verheerendes Erdbeben, Stürme und ein Meteoriteneinschlag. Das spricht aber weder für meine prophetischen Gaben noch ist es ein Zeichen für die Schwäche unserer Gesellschaft, sondern es ist einfach nur unvermeidbare Naturwissenschaft.

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rum 29. April 2020 um 18:40

Ich hab noch einen. These: Ein Teil des Stresses im System kommt daher, dass die Verbindlichkeiten immer zeitbezogen vereinbart werden. Kommt dann der Schuldner in Verzug gibt’s Insolvenz. Es wäre auch möglich, die Rückzahlungen von Verbindlichkeiten an den Projektverlauf zu koppeln. Dann würden die Lasten, die aus einem Verlauf resultieren der schlechter ist als erwartet, breiter verteilt. Auch das ließe sich in Regeln aufnehmen.

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CE 30. April 2020 um 11:50

Sehr guter Punkt imo, danke!

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Daniel 30. April 2020 um 16:50

Es wird aber fast niemand bereit sein, Fußballvereinen (oder sonstwem) zeitunabhängige Verbindlichkeiten zu gewähren. Aus Sicht des Gläubigers ist ein Kredit eine Form der Geldanlage. Bei Geldanlagen gibt es im Wesentlichen drei relevante Kenngrößen: Verzinsung, Sicherheit und Verfügbarkeit des angelegten Geldes. Ein Sparbuch bspw ist sehr sicher und ich komm jederzeit an mein Geld, also Sicherheit und Verfügbarkeit top…zum Ausgleich ist dann natürlich die Verzinsung mies. Bei einem normalen Kredit ist das Risiko schon größer und die Verfügbarkeit schlechter, weswegen er schon deutlich mehr Verzinsung abwerfen muss…aber zumindest hat der Gläubiger einen fixen Termin, zu dem er sein Geld bekommt. Die von dir vorgeschlagene nicht zeitbezogene Verbindlichkeit wäre sowohl in Punkto Verfügbarkeit (der Gläubiger hat keinerlei Einfluss darauf, wann er sein Geld wiedersieht; er kann es zu keinem Zeitpunkt einplanen) als auch in Sachen Sicherheit (wenn der Erfolg ausbleibt bleibt der Gläubiger auf seinen Forderungen dauerhaft sitzen) ein katastrophales Finanzprodukt. Bliebe also nur noch im Bereich der Verzinsung extrem hochzugehen und das ist unrealistisch. Derartige Kredite werden momentan überlegt im Rahmen der Corona-Nothilfe für kleine und mittlere Unternehmen, da die Politik hier in dem Dilemma steckt, dass viele Betriebe ihre momentanen Corona-Kredite nicht in einem absehbaren Zeitraum werden abzahlen können, der Staat aber andererseits nicht Milliarden an Steuergeldern einfach verschenken kann, auch an Firmen, die es gar nicht bräuchten. Aber um im Normalbetrieb Fußballvereine zu finanzieren ist das ein Luftschloss.

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rum 30. April 2020 um 20:56

ja, hm, wie wärs damit: Mit festen Rückzahlungsterminen gibt es das Insolvenzrisiko. Tritt der Insolvenzfall ein, bekommt der Gläubiger einen schwer vorauszusehenden Anteil zu einem auch nicht gut einzuschätzenden Zeitpunkt zurück. Das Unternehmen ist zudem hin. Und damit auch die künftige Anlegemöglichkeit.
Zudem haben ja auch weitere Geschäftspartner Ausfälle. Das ist nicht kritisch, wenn es ein einzelnes Unternehmen trifft. Wenn es aber viele trifft kann daraus schon einen Abwärtsspirale werden > was dann das Risiko für Geldverleihungen weiter erhöht.
Also These: Eine gewisse Projektbeteiligung federt insbesondere die großen Risiken auch für die Gläubiger ab.

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PeterVincent 29. April 2020 um 18:01

Warum keine europäische Lösung anstreben? Der zu schützende Markt ist auch europäisch geprägt, da halte ich nationale Lösungen für ungeeignet. Die UEFA könnte einen Fond ins Leben rufen, an dem sich die Profi-Vereine beteiligen und anteilig je nach eigenen Einnahmen, einzahlen. Letzltich sind die Vereine, die europäisch spielen auf ihre nationalen Ligen angewiesen und die anderen nationalen Vereine jeweils auf ihre Aushängeschilder.

Oder wir erleben eine europäische Superleague mit den besten Vereinen aus Europa (die dann nur noch dort spielen) schneller als gedacht?! Die könnten so einen Fond dann natürlich trotzdem für sich aufmachen.

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