Warum spielt Thomas Müller so selten?

Thomas Müller gehört mittlerweile nicht mehr zur Stammformation bei Bayern München. Warum ist das so? In meinem neuesten Video suche ich nach Antworten.

Daniel 18. Oktober 2019 um 14:52

Sehr treffendes Video. Unter Kovac erlebt Bayern die Rückkehr zum Heldenfußball der 2000er-Jahre, dass Thomas Müller das offensichtliche Opfer einer solchen Entwicklung sein würde war absehbar. Da er weder besonders schnell noch physisch oder technisch herausragend ist ist er im 1-gegen-1 auf Bundesliganiveau gut zu verteidigen. Räume freizuziehen, in denen sich Müller ohne Gegnerdruck anspielbar machen kann, klappt heute nicht mal mehr annähernd auf dem Niveau Anfang dieses Jahrzehnts. Mit dem Abgang von Pep Guardiola sank parallel zur taktischen Entwicklung der Stern von Thomas Müller, kurz unterbrochen von dem nochmaligen Heynckes-Intermezzo.
Wenn sich die Entwicklung der Mannschaft so fortsetzt wäre es in der Tat das Beste für Müller, den Verein zu verlassen. Auch wenn mir persönlich deutlich lieber wäre, Kovac würde verschwinden und Bayern sich wieder auf den Fußball der Jahre 2010-2016 rückbesinnnen. Aber das wird wohl Wunschdenken bleiben.

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Koom 18. Oktober 2019 um 15:31

Wobei man anmerken muss, dass es nicht allzu viele Vereine gibt, die sich einen Thomas Müller leisten können. Wenn man jetzt ganz böse will, dann könnte man behaupten, dass er quasi ein moderner Stehgeiger ist. Also nicht in der Form, dass er nur im Strafraum rumlungert, eher dergestalt, dass er im Spielaufbau wenig beiträgt.

Persönlich finde ich, dass Müller sich in den letzten Jahren auch sehr auf seinen Status als Scorer ausgeruht hat. Sowohl bei den Bayern als auch in der N11 arbeitete er defensiv nur noch sehr sparsam mit – was ich mal als einer seiner größeren Stärken empfand, weil er auch nach hinten fleissig war.

Kann sein, dass auch daher der wankelnde Status von Müller weht.

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tobit 18. Oktober 2019 um 16:52

Das Problem Müllers ist ja nichtmal unbedingt der Heldenfussball. Sein Problem ist, dass auf den Flügeln jüngere Spieler agieren, die viel weniger fokussiert werden und sich der FC Bayern aktuell keine Außenstürmer-Helden auf dem Niveau Robben/Ribery leisten kann oder will. Im Zentrum scheint man da aktuell eher investitionsbereit zu sein. Müller war großartig, solange er kein spielerischer Leader sein musste, sondern wie angesprochen eben mal leicht vergessen wurde. Jetzt muss man von einem derart verdienten und erfahrenen Spieler aber erwarten, dass er in dieser Offensive mehr Verantwortung und damit Präsenz übernimmt – was dem Konzept des Raumdeuters ziemlich zuwiederläuft.

Martinez und Reus scheinen aktuell ähnliche Probleme mit ihrer sich verändernden Rolle zu haben.
Martinez ist genial für eine Doppelsechs oder für einen Aufbau über konstant weit eingerückte Außenverteidiger, als Ein-Mann-Spielaufbau war er noch nie geeignet. Gleichzeitig hat sich die Zusammensetzung des Mittelfelds immer weiter zu einem box-to-box-Kämpfer (Vidal, Goretzka, Tolisso) vor einem dezidierten Spielmacher (Alonso, Thiago, tlw. Kimmich) und weg vom „Support-Sechser“ (Martinez, van Bommel, Gustavo) verschoben. Mit Kimmich oder Sanches als Partner könnte er weiterhin sehr gut funktionieren – dann müsste man aber einen aus Coutinho und Thiago draußen lassen, die einfach die stärkeren Spieler sind.
Reus als sehr vorwärts- und strafraumorientierter Spieler hat finde ich sehr von seiner stets sehr hohen und/oder von außen einrückenden Rolle profitiert. Jetzt steht er aber zentral und soll das strukturelle Loch hinter sich bearbeiten. Auch er bekommt dadurch mehr Präsenz aufgezwungen als eigentlich gut für ihn ist während Spieler wie Guerreiro oder Brandt am Mangel an Beteiligungsmöglichkeiten zu Grunde gehen.

Alle drei haben finde ich kein Problem mit Heldenfussball an sich – aber schon mit der Tendenz zur sehr zentralen, sehr präsenten Einbindung der Helden. Denn klassiche Helden sind sie alle nicht, besonders präsent (am Ball) auch nicht aber halt im Zentrum am stärksten. Genau da, wo man heute die Helden sehen will.

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CHR4 19. Oktober 2019 um 04:32

an Müllers Stelle würd ich einfach mal ein halbes Jahr noch abwarten und schauen, ob sich der FC Bayern Coutinho wirklich langfristig leisten will
bleibt Coutinho, würde Müller wohl am ehesten ein geklonter Busquets auf der 6 helfen, den ich aber derzeit nirgends am Horizont sehe
letztlich ist es relativ simpel: auf dem Flügel ist er nicht optimal aufgehoben, als alleiniger zentraler Stürmer auch nicht, die beste Rolle ist nun mal der Halbstürmer für ihn
macht 2x Flügel (LA, RA)+ Lewandoski+ Countinho = 4 offensive Spieler
mit Mülller zusätzlich: 5
mit 4er Kette und Torwart = 10
bleibt nur EIN Sechser: da müsste es dann schon jemand wie Busquets sein, der das alleine im 6er-Raum deichselt- sehe ich nicht!
Thiago dort alleine ist mir defensiv nicht stabil genug (und Kimmich dort alleine macht auch keinen Sinn, schon allein weil dann Thiago draußen wäre und auf RV „nur“ Pavard)

weiterhin gilt natürlich, je gefährlicher die Flügel besetzt sind, desto mehr profitiert Müller von den sich öffnenden Räumen, die die Flügel reißen
von daher: sollte nächsten Sommer Coutinho nicht verpflichtet werden und evt. Sane aufschlagen, sieht die Situation für Müller wieder ganz anders aus

und wiederholt frage ich mich, wo man jetzt die Box-to-Box 8er noch unterbringt? 😉

in der N11sähe es strukturell für Müller ähnlich aus (statt Thiago halt Kroos, der defensiv wenig(er) Ambitionen hat und statt Coutinho als spielmachender 10er Havertz), fehlender Sane und poteniell „zuviele“ 8er siehe oben

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Taktik-Ignorant 19. Oktober 2019 um 13:03

Müller ist halt ein Spieler für ein 4-2-3-1-System und steht auf der Halbstürmerposition (oder zentrales vorderes Mittelfeld, nur eines von beiden geht aber) in direkter Konkurrenz zu Coutinho, Goretzka und – ja – auch Thiago. Es ist aber müßig, erst eine Kaderverstärkung auf hohem Niveau einzufordern und sich dann zu wundern, dass weiterhin nur 11 Startplätze zur Verfügung stehen. Hier würde eine gesunde Rotation helfen, aber da traut sich Kovac nicht mehr ran, nachdem ihm das vorige Saison ziemlich missslungen ist. Müller ist momentan gut in Form und sollte öfter spielen, bevor Coutinho oder Gnabry verheizt werden. Auch Kimmich muss nicht jedes Spiel machen….

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CHR4 20. Oktober 2019 um 01:48

volle Zustimmung, den Kader bei Laune halten ist eine ganz wichtige Fähigkeit,

ausreichend Rotation ist wichtig, wenn man
a) auf mehreren Hochzeiten tanzen will
b) Ausfälle abfangen muss (nicht jeder funktioniert mit wenig Spielminuten direkt wieder, wenn er rein kommt)
c) die Spieler nicht verheizen will (Verletzung aufgrund von Ermüdungen und wiederholter Belastung von Strukturen), mentale Frische miteinbezogen

Rotation ist da ein Punkt, für die Stimmung im Team ist dann auch noch der Umgang mit den Spielern wichtig – das geht von „förderlich“ über „neutral“ bis „Kontraproduktiv“ bei den Aussagen des Trainers – ich belass es mal dabei … wer jetzt nicht hinterm Mond lebt, kann sich ein eigenes Urteil bilden…

Benchmark sind hier für mich z.B. Ottmar Hitzfeld und Don Jupp

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