Bayern München – Wie stark sind sie wirklich?

Worin hat sich der FC Bayern unter Führung von Hansi Flick verbessert? Weshalb gab es zuletzt trotzdem zwei Niederlagen? Und können die Bayern um die deutsche Meisterschaft mitspielen?Diese Fragen stelle ich mir in meinem neuesten Video.

Cruyff 11. Dezember 2019 um 11:00

Innerhalb der Bundesliga sind die Münchner noch mit Abstand die beste Mannschaft. Die zwei Niederlagen beruhen nur auf der kläglichen Chancenverwertung. Die Defensive der Münchner ist aber alles andere als sattelfest. Aus diesem Grund sind die Bayern nicht mehr so unantastbar, wie in den letzten Jahren. Wenn RB sein Niveau halten kann und nur noch eine kleine Delle zulässt, dann haben Sie gute Chancen auf den Titel. Der direkte Vergleich mit Dortmund wird da ein erster Gradmesser.

Im internationalen Vergleich haben Sie nochmal federn lassen. Ich rechne mit einer ernüchternden Niederlage gegen Tottenham und mit einem frühen aus. Sollten sie auf Real, Atleti, Chelsea oder Neapel treffen, wird die Defensive auf eine echte Probe gestellt.

Für eine ähnlich erfolgreiche Zeit / Dominanz wie in den Jahren 2012-2016, braucht es Spieler wie Sané und Havertz. Dazu müssten einige Spieler wie Süle, Hernandez, Davies, Goretzka, Kimmich und Gnabry noch einen weiteren Schritt machen. In diesem Fall könnte der FC Bayern wieder mit Liverpool, Barcelona, Real, Juve und Manchester city um die europäische Krone spielen.

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Daniel 12. Dezember 2019 um 11:44

War wohl nix mit der ernüchternden Niederlage gegen Tottenham. Wobei du mit der grundlegenden Aussage natürlich trotzdem Recht hast, dass Bayern qualitativ Längen schwächer ist als vor ein paar Jahren. Tottenham ist halt einfach nur als Prüfstein völlig unbrauchbar, da viel zu schlecht. Gestern sowieso, da sie mit der B-Mannschaft gespielt haben, aber mit der A-Mannschaft sah das ja beim berühmten 7:2 auch nicht anders aus (auch wenn das zwei Tore zu hoch war). Selbst Kovacs Antifußball war da ausreichend. Aber da ist Bayern ja auch nicht allein, der europäische Fußball ist generell in der Spitze viel schwächer als vor vier oder fünf Jahren. Die Pep-Mannschaften aus seiner Zeit in München oder Barcelona würden heute den Titel wohl in Serie holen. Obwohl Bayerns Kader mehr Fragen aufwirft als beantwortet bin ich grad für die CL eigentlich nicht sonderlich pessimistisch, weil mir von den anderen kaum einer wirklich besser erscheint. Am ehesten sicher noch Liverpool, aber grad gegen Bayern waren die letzte Saison auch wenig eindrucksvoll. Die Chancen für einen echten Außenseiter waren schon sehr lange nicht mehr so gut wie derzeit. Was man ja schon daran sieht, dass es eine Mannschaft wie Tottenham bis ins Finale der CL geschafft hat. Off Topic: ich glaub, dass grad deswegen in Dortmund die Stimmung so extrem schlecht ist, obwohl ihre Bilanz rational betrachtet eigentlich in Ordnung ist. Wenn die mit der gleichen Punktausbeute halt wieder hinter Bayern stünden wär alles ok. Aber man merkt halt auch, dass momentan genau die Situation da ist, auf die der BVB seit Jahren gewartet hat. Die großen Teams sind in der Krise, wenn der BVB grad eine Mannschaft auf dem Peak hätte könnte mal wieder richtig was gehen….und das macht diese Saison so bitter für sie. Wenn am Ende Leipzig Meister ist und es wieder einen CL-Finalisten wie Tottenham gab können Teams wie Bayern damit leben..aber für Dortmund war es dann eine große Chance, die verpasst wurde.

Ich seh in München übrigens eher die Offensive als Problem denn die Defensive. Wenn man betrachtet, dass bei Bayern die Stamm-IV Hernandez/Süle seit Wochen ausfällt läuft das doch ganz gut. Offensiv hingegen hängt halt einfach alles Wohl und Wehe an Lewandowski. Nur wenn dieser Leistungen auf Weltfußballerniveau liefert ist Bayern offensiv auf Augenhöhe mit Teams wie Leipzig oder Dortmund. Wenn bei denen mal Alcacer oder Werner nen schlechten Tag haben rücken halt Sabitzer, Forsberg, Nkunku, Reus, Sancho, Brandt oder Hazard nach. Bayern hat maximal noch Gnabry und dann ist es vorbei. Coman hat große Probleme mit der Effektivität, Müller entwickelt sich immer mehr zum fast reinen Vorbereiter, Coutinho ist schwierig einzubinden und Perisic zu schlecht. Dass Bayern überhaupt noch in Schlagdistanz ist liegt nur daran, dass Lewandowski von den letzten beiden Spielen abgesehen eine Fabelsaison spielt und die Kaderschwäche allein überdeckt hat. Bayerns Offensive geht mehr auf dem Zahnfleisch als die Defensive, dabei gabs da bis zu Comans gestriger Auswechslung noch gar keine richtige Verletzung dieses Jahr.

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Mr Big 12. Dezember 2019 um 11:55

Ich denke Du hast recht damit, dass die Spitze in Europa gerade/seit geraumer Zeit schwächer ist als noch vor einigen Jahren.
Weshalb denkst Du, ist das so?

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WVQ 12. Dezember 2019 um 14:09

Deiner Einschätzung Tottenhams muß ich widersprechen. Ich habe sie in der Premier League in dieser Saison zwar nicht verfolgen können und unter Mourinho kann jetzt natürlich sowieso alles passieren (na ja, im Sinne von alles nach unten…), aber das Tottenham der letzten zwei Jahre gehörte für mich eindeutig zur europäischen Spitze und bewegte sich weit über dem Niveau der Bayern in dieser Zeit. Klar übertroffen in dieser Zeit eigentlich nur von Liverpool und City und mit dem einzigen größeren Makel der mangelnden Konstanz in der Liga. Aber was da an taktischer Anpassungsfähigkeit und letztlich meist auch Durchschlagskraft auf den Platz gebracht wurde, war oft hochgradig beeindruckend, und das mit Spielermaterial, das überwiegend zwar sehr gut war, aber (außer Kane) sicher nicht zur Weltklasse gehörte. Gerade in der Champions League hat Tottenham letztes Jahr gezeigt, daß man trotz unterlegenem Kader mit den allergrößten Mannschaften mithalten konnte, und in den entscheidenden Momenten (das CL-Finale mal ausgeklammert) haben auch die Ergebnisse gestimmt – weder City noch Ajax wirfst du da durch Glück und Zufall aus dem Wettbewerb, auch wenn es aufgrund der jeweils extrem engen Schlußphasen so ausgesehen haben mag. (Und Dortmund zuvor war aufgrund von deren Schwäche im Grunde kein echter Gradmesser, hat aber sehr schön demonstriert, wie man einen nominell ebenbürtigen – und von vielen auch favorisierten – Gegner durch gezieltes Ausnutzen seiner Schwächen praktisch komplett chancenlos machen kann.)

Im Hinspiel gegen Bayern – so ulkig es klingen mag – kratzte Tottenham für mich knapp 30 Minuten lang an der Weltklasse. Das Pressing und hohe Verteidigen war (wie so häufig gegen große Gegner) nahe an der Perfektion, man war auch mit Ball klar dominant und weit näher am ersten Tor als die Bayern. Die einzige Schwachstelle (und ein sicherlich kalkuliertes Risiko) war, daß neben der Raute bei dem hohen und aggressiven Pressing die Flügel relativ verwundbar waren – was Bayern ein paar Mal über lange Bälle in gefährliche Zonen brachte. Die ersten beiden Tore fielen aber dann ganz anders, durch Einzelaktionen aus ursprünglich relativ unspektakulären Situationen heraus (eine isolierte Weltklasse-Kombination Halbraum mit Steilpaß und ein Distanztreffer mit Tendenz Sonntagsschuß) und wären wahrscheinlich von kaum einem Team auf der Welt besser verteidigt worden. Der große Fehler war für mich, daß Pochettino danach wohl Sorge bekam, wegen des Rückstands über die Flügel in Konter zu laufen und komplett unterzugehen, das Angriffspressing zurückfuhr und die Flügel besser absichern ließ. Damit hat er letztlich genau das bewirkt, was er verhindern wollte, die Mannschaft hing taktisch plötzlich desorientiert irgendwo zwischen Angriffslust und Schadensbegrenzung, ist dann schnell und in einer selten zu sehenden Weise komplett gekippt und der Rest war zwar hochpeinlich, aber alles, bloß nicht repräsentativ für das, was Tottenham sonst in den letzten Jahren auf internationalem Niveau gespielt hat.

(Meine persönliche Hoffnung ist im übrigen, daß Pochettino in der nächsten Saison Barca übernimmt. Die hätten frischen Wind bitter nötig und da hätte er endlich auch das Spielermaterial, mit dem man für einen Titel nicht mehr über Jahre hinweg überperformen müßte. Fände ich hochinteressant, zumal Barca gerade einige junge Spieler auf der Schwelle hat, die ganz besonders von mehr als einer ewigen Fortsetzung des Traditions-4-3-3 profitieren würden.)

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Daniel 13. Dezember 2019 um 00:52

Hab Tottenham tatsächlich ziemlich wenig gesehen in den letzten Jahren. Letzte Saison genau genommen nur CL-Halbfinals und Finale, davor hat mich meist (wenn ich Zeit hatte) ein Parallelspiel mehr interessiert. Fand sie in den drei Spielen auch ziemlich gut, aber ehrlich gesagt dachte ich mir schon auch ein paar mal „und das soll ein CL-Halbfinale sein?“. Im Grunde fand ich’s ein bissl ähnlich zum BVB zu Klopps Glanzzeiten: strukturell ziemlich komplett und gut, individuell hat man teilweise doch gemerkt, dass die über ihrem Niveau spielen.

Zum 7:2: Tottenham war am Anfang klar am Drücker. Aber da muss man ja auch irgendwie den Gegner mit einbeziehen, will heißen den in einem erschütternden Zustand anreisenden FC Bayern. Bayern war zu diesem Zeitpunkt ein mittelmäßiges Bundesligateam, das von Lewandowski in Überform und einem damals extrem leichten Spielplan (unter anderem alle drei Aufsteiger und Zweitliga-Abstiegskandidat VfL Bochum in wenigen Wochen) mehr schlecht als recht auf Kurs gehalten wurde. Und wenn man sich die Anfangsphase an der White Hart Lane ansah hat man das auch überdeutlich erkannt. Das 1:0 zum Beispiel war einfach nur ein gigantischer Fehler von Tolisso, der den Ball flach blind in die Mitte bolzt…und ein noch größerer Fehler von Kovac, weil Tolisso schon in den zwei Jahren davor gezeigt hat, dass man ihn aus derartigen Situationen auf jeden Fall heraushalten muss. Weder Tottenhams Pressing noch das Umschalten ist da toll, man wurde einfach eingeladen von einem indisponierten Gegner. Und ansonsten wars halt auch von Tottenham einfach nicht sonderlich viel. Ich kann mich noch an einen Schuss von der Strafraumkante und einen von Son aus einem allerdings sehr spitzen Winkel erinnern…aus einem so spitzen Winkel, dass ihn jemand wie Neuer halt in mindestens 9 von 10 Fällen hält. Ich bin als Bayernfan mit wirklich gar keinen Erwartungen in dieses Spiel zu gegangen und war selbst in der Anfangsphase eher noch positiv überrascht. Und nach 25 bis 30 Minuten hat Bayern das Spiel dann in den Griff bekommen und ab diesem Zeitpunkt kam von Tottenham wirklich gar nichts mehr.

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kalleleo 13. Dezember 2019 um 16:33

Ich glaube Pochettino ist ziemlich verbandelt mit Espanyol, das mit Barca wird also vielleicht nix. 😉 Sollte man lieber mal zu den Bayern holen.

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WVQ 13. Dezember 2019 um 22:36

@Daniel
Der Vergleich Tottenhams mit dem Kloppschen BVB ist zweifellos gar nicht abstrus. Aber spricht das in irgendeiner Hinsicht dagegen, daß diese Mannschaften einfach internationalen Spitzenfußball spiel(t)en? Ich meine, wenn der Trainer es hinkriegt, daß die Spieler mehrere Jahre am Stück eine Nummer größer performen, als sie es bei den meisten anderen Trainern tun würden, und wenn die ein oder andere individuelle Unzulänglichkeit so gut durch die mannschaftliche Strukturen kaschiert wird, daß man am Ende trotz medialem Underdog-Status praktisch jeden Gegner schlagen kann, ist man dann nicht – solange das funktioniert – faktisch eine Spitzenmannschaft?

Das 2:7 gegen Bayern sollte man aus der Betrachtung vielleicht weitgehend ausklammern. Ca. 60 Minuten davon waren halt mit riesigem Abstand die schlechtesten, die Tottenham in den letzten Jahren gespielt hat.

Bezüglich der Qualität der CL-Halbfinals: Wann haben wir denn Deiner Meinung nach zuletzt – im Schnitt über die vier Spiele – deutlich besseren Fußball gesehen? In den Jahren der Real-Dominanz in der CL kann ich mich da nicht an arg viel erinnern. Mehr Weltstars und herausragende Einzelkicker, klar, aber besseren Fußball?

@kalleleo
Ich habe von spanischen Loyalitäten keinen blassen Schimmer. Sehr schade, falls das so ist. In München sehe ich Pochettino nur bedingt als geeignete Wahl. Zum Kader und überhaupt sportlich gesehen würde er sicher gut passen, aber in das Vereinsumfeld schon weniger, und ob man gut damit führe, wenn fast alle im Spieler- und Trainerstab nicht in ihrer Muttersprache kommunizieren könnten… Hielte ich für sehr riskant, für beide Seiten.

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schwerti 9. Dezember 2019 um 12:23

Leipzig muss man natürlich auch mit auf dem Zettel haben. Spielen mittlerweile übergangslos mehrere Grundordnungen, passen sich dem Gegner an, behalten aber ihre Grundstruktur bei und versuchen durchgehend dominant zu sein. Insgesamt haben sie schon jetzt einen Schritt nach vorne gemacht, seitdem Rangnick weg ist. Man kann von der Vereinsstruktur halten, was man will, fußballerisch sind sie top. Und das zählt.

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schwerti 8. Dezember 2019 um 22:47

Damit sind meine Fragen bzgl. Flick’s Coaching nach Ablauf des gestrigen Spiels beantwortet. Wenn er von den Bayern-Bossen die Zeit bekommt, Plan B und C zu entwickeln, dann wird Bayern das Punktepolster von Gladbach (leider) aufholen. Tippe, dass Kimmich bald dauerhaft Sechser spielt und man Thiago auf der 8 als „Verteiler“ wiedersieht. Lege mich fest, Bayern wird Meister; „meine“ Gladbacher haben das Potenzial für Platz 4.

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AG 8. Dezember 2019 um 23:20

Dann setze ich dagegen mal auf Leipzig. Die waren schon letzte Saison die zweitbeste Mannschaft (mindestens per xG), und mit der Langzeitverletzung von Süle und dem dünnen Kader mit verletzlichen Spielern sehe ich genug, was schief für die Bayern gehen kann. Nagelsmann holt den ersten Titel 🙂

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Koom 9. Dezember 2019 um 16:47

Auch wenn das Spiel verloren ging, sieht man schon die generelle Stärke der Bayern. Da muss schon ein bisserl Glück hinkommen und alles richtig gemacht werden, damit man sie in Normalform besiegt. Gestern war so ein Tag.

Smart money liegt im Grunde immer noch bei den Bayern. Gladbach macht das momentan sehr gut, Leipzig ebenfalls. Würde mich freuen, wenn es ein anderer als die Bayern machen würde.

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