Hertha BSC – War Jürgen Klinsmann trotz allem ein Segen?

Warum war Jürgen Klinsmanns Kritik trotz seines Abgangs extrem wichtig für Hertha BSC? Welche Veränderungen braucht es im Verein? Und wird sogar ein neuer Trainer à la Klinsmann benötigt? Das bespreche ich in meinem neuesten Video.

tobit 9. April 2020 um 23:14

Jetzt darf sich also Labbadia als nächster auf dem Schleudersitz der Alten Dame versuchen. Seine letzten Stationen hat er auch in komplizierten Situationen übernommen und durchaus erfolgreich gemanagt. Traut ihr ihm das auch in Berlin zu und wie erwartet ihr die Hertha taktisch unter ihm?

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Koom 14. April 2020 um 13:12

Ich vermute mal, was die (eventuell stattfindende) Restsaison angeht, kann man kaum Prognosen abgeben. Das fängt schon mit den unterschiedlichen Trainingsvarianten an. Oder wer besser Regeneration und Kondition steuern kann, wenn es – wie kolportiert – 3 Spiele pro Woche sein können.

Spontan würde ich mal sagen, dass die Vereine mit großen Kader Vorteile haben werden. Dazu, wenn sie auf eine Spielweise setzen, die eher weniger auf den Gegner eingeht, sondern bestenfalls Detailanpassungen macht. Das Bayern dabei also nach wie vor beste Chancen hat, Meister zu werden, sollte klar sein. Bei allen anderen sehe ich das sehr problematisch.

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Daniel 29. April 2020 um 15:12

Wieso sollte ein großer Kader von besonderem Nutzen sein, falls man die Saison doch noch zu Ende führen kann? Ich seh es eher andersrum, dass eine solche Unterbrechung im Zweifelsfall ein Vorteil für Vereine ist, deren Kader unter normalen Umständen (zu) klein wären. Abgesehen von offensichtlichen wirtschaftlichen Gründen (je weniger Spieler desto weniger Gehälter, die man in Lockdown-Zeiten ohne Einnahmen weiterzahlen muss) weil man nun zu einer unverhofften Erholungspause kommt. Und eben deshalb würde ich Bayern bei einem Neustart auch deutlich in der Pole Position sehen. Die Unterbrechung kam wie gerufen zu einem Zeitpunkt, als Bayern eigentlich unter dem mal wieder an der Grenze der Wettbewerbsfähigkeit kleinen Kader einzufallen drohte. Lewandowskis Verletzung hatte die Kaderschwachstelle offengelegt, vor der man sich in München seit Jahren so sehr fürchtet, dass man sie kaum auszusprechen wagt. Davies wirkte nach Wochen pausenloser Einsätze phasenweise doch deutlich überspielt, Coman kam gerade erst aus einer Verletzung zurück. Gegen ein schwächelndes Schalke und Augsburg reichte es gerade noch so, aber in den anstehenden schweren Partien in Dortmund und Leverkusen und zweimal gegen Frankfurt sowie einem unbekannten Gegner im CL-VF schienen angesichts der Personaldecke schwere Rückschläge sehr wahrscheinlich. Nun jedoch? Lewandowski und Coman sind zurück und mussten außerdem nicht überhastet mit Risiko auf einen Rückfall reingeschmissen werden. Selbiges gilt für Lucas…wenn es zu einem Neustart kommen sollte kann Flick auf den beiden linken Positionen der Viererkette zwischen Davies, Alaba und Hernandez ebenso elegant rotieren wie rechts zwischen Boateng, Pavard und Kimmich…wo selbst Süles Rückkehr jetzt wohl nicht mehr in den Sternen steht. Grad im Fall Lewandowski ist das fast schon Slapstick: da fällt der schonmal zweimal in einer Saison für mehrere Wochen aus und dann fällt das beim ersten Mal 1:1 zusammen mit der Winterpause und beim zweiten Mal fast genauso perfekt mit der Corona-Unterbrechung. Brazzo mag seine Schwächen in der Kaderplanung haben, aber Dusel hat er offenbar. Die Verletzungen von Coutinho und Tolisso fallen kaum ins Gewicht: Coutinho hat keine richtige Rolle in Bayerns System und Tolissos Rolle können Müller und Goretzka (mindestens) gleich gut einnehmen.

Generell ist die Unterbrechung eine Chance für Mannschaften, die vor der Krise in einem Abwärtstrudel waren, mit erholten und wiedergenesenen Spielern in die Erfolgsspur zurückzukommen…ich denk da vor allem an Kohfeldts Bremer, auch an die Frankfurter Eintracht. Grad für Bremen wäre die Unterbrechung jetzt dann die letzte Chance, das Ruder nochmal rumzureißen. Umgekehrt scheint es fraglich, ob Kölns Lauf über diese Pause hinweggerettet werden kann. Ein bisschen ist das wie die Saisoneröffnung, keiner weiß wo er leistungsmäßig steht. Und das ist gut für die, die davor schlecht standen.

@tobit
Ich find Labbadia eine gute Wahl für die Hertha. Seine öffentliche Wahrnehmung ist IMO deutlich schlechter als angemessen, weil er mit Hamburg, Stuttgart und Wolfsburg einen Großteil seiner Trainerkarriere bei Vereinen verbracht hat, die sich selbst deutlich besser finden als gerechtfertigt. Seine Amtszeiten in Hamburg und Stuttgart waren rückblickend betrachtet so ziemlich das beste, was diese Vereine im letzten Jahrzehnt erlebt haben, und auch in Wolfsburg läuft’s nicht besser, seit er weg ist. Labbadias Mannschaften haben in jeder Phase des Spiels einen klaren, stringenten Plan und sind deshalb in jeder Phase griffig und gut im Spiel, ohne aber eine Phase klar zu bevorzugen. Das mag ihn etwas uninteressant machen für Leute, die Trainern gerne Etiketten aufkleben wie „Umschalttrainer“, „Ballbesitztrainer“ etc. Aber ich find das muss kein Nachteil sein, ich kann mir gut vorstellen, dass er gut zur Hertha passt. Ich fürchte nur, dass man beim „Big City Club“ eines Tages wie einst in Wolfsburg, Stuttgart oder Hamburg meint, für die „ganz großen Ziele“ brauche man eine schillerndere Persönlichkeit.

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Koom 5. Mai 2020 um 14:13

> Wieso sollte ein großer Kader von besonderem Nutzen sein, falls man die Saison doch noch zu Ende führen kann? Ich seh es eher andersrum, dass eine solche Unterbrechung im Zweifelsfall ein Vorteil für Vereine ist, deren Kader unter normalen Umständen (zu) klein wären.

Hm, eigentlich doch logisch: Es werden wohl recht sicher viele englische Wochen sein. Zudem wird ja auch geschaut, ob man mehr Wechsel pro Spiel vornehmen kann. Falls sich jetzt ein Spieler mal verletzt bei einem Verein mit kleinem Kader, fehlt der dann direkt mal 4-5 Spiele, wo er sonst vielleicht 1-2 Spiele ausgesetzt hätte. Wenn du da halbwegs gleichwertigen Ersatz parat hast, fällt das weniger ins Gewicht.

Wirtschaftlich ist der kleinere Kader natürlich auch nicht schlecht – aber die Frage stellte sich hier für mich nicht.

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Daniel 6. Mai 2020 um 13:02

Werden es viele englische Wochen sein? Hab mich ehrlich gesagt noch nicht mit dem Modus auseinandergesetzt. Wenn ja ist das natürlich ein gewisser Vorteil für größere Kader, ja. Allerdings würde sich für die (gar nicht so wenigen) Mannschaften nicht viel ändern, die noch im europäischen Wettbewerb und/oder DFB-Pokal sind oder es jedenfalls bis kurz vor der Unterbrechung waren. Und letztlich fehlen ja auch nur noch neun Spiele, die jetzt nach einer Pause kommen, die in ihrer Länge mittlerweile eine übliche Winterpause übersteigt. Das kann man ja nicht vergleichen mit englischen Wochen, die nach monatelangem zermürbenden Spielbetrieb erfolgen.

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Koom 6. Mai 2020 um 15:41

Potentiell war mal die Rede davon, durchgängig dann englische Wochen durchzupumpen, um halbwegs „termingericht“ fertig zu sein. Für die Nationalligen ist die Aufgabe da noch überschaubar, aber wenn man Championsleague, Europa League, nationale Pokalwettberbe dann zusammenstecken muss, wirds schwierig. Und gerade für die europäischen Wettbewerbe muss man erst mal schauen, wann die ihren Spielbetrieb wieder eröffnen.

Aber aktuell weiss man halt noch nichts und man kann nicht planen.


[email protected] 9. März 2020 um 21:11

So, wie ich das verstehe, hat Klinsmann sich eher als Manager gesehen und einen entsprechenden Stab um sich aufgebaut, so wie das in anderen Sportarten oder Ländern auch üblich ist. Von daher ist dieser Show-Teil gar nicht so unpassend bei dieser Rolle.

Oder mal anders gefragt: wieso wird durch Show die Trainerarbeit schlechter? Dein Kommentar ist inhaltlich etwas dünn.

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CE 10. März 2020 um 10:39

Ich verstehe die Frage nicht ganz. Welche Show?

Das Modell des „Managers“ – also des Trainers und Sportdirektors in einer Person – ist selbst in England nicht mehr so üblich, da die Aufgaben von Trainer und Manager zusammen derart komplex sind. Keine Ahnung, warum gerade Klinsmann den Wenger geben könnte.

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Gori 29. März 2020 um 10:01

Klinsmann könnte ansich schon mal gar nicht den Wenger geben. Wenger ist ein Trainer, Klinsmann ein Showman. Hat als Trainer nie wirklich etwas erreicht. Auch 2006 nicht wirklich denn der schlaue Kopf im Team war Jogi Löw. Als Fußballer war Klinsmann echt gut, alles danach im sportlichen Bereich gesehen, unterirdisch.

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savona 29. März 2020 um 16:23

So hart würde ich nicht urteilen. Ohne Klinsmanns Verve, dem verschlafenen DFB Innovationen aufzwingen zu wollen, hätte der schlaue Löw gar nichts ausgerichtet.

Auch mit der N11 der USA war Klinsmann z.T. recht erfolgreich. Dauerhaft konnte er dann die – vielleicht auch unrealistisch gestiegenen – Erwartungen in einem immerhin fünfjährigen Engagement nicht erfüllen, aber unterirdisch war es m.E. nicht, was er da abgeliefert hat.

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Koom 30. März 2020 um 07:59

Klinsmanns „Revolutionsdrang“ kann durchaus helfen. Muss nicht dringend als Trainer sein, aber generell kann sowas manchmal sehr helfen. Es gibt ja in vielen Vereinen verkrustete Stellen, an die keiner rangeht, weil da uralte Bündnisse und Gefälligkeiten dafür sorgen, dass man das so lässt. Allerdings: Wie am Körper sind verkrustete oder verschorfte Stellen auch einfach nur sehr robust und wichtig fürs Gesamtgefüge und nach Entfernung wirds schlimmer.

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[email protected] 13. April 2020 um 23:23

Sorry, bezog sich auf Rayson

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Rayson 8. März 2020 um 19:41

Der Tenor des Videos ist zwar richtig, aber es wäre falsch anzunehmen, dass die angesprochenen Defizite im Umfeld von Hertha nicht längst diskutiert werden. Dazu brauchte es das Klinsmann-Intermezzo nicht. Man muss einerseits berücksichtigen, wo sich der Verein nach den Dieter-Hoeneß-Jahren befand – die hohe Verschuldung erzwang, entweder auf junge, noch nicht komplett fertige Spieler zu setzen (vorzugsweise aus den eigenen Reihen), oder auf alte Haudegen im absteigenden Ast ihrer Karriere. Daran mussten sich dann auch die Ansprüche anpassen – dass mit so einem Kader anspruchsvolle Ziele erreicht werden könnten, ist auch mit einem GRÖLAZ, dem größten Leader aller Zeiten, sehr unwahrscheinlich. Richtig ist aber, dass spätestens jetzt, wo etwas mehr Geld da ist, auch eine Anpassung der Strukturen erfolgen sollte. Dazu gibt es längst Ideen. Es scheint aber so, als müssten sich die Alpha-Tiere des Vereins in ihrer neuen Zusammensetzung erst noch finden, um dann ein gemeinsames Verständnis in dieser Richtung zu entwickeln. Wir wissen nur eins: Mit Dauergegrinse und Dauer-Tschakka wird das nicht gehen – man sollte Führung nicht mit Show verwechseln.

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