Mario Götze – Quo vadis, Jahrhunderttalent?

Wieso sitzt Mario Götze erneut auf der Ersatzbank? Weshalb wird er falsch eingesetzt? Und wie könnte die Zukunft des Stars von Borussia Dortmund aussehen?

SVH 23. September 2020 um 09:33

Aus aktuellem Anlass bezogen auf die Gerüchte: Das beschriebene Umfeld, was Götze bräuchte, um wieder zu glänzen, wäre meiner Meinung nach derzeit bei den Bayern vorhanden. Zumindest im Spiel mit Ball. Ob er gegen den Ball die nötige Intensität mitbringt, sei mal dahingestellt. Wie seht ihr das?

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tobit 24. September 2020 um 19:13

Götze hat ein Problem. Er hat sehr hohe Gehaltsvorstellungen, will unbedingt die CL gewinnen UND will glaube ich kein Reservist wie zuletzt beim BVB sein. Die ersten beiden Wünsche lassen sich wahrscheinlich noch miteinander vereinen, der dritte aber keinesfalls.
Götze braucht Vertrauen um seine Qualitäten zu entfalten, das wird er nicht mit einem zehn Minuten Einsatz alle paar Wochen gewinnen. Und mehr ist für ihn bei Bayern ohne Verletzungsseuche nicht drin.

Und ob er bei Bayern in Ballbesitz wirklich so perfekt passt, sehe ich auch nicht unbedingt. Er profitiert eigentlich sehr von einem weiteren Mitspieler im Zwischenlinienraum. Lewy und Gnabry tauchen da zwar immer wieder auf, aber eher für individuelle Aktionen. Das passt da besser zu Müllers Tendenz den Ball rasant und mit Risiko weiterzuspielen und nicht so zu Götzes ausweichenden Ballsicherungen.
Gegen den Ball war Götze in den letzten Jahren zwar fleißig und viel unterwegs, aber nicht unbedingt besonders intensiv. Auch im Gegenpressung hat er oft eher von seiner cleveren Positionierung vor dem Ballverlust gelebt als von wirklich gutem Zugriffsverhalten.

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SVH 25. September 2020 um 14:37

Ich denke im aktuellen Bayern-Kader würde Götze mit Sicherheit auf genügend Einsatzzeit kommen. Müller ist zwar nicht besonders verletzungsanfällig oder braucht ansonsten viele Pausen aber man weiß ja nie. Gerade im Offensivbereich sind die Bayern aktuell dann doch ziemlich dünn besetzt.
In der Bundesliga wird man in der Regel auf tiefstehende Gegner treffen, wodurch man dementsprechend sehr viel Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte hat. Die Staffelung dort kommt ihm auch entgegen, um gute Voraussetzungen für das Gegenpressing zu schaffen. Denke das würde Götze auf jeden Fall entgegenkommen, wie ja auch im Video angesprochen.
Wie du schon sagst, hängt alles natürlich davon ab, welche Ansprüche Götze hat und es scheint ja auch so, als ob an der Sache doch nichts dran ist. Habe nur gedacht, die Situation bei den Bayern würde rein hypothetisch sehr gut passen und könnte für beide Seiten von Vorteil sein.

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Daniel 25. September 2020 um 23:48

Also an Einsatzzeiten wird es Götze im Fall der Fälle bestimmt nicht mangeln. Bayerns Kader war ja schon vergangene Saison mindestens zwei Spieler zu klein…das hat nur funktioniert, weil die Saison zeitlich um drei Monate verlängert und gleichzeitig um zwei Spiele reduziert wurde. Falls diese Saison so stattfindet wie geplant wird sie das genaue Gegenteil-mehr Spiele als normalerweise (Supercup, Club-WM und im Vergleich zu letzter Saison auch noch Rückspiele im Viertel- und Halbfinale der CL). Nur eine Frage der Zeit, bis Bayern darunter zusammenbricht. Schon letzte Saison lief der FC Bayern zwischenzeitlich erkennbar auf Reserve, als Zirkzee Bayern gegen Freiburg und Wolfsburg in letzter Minute rettete. Damals erreichte man irgendwie auf letzter Rille die Winterpause, die es dieses Jahr nicht geben wird. Wenige Monate später war die Entwicklung dann die Gleiche, ehe die Coronaunterbrechung sportlich wie ein Geschenk des Himmels das Problem überraschend löste (auch wenn sie wirtschaftlich natürlich eine Katastrophe war). Stand jetzt gibt es im Vergleich zur letzten Saison mit Odriozola, Coutinho, Perisic, Thiago und zu 99% Martinez fünf Abgänge von Feldspielern, denen mit Sané, Nianzou und Fein zwar theoretisch immerhin drei Zugänge gegenüberstehen, von denen aber einer aus einer über einjährigen Verletzungspause kommt und die beiden anderen noch nie irgendwo auch nur Erstligaerfahrung gesammelt haben. Nach sportlichen Gesichtspunkten müsste man noch mindestens drei Feldspieler (einen RV, einen pressingresisten, technisch guten ZM als Vertretung für Kimmich und einen flexiblen Offensivspieler) holen, selbst in einer „normalen“ Saison.

Bayern steht hier wie alle reinen Fußballvereine vor einem planerischen Dilemma: durch die Coronakrise hatte man bereits Millioneneinbußen zu verzeichnen und wird das auch in Zukunft-allerdings kann Stand jetzt niemand vorhersagen, wie hoch die kommenden Einbußen sein werden. Gut möglich, dass wir durch die kommende Virussaison in drei Monaten wieder alle im Lockdown sitzen und die Saison ab- oder jedenfalls erneut lange unterbrochen werden muss. Dann sind die Vereine froh um jeden Spieler, den man NICHT auf dem Gehaltszettel hat. Andererseits steht nach momentanem Stand die vollgepackteste Saison der Fußballgeschichte an, da das geplante Programm (fast) nicht gekürzt wurde, obwohl man mit dem Spielplan kalendarisch mindestens einen Monat hinterherhinkt. Deshalb müssten die meisten Vereine eigentlich aus sportlichen Gründen ihre Kader aufstocken. Diese beiden Anforderungen schließen sich natürlich aus. In dieser wirtschaftlichen Situation nennenswert investieren können nur Vereine mit Eigentümern mit fußballfremden Einnahmequellen (Windhorsts Hertha, PSG, die englischen Mannschaften), „normale“, vom Fußballbetrieb lebende Vereine müssen irgendwie kreativ versuchen, möglichst kostengünstig einen halbwegs passenden Kader für die kommende Saison zu basteln. Bayern kann halt nicht wie die Konkurrenten einfach den Eigentümer in Katar/Russland/USA anrufen, der dann die nächste 200 Millionen Spritze durchwinkt.

Eben deshalb könnte Götze durchaus interessant sein, obwohl ich tobit in Bezug auf SVHs eigentliche Frage Recht gebe: taktisch passt Götze eigentlich nur so semi gut in die momentane Bayernmannschaft. Von allen Spielern, die seit seinem Abgang das Bayerntrikot getragen haben, ist Coutinho ihm mit Abstand am ähnlichsten, und der konnte sich auch nie richtig durchsetzen, obwohl er wahrscheinlich derzeit eher etwas besser ist. Langfristig wäre es für Bayern ohnehin besser, einen jüngeren Spieler mit einem langfristigen Vertrag zu holen. Aber solche taktischen und planerischen Überlegungen muss man sich leisten können und das geht derzeit einfach nicht. Ich vermute, dass Brazzo wie die letzten Jahre auch kurz vor Schluss noch ein oder zwei nicht mehr sonderlich junge Leihspieler aus dem Hut zaubert, die die Baustellen für eine Saison zu einem moderaten Preis schließen…und eben für diese Rolle kommt Götze sehr gut in Frage, für ihn müsste man nichtmal eine Leihgebühr entrichten. Find also durchaus, dass das gut passen könnte.

Ich finde übrigens diesbezüglich die Kommunikation der Bayernverantwortlichen ziemlich geschickt, um den mal wieder ins Lächerliche abgleitenden Fantasien der Journaille entgegenzuwirken. Wenn Journalisten nach dem ersten Spieltag schon von einer langweiligen Liga schreiben um eine uferlose Erwartungshaltung aufzubauen, die man dann im November mit Bayern-Krisen-Artikeln füllen kann, fehlt mir wirklich jedes Verständnis. Da wären eigentlich die Chefredakteure gefragt, in den Sportredaktionen ihrer Käseblätter ein gewisses Mindestmaß an Niveau durchzusetzen.

Wenn Götze tatsächlich glaubt, nach seinen Leistungen der vergangenen Jahre in der momentanen Situation tatsächlich bei einem Verein mit Ambitionen auf den CL-Sieg als Stammspieler (sowohl gehaltstechnisch als auch sportlich) eingeplant zu werden, dann-so leid es mir tut-hat er ein ernstes Problem mit der Selbsteinschätzung. Die meisten Vereine müssen sparen und die „Scheichklubs“ investieren ihr Geld lieber in junge, aufstrebende Spieler als in ältere, abbauende.

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Koom 28. September 2020 um 14:59

Irgendwie ein schönes Tänzchen, das alle vornehmen, um den Bayern Krisen einzureden. So wirklich ist nur Thiago weg und der spielte weite Teile der vergangenen Saison eher eine kleine Rolle. Als es dann lief im Team (ohne ihn), glänzte auch der wieder und war wichtig. Perisic war ein einwandfreier Spieler zum Abrunden des Kaders. Aber das Geweine um Coutinho (seltener Edeljoker), Martinez (noch seltenerer Edeljoker), Odriozola (spielte eigentlich nie) ist dann doch eher albern.

Konkret gab es 2 Abgänge, die man wirklich merkt. Und dafür verpflichtete man mit Sane einen hochpreisigen Flügelspieler, mit Nübel einen prima Ersatzkeeper. Und man hat einen Schwung guter bis sehr guter Talente aus der Zweiten Mannschaft und ein paar übelst ignorierte Top“talente“ (Cuisance, Tolisso) bereits im Kader. Man rechnet sich da erheblich viel schlecht, schon vor der Niederlage gegen Hoffenheim (die halt bei nem Hop-oder-Top-Trainer wie Hoeneß passieren kann, das Quadruple macht einen vermutlich auch lässiger).

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Daniel 28. September 2020 um 20:15

Interessant, dass du Perisic als Verlust ansiehst, aber Coutinho als seltenen Edeljoker. Dabei hat letzterer mit 2.145 Spielminuten sogar mehr als Perisic (1.756 Minuten). Hat mich aber auch überrascht, als ich es gerade nachgeschaut hab. Der springende Punkt aber ist, dass sich die beiden damit durchaus in vergleichbaren Größenordnungen bewegen wie z.B. Boateng oder Coman. Odriozola hängt mit Thiago zusammen: da Thiago da war konnte man Kimmich bei Bedarf ohne Qualitätsverlust im Mittelfeld rechts hinten aufstellen, wodurch Odriozola kaum eine Minute bekam, weil er in der Gruppe mit Pavard, Kimmich und Thiago um Längen der schwächste Spieler war. Das wär mit dem jetzigen Kader schon anders. Bei Thiago waren wir uns noch nie einig…der hat unter Kovac den Laden im Alleingang halbwegs zusammengehalten und hat auch unter Flick nie nur eine kleine Rolle gespielt. Aber egal wie man zu ihm steht: Bayern hat einen elementaren Leistungsträger und die beiden wichtigsten Rotationsspieler verloren, gekommen ist bisher maximal ein Spieler, der eine vergleichbare Rolle spielen kann. Und das trotz massiver Mehrbelastung. Übrigens meine ich, dass auch du kurz nach dem Triple hier die These vertreten hast, dass diese Unterbrechung Bayern zugute kam und dieser Erfolg sonst wohl so nicht erfolgt wäre-oder schmeiß ich da jetzt was durcheinander? Weiß also nicht, warum du das jetzt als totalen Blödsinn darstellst.

Übrigens hab ich meinen Kommentar vor dem gestrigen Hoffenheim-Spiel geschrieben und würde die Niederlage bei der TSG gar nicht ausschließlich darauf schieben. Auch wenn es natürlich in die gleiche Richtung geht, dass Bayern schon nach der allerersten englischen Woche seine Intensität erkennbar nicht auf den Platz bringen konnte. Nach Sevilla war Hoffenheim der zweite Verein, der hervorragend Bayerns Schwächen-vor allem bei langen Bälle auf die Flügel/Halbräume hinter der hohen Pressinglinie-bespielte. Trotzdem wäre es ohne das Spiel am Donnerstag sicher nicht passiert, dass Bayern vier Tore kassiert und damit auch noch absolut zufrieden sein muss. Was meinst du damit, dass Hoeneß ein „Hop-oder-Top-Trainer“ ist? Wie gesagt, ich fand Hoffenheim hervorragend eingestellt und dann kommt halt dazu, dass sie hinter den großen Fünf wohl den besten Kader der Liga haben. Da kann man schon mal verlieren.

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Koom 29. September 2020 um 09:29

Das mit der TSG war allgemein gedacht. Große Teile meines Postings waren sehr allgemein gedacht, weil man sich gerade sehr bemüht, irgendwie die Bundesliga spannend zu verkaufen. Was sie nicht ist.

Zu Transfers: Ich sehe ehrlich gesagt immer noch nicht das Kaderproblem. Bei diesen Rechnereien ignoriert man immer die teuren Cuisance, Tolisso und die diversen Talente, die auch letzte Saison da waren, ignoriert wurden, aber eigentlich ziemlich gut sind. Andere Vereine müssen auch mit unbekannten Spielern kicken. Selbst Liverpool setzt hier und da mal nen No-Name ein, da werden es auch die Bayern verkraften können. Und oft erwächst daraus auch ein Spitzentalent. Davies war letzte Saison weite Teile ein Nobody.

Und zu Hoeneß: Vom bisherigen Werdegang spielt der gerne mit Visier hoch. Das sorgt für schöne Überraschungserfolge, wenn im Verein noch alle mitziehen (und Defensivlehren von Vorgängern noch tief drin sind), aber die Gegner schnallen das dann irgendwann und dann wirds flott debakelig. Nichts Neues.

Und das die Bayern nach Quadruple und einem 8:0 zum Start dann auswärts bei so einem Gegner mal überrascht werden – kann passieren. Ist ja auch günstig, dass man da einem früheren Bayernspezi ein bisserl Renomee verschafft. 😉

Daniel 29. September 2020 um 17:49

Möglich, dass Flick Cuisance und Tolisso ignoriert hat. Möglich aber auch, dass sie im Training nicht die Leistungen zeigten, die es gebraucht hätte, um sich in die Mannschaft zu spielen. Tolisso wirkte in den Spielen der vergangenen Monate seit seiner Verletzung gehemmt und nicht auf dem Niveau von vor dem Kreuzbandriss. Trotzdem ist Tolisso auch ein Spieler, auf den ich Hoffnungen setze, er sollte Goretzka und Müller entlasten können. Eine Alternative zu Kimmich kann er aber schon typbedingt niemals sein. Cuisance war auch in Gladbach kein Stammspieler und scheint überdies vor dem Absprung nach Leeds zu stehen.

Also dass Hoeneß von Defensivlehren seiner Vorgänger profitiert möchte ich mal stark anzweifeln. Diese Vorgänger hießen nämlich Schreuder und Nagelsmann und waren für alles bekannt außer ihre Defensivkünste. Von den dreien ist Hoeneß ziemlich klar derjenige, der am meisten von seinem Spiel gegen den Ball kommt (#RB-Schule). Eben das war auch einer der Hauptkritikpunkte vieler Bayernfans an seiner Verpflichtung-er lasse die Talente einen Fußball spielen, der wenig mit der Philosophie der Profis zu tun habe und „zu defensiv“ sei.

Koom 30. September 2020 um 10:12

Ja, auch da war ich zu pauschal. Meistens hat man immer die Kombination Defensivtrainer -> Offensivtrainer (und vice versa) und die Anfangswochen und -monate sind dann oft prächtig. In dem Fall TSG kann das aber auch dergestalt sein, dass die (guten) Offensivideen Nagelsmanns (und teils Schreuders) im System drinsitzen und Hoeneß das Repertoir um 1-2 Sachen erweitert. Aber wenn nicht permanent alles trainiert wird, fällt es weg.

Aber konkret zu Hoeneß klang es eher durch, dass er in der Corona-Zeit dann einen neuen Stil pflegte und dann durchrauschte – was ihm auch den TSG-Job verschafft hat. Das die Bedingungen dafür vielgestaltig sind, hatte ich ja schon mal erwähnt.

Legen uns wir uns Hoeneß einfach auf Wiedervorlage bis, sagen wir mal März 2021. Dann sollte es klarer sein, wohin der Hase läuft.

Und zum Bayernkader: Man gibt sich seitens des FCB auch gerade alle Mühe, möglichst die ganzen Ergänzungsspieler loszuwerden. Also Spieler, die einen Kader ergänzen. Also mal eine Lücke ausfüllen wegen Verletzung oder Erholung. Und ja, vielleicht sind die im Training nicht auf dem Bayernniveau, aber wenn man Spieler teils weit vor ihre Reife (Cuisance, Arp, viele andere) abpflückt, dann kann es eben passieren, das die nix werden.

Man geriert sich gerade wie zu einer normalen Saison (nicht gut genug, muss weg, dafür holen wir jemand fertigen für viel geld), propagiert aber dauernd, dass das eine besondere Saison ist, die schwierig wird. Und der gerade 3.Liga-Meister gewordene Kader der zweiten Mannschaft wird in alle Winde geschickt, anstatt die just in dieser Saison, wo ALLE Probleme haben werden, sonstwo spielen zu lassen.

Daniel 30. September 2020 um 19:01

Damit wollte ich nicht sagen, dass ich Hoeneß eine glorreiche Zukunft vorhersage. Find es wie du immer noch sehr schwierig ihn wirklich zu bewerten.

Hm…Bayern geriert sich so, dass sie jemand „Fertigen“ für viel Geld holen? Den Eindruck hab ich ja mal gar nicht. Nianzou ist ein ablösefreier Teeanager, Dest, an dem das Interesse verbrieft war, ist auch noch sehr jung und scheiterte wohl am Finanziellen. Ebenso die anderen durch die Medien ziehenden Namen (Lamptey, Aarons, Hudson-Odoi). Selbst Sané ist mit 24 noch jung und kam zu einem für einen Spieler seines Alters und Qualität verblüffend geringen Preis. „Fertige“ Spieler wird Bayern mit einiger Sicherheit diese Transferperiode höchstens noch als Leihspieler holen, teure Transfers sind praktisch ausgeschlossen.
Tatsächlich frag ich mich inzwischen, ob Bayerns Bosse gerade primär die Saison vorbereiten…oder eher den nächsten Lockdown in der Fußballbranche. Wenn die kommende Saison erneut unterbrochen oder jedenfalls stark abgespeckt wird kann der kleine Kader (sprich geringe Fixkosten) Gold wert sein. Und ob wirklich im November/Dezember dutzende Fußballmannschaften kreuz und quer durch Europa jetten, davon bin ich noch nicht überzeugt. Virussaison und Winter haben noch gar nicht richtig angefangen und die meisten europäischen Länder haben schon wieder ernste Probleme und nehmen Lockerungen zurück. Und im Grunde reichen ja schon wenige Länder, die internationale Spiele untersagen, um die UEFA-Wettbewerbe zum Einsturz zu bringen.

Koom 30. September 2020 um 19:35

Das wäre ein ziemliches Gamble. Und wäre auch kein guter Grund, warum man Talente und Ergänzungsspieler wegschickt. Aber kann schon sein, wer weiß? Wäre ja auch nix, was man offen propagieren würde. Entweder, weil man andere informiert oder weil man bei Nichtauftreten sich dann herb verzockt hätte.

Fairerweise: Aus Bayernsicht ist es vermutlich vernünftiger, finanziell nicht zu viel riskieren. Der eigene Kader ist sündteuer, wie wir ja aus aktuellen Verhandlungen so wissen. Das wird ohne/weniger Zuschauer schon problematisch, ohne CL noch erheblich mehr.


Patrick 2. Dezember 2019 um 09:40

Könnt ihr was über die neue Aufstellung von Favre machen? Er hat jetzt ja zwei mal mit Dreierkette spielen lassen.

LG

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Phil 3. Dezember 2019 um 22:20

Wäre da auch sehr dankbar für 🙂
Insbesondere da Favre aktuell stark in der Kritik steht und ich mich frage, ob diese taktische Änderung ein Schritt in die richtige Richtung sein kann bzw. was Favre besser machen sollte.

liebe Grüße
Phil

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tobit 4. Dezember 2019 um 10:36

Für mich ist die Struktur definitiv eine Verbesserung. Ich glaube aber nicht, dass das die Absicht dahinter war.

Mein erster Schritt wäre ja, Weigl konsequent auf der Sechs zu bringen und Witsel etwas nach vorne zu ziehen (da taucht er eh schon immer wieder auf um die endlosen Zwischenlücken zu bedribbeln). Das wird Favre aber wohl kaum als Lösung ansehen.
Was Favre besser machen könnte, wäre vom Dogma „Reus auf der Zehn“ abzurücken. Damit könnte man Brandt dort einsetzen, der rein individuell geeigneter für die aktuell da bestehenden Aufgaben ist, weil er wesentlich präsenter und vorbereitender ist als Reus und auch Mal über ein ballschleppendes Dribbling Raumgewinn erzielen kann.
Eine andere Option wäre das aufgeben der permanenten doppelten Flügelbesetzung. Brandt, Guerreiro und Sancho wären als offensive Spielmacher im Halbraum sehr interessant und es gäbe mehr Raum für die sehr offensiv denkenden AV Schulz und Hakimi (die nicht umsonst öfter als breite Flügelstürmer eingesetzt wurden). Aus diesem verkappten 4-2-2-2 könnte man auch die Sechser eher tief und absichernd halten, da die Zwischenräume ja von außen gefüllt werden.
Unwahrscheinlich, aber spätestens mit einem neuen Trainer denkbar wäre auch eine Raute im Mittelfeld. Da könnte Reus als Zehner verbleiben wenn man Guerreiro und/oder Brandt auf die Halbposition(en) stellt. Diese Mittelfeldanordnung wäre auch unabhängig von der Entscheidung zwischen 3er- und 4er-Kette.

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[email protected] 5. Dezember 2019 um 01:28

Dann wäre also deine Meinung, dass Favre sein Handwerk, wie man aus Einzelspielern eine Mannschaft taktisch erstellt, nicht versteht? Ist eine ernsthafte Frage.

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Patrick Erdmann 5. Dezember 2019 um 07:29

Das habe ich mich auch schon gefragt!
Aber viel eher glaube ich, dass Favre Spieler braucht die er nicht so antreiben muss. Anders kann ich mir diese Leistungsunterschiede innerhalb eines Spiels nicht erklären.

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Koom 5. Dezember 2019 um 13:23

Was tobit meint, weiss ich nicht – aber ich denke, dass Favre eher ein Underdog-Trainer ist. Seine Spielweise funktioniert im wesentlichen erheblich besser, wenn der Gegner großes Eigeninteresse hegt, das Spiel zu gewinnen. Favres Spielweise sehe ich immer als eine Art Spinnennetz, dass viel nachgibt und an einem bestimmten Punkt dann zupackt.

Warum das bei Dortmund nicht klappt? Die Spieler sind nicht wirklich darauf ausgelegt. Der Kader ist noch von Klopp und Tuchel quasi zusammengestellt, die pflegen eine sehr proaktive Spielweise. Auch das Scouting etc. ist dafür ausgelegt.

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Patrick Erdmann 5. Dezember 2019 um 19:19

Alles klar,

das klingt plausibel… Aber warum scouten die nicht auch den Trainer?

Koom 5. Dezember 2019 um 21:46

Vielleicht nie „gelernt“? Die Scouting-Abteilung ist geprägt von Klopp und Tuchel. Generell scheint man Trainer nicht zu scouten, sondern nach Sympathie zu nehmen. Bosz war noch so ein bisserl ein Pusher, Stöger und Favre beides aber so Leute, mit denen man nen netten Abend verbringen möchte.

tobit 6. Dezember 2019 um 17:59

Koom hat schon viel richtig gesagt.

Favre denkt Ballbesitz finde ich eher reaktiv und situationsbezogen. Die Spieler sollen sich anhand weniger Prinzipien bewegen und bei einer klaren Lücke via „Steil-Klatsch“ nach vorne spielen. Diese Lücken gibt es viel öfter, wenn der Gegner mitspielt – das tut gegen Dortmund aber fast niemand, weil die das seit Jahren unter fast jedem Trainer brutal bestrafen können. Auf Basis dieser Ideen werden dann auch die Positionen besetzt. Ablegende (Alcacer, Brandt, Götze) und abschließende (Alcacer, Reus) Spieler stehen eher zentral während athletisch dynamische (Bruun Larsen, Hakimi, Hazard, Sancho, Schulz, Wolf) und vorwärts kombinierende (Guerreiro, Hakimi, Sancho) eher außen landen.
Das größte Problem ist für mich, dass Favre der erste reaktive Ballbesitztrainer seit über einem Jahrzehnt ist. Klopp, Tuchel und Bosz hatten alle sehr klare Vorstellungen von der Struktur in Ballbesitz (aus verschiedenen Motivationen heraus) und haben sehr viele Vorgaben im Bewegungsspiel gemacht um diese Strukturen zu erreichen. Sämtliche Spieler und auch viele Neuzugänge (besonders Brandt und Schulz, mit Abstrichen auch Hazard) kennen nur diese Herangehensweise. Daraus entstehen dann die oft löchrigen und starren Strukturen, über die sich hier so viel beschwert wird – den Spielern fehlen die Anhaltspunkte um sich richtig zu bewegen. Witsel (der ein eher vorgabenfreies Spiel aus Russland und China gewöhnt war), kommt damit noch am besten klar und versucht dann viele Löcher vor ihm zu stopfen – was dann natürlich Lücken hinter ihm erzeugt, die Delaney nicht immer füllen kann.

Ein weiterer Faktor ist die wesentlich offensiver und aktionsorientierter besetzte Abwehr als bei vergangenen Favre-Teams.

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tobit 7. Dezember 2019 um 11:21

Ergänzung: Der Hauptgrund für die 3er-Kette war für mich der Ausfall Weigls. Favre möchte Recht klar vier zentral defensive Spieler haben. Normalerweise sind das zwei IV und zwei Sechser. Jetzt hatte er nur noch Witsel für die Sechs, also kam ein dritter IV.

CitiTM 8. Januar 2020 um 12:33

Im Prinzip sagst Du, Favre ist der falsche Trainer für den BVB. Habe ich das richtig verstanden?

CE 8. Januar 2020 um 13:27

Er ist nicht (mehr) der richtige Trainer für Götze. Was den BVB betrifft, so bin ich noch unentschlossen. Einige Entwicklungen missfallen mir schon.

tobit 8. Januar 2020 um 15:49

Favre steht für eine fundamental andere Herangehensweise.
Klopp kam nach Dortmund mit der Idee, dem Gegner immer wieder systematisch den Ball in dessen eigener Hälfte abzunehmen. Das war zu der zeit geradezu radikal aggressiv. Dafür hat er klare Vorgaben gemacht, wie und wo das zu passieren hatte und wie sich die Spieler dafür vorbereitend bewegen sollten. Durch seine lange und erfolgreiche Zeit im Verein, wurde aus diesem Konzept fast schon eine Vereinsphilosophie, an der man alle Bereiche ausrichtete.
Tuchel stand in Mainz für einen überaus ähnlichen Ansatz, den er dann in Dortmund um Aspekte des Juego de Posicion erweitert hat, um in Ballbesitz effektiver zu sein als es in Mainz notwendig oder unter Klopp möglich gewesen war.
Während Klopp und Tuchel ein Konzept hatten und dazu eine passende Struktur fanden, kehrte Bosz diesen Prozess fast schon um. Die Ballbesitzstruktur war weitgehend in Stein gemeißelt mit sehr klaren (aber nicht unbedingt zu allen Spielern passenden) Vorgaben im Bewegungsspiel. Gegen den Ball setzte sich die aktive Idee seiner Vorgänger fort, wurde in Bezug auf Intensität und Angriffshöhe geradezu auf die Spitze getrieben.

Mit Favre kam dann ein Trainer, der philosophisch und persönlich wenig mit seinen Vorgängern gemein hat. Er ist kein charismatischer Heißsporn, sondern ein eher stiller Denker. Sicherlich auch bedingt durch seine bereits wesentlich längere Trainerkarriere und Lebenserfahrung (bei Amtsantritt beim BVB war nur Udo Lattek 2000 älter als er).
Seine Idee auf dem Platz lebt viel mehr von der Ruhe aller Spieler und dem Mantra „bend but don’t break“, während seine Vorgänger alle bereit waren, sich gelegentlich knacken zu lassen (Bosz wurde leider zu oft und zu simpel geknackt) um in allen anderen Momenten den Gegner überhaupt nicht ins Spiel kommen zu lassen. Defensiv ist er im Gegensatz zu seinen Vorgängern bereit, Raumgewinn und Abschlüsse des Gegners zuzulassen. Offensiv geht es noch mehr als bei Tuchel um die Geduld im Warten auf die richtige Lücke. Hier verlässt er sich strukturell viel mehr auf das individuelle Verhalten der Einzelspieler zur Erzeugung dieser Lücken. Deswegen ist Witsel für ihn von so großer Bedeutung: der kann aus fast jeder Situation diese Lücken erzeugen und dann auch bespielen. Weigl kann das nur unter bestimmten Voraussetzungen, da dann aber noch effektiver.
Diese „Reprogrammierung“ der Vereins-DNA braucht Zeit (auf und neben dem Platz, insbesondere im Scouting), die er wahrscheinlich nicht bekommt. Man müsste mit sehr vielen Spielern und Mitarbeitern sehr viel und intensiv arbeiten, um die in dieser Spielweise auf das selbe Niveau zu bekommen, das sie in einer aktiveren Spielweise a la Klopp oder Tuchel schon jetzt erreichen können. Für diesen Philosophiewandel des ganzen Vereins ist Favre als Person absolut ungeeignet.

Koom 8. Januar 2020 um 17:03

> Diese „Reprogrammierung“ der Vereins-DNA braucht Zeit (auf und neben dem Platz, insbesondere im Scouting), die er wahrscheinlich nicht bekommt.

Im Grunde das typische Problem (deutscher?) Traditionsvereine: Irgendwann meinen alle im Verein die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und mischen sich in die sportliche Arbeit ein. Normalerweise frißt das die jungen Trainer auf, aber auch Favre zeigt die typischen Anzeichen von „Erosion“: Die Änderungen zuletzt mit Dreierkette und einer aggressiveren Spielweise sind sehr untypisch für Favre.

Normalerweise hat er in der Vergangenheit vor so einem Moment hingeworfen, diesmal kämpft er sich noch etwas durch. Vielleicht, um in der Winterpause das ganze neu/anders einzustellen (weil dann manche Spieler wieder fit sind und mit Halland zudem auch ein interessanter Spieler dazu kommt).

Persönlich fand ich Favre von Anfang an nicht passend für den BVB bzw. für einen Favoriten in der Bundesliga. Auch wenn der Rammel-Pressing-Zug mittlerweile nicht mehr ganz so verbreitet ist in der Bundesliga, bedienen sich die „Kleinen“ immer noch ganz gern so einer Spielweise, die für Favre-Teams Gift ist. Favres Herangehensweise passt für einen Underdog besser, benötigt nämlich einen strukturiert mitspielenden Gegner.

tobit 12. Januar 2020 um 11:53

Es geht nicht unbedingt darum, dass sich wer in Favres Arbeit einmischt, sondern dass er sich in die gewohnten Arbeitsmuster anderer Leute einmischen müsste um seine Idee auf den Verein zu übertragen. Wenn du zehn Jahre lang deine Arbeit immer nach sehr ähnlichen Kriterien machst, braucht es viel Zeit und Aufmerksamkeit, das auf etwas neues umzustellen.

Favre ist im Pressing-Gerammel doch eigentlich ganz gut klargekommen, weil eben alle auf der Suche nach direktem Zugriff irgendwo Lücken aufgemacht haben. Gegen Dortmund hat mittlerweile jeder begriffen, dass man keine Lücken aufmachen darf, weil man dann (trainerunabhängig) heftig vermöbelt wird.
Ohne Lücken geht halt nix beim aktuellen BVB, weil die Spieler diese Lücken kaum von sich aus erzeugen können. Im Prinzip geht das nur über die individuelle Klasse von Witsel, Brandt und Sancho oder über die absurde Athletik von Hazard und Hakimi. Die Fans (und Spieler) sind aber daran gewöhnt, dass „das System“ auch Lücken erzeugt.

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