Warum ist die deutsche Nationalmannschaft nur Mittelmaß?

Wie gestaltet sich der Umbruch bei der deutschen Nationalmannschaft? Was fehlt der DFB-Auswahl? Und ist Joachim Löw der richtige Mann für den Job? Diese Fragen stelle ich mir in meinem neuen Video.

Ostkreuzkicker 26. November 2019 um 18:36

Stielikes Jacket?
Dies und der Pulli, braun in braun, macht Dich 20 Jahre älter, CCE 😉
Hätte gern was zum Inhalt geschrieben, bin aber völlig von der Optik abgelenkt, sorry.

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Taktik-Ignorant 21. November 2019 um 11:42

Eine kleine Anmerkung zum „Umbruch“ und zum Aussortieren der 3 Bayern: Anfänglich war es ja geplant, die Mannschaft behutsam umzubauen, und lediglich Khedira und Özil wurden nicht mehr berücksichtigt. Nach den (gerade auch von den 3 Bayernspielern) enttäuschenden Vorstellungen im Herbst 2018 wurden die Rufe nach weitergehenden Umbaumaßnahmen lauter, und Löw entschloss sich schließlich zu radikaleren Eingriffen. Da er diese erst, nachdem er den 3 Genannten im Herbst 2018 eine Art Bewährungschance gegeben hatte, etwas verzögert und auch nach größerem Mediendruck vornahm, wird er sich jetzt schwertun, sie rückgängig zu machen. Zumal nicht gesichert wäre, dass die Abwehr mit Boateng oder Hummels hinten wirklich sicherer stehen würde, denn beide sind nicht mehr in der Verfassung von 2014 oder noch 2016.

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felixander 21. November 2019 um 09:26

wenn der trainer weiß, dass die nachwachsenden jahrgänge jetzt nicht so mega bestückt sind, warum leitet er dann einen so überstürzten umbruch ein, bei dem er spieler aussortiert, die locker noch 2 turniere spielen können? ist doch auch irgendwie stulle.

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Daniel 21. November 2019 um 11:07

Vermutlich weil der Bundestrainer anderer Meinung ist als CE 😉 Stimmt schon, CE folgend müsste man versuchen, aus der goldenen Generation um Hummels, Müller und Co noch das Maximum rauszuholen, bevor dann die untalentierten Jahrgänge übernehmen und Flaute einsetzt. Ich seh das übrigens auch anders als CE. Im Sommer ist Deutschlands U21 ins Finale der EM eingezogen…und das obwohl die herausragenden Talente dieser Jahrgänge (Werner, Sané, Havertz, Brandt, Kehrer) überhaupt nicht dabei waren. Und bei noch jüngeren Spielern ist es eh Kaffesatzleserei. Die Spieler der Jahrgänge 98/99 sind einfach noch nicht in einem Alter, dass man sie beurteilen könnte. Etwas irritierend find ich, dass CE hier Serdar, Amiri und Stark als Beleg für mangelnde Qualität in den Jahrgängen 98/99 anführt…die genannten Spieler sind nämlich ausnahmslos älter.

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Taktik-Ignorant 21. November 2019 um 11:20

Die Beurteilung der jüngeren Jahrgänge fußt wohl auf einschlägigen Äußerungen des U21-Trainers Kuntz, an die anknüpfend in den Medien die Qualitätsfrage bei den jüngeren Jahrgängen thematisiert und darauf hingewiesen wurde, dass die aktuellen U21-Spieler (die ja oft auch noch etwas älter sind und damit schon aussagekräftigen Jahrgängen angehören) bei Drittligisten oder im Ausland (Eeredivisie) spielen müssen, wenn sie Einsatzzeiten kriegen wollen. Und bei den jüngeren U-Mannschaften scheint es auch nicht so gut zu laufen, da scheinen momentan z.B. die Engländer die Nase vorn zu haben (und natürlich die Spanier).

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tobit 21. November 2019 um 15:31

Für mich hat die mangelnde Bundesligaspielzeit der aktuellen Jahrgänge mehrere Gründe:
1. Die aktuellen Jahrgänge sind in der Spitze nicht so stark wie ihre Vorgänger.
2. Die aktuellen Jahrgänge sind in der Breite nicht so stark wie ihre Vorgänger.
3. Die Bundesliga bietet aufgrund der starken Durchdringung mit den vorherigen Jahrgängen weniger Möglichkeiten für die aktuellen Jahrgänge. Die ersten Jahrgänge aus den NLZ haben ihre Chancen sehr gut genutzt und viele alternde Spieler verdrängt. Jetzt sind also weniger „Alte Säcke“ da, die die aktuellen Jahrgänge verdrängen könnten.
4. Die Bundesliga engagiert aufgrund des wirtschaftlichen Wachstums in der Breite mehr Ausländer. Insbesondere junge, hochtalentierte Franzosen machen hier den deutschen Talenten die Kaderplätze streitig.

Punkt 1 dürfte für Kuntz relativ irrelelvant sein, weil die besten U21-Spieler der vorherigen Jahrgänge fast nur bei der A-Nationalmannschaft gespielt haben. Punkt 2 bis 4 dagegen sind für ihn ein Problem.

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Koom 21. November 2019 um 16:48

Grundsätzlich hat DE immer noch wahnsinnig viele gute Spieler. Möglicherweise auch welche, die man Weltklasse bezeichnen könnte, aber die momentan nicht so spielen. Es gibt ja schon so 4-5 Spieler, wo man sehen kann, dass die wenig in der Welt scheuen müssen, aber momentan unter dem spielen, was sie schon gemacht haben.

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tobit 21. November 2019 um 18:54

Klar, für die A-Elf sind reichlich starke Spieler vorhanden. Die U-Mannschaften sind da schon etwas knapper als zuletzt gewohnt besetzt.

Ein Problem der Löw-Mannschaft sind glaube ich auch die zuletzt eher schwachen Saisons von Real und Bayern, so dass die Anführer (wovon es auch weniger gibt als früher) und Leistungsträger nicht mehr so vor Selbstvertrauen strotzend zur N11 kommen wie früher. Ein Symptom war da für mich die doch sehr dünnhäutige Reaktion Neuers (und der Bayern-Bosse) auf ter Stegens Unmutsäußerungen bzgl. seiner versprochenen Chancen.

Taktik-Ignorant 22. November 2019 um 12:37

Es wäre in dieser Hinsicht einmal interessant, herauszufinden, warum talentierte Franzosen so gut sind, dass sie einheimischen Talenten vorgezogen werden (abgesehen davon, dass sie erstmal billiger sind, weil das frz. Ligagehaltsniveau nicht an das deutsche hinanreicht und sich ein junger Franzose, der in die Buli wechselt, folglich erstmal verbessert).

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tobit 22. November 2019 um 16:36

Weil Frankreich aktuell wohl die beste Individual-Ausbildung in Kombination mit einer goldenen Generation hat. Athletisches und individualtaktisches Talent wird sehr effektiv gefördert, steht aber auch in global unvergleichlicher Breite zur Verfügung. Die Deutschen können, wie es Mehmet Scholl mal so poetisch formulierte, stattdessen „siebzehn Systeme rückwärts furzen“.
Für viele dieser jungen Spieler (oft mit afrikanischen Wurzeln) ist der Sport die einzige Alternative zu Armut und Kriminalität. Das schafft eine intrinsische Motivation, die den deutschen aktuell wohl etwas fehlt – zumindest wird sich darüber immer wieder von „offizieller“ Seite beschwert.

Taktik-Ignorant 22. November 2019 um 18:09

Die intrinsische Motivation von jungen Menschen aus sozial schwächerem Milieu (und gerade auch aus Einwanderergruppen) ist sicher ein wichtiger Aspekt, der für Frankreich und auch Belgien zutrifft. Übrigens auch auf Deutschland, die Niederlande oder England, wenn auch weniger ausgeprägt. Allerdings hat auch Spanien eine sehr erfolgreiche Jugendarbeit, und dort scheinen Migrationsaspekte eine weniger große Rolle zu spielen. Es kann auch an der Ausbildung selbst liegen.
Frankreich hat beispielsweise auch zum Ende der 90er Jahre hin schon als vorbildlich gegolten, was die Fußballausbildung anbelangt, danach war irgendwann mal Spanien vorne, und Deutschland hat aufgeholt, gerät jetzt aber wieder ins Hintertreffen.
Ich fände es interessant, wenn Fachleute genauer untersuchten, wie solche „Wellen“ zustande kommen und inwieweit die Gründe im fußballsportlichen Bereich liegen und inwieweit im gesellschaftlichen. Beides spielt sicher eine Rolle.

Koom 21. November 2019 um 13:43

Recht simpel: Diese hochgelobten Spieler haben bei der letzten WM massiv versagt. Also bei der Weltmeisterschaft. Viel höher geht es halt nicht. Warum sollen die es jetzt bei einer EM besser machen plötzlich? Es ist ja nicht so, dass Boateng, Hummels und Müller aktuell die Sterne vom Himmel spielen.

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Taktik-Ignorant 21. November 2019 um 13:57

Massiv versagt ist mir etwas hoch gegriffen, zumal eben auch wirklich gute Innenverteidiger wie die beiden genannten nicht immer alles abräumen können, wenn der Gegner in Überzahl mit hohem Tempo ankommt und die IV vom DM im Stich gelassen werden. Sie waren – ebenso wie Müller – nicht in der besten Verfassung, aber das trifft wohl auf fast alle Beteiligten der WM 2018 zu. Allerdings stimmt die Beobachtung insgesamt schon: die drei sind – wie auch Khedira oder Özil – eben nicht mehr so gut wie vor 6 oder 7 Jahren, und sie sind auch verletzungsanfälliger nach 10 Jahren Leistungssport auf höchstem Niveau. Es gibt also schon Gründe, warum sie nicht mehr spielen und eine Reaktivierung auch wenig Sinn ergibt.

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Koom 21. November 2019 um 14:23

Persönlich finde ich ja durchaus, dass gerade Hummels und Boateng noch gut dagegengehalten haben und vorwiegend das Opfer ihrer Vorderleute (aber allen) wurden. Aber auch da haben sie am Ende ihr Standing in der Mannschaft nicht genutzt, um ein paar der Leute (Kroos, Müller, Kimmich) zur Räson zu bringen.

Das mag irgendwie wie gekränkte Eitelkeit von Löw rumkommen, aber ich würde mich an seiner Stelle auch verraten fühlen. Und wo wir uns eh einig sind: So überragend ist keiner der Ausgemusterten unterwegs, als das er in der N11 wirklich weiterhelfen würde.

Dann lieber einen weniger talentierten, dafür wesentlich motivierteren, „offenen“ Ginter bspw. Bei ihm (und anderen) arbeitest du wenigstens daran, sie noch verbessern zu können, während man bei Hummels & Co. nur noch hofft, den Verfall zu bremsen.

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Daniel 22. November 2019 um 01:25

„Das mag irgendwie wie gekränkte Eitelkeit von Löw rumkommen, aber ich würde mich an seiner Stelle auch verraten fühlen.“
Wie bitte? Die N11 ist bei der WM (neben teilweise fehlendem Spielglück) vor allem über Dinge gestolpert, die sich Monate bis Jahre davor abzeichneten und die zu erkennen und beheben eigentlich geradezu die Hauptaufgabe eines Trainers gewesen wäre. Namentlich schlechte Raumaufteilung im Spielaufbau, mangelnde Konterabsicherung, nicht zueinander passende Mittelfeldspieler und ein nicht vorhandenes Offensivkonzept. Selbst als das Kind bei der WM schon fast in den Brunnen gefallen war hätte man eigentlich vor dem Rückstand gegen Mexiko spätestens die Probleme sehen müssen-Mexiko hatte nämlich schon vor dem Führungstor einige quasi baugleiche Konter. Den Spielern kann man zwar teilweise vorwerfen, dass sie auf diese Schwächen mehr/besser hätten reagieren können (wobei sich das eigentlich mehr auf Leute wie Kroos, Gündogan oder Kimmich bezieht als auf die Ausgemusterten), aber im Kern hat hier mehr der Trainer versagt als die Spieler. Wenn Löw sich allen Ernstes verraten fühlt stimmt aber was gar nicht mit seiner Selbstwahrnehmung. Er kann froh und dankbar sein, dass es beim DFB ein anderes Umfeld gibt als in Vereinen. Jeder BL-Trainer wäre schon lang entlassen worden, wenn er mit einem solchen Spielerreservoir das abgeliefert hätte, was Löw seit 2016 zeigt. Und ich war eigentlich lange Löw-Befürworter, aber was seit der WM passiert ist wirklich ein Offenbarungseid. Deutschland stolpert grad zum zweiten Mal in Folge konzeptlos auf ein Turnier zu, wobei man aber 2018 wenigstens noch hoffen konnte, sich über individuelle Qualität durchzumogeln. Die individuelle Qualität hat man jetzt entfernt, die Planlosigkeit beibehalten. Wobei das Spiel gegen Nordirland erstmals seit Jahren wieder gewissen Grund zur Hoffnung gibt, hoffentlich baut man darauf auf.

Zu Ginter: bei aller Liebe, aber der wird in wenigen Wochen 26. In dem Alter verbessern sich Fußballer nicht mehr groß, und Ginter hat noch viele Schwächen, die ihn von einem Hummels selbst in der momentanen Verfassung trennen. Bezüglich der Kopfballstärke wurde das im Kommentarbereich unter dem anderen Deutschland-Spiel ja gerade erörtert, leider lässt sich das Gleiche auch über Zweikämpfe am Boden sagen. Stark, Rüdiger und Koch dito. Richtig jung ist keiner davon (Koch mit etwas Wohlwollen noch) und die Defizite massiv. Die einzigen IV mit deutschem Pass, die an Hummels (und mit Einschränkungen Boateng) heranreichen, heißen Süle, Kehrer und Orban. Süle fällt wahrscheinlich bei der EM aus, Orban wurde von Löw völlig ohne Not vergrätzt. Mit Glück kommt wenigstens Kehrer in Form.

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Taktik-Ignorant 22. November 2019 um 12:51

Das mit dem „verraten fühlen“ war ja offenslichtlich nur eine bildliche Beschreibung einer vermuteten Stimmung des Bundestrainers. Ich stimme Koom zu, dass die drei Ausgemusterten nicht (mehr) so stark sind, dass sie unbedingt für die NM nominiert werden müssten. Und das erneute Hin-und-her bei einer Rücknahme der Ausmusterung wird sich der BT nicht leisten können oder wollen.

Dass Deutschland auf das Turnier in gewisser Weise zustolpert, liegt zu einem guten Teil an der nervend langen Verletztenliste, aber so schlecht hat sich die NM in der Quali jetzt auch nicht aus der Affäre gezogen. Man sollte aber realistisch einschätzen, dass andere Mannschaften sowohl besser besetzt als auch länger schon eingespielt sind.

Koom 22. November 2019 um 14:00

@Daniel (und auch Taktik-Ignorant): Ich neige zu blumigen Umschreibungen und Übertreibungen. Bin halt eher boulevardesk bei meinem Fußball als kühl-analytisch. 😉

Dass Löw Fehler gemacht hat, ist unbestritten. Einer der größten Fehler war es, einfach anzunehmen, dass eine Mannschaft aus Weltmeistern, die nach wie vor in absoluten Großklubs spielen, bei einer WM automatisch (wieder?) eine schlagkräftige Turniermannschaft werden.

Dem war eben nicht so. Die Gründe sind zahlreich, aber Löw wird wohl durchaus und nicht ganz ohne Recht angenommen haben, dass die Mannschaft auch ein bisserl eigenverantwortlich handelt. Das war ein Trugschluss, die haben halt _bestenfalls_ Dienst nach Vorschrift gemacht. Und wenn die „Vorschrift“ dann weniger Guardiolesk war, dann macht halt jeder seinen Scheiss.

Ich denke, er hat das verstanden, das kann man auch zusehends feststellen, das ein paar Dinge besser ineinandergreifen.

Taktik-Ignorant 22. November 2019 um 18:17

Es gibt nach wie vor auch Dinge, die der Bundestrainer an sich selbst wieder verbessern muss. Das In-game-coaching gehört sicher dazu, auch das fokussiertere Arbeiten mit der Mannschaft, wenn er sie denn mal zusammen hat. Er muss sich da sowohl bei den Vereinen als auch bei der Marketingabteilung des eigenen Verbandes wieder unbeliebt machen, indem er mehr Zeit für die tatsächliche Trainingsarbeit mit den Spielern einfordert. Die Konzentration auf das Wesentliche wäre hilfreich.
Außerdem müsste die körperliche Vorbereitung der Spieler auf ein Turnier wieder früher ansetzen. Klinsmann hatte eine Reihe von Laktattests, Fitnessprogrammen und ähnlichem eingeführt, und ich habe den Eindruck, das wurde bei den letzten Turnieren ebenso etwas schleifen gelassen wie bestimmte grundlegende spielerische Aspekte (Stichwort Ballkontaktzeiten). Wenn es dann noch gelingt, die Betrachtung von Länderspielen als „lästige Unterbrechung“ der Vereinssaison aus den Köpfen zu bekommen, kommt auch wieder mehr Zug und Ernsthaftigkeit in die Turniervorbereitung, und dadurch dann auch wieder in die Auftritte der NM vor und während des Turniers.

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