Türchen 5: Mats Hummels

Die Art und Weise, wie Mats Hummels einen Spieler(typen) der Zukunft darstellt, ist so solide, naheliegend und unspektakulär, dass man es im ersten Moment gar nicht so richtig auf dem Schirm hat.

Fast jeder in Deutschland kennt nicht nur Mats Hummels, sondern weiß auch um die spielerischen Qualitäten des National-Innenverteidigers, der schon seit Längerem als Prototyp des modernen Abwehrspielers gilt. Zum einen kann der Bayern-Akteur beeindruckende lange Bälle spielen, oft sehr effetvoll mit bogenförmiger Flugkurve, nicht selten anspruchsvoll per Außenrist. Zum anderen versteht er es gekonnt, das Leder im Dribbling nach vorne zu treiben oder mit gezielten Flachpässen die Schnittstellen des gegnerischen Mittelfeldbandes aufzuhebeln.

Facetten des Passspiels

Zur weiteren Ausführung sei nur ein kleiner strategischer Aspekt für Hummels herausragende Umsetzung des Aufbauspiels eingebracht: Einfachere horizontale Pässe innerhalb der hintersten Linie in der Horizontalen spielt auch Hummels vergleichsweise normal. Man merkt seiner Entscheidungsfindung aber an, dass er schon kürzere Vorwärtsbälle ins Zentrum oder in die Halbräume besonders genau abwägt. Auch bei recht kurzen Abständen legt er sich das Leder häufig nochmal etwas anders vor, um dem Mitspieler etwas Zeit oder eine bessere Dynamik zu geben. Vor allem achtet er – falls diese Voraussetzung bis dahin noch nicht gegeben ist – darauf, den Passweg möglichst „flach“ anzulegen, damit der Kollegen sich mit seinem Sichtfeld leichter ins Spielfeld hinein ausrichten kann. Das ist eine sehr hilfreiche, strategisch bedache Präfigurierung der Situation.

Überhaupt besteht für Hummels Diagonalpässe ein entscheidender Punkt in der Vorbereitung: Häufig legt er sich den Ball – in der Umsetzung bisweilen doch etwas staksig aussehend – leicht nach außen vor, um das Zuspiel selbst von der halblinken Innenverteidigerposition dann gegen die Dynamik mit seinem schwachen linken Fuß zu bringen. Das macht er in dieser Anwendung teilweise schon zu oft, tendiert bisweilen zur Nutzung linksfüßiger Aktionen auch in nicht wirklich passenden Momenten. Prinzipiell lässt sich in den beschriebenen Situationen aber ein enormer Effekt erzeugen: Koordinativ ist jene Abfolge für gegnerische Pressingbewegungen schwierig und unangenehm zu antizipieren.

Szene aus dem Spiel PSV – Bayern der Vorsaison: Durch Mannorientierungen ist ein horizontales Loch in die gegnerische letzte Linie gezogen. Das Mittelfeld der Gastgeber hatte ballnah aber die Mannorientierung auf Vidal abgebrochen, vielmehr wurde dieser nun in den Deckungsschatten genommen. Hummels legt sich in dieser Szene den Ball mit dem rechten Außenrist leicht nach außen vor, um den Passwinkel zu veränden. Die gegnerischen Mittelfeldakteure passen darauf ihre Positionierung sogar eigentlich gut an, der überraschende Anschlusspass Hummels´ mit dem linken Fuß in Verbindung mit dem veränderten Winkel führt aber dazu, dass sie kurzzeitig überrascht werden und das Zuspiel knapp durch beide hindurch geht. So wurde letztlich auch ein frontales, riskantes Andribbeln verändert, was Hummels recht häufig so versucht.

Das moderne Aufbauspiel als allgemeines Element wird bei diesem Beispiel also sehr spezifisch und individuell umgesetzt, in einer durchaus als wegweisend anzusehenden Ausformung. Solche Detailfälle deuten schon an, was Hummels besonders macht. Grundsätzlich werden seine spielerischen Fähigkeiten auch im Fußball der Zukunft von zentraler Bedeutung sein, daran dürfte kein Zweifel bestehen. Mittlerweile haben sich – in der Bundesliga wie auf internationalem Terrain – immer mehr Spieler dieser „Kategorie“ entwickelt und den Typus des „spielmachenden Innenverteidigers“ in der Breite etabliert. Hummels kann mit seiner Gesamtqualität aber immer noch herausstechen: Er ist in diesem Bereich einfach besonders stark – und nicht nur da.

Komplettheit und Details

Es dürfte kein Geheimnis sein, dass sich Hummels ganz allgemein auf einem eindrucksvollen fußballerischen Level bewegt – von Schlagworten wie Strategie über klassische körperliche Defensivtugenden bis hin zum Stellungsspiel. Insgesamt bedeutet das vor allem ein starkes Gesamtpaket – in der Formulierung von TE macht es Hummels zu einem „Allround-Zukunftsverteidiger“. Man könnte an dieser Stelle fast sogar in eine numerische Aufzählung fortschrittlicher oder „zukunftsweisender“ Qualitäten von Hummels übergehen und seine Charakterisierung in solcher Form schreiben: Er ist einfach jemand, der klug und umsichtig agiert, antizipativ und viel vorwärts – teilweise schon mit recht hohem Risiko – verteidigt, sehr gut aufbaut und auch vieles mit dem schwächeren linken Fuß macht.

In dieser Komplettheit zeichnet sich Hummels fast überall durch Konstruktivität und Stabilität aus, ohne dass man eine seiner Schwächen als wirklich „unmodern“ diskutieren würde. Am besten lässt sich dieser enumerische Punkt wiederum an Detailbeispielen festmachen: Wenn Hummels etwas nach außen zum offenen Flügel rücken und dort einen im Tempoangriff attackierenden Dribbler verteidigen muss, nimmt er dabei nicht nur eine schräg gedrehte Körperhaltung zum Ball ein, sondern setzt – wenn er sich zum Zugriffsversuch entscheidet – oft auch das Tackling „diagonal“ an und grätscht so jenen Bereich ab, den er im Lauf am schlechtesten abdecken kann. Von daher hat er eine sehr gute Erfolgsquote, einfache Sprints von Spielern mit Tempovorteilen, die ihn in isolierten Situationen erwischen könnten, zu stoppen. Auch wäre beispielsweise seine Ballführung zu nennen, wo er beim Dribbling den Kopf und damit den Blick ins Feld vergleichsweise durchgehend hochhält.

Orientierung zur Vorbereitung

Was den Nationalspieler nun aber – als für seine zukunftsweisende Einordnung vielleicht entscheidendsten Punkt – besonders gegenüber vielen anderen Spielern auszeichnet, ist mittlerweile noch mehr als das rationale, logische Elemente seine Stressresistenz in instabilen, chaotischen, zwischen den mannschaftstaktischen Wechselwirkungen nicht eindeutig entschiedenen Situationen und Umgebungen. In diesen brenzligen Momenten strahlt Hummels teilweise immer noch kontrollierte Souveränität aus und kann als spontaner Situationslöser fungieren. Besonders in der vergangenen Saison bei Bayern hatte er in Ancelottis bisweilen laschem, improvisiertem System in einigen Phasen reihenweise absurd starke Szenen, gehäuft zwischen Ende der Hinrunde und Anfang der Rückrunde. Teilweise war es schwierig, manche dieser Aktionen adäquat in Worte zu fassen.

Dass Hummels punktuell so souverän agieren kann, speist sich vor allem aus zwei Grundpunkten: Orientierung und Einschätzung. Beide sind im Übrigen auch für seine gezielte Effizienz im Umgang mit strukturell klaren Kontexten essentiell. Einerseits orientierte sich Hummels überhaupt frühzeitig und vorbereitend, gleichzeitig geht er dabei sehr strategisch mit seiner Umgebung um: Das heißt, Orientierung ist hier nicht nur rein auf eine stark kognitiv geprägte Fähigkeit gemünzt. Daneben passt der Begriff bei Hummels auch ganz gut für die Reflexion über Orientierung und die Selbsteinordnung in die Strukturen des Spiels. Vor allem entwickelt Hummels aus diesem Kontext heraus ein gutes Gespür, wie er „Nachdenken“ in Verhalten überführen und sich damit (schwierige) Situationen durch Vorbereitung so leicht wie möglich vor-modifizieren kann.

Das kann je mehr zum Tragen kommen, desto größter der „Einzugsradius“ einer Situation bzw. deren Möglichkeitsraum ist. Extrembeispiel: In einer reinen Abwehrschlacht hat man da wohl am wenigsten Einflussmöglichkeiten, bei „kick-and-rush“-Offensive in der Nachspielzeit auf unorthodoxe Weise zumindest ein bisschen. Punktuell verteidigt Hummels deswegen weiträumige Gegebenheiten im Peak besonders stark, obwohl das von den athletischen Voraussetzungen eigentlich eher ungünstigere Szenen für ihn wären. Als konkrete Situationsbeispiele ließen sich dafür großräumige Tiefensicherung, aber auch bei eigenem Ballbesitz das Anspielen gegen ein Angriffspressing anführen. Konkret zu Ersterem: Bei langen hohen Bällen findet er ein sehr gutes positionelles Raumgespür und punktuell verrückt sauberes Timing für Kopfballklärungen. Auch bei Ballgewinnen im Herausrücken orientiert er sich zunächst einmal – wie an einem losen Leitfaden – gut auf Ballsicherung, häufig dann in eingeübten Bewegungsabläufen nach außen weg.

Einschätzungsvermögen als Kernkompetenz?

Andererseits zeichnet Hummels sich durch die Fähigkeit aus, dass er Erfolgsstabilität und Erfolgs(un)wahrscheinlichkeiten von Strukturen sowie die Sinnhaftigkeit von Optionen sehr gut und rational einschätzen kann. Dabei scheint er auch bewusst zu erkennen, welche Vorteile ihm Antizipation im Allgemeinen bzw. ein Vorprägen der Situation durch bestimmte Bewegungsaktionen – als performativer Effekt von Orientierung – bieten. Konkret hat er ein starkes Timing, wann es Sinn macht, bestimmte Aktionen umzusetzen oder eben nicht. Fast permanent schafft ihm das einen gewissen entscheidenden Vorteil. Ein Werkzeug dazu sind beispielsweise die vielen kleinen Bewegungen bei der Ausführung von Ballmitnahmen und vor allem während des Rückwärtslaufen, um schon einmal mögliche Folgeaktionen vorzubereiten und zu prüfen, welche Optionen umsetzbar sind.

Übrigens heißt das gerade nicht, dass Hummels in fast allen Szenen und bei fast allen Aktionen eine vergleichsweise zuverlässige Balance in seiner Handlunsgwahl fände. Das ergibt sich noch nicht zwangsläufig daraus, dass er die übergeordneten Strukturen sehr gut einzuschätzen und Situationen taktisch klug zu beeinflussen weiß. Davon ausgehend trifft er auch schon immer mal unausgewogene Entscheidungen: Vor allem neigt er in unterschiedlichen Kontexten einfach von seiner strategischen Art her dazu, unnötig riskant zu agieren – obwohl bzw. weil er die Situation sehr gut antizipiert und „eingeordnet“ hat; oder weil eine vergleichsweise einfach gestrickte Situation diese Fähigkeit gar nicht in dem Maße erfordert hätte. Solches Risiko kann sich im Aufbauspiel durch überambitioniert attackierende Aktionen äußern, ebenso gegen den Ball durch zu forsches Herausrücken, dort nicht zuletzt und besonders auch in der Strafraumverteidigung.

Insgesamt machen seine starke Orientierung und sein herausragendes Einschätzungsvermögen Hummels zu einem Spieler(typen) der Zukunft, der zwei Facetten vereint: Einerseits gibt er ein Beispiel oder gar ein Paradebeispiel ab für das ideologische oder taktikphilosophische Modell des spielstarken, aufbauenden Innenverteidigers, der für die „Offensivierung“ von Defensive und für die Utopie von Universalisierung im Fußball steht. Andererseits verkörpert er aber auch noch einen sehr viel konkreteren (und weniger „symbolischen“) Zweig von Komplettheit: Die beiden hier hervor gehobenen Aspekte Orientierung und Einschätzung, die als Einzelpunkte oder als Details Hummels von vielen anderen Vertretern jenes erwähnten Modells abheben, sind von enorm umfassender Natur und dürften für den Fußball von morgen erhebliche Bedeutung erlangen.

strebba 8. Dezember 2017 um 21:28

Und was würdet ihr zum Vergleich Badstuber in Bestform vor der Verletzung gegen Hummels und Boateng in Bestform sagen?
War er schneller als Hummels und ähnlich aufbaustark und intelligent?

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Pelle Lundkvist 9. Dezember 2017 um 14:29

Hier ist ein 6 Jahre alter Artikel über Badstuber von RM. Leider fehlt ein wenig die Detailtiefe im Artikel, musste wahrscheinlich kurz vor Weihnachten noch rausgehauen werden. http://spielverlagerung.de/2011/12/23/adventskalender-turchen-23-holger-badstuber/

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tobit 9. Dezember 2017 um 16:44

Schneller und strategischer war er. Dafür allgemein physisch und speziell in der Luft etwas schwächer und und beim Vorstoßen mit Ball und Antizipieren gegen den Ball etwas konservativer.

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strebba 10. Dezember 2017 um 22:39

Wir könnten jetzt Badstuber-Hummels-Boateng genießen :O

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vampy 7. Dezember 2017 um 13:21

Netter Artikel! Eine vorweihnachtliche In-Depth-Anneliese der zweiten Lichtgestalt!

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Cali 5. Dezember 2017 um 21:07

Schöne Analyse, das war längst fällig.
Hummels bleibt für immer meine Nr1, so viel Flair strahlt kein anderer IV aus.
In der Vergangenheit habe ich Löw sehr oft vorgehalten, Hummels verändern zu wollen und ihm damit seiner besonderen Art zu entziehen. Nun muss ich jedoch zugeben, dass das löwsche Aufbauspiel seiner Entwicklung sehr gut getan hat. Hummels‘ Flachpassspiel kann sich mittlerweile mit den besten messen.

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blub 6. Dezember 2017 um 02:33

Du hast dich da vertippt, nur die allerbesten können sich heute mit Hummels Flachpassspiel messen. 😉

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Cali 7. Dezember 2017 um 00:48

Ist Hummels der aufbaustärkste IV der Welt?

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Gh 7. Dezember 2017 um 09:12

schon über die frage ob er der aufbaustärkste IV des fc-bayerns ist ließe sich länger streiten, oder?

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koom 7. Dezember 2017 um 09:15

Um längere Diskussionen zu vermeiden: Ich würde davon abraten, Leute in klaren Ranglisten einzusortieren. Solange es keine absolut perfekt messbaren Faktoren gibt, fährt man wesentlich besser damit, wenn man die Leute in Kategorieren, Stufen oder englisch „Tiers“ einsortiert. Und da gehört Hummels (IMO wie Boateng) ganz gewiss in die höchste.

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felixander 5. Dezember 2017 um 14:21

Dumme Frage vermutlich: Ist Hummels moderner als Boateng?

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CHR4 5. Dezember 2017 um 15:12

hatte beide auf meiner Tippliste, als Typ „aufbauender IV“ von daher ist Hummels meiner Meinung nach nicht „moderner“ – ich hätte aber auch Hummels genommen, da er dieses spielmachende Element noch eine Tick ausgeprägter verkörpert

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tobit 5. Dezember 2017 um 15:38

Finde ich schon.
Boateng ist einfach „nur“ ein technisch herausragender, schneller IV mit guter Übersicht. Hummels ist viel dominanter und raumgreifender in seinem Bewegungsspiel und bewertet Risiken (beim Andribbeln und Passen, im Gegenpressing und beim Rausrücken aus der Kette) ganz anders als Boateng (oder andere „klassische“ IV). Er versucht die eigenen Chancen auf einen Ball- oder Raumgewinn zu maximieren, während Boateng sehr oft die sichere und fehlerfreie aber auch weniger „potentialgeladene“ Option wählt. Deshalb passen die beiden auch so gut zusammen – ein „High Risk – High Reward“-Spieler und ein fehlerfreier, technisch perfekter „Safety“ (der aber auch mal ins Risiko gehen kann – siehe Laserpässe).

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CHR4 6. Dezember 2017 um 02:57

wir sind da ja eigentlich nur Nuacen auseinander – Hummels ist eher der spielmachende IV (weswegen ich ihn ja auch eher genommen hätte) Boateng eher der aufbauende IV (auch das kann ja beileibe nicht jeder IV in der BL …) und wie du sagst, kann eben auch Boateng beides (Laserpässe, weite Verlägerungen mit nach vorne gehen usw.) – er macht es eben weniger oft und einen Tick weniger „elegant / leichtfüßig“ als Hummels

und wie du sagst braucht man da eben die richtige Balance (Phasen beim BVB gab es ja, wo das spielmachende Element zu risikoreich umgesetzt (und von anderen zu schlecht abgesichert) wurde

Boateng ist für mich weit mehr als ein klassischer IV: ich verweise da nur mal auf die IVs vom BVB derzeit zum Vergleich (Bartra mal ausgenommen), was das aufbauende Element und raumgreifende Präzisionspässe angeht

wo wir dann unterschiedlicher Meinung sind, ist halt die Beurteilung, ob das von Hummels „morderner“ ist:
für mich halt aus zwei Gründen nicht
1. ist es mir lieber, eben nicht 2x einen Spieler mit dem etwas höheren/öfteren Risiko in der IV zu haben (wie du ja auch schreibst)
2. im Unterschied zu Mannschaften, die nur einen IV haben, der gut im Aufbau ist und bei denen die Gegner sich dann auf diesen im Pressing konzentrieren, kann der FCB eben den Spielaufbau sehr wohl über beide IVs fahren – nur Hummels zu pressen und den Ball auf Boateng zu lenken, kann eben gewaltig in die Hose, gehen, während andere (für mich „klassische“) IVs eben keine Laserpässe oder Verlagerungen über 50m präzise spielen können

ich würde soweit gehen zu sagen, dass eigentlich für mich gerade diese IV-Kombination zukunftsweisend ist

ich finde Boateng ist in seinen FÄHIGKEITEN viel näher an Hummels als am „klassischen“ IV (der den Ball an maximal an den 6er oder AV abliefert oder nach vorne bolzt), deshalb ist er da für mich nicht „unmoderner“
die INTERPRETATION der Rolle des IV ist bei Hummels allerdings „moderner“ bzw. häufiger „moderner“ ausgelegt – ja da würde ich dem dann auch zustimmen – das liegt für mich aber auch viel am mannschaftlichen Umfeld, der gewählten Taktik und dem Trainer:
– unter Pep und z.B. mit Benathia nebendran hat Boateng auch etwas offensiver und spielmachender agiert, als jetzt mit Hummels nebendran
– Hummels dito phasenweise beim BVB
(wohlgemerkt, das ist jetzt aus meiner gefühlten „Strichliste“ im Kopf und nicht mir Daten untermauert – ich weiß da kann einen das Gedächtnis auch Streiche spielen, deshalb, wenn jemand Zahlen hat, die das be – oder widerlegen: nur her damit ich lerne gerne dazu 🙂 )

und eine Sache hat Boateng auch Hummels nochmal ein Stück voraus: er ist nochmal ein Stück schneller im Sprint (mir fällt auch gerade kein IV ein, der so kopfballstark UND genauso schnell wie Boateng ist)

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felixander 6. Dezember 2017 um 10:16

Ich finde auch, dass Boatengs physische Komponente moderner ist. Ein Tank, der aber alles andere als schwerfällig ist. Sein Passspiel kann sich im Vergleich zu Hummels, denk ich, auch sehen lassen. Vielleicht hat Hummels in seinen Aktionen nochmal mehr Zug zum Tor (was für einen IV erst mal etwas merkwürdig klingt).
Das einzige was ich an Boateng kritisieren würde, ist seine geringe Torausbeute. Mit seinen Fähigkeiten sollte bei Standards (Kopfbälle) und Fernschüssen mehr drin sein.

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felixander 6. Dezember 2017 um 10:17

Und noch was, wo ich Boateng vorne sehe: seine Lernfähigkeit. Er hat wirklich eine bemerkenswerte Entwicklung gemacht von seiner Zeit beim HSV bis heute.
Bei Hummels hat man irgendwie früh gemerkt, dass der was Besonderes ist, Boateng musste sich sein spielmachendes Element auf Basis seiner herausragenden Physis gefühlt mehr erarbeiten.

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tobit 6. Dezember 2017 um 19:16

Hummels ist halt einer der ganz wenigen, die Aufbauen, Spielmachen und weites Aufrücken mit sehr stabilem, robustem Verteidigen in (fast) allen Situationen kombinieren. David Luiz zum Beispiel beherrscht den offensiven Part auf fast dem gleichen Niveau (mit schwächerer Entscheidungsfindung), ist dann aber defensiv öfter mal nicht zur Stelle.
Was die Physis und Athletik angeht, ist Boateng natürlich klar „moderner“ (bzw. zukunftstauglicher) als Hummels (und nicht nur „einen Tick“ schneller). Dass er sehr lange lernen musste, bis er sein Spiel (und sein Talent) vervollständigt hatte, macht ihn für mich als Spielertypen nicht moderner – außerdem musste Hummels das auch. Hummels war zwar immer schon ziemlich spielstark, lange galt aber Subotic (der früher sehr gute lange Bälle gespielt hat) als ähnlich aufbaustark aber aufgrund seines defensiveren Mindsets als stabiler. wirklich weit aufrückend war Hummels unter Klopp erst am Ende unterwegs und auch da eher selten. Vorher hat er eher das Spiel mit längeren Flugbällen (nach kurzem andribbeln) aufgebaut, was sicherlich auch am Lewy-Ablagen- und Gegenpressing-Fokus lag. Auch das hat er erst nach Sahins Abgang lernen müssen (das Talent dazu sah man aber vorher auch schon), da dieser ja mit Gündogan andersartig ersetzt wurde.

Zwei mal Hummels in einer 4er-Kette wäre tatsächlich wenig sinnvoll. Mit moderner meine ich ja auch nicht, dass sich der Spielertyp (der sich bei Hummels für mich hauptsächlich über das sehr offensive Mindset definiert und erst danach über die technische und strategische Klasse) flächendeckend als Standard etablieren wird, sondern er eben in Zukunft sowohl noch wertvoller als auch häufiger werden wird als aktuell.
Aufbaustarke IV gab es früher auch schon und wird es auch in Zukunft weiterhin und noch häufiger – so selten sind die ja aktuell nicht mehr (Diallo, Gbamin, Pavard, Badstuber, Brooks, Stambouli, Kehrer, Bartra, Zagadou, Bender fallen mir aus der BL spontan ein) – geben.

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Mananski 5. Dezember 2017 um 10:58

Klar, sein Aufbauspiel ist echt gut und auch sehr modern und richtungsweisend für die Zukunft, aber seine Strafraum-, 1vs1- und Endverteidigung ist auch einfach nur krass gut

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tobit 5. Dezember 2017 um 11:19

Strafraum-, 1vs1- und Endverteidiung konnten (und können) aber auch viele andere auf brutal hohem Niveau. Die Kombination mit dieser so vielfältigen Spielstärke ist tatsächlich ziemlich neu und war lange Zeit sehr sehr selten.

Ich hätte in diesem AK nicht mit Hummels gerechnet. Einerseits bin ich bei ihm dran „gewöhnt“, dass er so gut ist, weil ich so viele Spiele von ihm gesehen habe. Er kommt mir also nicht mehr wie ein „Spieler der Zukunft“ vor. Dazu kommt seine eher schwache Athletik, die in Zukunft noch mehr im Fokus stehen wird, gerade auch bei IV.
Andererseits finde ich ihn in der Entscheidungsfindung nicht immer auf höchstem Niveau. Er bügelt da so manchen Fehler durch schiere Physis oder völlig verrückte Pässe (die rein koordinativ so wohl außer Pogba niemand über 1,85 m spielen kann) wieder aus. Wenn er doch Mal den Ball verliert, dann spielt er teilweise sehr riskantes Gegenpressing, das dann auch oft zum Ballgewinn führt.

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Der_Bob 5. Dezember 2017 um 08:58

Okay, ich habe mich lange zurückgehalten und ich weiß das diese Diskussion hier nicht sonderlich beliebt ist, aber nach der Lektüre dieses Artikels sehe ich mich genötigt einmal auf die Stilfrage einzugehen.

Zuerst eine kurze Frage: Es wurde im Umfeld des Blogs schon häufiger davon gesprochen, dass es sich um ein Hobbyprojekt handle und dass viele der Texte daher unter Zeitdruck entstehen. Werden Sie denn aber überhaupt einmal gegengecheckt? Falls nicht will ich das gar nicht kritisieren, aber es würde einiges erklären.

Aber werden wir konkret:
Zu viele Füllwörter machen einen Text nicht besser, sondern eher schwieriger zu lesen. Beispiele:
„Fast permanent schafft ihm das einen gewissen entscheidenden Vorteil. “ – klingt „Oft schafft ihm das einen entscheidenden Vorteil.“ nicht viel runder?
„Ein Werkzeug dazu sind beispielsweise die vielen kleinen Bewegungen bei der Ausführung von Ballmitnahmen und vor allem während des Rückwärtslaufen, um schon einmal mögliche Folgeaktionen vorzubereiten und zu prüfen, welche Optionen umsetzbar sind.“ -wäre „Ein Werkzeug dazu sind die vielen kleinen Bewegungen bei der Ausführung der Ballmitnahmen und des Rückwärtslaufens, um mögliche Folgeaktionen vorzubereiten und zu prüfen, welche Optionen umsetzbar sind.“ nicht einfacher zu lesen?
„Davon ausgehend trifft er auch schon immer mal unausgewogene Entscheidungen:“ – einfach zu „Davon ausgehend trifft er immer mal unausgewogene Entscheidungen: “ modifiziert verändert inhaltlich nichts am Satz.

Generell würde ich dem Autor empfehlen von zu langen Sätzen Abstand zu nehmen. Verständlichkeit leidet darunter in der Regel. Damit sind wir auch beim zweiten Problem: Bisher ging es nur um kosmetische Anpassungen, aber auch auf der Inhalt vermittelnden Ebene fallen einige Dinge negativ auf. Schauen wir uns einen Absatz genauer an:
„Das kann je mehr zum Tragen kommen, desto größter der „Einzugsradius“ einer Situation bzw. deren Möglichkeitsraum ist. Extrembeispiel: In einer reinen Abwehrschlacht hat man da wohl am wenigsten Einflussmöglichkeiten, bei „kick-and-rush“-Offensive in der Nachspielzeit auf unorthodoxe Weise zumindest ein bisschen. Punktuell verteidigt Hummels deswegen weiträumige Gegebenheiten im Peak besonders stark, obwohl das von den athletischen Voraussetzungen eigentlich eher ungünstigere Szenen für ihn wären. Als konkrete Situationsbeispiele ließen sich dafür großräumige Tiefensicherung, aber auch bei eigenem Ballbesitz das Anspielen gegen ein Angriffspressing anführen. Konkret zu Ersterem: Bei langen hohen Bällen findet er ein sehr gutes positionelles Raumgespür und punktuell verrückt sauberes Timing für Kopfballklärungen. Auch bei Ballgewinnen im Herausrücken orientiert er sich zunächst einmal – wie an einem losen Leitfaden – gut auf Ballsicherung, häufig dann in eingeübten Bewegungsabläufen nach außen weg.“
Von vielen kleinen Details abgesehen, die ich hier im Einzelnen nicht ausführen möchte, fällt es mir schwer den Inhalt zu erfassen. Es ist nicht so, dass ich mich nicht mit Fußball auseinandersetzen würde, auch lese ich diesen Blog recht regelmäßig und dann habe ich auch noch beruflich mit komplexen Texten zu tun, aber dieser Absatz ist einer von mehreren, der mir verschlossen bleibt. Konkret: Was meint „im Peak“? Wo kommt nach dem Satzanfang „Als konkrete Situationsbeispiele“ ein konkretes Beispiel? Nach „Konkret zu Ersterem:“ das gleiche Problem. Was soll ein „punktuell verrückt sauberes Timing “ sein?
Ohne zu sehr klugzuscheißen, aber wenn ich schon hiermit anfange ein Beispiel wie ich den Absatz verfassen würde:
„Das kommt mehr zum Tragen, desto mehr Unbestimmtheiten eine Situation besitzt. Extrembeispiel: In einer reinen Abwehrschlacht sind die Einflussmöglichkeiten gering, bei „kick-and-rush“-Offensive in der Nachspielzeit etwas höher. Punktuell verteidigt Hummels deswegen weiträumige Gegebenheiten besonders stark, obwohl das seinen athletischen Voraussetzungen eigentlich nicht entspricht. Ein Situationsbeispiel wäre eine großräumige Tiefensicherung oder bei eigenem Ballbesitz das Anspielen gegen ein Angriffspressing. Zu Ersterem: Bei langen hohen Bällen findet er oft ein gutes positionelles Raumgespür und sauberes Timing für Kopfballklärungen. Auch bei Ballgewinnen im Herausrücken orientiert er sich wie an einem losen Leitfaden gut auf Ballsicherung, häufig in eingeübten Bewegungsabläufen nach außen.“
Entstellt diese Variante irgendwo den Inhalt, wo ich zu doof bin ihn zu verstehen?

Es finden sich noch andere Beispiele nur in diesem Text. Ich möchte mich damit nicht über den Autor erheben oder die Qualität der Texte generell in Frage stellen, sondern mal ganz konkret und konstruktiv Vorschläge machen. Berufskrankheit, aber bei dem Text war es echt krass! Wenn ihr interesse habt, biete ich mich gerne zur Korrekturleserschaft an, falls das Problem wirklich die Zeit ist!

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Isco 5. Dezember 2017 um 09:38

„Fast permanent schafft ihm das einen gewissen entscheidenden Vorteil. “ – klingt „Oft schafft ihm das einen entscheidenden Vorteil.“ nicht viel runder?

Das ist aber nicht das selbe. Die wahrgenommene Wahrscheinlichkeit hängt stark vom benutzten Vokabular ab; ich würde fast wetten, dass „oft“ von der Mehrheit der Leser als niedrigere Wahrscheinlichkeit wahrgenommen wird als „fast permanent“.

Das ist ein TR Text. Wenn TR „fast permanent“ schreibt, dann meint er „fast permanent“. Das macht Texte von TR so großartig; es handelt sich nicht um Füllwörter, sondern um Präzisierungen.

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luckyluke 5. Dezember 2017 um 11:47

Ich würde nicht mal unbedingt sagen als niedrigere Wahrscheinlichkeit, sondern vor allem dass die Spanne der Möglichkeit größer ist. Oft bedeutet für mich eine Spanne von ca. in 60%-97/98% aller Fälle wohingegen fast permanent erst bei ca. 90% anfängt.

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Der_Bob 5. Dezember 2017 um 15:45

Wie wäre es dann mit „meistens“?

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Bernhard 5. Dezember 2017 um 10:19

Ich bin deiner Meinung. Der Text ist natürlich der reine Wahnsinn, so a fundierte Analyse von Hummels kann womöglich nur TR bringen. Problematisch finde ich a) die extrem langen Sätze und b) die Füll- bzw. Fremdwörter, die ned notwendig sind.
Ich weiß, das ist TRs Stil und ich bin definitiv sehr dankbar, dass es die Jungs hier gibt. Aber ich glaube, dass die Lesbarkeit der Texte schon unter den beiden genannten Problemen leidet.

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Yilde 5. Dezember 2017 um 10:29

Habe ich mir spätestens bei „tendiert bisweilen zur Nutzung linksfüßiger Aktionen auch in nicht wirklich passenden Momenten“ gedacht. Ich meine, man weiss was gemeint ist, aber das hätte man auch deutlich einfacher formulieren können. Da TR´s Artikel aber schon ganz lange nicht mehr so „schlimm“ waren, denke ich es könnte daran liegen, dass mit dem Kalender ein Haufen Arbeit in kurzer Zeit zu verrichten ist 🙂

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Der_Bob 5. Dezember 2017 um 15:46

Da stimme ich unumwunden zu!

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luckyluke 5. Dezember 2017 um 11:40

Ich finde deine Beispiele jetzt aber auch nicht unbedingt „besser“, sondern vor allem „einfacher“. Die ganzen Sätze sind einfach verkürzt (Hauptsatz, Nebensatz.), was meiner Meinung nach zwar die Komplexität verringert, aber die Lesbarkeit bei einem kompletten Text stark beeinträchtigt, da es sehr monoton ist. Fällt mit bei deinem längeren, verbesserten Absatz extrem auf.

Bei der Stilistik von TR wird (meiner Meinung nach) klar, wie viele und komplexe Themen er in einen Text packen will, wobei es eben (fast) nie „Füllwörter“ sind, sondern Präzisierungen, die natürlich verwirren können und die ich auch nicht immer verstehe bzw. ofz nicht verstehe.

Mir hilft es oft, wenn ich wirklich wie an einen fremdsprachlichen Text herangehe und versuche die Wörter einzeln wirklich zu verstehen und dann zueinander in Bezug zu setzen, was aber sehr aufwendig ist und TR Texte anstrengend zu lesen macht.

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RoyalBlue 5. Dezember 2017 um 12:52

Ich möchte nochmal ganz deutlich betonen, dass dieser Blog hier (soweit ich die Jungs „kenne“ und verstanden habe) kein (!) journalistisches Projekt im klassischen Sinne ist und sich, ein Stück weit abhängig vom Autor, keinen journalistischen Regeln und Gegebenheiten beugen möchte (Die Hefte zur EM/WM sind da nochmal was anderes, mit denen verdienen die Jungs ja auch etwas, aber da sind die Texte dann auch anders, werden redigiert usw.). Es ist wie bereits gesagt ein reines Hobby-Projekt, bei dem sich mehrere Fußball-Begeisterte Menschen zusammengeschlossen haben und mit uns ihre Gedanken über diesen wunderbaren Sport teilen wie sie es sonst wohl nur in privaten Unterhaltungen oder Chats tun würden.

TR ist dabei als Autor ja bekanntermaßen nochmal ein besonderer Fall, weil er eine ganz besonders schwierige Schreibe, aber eben auch ganz besonders komplexe Gedanken hat, die er versucht zum Ausdruck zu bringen. Stell es dir wirklich so vor, als wären das hier die gesammelten Gedanken aus dem Kopf eines Menschen, die ohne Verbesserungen hinsichtlich der Verständlichkeit verschriftlicht wurden. Dann erhältst du genau solch einen Artikel wie diesen hier. Das mag im Journalismus (glücklicherweise?) nicht üblich sein, aber seien wir mal ehrlich: Hatten wir nicht alle schon diesen Moment, wo wir tolle Gedanken im Kopf hatten, diese dann versucht haben zu verschriftlichen und es dann doch nicht mehr ganz so toll klingt, eben weil man versucht etwas zu vereinfachen und leserlicher zu machen? „Oft“ hat halt nicht die selbe Bedeutung wie „fast permanent“, auch wenn sie sich beide Ausdrücke sehr ähneln. Genau dieser (fehlende) Grad an (übertriebener?) Detailverliebtheit ist es, die TRs Texte so besonders machen und die Texte anderer journalistischer Plattformen so langweilig, nichts sagend und oberflächlich machen. Es ist eben sehr schwer komplexe Sachverhalte einfach darzustellen. TR kann das anscheinend nicht so gut, aber dann nehme ich lieber seine schwer zu verstehenden, reinen Gedanken und lese den Text zwei Minuten länger, als dass ich eine abgespeckte Version mit weniger Inhalt und Detailtiefe lese (oder noch schlimmer gleich auf den Kicker, Spox usw. ausweiche).

Das soll übrigens auch nicht heißen, dass man komplexe Inhalte nicht durchaus auch verständlich darstellen kann. Das passiert ja durchaus auch in diesem Blog. Tobias Artikel über Mbappe ist so ein Beispiel, da merkt man nunmal, dass die Jungs von SV in ganz unterschiedlichen Berufsfeldern tätig sind. Tobi arbeitet als Journalist, das merkt man auch an seinen Artikeln hier. Das Portrait zu Mbappe ist mit Sicherheit bedeutend schneller und leichter gelesen als das zu Hummels, ohne dass es oberflächlich ist. Trotzdem hat es nicht mal ansatzweise die gleiche Detailtiefe.

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Der_Bob 5. Dezember 2017 um 15:53

Deswegen versuche ich nicht generell zu kritisieren, sondern Vorschläge zu machen. Wenn ich einen so langen Kommentar verfasse lese ich ihn danach und überlege, welche Worte überflüssig sind, weil sie keinen Inhalt transportieren und dann nehme ich die raus. Genau diesen Vorschlag wollte ich hier machen. Dass es nicht leicht ist komplexe Gedanken in Worte zu fassen, klar, aber ich finde man sollte es doch wengistens versuchen, wenn man sie mit jemandem teilen möchten. Ein Text ist ja auch nur ein Kommunikationsakt!

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Der_Bob 5. Dezember 2017 um 15:49

Aber „einfacher“ ist genau das Ziel meiner Kritik/Vorschläge. Ich finde hier liegt ein fundamentales Missverständnis vor: Kompliziert korreliert nicht mit präzise, das Gegenteil ist der Fall.

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TR 5. Dezember 2017 um 18:40

Die Kritik nehme ich natürlich erst einmal auf, schließlich ist sie auch umfangreich und unkonkret aufgebaut. Als grundsätzliche Erklärung möchte ich erst einmal sagen, dass Zeitknappheit nur sehr bedingt eine Rolle bei diesem Text gespielt hat, sondern ich mir den Artikel vorher schon noch ein, zwei Mal durchlesen konnte. Viele von den angesprochenen „Füllwörtern“ sind tatsächlich bewusst zur Präzisierung gewählt, teilweise aus diesem Korrekturlesen heraus; manche wiederum schienen mir sinnvoll, um Eindrücke und Proportionen besser vermitteln zu können. Schließlich sind aber bei deinem langen Kommentar auch einige Beispiele dabei, wo ich damit konform gehen würde, dass das Wegstreichen des entsprechenden Begriffs zu verschmerzen wäre. Bei dieser Gruppe an Beispielen fällt das beim Lesen der eigenen Texte aber nicht unbedingt auf, wenn man nicht explizit darauf achtet – und ganz so viel Zeit hatte ich dann wiederum nicht.

In umgekehrter Reihenfolge versuche ich mal, zu allen jenen drei „Kategorien“ eine beispielhafte Textstelle vorzunehmen, die in dem langen Kommentar von @Der_Bob auch jeweils vorkamen.
a) Bei „Als konkrete Situationsbeispiele ließen sich dafür großräumige Tiefensicherung, aber auch bei eigenem Ballbesitz das Anspielen gegen ein Angriffspressing anführen.“ ließe sich das „konkret“ sicherlich weglassen, da würde ich zustimmen (wobei ich da etwas irritiert war, wieso du den Rest des Satzes nicht als Beispiel anerkennst, aber gut). „Davon ausgehend trifft er auch schon immer mal unausgewogene Entscheidungen:“ ist ebenfalls nicht so glücklich gewählt, gebe ich auch offen zu.
Jetzt aber zu Beispielen, die ich gewissermaßen verteidigen möchte:
b) Besonders häufig wurde hier in den Kommentaren schon der Satz „Fast permanent schafft ihm das einen gewissen entscheidenden Vorteil. “ diskutiert, den ich daher aufgreife. Theoretisch müsste man „gewissen“ da nicht hinschreiben, mir schien das aber ganz passend, um die Dimensionen etwas gerade zu rücken und die Aussagekraft des Ganzen leicht abzuschwächen, damit es nicht so extrem klingt, als würde Hummels quasi mental und kognitiv ständig turmhoch überlegen gegenüber fast allen anderen Spielern.
c) Um beim selben Beispiel zu bleiben: Die Formulierung „fast permanent“ anstelle etwa von „oft“, wie als Alternative vorgeschlagen, ist bewusst gewählt, einerseits weil sie semantisch noch deutlich stärker, andererseits aber auch, weil dadurch aus meiner Sicht die Dauerhaftigkeit besser abgebildet wird, dass dieser Aspekt eben nicht einfach „recht häufig“ in irgendwelchen beliebigen Situationen kurzzeitig auftritt und quasi die spezifische Situation oder eine bestimmte Art von Situationen prägt, sondern eigentlich immer vorhanden ist über längere Zeiträume hinweg und sich dann „fast durchgängig“ auswirkt. Zugegeben klingt das dann vielleicht nicht so schön, vielleicht wäre es auch in vielen Fällen etwas ökonomischer, für den Lesefluss einen leicht unschärferen Begriff zu wählen, ich habe hier etwa – auch nach einem gewissen Überlegungsprozess – dagegen entschieden. Die kritische Nachfrage ist natürlich schon auch legitim, ich versuche also hiermit dann zu erklären, welche Motivation hinter einer solchen Formulierung steckte.

Desweiteren möchte ich dann noch auf einige kritisierte Textstellen hinweisen, wo ich aber nicht wirklich sehe, wie man das anders hätte ausdrücken sollen, etwa bei „punktuell verrückt sauberes Timing „. Die sinnvollste Antwort scheint mir zu betonen, dass es eben genau so gemeint ist, wie es da steht. Insgesamt aber nochmal: Nichtsdestrotrotz sehe ich die Berechtigung in (Teilen) der Kritik und erkenne das an, werde versuchen, noch präziser zu werden und wieder ganz aufmerksam darauf zu achten, sprachliche Überfrachtungen zu vermeiden. Ich hoffe natürlich, dass – erst einmal der wichtigste Punkt – bei der ganzen stilistischen Thematik der inhaltliche Sinn und der Grundtenor des Artikels weitgehend ankommen konnte.

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Der_Bob 5. Dezember 2017 um 19:33

Vielen dank für die ausführliche und nette Antwort!
Den Einwand mit „permanent“ als Begriff für eine andauernde Tätigkeit kann ich absolut nachvollziehen. Hat bei mir Kopf schlicht andere Sachen hervorgerufen, aber hast du natürlich recht, dass das was du meinst so besser ausgedrückt ist!
Sonst finde ich es cool, dass man dieses Thema hier mittlerweile auf so einer sachliche Ebene diskutieren kann, habe schon hitzigere Kommentarverläufe dazu gelesen!
Ich denke eben und das ist wirklich als Anregung gemeint, dass man viele Menschen, die vom Blog und den Themen und Inhalten abgseschreckt sind, besser erreichen könnte, wenn man das Thema Verständlichkeit etwas mehr im Auge behält!

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schafstall 6. Dezember 2017 um 01:45

Ich finde nicht, dass mangelnde Präzision das Problem und damit der Ansatzpunkt für Verbesserung wäre. Im Gegenteil, den Texten merkt man das Streben nach Exaktheit sehr an. Mein Problem im Verstehen scheint mir vornehmlich einerseits in der schieren Komplexität und Tiefe der Beobachtungen und Gedanken von TR/Ihnen zu liegen (wurde ja schon erwähnt), sowie andererseits in den langen, vollgepackten und dadurch zusätzlich komplizierten Sätzen. Solche Sätze sind aufwändig zu konstruieren und ebenso aufwändig zu dechiffrieren. Leider ist es ebenfalls eine Schwierigkeit, Komplexes und Zusammen-zu-Denkendes in mehrere Sinneinheiten aufzudröseln und dann in Einzelteilen in mehrere, aufeinanderfolgende Sätze zu kleiden. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie das vermehrt versuchten – wo es denn möglich scheint.

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Izi 6. Dezember 2017 um 01:01

Ich möchte jetzt auch ‚mal für den Autor eine Lanze brechen, ohne dabei deinen Kommentar schlechtreden zu wollen.
Klar, manche Sätze wären schnörkelloser zu schreiben. Ganz häufig machen aber die vermeintlichen „Füllwörter“ oder „unnötig komplizierten Sätze“ genau den Unterschied aus, der dargestellt werden soll. Um eine Analogie heranzuziehen: Wenn ich Beethovens Fünfte mit einer Posaune oder einer Trompete nachspiele, dann klingt die Posaune fast permanent basslastiger, obwohl die Trompete punktuell verrückt tief und damit tiefer als die Posaune klingt. (Sollte ich mich da etwas irren, bitte ich alle Blechbläser um Verzeihung…) Ich gebe zu, ich muss TRs Texte mit eingeschaltetem Gehirn lesen, nur überfliegen und dann Browserfenster schließen ist nicht. 😉 Und manchmal stolpere ich ein- oder mehrmals über den gleichen Absatz, bis ich glaube, ihn verstanden zu haben. Aber für mich sind diese Details, die Nuancen aufzeigen sollen, nicht nur in sich selbst ein stilistisches Merkmal, sie sind essentiell für den Textinhalt. 😀

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Gnurmiflupp 6. Dezember 2017 um 17:56

Ich lese hier auch regelmässig Text und möchte die obige Kritik unterstützen. Ob die Texte aus professionellem Antrieb oder aus Spass an der Sache geschrieben werden, ändert ja nichts daran, dass der Autor in seiner Aussage gerne verstanden werden möchte.
Ich habe den Text nur mit Mühe verstanden, weil oft um den heissen Brei herumgeschrieben wurde. Das ist schade, für mich als Leser, aber wahrscheinlich auch für den Autor. Am Ende des Artikels wusste ich von dem Gelesenen fast gar nichts mehr, da so vieles unkonkret oder verschwommen ausgedrückt wurde, dass ich den eigentlichen Kern der Aussagen nicht finden konnte. Weniger Füllwörter und weniger Drumherumgerede (an manchen Stellen darf ich vielleicht sogar sagen, Geschwafel) würden mir das Lesen und Verstehen deutlich erleichtern.

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RoyalBlue 7. Dezember 2017 um 14:18

Ich möchte auf dieses Argument im Speziellen noch einmal eingehen. Es wird ja hier häufiger angemerkt, dass vieles „unkonkret und verschwommen“ ausgedrückt wird. Das würde ich auch durchaus unterschreiben, nur sehe ich das weniger als Problem, mehr als eine Folge. Der Fußball an sich ist nunmal (leider/ zum Glück?) eine sehr „unkonkreter Sachverhalt“, nichts was sich einfach greifen oder beschreiben lässt. Es ist etwas anderes, ob ich schreibe: „Der Hummels ist ein moderner, spielstarker Innenverteidiger, der neben den klassischen Fähigkeiten auch eine exzellente Technik mitbringt und diese auch in Engen zu nutzen weiß, gleichzeitig aber defensiv wie offensiv gerne weiträumig agiert und auch das Risiko nicht scheut“ oder es so beschreibe wie TR es getan hat. Ersteres ist mit Sicherheit nicht falsch und deutlich konkreter, aber es fehlt gleichzeitig auch an jeglicher Detailtiefe und vor allem an Abstufungen. Meine Beschreibung kann man auf hunderte weitere Spieler anwenden, TRs Artikel passt nur auf Hummels. Diese Details und Abstufungen mit der riesigen Menge an vermeintlich unnötigen Füllwörtern sind es, die die Texte so schwierig machen, sie sind mMn aber notwendig und werden durch das was beschrieben wird gefordert. Das ist so ähnlich wie bei fast allen Geisteswissenschaften, denen wird auch häufig vorgeworfen so unkonkret zu sein und doch eh nur über Dinge zu reden, die jeder weiß. Das ist (genau wie die Kritik an diesem Blog) teilweise berechtigt. Nur darf man nicht vergessen, dass es sich sowohl bei Geisteswissenschaften wie auch beim Fußball um unkonkrte Sachverhalte handelt, die zusätzlich noch von jedem anders wahrgenommen werden. Bei einer genaueren Betrachtung der Thematik entstehen so häufig ganz automatisch unkonkrete Texte, Unterhaltungen usw. Denn Menschen, die solche Dinge einfach und präzise ausdrücken können ohne zu vereinfachen gibt es wohl nur ganz wenige, solche Ansprüche sollte man an einen Freizeit-Blog nicht haben.

Ich glaube übrigens auch, dass gerade das der Grund ist, warum der Fußball so beliebt ist und warum man so herrlich über ihn diskutieren kann (auch ohne dass man Ahnung davon hat). Es gibt am Ende kein richtig und kein falsch, wenn überhaupt Ausprägungen und Tendenzen in die eine oder andere Richtung. Gleichzeitig macht dies natürlich die letztendliche Bewertung wahnsinnig komplex und niemals eindeutig, oder um im Kontext zu bleiben, konkret. Wer nach so etwas sucht dürfte sich z.B. im Schach oder auch den Naturwissenschaften bedeutend wohler fühlen 😉

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