Paris Saint-Germain – Genügen Stars für den großen Wurf?

Vorm Duell mit Borussia Dortmund werfe ich in meinem neuesten Video einen kurzen Blick auf die Mannschaft von Paris Saint-Germain, deren Stars und taktischen Schwächen und den Zwängen, denen Cheftrainer Thomas Tuchel unterliegt.

Koom 18. Februar 2020 um 16:37

„Nur“ große Stars genügen nicht. Das hat man im Fußball jetzt oft genug gesehen. Selbst Mannschaften, die zuvor massiv erfolgreich waren (Real Madrid) und die dann nur geringe Änderungen erfahren (Zidane weg), funktionieren dann plötzlich erheblich schlechter.

Ich halte Tuchel für einen exzellenten Trainer, aber ich glaube, ihm fehlt eine Fähigkeit, um eine Mannschaft eine Stufe höher zu heben: Er bekommt nicht „alle“ hinter sich. Guardiolo und vor allem Klopp haben die Fähigkeit, Spieler (und auch andere im Verein) zu „vereinen“ und mitzunehmen. Die stellen ihr Ego dann mal ein Stück zurück und sich etwas mehr in den Dienst der Mannschaft. Gerade dann, wenn es mal richtig dreckig und unangenehm wird. Gerade Klopp verlangt auch (mehr als jeder andere), dass man auch ruhig Fehler machen kann, wenn sie aus der richtigen Intention geschehen. Dadurch kommen dann so Dinger zustande wie dieses Eckballtor im Halbfinale.

Tuchel ist da noch mehr Kontrollfreak als Guardiola und bringt dadurch einzelne Spieler gegen sich auf. Nicht unbedingt offen, aber doch manchmal.

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studdi 19. Februar 2020 um 11:18

Dieses Thema ist sehr schwer zu beurteilen. Definitiv macht es bei Tuchel den eindruck das er immer wieder mit Stars aneckt. Ich glaube das in Paris da auch viel die Vereinsführung schuld ist. Mann muss sich auch mal hinter einen Trainer stellen, wenn die Stars da ihre eigenen Vorstellungen haben.
Ist meiner Meinung nach bei Guardiola und Klopp öfters schon der fall gewesen. Pep z.B. hatte bei Barca erstmal Ronaldinho Etoo und Deco aussortiert. Auch Zlatan später dann. Bei Bayern wurde es glaube ich auch schwierig als Ribery angefangen hat sich bei Hoeneß zu beschweren und Pep ist gegangen.
Klopp hatte zu seiner anfangs Zeit in Dortmund auch schwere Personal Entscheidungen getroffen und auch in Liverpool hat keiner etwas gesagt als man z.B. Sturridge aussortierte. Klopp hatte auch das Glück das er in den Mannschaften noch nicht diese Weltstars hatte als er Anfing. Bei den Verpflichtungen hat er dann selbst mitgeredet.

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Koom 20. Februar 2020 um 09:28

Ich würde auch nicht unbedingt sagen, dass Tuchel nicht mit Stars per se zurechtkommt. Es hängt sehr von der Art „Star“ ab. Nehmen wir doch einfach mal Guardiola und Klopp: Die hatten ihre jeweiligen Mannschaften im Griff. In keinen der Teams von ihnen gab es eine „klassische Primadonna“, wobei es bei Guardiola aber durchaus Gerüchte gibt, dass er auch wegen Messi von Barca weg ging. Letztlich aber halt ein Gerücht. Beide Trainer sortierten jeweils aber exzellente Spieler aus ihren Teams aus, nicht unbedingt aus Leistungsgründen. Klopp hat Coutinho durchaus nicht ungern abgegeben, Guardiola Schweinsteiger gehen lassen usw.

Klopp und Guardiola hatten (und haben) aber auch nahezu immer carte blance in der Kaderzusammenstellung. Und sei es, weil sie das Scouting selbst aufgebaut haben bei ihren jeweiligen Teams. Sie achten definitiv auf die Charaktere in ihrem Team und lassen Störer relativ schnell aber eher geräuscharm gehen. Tuchel hatte bei Dortmund nicht den Rückhalt (weil sich die Führung dort für so viel kompetenter hielt als sie ist) und auch bei PSG genießt er keine große Kontrolle (und hat mit Neymar die vermutlich größte aktuelle Diva im Fußball im Kader). Zudem ist Tuchels Grundsympathie einfach eine andere. Guardiola und Klopp wirken sympathischer mit ihrem Charisma, Tuchel kann einen fachlich sehr gut mitnehmen, wirkt dabei aber immer sehr verbissen.

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Daniel 20. Februar 2020 um 11:15

Es hängt auch stark davon ab, welchen Verein man übernimmt und zu welchem Zeitpunkt. Klopp hat mit Dortmund und Liverpool geschickt Vereine ausgewählt, die absolut am Boden waren und bei denen es folglich auch keine sonderlich starken Spieler gab, weil diese durch jahrelangen Misserfolg angezählt waren. Sobald er einen ersten leichten Aufwärtstrend hinbekommen hatte wurde Klopp gefeiert und hatte dann freie Hand, Spieler abzugeben, auf die er nicht gebaut hat. Tuchel hat beim BVB eine Mannschaft übernommen, der bereits in den letzten beiden Klopp-Jahren die nach den Erfolgen 2010-2013 ins Unermessliche gestiegenen Erwartungen nicht mehr erfüllen konnte. In seinem ersten Jahr spielte er dennoch eine Saison, die punktetechnisch besser war als die allermeisten Klopp-Jahre, ehe Watzke/Zorc ihm dann mit dem Verkauf der entscheidenden Leistungsträger Hummels, Gündogan und Mkhitaryan jede Arbeitsgrundlage nahmen. Bei PSG sind Tuchels Problem wie ich finde weniger Stars als eher übertriebene Erwartungen. Nichts für ungut, aber ist das wirklich ein Kader, mit dem man den CL-Sieg als logisches Ziel ausgeben kann? Für mich gehören nur Verratti, Neymar und Mbappé in ihren jeweiligen Rollen wirklich zur Weltelite, vielleicht noch Icardi. Aber den Rest find ich auf CL-Ko-Rundenniveau jetzt nicht herausstechend, auch da an Spielern wie Thiago Silva, Cavani oder di Maria mittlerweile doch deutlich der Zahn der Zeit nagt.

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Koom 20. Februar 2020 um 13:40

PSG hat IMO schon die Qualität für nen CL-Sieg. Aber definitiv keine Garantie darauf.

Ich denke, dass Tuchel sich sein Team anders zusammenstellen würde. Ich denke nicht mal, dass Neymar das große Problem ist. Ich fand, dass Tuchel das in Dortmund sehr elegant die durchaus vergleichbaren Spieler Aubameyang oder Dembele mitzunehmen und ihre Stärken für das Team eindrucksvoll zu nutzen wusste.

Aber – und das ist nichts Neues – ein Trainer braucht Rückhalt. Er muss auch 1-2 Spieler abschieben dürfen und durch andere ersetzen. Auch wenn die vielleicht nicht so shiny sind. Aber Tuchel wirkte in Dortmund und auch bei PSG jeweils so, als ob er geduldet wäre. Das man schon klar weiß, dass da ein exzellenter Trainer da ist, den aber ziemlich allein lässt mit der Verantwortung (ohne ihm wirklich alle Verantwortung zu geben).

Guardiola ist ähnlich drauf, aber der versprüht scheinbar von sich aus ein gewisses Startum und Divenhaftigkeit, so dass ihm die Vereinführung möglichst viele Teppiche ausrollt. Hilft halt schon irgendwo, mal 2-3 sehr große Saisons mit tollem Fußball hingelegt zu haben. Und auch wenn danach der große Pott fehlt: Guardiola-Teams sind immer sehr ästhetisch.

Fairerweise: Tuchel wird aber nie die Art von Guardiola nutzen können. Tuchel ist zu verbissen, zu sehr Technokrat – auch zu besserwisserisch in der Art. Das kann Guardiola auch sein, ist da aber eher wie Beckenbauer light, in dem er eben nicht mehr versucht, alles zu erklären, sondern so ein paar Phrasen absondert, die deutbar sind.

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